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Full text of "Jahreshefte des Vereins f©r vaterl©Þndische Naturkunde in W©rttemberg"

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JAHRESHEFTE 

des 

Vereins für vaterländische Naturkunde 

in 

Württemberg. 

Im Auftrag der Redaktionskommission: 

Prof. Dr. E. Fraas, Prof. Dr. C. v. Hell, Prof. Dr. 0. Kirchner, 
O.Stud.R. Dr. K. Lampert, Geh. Hofrat Dr. A. Schmidt 

herausgegeben von 

Prof. J. Eichler. 

ZWEIUNDSECHZIGSTER JAHRGANG. 

Mit 1 Tafel und 2 Beilagen. 

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Stuttgart. 

I_^ Druck der K. Hofbuchdruckerei Zu Gutenberg (Klett & Hartmann) 

1906. 





Mitteilungen. 

Die verehrlichen Mitglieder und Tauschgesellschaften w erden 
behufs Vermeidung von Irrtümern dringend gebeten, sich für ihre 
Sendungen an den Verein folgender Adresse zu bedienen: 

Verein für vaterländische Naturkunde in Württemberg 

Stuttgart (Württemberg) 
Königl. Naturalien-Kabinett. 



Manuskript für diese Jahreshefte ist in druckfertigem Zustand 
jeweils bis spätestens zum 1. März an die Redaktion abzuliefern. 

Den Verfassern stehen auf Wunsch 50 Sonderabzüge, weitere 
Exemplare gegen Erstattung der Herstellungskosten zur Verfügung. 
Umschläge mit Titeln werden besonders berechnet. 



Ältere Jahrgänge dieser Jahreshefte können, soweit die Vor- 
räte reichen, in neuen Exemplaren gegen Nachzahlung eines Jahres- 
beitrags von 5 Mk. netto für den Jahrgang vom Verein bezogen 
werden. Von einigen Jahrgängen stehen leicht beschädigte Exem- 
plare zu billigeren Preisen zur Verfügung. 

Jahrgänge 1901 und 1904 sind vergriffen; Mitglieder, 
welche dieselben entbehren können, werden gebeten, sie dem Verein 
zuzuwenden. 

Mitglieder, welche die Jahreshefte in Originalleinwandeinband 
gebunden zum Preis von 6 Mk. zu beziehen wünschen, wollen dies 
dem Vereinskassier Dr. C. Beck, Stuttgart, Wagenburgstrasse 10, 
mitteilen. 

Um rechtzeitige Mitteilung eines etwaigen Wohnorts- und 
Adressenwechsels wird dringend ersucht; insbesondere werden die 
nach Stuttgart verziehenden Mitglieder gebeten, hiervon der oben 
bezeichneten Geschäftsstelle Mitteilung zu machen, damit ihnen die 
Einladungen zu den jeweils am 2. Montag eines Monats stattfindenden 
wissenschaftlichen Abenden zugestellt werden können. 



JAHRESHEFTE 



des 



Vereins für vaterländische Naturkunde 



Württemberg. 



Im Auftrag der Redaktionskommission : 

Prof. Or. E. Fraas, Prof. Dr. C. v. Hell, Prof. Dr. 0. Kirchner, 
O.-Stud.-R. Dr. K. Lampert, Geh. Hofrat Dr. A. Schmidt 

herausgegeben von 

Prof. J. Eichler. 



ZWEIUNDSECHZIGSTER JAHRGANG. 

Mit 1 Tafel und 2 Beilagen. 



Stuttgart. 

Druck der K. Hof))uclidruckerei Zu Gutenberg (Klett & Hartmann). 
1906. 



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Inhalt. 

I. Bericht über die geschäftlichen Angelegenheiten und 
die Sammlungen des Vereins. 

Bericht über die 60. Hauptversammlung am 24. Juni 1905 zu Tuttlingen. S. V. 

Wahl des Vorstandes und des Ausschusses. S. VI. 
Verzeichnis der Zugänge zu den Vereinssammlungen. 

A. Zoologische Sammlung. S. VIII. 

B. Botanische Sammlung. S. X. 

C. Mineralogisch-paläontologische Sammlung. S. XI. 

D. Bibliothek. S. XIII. 

Rechnungsabschluß für das Vereinsjahr 1904 1905. S. XXVI. 
Veränderungen im Mitgliederbestand. S. XXVII. 

Verzeichnis der Mitglieder nach dem Stand am I.Juni 1906. S. XXIX. 

IL Sitzungsberichte. 

60, Hauptversammlung in Tuttlingen. LV. 

Wissenschaftliche Abende in Stuttgart. S. LXVI. 

Oberschwäbischer Zweigverein für vaterländische Naturkunde. S. LXXXIX. ■ 

Schwarzwälder Zweigverein für vaterländische Naturkunde. S. CI. 

Bloch mann: Über die Brachiopoden der deutschen Südpolarexpedition. S. CXII. 

— — Über die Grubenwurmkrankheit. S. CHI. 

— — Vorlage. S. CIX. 

Dittus: Über die geognostischen Verhältnisse in der Waldseer Gegend. S. XOI. 

Ej^tel: Ziir Temperaturumkehr auf der Schwäbischen Alb. S. LXI. 

Feucht, 0.: Ein Ausflug in die Lüneburger Heide. S. LXXII. 

Fitting: Über die Pfropfbastarde von Bronveaux. S. CX. 

Fr aas, E. : Das kryptovulkanische Becken von Steinheim. S. LXVIII. 

— — Die Donauversickerung in ihrer allgemein geologischen Bedeutung. S. LIX. 
Grad mann, R. : Über einige neuere Ergebnisse skandinavischer Forschung in 

ihrer Bedeutung für die Pflanzengeographie Mitteleuropas. S. CTV. 
[Dazu Graner. S. CVII.] 
Grützner: Über Farbenmischung. S. CVII. 
Gußmann: Über die Hamiten von Eningen. S. CX. 
Hesse: Eiszeitrelikte in unserer Tierwelt. S. CIL 

— — Über Augen mit gleichzeitigem Nahe- und Fernsehen. S. CXI. 
Kauf f mann, Hugo: Licht und Farbe. S. LXXXVII. 

Koken: Vorlage. S. CIX. 

K 1 u n z i n g 6 r , C. B. : Über die Kreuzotter. S. XCI. 

— — Über neuere limnologische Bodenseeforschungen. S. LXVI. 
Vorlage. S. LXXXII. 

Krauß (Ulm): Das Wesen der Krebskrankheiten. S. LXXXIX. 
K r a u ß , H. A. : Über die Zunft der Empusinen. S. CVIII. 

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IV Inhalt. 

Lamper t: Wie der Mensch wohnt. S. C. 

Maier: Über Altersbestimmung bei Fischen. S. OIV, 

Mancher: Über die Entstehung der Kiesindustrie und die Geschichte der Stadt 

Waldsee. (Titel.) S. XCI. 
Müller, Ernst: Die Architektur der Knochen. S. LXXXII. 
Plieninger: Die fliegenden Reptilien der Jurazeit. S. CHI. 
Pompeckj, J. F.: Eine durch vulkanische Tuffbreccie ausgefüllte Spalte im 

Urach — Kirchheimer Vulkangebiet der Schwäbischen Alb. (Titel.) S. LXXXIX. 
Reihlen, Max: Eine Reise ans Nord-Kap. (Titel.) S. .LXXXIX. 
Sauer, A. : Die Vervollkommnung der geologischen Spezialaufnahmen und ihre 

kulturelle Bedeutung. S. LXXXVI. 
Scheurlen, E. : Klima, Witterung und Krankheit. S. LXXXTV. 
Schmidt, A. : Die Atmosphäre des Weltraums. S. LXXI. 

— — Die erdmagnetische Vermessung des Ries. S. LV. 

— — Über Fragen der Sonnenphysik. S. XCTX. 

Stahlecker, E.: Beziehungen der Flechten zum Untergrund. S. LXXX. 

III. Original-Abhandlungen und Mitteilungen. 

Enslin, E.: Dcndrocodian cai-aticii)it Fries. Mit Taf. I. S. 312. 

Geyer, D.: Beiträge zur Vitrellenfauua Württembergs. III. S. 189. 

Guide, J.: s. Strand. 

Hammer. E.: Einwägung von Festpunkten an der Linie Böblingen — Lustnau, 
Sommer 1902. S. 113. 

Hegelmaier, F.: Alchimillen des schwäbischen Jura. S. 1. 

Hüeber. Th. : Synopsis der deutschen Blindwanzen (Hemiptera heteroptera, 
Farn. Capsidae). IX. Teil. S. 201. 

s. Strand. 

Kranz, W. : Zur Entstehung des Buntsandsteins. Erwägungen über das nörd- 
liche Alpenvorland, Vulkanismus und Geotektonik. S. 104. 

Pompeckj, J. F.: Eine durch vulkanische Tuffbreccie ausgefüllte Spalte im 
Urach — Kirchheimer Vulkangebiet der Schwäbischen Alb. S. 378. 

Strand, Embr. : Tropisch-afrikanische Spinnen des Kgl. Xaturalienkabinetts 
in Stuttgart. S. 13. 

— — Hüeber, Th. und Guide, J. : Ausgewählte Kapitel aus 0. M.Reuters 

„Revisio critica Capsinarium" als Beitrag zur Biologie und Morphologie 
der Oapsiden. S. 263. 
Werner, F.: Zur Kenntnis afrikanischer Mantodeen. S. 361. 

B ü c h e r a n z e i g e. S. 398. 

Beilagen. 

Ergebnisse der pflanzengeographischen Durchforschung vun Württemberg, Baden 
und HohenzoUern. IL Mit 3 Karten. Bearbeitet von J. Eichler. R. Grad- 
mann und W. Meigen. 

Verzeichnis der mineralogischen, geologischen, urgeschichtlichen und hydro- 
logischen Literatur von Württemberg, HohenzoUern und den angrenzenden 
Gebieten. IV. Zusammengestellt von E. Schütze. 



I. Bericht über die geschäftlichen Angelegenheiten und 
die Sammlungen des Vereins. 

Bericht über die seclizigste Hauptversamiuluiig 

am 24. Juni 1905 in Tuttlingen. 

Dank dem freundlichen Entgegenkommen der Tuttlinger Stadt- 
verwaltung und der leider nicht sehr zahlreichen ortsansässigen 
Vereinsmitglieder war es dem Verein ermöglicht, seine 60. Haupt- 
versammlung in der als Industriestadt rasch aufblühenden Heimat 
des Sängers der „Wacht am Rhein" abzuhalten. Als Versammlungs- 
lokal war in dankenswertester Weise der schön geschmückte Fest- 
saal der Realschule zur Verfügung gestellt worden, dessen Wänden 
entlang eine Ausstellung von Naturalien aus der näheren und wei- 
teren Umgebung Tuttlingens Platz gefunden hatte. Insbesondere 
war es die durch ihren Reichtum an alpinen und subalpinen Pflanzen, 
namentlich auch schönen Orchideen ausgezeichnete Flora des Gebiets, 
deren bemerkenswerteste Vertreter dank den Bemühungen von Rektor 
Müller (Tuttlingen), Oberamts- Wundarzt Dr. Eytel (Spaichingen) 
und Pfarrer Beer (Kolbingen) in lebenden und getrockneten Exem- 
plaren den Besuchern vor Augen geführt wurden ; außerdem bot dem 
Weiden- , Rosen- und Brombeerspezialisten eine Ausstellung von 
Lehrer Scheuerle (Frittlingen) viel Bemerkenswertes. Besonderes 
Interesse beanspruchten auch einige von Pfarrer Beer ausgestellte 
Gesteine aus diluvialen Gerollen der Umgebung von Kolbingen, unter 
denen sich solche von unzweifelhaft alpiner Herkunft (z. B. Verru- 
cano) befanden , wodurch die Ansicht , als kämen derartige alpine 
Gerolle nur auf der Ulmer Alb vor und als stammten alle die auf 
der geologischen Karte der südöstlichen Alb zwischen Tutthngen 
und Ulm als „Quarz- und Quarzitgerölle" ausgeschiedenen Geschiebe 
aus dem Schwarzwald, ihre Widerlegung fand. 



— VI — 

Um 1 Uhr eröffnete der Vorsitzende Dir. Dr. Sußdorf die 
Versammlung und begrüßte die aus nah und fern erschienenen Mit- 
glieder und Freunde des Vereins, um dann ein kurzes Bild von der 
Vereinstätigkeit während des letzten Jahres zu entwerfen. Mit 
warmen Worten gedachte er insbesondere der in dieser Zeit dahin- 
gegangenen Vereinsmitglieder, deren Andenken die Versammlung in 
pietätvoller Weise ehrte. Nachdem sodann Stadtschultheiß Dr. Keck 
im Namen der Stadt dem Verein, dessen Tätigkeit und idealen Be- 
strebungen Redner wärmste Anerkennung zollte, ein herzhches Will- 
kommen geboten hatte, erstattete Oberstudienrat Dr. Lampe rt den 
Geschäftsbericht über das abgelaufene Vereinsjahr und dankte im 
Namen des Vereins allen denen, die sich durch Zuwendung von 
Naturalien und Büchern um die Sammlungen des letzteren verdient 
gemacht hatten. Redner nahm Gelegenheit, seinem Bedauern dar- 
über Ausdruck zu geben, daß der Verein in neuerer Zeit wiederholt 
den Austritt von Mitgliedern zu beklagen gehabt habe . bei denen 
man eine bessere Würdigung der Aufgaben und der im Verhältnis 
zu den außerordentlich niedrigen Mitgliedschaftsbeiträgen hoch- 
anzuschlagenden Leistungen und Darbietungen, des Vereins hätte vor- 
aussetzen dürfen: um so erfreulicher sei es dem gegenüber, immer 
wieder zahlreichen Fällen von lebhaftem Interesse an den Vereins- 
bestrebungen zu begegnen. Nachdem dann weiterhin Dr. C. Beck 
über den Stand der Vereinsfinanzen berichtet hatte, erfolgte die 

Wahl des Vorstands und des Ausschusses. 

Es wurden gewählt: 

als erster Vorstand: 

Geh. Hofrat Prof. Dr. A. Schmidt (Stuttgart), 
als zweiter Vorstand: 

Oberstudienrat Dr. K. Lampert (Stuttgart). 

Im Ausschuß verbleiben die für die Vereinsjahre 1904/1906 
gewählten Herren : 

Dr. C. Beck (Stuttgart), 
Forstdirektor Dr. F. v. Gran er (Stuttgart). 
Prof. a. D. Dr. C. B. Klunzinger (Stuttgart), 
Prof. Dr. A. Sauer (Stuttgart), 

Für das Vereinsjahr 1905/1906 wird neu gewählt: 
Direktor Dr. Sußdorf (Stuttgart). 



- VII — 

Für die Vereinsjahre 1905/1907 wurden wiedergewählt die 
Herren : 

Prof. Dr. W. Gmelin (Stuttgart), 

Prof. Dr. P. V. Grützner (Tübingen), 

Prof. Dr. K. v. Hell (Stuttgart), 

Prof. Dr. 0. Kirchner (Hohenheim), 

Prof. Dr. E. Müller (Stuttgart). 

Außerdem gehören dem Ausschuß an 

als Konservator der zoologischen Sammlung : 

Oberstudienrat Dr. K. Lampert (Stuttgart), 
als Konservator der botanischen Sammlung : 

Prof. J. Eichler (Stuttgart), 
als Konservator der mineralogisch-paläontologischen Sammlung : 

Prof. Dr. E. Fraas (Stuttgart), 
als Vorstand des Schwarzwälder Zweigvereins: 

Prof. Dr. F. B lochmann (Tübingen), 
als Vorstand des Oberschwäbischen Zweigvereins : 

Fabrikant Fr. Krauß (Ravensburg). 
Vom Ausschuß wurden gewählt: 

als Schriftführer: Prof. Dr. E. Fraas und Prof. Dr. C. B. 

Kl unzin ger ; 
als Bibliothekar: Prof. J. Eichler; 
als Rechnungsführer: Dr. C. Beck: 
als Rechnungsprüfer: Hofrat C h. C 1 e ß 1 e r (Stuttgart). 

In der Ausschußsitzung am 10. April 1906 wurde die Redak- 
tionskommission in ihrer bisherigen Zusammensetzung auf 5 
weitere Jahre wiedergewählt. 

Als Ort der nächsten Hauptversammlung im Jahre 1906 wurde 
auf Vorschlag des Herrn Apotheker Dr. Leube, der dem Verein die 
Einladung des Ulmer mathematisch-naturwissenschaftlichen Vereins 
überbrachte, Ulm gewählt. 

Nach Erledigung der geschäftlichen Angelegenheiten hielt zu- 
nächst der neue Vorsitzende, Prof. Dr. A. Schmidt einen Vortrag 
über „die erdmagnetische Vermessung des Ries" (s. unten 
S. LV). Nach kurzen Bemerkungen der Herren v. Grützner und 
Fraas, welch letzterer hervorhob, wie hier bei Erklärung des Ries- 
phänomens zwei vollständig verschiedene und unabhängig vonein- 
ander arbeitende Wissenschaften , Geologie und Physik , zu dem 
gleichen Resultat gekommen seien, hielt Prof. Dr. E. Fraas einen 



— VIII — 

Vortrag über „Die Donauversickerung in ihrer allgemein 
geologischen Bedeutung" (s. unten S. LIX). Sodann sprach 
Oberamtswundarzt Dr. Eytel (Spaichingen) „Zur Temperatur- 
umkehr auf der Schwäbischen Alb" (s. unten S. LXI). 

In einem weiteren Vortrag begründete Prof. Dr. Klunzinger 
(Stuttgart) den von ihm gestellten Antrag, daß der Verein eine vom 
Redner ausgearbeitete Eingabe an den Deutschen Reichstag richten 
möge, die einen größeren Schutz der Krammetsvögel (Singdrosseln) 
bezweckt. Einen solchen hofft Redner dadurch erreichen zu können, 
daß der Fang dieser Vögel durch Schhngen gesetzhch verboten und 
nur noch der jagdmäßige Abschuß , ähnlich wie bei der Schnepfe, 
gestattet wird. Die Versammlung stimmte diesem Antrag zu und 
beauftragte den Ausschuß mit den weiteren Schritten. Nachdem 
sodann noch Prof. Dr. v. Grützner (Tübingen) einige interessante 
physiologische Instrumente demonstriert hatte, schloß der Vorsitzende 
die Hauptversammlung, an die sich ein gemeinschaftliches, durch 
treffliche Reden gewürztes Mahl im Hotel „Zur Post" anschloß. — 
Am nächsten Tag fand unter zahlreicher Beteiligung eine Exkursion 
in das Donautal, zwischen Möhringen und Immendingen, statt, wo 
unter Führung von Prof. Fraas nicht nur die berüchtigte Ver- 
sickerungsstelle besichtigt, sondern auch die an den Hängen mehr- 
fach erschlossene Weißjuraformation und im Tal die interessante Alt- 
wasserflora studiert wurde. Von großem Interesse war ein Besuch 
der Basaltbrüche am Höwenegg , wo Herr Direktor Pfeifer die 
durstigen Wanderer durch einen kühlen Trunk erquickte. Eine 
Wagenfahrt über den Withoh mit prächtiger Aussicht auf das Hegau 
und den Bodensee bildete den Abschluß der genußreichen Zusammen- 
kunft. 



Verzeichnis der Zugänge zu den Vereinssammlungen. 
A. Zoologische Saiimilung. 

(Konservator: Obeistudienrat Dr. Lampert.) 

Säugetiere. 
1 Eichhorn, Sciunis vidgaris r2(/«s Keee., var. nigra, Cannstatt, 7. Nov. 1905, 

von Apotheker Reichert. 
1 Feldhase, Lepus europaeus L., Aidlingen, 31. Januar 1905, 

von Präparator H. Keller in Stuttgart. 

1 Mus silvaticus L., gefangen in einem Haus der Hegelstraße in Stuttgart, 

von Dr. J. Franck in Stuttgart. 



- IX — 

1 3Iics decumaims Fall., Albino, aus der Gärtnerei W. Pfitzer, 
von W. Pfitzer in Stuttgart. 

Vögel. 

1 Abendfalke, Cerchneis vespertimis L.,] „ . , . , , . 
-, -c r n -n 7 77 ^ t f T nedrichshaien, 

1 Baumtalke, ialco subbufeo L., j 

von Hofgärtner Amnion in Friedrichshafen, 

1 Grauammer, Miliaria miUaria L., Crailsheim 12. April 1906, 

von Dr. W. Halm in Crailsheim. 

1 Bergfink, Fringilla monfifringiUa L., Stuttgart, 23. Februar 1906, 

von Professor Dr. Klunziuger. 

Die Bergfinken waren in den Tagen von Mitte bis Ende Februar 

zu Tausenden in der Nähe Stuttgarts zu beobachten. 

1 Löffelente, Spafula ch/peafa Boie, Winzingen, 1905, 

von Oberförster M o o s m a y e r in Winzingen. 

Kopf einer Ringdrossel, Menila tof(ßiata L. , Karnsberg bei Murrhardt, 

6. Mai 1906, 

von Professor Dr. G. Jäger in Stuttgart. 

Das Vorkommen der Ringdrossel zu dieser Zeit in Württemberg 

ist sehr bemerkenswert. 

1 kleiner Steißfuß, Fodiceps minor Lath., Friedrichshafen, 13. Jan. 1906, 

von Hofgärtner Ammon in Friedrichshafen. 

1 Abart des Haussperlings, Passe/-rfo»?esf/c/(sL.,var., Wildbad, 16. Jan. 1906, 

von Forstassessor Neunhöffer in Wildbad. 

Außer diesen speziell der Sammlung des Vereins zukommenden 

Objekten wurde auch im vergangenen Jahr die Württ. zoologische 

Sammlung um eine beträchtliche Anzahl von Arten vermehrt, die 

Eigentum des Naturalienkabinetts sind. 

Insekten. 
Lepidoptera. 
Nest von Taumatopoea processionea L. , Prozessionsspinner, Dachswald 
bei Stuttgart, 

von Dr. M. Reihlen in Stuttgart. 



Bihio murci L., ( 

Blhio Jwrtuküiiis L., | 



D ip ter a. 
Gärtnerei Pfitzer in Stuttgart, 
von W. Pfitzer in Stuttgart. 



Orthopte ra. 
Diestrammcna marmorata Brun. 

Diese in Japan heimische Heuschrecke trat dieses Frühjahr 
plötzlich häufig in den großen Gärtnereien von Pfitzer in Stuttgart 
auf, wo ihr in der irrtümlichen Meinung, es handle sich um einen 
Pflanzenschädling, eifrig nachgestellt wurde. Die Fangmethode 
bewies bald, daß die Heuschrecke von tierischer Nahrung; und 



nicht von Pflanzen lebt ; sie fing sich nämlich regelmäßig in 
mit Speck geköderten Mausfalleu. 

von Prof. Dr. Y. H a e c k e r in Stuttgart. 

B. Botanische Samniluiig. 

(Konservator : Prof. J. E i c h 1 e r.) 

Verzeichnis der Einsender : 
Braun, Reallehrer, Rexingen. 
Dieterich, H., Pfarrer, Pflugfei den. 
Ketsch er, M., Professor, Geislingen. 
Finckh, A., Gymnasiast, Stuttgart. 
Haug, Professor, Ulm. 
Hermann, J., Schullehrer, Murr. 
Koch, Forstmeister, Heilbronn. 
Lang, Dr. W., Stuttgart. 
Mayer, Ad., Apotheker, Rosenfeld. 
Pohl er, Schullehrer, Göppingen. 
Rau, Dr. C, Forstamtmann. Schussenried. 
Schlanker, G., Oberlehrer, Cannstatt. 
Schlenker, K., Pfarrer, Leonbronn. 

I. Algen. 

Closterium Ehrenltergii Men., Stuttgart (Finckh). 

II. Phanerogamen. 

Ceteracli officinarum Willd., Murr (Hermann). 
Sparyanium min'mmm Fkies, Schwenningen (G. Schlenker). 
Helodea canadensis Richard, Rohrdorf OA. Nagold (Braun). 
Ci/perus flavescens L., Höpfigheim (Hermann). 
HeJeocharis uniglnmis Schultes, Schwenningen (G. Schlenker). 
Scirpus pauciflorus Lightfoot, ,, ,, ., 

Eriophorum polystachyum L. ., ,. ,, 

Carex tereüuscula Goodemough ,. ,. ,, 

„ rostrata /?, elatior Benx. ,, ,, ,, 

Miiscari racemosum Millee, Gemmrigheim (Koch). ' 
Cephalanthera Xiphophylhmi Rchb., Heilbronn (Koch). 
Salix repens L., Schwenningen (G. Schlenker). 

,, ,, „ Onstmettingen (Ad. Mayer). 

Sagina nodosa Fenzl., Schwenningen (G. Schlenker). 
Banunculiis Lingua L., ,, ,, ,, 

,, FJammiäa ß. reptans L., Schwenningen (G. Schlenker). 

Nasturtimn amphihium R. Beown, verschleppt in e. Kleefeld b. Witt- 

lingen (Dieterich). 
Rnhns tomenfosus f. gJabrafa Gode., Beimerstetten (Haug). 
Lafh>/nis NissoUa L., Rosenfeld (Ad. Mayer). 
Carum BuJhocastanmn Koch ,, ,, 



— XI — 

Pimpinella magna y. Jaciniata Walleoth, Eybach (Fetscher). 
Pasfinaca safiva L., Murr (Hermann). 

,, opaca Bernh., Hessigheim (Hermann). 

Bifora radians Biebeestein, Rosenfeld (Ad. Mayer). 
Pirola unifiora L., Eningen (Lang). 
Mentha grata Host, Schwenningen (G. Schlanker). 
CampanuJa pusiUa Haenke, Hausen OA. Blaubeuren (Pöhler). 
3Iatricaria discoidea DC, Güglingen (K. Schlenker). 
Senecio spatidifolius DC, Obermusbach (Rau). 
Cirsium bulbosum DC, Schwenningen (G. Schlenker). 

C. Mineralogisch-paläontologische Sammlung. 

(Konservator: Prof. Dr. E. Fr aas.) 
Als Geschenke: 

a) Mineralien: 

Pyrit aus dem Tertiär von Paris, 

von Herrn Pfarrer Stroh in Seeburg. 

b) Petrefakten: 

Terebratula c//cloides aus dem Muschelkalk von Münster, 

von Herrn L. Epstein in Stuttgart. 
Ammonites psdonotiis pUcatns \\n([ Itwceramns s'g. aus Lias a von Vaihingen, 
Muschelhorizont (Handstücke) aus der Meeresmolasse von Bodman, 
Encrinns Vdiiformis aus dem Muschelkalk von Neckarweihingen, 
Soninia ptycta Buckm. aus Braun-Jura y von Eningen, Ostrca sp. 
aus Lias 6 von Reutlingen , Psiloceras harpoptuchum aus Lias a 
von Nürtingen, SteplianophyJUa sp. und Turbo capitaneus aus Braun- 
Jura a von Heinningen, 

von Herrn Prof. Dr. E. Fr aas in Stuttgart. 

Ammonites opallnus aus Braun- Jura a , Ammonltes oxynotus, Ammonites 

raricostatus und Ammonites hifer aus Lias ß von Frommern 

von Herrn Baurat Roller in Stuttgart. 

Zapfen von Picea excelsa aus dem Interglazial von Ütznach und Helix sp. 

aus dem Tertiär von Harthausen, 

von Herrn Dr. C Beck in Stuttgart. 
Nautilus bidorsattis aus dem Wellengebirge von Freudenstadt, 

von Herrn Prof. Dr. Pompeckj in Hohenheim. 
Ammonites raricostatus und Am. oxyiiotus aus Lias ß von Frommern, 
Ehinoptera Studeri (Zahn) aus der Meeresmolasse von Baltringen, 
von Herrn Prof. W e i g e 1 i n in Stuttgart. 
Ammonites nmcrocephalus (Riesenexemplar), aus Braun-Jura e von Mar- 
garethausen, 

von Herrn Inspektor A. Karle in Stuttgart. 
Ammonites oxynotus aus Lias ß von Nürtingen, 

von Herrn Direktor A. Schott in Nürtingen. 



— XII — 

RJxynclioneJJa variabilis var. squamiplex, Eh. furcülata, Eh. Dalmasi, Tere- 
bratula punctata, Waldheimia numismalis, W. TFrt/'tT/joMset aus Lias 7 
von Großbettlingen, Terebratula margaritati aus Lias d und Wald- 
heimia äiibnumismalis aus Lias / von Geislingen (OA. Balingen). 
Originale zu Rau, die ßrachiopoden des mittleren Lias Schwa- 
bens 1905, 

von Herrn Mittelschullehrer Geyer in Stuttgart. 
Eliynchonella variabilis var. squamiplex, Eh. cf. retusifrons, Eh. parvi- 
rostris. Eh. aliena, Terebratula punctata, Walclheimia subnumismalis, 
W. Eömeri, W. Waterhoitsei var. lunaris aus Lias y von Endingen 
und Ehynchonella scalpcJlum aus Lias d von Balingen. Originale 
zu Rau, 1. c, 

von Herrn Pfarrer K. Gußmann in Eningen u. A. 
Terebratula punctata und Walclheimia cf. Mariae aus Lias / von Ba- 
lingen ; Terebratula margaritati, Tereb. solidorostris aus Lias d von 
Geislingen (OA. Balingen) und Waldheimia Barwini aus Lias ö 
von Eislingen. Originale zu Rau, 1. c, 

von Herrn Pfarrer Dr. Th. Engel in Eislingen. 
Ehynchonella variabilis mut. minor und Terebratula margaritati aus Lias d 
von Echterdingen und Waldheimia subnumismalis aus Lias y. 
Originale zu Rau, 1. c, 

von Herrn Prof. Dr. Wolf fing in Stuttgart. 
Terebratula Eadstockensis aus Lias y; Terebratula margaritati und Wald- 
heimia subdigona aus Lias J von Kirchheim u. T. Originale zu 
Rau, 1. c. Ammonites Algovianus und Amm. Kurrianus aus Lias d 
von Kirchheim u. T., 

von Herrn Hausvater Thumm in Kirchheim u. T. 
Hyhodonchus infracloacinus, Hyb. trispinosus und Acrodomlms lateralis aus 
dem Muschelkalk-Bonebed von Crailsheim. Originale zu E. Fraas, 
Kopfstacheln von Bybodus und Acrodus. Diese Jahreshefte 1889, 
S. 233 ff., 

von Herrn Hofrat R. Blezinger in Crailsheim. 
Ammonites TJlmensis und Amm. cf. divisus aus Weiß-Jura C von Kolbingen, 

von Herrn Pfarrer Beer in Kolbingen. 
Pseudoglyphaea nov. sp. aus Lias a von Bernhausen und Ammonites 
serrodens aus Lias C von Reutlingen, 

von Herrn Fabrikant E. Roth in Reutlingen. 
Ceratites atavus und C. Jlunsteri aus dem Hauptmuschelkalk von Hall, 

von Herrn Bauwerkmeister E. Wallrauch in Hall. 
Gervillia costcda, Ceratites intermedius und Nautilus bidorsatus aus dem 
Hauptmuschelkalk von Gerabronn, 

von Herrn Lehrer Botsch in Gerabronn. 
Ammonites subinsignis aus Lias C von Reutlingen. Helix Involuta var. 
scabiosa, Patula supracostaia aus dem Obermiocän von Mörsingen und 
Limnacus cf. armaniacensis aus dem Obermiocän von Zwiefaltendorf, 
von Herrn Verwaltungsaktuar A. John er in Riedlingen a. D. 
Dentalium mutabile aus der Meeresmolasse von Ursendorf, 

von Herrn Pfarrer Vierthaler in Heudorf a. Bussen. 



— XIII — 

Tefrospira suJcata aus dem Hauptmuschelkalk von Kocherstetten, 

von Herrn Schullehrer F. Hermann in Kocherstetten. 
Palaeomeryx Bojani und Ehinoceros GoJdfussi (Astragalus) aus dem Ter- 
tiär des Randecker Maars, 

von Herrn Apotheker A. Hölzle in Kirchheim u. T. 
Melania Escheri, Melanopsis Kleinii, Planorhis cormi, PI. laev'is, Limnaeus 
dilatatus , L. armmiacensis , Patula supracostata , Arcliaeozonites 
costatus, Helix oscnlum var. Giengensis , H. inflexa, H. sylvana, 
H. carinulata, H. coarctafa, Suhullna minuta, Planorhis decUvis, 
Cydostostoma consohrinum und Tiidora conica aus dem Obermiocän 
von Mörsingen. Scalaria sp., Bental'mm pseudo-enfalis , Corlmla 
gibba, Fibidaria (Echinocyamus) ovafa und Fib. Ursendorfcnsis, 
Stacheln von Psammechimts dubius und Bryozoen aus der Meeres- 
molasse von Ursendorf, 

von Herrn Dr. E. Schütze in Stuttgart. 
Zähne von Ceraiodiis conchinus , Knochenreste von Labyrinthodonten, 
Nothosauriern , Belodon und Fischen aus der Lehrbergstufe des 
mittleren Keupers von Stuttgart, 

von Herrn Gymnasiast A. Finckh in Stuttgart. 

Außerdem erhielt das kgl. Naturalienkabinett die reichhaltige 
mineralogische und geologische Sammlung des Herrn Präsident a. D. 
Dr. V. Baur als Geschenk. 

D. Bibliothek. 

(Bibliothekar: Prof. J. Ei oh 1er.) 

Zuwachs vom 1. Januar bis 31. Dezember 1905. 

a. Durch Geschenk und Kauf. 

Durch Schenkung von Büchern etc. haben sich folgende Mitglieder 
und Freunde des Vereins um denselben verdient gemacht : 

Branco, Dr. W., Geh. Bergrat, Berlin. 
Braun, Dr. K., Amani (Deutsch-Ostafrika). 
Fr aas, Prof. Dr. E,, Stuttgart. 
Haußmann, Prof. K., Aachen. 
Hein, Dr. Walter, München. 
Klunzinger, Prof. Dr. C. B., Stuttgart. 
Lutz, Dr. K. G., Stuttgart. 
t Probst, Dr. J., Biberach. 
Rau, Dr. K., Schussenried. 
^ V. Schmid, Dr. R., Prälat, Stuttgart. 

Schmidt, Dr. A., Geh. Hofrat, Stuttgart. 
Schneiderhan, Dr. E., Oberndorf. 
Schütze, Dr. E., Stuttgart. 
Stahl eck er, Dr. E., Korntal. 
Weinberg, Dr. W., Stuttgart. 
Wundt, G., Oberbaurat, Stuttgart. 



- XIV — 

I. Zeitschriften, Gesellschaftsschriften etc. 

„Aus der Heimat." Organ des Deutschen Lehrervereins für Naturkunde. 
Herausgegeben von Dr. K, G. Lutz. 18. Jahrg. 1905. (Lutz.) 

Belgique. Observatoire Royal: Annuaire astronomique pour 1906. — 
Annales astronomiques, Tomes VI (1887), VHI (1904), IX, 1 (1904). 
— Annales: Physique du globe, Tomes I (1904), II (1904). 

Brunn. Club für Naturkunde: Bericht VI für das Jahr 1903/04. 

Buenos Aires. Direccion general de estadistica de la provincia de 
B. A.: Demografia ano 1900, 1901, 1902. 

Der zoologische Garten. 46. Jahrg. 1905. 

Dresden. Genossenschaft ,, Flora", Gesellschaft für Botanik und Garten- 
bau: Sitzungsber. u. Abhandl. N. F. 8. Jahrg. 1903—1904. 

Eclogae geologicae Helvetiae. Mitteilungen der schweizerischen geo- 
logischen Gesellschaft Vol. VIII, 4—5 (1905). 

Kyoto. College of Science and Engineering: Mem. Vol. I, 2 (1904/05). 

Olmütz. Verein „Botanischer Garten" in 0., naturwissenschaftliche 
Sektion: Bericht I über die Vereinsjahre 1903/04 und 1904/05. 

Paris. Societe de speleologie : Spelunca T. VI, 38 — 41. 

Prag. Societas Entomologica Bohemiae (Prag): Acta Jahrg. 1904, 
Heft 1—4. 

Sao Paulo. Sociedade scientifica de S. P.: Revista No. 2, September 1904. 

Springfield. Museum of Natural history : Bull. No. 1 (1904). 

Ungarische, K. naturwissensch. Gesellschaft, botanische Sektion: 
Növenytani Közlemenyek Bd. II— IV, 1903 — 1905. 

Vegesack. Verein für Naturkunde für V. und Umgegend : Mitteilungen 
No. 1—3 für 1901/02, 1903, 1904. 

Versch. ältere Jahrg. dieser Jahreshefte. (C. Joos, v. Scheler.) 

Washington: Carnegie Institution of W. : Publications 23, 24, 30. 

Württembergischer Verein für Handelsgeographie und Förderung 
deutscher Interessen im Ausland : Jahresberichte XX — XXIII, 
1901 — 1904. 

II. Schriften allgemein naturwissenschaftlichen Inhalts. 

Natur und Staat, Beiträge zur naturwissenschaftlichen Gesellschafts- 
lehre. Eine Sammlung von Preisschriften. Herausgegeben von 
Prof. Dr. H. E. Ziegler in Verbindung mit Prof. Dr. Conrad und 
Prof. Dr. Häckel. 

Teil VIL Schalk, Emil, Der Wahlkampf der Völker, mit be- 
sonderer Bezugnahme auf Deutschland und die Vereinigten 
Staaten von Amerika. Jena 1905. 

(Fraas i. A. der Preiskommission.) 

III. Zoologie, Anatomie. 

Blum, J., Die Kreuzotter und ihre Verbreitung in Deutschland, Frank- 
furt 1888. 4^ 

Hein, Walter, Untersuchungen über die Entwicklung von Cotylorlüza 
fuhcrcidafa. Leipzig 1902. (Hein.) 



- XV — 

Hein, Walter, Bemerkvingeu zur Scyphomedusen-Entwicklung. 1902. 
(Hein.) 

— Beiträge zur Kenntnis \on Ämphilhia folidcea. Leipzig 1904, (Hein.) 

— Zur Epithelfrage der Trematoden. Leipzig 1904. (Hein.) 

V. Zeller, E., Untersuchungen über die Samenträger und den Kloaken- 
wulst der Tritonen, herausg. von C. B. Klunzinger und E. Jacab. 
Leipzig 1905. (Klunzinger.) 

IV. Botanik. 

Braun, K. , Die Kultur der Mohnpflanze und die Opiumgewinnung. 
1905 (Braun). 

— Ipecacuanha- oder Brechwurzel. 1905. (Braun.) 

Müller, Otto, Bacillariaceen aus dem Nyassalande und einigen be- 
nachbarten Gebieten. Leipzig 1904. (Wundt.) 

Stahlecker, Eugen, Untersuchungen über Thallusbildung und Thallus- 
bau in ihren Beziehungen zum Substrat bei siliciseden Krusten- 
flechten. Stuttgart 1905. (Stahlecker.) 

Sturm 's Flora von Deutschland in Abbildungen nach der Natur. 
2. umgearb. Aufl. Bd. 13. (Lutz.) 

V. Mineralogie, Geologie, Paläontologie. 

Branco, W. , Über H. Höfer's Erklärungsversuch der hohen Wärme- 
zunahme im Bohrloche zu Neuffen. Berlin 1904. (Branco.) 

— Die fraglichen fossilen menschlichen Fußspuren im Sandsteine von 

Warnambool, Victoria, und andere angebliche Spuren des fossilen 
Menschen in Australien. Berlin 1905. (Branco.) 

— und Fr aas, E. , Das kryptovulkanische Becken von Steinheim. 

Berlin 1905. 4°. (Fraas.) 

Fraas, E., Weitere Beiträge zur Fauna des Jura von Nordost-Grönland. 
Kopenhagen 1904. (Fraas.) 

Rau, Karl, Die Brachiopoden des mittleren Lias Schwabens mit Aus- 
schluß der Spiriferinen. Jena 1905. 4*^. (Rau.) 

Schneiderhan, Eugen, Die Umgebung von Bebenhausen. Stuttgart 
1904. (Schneiderhan.) 

Schütze, E., Die geologische und mineralogische Literatur des nörd- 
lichen Harzvorlandes. IL Magdeburg 1904. (Schütze.) 

— Ner'da costellata Münst. , eine Schnecke der schwäbischen Meeres- 

molasse. Stuttgart 1905. (Schütze.) 

VII. Chemie, Physik, Mathematik, Astronomie und 
Meteorologie. 

Haußmann, Karl, Magnetische Messungen im Ries und dessen Um- 
gebung. Berlin 1904. 4°. (Haußmann.) 

Schmidt, A., Gesetze der Lichtbrechung, angewendet auf die Physik 
der Sonne. Berlin 1905. 4". (Schmidt.) 



— XVI — 

VIII. Heilquellen und -Brunnen. 
Weizsäcker, Th., Wildbad im württembergischen Schwarzwald. 2. Aufl. 
Stuttgart 1905. (E.) 

IX. Schriften verschiedenen Inhalts. 

(Probst, J.) , Verzeichnisse zur Bibliothek und zu den Abhandlungen 

von Pfarrer Dr. J. Probst, Biberach. (Probst.) 
Schmid, Rudolf, Das naturwissenschaftliche Glaubensbekenntnis eines 

Theologen. Stuttgart 1906. (Schmid.) 
Weinberg and Gastpar, Die bösartigen Neubildungen in Stuttgart 

von 1873—1902. Jena 1904. (Weinberg.) 

b. Durch Austausch unserer Jahreshefte': 

Amani, s. Deutsch-Ostafrika. 

American Academy of arts and sciences (Boston): Memoirs Vol. 13 

No. 2. — Proc. Vol. XL, 10—24; Voh XLI, 1—13. 
American geographical society (New York): Bulletins Vol. XXXVII (1905). 
Amiens. Societe Linneenne du nord de la France: Bulletins T. XV, 

1900/01 und XVI, 1902/03. — Memoires T. XI, 1903/04. 
Amsterdam. K. Akademie van wetenschappen : Jaarboek voor 1905. 

— Verhandelingen (Natuurkunde) 1. sectie , deel IX, 1; dass. 
2. sectie, deel XI u. XII, 1 — 2. — Verslagen van de gewone 
Vergaderingen deel XIII (1904 — 1905). 

Asiatic society of Bengal (Calcutta). 

Augsburg. Naturwiss. Verein für Schwaben und Neuburg. 
Australasian association for the advaucement of science (Sydney). 
Badischer botanischer Verein (Freiburg): Mitteilungen No. 201 — 207 

und Beilage. 
Baltimore. Johns Hopkins University : University Circulars 1905, No. 5. 

— Memoirs of the Biol. Lab. Vol. V (1903). 
— s. Maryland. 

Bamberg. Naturforschender Verein. 

Basel. Naturforschende Gesellschaft: Verhandlungen Bd. XVII (1904) 

und XVIII, 1 (1905). 
Batavia s. Nederlandsch-Indie. 
Bayerische bot. Ges. zur Erforschung der heimischen Flora (München): 

Berichte Bd. X, 1905. — Mitteilungen No. 34—35. 
Bayerisches K. Oberbergamt in München, geognostische Abteilung: 

Geognostische Jahreshefte Bd. 16, 1903. 
Bayern. Ornithologische Gesellschaft in B. s. München. 
Belgique. Academie R. des sciences, des lettres et des beaux-arts 

de Belgique (Brüssel): Bull, de la classe des sciences 1905. 

Annuaires 71 annee, 1905. 



* In dem Verzeichnis sind sämtliche Gesellschaften usw. angeführt, mit 
denen der Verein Schriftenaustausch unterhält. Von den Gesellschaften, hinter 
deren Namen sich keine Angaben finden, sind dem Verein während des Jahres 
1905 keine Tauschschriften zugegangen. 



— XVII - 

Belgique. Societe entomologique (Brüssel): Annales T. XLVIII (1904). 

— Societe geologique (Liege): Annales Tome XXXII, 1 — 3 (1905). 

— Societe R. de Botanique (Brüssel): Bull. Tome XLI, 1902/03, und 

Tome XLII, 1903/04, fasc. 1 u. 2. 

— Societe R. zoologique et malacologique (Brüssel): Annales T. XXXVIII, 

1903 u. Tome XXXIX, 1904. 
Bergen's Museum: Aarbog for 1904, Heft 3 ; desgl. for 1905, Heft 1 u. 2, 

— Aarsberetning for 1904. — Sars, G. 0. , An account of the 
Crustacea of Norway, Vol. V, 7 — 10. 

Berlin. K. Akademie der Wissenschaften : Mathematische Abhandlungen 
aus dem Jahre 1904. — Physikalische Abhandlungen aus dem 
Jahre 1904. — Sitzungsberichte 1905. 

— Entomologischer Verein: Berliner entomolog. Zeitschr. Bd. 49, 1904, 

Heft 3 — 4. — Index der Arten in Bd. 25 — 35, 1881/90. 

— K. geologische Landesanstalt und Bergakademie: Jahrbuch für 1902, 

Bd. XXIII, Heft 3 u. 4; für 1903 Bd. XXIV; für 1904 Bd. XXV; 
für 1905 Bd. XXVI, Heft 1. 

— Gesellschaft naturforschender Freunde: Sitzungsber. Jahrg. 1904. 

— s. auch Brandenburg und Deutsche geol. Gesellschaft. 

Bern. Naturforschende Gesellschaft: Mitteilungen aus dem Jahre 1904. 

— s. auch Schweiz. 

Besancon. Institut Botanique: Archives de la flore Jurassienne, 
annee V, 49—50; annee VI, 51—60. 

Bodensee. Verein für Geschichte des Bodensees u. seiner Umgebung 
(Lindau). 

Bologna. R. Accad. d. scienze dell' Istituto di Bologna: Memorie 
ser. 5 a Voll. IX u. X (1900/02 u. 1902/04); ser. 6 a Vol. I 
(1904). — Rendiconti nuova Serie Voll. V, 1901/02; VI, 1901/02; 
VII, 1902/03; VIII, 1903/04. 

Bonn. Naturhistorischer Verein d. preuß. Rheinlande etc.: Verhand- 
lungen Jahrg. 61, 1904 und Jahrg. 62, 1905, Heft 1. 

— Niederrheinische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde : Sitzungs- 

berichte Jahrg. 1904 und Jahrg. 1905, Heft 1. 
Bordeaux. Soc. des sciences physiques et naturelles: Memoires Ser. 6, 
Tome II, 2 (1904). — Observations pluviometriques 1902/1903. 

— Proces verbaux des seances 1903/1904. 
Boston s. American Academy of arts and sciences. 

— Society of natural history: Memoirs Vol. V, 10 — 11; Vol. VI, 1. — 

Proceedings Vol. 28, No. 9; Vol. 31, No. 2—10; Vol. 32, 
No. 1—2. — Occasional papers Vol. VII, 1—3 (1904). 

Brandenburg. Botanischer Verein für die Provinz B. (Berlin): Ver- 
handlungen Jahrg. 46, 1904. 

Braunschweig. Verein für Naturwissenschaft. 

Bremen. Naturwissenschaftlicher Verein: Abh. Bd. XVIII, 1 (1905). 

Breslau s. Schlesische Ges. f. vaterl. Kultur. 

Brooklyn. Institute of Arts and Sciences : Cold Spring Harbor Mono- 
graphs III, IV, V (1905). — Science Bulletins 5 und 6 (1905). 

Jahreshefte d. Vereins f. vaterl. Naturkunde in Württ. 1906. b 



— XVIII - 

Brunn. Naturforschender Verein: Verhandlungen Bd. XLII, 1903. — 
Ber. d. meteorolog. Komm. XXII für das Jahr 1902. — Beitrag 
zur Kenntnis der Niederschlagsverhältnisse Mährens und Schlesiens. 
Mit 1 Karte. Von Hermann Schindler. (Brunn 1904.) 

Brüssel s. Belgique. 

Budapest s. Ungarische geol. Ges. 

Buenos Aires. Deutsche Akademische Vereinigung: Veröffentlichungen 
Bd. I, No. 8. 

— Museo nacional: Anales ser. 3. T. IV (1905).. 
Buffalo society of natural sciences. 

Caen s. Normandie. 

Calcutta s. Asiatic Soc. of Bengal. 

California Aeademy of sciences (San Francisco): Memoirs Vol. IV 

(1904). — Proceedings 3 ser.: Botany Vol. II, 11; Geology 

Vol. I, 10; Zoology Vol. III, 7 — 13. 
Cambridge. Museum of comparative zoology at Harvard College: 

Bulletins Vol. XXXIX, 9; XLII, 6; XLVI, 4—6; XLVÜ ; XL VIII, 1. 

— Memoirs Vol. XXV, 2; XXVI, 5, 7, 8, 9; XXX, 2; XXXI; 
XXXII. 

Canada. The Canadian Institute (Toronto): Trans. No. 16 (Vol. VIII, 1). 

— Geological survey (Ottawa) : Contributions to Canadian palae- 
ontology Vol. III, 2 (1904). 

— Royal Society (Ottawa): Proc. and Trans, for 1904 (2 ser. Vol. X). 
Cape of Good Hope. Geological commission of the colony of the 

C. 0. G. H. (Cape Town) : 9 Annual report for 1904. — Index 

to Ann. reports for 1896—1903. 
Cape Town s. Cape of Good Hope. 
Catania. Accademia Gioenia di sc. nat. : Atti ser. 2 a, Vol. 16, 1903 

und Vol. 17, 1904. — Bulletino, nuova ser. fasc. 83 — 86. 
Chemnitz. Naturwissenschaftliche Gesellschaft. 
Cherbourg. Societe nationale des sciences nat. et math. : Memoires 

tome XXXIV (4 ser. Vol. 4) (1904). 
Chicago. Field Columbian Museum: Publications No. 93 — 101, 103. 
Christiania. K. Universität. 
Chur s. Graubünden. 
Cincinnati. Soc. of natural history. 
Colmar. Naturhistorische Gesellschaft: Mitteilungen N. F. Bd. VII, 

1903—1904. 
Cordoba. Academia nacional de ciencias : Boletin tomo XVII, 4 und 

xvni, 1. 

Danzig. Naturforschende Gesellschaft: Schriften N. F. Bd. XI, 1 — 3 

(1905); Bibliothekskatalog Heft 1. 
Darmstadt. Großh. Hess. Geolog. Landesanstalt. 

— Verein für Erdkunde etc.: Notizblatt 4. F. Heft 25 (1904). 
Davenport (Iowa). Aeademy of natural sciences: Proc. Vol. IX, 

1901/03. 
Deutsche geologische Gesellschaft (Berlin): Zeitschrift Bd. LVI, 1904, 
Heft 3—4. 



— XIX — 

Deutsch- Ostafrika. Kaiserliches Gouvernement von D.-O. (Biologisch- 
Landwirtschaftliches Institut ia Amani) : Berichte über Land- und 
Forstwirtschaft in Deutsch-Ostafrika Bd. I (1902/03); II, 1—6 
(1904/05). 

Dijon. Acad. des sciences, arts et belies lettres. 

Donauesc hingen. Verein für Gesch. und Naturgesch. der Baar. 

Dorpat (Jurjew). Naturforscher-Gesellschaft b. d. Universität: Archiv 
für die Naturkunde Liv- , Esth- und Kurlands Ser. II (Biolog. 
Naturk.) Bd. 12, Lief. 3 (1905). — Schriften No. XIII— XV 
(1904). — Sitzungsber. Bd. XIII, Heft 3, 1903. 

Dresden. Naturwissenschaftliche Gesellschaft Isis: Sitzungsber. und 
Abhandl. Jahrg. 1904, Heft 2; Jahrg. 1905, Heft 1. 

Dublin. Royal Dublin Society: Scientific Proceedings Vol. IX, 1 (1899); 
Vol. X, 2—3 (1904/05); Vol. XI, 1—5 (1905). — Scientific 
Transactions ser. 2, Vol. VII, 2—7 (1899—1900); Vol. VIII, 6--16 
(1905); Vol. IX, 1 (1905). — Economic Proceedings Vol. I, 1, 
5—6 (1899, 1904—1905). 

Dürkheim a. d. H. Pollichia, ein naturwiss. Verein der Rheinpfalz: 
Mitteilungen No. 20 (LXL Jahrg. 1904), No. 21 (LXII. Jahrg. 
1905). 

Edinburgh. Botanical society: Trans, and Proc. Vol. XXII, 4; 
Vol. XXIII, 1. 

— Geological society. 

— R. physical society: Proceedings Vol. XVI, 1 — 3. 

— Royal Society. 

Elberfeld. Naturwissenschaftlicher Verein. 

Erlangen. Physikalisch-medizinische Societät: Sitzungsber. H. 36, 1904. 
Firenze s. Italia. 

France. Societe geologique (Paris): Bull. ser. 4. Vol. IV, 1904, 
No. 4 — 5. 

— Societe zoologique (Paris): Bull. Vol. XXVII, 1902; Vol. XIX, 1904. 
Frankfurt a. M. Senckenbergische naturforschende Gesellschaft: Be- 
richt von 1905. 

Freiburg i. Br. Naturforschende Gesellschaft. 

— s. auch Badischer botan. Verein. 

Geneve. Conservatoire et Jardin Botaniques (Herbier Delessert): An- 
nuaire 7. u. 8. annee (1904). 

— Soc. de physique et d'hist. naturelle : Memoires tome XXXIV, 5 

(1905); tome XXXV, 1 (1905). 

Genova. Museo civico di storia naturale: Annali ser. 3a, Vol. I, 
1904—1905. 

Giessen. Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde: Be- 
richt 34 (1905). 

Glasgow. Natural history society. 

Görlitz. Naturforschende Gesellschaft. 

Graubünden. Naturforschende Gesellschaft (Chur): Jahresberichte N. F. 
Jahrg. XLVII, 1904/1905. 

b* 



- XX — 

Greifswald. Naturw. Verein von Neu- Vorpommern und Rügen: Mit- 
teilungen 36. Jahrg., 1904. 
Halifax. Nova Scotian Institute of Science. 
Halle. Verein für Erdkunde: Mitteilungen Jahrg. 1905. 

— Kais. Leopoldinisch-Carolinische Akademie d. Naturforscher: Leopol- 

dina Bd. XLI, 1905. 

— Naturw. Verein für Sachsen und Thüringen : Zeitschrift für Natur- 

wissenschaften Bd. 77, 1904. 
Hamburg. Naturw. Verein: Verhandlungen 3. Folge, Bd. XH, 1904. 

— Verein für naturw. Unterhaltung. 

— Wissenschaftl. Anstalten. 

Hanau. Wetterauische Gesellschaft für die gesamte Naturkunde. 
Hannover. Naturhistorische Gesellschaft: 50, — 54. Jahresbericht, 

1899/1904. 
Harlem. Fondation de P. Teyler van der Hülst: Archives du Musee 

Teyler, Ser. 2 Vol. IX, 1—4 (1904/05). 

— Societe hollandaise des sciences : Archives neerlandaises des sciences 

exactes et naturelles, Ser. 2 Tome X (1905). — Natuurkundige 

Verhandelingen, 3. Verz. Deel VI, 1 (1905). — Oeuvres corapletes 

de Christian Huygens, Tome X (1905). 
Havre s. Normandie. 
Heidelberg. Naturhist.-medizin. Verein: Verhandlungen N. F. Bd. VIII, 

1 (1904). 
Helgoland. Biologische Anstalt (s. Kiel-Helgoland). 
Helsingfors. Societas pro fauna et flora Fennica : Acta Vol. 26 (1904). 

— Meddelanden Heft 30, 1903—1904. 
Hermannstadt. Siebenbürgischer Verein für Naturwissenschaften: 

Verhandlungen u. Mitteilungen 53. Bd. 1903. 
H h e n h e i ra. Kgl. Württ. landwirtschaftliche Akademie : Festschrift 

zur 87. Jahresfeier (1905). — Jahresbericht für die Zeit 1. April 

1904 bis 31. März 1905. 

— Kgl. Württ. Anstalt für Pflanzenschutz: Flugblätter 5— ß. — 

Kirchner, 0.: Bericht über die Tätigkeit der K. W. A. f. P. 

im Jahre 1904. 
Iglö s. Ungarn. 

Innsbruck. Naturwissenschaftlich-medizinischer Verein. 
Italia. R. comitato geologico (Roma) : Bollettino, anno XXXV, 1904, 

Heft 3 u. 4; anno XXXVI, 1905, Heft 1. 

— Societä entomologica (Firenze) : Bollettino, anno XXXVI, 1904, 

Trim. III u. IV. 
J urj e w s. Dorpat. 

Kansas. The Kansas University (Lawrence). 
Karlsruhe. Naturwissenschaftlicher Verein: Verhandlungen Bd. 18 

für 1904—1905. 
Kassel. Verein für Naturkunde. 
Kiel s. Schleswig-Holstein. 
Kiel-Helgoland. Kommission zur wissenschaftl. Untersuchung der 

deutschen Meere und Biologische Anstalt auf Helgoland : Wissen- 



— XXI — 

schaftl. Meeresuntersuchungen, N. F. Bd. VII Abt. Helgoland Heft 1 
(1905); Bd. VIII Abt. Kiel (1905). 

Königsberg. Physikalisch-ökonomische Gesellschaft: Schriften Jahr- 
gang 45, 1904. 

Krefeld. Naturwissenschaftlicher Verein: Jahresbericht 1904/1905. 

Landshut. Botanischer Verein. 

Lausanne. Societe Vaudoise des sciences naturelles : Bulletins, 4. ser. 
Vol. XL No. 151; 5. ser. Vol. XLI No. 152 u. 153. 

Lawrence s. Kansas. 

Leiden. Nederlandsche Dierkundige Vereeniging: Tijdschrift ser. 2, 
Deel VIII, 2—4 (1903/04); Deel IX, 1—2 (1905). 

Leipzig. Naturforschende Gesellschaft : Sitzungsber. 30. u. 31. Jahrg., 
1903/1904. 

Liege. Societe Royale des Sciences. 

— Societe geologique de Belgique, s. Belgique. 
Lima s. Peru. 

Lindau s. Bodeiisee. 

Linz. Museum Francisco-Carolinum : Jahresber. 63 nebst Beiträgen zur 
Landeskunde Lfg. 57 (1905). 

— Verein für Naturkunde in Österreich ob Enns: Jber. XXXIV (1905). 
Lisboa s. Portugal. 

London. Geological Society: Quarterly Journal Vol. LXI, 1905. — 
Geological Literature added to the G. S. library during 1904. 

— Linnean Society: Journal, a) Botany Vol. XXXVII, 258—259; 

b) Zoology Vol. XXIX, 191 — 192. — Proceedings Jahrg. 1904/05. 

— Zoological Society: Proceedings for 1904, Vol. I, 2 und Vol. II; 

for 1905 Vol. I. 
Lübeck. Geographische Gesellschaft und Naturhistorisches Museum: 

Mitteilungen 2. Reihe Heft 20 (1905). 
Lund. Universitas Lundensis: Lunds Universitets Arsskrift XXXIX, 

1903, 2. Abt. (= K. Fysiografiska Sällskapets Handlingar 1903, 

N. F. Bd. 14). 
Luxemburg. Institut R. grand-ducal (Section des sciences naturelles 

et mathematiques), 

— Societe de Botanique du Grand-duche de L. 

— Verein Luxemburger Naturfreunde vorm. „Fauna" : Mitteilungen aus 

den Vereinssitzungen, 14. Jahrg., 1904. 
Lyon. Academie des sciences, heiles lettres et arts. 

— Museum d'histoire naturelle. 

— Societe d'Agriculture, Sciences et Industrie. 
Magdeburg. Naturwissenschaftlicher Verein. 
Mannheim. Verein für Naturkunde. 

Marburg. Gesellschaft zur Beförderung der gesamten Naturwissen- 
schaften. 

Marseille. Faculte des Sciences. 

Maryland. Geological survey (Baltimore): Miocene (1904). 

Mecklenburg. Verein der Freunde der Naturgeschichte (Rostock): 
Archiv 58. Jahrg. 1904, Abt. II; 59. Jahrg. 1905, Abt. L 



— XXII — 

Melbourne s. Victoria. 
Metz. Societe d'histoire naturelle. 

Mexico. Institute geologico de M.: Boletin No. 20 (1905). — Parer- 
gones Tomo I, 6—8 (1904/05). 

— Sociedad Mexicana de historia natural. 

Milano. R. Istituto Lombardo di scienze e lettere : Rendiconti, 
ser. 2a Vol. 37 No. 17—20 (1904/5); Vol. 38 No. 1—16 (1905). 

Missouri. Botanical garden (St. Louis).: 16 annual Rep., 1905. 

Montevideo. Museo nacional : Arechavaleta, J., Las gramineas 
Uruguayas, 1898. — Florauruguaya tomo II (Forts, u. Schluß), 1905. 

Moskau. Societe imperiale des naturalistes: Bulletins 1904 No. 2 — 4. 

München s. Bayerische botan. Ges. 

— s. Bayerisches K. Oberbergamt. 

— Ornithologische Gesellschaft in Bayern. 

Napoli. R. Accad. delle scienze fisiche e mat. : Atti ser. 2 a Vol. XII 
(1905). — Indice generale dei lavori 1737 — 1903. — Rendiconti 
Serie 3 Vol. X, 1904, fasc. 8—12; Vol. XI, 1905, fasc. 1 — 7. 

— Zoologische Station. 

Nassauischer Verein f. Naturkunde (Wiesbaden): Jahrbücher Jg. 58 

(1905). 
Nederlandsch Indie. Natuurkundige Vereeniging i. N. I. (Batavia) : 

Natuurkundige Tijdschrift deel LXIV (10. Ser. Deel VIII) (1905). 
Neuchätel. Societe des sciences naturelles: Bulletins Tomes XXIX, 

1900/01 und XXX, 1901/02. 
New Haven. Connecticut academy of arts and sciences. 
New South Wales. Linnean Society of N. S. W. (Sydney): Proceedings 

1904, Vol. XXIX, 3—4; 1905, Vol. XXX, 1—2. 

— R. Society (Sydney). 

New York Academy of sciences: Annais Vol. XV, 3 (1904); Vol. XVI, 
1—2 (1905). — Memoirs Vol. II, 4 (1905). 

— s. American geographical Society. 

New Zealand Institute (Wellington): Transactions and Proceedings 

Vol. XXXVII. 1904. 
Normandie. Societe Linneenne de N. (Caen) : Bulletins 5. ser. Vol. 7, 

1903. — Memoires Vol. XXI, 1 (1902/4). 
■ — Societe geologique de N. (Havre). 
Nürnberg. Naturhistorische Gesellschaft: Abhandlungen Bd. XV, 2. — 

Jahresbericht für 1903. 
Offenbach. Verein für Naturkunde. 
Ottawa s. Canada. 
Padova. Accademia scientifica Veneto-Trentino-Istriana , Gl. di Sc. 

nat., fis. e mat.: Atti N. Ser. Anno I fasc. 2 (1905); Anno II 

fasc. 1 (1905). 
P aris s. France. 
Passau. Naturhistorischer Verein: Bericht No. 19 für die Jahre 

1901—1904. 
Peru. Cuerpo de Ingenieros de Minas del P. (Lima): Boletins No. 27 

und 28 (1905). 



— XXlll — 

Philadelphia. Academy of natural sciences: Proceedings Vol. LYI, 
1904, parts 2 u. 3 ; Vol. LVII, 1905, parts 1 u. 2. 

— American philosophical society for promoting useful knowledge : 

Proceedings Vol. XLIII, 1904, No. 177 u. 178; Vol. XLIV, 1905, 
No. 179 u. 180. — Transactions N. S. Vol. XXI, 1 (1905). 

— Wagner Free Institute of Science. 

Pisa. Societa Toscana di scienze naturali residente in P. : Processi 

verbali Vol. XIV No. 6—8. 
PoUichia s. Dürkheim a. d. H. 
Portugal. Direction des travaux geologiques du Portugal (Lisboa) : 

Communicacöes. Tome VI, 1 (1904/5). 
Posen. Naturwissenschaftlicher Verein der Provinz Posen : Zeitschr. der 

Sektion f. Botanik ll.Jhg., 1904, Heft 2; 12.Jhg., 1905, Heft 1 u. 2. 
Pozsony s. Presburg. 
Prag. Deutscher naturwiss.-medizin. Verein für Böhmen „Lotos" : 

Sitzber. Jahrg. 1904, N. F. Bd. XXIV. (Ganze Reihe Bd. 52.) 

— Lese- und Redehalle der Deutschen Studenten in Prag: 56. Bericht 

über das Jahr 1904. 
Presburg (Pozsony). Verein für Natur- und Heilkunde. 
Regensburg. Kgl. botanische Gesellschaft: Denkschriften Bd. IX 

(= N. F. Bd. 3) (1905). 

— Naturwissenschaftlicher Verein: Berichte Heft IX für 1901 u. 1902. 
Rennes. Universite: Travaux scientifiques t. III, 1904. 

Riga. Naturforscher-Verein. 

Rio de Janeiro. Museu nacional. 

Roma. Accademia Pontificia dei nuovi Lincei. 

— R. Accademia dei Lincei: Atti anno CCCII, 1905, Ser. 5, Rendiconti 

Vol. XIV. 

— s. auch Italia. 
Rostock s. Mecklenburg. 

Rovereto. Museo civico: Publicazioni No. 41 (1904). 

Saint Louis. Academy of science. 

San Francisco s. California. 

Sankt Gallische naturwissenschaftl. Gesellschaft: Jahrbuch für das 

Vereinsjahr 1902/1903. 
Sankt Petersburg. Comite geologique: Bulletins 1904 t. XXIII. 

— Memoires nouv. serie Lfgn. 14 — 17. 

— Russisch-kaiserl. mineralogische Gesellschaft : Verhandlungen 2. ser. 

Bd. 42, Lfg. 1 (1904). 

— Kais. Akademie der Wissenschaften. 

— Physikalisches Central-Observatorium. 

Santiago de Chile. Deutscher wissenschaftlicher Verein. 

Schlesische Gesellschaft für vaterländische Kultur: 82. Jahresber., 
1904, und Ergänzungsheft. 

Schleswig-Holstein. Naturwissenschaftlicher Verein für Schleswig-Hol- 
stein (Kiel): Schriften Bd. XIII, 1 (1905). — Register zu Bd. I— XII. 

Schweiz. 'Allgemeine Schweizer Gesellschaft für die gesamten Natur- 
wissenschaften (Bern). 



— XXIV — 

Schweiz. Greologische Kommission der schw. natf. Ges. : Beiträge zur Geo- 
logischen Karte der Schweiz. N. F. Lfg. XVI, XVII, XVIII, XIX. 
(= Ganze Serie Lfg. 46, 47, 48, 49.) — Kartenblätter: Blatt VII, 1 
(2. Ausg.); Spezialkarten 31, 34, 35, 36. 

— Schweizerische botanische Gesellschaft (Zürich): Ber. Heft 14 (1904). 

— Schweizerische entomologische Gesellschaft (Bern) : Mitteilungen 

Bd. XI, 2 (1905). 

— Schweizerische naturforschende Gesellschaft (Bern) : Verhandlungen 

der 87. Jahresvers. 1904 zu Winterthur. 
Sion. La Murithienne : Bulletin XXXIII, 1904. 
Stanford University. Leland Stanford junior University: Register for 

1904/05. 
Steiermark. Naturw. Verein (Graz): Mitteilungen 1904, Heft 41. 
Stockholm K. Svenska Vetenskaps Akademien: Handlingar Bd. 39 

No. 1 — 5. — Arkiv for matematik, astronomi och fysik II, 1 — 2; 

Arkiv for kemi, mineralogi och geologi II, 1 ; Arkiv for botanik 

IV, 1 — 4; Arkiv for zoologi II, 3 — 4. — Accessionskatalog af 

Sveriges offentliga Bibliotek No. 18 — 19, 1903/4. — Le prix 

Nobel en 1902. — Binar Lönnberg: Peter Artedi (1905). 
Straßburg. Kais. Universitäts- und Landesbibliothek: Monatsberichte 

der Ges. zur Förderung der Wiss. etc. im Unter-Elsaß Bd. XXXVII, 

1903 und Bd. XXXVIII, 1904. 
Stuttgart. Ärztlicher Verein: Medizinisch-statistischer Jahresbericht 

über die Stadt Stuttgart. 32. Jahrg. 1904. 

— s. auch Württemberg. 

Sydney s. Australasian association for the advancement of sciences. 

— s. New South Wales. 

Tokio. College of science , Imperial University, Japan: Journal XIV; 

XX, 3—7. 
Torino. R. Accademia delle scienze : Atti Vol. XL, 1904/1905. 

— Osservatorio della Regia Universitä : Osservazioni meteor. 1904. 
Toronto s. Canada. 

Tromsö Museum. 

Tübingen. K. Universitätsbibliothek: Universitätsschriften a. d. J. 
1904/1905. — 21 Dissertationen der naturwissenschaftl. Fakultät. 

Tufts College (Mass. U. S. A.). 

Ulm. Verein für Mathematik und Naturwissenschaften. 

Ungarische geologische Gesellschaft und k. ungarische geologische An- 
stalt (Budapest) : Földtani Közlöny Bd. XXXIV, 1904, Heft 11 — 12 ; 
Bd. XXXV, 1905, Heft 1—7. — Jahresbericht der k. ung. geol. 
Anstalt für 1902. — Mitteilungen a. d. Jahrbuch Bd. XIV, 2—3; 
Bd. XV, 1. — Übersichtskarten der ungar. Tone (1899); desgl. der 
Ungar. Dekorations- und Baugesteine (1902). — Umgebungskarten 
von Szeged und Kistelek (1903); desgl. von Kirmarton (1905). 

— Ungarischer Karpathen- Verein (Iglö) : Jahrbuch (Deutsche Ausgabe), 

Jahrg. XXXII, 1905. 
United States of N. Am. Commission of Fish and Fisheries 
(Washington): Commissioners Rep. for 1903, part XXIX. — 
Bulletins Vol. XXIII, 1903. 



— XXV — 

United States of N. Am. Department of Agriculture (Washington): 
Yearbook 1904. 

— Department of the Interior (Geological survey) (Washington) : Annual 

report Vol. XXV, 1903—1904. — Bulletins No. 234—240, 
242 — 246, 248 — 250, 252—255, 257—262, 264. — Professional 
papers No. 29 — 33, 35, 39. — Water supply and irrigation papers 
No. 99, 100, 103, 105 — 122, 124, 126, 128, 132. ~ Mineral 
resources of the U. S., Calendar year 1903. 
Upsala. The Geological Institution of the university : Bulletin Vol. VI, 
1902/3, No. 11 — 12. 

— Regia Societas scientiarum Upsaliensis: Acta literaria et scientiarum 

Sveciae, Vol. IV, 2—5, 1736—1739. — Nova Acta (= ser. 2 der 
Acta), Vol. II, IV— XIV (1775, 1784—1850); ser. 3 Vol. I— XIII 
(1855—1887); Jubelband 1877; ser. 4 Vol. XVII, 2, Jahrg. 1898. 

— Arsskrift 1 u. 2 (1860, 1861). 

Victoria. Public library, Museums and National Gallery (Melbourne): 
Catalogue of current peüodicals received at the P. 1. (1905). 

Waadtland s. Lausanne. 

Washington. Smithsonian Institution: Annual report of the Board 
of Piegents for 1903. — Rep. of the National Museum 1903. — 
Bull, of the U. S. National Museum No. 50, part III (1904), No. 53; 
part I (1905). — Contributions from the U. S. Nat. Herbarium 
Vol. IX (1905). — Smithsonian contributions to knowledge 
Vol. XXXIV No. 1459. — Smithsonian miscellaneous collections 
Vol. 46 No. 1443, 1444, 1543, 1544, 1572; Vol. 47 No. 1459, 
1478, 1548; Vol. 48 No. 1574; Vol. 49 No. 1584. 

— s. auch United States. 
Wellington s. New Zealand Institute. 

Wien. Kaiserl. Akademie der Wissenschaften, math.-naturw. Klasse: 
Sitzungsberichte Bd. CXII , 1903: Abt. 1 Heft 4 — 10; Abt. 2 a 
Heft 7 — 10; Abt. 2 b Heft 7 — 10; Bd. CXIII, 1904. — Mitteilungen 
der Erdbeben-Kommission No. XXII- — XXVII. 

— K. K. geologische Reichsanstalt: Jahrbuch 54, 1904, Heft 2 — 4; 

Jg. 55, 1905. — Verhandlungen_,1904No. 13 — 18; 1905 No. 1—12. 

— Generalregister für Jahrb. 41—50 und Verh. 1891/1900. 

— K. K. naturhistorisches Hofmuseum: Annalen Bd. XIX, 2 — 4 (1904). 

— K. K. zoologisch-botanische Gesellschaft. 

— Verein zur Verbreitung naturw. Kenntnisse: Schriften Bd. 44, 1903/4 

und Bd. 45, 1904/5. 

Wiesbaden s. Nassauischer Verein für Naturkunde. 

Winterthur. Naturwiss. Gesellschaft. 

Württemberg. K. statistisches Landesamt (Stuttgart): Württ. Jahr- 
bücher für Statistik und Landeskunde Jg. 1904 Heft 2, Jg. 1905 
Heft 1. — Deutsches meteorologisches Jahrbuch: Württemberg, 
Jahrg. 1900 u. 1901. 

— Württembergischer Schwarzwaldverein (Stuttgart) : ,,Aus dem Schwarz- 

wald" Jahrg. XIII (1905). 
Würzburg. Physikalisch-medizinische Gesellschaft: Sitzungsberichte 
Jg. 1904. — Verhandlungen N. F. Bd. XXXVII (1905). 



— XXVI — 

Zürich. Naturforschende Gesellschaft: Vierteljahresschrift Jahrg. 49, 

1904, Heft 3 — 4; Jahrg. 50, 1905, Heft 1—2. 
■ — s. auch Schweiz. 
Zwickau. Verein für Naturkunde: Jahresbericht für 1903, 



109 


M. 


64 Pf. 


14 


„ 


40 „ 


709 


,, 


76 „ 


4500 


,, 


— „ 


150 


,, 


— „ 


95 




— ,, 


458 


>. 


68 „ 


221 




20 „ 


168 




50 „ 



Der 

Rechiiungs- Abschluß 

für das Vereinsjahr 1. Juli 1904/1905 stellt sich folgendermaßen: 
Einnahmen: 

Kassenstand am 1. Juli 1904 

Dividende der Feuerversicherung f. d. Jahr 1904/05 

Zins aus den Kapitalien 

Mitgliedschaftsbeiträge von 900 Mitgliedern ä 5 M. 
Für 150 Originaleinbände von Jahresheften ä 1 M. 

,, im Buchhandel verkaufte Jahreshefte 

,, gelieferte Separatabzüge 458 

Vom Badischen Botanischen Verein für 500 Exem- 
plare der Beilage zu Jahresheft 1905 .... 
Ortszuschlag von 337 Stuttgarter Mitgliedern ä 50 Pf. 

~6427 M. 18 Pf. 
Ausgaben: 

Vermehrung der Bibliothek 

Buchbinderkosten 

Herstellung der Jahreshefte und Separatabzüge 

Expedition der Jahreshefte 451 

Sonstige Porti 

Honorare, Inserate, Einladungskarten, Saalmiete . 
Unkosten der Pflanzengeographischen Kommission 

,, ,, Zweigvereine 

Steuer und Bankierkosten 

~6344 M. 14 Pf. 

Einnahmen 6427 M. 18 Pf. 

Ausgaben 6344 ,, 14 ,, 

Kassenstand auf I.Juli 1905 82 M. 04 Pf. 
Vermögensberechnung. 

Kapitalien nach Neunwert 19 600 M. — Pf. 

Kassenstand 82 ,, 04 ,, 

Vermögen auf 1. Juli 1905 19 682 M. 04 Pf. 

Das Vermögen betrug am 1. Juli 1904 . 19 709 „ 64 „ 
es ergibt sich somit eine Abnahme gegen das Vor- 
jahr von 27 M. 60 Pf. 

Der Rechner: Dr. C. Beck. 
Die Piechnung wurde geprüft und richtig befanden von 

Hofrat C. Cleßler. 



12 M. 


06 Pf. 


90 „ 


50 „ 


4944 „ 


83 




451 „ 


85 




90 ,, 


50 




579 „ 


94 




9 „ 


10 




115 „ 


65 




49 „ 


71 





— XXVIl — 
Veränderungen im Mitgliederbestand. 

Vom 1. April 1905 bis 31. Mai 1906 traten dem Verein folgende 
45 Mitglieder bei: 

Basler, Adolf, Dr. med., Assistent, Tübingen. 

Bauer, Hugo, Dr., Assistent, Stuttgart. 

Baur, Ernst, Hütteninspektor in Wasseralfingen. 

Bertsch, Karl, Reallehrer, Mengen. 

Blanck, Edwin, Dr., Kaiserslautern. 

Bösenberg, Hans, Dr. phil., Zahnarzt, Stuttgart. 

Braun, Karl, Tierarzt, Schwenningen. 

Enslin, Eduard, Dr. med., Assistenzarzt, Stuttgart. 

Etter, Dr. med., prakt. Arzt, Schwenningen. 

Feser, Dr. med., prakt. Arzt, Altshausen. 

Forschner jr., Zahnarzt, Biberach a. R. 

Gran er, Oskar, Bankier, Biberach a. R. 

Haug, Robert, Professor und Akademiedirektor, Stuttgart. 

Jett er, Landrichter, Ravensburg. 

Kaiser, Erwin, cand. pharm., Tübingen. 

Keller, Max, cand. pharm., Tübingen. 

Kno blich, Martin, Major a. D., Stuttgart. 

Kr eh, Wilhelm, cand. rer. nat., Tübingen. 

Kurtz, Forstamtmann, Tuttlingen. 

Lang, Richard, stud. rer. nat., Eßlingen. 

Link, Eugen, stud. rer. nat., Tübingen. 

Mahler, E., Dr. med., prakt. Arzt, Dornstetten. 

Martin, Dr. med., prakt. Arzt, Schwenningen. 

Mancher, Joh. Bapt., Fabrikbesitzer, Waldsee. 

Müller, Dr. med., prakt. Arzt, Schwenningen. 

Müller, H., Dr. med., prakt. Arzt, Tuttlingen. 

Münzhube r, A., Dr., Chemiker, Aulendorf. 

Mutschier, Georg, Schwenningen. 

Pahl, Albert, Oberreallehrer, Stuttgart. 

R e e s , Oberreallehrer, Trossingen. 

Röttgen, Theodor, Dr. phil., Privatier, Stuttgart. 

Sautter, Otto, Apotheker, Horb. 

Scheerer, W., Kommerzienrat, Fabrikant, Tuttlingen. 

Schmid, Oberförster, Wolfegg. 

Schmidt, Oskar, Dr. rer. nat., Chemiker, Assistent, Stuttgart. 

Schmierer, Th., Dr. rer. nat., Landesgeologe, Berlin. 

Schreiber, Eugen, Fabrikant, Schwenningen. 

Seeger, Hermann, Kaufmann, Stuttgart. 

Seydel, Emil, cand. rer. nat., Tübingen. 

S p r a n d 1 , Eduard, Hauptmann u. Kompagniechef, Ludwigsburg. 

Wanderer, K., Dr. phil., Stuttgart. 

Wiedersheim, Eduard, Dr., Geh. Hofrat, Cannstatt. 

Windisch, Karl, Dr., Professor, Hohenheim. 

Wolf, August, Hofrat, Oberamtsarzt a. D., Stuttgart. 

Wundt, W., Dr. phil., Stuttgart. 



— XXVIII — 

Durch Tod und Austrittserklärung schieden während derselben 
Zeit aus dem Verein 47 Mitglieder: 

V. Baehr, W., Privatgelehrter, Tübingen. 
Bauer, C, Apotheker, Isny. f 
Beck, Max, Ingenieur, Stuttgart. 
B ehrend, P., Dr., Professor, Danzig. f 
Braumüller, Chr., Brauereibesitzer, Schwenningen. f 
V. Brill, Dr., üniversitätsprofessor, Tübingen. 
Bu milier. Fr., Sanitätsrat, Ravensburg, 
Clausnizer, Karl, Oberregierungsrat, Stuttgart, f 
Dedekind, Major a, D., Rottweil. 
Ebe, Oberförster, Pfronstetten. 
Edel, Gustav, Apotheker, Saulgau. 
Erhard, Rud., Dr. med., prakt. Arzt, Stuttgart. 
Franck, Karl, stud. ehem., Stuttgart, f 
Geiselhardt, Professor, Ravensburg, f 
Hab er er, Oberstleutnant a. D., Stuttgart, f 
Hegelmaier, F., Dr., Universitätsprofessor a. D. f 
Heynold, Gurt, Gasinspektor, Eßlingen. 
Imhof, Joseph, Oberförster a. D., Wolfegg. 
K e p p 1 e r , Ernst, Stuttgart. 
Kirn, Otto, Hilfslehrer, Stuttgart. 
Kuen, Eduard, Kaufmann, Kißlegg. 
Lambert, Baurat a. D., Cannstatt. 

Lebkü ebner, Fr., Dr. med., prakt. Arzt, Neuenstadt a. K. 
Lehner, Karl, Schloßgärtner, Aulendorf. 
Motz, K., Dr. med., prakt. Arzt, Urach, j 
Nördlinger, Julius, Oberförster in Pfalzgrafenweiler, f 
Piedade, A., med. prakt. Arzt, Santa Cruz (Ost-Ind.). 
v. Plato, Freiherr, Oberjägermeister a. D., Exz., Charlottenburg. 
Probst, Jos., Dr., Kämmerer, Biberach a. R. t 
Reich elt, K., Prof., Oberlehrer, Friedberg i. H. f 
Rettich, C, Apotheker, Pfalzgrafenweiler. 
Sannwald, Karl, Kommerzienrat, Bregenz. 
S c h a i b 1 e , Fritz, Dr. rer. nat., Gewerbekammersekr., Stuttgart, f 
Schariry, Oberförster, Tuttlingen. 
Seh au ff 1er, Adolf, Professor, Heilbronn. 
Sehiler, Theodor, Apotheker, Altensteig. 
Schleicher, Oberförster, Ehingen. 
V. Schmidsfeld, Fabrikant, Schmidsfelden. f 
Schneckenburger, Eugen, Apotheker, Tuttlingen, f 
S taiger, W., Dr. med., Oberarzt, Weissenau. 
Stänglen, C, Apotheker, Tuttingen. 
Steinthal, Dr. med., Prof., prakt. Arzt, Stuttgart. 
Tesdorpf, Ludwig, Fabrikant, Stuttgart, f 
Völmle, Ludw., Major a. D., Stuttgart. 
Weyler, Robert, Kaufmann, Öhringen. 
Ziegele, Hermann, Pfarrer, Reichenbach, f 
V. Zip perlen, Wilh., Professor a. D., Stuttgart, f 
Der Verein zählte somit am 1. Juni 1906 891 Mitglieder. 



A^erzeichnis der Mitglieder 



des 



Vereins für vaterländische Naturkunde 
in Württemberg. 

Nach dem Stand ani 1. Juni 1906. 



Die verehrlichen Mitglieder werden gebeten, alle etwaigen Veränderungen 
ihres Wohnorts, ihrer Adressen und Titulatur an die Geschäftsstelle des Vereins 
(Naturalienkahinett in Stuttgart) mitteilen zu wollen. 



Protektor des Vereins: 

Seine Majestät König Wilhelm II. von Württemberg. 



Ehrenmitglied. 

König von und zu Warthausen , Freiherr Karl Wilhelm Richard, 
Dr. rer. nat., Warthausen. 1853*. 

Korrespondierende Mitglieder. 
Jäger, Gustav, Dr., Professor a. D. in Stuttgart. 1859. 
Sclater, P. L., Dr., Sekretär d. zool. Ges. in London. 1867. 
Koch, Ludwig, Dr., prakt. Arzt in Nürnberg. 1878. 
Agassiz, Alexander, Dr., Direktor in Cambridge, Mass. 1879. 
Balz, Erwin, Dr., Professor, Geh. Hofrat in Stuttgart. 1901. 

Ordentliche Mitglieder. 
S. K. Hoheit Herzog Albrecht von Württemberg. 1894. 
S. K. Hoheit Herzog Robert von Württemberg. 1896. 
S. Durchlaucht Herzog Wilhelm von Urach, Graf von Württem- 
berg. 1893. 
S. Durchlaucht Fürst Karl von Urach, Graf von Württemberg. 1891. 

Abegg, H., Dr., prakt. Arzt in Tübingen. 1902. 

Adelmann von Adelmannsfelden, Gustav Graf in Hohenstadt OA. Aalen. 

1895. 
V. Adelung, Alexander, Dr. phil., Versicherungsbeamter in Berlin. 1879. 
V. Adelung, Olga, in Stuttgart. 1900. 
Angele, Oberförster in Heggbach OA. Biberach. 1904. 
Appenzeller, Dr. med., prakt. Arzt in Reutlingen. 1901. 
Autenrieth, Traugott, Privatier in Stuttgart. 1879. 
Bach, Heinrich, cand. rer. nat. in Tübingen. 1904. 
Barth, Forstamtmann in Pfalzgrafenweiler. 1901. 
Bartholomäi, Schullehrer in Nagold. 1897. 
Basler, A., Dr. med., Assistent in Tübingen. 1905. 
Bauer, Beruh., Apotheker in Buchau. 1895. 



Die Zahl bedeutet das Jahr des Eintritts in den Verein. 



— XXXII - 

Bauer, Herrn., Dr., Korpsstabsapotheker in Stuttgart. 1895. 

Bauer, Hugo, Dr., Assistent in Stuttgart. 1906. 

Bauer, Ludwig, Dr. med., prakt. Arzt in Stuttgart. 1899. 

Baur, Ernst, Hütteninspektor in Wasseralfingen. 1906. 

Baur, G., Kommerzienrat in Biberach. 1903. 

V. Baur, Karl, Dr., Präsident a. D. in Degerloeh. 1856. 

Baur, Rieh., Dr., Professor in Stuttgart. 1896. 

Beck, Karl, Dr. rer. nat. in Stuttgart. 1879. 

Beck, R. Juhas, Dr. med., Stadtarzt in Mengen. 1875. 

Becker, M., Kaufmann in Heilbronn. 1884. 

Becker, Richard, Kaufmann in Heilbronn. 1898. 

Beckh, Richard, Kaufmann in Bucheneck b. Heidelberg. 1902. 

Beer, Karl, Pfarrer in Kolbingen. 1897. 

Bender, Karl, Landgerichtsrat in Öhringen. 1904. 

Benecke, E. W., Dr., Univ.-Professor in Strassburg. 1879. 

Benkendörfer, Albert, OA.-Tierarzt in Reutlingen. 1903. 

Benz, Eugen, cand. rer. nat. in Tübingen. 1904. 

Bergeat, Alfred, Dr., Professor in Claustal i. Harz. 1900. 

Bernecker, x\dolf, Oberreallehrer in Heilbronn. '1899. 

V. Berner, F., Hofbaudirektor in Stuttgart. 1875. 

Bertsch, Hermann, Dr., Oberamtsrichter in Crailsheim. 1879. 

Bertsch, Karl, Reallehrer in Mengen. 1906. 

Besigheim, Lehrerverein für Naturkunde. 1898. 

Beurlen, Karl, Oberreallehrer in Aalen. 1900. 

V. Biberstein, Max, Oberförster a. D. in München. 1875. 

V. Biberstein, Julius, Oberförster in Rosenfeld. 1897. 

Biesinger, Aug., Pfarrer in Dietingen OA. Blaubeuren. 1895. 

Bilfinger, Aug., Dr., Fabrikant in Heilbronn. 1884. 

Bilfinger, Ludwig, Forstmeister in Stuttgart. 1891. 

Bilfinger, Kameralverwalter in Gmünd. 1899. 

Binder, Alfred, Dr. med., prakt. Arzt in Neuffen. 1889. 

Binder, Joh., Fabrikant in Ehingen. 1889. 

Blanck, E., Dr., in Kaiserslautern. 1906. 

Blezinger, Dr. med., Medizinalrat in Cannstatt. 1880. 

Blezinger, Hofrat, Apotheker in Crailsheim. 1883. 

Blezinger, Th., Dr. phil., Apotheker in Hall. 1904. 

Blind, Dr., Dekan in Weikersheim. 1902. 

Blochmann, F., Dr., Univ.-Professor in Tübingen. 1898. 

Blümer, Gustav, Stadtbauinspektor in Esslingen. 1903. 

Bohnenberger, Oberförster in Altheim OA. Ulm. 1897. 



— XXXIII — 

Bohnert, Aug., Bergrat in Kochendorf. 1898. 

Bökeler, Anton, Professor in Ravensburg. 1895. 

Bornitz, G., Dr. med., prakt. Arzt in Bensheim a. d. L. 1895. 

Bosch, Robert, Elektrotechniker in Stuttgart. 1895. 

Bösenberg, Hans, Dr. phil. in Stuttgart. 1905. 

Bossler, Chr., Schullehrer in Pfullingen. 1903. 

V. Bourdon, Chemiker in Allmendingen OA. Ehingen a. D. 1899. 

V. Branco, W., Dr., Geheimer Bergrat, Professor in Berlin. 1890. 

Brändle, Joh., Reallehrer in Ehingen. 1888. 

Bräuhäuser, Manfred, Dr. rer. nat. in Cannstatt. 1902. 

Braun, Karl, Dr., Assistent in Amani, Deutsch-Ostafrika. 1901. 

Braun, Karl, Tierarzt in Schwenningen a. N. 1905. 

Braun, Dr. med., Sanitätsrat, Distriktsarzt in Winnenden. 1874. 

Bretschneider, Wilhelm, Dr., Professor in Stuttgart. 1877. 

Breunlin, Oberreallehrer in Schwenningen a. N. 1901. 

Brinzinger, Adolf, Stadtpfarrer in Oberndorf a. N. 1904. 

V. Brockmann, Heinr., Oberbaurat a. D. in Stuttgart. 1866. 

Bruckmann jun., P., Fabrikant in Heilbronn. 1898. 

Bruder, Karl, Rektor in Biberach. 1899. 

Bubeck, Ad., Kaufmann in Stuttgart. 1892. 

Buchner, 0., Dr., Assistent am K. Naturalienkabinett in Stuttgart. 1890. 

Bühler, Anton, Dr., Universitätsprofessor in Tübingen. 1903. 

Bujard, A., Dr., Vorstand des städt. Laboratoriums in Stuttgart. 1896. 

Bumiller, Friedrich, Sanitätsrat in Ravensburg. 1874. 

Buob, Paul, Sahnenverwalter in Sulz. 1897. 

V. Burckhardt, H., Dr. med., Obermedizinalrat in Stuttgart. 1881. 

V. Burgdorf, Alexander, Direktor in Rottweil. 1903. 

V. Burk, Rudolf, Dr. med., General-Oberarzt in Ulm. 1874. 

Bürker, K., Dr., Prof., Privatdozent in Tübingen. 1899. 

Bürklen, Professor in Gmünd. 1884. 

Büttner, Dr. med., Oberamtswundarzt in Freudenstadt. 1900. 

Camerer, Wilhelm, Dr. med., prakt. Arzt in Stuttgart. 1904. 

Camerer, Dr. med., prakt. Arzt in Freudenstadt. 1904. 

Camerer, Dr., Medizinalrat, Oberamtsarzt a. D. in Urach. 1896. 

Clausnizer, Konrad, Baurat, Betriebsbauinspektor in Ludwigsburg. 1879. 

Clessin, S., Eisenbahnstations-Vorstand a. D. in Regensburg. 1873. 

Clessler, Chr., Hofrat in Stuttgart. 1876. 

Comraerell jun., Karl, Kaufmann in Höfen. 1899. 

Correns, Karl, Dr., Univ. -Professor in Leipzig. 1897. 

Cranz, Heinrich, Professor in Stuttgart. 1882. 

Jahreshefte d. Vereins f. vaterl. Naturkunde in Württ. 190C. C 



— XXXIV — 

Dais, Oberförster in Schönmünzach. 1902. 

Dambacher, Oberamtstierarzt in Öhringen. 1903. 

Deahna, A., Dr. med., Hofrat, prakt. Arzt in Stuttgart. 1895. 

Deffner, Piichard, in EssHngen. 1897. 

Denzler, Berthold, Dr. med. vet., in Stuttgart. 1903. 

Dieterich, Viktor, Forstamtmann in Schussenried. 1905. 

Dieterle, Apotheker in Pheningen. 1902. 

Dietlen, H., in Heidenheim. 1900. 

Dietlen, Rudolf, Dr. med., Oberstabsarzt in Stuttgart. 1891. 

Dietmann, Professor in Esslingen. 1901. 

Dietrich, Wilh., Dr., Assistent in Danzig-Langfuhr. 1902. 

Dietter, Dr. med., prakt. Arzt in Merklingen. 1895. 

Diez, Rudolf, Dr., Rektor in Heilbronn. 1895. 

Dimler, Friedr., Staatsanwalt in Ellwangen. 1900. 

Distler, Dr. med., Hofrat, Augenarzt in Stuttgart. 1895. 

V. Ditterich, Apotheker in Möhringen a. F. 1894. 

Dittus, W., Baurat in Kisslegg. 1876. 

Döser, Professor in Rottweil. 1901. 

Dorn, Ludw., Dr., Fabrikdirektor in Stuttgart. 1882. 

Drausnick, Friedr., Hauptmann in Weingarten. 1899. 

Drucker, Otto, Dr. med., Augenarzt in Stuttgart. 1903. 

Dulk, Max, Bauinspektor in Ravensburg. 1904. 

Duttenhofer, Max, Dr., in Rottweil. 1904. 

Duvernoy, Julius, Kaufmann in Stuttgart. 1896. 

Eberhardt, Oberreallehrer in Metzingen. 1902. 

Eberhardt, Dr., Oberförster in Langenbrand 0.-^. Neuenbürg. 1895. 

Eberhardt, Professor in Esslingen. 1882. 

Eberle, Gustav, Dr. phil., Chemiker in Stuttgart. 1898. 

Ehingen, Lehrerverein für Naturkunde. 1896. 

V. Eck, Heinrich, Dr., Professor a. D. in Stuttgart. 1871. 

Eggler, Professor am Gymnasium in Ehingen. 1901. 

Ehemann, Rektor am Gymnasium in Ravensburg. 1900. 

Ehrhardt, Rud., Dr. med., Oberarzt in Winnental. 1898. 

Ehrle sen., Karl, Dr. med., Sanitätsrat in Isny. 1873. 

Ehrle, Wilhelm, Bankier in Ravensburg. 1882. 

Eichler, Julius, Professor, Konservator in Stuttgart. 1885. 

Eisele, Hermann, Dr. rer. nat., in Stuttgart. 1905. 

Eisele, Wilhelm, Stadtschultheiss in Balingen. 1882. 

Eisenbach, Oberförster in Königsbronn. 1899. 

Eisenlohr, Theodor, Oberförster in Waidenbuch. 1883. 



— XXXV - 

Eiben, Rudolf, Dr. med., Med.-Rat. prakt. Arzt in Stflttgart. 1879. 

Endriss, Karl, Dr., Prof., Privatdozent in Stuttgart. 1883. 

Engel, Theodor, Dr., Pfarrer in Klein- Eislingen. 1867. 

Engelhorn, Dr. med., Med.-R., Oberamtsarzt in Göppingen. 1885. 

Enslin, Ed., Dr. med., Augenarzt in Fürth. 1905. 

Entress, Ernst, Professor in Stuttgart. 1893. 

Entress, Franz, Fabrikant in Stuttgart. 1899. 

Epp, C, Dr. med., prakt. Arzt in Offenburg, Baden. 1898. 

Epstein, Leopold, Geologe in Stuttgart. 1903. 

Erhardt, C. A., Kaufmann in Stuttgart. 1899. 

Essig, Hermann, Dr., Med.-Rat, Oberamtsarzt in Ravensburg. 1880. 

Esslingen, Lehrerverein für Naturkunde. 1900. 

Etter, Dr., in Schwenningen. 1905. 

V. Euting, August, Präsident in Stuttgart. 1875. 

Eytel, Dr. med., Oberamtswundarzt in Spaichingen. 1901. 

V. Faber, Dr., Exzellenz, Staatsminister a. D. in Stuttgart. 1861. 

Faber, Adolf, Landgerichtsrat in Stuttgart. 1899. 

Faber, Alb., Kommerzienrat in Gmünd. 1900. 

Fahrbach, K., Schullehrer in Eningen u. Achalm. 1903. 

Fauser, Aug., Dr. med., Sanitätsrat in Stuttgart. 1899. 

Fehling, Dr., Geh. Med.-Rat, Univ. -Professor in Strassburg. 1879. 

Feser, Dr. med., prakt. Arzt in Altshausen. 1905. 

Fetscher, M., Professor in Geislingen. 1876. 

Feucht, Otto, Forstassessor in Obertal, OA. Freudenstadt. 1900. 

Fieseier, Joseph, Pfarrer in Wildpoltsweiler. 1876. 

Finckh, Eberhard, Dr. med., Assistenzarzt in Tübingen. 1903. 

Finckh, Ludw., Dr., Landesgeologe in Berlin. 1895. 

Fischer, F. J., Oberförster in Wangen. 1876. 

Falscher, Heinrich, Präparator am K. ^aturalienkab. in Stuttgart. 1890. 

Fischer, Professor in Rottweil. 1901. 

V. Fischer- Weikersthal , Oberstleutnant und Bezirkskommandeur in 

Rottweil. 1901. 
Fitting, Hans, Dr., Privatdozent in Tübingen. 1904. 
Fleck, Schulinspektor in Rottweil. 1905. 
Fleischer, Bruno, Fabrikant in Stuttgart. 1878. 
Forschner jr.. Zahnarzt in Biberach. 1905. 

Fraas, Eberhard, Dr., Professor, Konservator in Stuttgart. 1890. 
Franck, Julius, Dr. med.. Stabsarzt a. D. in Stuttgart. 1880. 
Frank, Oberreallehrer in Esslingen. 1901. 
Frank, Hermann, Diplomingenieur in Ulm. 1904. 

c* 



— XXXVI - 

Frank, Karl, Rr. med., prakt. Arzt in Kirchheira u. T. 

Frank, Reinhold, Oberforstrat a. D. in Ulm. 1869. 

V. Freyberg-Eisenberg, Albrecht, Freiherr in Allmendingen. 1895. 

Fricker, A., Dr. med., Oberamtsarzt in Nagold. 1895. 

Fricker, G., fürstl. Sekretär in Wurzach. 1903. 

Fricker, Karl, Dr. med., prakt. Arzt in Döbeln. 1895. 

Fries, S., Dr. med.. Geh. Sanitätsrat in Nietleben. 1872. 

Friess, Gotthilf, Hauptlehrer in Stuttgart. 1900. 

Fritz, Franz, Dr., Prosektor in Stuttgart. 1903. 

Fruwirth, C, Professor in Hohenheim. 1901. 

Fünfstück, Moritz, Dr., Prof. a. d. Techn. Hochsch. in Stuttgart. 1886. 

V. Gaisberg-Schöckingen, Friedrich, Freiherr in Schöckingen. 1885. 

Gastpar, A., Dr. med., Stadtarzt in Stuttgart. 1899. 

Gaub, Friedr., cand. rer. nat. in Tübingen. 1903. 

Gaus, Eugen, Professor in Heidenheim. 1883. 

Geck, Erwin, Dr., Hilfslehrer in Gmünd. 1901. 

Gehring, Hermann, Stadtpfarrer in Reutlingen. 1895. 

Geiger, Joseph, Pfarrer in Horgenzell. 1890. 

Geiger, Paul, Dr. rer. nat.. Hilfslehrer in Gmünd. 1901. 

Geologisches Institut des Museums für Naturkunde in Berlin. 1899. 

Gerok, Christoph, Dr. med., prakt. Arzt in Stuttgart. 1885. 

Geyer, David, Mittelschullehrer in Stuttgart. 1884. 

Geyer, Heinr., Dr., Hofrat, Apotheker in Stuttgart. 1880. 

Giessler, Herm., Professor a. d. Baugewerkschule in Stuttgart. 1896. 

Glatz, Adolf, Fabrikant in Stuttgart. 1879. 

Glemser, Julius, Oberreallehrer in Eningen. 1904. 

Glükher, Stadtschultheiss in Rottweil. 1901. 

Gmelin, Friedrich, Dr., Oberfinanzrat in Stuttgart. 1895. 

Gmehn, Gustav, Apotheker in Winnenden. 1898. 

Gmehn, J., Dr. jur., Landgerichtsrat in Stuttgart. 1899. 

Gmelin, Walter, Dr., Prof. a. d. Tierärztl. Hochsch. in Stuttgart. 1888. 

Gmünd, Verein für Naturkunde. 1897. 

Gönner, Friedr., Oberförster in Oberndorf. 1904. 

Goppelt, Professor in Öhringen. 1904. 

Götz, Josef, Dr. in Ravensburg. 1877. 

Götz, Martin, Schullehrer in Heilbronn. 1888. 

Göz, Dr. med., Oberamtswundarzt in Nürtingen. 1903. 

Gradmann, Robert, Dr., üniversitäts-Bibliothekar in Tübingen. 1893. 

Graner, Ferd., Ober-Landesgerichtsrat in Stuttgart. 1891. 

V. Graner, Friedrich, Dr., Forstdirektor in Stuttgart. 1895. 



- XXXVII - 

Graner, Oscar, Bankier in Biberach. 1906. 

V. Graner, W., Baudirektor in Stuttgart. 1876. 

Gres.ser, Pfarrer in Untermarchtal. 1875. 

Grethe, Carlos, Professor a. d. Akad. d. bild. Künste in Stuttgart. 1903. 

Griesinger, Theodor, Hilfslehrer in Stuttgart. 1900. 

Gross, Kommerzienrat, Fabrikant in Piottweil. 1901. 

Gross, Dr. med., Direktor in Schussenried. 1895. 

Gross, Wilhelm, Dr., Professor in Geislingen. 1900. 

Grözinger, Eugen, Rektor der Realschule in Schorndorf. 1900. 

V. Grützner, Paul, Dr., Üniv.-Professor in Tübingen. 1899. 

Grundler, Professor in Rottweil. 1901. 

Gsell, Oberbaurat in Stuttgart. 1902. 

Gugenhan, Max, Baurat in Stuttgart. 1900. 

Gussmann, Pfarrer in Eningen u. A. 1878. 

Gussmann, Karl, Pfarrer in Gutenberg. 1898. 

Gutowski, Alexander, Zahnarzt in Gmünd. 1900. 

Haag, A., Dr. med., Oberamtsarzt in Wangen i. A. 1904. 

Haag, Friedr., Professor in Stuttgart. 1882. 

Haage, Konrad, Rektor in Esslingen. 1879. 

Haas, Aug., Dr., Professor in Stuttgart. 1885. 

Haas, C, Dr. rer. nat., Assistent in Tübingen. 1895. 

Haas, H. J., Dr., Univ.-Professor in Kiel. 1879. 

Haasis jun., Dr. med., prakt. Arzt in Maulbronn. 1899. 

Habermaas, Oberförster in Mössingen. 1905. 

Hacker, Val, Dr., Professor a. d. Techn. Hochsch. in Stuttgart. 1891. 

Häckler, pens. Lehrer in Waldsee. 1873. 

Hagenbucher jun., Karl, Kaufmann in Heilbronn. 1884. 

Hahn, Wilhelm, Dr. med., prakt. Arzt in Crailsheim. 1897. 

Hähnle, Dr. med., prakt. Arzt in Reutlingen. 1903. 

Hähnle, Frau L., in Stuttgart. 1904. 

Hähnle, Hans, Kommerzienrat in Stuttgart. 1899. 

Haidien, Richard, Dr. med., prakt. Arzt in Stuttgart. 1888. 

Haist, Professor in Tübingen. 1891. 

Haizmann, Wilhelm, Dr., Professor in Gmünd. 1902. 

Haller, Alb., Oberreallehrer in Esslingen. 1904. 

Hamlyn-Harris, Ronald, Dr. in Toowoomba, Queensland. 1899. 

Hammer, E., Dr., Professor a. d. Techn. Hochsch. in Stuttgart. 1886. 

Hammer, Friedr., Dr. med., Stadtarzt in Stuttgart. 1895. 

Happel, Theodor, Privatier in Stuttgart. 1877. 

Happold, Aug., Fabrikant in Feuerbach. 1891. 



— XXXVIII - 

Härle, Heinrich, in Aulendorf. 1896. 

Hartmann, Albert, Kommerzienrat in Heidenheim. 1899. 

Hartmann, Dr. med., Oberaratsarzt in Herrenberg. 1886. 

Hartmann, Julius, Verlagsbuchhändler in Stuttgart. 1902. 

Hassert, K., Dr., Professor a. d. Handelshochschule in Köln a. Rh. 1899. 

Hauber, W., Reallehrer a. D. in Stuttgart. 1902. 

Hauff, Bernhard, in Holzmaden. 1893. 

Hang, Albert, Professor in Ulm. 1883. 

Haug, Gustav, Dr., Forstrat in Stuttgart. 1891. 

Hang, Lorenz, Professor in Ravensburg. 1881. 

V. Haug, Robert, Professor a. d. Akad. d. bild. Künste in Stuttgart. 1905. 

Haug, Rektor in Freudenstadt. 1890. 

Haug, Stadtbaumeister in Rottweil. 1901. 

Hausner, Rud., Apotheker in Schussenried. 1900. 

Häussermann, K., Dr., Professor a. D. in Stuttgart. 1892. 

Haussier, Oberförster in Weilheim u. T. 1900. 

Hedinger, A., Dr. med., Medizinalrat in Stuttgart. 1875. 

Heilbronn, K. Gymnasium. 1884. 

Heilbronn, Lehrerverein für Naturkunde. 1888. 

Heimsch, Ad., Apotheker in Esslingen. 1889. 

Hein, Walter, Dr. in München. 1903. 

Heinz, Rektor der Bürgerschule in Stuttgart. 1901. 

V. Hell, Karl, Dr., Professor a. d. Techn. Hochsch. in Stuttgart. 1879. 

Henle, August, Forstverwalter in Hosskirch. 1875. 

Henninger, Gustav, cand. rer. nat. in Tübingen. 1904. 

Henzler, Maschineninspektor in Rottweil. 1901. 

V. Herman, Beno, Freiherr, K. Kammerherr auf Wain. 1875. 

Hermann, Julius, Lehrer in Murr. 1894. 

Herrmann, Adolf, Ingenieur in Stuttgart. 1903. 

Herzog, Robert, Bergrat in Wasseralfingen. 1888. 

Hess, Dr. med., prakt. Arzt in Rottweil. 1903. 

Hesse, 0., Dr., Hofrat, Fabrikdirektor in Feuerbach. 1875. 

Hesse, Richard, Dr., Prof., Privatdozent in Tübingen. 1894 

Hetsch, Rud., Buchhändler in Biberach. 1882. 

Hezel, Landgerichtsrat in Heilbronn. 1895. 

Hiller, Forstmeister in Herrenalb. 1883. 

Hiller, Chr., Baurat in Leutkirch. 1881. 

Hinderer, Dr. med., prakt. Arzt in Heilbronn. 1898. 

Hirzel, Forstmeister in Rottweil. 1893. 

Hochstetter. Fr.. Pfarrer in Neunkirchen, Nieder- Österreich. 1892. 



- XXXIX — 

Höchstetter, Gotthold, Rektor in Reutlingen. 1880. 

Hoffmann, R., Dr., Tierarzt in Berlin. 1897. 

Hofmann, Fr., Oberförster in Reichenbach a. cl. Miirg. 1900. 

V. Hohenlohe-Langenburg, Fürst Hermann, Durchlaucht, Kaiserl. 

Statthalter in Elsass-Lothringen, in Strassburg und Langenburg. 

1880. 
Holland, Friedr., Oberförster in Heimerdingen. 1890. 
Holtzmann, C. E., Bergrat in Friedrichstal. 1885. 
Hölzle, A., Apotheker in Kirchheim u. T. 1893. 
Honeker, Oberamtstierarzt in Maulbronn. 1903. 
Honold jr., Hermann, Apotheker in Dürrmenz-Mühlacker. 1902. 
Hopf, Ludwig, Dr. med., Privatier in Stuttgart. 1881. 
Höring, Dr., Hofrat, Oberamtsarzt in Weinsberg. 1880. 
Hory, Paul, Professor in Calw. 1898. 
Hoser, Hermann, Buchhändler in Stuttgart. 1899. 
Huber, J. Gh., Dr., Med.-R., Ober-Landgerichtsarzt in Memmingen. 1882. 
Huber, Julius, Hofrat, Direktor in Stuttgart. 1895. 
Hüeber, Theodor, Dr. med., Generaloberarzt a. D. in Ulm. 1883. 
V. Huene, F., Freiherr, Dr., Privatdozent in Tübingen. 1899. 
V. Hüfner, Gustav, Dr., Univ. -Professor in Tübingen. 1893. 
Hug, Otto, Dr., Privatgelehrter in Tübingen. 1905. 
Hundeshagen, Franz, Dr., Chemiker in Stuttgart. 1890. 
Jäger, Eugen, Xylograph in Stuttgart. 1893. 
V. Jakob, R., Oberst a. D. in Cannstatt. 1898. 
Jetter, Landrichter in Ravensburg. 1905. 
V. Jobst, Julius, Dr., Geh. Hofrat in Stuttgart. 1885. 
Johner, A. L. B., Verwaltungsaktuar in Riedlingen a. D. 1902. 
Joos, Carlo, stud. phil. in Stuttgart. 1900. 
Issler, A., cand. rer. nat. in Tübingen. 1905. 
Junker, Friedr., Dr., Professor in Stuttgart. 1893. 
V. Jürgensen, Theodor, Dr., Univ. -Professor in Tübingen. 1881. 
Kachel, Apotheker in Reutlingen. 1903. 
Käfer, Oberförster in Schussenried. 1904. 

Kaestle, Johannes, Dr. med., OA.-Wundarzt in Wangen i. Algäu. 1898. 
Kaiser, Erwin, Apotheker in Pfullingen. 1905. 
Kapp, Eugen, Apotheker in Königsbronn. 1901. 
Kauffmann, Hugo, Dr., Professor, Privatdozent in Stuttgart. 1898. 
Kees, J. N., Weinhändler in Waldsee. 1874. 
Kees, Karl, Kaufmann in Waldsee. 1894. 
Keller, Eugen, Oberforstrat in Stuttgart. 1882. 



— XL — 

Keller, Max, cand. pharm, in Tübingen. 1905. 
Keller, Walther, Verlagsbuchhändler in Stuttgart. 1904. 
Kern, Karl, Professor in Stuttgart. 1887. 
Kerner, Theobald, Dr., Hofrat in Weinsberg. 1867. 
Kerz, Fritz, Inspektor, Präparator am K. Nat.-Kab. in Stuttgart. 1885. 
Kick, Lehrer in Biberach. 1901. 
Kienzle, Oberförster in Freudenstadt. 1884. 
Kiesel, Karl, Dr., Assistent in Stuttgart. 1903. 
Kiess, Oberamtstierarzt in Tübingen. 1897. 
Kirchner, 0., Dr., Profe.ssor in Hohenheim. 1878. 
Kirn, Adolf, Apotheker in Nürtingen. 1893. 

Klein, Adolf, Dr. med., Divisionsarzt a. D. in Ludwigsburg. 1884. 
Klein, L., Oberreallehrer in Kirchheim u. T. 1903. 
Klett, Ernst, Verlagsbuchhändler in Stuttgart. 1897. 
Klett , R. , Dr. , Professor a. d. Tierärztlichen Hochschule in Stutt- 
gart. 1897. 
Klinckerfuss, A., Kaufmann in Stuttgart. 1877. 
Klopfer, Gustav, Schullehrer in Stuttgart. 1896. 
Klumpp, Major z. D. und Bezirkskommandeur in Oberndorf. 1904. 
V. Klüpfel, Gustav, Dr., Bergratsdirektor in Stuttgart. 1884. 
Klüpfel, Dr. med., Sanitätsrat in Urach. 1890. 
Klunzinger, C. B., Dr., Professor a. D. in Stuttgart. 1862. 
Knapp, Dekan in Ravensburg. 1895. 
Knapp, Alfred, Hüttenverwalter in Königsbronn. 1892. 
Knapp, Alfred, cand. rer. nat. in Tübingen. 1905. 
Kneile, Max, Oberreallehrer in Ludwigsburg. 1900. 
Knoblich, Martin, Major a. D. in Stuttgart. 1906. 
KnoU, Eugen, Baurat, Eisenbahnbauinspektor in Heidenheim. 1899. 
Kober, Fr., Hofrat, Redakteur in Stuttgart. 1878. 
Koch, Karl, Professor in Cannstatt. 1901. 

Koch, K. R., Dr., Professor a. d. Techn. Hochsch. in Stuttgart. 1892. 
Koch, Paul, Dr., Apotheker in Neuffen. 1890. 
Koch, Theodor, Apotheker in Stuttgart. 1897. 
Koch, Wilh., Dr. med., Generaloberarzt a. D., Stuttgart. 1885. 
Koch, Forstmeister in Heilbronn. 1884. 
Kohl, Karl, Dr. phil.. Privatgelehrter in Stuttgart. 1895. 
Kohler, Martin, Seminaroberlehrer in Esslingen. 1898, 
Koken, Ernst, Dr., Üniv.-Professor in Tübingen. 1895. 
Kommereil, Dr., Profe.ssor in Heilbronn. 1900. 
König, Paul, Apotheker in Stuttgart. 1902. 



- XLI — 

König von und zu Warthausen, Hans, Freiherr, Amtsrichter in 

Biberach. 1902. 
König von und zu Warthausen, Fritz, Freiherr, in Sommershausen. 1897. 
V. Königsegg-Aulendorf, Franz, Graf, Erlaucht, in Aulendorf. 1882. 
Königshöfer, Oskar, Dr., Sanitätsrat, Professor in Stuttgart. 1898. 
Kopp, Pfarrer in üpfingen. 1895. 
Kost, Landwirtschaftsinspektor in Ravensburg. 1894. 
Köstlin, Albert, Landes-Ökonomierat in Ochsenhausen. 1893. 
Köstlin, W., Dr., Professor a. d. Baugewerkschule in Stuttgart. 1897. 
Krämer, Aug., Dr., Professor, Marine-Oberstabsarzt in Kiel. 1896. 
Kranz, W., Oberleutnant in Neu-Breisach (Elsass). 1903. 
Krauss, B., Apotheker in Esslingen. 1901. 
Krauss, Eugen, Apotheker in Göppingen. 1895. 
Krauss, Hermann, Dr. med., prakt. Arzt in Tübingen. 1864. 
Krauss, Friedr., Fabrikant in Ravensburg. 1892; 
Kräutle, Viktor, Pfarrer in Fulgenstadt. 1885. 
Kreh, Wilhelm, cand. rer. nat. in Tübingen. 1906. 
Kreuser, Dr., Medizinalrat, Direktor in Winnental. 1884, 
Krieg, Ernst, Fabrikdirektor in Stuttgart. 1897. 
Krieg, Robert, Dr. med.. Geh. Hofrat in Stuttgart. 1879. 
Krimmel, Otto, Dr., Professor in Stuttgart. 1882. 
Kröner, Alfred, Verlagsbuchhändler in Stuttgart. 1898. 
Krumm, Oberpräzeptor in Hohenheim. 1895. 
Kuhn, E., stud. rer. mach, in Stuttgart-Berg. 1903. 
Kuhn, E., Dr., Oberamtstierarzt in Künzelsau. 1897. 
Kuli, Albert, Tiermaler in Stuttgart. 1884. 
Kumpf, Georg, Dr., Apotheker in Neckarsulm. 1904. 
Kurtz, Forstamtmann in Tuttlingen. 1905. 
Kurtz, G., Dr. med., Stabsarzt a. D.in Stuttgart. 1879. 
Kurtz, Karl M., Dr., Professor a. D. in Ellwangen. 1875. 
Kurtz, Paul, Kommerzienrat, Buchhändler in Stuttgart. 1898. 
Kurz, Oberförster in Zwiefalten. 1900. 
Laible, Michael, Apotheker in Stuttgart. 1903. 
Lampert, Kurt, Dr., Oberstudienrat. Konservator in Stuttgart. 1884. 
Lamprecht, Kaplan in Kisslegg. 1904. 

V. Landbeck, Karl, Generalauditeur a. D. in Stuttgart. 1875. 
Landerer, Gustav, Dr. med., Sanitätsrat in Göppingen. 1880. 
Landerer, Heinr., Dr. med., Hofrat, prakt. Arzt in Göppingen. 1885. 
Landerer, Richard, Ökonomierat in Göppingen. 1881. 
Landerer, Dr. med., Hofrat in Kennenburg. 1888. 



— XLII — 

Lang, Richard, stud. rer. nat. in Esslingen. 1905. 

Lang, Robert, Professor in Stuttgart. 1898. 

Lang, Wilh., Dr. rer. nat., Assistent in Hohenheira. 1904. 

Lange, Ludwig, Dr., Privatgelehrter in Tübingen. 1902. 

Langer, Karl, Kaufmann in Heilbronn. 1898. 

Lauffer, Friedr., Seminaroberlehrer in Esslingen. 1891. 

Lausterer, Fr., Oberförster in Freudenstadt. 1903. 

Lautenschlager, H., Dr. med., prakt. Arzt in Stuttgart. 1898. 

Lazarus, Martha, Amtsgerichtsratsvvitwe in Stuttgart. 1903. 

V. Leemann, J., Dr., üniversitätsprofessor a. D. in Stuttgart. 1903. 

Leibbrand, Max, Baurat, Landesbaumeister in Sigmaringen. 1884. 

Lerch, Eduard, Bergrat in Wilhelmshütte bei Schussenried. 1898. 

Lessing, Anton, Fabrikant in Oberlahnstein. 1895. 

Letsche, Eugen, Dr. Assistent in Tübingen. 1900. 

Leube, G., Dr., Apotheker in Ulm. 1868. 

Leuze, A., Fabrikant in Owen. 1898. 

Levi, Dr. med., prakt. Arzt in Pfalzgrafenweiler. 1895. 

Lichtenberger, Theodor, Kommerzienrat in Heilbronn. 

Lieb, Dr. med., Oberamtsarzt in Freudenstadt. 1882. 

Liesching, Dr. med., prakt. Arzt in Königsbronn. 1882. 

V. Linden, Hugo, Freiherr, Geh. Legationsrat in Stuttgart. 1879. 

V. Linden, Karl, Graf, K. Oberkammerherr a. D. in Stuttgart. 1895. 

V. Linden, Maria, Gräfin, Dr., Assistentin in Bonn. 1892. 

Link, Eugen, stud. rer. nat. in Tübingen. 1906. 

Link, Ludwig, Fabrikant in Heilbronn. 1884. 

Loebell, W., Dr., Direktor in Klein-Zschachwitz. 1897. 

Löffler, Oberlehrer in Heidenheim. 1899. 

Lökle, Ferdinand, Professor a. D. in Stuttgart. 1856. 

Lörcher, Otto, Dr., Oberreallehrer in Schwenningen a. N. 1901. 

Losch, Fr., Dr., Pfarrer in Grimmelfingen OA. Ulm. 1895. 

Losch, H., Dr., Oberfinanzrat in Stuttgart. 1895. 

Ludwig, Felix, Oberförster in Hofstett. 1890. 

Ludwig, Emil, Dr. med., Oberamtsarzt in Leonberg. 1881. 

Lueger, 0., Dr., Professor a. d. Techn. Hochsch. in Stuttgart. 1898. 

Lufft, Gotthilf, Fabrikant in Stuttgart. 1879. 

Luppold, Gottlob, Pfarrer a. D. in Stuttgart. 1903. 

Lüpke, Friedr., Professor a. d. Tierärztl. Hochsch. in Stuttgart. 1895. 

Lutz, Hermann, Apotheker in Öhringen. 1904. 

Lutz, K. G., Dr., Schullehrer in Stuttgart. 1897. 

Maag, Karl, Stadtpfleger in Ehingen 1882. 



- XLIII — 

Mack, K., Dr., Professor in Holienheim. 1889. 

Mahler, E., Dr. med., prakt. Arzt in Dornstetten. 1905. 

Mahler, Gottfried, Professor in Ulm. 1879. 

Maier, Herrn. Nie, Dr. rer. nat., Assistent in Tübingen. 1903. 

Maier, Otto, Verlagsbuchhändler in Ravensburg. 1895. 

Maier, Paul, Professor in Metzingen. 1895. 

Majer, Professor in Esslingen. 1901. 

Majer, Dr. med., Med.-Rat, Oberamtsarzt in Heilbronn. 187ß. 

Majer, L., Dr., Gymnasialrektor a. D. in Tübingen. 1901. 

Maiter, Rektor in Heidenheim. 1899. 

Mangold, Karl, Dr. med., prakt. Arzt in Esslingen. 1897. 

Mangold, Kasimir, Schullehrer in Ulm. 1874. 

Mann, Gustav, Dr. med., prakt. Arzt in Stuttgart. 1899. 

Marmeln, Professor in Ulm. 1899. 

Martin, Dr. med., prakt. Arzt in Schwenningen a. N. 1905. 

Mauch, Chr., Professor a. d. Handelsschule in Stuttgart. 1887. 

Manch, Richard, Dr., Apotheker in Göppingen. 1903. 

Mancher, Joh. Bapt., Fabrikbesitzer in Waldsee. 1905. 

Mäule, Christian, Dr., Professor in Cannstatt. 1890. 

Mayer, Adolf, Apotheker in Rosenfeld OA. Sulz. 1902. 

Mayer, Emil, Stadtbaurat in Stuttgart. 

Mayer, Franz, Dr., in Ochsenhausen. 1875. 

Mayer, Paul, Dr. med., prakt. Arzt in Heilbronn. 1884. 

V. Mayer, Paul, Oberregierungsrat in Stuttgart. 1875. 

Mayer, Rudolf, Dr. med., prakt. Arzt in Stuttgart. 1899. 

Mayser, W., Oberförster in Schöntal. 1890. 

Megenhart, Amtsrichter in Ohringen. 1904. 

Mehmke, Rud., Dr., Professor a. d. techn. Hochsch. in Stuttgart. 1898. 

Melchior, A., Kommerzienrat in Nürtingen. 1882. 

Merkel, Ferd., Dr. med., prakt. Arzt in Stuttgart. 1898. 

Metzger, C, Dr., Hofapotheker in Wildbad. 1902. 

Meyer, Ludwig, Dr., in Degerloch. 1894. 

Mezger, Otto, Dr., Assistent in Stuttgart. 1903. 

Mezger, Stadtpfarrer in Haiterbach. 1880. 

Miller, K., Dr., Professor in Stuttgart. 1867. 

Missmahl, Dr. med., Oberamtsarzt in Riedlingen. 1895. 

Mohl, E., Dr.. Chemiker in Stuttgart. 1901. 

Möhler, Oberbürgermeister in (imünd. 1900. 

Mohr, Hermann, Privatier in Stuttgart. 1857. 

Mönig, Joseph, Stadtpfarrer in Mengen. 1878. 



— XLIV — 

Morgen, Dr., Professor in Hohenheim. 1895. 

Muif, Landgerichtsrat in Reutlingen. 1897. 

Mühlschlegel, Albert, Dr. med., Stabsarzt in Stuttgart. 1899. 

Müller, Apotheker in Spaichingen. 1882. 

Müller, Christian, Oberlehrer in Heidenheim. 1879. 

Müller, Dr. med., Oberamtsarzt in Oberndorf a. N. 1904. 

Müller, Dr. med., prakt. Arzt in Schwenningen a. N. 1905. 

Müller, E., Apotheker in Stuttgart. 1900. 

Müller, Eberhard, Dr. med., Med.-Rat, Oberamtsarzt in Calw. 1874. 

Müller, Ernst, Dr. med., Professor, prakt. Arzt in Stuttgart. 1893. 

Müller, F., Kaplan in Eberhardzell. 1898. 

Müller, H., Dr. med., prakt. Arzt in Tuttlingen. 1905. 

Müller, Hermann, Forstrat in Stuttgart. 1897. 

Müller, Joseph, Dekan, Stadtpfarrer in Saulgau. 1886. 

Müller, Karl, Stadtschultheiss in Biberach. 1887. 

Müller, Karl, Rektor a. d. Realschule in Schwenningen a. N. 1900. 

Müller, Max, Dr. med., prakt. Arzt in Gaisburg. 1902. 

Müller, Rektor in Tuttlingen. 1895. 

Müller, Salinenverwalter in Hall. 1895. 

Munk, Reinh., Dr. med., prakt. Arzt in Göppingen. 1885. 

Münzenmaier, Emil, Professor in Stuttgart. 1881. 

Münzhuber, Dr., Chemiker in Aulendorf. 1906. 

Münzing, Albert, Fabrikant in Heilbronn. 1866, 

Mülberger, A., Dr. med., Oberamtsarzt in Crailsheim. 1877. 

Musculus, Ludwig, Dr. phil., Privatier in Stuttgart. 1896. 

Mutschier, Georg, in Schwenningen a. N. 1905. 

Nagel, Otto, Oberforstrat in Stuttgart. 1883. 

Nagel, Joseph, Pfarrer in Hundersingen. 1883. 

Nagel, Julius, Forstrat in Stuttgart. 1895. 

Nagel, Ludwig, Oberamtstierarzt in Ulm. 1889. 

Nägele, E., Professor in Tübingen. 1893. 

Nägele, Erwin, Verlagsbuchhändler in Stuttgart. 1894. 

Nestle, Paul, Regierungsbaumeister in Karlsruhe. 1884. 

Nestlen, Paul, Dr. med., Oberamtswundarzt in Neckarsulm. 1903. 

Neuffer, Eugen, Oberstudienrat, Rektor in Ulm. 1896. 

Neunhöffer, Otto, Forstassessor in Wildbad. 1895. 

Nickel, Adolf, Oberregierungsrat, Stadtdirektor in Stuttgart. 1899. 

Nies, Profe.ssor in Tübingen. 1895. 

Niethammer, Hermann, Hauptmann in Stuttgart. 1889. 

Nill, Adolf, Tierarzt in Stuttgart. 1890. 



- XLV — 

Nötling, Fritz, Dr., Hofrat, in Lauterbacli bei Baden-Baden. 1905. 

Nürtingen. Real-Lyceum. 1903. 

Nürtingen. Schullehrer-Seminar. 1903. 

Ochsenreiter, Hermann, Hofrat, Hofapotheker in Stuttgart. 1892. 

Oechsler, Robert, Landgerichtsrat in Rottweil. 1885. 

V. Oesterlen, Otto, Dr., Med. -Rat, Univ.-Professor in Tübingen. 1874. 

Oestreicher, Ferd., Oberreallehrer in Cannstatt. 1893. 

Offner, Heinrich, Reallehrer in Stuttgart. 1894. 

Ohmais, Dr. phil., Privatier in Degerloch. 1902. 

Oppel, Albert, Dr. med., Professor, prakt. Arzt in Stuttgart. 1904. 

Ostermayer, Rieh., Professor in Stuttgart. 1895. 

Ostertag, Hermann, Kaufmann in Stuttgart. 1892. 

Ott, Oberpräzeptor in Biberach. 1904. 

Otto, H., Apotheker in Heilbronn. 1898. , 

Pahl, Albert, Oberreallehrer in Stuttgart. 1905. 

Palm, Apotheker in Neuenbürg. 1886. 

Palmer, Christ., Dr. med.. Med. -Rat, Oberamtsarzt in Biberach. 1882. 

Perrot, Dr., Apotheker in Biberach. 1900. 

Petzendorfer, Ludw., Hofrat, Bibliothekar in Stuttgart. 1875. 

Pfaff, J., Kaplan in Schussenried. 1904. 

Pfeffer, Wilh., Dr., Oberreallehrer in Wildbad. 1904. 

Pfeiffer, Emil, Chemiker in Heidenheim. 1899. 

Pfizenmayer, Oberforstrat a. D. in Ulm. 1860. 

V. Pflaum, Alexander, Geh. Kommerzienrat in Stuttgart. 1884. 

Philip, Max, Dr., Professor, Chemiker in Stuttgart. 1890. 

Philipp, Hans, Dr., Geologe in Karlsruhe. 1904. 

Philippi, Dr., Privatdozent in Berlin. 1896. 

Piesbergen, Franz, Dr. med., Augenarzt in Stuttgart. 1896. 

Pilgrim, Ludw., Dr., Professor in Stuttgart. 1882. 

Plieninger, Felix, Dr. phil., Privatdozent in Tübingen. 1889. 

Pompeckj, Jos., Dr., Professor in Hohenheim. 1892. 

Popp, C, Direktor in Uhingen. 1885. 

Probst, Forstrat a. D. in Ellwangen. 1855. 

Probst, Th., Forstamtmann in Weingarten. 1899. 

v. Pückler-Limpurg, Felix, Graf, Rittmeister a. D. in Stuttgart. 1894. 

v. Quadt-Wykradt-Isny, Bertram, Graf, Erlaucht, in Isny. 1875. 

v. Rassler-Weitenburg, Max, Freiherr, K. Kammerherr, in Stuttgart. 1892. 

Rath, Emil, Dr., Professor, Bibliothekar in Stuttgart. 1897. 

Rau, Karl, Dr., Forstamtmann in Schussenried. 1903. 

V. Rauch, Moritz, Fabrikant in Heilbronn. 1884. 



— LXVI — 

Raupp, H., Gasfabrikdirektor in Heilbronn. 1884. 

Ravensburg, Verein für Naturkunde. 1895. 

Ray, Gr., Dr. med., Oberamtsarzt in Ehingen a. D. 1875. 

V. Recliberg und Rothenlöwen, Otto, Graf, Erlaucht, in Donzdorf. 1876. 

Rees, Oberreallehrer in Trossingen. 1905. 

Regelmann, Chr., Rechnungsrat in Stuttgart. 1866. 

Regelmann, Karl, Dr., Landesgeologe in Stuttgart. 1904. 

Rehlen, W., Fabrikbesitzer und Magistratsrat in Nürnberg. 1903. 

Reihlen, Hermann, Apotheker in Stuttgart. 1894. 

Reihlen, Max, Dr. med., prakt. Arzt in Stuttgart. 1894. 

Reihling, Karl, Baurat in Stuttgart. 1885. 

Reinert, Emil, Dr. med., prakt. Arzt in Stuttgart. 1898. 

Reinhardt, Rieh., Oberamtstierarzt in Freudenstadt. 1900. 

Reinhardt, Theod., Kaufmann in Ravensburg. 1897. 

Rembold, Robert, Dr. med., Oberamtsarzt in Waldsee. 1895. 

V. Rembold, Sigmund, Dr., Medizinaldirektor in Stuttgart. 1884. 

Renkenberger, W. F. F., Oberreallehrer in Stuttgart. 1897. 

Renner, Karl, Oberstleutnant z. D. in Stuttgart. 1893. 

Rescher, Ad., Privatier in Stuttgart. 1900. 

Rettich, Aug., Professor in Stuttgart. 1874. 

Rettinger, Rektor in Ravensburg. 1898. 

Reuss, Ad., Dr. med., prakt. Arzt in Stuttgart. 1886. 

Reutlingen, Naturwissenschaftlicher Verein. 1886. 

Reuttner v. Weyl, Camill, Graf, K. Kammerherr, in Ach-stetten. 1874. 

Richter, Max, Professor in Stuttgart. 1893. 

Rieber, X., Professor in Ludwägsburg. 1885. 

Riegel, Wilh., Apotheker a. D. in Esslingen. 1904. 

Rinck, E., Oberreallehrer in Dornhan OA. Sulz. 1902. 

Römer, Oberförster in Nagold. 1899. 

Rommel, Oberförster in Sulzbach. 1897. 

Rosenfeld, Fritz, Dr. med., prakt. Arzt in Stuttgart. 1905. 

Rosenstein, Hermann, Kaufmann in Stuttgart. 1890. 

v. Roth, A., Dr., Medizinalrat in Stuttgart. 1880. 

Roth, Emil, Fabrikant in Reutlingen. 1902. 

Rothenhöfer, Emil, Postrevisor in Stuttgart. 1876. 

Rothfritz, Eduard, Oberamtstierarzt in Esslingen. 1904. 

Röttgen, Th., Dr. phil., Privatier in Stuttgart. 1906. 

Rottweil, K. Gymnasium. 1901. 

Rudolph, E., Dr., Professor in Strassburg i. E. 1893. 

Rueff, Salinenverwalter in Rottenmünster. 1901. 



— XLVII — 

Rümelin, Richard, Bankier in Heilbronn. 1898. 

Rumm, C, Dr. phil, Oberreallehrer in Stuttgart. 1896. 

Rupp, Professor in Reutlingen. 1902. 

Russ, Andolin, Dr., Medizinalrat, Oberamtsarzt in Rottweil. 1901. 

Sachs, Robert, in Aalen. 1899. 

Salzmann, Frau Mathilde, in Esslingen. 1881. 

Salzmann, Stadtpfarrer in Biberach. 1904. 

Salzner, Präzeptor in Tübingen. 1896. 

Sapper, Karl, Dr., Univ.-Professor in Tübingen. 1900. 

Sapper, Richard, Vize-Konsul, Kaufmann in Stuttgart. 1904. 

Sauer, A., Dr., Professor a. d. Techn. Hochsch. in Stuttgart. 1900. 

Sauerbeck, Paul, Dr., Professor in Reutlingen. 1890, 

Sautermeister, 0., Apotheker in Rottweil. 1868. 

Sautermeister, Pfarrer a. D. in Sigmaringen. 1894. 

Sautter, Otto, Apotheker in Horb a. N. 1905. 

Schaller, Ludwig, Dr. med., prakt. Arzt in Stuttgart. 1899. 

Schanzenbach, Heinrich, Professor in Stuttgart. 1903. 

Schaufele, Stadtschultheiss in Öhringen. 1903. 

Schäuffelen, Rieh., Fabrikant in Heilbronn. 1897. 

Schauwecker, Oberförster in Wildberg. 1899. 

Scheel, Pius, Pfarrer in Untertalheim. 1887. 

Scheerer, Ed., Kommerzienrat, Fabrikant in Tuttlingen. 1905. 

V. Scheler, St., Graf, Exzellenz, General a la suite in Stuttgart. 1895. 

V. Scheler, Hertha, Gräfin, Majorswitwe in Stuttgart. 1903. 

Schenk, Bezirkshauptmann in Ohringen. 1903. 

Scheuerle, Schullehrer a. D. in Frittlingen. 1882. 

Scheufeien, Adolf, Dr., Fabrikant in Oberlenningen. 1899. 

Scheurlen, Ernst, Dr., Ober-Medizinalrat in Stuttgart. 1897. 

Schick, Theodor, Dr., Oberreallehrer in Bopfingen. 1903. 

Schickhardt, Karl, Fabrikant in Betzingen. 1889. 

Schiedt, Oberförster in Reichenberg. 1904. 

Schilling, Richard, Versicherungsdirektor in Stattgart. 1904. 

Schips, K., Pfarrer in Schloss Neresheim. 1894. 

Schleich, G., Dr., Univ.-Professor in Tübingen. 1893. 

Schlenker, Georg, Oberlehrer in Cannstatt. 1903. 

Schlenker, Karl, Pfarrer in Leonbronn. 1898. 

Schliz, Dr. med., Hofrat, Stadtarzt in Heilbronn. 1897. 

Schloz, Bezirksgeometer in Schorndorf. 1904. 

Schmid, Apotheker in Nagold. 1899. 

Schmid, Christian, Oberlehrer in Nagold. 1886. 



— XLVIII — 

Schmid, Eugen, Dr. phil, Professor in Cannstatt. 1895. 

Schraid, Joseph, Pfarrer in Aulendorf. 1896. 

Schmid, Juhus, Hofrat, Apotheker in Tübingen. 1876. 

Schmid, Oberreallehrer in Künzelsau. 1904. 

Schmid, Oberförster in Wolfegg. 1905. 

V. Schmid, Rud., Dr., Prälat, Oberhofprediger a. D. in Stuttgart. 1866. 

Schmidt, Ad., Kommerzienrat in Heilbronn. 1898. 

Schmidt, August, Dr., Geh. Hofrat, Professor a. D. in Stuttgart. 1872. 

Schmidt, Edwin, Kameralverwalter in Öhringen. 1904. 

Schmidt, H., Gemeinderat, Kaufmann in Gmünd. 1900. 

Schmidt, Hermann, Redakteur in Stuttgart. 1879. 

Schmidt, Julius, Dr., Professor, Privatdozent in Stuttgart. 1903. 

Schmidt, Martin, Dr. phil., Landesgeologe in Stuttgart. 1903. 

Schmidt, Max, Dr., Chemiker, Fabrikdirektorin Hemingb. Saarburg. 1898. 

Schmidt, Oscar, Dr., Chemiker in Stuttgart. 1906. 

Schmidt, Theodor, Rektor der Realschule in Rottweil. 1901. 

V. Schmidt, Wilhelm, General in Tübingen. 1880. 

Schmierer, Th., Dr., Landesgeologe in Berlin. 1905. 

Schmitt, Ad., Hüttenchemiker in Gmünd. 1899. 

Schneiderhan, E., Dr. rer. nat. in Oberndorf. 1904. 

Schneyder, Eberh., Zahnarzt in Tübingen. 1897. 

Schnopp, Ben., Rechtsanwalt in Biberach. 1900. 

Schoder, C, Apotheker in Feuerbach. 1892. 

Scholl, Reallehrer in Schwenningen. 1901. 

Schorndorf, Realschule 1906. 

Schott, Ad., Direktor der Zementfabrik in Nürtingen. 1903. 

Schott, August, Fabrikant in Nürtingen. 1895. 

Schott, Robert, Dr. med., prakt. Arzt in Schorndorf. 1900. 

Schrader, Julius, Apotheker in Feuerbach. 1881. 

Schreiber, Eugen, Fabrikant in Schwenningen. 1905. 

Schreiber jun., Ferdinand, Verlagsbuchhändler in Esslingen. 1904. 

Schreiber, Max, Verlagsbuchhändler in Esslingen. 1877. 

Schreiber, Robert, Verlagsbuchhändler in Esslingen. 1904. 

Schuh, Karl, Dr., Forstrat in Stuttgart. 1895. 

Schuler, August, Chemigraphische Kunstanstalt in Stuttgart. 1905. 

Schuler, Stadtpfarrer in Neuenstein. 1895. 

Schumacher, H., Rektor in Böblingen. 1900. 

Schupp, Friedrich, Hofgärtner in Wolfegg. 1874. 

Schupp, Franz, Pfarrer in Leupolz. 1902. 

Schuster, Hermann, Privatlehrer in Stuttgart. 1893. 



- XLIX — 

Schütze, Ewald, Dr., Assistent am K. Nat.-Kab. in Stuttgart. 1900. 

Schüz, Friedr., Salinenverwalter a. D. in Calw. 1891. 

Schwarz, Hugo, Dr. rer. nat., Hilfslehrer in Kirchheim u. T. 1903. 

V. Schwarz, 0., Dr., Präsident, Domänen-Direktor in Stuttgart. 1889. 

Schwarz, Richard, Dr. med., prakt. Arzt in Stuttgart. 1904. 

Schwarzkopf, Emil, Dr. med., prakt. Arzt in Stuttgart. 1895. 

Schwarzmaier, Christian, Professor in Nagold. 1881. 

Schweizer, Christian, Oberreallehrer in Laupheim. 1899. 

Schweizer, Dr., Professor in Hall. 1900. 

V. Schweizerbarth, Elise, Oberstengattin in Stuttgart. 1902. 

Schwendener, Dr., Geh. Reg.-Rat, Üniv.-Professor in Berlin. 1877. 

Schwenk, E., Professorats-Kandidat in Ludwigsburg. 1905. 

Schwenk, Karl, Kommerzienrat, Fabrikant in Ulm. 1885. 

Scriba, Karl, Fabrikant in Heilbronn. 1884. 

Seeger, Hermann, Kaufmann in Stuttgart. 1906. 

Seel, Eugen, Dr., Privatdozent a. d. Techn. Hochsch. in Stuttgart. 1903. 

Seitz, W., Oberreallehrer in Stuttgart. 1895. 

Seiz, Professor in Ravensburg. 1904. 

Setzer, Eugen, Dr., Chemiker in Stuttgart. 1903. 

Seydel, Emil, cand. rer. nat. in Tübingen. 1905. 

Sick, Direktor in Rottweil. 1903. 

Sieber, Eugen, Pfarrer in Rottenburg. 1894. 

Sieberer, Karl, Dr. rer. nat. in Eßlingen. 1905. 

Sieglin, E., Fabrikbesitzer in Stuttgart. 1900. 

Sieghn-Fehr, Hermann, Dr., Professor in Hohenheim. 1885. 

Sigel, Pfarrer in Pfalzgraf enweiler. 1901. 

Sigel, Albert, Dr. phil., Apotheker in Stuttgart. 1901. 

Sigel, Karl, Bergrat in Friedrichshall. 1878. 

Sigel, Karl, K. Regierungsbaumeister in Stuttgart. 1904. 

Sigmundt, Dr. med., Sanitätsrat, Oberamtsarzt in Spaichingen. 1882. 

Sihler, Oberförster in Biberach. 1893. 

Singer, A., Postassistent in Weingarten. 1901. 

Sohnle, Hugo, Professor in Hohenheim. 1902. 

Sommer, Joh., Landtagsabgeordneter in Beizkofen 1898. 

V. Sonntag, Konradin, Oberst a. D. in Stuttgart. 1875. 

Souchay, Theodor, Dr. med., Augenarzt in Stuttgart. 1897. 

Späth, Dr., Stadtpfarrer in Biberach. 1901. 

Specht, August, Kunstmaler in Stuttgart. 1897. 

Speidel, Emil, Dr., Forstrat in Stuttgart. 1883. 

Speidel, Oberamtstierarzt in Oberndorf a. N. 1904. 

Jahreshefte d. Vereins f. vaterl. Naturkunde in Württ. 1900. d 



Spemann, Dr., Privatclozent in Würzburg. 1899. 

Sperling, Piud., Kaufmann in Heilbronn. 1898. 

Spieß, Franz Xaver, Ökonom in Enzlesmühle OA. Leutkirch. 1901. 

Spindier, Eugen, Optiker in Stuttgart. 1869. 

Spohn, Georg, Dr. in Blaubeuren. 1897. 

Spohn, Julius, Kommerzienrat in Neckarsulm. 1897. 

Sporer, Benedikt, Dr., Professor in Ehingen. 1892. 

Sprandl, Eduard, Hauptmann u. Kompagniechef in Ludwigsburg, 1906. 

Springer, M., Bautechniker in Flein bei Heilbronn. 1904. 

Sprösser, Th., Kommerzienrat in Stuttgart. 1876. 

Stahlecker, Eugen, Dr., Rektor an der h. Töchterschule in Tübingen. 
1903. 

Staigmüller, Hermann, Dr., Oberstudienrat in Stuttgart. 1882. 

Stapf, Baurat in Ravensburg. 1878. 

Stark, Dr. med., Distriktsarzt in Forchtenberg. 1897. 

Steichele, Lud., Privatier in Freudenstadt. 1897. 

Steinacker, Dr. med., prakt, Arzt in Reutlingen. 1897. 

Steinhardt, Hugo, Oberamtspfleger in Ellwangen. 1879. 

Steinhart, Arthur, Kaufmann in Stuttgart. 1902. 

Steinhauser, Dr. med., prakt. Arzt in Öhringen. 1904. 

Stephan, Domänendirektor in Öhringen. 1904. 

Stettner, G., Schullehrer in Heilbronn. 1891. 

Stettner, J., Reallehrer in Trossingen. 1897, 

Stirm, Albert, Ökonomierat in Stuttgart. 1898. 

Stock, Karl, Oberforstrat in Stuttgart. 1876. 

Stockmayer, Emil, Dr. med.. Med. -Rat, Oberamtsarzt a. D. in Heiden- 
heim. 1884. 

V. Stoll, Karl, Dr. med., Generalarzt a. D. in Stuttgart. 1867. 

Stoll, Konrad, Dr. med., prakt. Arzt in Blaubeuren. 1897. 

Stoll, Dr. med., prakt. Arzt in Heilbronn. 1898. 

Stoller, J., Dr., Landesgeologe in Berlin. 1901. 

Stoppel, Oberförster in Baiersbronn. 1902. 

Stortz, Christ., Schullehrer in Pleidelsheim. 1895. 

Strauß, Oberreallehrer in Spaichingen. 1901. 

V. Strebel, Viktor, Direktor d. landwirtsch. Hochsch. in Hohenheim. 1900. 

Streich, Ivo, Kaiserl. deutscher Konsul a. D. in Gmünd, 1899. 

Stroehlin, Karl, Hauptmann in Stuttgart. 1901. 

Ströhmfeld, Gustav, Obersekretär in Stuttgart. 1895. 

Stüber, Otto, Dr. phil., Privatier in Stuttgart. 1879. 

Stumpp, Oberreallehrer in Heidenheim. 1904. 



- LI — 

Stuttgart, Direktion des Realgymnasiums. 1904. 

Stuttgart, Entomologischer Verein. 1896. 

Stuttgart, Katholischer Leseverein. 1895. 

Stuttgart, Math.-naturwissensch. Verein d. Techn. Hochschule, 1887. 

Stuttgart, Verein der Vogelfreunde. 1885. 

Sulzmann, Stadtschultheiß in Oberndorf a. N. 1904. 

Sußdorf, Max, Dr. med., Direktor d. Tierärztl. Hochsch. in Stuttgart. 
1887. 

V. Süßkind, Freiherr, Oberförster in Dornstetten. 1904. 

V. Süßkind, Theodor, Freiherr, K. Kammerherr in Schwendi. 1875. 

Teuffei, Emil, Privatier in Stuttgart. 1904. 

Theurer, Kuno, Oberförster in Gundelsheim. 1875. 

Tscherning, Aug., Dr. rer. nat., Apotheker in Wien. 1901. 

Tscherning, Oskar, Kaufmann in Heilbronn. 1889. 

Tübingen, Mineralogisches Listitut. 1897, 

Tübingen, Verein der Naturfreunde. 1896. 

Uebele, G., Dr. med. vet., Professor a. d. Tierärztl. Hochsch. in Stutt- 
gart. 1898. 

Uhl, A., Fabrikdirektor in Piavensburg. 1895. 

Ulm, Stadtgemeinde. 1898. 

Ulmer jr., E., Verlagsbuchhändler in Stuttgart. 

v. Ulm-Erbach, Max, Freiherr, auf Erbach. 1874. 

Urach, Verein für Natur- u. Altertumskunde 1901. 

Urech, Dr. in Tübingen. 1903. 

v Üxkull-Gyllenband, Graf, Oberforstrat a. D. in Kirchheim u. T. 1872. 

Vaihinger, G., Oberreallehrer in Reutlingen. 1893. 

Vayhinger, Dr. med., Sanitätsrat, prakt. Arzt in Schramberg. 1897. 

Vierthaler, Pfarrer in Heudorf bei Riedlingen a. D. 1902. 

Visino, Dr. med., prakt. Arzt in Aulendorf. 190L 

v. Vöchting, Hermann, Dr., Univ. -Professor in Tübingen. 1893. 

Vogel, Karl, Professor, Rektor der städt. Gewerbesch. in Stuttgart. 1896. 

Voith, J. M., Dr. Ing., Geh. Kommerzienrat in Heidenheim. 1899. 

Vülter, Karl, Hofkammerrat in Stuttgart. 1903. 

Völter, Theodor, Apotheker in Metzingen. 1905. 

Völter, Staatsanwalt in Ravensburg. 1905. 

Vosseier, Julius, Dr., Prof., Zoologe in Amani, Deutsch- Ostafrika. 1885. 

Wacker, Dr., Hofrat, Apotheker in Ulm. 1868. 

Wagner, Christoph, Üniversitäts-Professor in Tübingen. 1904. 

Wagner, Karl, Dr. jur., stellvertr. Bankdirektor in Stuttgart. 1889. 

Wagner, M., Professoratsverweser in Rottweil. 1901. 



- LH — 

Waidelich, Karl, Schullehrer in Baiereck bei Schorndorf. 1898. 

V. Waldburg-Wolfegg-Waldsee, Fürst, Durchlaucht, in Wolfegg. 1875. 

V. Waldburg-Zeil-Trauchburg, W., Fürst, Durchlaucht, in Zeil. 1875. 

Walde, A., Schullehrer in Leutkirch. 1895. 

Wällnitz, Dr. med., prakt. Arzt in Schussenried. 1904. 

Wallensteiner, Chemiker in Rottweil. 1901. 

Walter, Apotheker in Rottweil. 1903. 

Walter, David, Professor in Göppingen. 1903. 

Walz, Karl, Dr., Medizinalrat in Stuttgart. 1904. 

Wanderer, K., Dr., Assistent a. naturhist. Museum in Dresden. 1905. 

Wanner, Theodor, Kaufmann in Stuttgart. 1903. 

Warth, Alfred, Rektor in Korntal. 1901. 

Weigelin, Alwin, Bauinspektor in Plochingen. 1904. 

Weigelin, Julius, Dr. med., Professor, prakt. Arzt in Stuttgart. 1873. 

Weiger, C, Domänendirektor in Zeil. 1877. 

Weikart, A., Oberreallehrer in Freudenstadt. 1903. 

Weil, Emanuel, Dr. med., Sanitätsrat, prakt, Arzt in Stuttgart. 1896. 

Weil, Max, Dr. med., Nervenarzt in Stuttgart. 1897. 

Weinberg, Wilh., Dr. med., prakt. Arzt in Stuttgart. 1889. 

Weinland, D. F., Dr. phil. in Hohenwittlingen. 1872. 

Weinland, Ernst Fr., Dr. med. et phil., Privatdozent in München. 1895. 

Weinschenk, Ernst, Dr., Prof., Privatdozent in München. 1895. 

Weiß, Oberreallehrer in Urach. 1903. 

Weißberger, J., Versicherungs-Direktor in Stuttgart. 1903. 

Weizsäcker, Dr. med.. Geh. Hofrat, Badearzt in Wildbad. 1902. 

Welzheim, Lehrerverein für Naturkunde. 1890. 

Wepfer, G., Oberbergrat a. D. in Stuttgart. 1875. 

Widmann, Karl, Professor, Institutsdirektor in Stuttgart. 1893. 

Widmayer. Wilh., Kassier in Stuttgart. 1901. 

Wiedersheim, E., Dr., Geh. Hofrat in Cannstatt. 1905. 

Wiedersheim, R., Dr., Geh. Hofrat, Univ.-Prof. in Freiburg i. B. 1879 

Wild, G., Dr. med., prakt. Arzt in Heilbronn. 1884. 

Wildt, Hermann, Hofbuchhändler in Stuttgart. 1892. 

Windisch, Karl, Dr., Professor in Hohenheim. 1905. 

Winkler, Hans, Dr.. Üniversitäts-Professor in Tübingen. 1902. 

Wittlinger, Schullehrer in Holzheim. 1900. 

Wolf, August, Hofrat, Oberamtsarzt a. D. in Stuttgart. 1906. 

Wolf, Dr. jur. in Oberndorf, 1904. 

Wolf, Eugen, Dr. rer. nat., Assistent in Frankfurt a. M. 1904. 

Wölffing, Ernst, Dr.. Prof., Privatdozent in Stuttgart. 1890, 



— LIII — 

Wölffle, Karl, Forstrat in Stuttgart. 1898. 
Wörner, Dr. med., dirig. Spitalarzt in Gmünd. 1900. 
Würz, Oberförster in Riedlingen. 1903. 

Wülfing, Dr., Professor a. d. Techn. Hochschule in Danzig. 1892. 
Wulz, Paul, Dr., in Heidenheim. 1900. 
Wunderlich, Landwirtschaftsinspektor in Heilbronn. 1895. 
Wundt, G., Oberbaurat in Stuttgart. 1877. 
Wundt, W., Dr. phil. in Stuttgart. 1905. 
Wünsch, Albert, Apothekenbesitzer in Stuttgart. 1902. 
Wurm, Wilhelm, Dr. med., Hofrat, in Teinach. 1874. 
V. Wurzach, Karl, Freiherr, in Stuttgart. 1883. 
Zabergäuverein in Brackenheim. 1901. 

Zaiser, Hermann, Dr. med., prakt. Arzt in Stuttgart. 1899. 
Zeller, Dr. med., Med.-Rat, Oberamtsarzt in Ludwigsburg. 1896. 
Zeller, Albert, Dr. med., Professor, prakt. Arzt in Stuttgart. 1895. 
V. Zeller, H., Präsident, Direktor des Steuerkollegiums in Stuttgart. 
Zengerle, Max, Dr. med., prakt. Arzt in Ravensburg. 1895. 
Zenneck, J., Dr., Professor in Langfuhr bei Danzig. 1895. 
Zetkin, Max, in Degerloch. 1900. 
Ziegler, Julius, Kaufmann in Stuttgart. 1881. 
Ziesel, Pfarrer und Schulinspektor in Kisslegg. 1904. 
Zimmerle, Forstmeister in Wolfegg. 1884. 
Zimmermann, Anton, Hilfslehrer in Ehingen a. D. 1902. 
Zipperlen, Dr. med., prakt. Arzt in Tübingen. 1905. 
Zoller, Matthäus, Professor in Rottweil. 1883. 
Zöppritz, Emil, Fabrikant in Calw. 1875. 

Zwick, W., Dr., Professor a, d. Tierärztl. Hochsch. in Stuttgart. 1896. 
Zwiesele, Heinrich, Dr. phil., Prof., gewerbl. Wanderlehrer in Stuttgart. 
1890. 



IL Sitzungsberichte. 



1. Hauptversammlung zu Tuttlingen am 24. Juni 1905. 

Prof. Dr. A. Schmidt : Die e r d m a g- n e t i s c li e Vermessung 
des Ries. Die Denkmäler gewaltiger Äußerungen der Naturkräfte, 
welche die kindlich-dichterische Vorstellung des Altertums als Werke 
von Riesen und Titanen betrachtete, werden niemals aufhören, auch die 
nüchterne gelehrte Forschung in ganz besonderem Maße zu reizen. Das 
vulkanische Ries ist ein solches Titanendenkmal, dessen wissenschaftliche 
Erklärung, dessen Entstehungsgeschichte einen Vorwurf bildet, welchem 
sich die ausgezeichnetsten Vertreter der Erdkunde in den beteiligten 
Staaten gewidmet haben und widmen. Neuerdings, wie wir aus den 
Arbeiten von Branco und Fkaas erkennen, mit entscheidendem Erfolg. 

Aufs Ries konnte mau noch vor wenig Jahren das ScHiLLKR"sche 
Wort des Tauchers anwenden: „Was die schaurige Tiefe da unten ver- 
hehle , das erzählt keine lebende glückliche Seele." Heute haben uns 
die Taucher im Bohrloch am Bnchberg nicht nur Kunde gebracht von 
den gekritzten Geschieben zwischen dem Dogger und dem darunter- 
liegenden Malm , sondern damit den Beweis für den Lakkolith in der 
Tiefe, der zur Zeit der Titanen, dem geologischen Tertiär, dem furcht- 
baren Höllenrachen entquollen, einen granitenen Pfropfen von 25 km 
Dicke emporgehoben und zurückweichend wieder niedergesetzt hat. 

Wieviel von dem Unhold, dem Lakkolith, mag wohl in der Toten- 
starre gefesselt bis heute da unten begraben liegen? Um auch diese 
Frage , wenn's möglich wäre , zu beantw'orten , hat der Geheime Herr 
Bergrat Branco den Prof. Haussmann, der eben die erdmagnetische Ver- 
messung Württembergs ausgeführt und bearbeitet hatte , veranlaßt , im 
Sommer 1902 eine erdmagnetische Vermessung des Ries vorzunehmen. 
Die Arbeit ist in Berlin im Verlag der K. Akademie der Wissenschaften, 
welche die Kosten des Unternehmens getragen hat, im vorigen Jahre 
erschienen '. 

Indem ich Ihnen zum Zweck des heutigen Vortrags eine ver- 
größerte Darstellung derjenigen Karte des Werkes gebe, welche aus der 
rechnerischen Bearbeitung der Beobachtungen hervorgegangen, die 



' K. Haußmann, Magnetische Messungen im Ries und dessen Umgebung. 
Berlin 1!}04. 



- LVI - 

störenden Kräfte darstellt, losgeschält von der allgemeinen und normalen 
magnetischen Kraft, muß ich alle, welche der Prüfung der Frage näher 
treten wollen, auf die obige Arbeit und auf die im Jahr 1901 vom 
K. Avürttemb. Statist. Landesamt, in dessen Auftrag die Arbeit gemacht 
wurde, herausgegebene Arbeit Haussma^x's, „Die erdmagnetischen Ele- 
mente von Württemberg und Hohenzollern" verweisen. 

Wir können auf der Karte zweierlei Linien unterscheiden, solche, 
die in ihrem Verlauf eine vorzugsweise von SW. nach NO. zielende 
Richtung zeigen, und solche, welche das nicht tun, sondern mehr rund- 
liche Gebiete umgrenzen. Zu den ersteren gehört der Lauf der Donau 
von Ulm bis über Donauwörth , gehört der den Fluß dem linken Ufer 
entlang in wechselndem Abstände begleitende Douauabbruch , eine geo- 
logische Störungslinie , welche zu der Tektonik des Tafeljura ein 
schwaches Anzeichen der Faltung hinzufügt. Hierzu gehören die lang- 
gestreckten Ovale, Linien gleichen Betrags der störenden Kräfte, sie 
sind bezeichnet mit den Zahlen 50, 100, 150 und verlaufen ähnlich 
den Höhenkurven eines langgestreckten Hügels. Nach dem für die 
magnetischen Kraftmessungen eingeführten Maße beträgt nämlich die 
normale magnetische Richtkraft in unseren Breiten etwa . 2 großer 
Einheiten oder 20 000 kleiner, mit dem Buchstaben y bezeichneter, 
Einheiten. In dem Gebiete der ovalen Kurven zeigt sich also ein berg- 
rückenartiges Anwachsen der störenden Kraft. Ganz nach Analogie 
eines langgestreckten Bergrückens ist diesem Gebiete auch eine Kamm- 
linie eingezeichnet, die Linie verhältnismäßig größter störender Kraft, 
von der aus gegen links und gegen rechts nicht nur die Beträge ab- 
nehmen, sondern auch die Kraftrichtungen in entgegengesetztem Sinn 
sich ändern. Auf dieser Kamralinie liegt auch ein Gipfel mit der 
Höhe 1748 bei dem Orte Herbrechtingen mit merklich senkrecht ge- 
richteter Kraft. 

Die andere Art von Kurven ohne bevorzugte Richtung sind ein- 
mal die kreisförmige Umrandung des großen Rieskessels , die ebenso 
gestaltete Umrandung des kleinen Steinheimer Beckens, ferner eine An- 
zahl von Gebieten , innerhalb welcher die störenden Kräfte negative 
Werte annehmen, also Gebiete, innerhalb deren zu der ordentlichen An- 
ziehung, welche der Erdmagnetismus auf den Nordpol einer Magnetnadel 
ausübt unter Abstoßung des Südpols , durch die Störung Abstoßungen 
des Nordpols bezw. Anziehungen des Südpols hinzugefügt werden. Diese 
zerstreut liegenden Einsenkungsgebiete zeigen meist viel geringere Be- 
träge störender Kraft als die Gebiete positiver Störung. Sichtbar und 
auffallend aber zeigen sowohl die positiven, wie die negativen Gebiete 
ein ganz anderes Verhalten innerhalb des Rieskessels als außerhalb 
desselben. Die Linien gleicher störender Kraft mit der Kammlinie, soweit 
sich eine solche mit melir oder weniger großer Sicherheit darstellen 
ließ, sind gewunden, die Kammlinie zu einem oftenen Kreis, aus weichem 
sich eine Tallinie, wie eine einen Ringwall durchschneidende Talfurche 
herauswindet mit einer Tiefe, welche die Höhe des Ringwalls übertrifft 
und mit einer größten Einsenkung von 1718 fast dem Gipfel bei Her- 
brechtingen gleichkommt. 



- LVII — 

Die mag-netisclien Störungen des ganzen Gebietes sind in ihren 
Beträgen vergleichsweise klein, so daß keine Berechtigung vorliegt, an 
andere Ursachen der Störungen zu denken, als an Produkte vulkanischer 
Tätigkeit. Basische Gesteine, welche Eisen in Form von Oxj'dul- 
verbindungen enthalten, besonders wenn den Olivinen, Hornblenden, 
Augiten sich kleine Teilchen von Magneteisen zugesellen, werden durch 
die Einwirkung des Erdmagnetismus selbst zu schwachen Magneten, so 
daß an den oberen Enden solcher Felsniassen sich magnetische Südpole 
ausbilden , in deren Nähe das magnetische Feld der Erde eine Ver- 
stärkung aufweist. Saure Gesteine dagegen mit reichlicherem Gehalt 
an Kieselsäure sind magnetisch wenig induzierbar, wenn nicht gar ein 
reichlicher Wassergehalt solchen Gesteinen bezw. dem Erdboden schwach 
diamagnetische Eigenschaften erteilt, so daß sie auf das Kraftfeld der 
Erde schwächend einwirken. Besonders auch zur Seite der magnetischen 
Massen , über deren oberen Polen sich positive Störungen zeigen , sind 
negative Störungen des Feldes zu erwarten , weil die magnetischen 
Massen die Eigenschaft haben, die magnetischen Kraftlinien an sich zu 
ziehen, zu ihrer Seite deren Stärke zu vermindern. Diese schwächende 
Wirkung der magnetisch induzierten Massen auf ihre seitliche Umgebung 
kann erhöht werden durch schiefe, nicht seigere, Stellung der störenden 
Felsmassen, wobei diejenige Seite der Erdoberfläche, gegen welche der 
unten liegende Nordpol gekehrt ist, das negativ gestörte Gebiet dar- 
stellt. Besonders aber in dem Zwischenraum zwischen zwei magnetisch 
induzierten Felsmassen und um so mehr, je mehr sie sich in die Tiefe 
erstrecken, ist das magnetische Feld der Erde geschwächt. Sehr be- 
zeichnend sehen Sie hier mitten im Eieskessel bei Klosterzimmern den 
Punkt größter negativer Störung fast inmitten der 12 km langen Ver- 
bindungslinie zweier Punkte großer positiver Störung liegen, den höchsten 
Punkten der bogenförmigen Kammlinie des Ries. Bringt man ein 
eisernes Rohr oder auch nur ein halb zum Rohr gebogenes Eisenblech 
in Richtung der magnetischen Kraftlinien in ein magnetisches Feld , so 
wird im Innern des Rohrs bei genügender im Vergleich zum Durch- 
messer ausgedehnter Länge der Kraftlinienfluß fast verschwinden. Auch 
in unserem Fall, bei der schwachen Magnetisierung der in Frage kom- 
menden vulkanischen Produkte der Tiefe, kann die verhältnismäßig große 
Wirkung in der Rohrmitte nicht umhin, die Vorstellung von einer vor- 
herrschend vertikalen Erstreckung der störenden Massen zu erwecken. 

Auch das Bild der positiven Störungen außerhalb des Ries in dem 
südwestlichen Teil ist geeignet, die Vorstellung von einer vorherrschenden 
Tiefenausdehnung der störenden Massen zu bestärken. Um das zu 
zeigen , will ich etwas auf das Gesetz der magnetischen Fernwirkung 
zurückgreifen. 

Wir lernen ja in der Schule, daß die fernwirkenden Kräfte dem 
umgekehrten Quadrat der Entfernung- zwischen den wirkenden Massen 
proportional sind. Der einzelne Pol eines Magnets übt auf ein Eisen- 
teilchen in doppelter, in Sfacher Entfernung eine 4mal, eine 9mal 
kleinere Anziehung, auf eine Magnetnadel eine 4mal, eine 9mal kleinere 
Richtkraft aus. Aber die vereinigte Wirkung beider Pole folgt einem 



— LVIII — 

andern Entfernungsgesetz, die Kraft ist verschieden je nach der Richtung 
vom Magnet weg und ändert sich nicht im umgekehrten Quadrat, sondern 
im umgekehrten Kubus der Entfernung von der Magnetmitte. Das gilt 
für punktförmige Pole, wie solche nahe den Enden eines dünnen Magnet- 
stabs liegen. Anders ist es aber bei anderer Gestalt des anziehenden 
Pols. Z. B. eine in die Länge, Breite und Tiefe weit ausgedehnte 
Lavamasse würde in der Nähe der oberen Grenzfläche, inmitten der- 
selben, erdmagnetische Störungen hervorbringen, welche bei wachsender 
Entfernung gegen oben keine merkliche Abnahme zeigen würden, also 
annähernd der Oten Potenz der Entfernung proportional wären. Eine 
magnetische Platte, die sich in sehr große Tiefe erstrecken würde, hätte 
von ihrem oberen horizontal gedachten Rande aus eine Feruwirkung 
proportional der — Iten Potenz der Entfernung. Wäre die Platte 
nicht in zu großer Tiefe von einem linienförmigen Nordpol nach unten 
begrenzt, so hätten wir es mit der — 2ten Potenz der Entfernung von 
der Plattenmitte zu tun. Also je nach der Gestalt und Lage der 
störenden magnetischen Masse können die verschiedensten Kraftgesetze 
von der Oten bis zur — 3ten Potenz in Frage kommen. Sollten wir 
nun imstande sein , Anhaltspunkte über das in den Beobachtungen zum 
Ausdruck kommende Kraftgesetz zu gewinnen, so könnten wir umgekehrt 
einen Schluß auf die Gestalt der störenden Masse zu macheu versuchen. 
Freilich, alle unsere auf die Zahlen der Beobachtungen aufgebauten 
Schlüsse sind nichts weniger als exakte Ergebnisse, denn die gemessenen 
Größen sind alle notwendig mit Beobachtungsfehlern behaftet, Fehlern, 
die in den durch Rechnung abgeleiteten Größen sich nicht nur erhalten, 
sondern noch erheblich vergrößern. Dennoch haben diejenigen An- 
nahmen über Lage und Gestalt der störenden Massen vor anderen An- 
nahmen die größere Berechtigung, welche den Beobachtungswerten an- 
nähernd entsprechen. 

Zunächst rein geometrisch können wir versuchen , mittels der An- 
nahme, daß die störenden Kräfte auf Kraftzentren hinweisen, welche 
senkrecht unter der Kammlinie liegen, Tiefenberechnungen für diese 
Zentren abzuleiten. Die 4 mit den Nummern 34, 35, 35a und 35b 
bezeichneten Stationen eignen sich hiezu am besten. Die Kräfte der 
4 Orte deuten mit ihren Richtungen auf Herdtiefen von 6,9, 8,4, 3,5 
und 8,4 km. Die unterschiede ermäßigen sich unter Annäherung an 
den kleinsten Betrag, wenn wir der störenden Masse einige Kilometer 
Ausdehnung in die Breite geben, weil dann die Anziehungszentren je 
den Stationen näher gerückt werden und weil der kleinste Wert der 
der Kammlinie am nächsten liegenden Station 35a entspricht. Zwei 
der 4 Kräfte (35 a und 35 b) sind nun annähernd beide gegen den Teil 
der störenden Masse gerichtet, welcher unter dem Gipfel der Kammlinie 
liegt. Das annähernde Verhältnis der Kräfte ist 3 : 7, dasjenige der 
Entfernungen der Stationen von einem in 3,5 bis 6 km Tiefe an- 
genommenen Herde ist ungefähr das umgekehrte. Das Kraftgesetz 
befolgt also annähernd die — Ite Potenz der Entfernung, woraus man 
mit einiger Wahrscheinlichkeit auf eine sehr tiefe, eine unbestimmbar 
tiefe Lage des unteren Poles der störenden Masse schließen darf. Auch 



- LIX — 

Prof. Haussmaxn bestimmt außerhalb des Ries im südwestlichen Ge- 
biete für die Herdtiefe einen wahrscheinlichen Wert zwischen 3 und 
6 km. Das ist die Tiefe des oberen Endes der störenden Massen, 
welches noch etwas höher liegt, als die Südpole selbst. Im Innern 
des Rieskessels vermutet Prof. Haussmank die störenden basischen 
Massen höchstens in 2 km Tiefe, womit ich gleichfalls einverstanden 
bin betreffs des oberen Endes. Schon die rasche Änderung der Werte 
der störenden Kräfte bei der Entfernung von der Kammlinie deutet hier 
auf eine größere Annäherung an die Erdoberfläche, zugleich auf eine ge- 
ringe Ausdehnung in die Breite. Außerhalb des Ries möchte ich gleich- 
falls statt einer größeren Breiteerstreckung eines einzigen Lakkolithen 
an ein Sj'stem von Platten denken, welche gemeinsam nebeneinander in 
große Tiefe niedergehend von SW. nach NO. gelagert sind. 

Ich erhalte demgemäß folgendes Bild von der Verteilung und dem 
Ursprung der im Ries und dem südwestlich sich anschließenden Gebiete 
auftretenden magnetischen Massen. Das ganze jetzt magnetisch gestörte 
Gebiet war zur Zeit des Aufgetriebenwerdens der zj^lindrischen Ries- 
scholle in Mitleidenschaft gezogen. Die auftreibende vulkanische Masse, 
der Lakkolith , erzeugte unter der Schwäbischen Alb ein System von 
Spalten gemeinsam südwest-nordöstlicher Richtung, welche die Trias und 
den Jura nicht durchbrachen und mit basischem Intrusivgestein erfüllt 
wurden. Dieselbe Ursache zerklüftete auch bei der Hebung die Ries- 
scholle in unregelmäßiger Weise und erfüllte die Klüfte mit Schmelz- 
fluß. Soweit die Klüfte die Oberfläche durchbrachen, besonders in dem 
ringsum offenen Kesslerande, dienten sie lange Zeit dem Ausblasen von 
Gasen und Dämpfen , während in den nicht geöffneten Klüften die 
Schmelzflüsse erstarrten. Beim Zurückweichen des Magmas blieben die 
erstarrten Gangausfüllungen bestehen und bilden nun in der Jetztzeit 
die Ursache der erdmagnetischen Störungen. Der noch gehobenen Lage 
der Riesscholle entsprechend muß in unbekannter Tiefe mindestens unter 
dieser Scholle, wenn nicht auch unter der Alb, ein erstarrter Rest des 
Lakkoliths begraben liegen, eines Riesenleibs, von welchem die lava- 
erfüllten Gänge wie flache Gräte emporragen und die magnetischen 
Südpole tragen, denen die erdmagnetischen Störungen zu verdanken sind. 

(A. Schmidt.) 

Prof. Dr. E. Fraas: Die Donauversickerung in ihrer 
allgemein geologischen Bedeutung. 

Die brennendste geologische Frage in hiesiger Stadt ist zweifellos 
diejenige der Donauversickerung bei Immendingen, welche schon seit 
vielen Jahren die Gemüter bewegt, da sie zu einer Reihe von Miß- 
ständen und Streitigkeiten geführt hat, die auch schon in früheren 
Jahren eine sorgfältige geologische Untersuchung zur Folge gehabt 
haben. Dieselbe wurde 1877 von Hofrat Kxop in Karlsruhe ausgeführt, 
der durch Färbeversuche und durch Vermischung des Wassers mit Salz 
den klaren Beweis erbracht hat, daß das bei Immendingen im Donaubett 
versinkende Wasser als Aach bei der Stadt Aach im Hegau wieder 
zum Vorschein kommt. Ohne auf die rechtlichen politischen oder tech- 
nischen Fragen einzugehen, welche unseren Verein nicht berühren, will 



- LX — 

Redner nur das hohe wissenschaftliche Interesse dieser Erscheinung 
besprechen. 

Nach kurzem Hinweis sowohl auf die chemische Tätigkeit des 
Wassers , welche im wesentlichen in der Auslaugung der Kalkgebirge 
besteht und sich in der Bildung von Zerklüftungen und Höhlungen 
kundgibt , sowie auf die mechanische Arbeit des Wassers , d. h. den 
Transport der Gesteine, zeigt Redner, wie die Talbil düngen in dem 
Kalkgebirge und in den weicheren Mergel- und Tongebirgen 
sehr verschiedenartig sind. Der größte Teil der Schluchten auf 
der Schwäbischen Alb, insbesondere die Trockentäler sind durch Zu- 
sammenbruch von ausgelaugtem Gestein entstanden, das unter 
der Talsohle durch chemische Tätigkeit des Wassers fortgeführt worden 
ist. Die offenen, breiten Täler, z. B. des unteren Jura und der Keuper- 
formation sind dagegen im wesentlichen auf Ausräumung infolge der 
mechanischen Arbeit des Wassers zurückzuführen. 

Dieser Prozeß geht seit Urzeiten auf allen Festländern vor sich, 
und wir können wohl annehmen, daß er auch bei uns schon sich seit 
dem Abschluß der Juraperiode abgespielt hat. Damals lagen die hydro- 
graphischen Verhältnisse wesentlich anders als heute. Südlich der 
Schwäbischen Alb, etwa das jetzige Oberschwaben durchziehend, erhob 
sich noch der breite ürgebirgsrücken des sogen, vindelizischen Gebirges, 
so daß die AVässer nicht gegen Süden in die alpinen Kreidebuchten ab- 
fließen konnten, sondern gegen Norden hinaus in das dortige Kreidemeer 
abflössen. Während der folgenden geologischen Perioden tiel allmählich 
das vindelizische Gebirge der Abwaschung zum Opfer. Aber zugleich 
beobachten wir nun während der älteren Tertiärzeit die gewaltigen 
Bewegungen , welche zur Bildung der Alpen führten. Vor den Alpen 
entstand eine tiefe Senke, in welcher das Molassemeer eindrang, und 
zwischen Schwarzwald und Vogesen entstand die tiefe Grabeneinsenkung 
des Rheintales. Dadurch verschoben sich wiederum die hydrographischen 
Verhältnisse. Unser ganzes Tafelland mit Jura und Trias erfuhr eine 
Senkung gegen Süden und dementsprechend floß der größte Teil unseres 
Wassers nach Süden ab, und dieser Zustand blieb auch bestehen, nach- 
dem durch Hebung das Molassemeer aus Oberschwaben hinausgedrängt 
worden und die Abflußrinne gegen Osten in der Knickung zwischen dem 
oberschwäbischen Tertiär und dem Jura als Donaulinie ausgebildet war. 
Dadurch aber, daß diese Abflußrinne eine bedeutende Höhenlage über 
dem Meer einnimmt (450 m beim Ausfluß aus Württemberg) ging die 
Talbildung nur sehr langsam vor sich, da das Wasser nur ein ganz 
geringes Gefäll bekam. 

Ganz anders verlief die Bildung im Rheintal. Nachdem durch 
den Durchbruch in Bingerloch eine Abflußrinne nach Norden geschaffen 
war, welche zunächst den ganzen Grabenbruch des Rheintales entwässerte, 
senkte sich dort das Niveau der Abflußrinne sehr tief (rund 100 m u. 
d. M. bei Mannheim) und dementsprechend konnte von den hochgelegenen 
Teilen des Gebirgslandes das Tagwasser rasch gegen diese Senkung ab- 
fließen. Die Folge davon war eine wesentlich erhöhte mechanische 
Tätigkeit des Wassers und dementsprechend eine rasch fortschreitende 



— LXl — 

Talbildung-. Die weitere Folge war eine Verlegung der Wasserscheide 
nach Süden, indem die Abflußrinnen des Rheines immer mehr gegen 
diejenigen der Donau vordrangen, obgleich sie gegen das Schichteu- 
gefälle anzustreben hatten. So sehen wir allenthalben auf unserer 
Schwäbischen Alb noch sogen. Talruinen, wie sie von (tugenhax, Endbiss, 
Pexck u. a. beschrieben worden sind. Für unser hiesiges Gebiet war 
von besonderer Wichtigkeit der Durchbruch des Rheines bei Basel, denn 
damit wurde das ganze südlich von uns gelegene Gebiet in scharfer 
Strömung entwässert und «rasch gewannen auch hier die dem Rhein zu- 
strömenden Gewässer die Oberhand über die der Donau zugewendeten. 
Das schönste Beispiel bietet die Gutach, welche früher im Tale der 
Aitrach der Donau zugeflossen ist, dann aber durch die von Süden her 
einschneidende Wutach angeschnitten und dem Rhein zugeführt wurde. 
Dasselbe spielt sich nun gegenwärtig zwischen der Aach und der Donau 
ab, indem auch hier die günstigeren Abflußbedingungen auf der Südseite 
siegreich gegen die Abflußrinnen der Nordseite vordringen. Da aber 
hier als Zwischengebiet nicht leicht abzuwaschende Mergel- oder Sand- 
schichten lagern, sondern feste, größtenteils massige Kalke, so kommt 
weniger die mechanische Tätigkeit als die chemische Arbeit des Wassers 
zur Geltung. Unterirdisch, in einem System von Spalten und Klüften 
sucht sich das Wasser Bahn, um so eine spätere Talbildung einzuleiten. 

Wir sehen also hier einen der interessantesten geologischen Pro- 
zesse, die Verlegung einer Wasserscheide gewissermaßen in statu nascenti. 

(Fraas.) ' 

Oberamts- Wundarzt Dr. Eytel (Spaichingen) : Zur Temperatur - 
Umkehr auf der Schwäbischen Alb. 

Es ist bekannt, daß die Temperatur der Erdatmosphäre im all- 
gemeinen mit zunehmender Höhe über dem Meere abnimmt. Die Ab- 
nahme beträgt entlang der Erdoberfläche etwa V2- C. auf 100 m 
Steigung. 

Von diesem Verhältnis der Temperatur der Erde gibt es aber nun 
häufige, ja sogar regelmäßige, gesetzmäßige Ausnahmen. Diesen Aus- 
nahmen, dem Zustand also, daß die Lufttemperatur mit zunehmender 
Höhe eine größere wird, hat man den Namen „Temperaturumkehr" 
gegeben. 

Über „Temperaturumkehr" liegen bereits aus vielen Ländern Be- 
obachtungen vor und wissenschaftliche Forscher — ich nenne die Namen 
Haxx, Kerxee, Billwillek, Woeikof — haben die Bedingungen kennen 
gelehrt, unter welchen und durch welche „Temperaturumkehr" eintritt. 

Sehen wir uns zunächst die wichtigsten dieser Bedingungen und 
Ursachen, welche von den genannten Forschern u. a. festgestellt worden 
sind, in Kürze an! 

Die gesamte Erdatmosphäre absorbiert von den von der Sonne zur 
Erde gelangenden Wärmestrahlen nur die Hälfte ; die andere Hälfte 
dient der Erwärmung der obersten Schichte der Erdrinde. Die letztere 
erhält im wesentlichen durch diese Sonnenstrahlung ihre Wärme, sie 
gibt die empfangene Wärme in der Nacht durch Wärmeausstrahlung in 
den W^eltraum mehr oder weniger wieder ab. 



— LXII - 

Anders die dem Erdboden unmittelbar auflag-ernde Luftschichte ! 
Sie erwärmt sich und kühlt sich ab im wesentlichen durch sogen. Wärme- 
leitung, d. h. durch Wärmeausgleich mit der mit ihr in unmittelbarer 
Berührung stehenden obersten Bodenschichte. 

Temperaturumkehr tritt nun ein, wenn die in Berührung mit dem 
Erdboden erkalteten Luftmassen, infolge der Abkühlung dichter und 
schwerer w^erdend, entlang den Berghängen in die Täler herabsinken 
und dort stagnieren, während die auf Bergen und Berghängen durch 
das Herabsinken der erkalteten Luft entstellenden Lücken ausgefüllt 
werden durch wärmere Luft. 

Am günstigsten sind demgemäß die Verhältnisse dem Eintritt von 
„Temperaturumkehr" , wenn in den langen Winternächten bei wolken- 
losem Himmel eine starke Abkühlung des Bodens eintritt, wenn bei 
Windstille imd hohem Barometerstand die Lagerung der Luftschichten 
übereinander wenig gestört ist und wenn in den kurzen Wintertagen 
die schräg einfallenden Sonnenstrahlen die kalte Luft in den Tälern 
nicht so weit zu erwärmen vermögen, dali sie in die Höhe steigt. 

Die Luftmengen dagegen, welche auf Berge und Gehänge nach- 
strömen , sind erstens an und für sich schon wärmer als die ins Tal 
absinkende kalte Luft , w'eil sie nicht durch Berührung mit dem er- 
kalteten Erdboden abgekühlt sind, und zweitens erwärmen sie sich noch 
durch das Herabsinken selbst. Denn sie kommen beim Niedersinken in 
das Niveau dichterer Luftschichten , werden unter dem stärkeren Luft- 
druck selbst dichter und durch dieses Dichterwerden wärmer, einem für 
alle Gase gültigen Gesetz folgend, wonach Gase, welche, ohne eine Ab- 
kühlung von außen zu erfahren, komprimiert werden , sich dadurch er- 
wärmen. 

Da nun in unserer Gegend die Temperaturumkehr häutig solche 
Grade erreicht, daß sie nicht nur im höchsten Maße sinnenfällig ist, 
sondern ihre Kenntnis Gemeingut der ganzen Bevölkerung ist, schien 
es mir interessant, die Werte der „Temperaturumkehr" genauer kennen 
zu lernen. 

Zu diesem Zweck standen zunächst zur Verfügung die Veröffent- 
lichungen der meteorologischen Station Böttingen. Dieselben geben nun 
zwar allerdings kein richtiges Bild von der „ Temperaturumkehr " in 
unserer Gegend. Es dürfte dies daran liegen , daß Böttingen selbst in 
einem Hochtal mit engem Abfluß liegt, an einem Orte also, wo günstige 
Gelegenheit gegeben ist für Ansammlung kalter Luft. So kommt es, 
daß die Temperatur-Monatsmittel von Böttingen das ganze Jahr hin- 
durch unter denen von Spaichingen zurückbleiben. 

Nichtsdestoweniger kommt, wenigstens in manchen Jahren, die 
„Temperaturumkehr" beim Vergleich von Spaichingen und Böttingen 
deutlich zum Ausdruck. 

Die Kurventafeln, welche ich hiermit herumgebe, zeigen die Tem- 
peraturditferenzen in zwei zufällig nach äußeren Gründen heraus- 
gegriffenen Jahren. Sie zeigen , daß die Temperaturdifferenzen am 
kleinsten waren im November, Dezember und Januar, und dann wieder 
im 3Iai, am größten im März und Juli. Sie geben also der Bevölkerung 



— LXIII — 

des Heubergs völlig recht, insofern letztere es als feststehend ansieht, 
daß der Winter bis Lichtmeß auf dem Heuberg milder sei als in den 
benachbarten Tälern. 

Von November bis Januar ist die „ Temperaturumkehr " eine sehr 
bedeutende, von Februar bis April, am meisten im März kommt sie nicht 
zur Geltung-, weil die Täler — bereits schneefrei — sich unter dem 
Einfluß der Sonnenstrahlen stark erwärmen, während in den Höhen die 
Sonnenwärme zur Schmelzung des noch reichlich fallenden Schnees ver- 
braucht wird. Im Mai sind auch die Höhen schneefrei und die kalten 
Nächte bedingen wieder eine starke „Temperaturumkehr" ; in unserem 
heißesten Monat dagegen, im Juli, kommt es nicht mehr zu einer Luft- 
stagnation im Tal. ' 

Dieser Vergleich der Temperaturen von Eöttingen und Spaichingen 
läßt nun aber nicht ahnen, welche hohen Werte die „Temperaturumkehr" 
häufig an günstig gelegenen Hängen erreicht und diese hohen Werte 
w^ill ich im folgenden an einigen Beobachtungen zeigen. 

Die Temperaturen im Tal sowohl wie auf der Höhe habe ich in 
den aufgeführten Fällen je beide selbst gemessen und den kleinen , 1 5 
bis 40 Minuten betragenden Zeitunterschied zwischen beiden Messungen 
ignoriert ; ich durfte ihn aus dem Grunde um so mehr ignorieren , als 
die folgenden Beobachtungen sämtlich morgens vor Sonnenaufgang an- 
gestellt worden sind, zu einer Zeit also, in der die tägliche Temperatur- 
änderung eine sehr langsame ist. 

Die Vornahme der Messungen vor Sonnenaufgang bot außerdem 
den Vorteil, daß zu dieser Zeit die Einwii'kung der direkten Sonnen- 
strahlung fehlte, die Wirkung der Luftströmung allein also am reinsten 
zum Ausdruck kam und die höchsten Werte erreichte. 

Ich führe nunmehr einige Beispiele vor: 
11. L 1902. Spaichingen (660 m) —6*^, 

Dreifaltigkeitsberg (982 m) +7°. 

Differenz 13^, vergleichsweise eine Steigerung der Temperatur um 
P auf 25 m Erhebung, zugleich die absolut größte Temperatur- 
differenz, welche ich bisher mit dem Thermometer festgestellt habe. Ich 
habe aber auf Grund anderer Beobachtimgen, bei denen ich zu thermo- 
metrischen Messungen keine Gelegenheit hatte, Grund zu der Annahme, 
daß die Differenz noch lange nicht die höchste ist, welche überhaupt 
vorkommt. Differenzen von 10° zwischen dem Gipfel des Dreifaltigkeits- 
bergs und der Talsohle in Spaichingen finden sich häufig. Schnee lag 
wie auch bei den folgenden Beobachtungen w-eder im Tal noch auf 
der Höhe. 

Nun ein Beispiel von einem Nordosthang , an welchen in den 
Wintermonaten die Sonnenstrahlen überhaupt^ nicht hingelangen : 

17. L 1901. Spaichingen — ll^ Hausen o. V. 0^ Differenz 11*^ 
entsprechend l" Zunahme auf 14 m Höhe. 
Das eben angeführte Beispiel ist aus dem Grund besonders interessant, 
weil bei ihm die Wirkung direkter Sonnenstrahlung , etwa am Tage 
vorher, ganz ausgeschlossen ist. 



— LXIV — 

Übrig-ens ist die Differenz iiiclit immer am größten zwischen dem 
Berggipfel (bezw. den unmittelbar untei'lialb des Gipfels gelegenen 
Hängen) und dem Tale; nicht selten tindet sich die grul'tte Temperatur- 
differenz unmittelbar über der kalten Luftschicht im Tal, wobei die 
Grenzschicht eine sehr niedrige , nur wenige Meter mächtige zu sein 
pflegt. Wenn im Tal Nebel liegt, so fällt aus leicht ersichtlichen 
Gründen die obere Nebelgrenze mit der Grenze zwischen kalter und 
warmer Luft zusammen. 

In anderen Fällen wieder liegt die höchste Temperatur in der 
Mitte des Berghangs. 

Beispiele: 5. XL 1904: Spaichingen +2*^, Dreifaltigkeitsberg 
240 m über dem Tal + 8, Gipfel + 6^ ^ 

26. XII. 1900. Spaichingen — 2°, Dreifaltigkeitsberg 120 m über 
der Talsohle +10'' — letztere Differenz zugleich die im Vergleich zur 
Höhendifferenz gröiite, welche ich bisher beobachtet habe, nämlich 1^ 
auf 10 m Höhenzunahme. 

Die Verschiedenheit der Zonen, welche die größte Temperatur- 
umkehr aufweisen, dürfte darauf zurückzuführen sein, daß das eine Mal 
die Luft auf der Höhe mehr bewegt ist, so daß ihr kalte Luft aus 
Mulden und Hochtälern beigemengt wird, ein anderes Mal wieder die 
kalte Luft im Tale nicht völlig ruhig abfließt, sondern sich mit der 
darüber befindlichen warmen Luft mehr oder weniger mischt. 

Übrigens kommt Temperaturumkehr nicht nur im Winter vor, im 
Gegenteil ist sie auch in den anderen Jahreszeiten recht häufig: nur 
hält sie in wärmeren Monaten nicht wie häufig im Winter auch den 
Tag über an. 

Beispiele: U. III. 1900 Höhe wärmer um 8, 4, V. 1903 um 7, 
29. VL 1904 um 4^ 

Besonders stark wird die T«mperaturdifferenz zwischen Tal und 
Höhe, wenn zu dem Unterschied der Lufttemperatur noch die Wirkung 
der direkten Sonnenstrahlung hinzukommt. Denn die letztere ist auf 
den Höhen größer wegen der geringeren Mächtigkeit der überlagernden 
Luftschicht, von der auf der Höhe gerade die dichtesten Partien fehlen, 
wegen des geringeren Staub- und wegen des — wenigstens z. Z. der 
Temperaturumkehr auf unseren Höhen — kleineren Wasserdampfgehalts. 
Denn gerade Staub und Wasserdampf der Atmosphäre sind es, welche 
die Wärmestrahlen besonders stark absorbieren. Besonders intensiv wird 
die Wärme auf Hängen mit günstiger Neigung. 

Diese Umstände machen Beobachtungen erklärlich, welche auf den 
ersten Blick höchst verwunderlich erscheinen : wenn man z. B. auf dem 
Dreifaltigkeitsberg in der zweiten Hälfte des Dezember Touristen stunden- 
lang im Freien sitzen oder sie sogar auf dem Erdboden liegend aus- 
ruhen sieht; wenn man z. B. in Hausen o. V. das Schmelzwasser in 
Strömen von den schneebedeckten Dächern rinnen sieht, während in 
Spaichingen kaum einige Tropfen oder gar nichts fließt; wenn z. B. 
Spaichingen 15° Kälte hat und gleichzeitig die Bevölkerung in Mahl- 
stetten in Hemdärmeln im Freien Holz spaltet oder in Hemdärmeln vor 
den Häusern steht. 



— LXV — 

Der Umstand, daß die Sonnenstralilimg auf den Höhen morgens früher 
beginnt, abends später endigt, kommt — wenigstens für Spaichingen — 
nicht wesentlich in Betracht, denn die längere Dauer des Sonnenscheins 
beträgt im Winter auf dem Dreifaltigkeitsberg morgens unter 20, abends 
unter 30 Minuten. 

Die oben aufgeführten Werte der Temperaturumkehr erscheinen 
nun im Vergleich mit den Angaben über Temperaturumkehr in der 
Literatur als außerordentlich hohe und dies mußte die Frage nahelegen, 
ob etwa die Gegend von Spaichingen dem Eintritt der Umkehr besonders 
günstig sei ? Und da findet sich allerdings ein Umstand, der in dieser 
Richtung wirken dürfte. Bei Spaichingen erweitert sich nämlich das 
Primtal zu einem breiten verhältnismäßig flachen Kessel , in welchem 
die kalte, von den Berghängen abfließende Luft eine bedeutende Ver- 
langsamung ihrer Bewegung und damit eine Begünstigung der Stagnation 
erfahren muß. Außerdem kommt dann diese stagnierende Luft in dem 
breiten Kessel mit einer großen Bodenfläche in Berührung, durch deren 
nächtliche Wärmeausstrahlung sie sich noch weiter abkühlt. Trotzdem 
hat die kalte Luft noch eine energische Talabwärtsströmuug, wie der 
regelmäßig z. Z, der „Temperaturumkehr" wehende talabwärtsziehende 
Luftzug erweist. Demgemäß hat Spaichingen auch im Winter keine 
extremen Kältegrade. 

Ferner sind die gefundenen Werte der „Temperaturumkehr" wohl 
auch deshalb so große, weil die Beobachtungen an unmittelbar benach- 
barten Punkten gemacht sind, zwischen welchen der Berghang in un- 
unterbrochenem Gefälle ins Tal abstürzt, so daß sich dem Abfluß der 
kalten Luft ein Hindernis nicht in den Weg stellt, und warme und kalte 
Luftmassen sich wenig mischen. 

Selbstverständlich muß nun eine so häufig und so beträchtlich ein- 
tretende „Temperaturumkehr" auch auf Klima und Vegetation einen sehr 
bedeutenden Einfluß ausüben. Der „Temperaturumkehr" ist es zuzu- 
schreiben, wenn in Hausen o. V. Nußbäume in der Höhe von 800 ra 
noch üppig gedeihen ; wenn wir in der PoJi/gala cliamaebuxus , welche 
nach meinen Erkundigungen in der Spaichinger Gegend erstmals 1860 
beobachtet, jetzt mehr und mehr in großen Mengen die lichteren Wald- 
hänge bedeckt, wenn wir in der Poli/gala cliamaebuxus an günstig ge- 
legenen Stellen einen regelmäßigen Winterblüher haben , welcher fast 
alljährlich an Weihnachten und Neujahr unsere Blumenvasen schmückt; 
wenn auch andere Pflanzen, vor allem stinkende Nießwurz, ferner auch 
Haselnuß , Sahlweide , Löwenzahn und manche andere — ihrer eigent- 
lichen Blütezeit weit vorauseilend — ebenfalls nicht selten schon um 
Weihnachten und Neujahr blühen ; wenn sich auch die Herbstflora in 
üppigem Maße bis weit in den November hinein fortsetzt. Auch wird 
der Pflanzengeograph unter den von mir ausgestellten, in Württemberg 
mehr oder weniger seltenen Pflanzen solche finden , welche ihr Vor- 
kommen in hiesiger Gegend der „Temperatnrumkehr" oder wenigstens 
teilweise der „Temperaturumkehr" verdanken. 

Bekanntlich ist unsere Gegend aber nicht nur reich an seltenen 
Pflanzen , sondern auch an hervorragenden geologischen Aufschlüssen ; 

Jahreshefte d. Vereins f. vaterl. Naturkunde in Württ. 190G. 6 



- LXVI — 

insbesondere liegen im Oberamt Spaicliingen drei erstklassige Petre- 
faktenfundorte, der eine im Stubensandstein bei Aixlieim, der andere im 
Posidonienschiefer bei Frittlingen, der dritte im lithographischen Schiefer 
des obersten Weißjura von Nusplingen ; ich habe eine Anzahl Petre- 
fakten aus der Gegend zur Ansicht aufgelegt. 

Inwieweit die Flora und Fauna der Keuper- und Jurazeit ihr Vor- 
kommen in der hiesigen Gegend etwa einer „Temperaturumkehr" in 
jenen Perioden verdankt , darauf habe ich meine Untersuchungen nicht 
ausgedehnt. 



2. Wissenschaftliche Abende des Vereins in Stuttgart. 

Sitzung am 9. Oktober 1905. 

Prof. Dr. C. B. Kluiiziiiger: Über neuere limnologische 
Bodenseeforschungen. Auch an den Forscher von Tieren und 
Pflanzen tritt das Bedürfnis heran, sein Gebiet nach den Bodenverhält- 
nissen und physikalischen Eigenschaften kennen zu lernen, als Lebens- 
bedingungen für die Lebewesen. Als Quelle für die Seenkunde dienten 
lange Zeit fast allein die klassischen Arbeiten F. A. Foeel"s am Genfer 
See, das Verdienst, auch Bodenseeforschungen in Anregung gebracht zu 
haben, hat in erster Linie Ebeehakd Graf v. Zeppelin, der Vorsitzende 
des Vereins für Geschichte des Bodeusees. Durch seine Bemühungen, 
welche die Unterstützung des damaligen württembergischen Minister- 
präsidenten Dr. Freiherr v. Mittnacht fanden, kam im Jahre 1SS6 
eine Zusammenkunft von Vertretern der fünf Bodenseeuferstaaten zu- 
stande, bei welcher die Ausführung der systematischen Untersuchung des 
Bodensees beschlossen und geregelt wurde. 

Als wichtigste und dringendste Aufgabe erschien die Herstellung 
einer einheitlichen Bodenseekarte auf Grund von Lotungen und 
mit Aufstellung gewisser fester Ausgangspunkte (Pfänderspitze und 
Konstanzer Pegel). Im Jahre 1892 wurde die Karte fertiggestellt, mit 
genauen Angaben der Tiefen. Der Kessel des Sees bildet eine lang- 
gestreckte Mulde mit einer Sohle, die bald vertieft („Schweb"), bald 
erhöht ist („Berg"). Die größte Tiefe befindet sich zwischen Utwyl 
und Fischbach und beträgt 251,8 m. 

Ein merkwürdiges unterseeisches Einnsal, als Fortsetzung des 
Rheins 1 1 km weit zu verfolgen, wurde im oberen Teil des Sees hierbei 
entdeckt. Bedeckt ist der ganze Grund des Kessels mit einem weichen 
Schlick, hauptsäclilich von den einströmenden Flüssen herrührend. Ob- 
wohl die jährliche Zufuhr durch die letzteren 4 000 000 cbm beträgt, 
ist die Ausfüllung des ganzen Kessels erst in 12 500 Jahren zu erwarten. 
Der Untersee hat nur 54 m größte Tiefe. 

Die Bildung der Uferzone an den Buchten mit Strand und 
Halde beruht auf vorwiegender Erosion durch die andringenden 
Wellen ; der See gewinnt hier auf Kosten des Landes , an den Vor- 
sprüngen (Hörn) findet dagegen eine „Verlandung" statt auf Kosten des 



— LXVII — 

Sees, indem die an solchen Stellen einmündenden Flüsse ihre Geschiebe 
als Deltabildungeu eine Strecke weit in den See hinein abfallen lassen 
und hier einen Schuttkegel bilden. 

Über die geologische Entstehung" des Bodensees stehen sich zwei 
Ansichten gegenüber : nach Heim , Forel und andern verursachte die 
Erhebung der Alpen eine Stauung und Yerbiegung eines schon be- 
stehenden Urrheintals und so die Muldenbildung, nach Penck erfolgte 
letztere durch Druck eines ungeheuren Gletschers auf seinen Grund. 

Im zweiten Teil des Vortrags wurden zunächst die Niveau- 
verschiedenheiten besprochen : der nach den Jahreszeiten ver- 
schiedene Hoch- (Sommer) und Nie der wasserst and (Winter) des 
Sees , ferner die durch Winde und Temperaturdifferenzen verursachten 
Strömungen („Rinnen oder Ruuß"). Ganz anders sind die gewöhnlich 
nur wenige Zentimeter betragenden Seeschwankungen, wie sie im 
Genfer See als ., seiche" , im Bodensee als „An- und Auslaufen" be- 
kannt sind; man erklärt sie aus Gleichgewichtsstörungen in den über 
dem See befindlichen Luftschichten und betrachtet sie als „stehende 
Wellen " . 

In optischer Hinsicht ist die Klarheit des Wassers zu unter- 
suchen, sie ist im Sommer geringer wegen größerer Zahl von Schwebe- 
wesen und von Sinkstoffen von den Flüssen her. Die Farbe des Boden- 
sees ist mehr g r ü n 1 i c h , im Gegensatz zum blauen Genfer See ; die 
Ursache liegt nach Fokel wohl in der größeren Menge von gelösten 
gelben Humusstoffen , welche die Flüsse in den Hochmooren der Alpen 
aufnehmen; durch Mischung mit dem Blau, welches die Farbe des reinen 
Wassers ist, entsteht Grün. Dem Genfer See fehlen solche Humus- 
stoffe mehr oder weniger. 

Bezüglich der Temperatur findet man im Bodensee nach Forel 
im wesentlichen dieselben Verhältnisse wie im Genfer See: Die Dauer 
der kalten Wassertemperatur (weniger als 4° C.) ist nur 85 Tage, die 
der warmen 280 Tage, während deren dann sehr viel Wärme auf- 
gespeichert wird, was sich aus einer Berechnung der Wärmeeinheiten 
ergibt: 200 Billionen solcher für den ganzen See. Das entspricht, nach 
Forel , den Wärmeeinheiten , welche ein mit Kohlen beladener Eisen- 
bahnzug liefern könnte , der vom Kap der guten Hoffnung bis zum 
Nordpol reicht ! Die Temperatur des Oberflächenwassers ist abhängig 
von der Lufttemperatur, im Sommer im Maximum -f 22,8" C, im Winter 
im Minimum -|- IjS'^ C, Jahresmittel + 10,1°. Die Temperatur nach der 
Tiefe zu zeigt eine „Schichtung": im Sommer oben warm, nach 
unten allmählich sich abkühlend (außer einer sogen. „Sprungschicht" mit 
rascherer Abkühlung) bis zu 4° C. , welche Temperatur überall in den 
größeren Tiefen herrscht, da dann das Wasser am schwersten ist. Im 
Bodensee hat man indessen eine auffallend weit, bis 235 m hinabreichende, 
sommerliche Wärme gefunden, die in dieser Tiefe immer noch 4,4° C. be- 
trägt ; die Ursache davon liegt wohl in den in diesem See reichlichen 
Sinkstoffen , welche , oben stark erwärmt , diese Wärme noch in diese 
großen Tiefen hinabtragen. Im Winter ist diese Schichtung eine „ver- 
kehrte" : oben kaltes Wasser, von 1° bis -[- 4° unten. Zweimal im Jahre 



— LXVIII — 

(meist anfangs Januar und Ende März) findet ein Ausgleicli statt: die 
ganze Wassermasse hat dann 4" C. 

So ist der Bodensee eine großartige Warmwasserlieizanlage, 
die im Winter diese Wärme wieder an die Umgebung abgibt : daher 
das warme Seeklima, wo noch bis Januar hin Pflan"Xen im Freien blühen, 
wo aber auch oft lästige Nebel sich einstellen , als Dämpfe aus der 
AVarmwasserwanne aufsteigend und sofort in der kalten Luft sich nieder- 
schlagend. Daher auch das seltene Gefrieren des Obersees (1830, 1880 
und 1891), während der Untersee fast alle Jahre gefriert. Das Klima 
wird daneben auch durch die Winde beeinflußt : den herrschenden West- 
wind, den oft erscheinenden Föhn. 

Das Wasser des Bodensees zeigt nach den chemischen Unter- 
suchungen eine große Eeinheit, ist daher ein gutes Trinkwasser, wenn 
auf hoher See geschöpft. — Zum Schluß wurde noch das „Seesc hießen" 
erwähnt, dessen Vorkommen indes nicht sich auf diesen See beschränkt, 
sondern weitverbreitet ist : Schweiz , Belgien , Indien , Schweden usw. 
Seine Ursache ist immer noch rätselhaft, (Eine eingehendere Behandlung 
des Gegenstands wird unter dem Titel „Ergebnisse der neuereu Bodensee- 
forschungen" im Juliheft im „Archiv für Hydrobiologie und Plankton- 
kunde" 1906 erscheinen.) (Klunzinger.) 



Sitzung am 13. November 1905. 

Prof. Dr. E. Fi'aas: Das krypto vulkanische Becken von 
S t e i n h e i m. Das Interesse , welches die berühmte Tertiärlokalität 
Steiuheim erweckt hat, war in der Hauptsache immer auf die paläonto- 
logischen Funde beschränkt, deren Reichhaltigkeit am schönsten im 
Stuttgarter Naturalienkabinett zur Geltung kommt. Bei Gelegenheit 
der Aufnahme der geologischen Karte versuchte zwar Quenstedt auf 
Grund der HiLDENBRANDx'schen Aufnahmen ein Bild von dem geologischen 
Autbau zu geben, aber er kam auch nicht weiter als vorher schon 
Deffnee und 0. Fe aas, indem er zwar auf die x^nalogie mit dem Ries 
hinwies , im übrigen sich aber nur dahin aussprechen konnte , daß sich 
am Klosterberge ein unentwirrbares Chaos von allen möglichen Jura- 
schichten befinde. Die Riesuntersuchungen von Beanco und E. Feaas 
mußten natürlich als Begleiterscheinung auch die Behandlung des Stein- 
heimer Beckens nach sich ziehen, und dementsprechend wurden im 
Sommer und Herbst 1904 eingehende Studien und Grabarbeiten dort 
vorgenommen. 

Ein Blick auf das Becken von Steinheim zeigt uns eine 2,. 5 km 
im Durchmesser haltende, nahezu kreisrunde Mulde, welche etwa 80 m 
tief eingesenkt ist und in deren Mitte sich der Klosterberg erhebt. Die 
Randzone des normal gelagerten oberen weißen Jura ist vollständig zer- 
trümmert und in sogen. Griesfelsen umgewandelt. Auf demselben findet 
sich zuweilen noch, gleichsam als Aufguß, eine dünne Decke von ober- 
miocänem Süßwasserkalk. Die Senke selbst ist leider mit diluvialem und 
alluvialem Schutt so sehr bedeckt, daß ein Einblick in das anstehende Ge- 



— LXIX — 

stein ausgeschlossen ist. Immerhin ist die Erscheinung-, daß sich in dieser 
Senke vielfach Wasser findet, eine auffallende, da wir sonst in der Um- 
gebung nur die bekannten Trockentäler des Jura haben. Es müssen 
also hier unter dem Kiese sich undurchlässige Schichten befinden. Der 
Klosterberg, der sich in der Mitte erhebt, besteht an seinem Fuß aus 
Weiß-Jura-Alpha und -Beta, während oben auf der Höhe Braun- Jura- 
Alpha und -Beta beobachtet wird. Außerdem lagern dort die berühmten 
Tertiärschichten, welche teils aus harten Sprudelkalken, teils aus weichen 
Schneckensanden bestehen. 

Die Analogie mit dem Ries ist in die Augen springend, denn hier 
wie dort haben wir ein rundliches, in den Jurakalk eingesenktes Becken, 
das von Griesmassen umgeben ist und in welchem sich abnorm ge- 
lagerte Gesteine befinden , die ihrerseits wieder von obermiocänen Süß- 
wasserschichten bedeckt Averden. Hier wie dort weisen die magnetischen 
Abweichungen auf ein Tiefengestein hin. Ich habe früher im Anschluß 
an die HiLDEXBEAXDT'schen Aufnahmen ein Profil von dem Klosterberg 
zu entwerfen gesucht, das mich zu der Anschauung verleitete, daß auf 
dem Klosterberg die Braun-Juraschichten über die Weiß-Juraschichten 
weggeschoben worden seien , und daß wir demnach im Klosterberg 
analoge Verhältnisse hätten wie am Buchberg bei Bopfingen. 

Die Untersuchungen von l'J()4 führten jedoch zu einem andern 
Resultat. Der leitende Gedanke bei den ausgedehnten Grabarbeiten 
war natürlich zunächst der, die vermeintliche Überschiebung von braunem 
auf w^eißen Jura festzustellen, und es wurde dementsprechend an der 
Stelle begonnen, wo die HiLDENBRANDx'schen Aufnahmen Lias und Braun- 
Jura dicht neben Weiß-Jura-Beta anzeigten. Die Grabung ergab aber, 
daß in der ganzen Gegend, wo sich diese Schichten nach der Karte be- 
finden sollten, weder Lias, noch Braun- Jura, noch Weiß-Jura-Beta an- 
steht. Unter einer 2 — 2,5 m mächtigen Schuttdecke zeigte sich allent- 
halben in dem 40 m langen Schlitze Weiß-Jura-Alpha mit zerpreßten 
Ammoniten, Belemniten und sonstigen Leitfossilien der Impressatone. 
Ebenso wurde an den Stellen, wo nach der Karte Braun-Jura-Beta zu 
erwarten gewesen wäre, Weiß- Jura-Beta in Gestalt von stark zer- 
preßtem Kalkstein mit eigenartigen , . strahlenförmigen Absonderungs- 
flächen gefunden. Erst weiter oben am Klosterberg ergaben die Probe- 
gruben und Schlitze ein buntes Gewirre von zusammengepreßten und 
gestauchten Schichten des braunen Jura, unter welchen die Opalinus- 
tone den größten Raum einnehmen, doch fehlt es auch nicht an Spuren 
von Personatensandstein, Giganteusmergel, Ostreenkalken und Lamberti- 
schichten. 

Von einer eigentlichen geologischen Kartierung des Klosterberges 
mußte leider Abstand genommen werden, da dies noch wochenlange Ar- 
beit beansprucht hätte , doch läßt sich auch schon jetzt ein geklärtes 
Bild über die Lagerungsverhältnisse geben. Wir haben den Klosterberg 
als eine kleine, gewölbeartig nach oben aufgetriebene Scholle anzusehen, 
in w^elcher natürlich alle die weicheren Formationen durchknetet und 
durchpreßt sind, während die härteren Gesteine zersplittert als Griesfels 
auftreten. Den Kern dieser kuppeiförmigen Auftreibung bildet der braune 



— LXX — 

Jura, unter welchem sich jedenfalls auch noch der Lias und der Keuper 
in nicht allzu großer Tiefe befindet, während sich randlich um diesen 
Kern herum die Schichten des weilten Jura anlagern. 

Die Tertiärschichten mußten gleichfalls einer eingehenden Unter- 
suchung unterzogen werden, da sich von ihnen Aufschluß über etwaige 
nachträgliche Bewegungen innerhalb des Steinheimer Beckenß erwarten 
ließ. Es fanden sich nämlich glücklicherweise am Rande des Beckens 
an der Schäfhalde noch eine Ablagerung von Sclmeckensanden , welche 
vollständig identisch mit denen des Klosterberges sind. Durch genaue 
Vergleichung der Höhenlagen zwischen den einzelnen Horizonten dieser 
neuen Lokalität und denen auf dem Klosterberg ließ sich feststellen, 
daß die Schichten auf dem Klosterberge selbst noch normal liegen, 
während diejenigen des randlichen Beckens abgesunken sein müssen. Es 
bildet demnach der Klosterberg gewissermaßen einen Horst, während 
die Senke ringsum ein tieferes Nachsacken bezeichnet. Auch auf der 
Westseite am Eaude wurden interessante Tertiärablagerungen aufgedeckt, 
welche hier bedeutend höher am Gehänge hinaufgreifen und wohl die 
Einflußstelle eines Baches in den das Becken ausfüllenden See bezeichnen. 

Wir können uns nun ein ziemlich klares Bild über die Entstehungs- 
geschichte des Steinheimer Beckens machen. Dasselbe stellt in der Tat 
ein Ries im kleinen dar, und wie dort haben wir auch in Steinheim 
anzunehmen, daß unterirdische Kräfte vulkanischer Natur einen Pfropfen 
nach oben preßten, so daß Gesteine, welche sonst nur in der Tiefe zu 
finden sind , hier in das Niveau der oberen Weiß-Juraschichten treten. 
Hier wie dort haben wir dann eine nachträgliche Sackung zu beobachten 
und ebenso das Ausfließen heißer Quellen, welche zum Absatz von 
miocänen Sprudelkalken führten. Während aber im Ries diese unter- 
irdische Kraft stark genug war, um einen Pfropfen von 25 oder nach 
den neuesten Untersuchungen noch viel mehr Kilometern Durchmesser 
so hoch emporzupressen, daß der granitische Untergrund bis zur jetzigen 
Oberfläche kam, beobachten wir im Steinheimer Becken eine viel geringere 
Kraftäußerung. Hier handelt es sich nur um einen Pfropfen von 2,5 km 
Durchmesser , und die Schichten , welche bis zur heutigen Oberfläche 
kamen, bestehen nicht aus Granit, sondern nur aus braunem Jura. 
Während dort der Betrag der Aufpressung sich auf etwa 400 m be- 
rechnen läßt, beträgt er in Steinheim nur 150 ni. Was nun diese 
unterirdische Kraft anbelangt, so gibt uns hier wiederum das Ries Auf- 
schluß , wo dieselbe zweifellos als eine vulkanische erkannt wurde , die 
sich nicht nur in Aufpressung, sondern auch in Explosionen Luft schaffte. 
Auch im Steinheimer Becken müssen wir deshalb vulkanische Kräfte 
zur Erklärung der Lagerungsverhältnisse heranziehen. Sie haben uns 
aber keinerlei greifbare Spuren hinterlassen, und darum haben wir für 
diese eigentümliche Erscheinung die Bezeichnung ,.Kr\'ptovulkan'' ge- 
wählt. (Vergi. W. Beanco und E. Fbaas : Das kryptovulkanische Becken 
von Steinheim. Abhandig. d. K. preuß. Akad. d. Wiss. 1905; mit 2 Taf.) 

(E. Fraas.) 



LXXI 



Sitzung am 11. Dezember 1905. 

Prof. Dr. A. Sclimidt: Die Atmosphäre des Weltraums. 
Mendelejeff hat es wahrscheinlich gemacht, daß die Gruppe der sogen. 
Edelgase (Helium, Neon, Argon, Krypton, Xenon) noch durch 2 sehr 
leichte Gase zu ergänzen sei. Das eine, dessen Atomgewicht kleiner 
als 0,4 sein müßte , ist vielleicht das in der Sonnenkorona durch seine 
grüne Spektrallinie sich verratende Koronium, das andere noch wesent- 
lich leichter, hält er für den den Weltraum erfüllenden Ätherstoff, für 
den er den Namen Newtonium vorschlägt. Damit derselbe auch von 
den massigsten Himmelskörpern nicht als Atmosphäre festgehalten werde, 
gilt ihm Mendeleijeff ein Atomgewicht gleich 1 Milliontel von dem des 
Wasserstoffs und, nach Analogie der Edelgase, ein gleichgroßes Mole- 
kulargewicht. Damit ist das Gas befähigt, selbst in nächster Nähe 
eines oOmal größeren Körpers, als unsere Sonne ist, mit 2240 km Ge- 
sciwindigkeit seiner Teilchen in parabolischen Bahnen dieser Teilchen 
sici der Anziehung zu entziehen. Als Temperatur des Weltraumgases 
setit Mendelejeff den Wert — 80" C, dem sich die Temperatur der 
Erditmosphäre nach oben nähern dürfte. Der Vortragende ist mit der 
Anmhme einer überall gleichen Temperatur nicht einverstanden ; er hat 
schoi seit Jahren, auch in Vorträgen an den Vereinsabenden, seine 
abwerjiende Überzeugung wissenschaftlich begründet. Die Schwere ist 
in do:)pelter Weise die Ursache einer Temperaturabnahme in der Luft 
gegen oben. Sie bewirkt einen nach oben abnehmenden Luftdruck, wo- 
durch irgendwie erregte vertikale Strömungen oben zur Ausdehnung 
unter Abkühlung durch Arbeitsleistung, beim Absteigen unten zur Ver- 
dichtuni unter Erwärmung (1*' auf 100 m) veranlaßt werden. Ins- 
besondcB aber müßte in ruhender Luft, falls oben und unten die Tem- 
peratur :leich wäre, sich eine Wärmeleitung von oben nach unten ein- 
stellen, cftnn die Wärme ist nichts anderes, als der Ausdruck der ver- 
worrenen Bewegung der Luftmoleküle durcheinander. Der größeren 
Geschwincgkeit, welche diese Teilchen beim Fallen annehmen, entspricht 
<lie höhen Temperatur, der kleineren, beim Aufsteigen in die Höhe, 
die niedrigre Temperatur. So lange muß eine solche verborgene Wärme- 
leitung nah unten andauern, bis eine Temperaturabnahme nach oben 
besteht vor 1 ° auf 72 m. Aber in solchem Zustande kann die Luft 
nicht verharen, es entstehen Einstürze mit ümkehrung der oberen und 
unteren Schuhten. In dem AVeltraumgas muß die Gravitation eine 
Temperaturz^iahme erzeugen bei Annäherung an die Himmelskörper 
entsprechend dem mathematischen Begriff des Potentials. Der Redner 
findet so als wahrscheinliche ungefähre Werte ein Molekulargewicht des 
Weltraumgase von 0,00048, eine molekulare Geschwindigkeit von 102 km 
bei — 80*^ un> eine Temperatur der von Himmelskörpern entferntesten 
Teile des We.raums von — 114'^. Ohne die Wärmeverluste durch, 
Strahlung und ohne die Sturmbew.egungen würde die SonnenoberHäche 
etwa TOOO*' Teiperatur annehmen durch die unausgesetzte Wärme- 
leitung, die in cm Weltraumgas sich von den kälteren äußeren Regionen 
her vollzieht, .ie Sonne erhält fortlaufend Ersatz durch Leitung für 



— LXXII — 

ihre Verluste durch Strahlung, denn je größer die molekulare Ge- 
schwindigkeit eines Gases ist, um so größer ist auch sein Wärme- 
leitungsvermögen. Bei der MENDELEjEPF'schen Vorstellung müßte die 
Sonne, eingebettet in ein umgebendes Mittel von — ^80*^ und von alles 
übersteigender Leitungsfähigkeit in kürzester Frist erkalten. 

Als eine überraschende Bestätigung der Richtigkeit der Berecli- 
nungsraethode zeigt sich eine innerhalb der Grenzen der zu erwartenden 
Genauigkeit vorhandene Übereinstimmung des Molekulargewichts von 
beinahe 1 : 2000 mit dem gleich großen Werte, welcher sich auf garz 
anderem Gebiete ergeben hat. Professor Wiechert in Göttingen hat 
aus den elektrischen Entladungsvorgängeu in luftverdünnten Räumen, 
aus der Ablenkung der Kathodenstrahlen durch elektrische und nug- 
netische Fernwirkungen berechnet, daß in diesen Entladungen kleitste 
Teilchen in Bewegung sind, die sogen. Elektronen, welche als elektrisch 
geladene Gasmolekeln anzusehen sind von dem oben angegebenen Mole- 
kulargewicht. 

Der Vortragende zeigt noch als weitere Vorteile der Hypotli^se 
eines Weltraumgases die Möglichkeit einer Erklärung der Aberration 
des Fixsternlichts, ohne im Widerspruch mit den physikalischen Er- 
fahrungen und Begriffen annehmen zu müssen, daß der Äther star' sei 
und von der Erde frei und ohne Störung durchschnitten werde. Auch 
die Astronomen Schäbeele in Ann Arbor und Courvoisier in Ifeidel- 
berg wurden durch astronomisch beobachtete Tatsachen auf dei Ge- 
danken geführt, es könnte eine interplanetare Substanz geben, de dem 
Fixsternlicht in jährlicher Periode eine Ablenkung durch Eefaktion 
erteile, kleiner als eine Bogensekunde. (A. Schuidt.) 

Forstassessor 0. Feucht: Ein Ausflug in die Lüneburg erHeide. 
Meine Herren ! Ich möchte ihre Aufmerksamkeit auf eine Gegend unseres 
Vaterlands richten, die nach jahrhundertelanger Mißachtung unc Gering- 
schätzung eben erst zur verdienten Würdigung gelangt ist, goer auch 
schon in Gefahr steht, für den Naturfreund, für den Botauike' sowohl, 
wie für den Landschafter, gründlich verloren zu gehen. lu größten 
Teil der Lüneburger Heide hat die stetig sinkende Rentallität der 
Schafzucht, anderseits das wachsende Steigen der Holzprise genau 
ebenso das Schicksal der W^eideflächen besiegelt, wie dies z.B. auf der 
schwäbischen Alb der Fall ist. In der Tat geht die Auf^rstung der 
Heide mit Riesenschritten vor sich. Unter diesen Umstän(ön war mir 
ein Besuch der Heide, den ich im vergangenen Juli ausfüren konnte, 
doppelt interessant, zumal vor ein paar Jahren das für da Verständnis 
der Heidevegetation grundlegende Werk von Gräbxer ershienen war\ 

Ehe ich Ihnen an der Hand der GKÄBNEE"schen ScHderung einen 
Überblick über die verschiedenen Formen des von mir beuchten Heide- 
teils zu geben versuche , möchte ich einige erläuternde Bemerkungen 
vorausschicken. — Mein Besuch galt der eigentlichen Binenheide, d. h. 
dem Stück der Lüneburger Heide, das ungefähr durch le Städte Celle, 



' Gräbner, Die Heide Xorddeutschlands und die sh anschließenden 
Formationen in biologischer Betrachtung. Leipzig 1901. 



— LXXIII - 

Soltau und Lüneburg begrenzt wird. Als Eingaugspunkt wählte ich die 
.Station ünterlüß an der Strecke Celle — Lüneburg, nur wenige Häuser, 
um eine Oberförsterei geschart, mitten im Lüßwald gelegen. Der Lüß- 
wald dehnt sich über 6000 ha weit aus, in seinem Innern linden sich 
uralte Bauernwälder (der „Süll") mit mächtigen Eichen und anderem 
Laubholz, die ausgedehnten Außenbestände dagegen bestehen aus Nadel- 
holz (Forche und Fichte). Vom Waldrand ab nach Westen zieht sich 
die offene Heide, ein endloser, kaum unterbrochener Mantel von Braun- 
grün und Rosa, aus dem höchstens ab und zu einzelne Forchen- oder 
Wachholderbüsche emporragen. Das Gelände verliert sich in leicht ge- 
schwungenen Wellenlinien und sanften Hügelformen in der Ferne. Ein- 
zelne „Berge" heben sich bis zu 50 und 80 m über ihre Umgebung. 
Der breite, sandige Fahrweg ist zu beiden Seiten von Birken eingefaßt. 
Li den Mulden zerstreut erheben sich kleine Waldflecken, meist statt- 
liche Eichen , und mittendrin , nach außen völlig verborgen , verstecken 
sich die Hof sitze der Heide. Das 4iochlirstige, pferdekopfgekrönte Haupt- 
gebäude mit tief herabhängendem Strohdach, über der Tür einen fluch- 
abwehrenden Spruch, ist umrahmt von den kleinen Stall- und Neben- 
gebäuden, fast alles noch aus aufrechten Eichenbohlen gezimmert. Das 
Ganze mitsamt dem Ziehbrunnen ist umschlossen von einem Wall aus 
Findlingsteinen oder einem dicht geflochtenen Zaun, kurz, das Bild des 
altsächsischen Herrensitzes ist vollständig. Ln Eichenhain brechen die 
Schweine , die Grasplätze darin dienen den Pferden und draußen die 
weite Heide gehört den Schafen. Die Heidschnucken gelten als die 
kleinste Schafrasse, ihr dichter blaugrauer Pelz hängt bis zum Boden. 
Sie sind äußerst genügsam, können aber die Nachtluft nicht ertragen. 
Deshalb treffen wir in der Heide zerstreut hohe strohgedeckte Schaf- 
ställe ; meist sind sie dem Einfallen nahe, aber in ihrer Umgebung von 
zerzausten Forchen oder Eichen bieten sie ein überaus malerisches Bild. 
— Über die Höfe Lutterloh und Misselhorn gelaugte ich so ins breite 
()rtzetal, in dem das durch die Mission bekannte kleine Hermannsburg 
sich zwischen Forchen und Eichen hinzieht. Im Örtzetal aufwärts gings 
an mehreren Höfen vorbei, über kümmerliche Ackerfelder und torfgenutzte 
Moore nach Müden , am Zusammenfluß von Örtze und Wietze. Das 
kleine Dorf gilt durch seine uralten Häuser, seine herrlichen Eichen-' 
und Wachliolderlandschaften als einer der schönsten Punkte der Heide 
und weist eine stattliche Malerkolonie auf. Gegen Norden schließt sich 
hier der große Truppenübungsplatz Munster an, daneben die ausgedehnten 
Aufforstungsflächen bei Örrel. Hier fehlt auf Stunden jede Spur einer 
Niederlassung, alles ist nur Heide und Heidewald, bis endlich am 
Horizonte die Gebäude der Kieselgurgruben von Wiechel auftauchen. 
Es folgt der Artillerieschießplatz der Firma Erhardt-Düsseldorf, dann 
ist der Lüßwald wieder erreicht. 

Dies ist so im allgemeinen das landschaftliche Bild der Binnen- 
heide, durchaus nicht öde und langweilig, und vor allem von einer Glut 
und Intensität der Farben, die man hier gar nicht erwarten sollte. 
(Vergl. im übrigen Dr. Linde , Die Lüneburger Heide , Monographien 
zur Erdkunde, bei Velhagen & Klasing.) 



— LXXIV - 

Von den drei landschaftlichen Faktoren des eig-entlichen Heide- 
gebiets (abgesehen von den kleinen Kultnrflächen) Heide, Wald und 
Moor, tritt das letztere hier in der Binnenheide stark zurück. Der 
Wald dagegen nimmt fast ein Viertel der ganzen Fläche ein, es ist 
also falsch, sich die Heide als durchweg kahl vorzustellen. Was die 
Bezeichnung „Heide" betrifft, so wird sie in den verschiedenen Teilen 
Deutschlands verschieden gebraucht. Im Nordosten z. B. versteht man 
darunter einen Forchenwald (Schorfheide, Letzlinger Heide, Dresdener 
Heide). Die wissenschaftliche Definition lautet: „Ein offenes Gelände 
ohne erheblichen Baumwuchs, dessen Holzgewächse im wesentlichen aus 
Halbsträuchern oder niedrigen Sträuchern bestehen und das zugleich 
eines geschlossenen , saftigen Grasrasens ermangelt. '" Der Begriff 
„Heide" umfaßt also nicht eine Formation im Sinne Drude's, sondern 
ist das, was Dkude als ökologischen Pflanzenverein bezeichnet. For- 
mationen , also Pflanzengesellschaften von dauernd etwa gleichartiger 
Zusammensetzung und gleichbleibenden Vegetationsbedingungen, treten 
in der Heide vielmehr mehrere auf. Geäbner unterscheidet 5 solche 
„Typen" der echten Heide. 

Der Charakter der eigentlichen Heide ist bekanntlich bestimmt 
durch die Erikaceen, die Heidekräuter. Insbesondere ist es die uns 
Süddeutschen Avohlbekannte Cälluna vulgaris, die hier weitaus am zahl- 
reichsten, teilweise ausschliel^lich weite Strecken für sich in Anspruch 
nimmt. Recht verschiedenartig sind die Standorte, auf denen wir der 
Calhina begegnen : Im Schwarzwald z. B. treffen wir sie häufig noch in 
engen Tälern, wo sie durchaus strauchartig meterhohe Büsche bildet, 
die als lose Decke über dem nassen Gestein sich leicht abheben lassen; 
dann wieder auf den Berghöhen und auf exponierten Felsen bleibt sie 
unter der Wirkung des Windes zwerghaft, kaum fingerlang, in festem, 
dichtem Humusfilz steckend. Weiterhin in den Torfmooren gedeiht sie 
häufig noch mitten im nassen Spliagnnm drin. In der norddeutschen 
Heide nun bewohnt sie im Gegensatz hierzu sanft geneigte Ebenen und 
Hügel mit sandigem, anscheinend ganz trockenem Boden. Meist ist 
dieser mit einer dicken Schicht von filzigem Heidehumus bedeckt : darunter 
liegen die mageren, ausgewaschenen Bleisande, unter ihnen der Ortstein. 
An feuchteren Stellen nähert sich der Boden dem Charakter des Moors, 
an ganz trockenen geht er in ein Sandfeld über. — Diese Fähigkeit, 
an Standorten mit fast extremem Feuchtigkeitsgehalt zu gedeihen, ist 
eine besondere Eigentümlichkeit der echten Heidepflanzen. Bei ihrer 
Unempfindlichkeit gegen große Nässe können sie aber ein völliges Aus- 
trocknen des Bodens nur kurze Zeit ertragen. Die eigentlichen Heide- 
gebiete stehen trotz der scheinbaren Trockenheit doch merklich unter 
dem Einfluß des feuchten atlantischen Klimas, hier ist deshalb ein völliges 
oder mehrfaches Austrocknen auch der ödesten Sandfelder nicht zu be- 
fürchten, hier sehen wir die Heide in der üppigsten Weise gedeihen. 
Mehr nach dem Osten zu, nach den Gegenden kontinentalen Klimas, 
ziehen sich die Erikaceen immer mehr in den Schutz der Wälder zurück, 
und dieselben Standorte, die in der Lüneburger Heide mit Heide bedeckt 
sind, zeigen im Osten nur steppenartige Sandfelder. — Neben der Luft- 



— LXXV — 

feuchtigkeit konnnl als zweites Erfordernis für das Gedeihen der Heide- 
pflanzen ein nährstoffarmes Substrat, bei dessen Verarbeitung nach den 
neuesten Forschungen die Sj'uibiose mit Knöllchenbakterien eine wesent- 
liche Eolle spielt. Sobald der Heideboden gedüngt wird, verschwindet 
die Heidevegetation. Es ist dabei nicht nur die auf nährstoffreicheren 
Böden erwachsende Konkurrenz anderer Pflanzen, die eine Änderung der 
Flora bedingt, sondern die Heidepflanzen sind tatsächlich nicht imstande, 
größere Nährstoffmengen, die für andere Pflanzen noch gering erscheinen 
mögen, zu verarbeiten, sie gehen unter den Erscheinungen des Nähr- 
stofiuberschusses zugrunde. Ähnlich ist ihr Verhalten zum Wasser. 
So leicht sie die Überspülung mit Moorwasser ertragen, so schnell gehen 
sie in dem nur wenig nahrungsreicheren Bachwasser zugrunde. Daher 
das t3^pische Bild in den Heidetälern, z. B. an der Örtze : saftgrüne 
Wiesen, soweit der Einfluß des Wassers reicht, dann dicht darauf, wie 
mit dem Messer abgeschnitten, die braune Heide. 

Wie gesagt, ist die Crt/Z^rna-Heide mit ausschließlicher Vor- 
herrschaft von Ccdhina der Haupttypus des Lüneburger Heidegebiets, 
der zu den andern Formationstjq^eu in direkter Beziehung steht. An 
Begleitpflanzen fällt vor allen der Wachholder in die Augen. In der 
ganzen nördlichen Heide, wde in der jütisch-dänischen, ist er außer- 
ordentlich selten, Jiier in der Binnenheide im Gegenteil sehr häufig. 
Und während er in unsern Mittelgebirgen, so auf den Keuperhöhen und 
auf der Alb, seinen strauchartigen Charakter niemals verleugnet, wird 
er in der Heide durchaus baumartig und der Zypressen artige Habitus 
verleiht den kahlen Heideflächen einen ganz eigenen Reiz. Stämme von 
10 bis 15 cm Durchmesser sind keine Seltenheit, insbesondere bei Lutter- 
loh sind berühmte Gruppen dieser Art. Im Schutz des Wachholders, 
der von den Schafen weniger verbissen wird, gelingt es auch vielfach 
einzelnen Forchen oder Birken, zu stattlichen Stämmen heranzuwachsen, 
die wir dann meist noch mit einem Kranz von Wachholderstämmchen 
umringt finden. — Von einigen andern Begleitpflanzen der C'a/?;n;r<-Heide 
wird später noch die Rede sein, großenteils sind es Flechten von der 
Gattung Cladonia und Gräser, insbesondere Sieglingia, Molinia, Narclus, 
Weingärtneria. Zwei Arten sind noch besonders zu nennen : die zu den 
Erikaceen gehörige Bärentraube, Afdostaphylos officinalis, und die mit 
dem Buchs verwandte Krähenbeere, Empetrimi nigrmn. Die erstere ist 
in den Heidegebieten östlich der Elbe eine charakteristische Begleit- 
pflanze der Kiefernwälder, in denen sie oft kilometerw^eit ausschließlich 
den Boden bedeckt ; hier in der Binnenheide tritt sie nur in vereinzelten 
Rasen, aber immer gerne in Begleitung der Forchenbüsche auf. ]£m- 
pctrum nigrmn hat Gkäbner zu einem eigenen Typus der Heide er- 
hoben, zweifelt aber selbst an der Berechtigung dieser Absonderung. 
Tatsächlich tritt Empetrum im eigentlichen Heidegebiet nur vereinzelt 
bald im Sand, bald im Moor auf. Ii* größeren reinen Beständen da- 
gegen zeigt sich die Krähenbeere einerseits an der Küste im Dünen- 
sande, wo ich sie auf Amrum in großer Ausdehnung getroffen habe, 
anderseits bedeckt sie weite Strecken der Gebirgsmoore und ist z. B. 
für die norwegische Fjeldlandschaft außerordentlich charakteristisch. 



— LXXVI — 

Geäbner unterscheidet in der CaUnna-'Heide noch einige „Fazies", 
indem Begleitpflanzen der Calluna, die aber niclit zu den eigentlichen 
HeidepÜanzen gehören, gelegentlich in so großer Ausdehnung vorherrschen, 
daß die Calhina selber für das Auge verschwindet. Von den vier 
„Subtypen", die er anführt, habe ich einen nicht beobachten können, 
der einen Übergang zur pontischen Gruppe darzustellen scheint : „ Cal- 
hina mit Vorherrschen von PnlsatiUa.^ Es handelt sich um die beiden 
Arten viügaris und pratensis, die auf sonnigen Hügeln manchmal so 
massenhaft auftreten, daß zur Blütezeit überhaupt nichts anderes zu 
sehen ist. Sehr hübsch dagegen bot sich mir der zweite Subtypus : 
., Calluna mit Vorherrschen von Genisten." Es sind hauptsächlich 
4 Arten hierbei beteiligt ; G. püosa und germanica zeigen große Neigung 
zur Gesellschaftung mit Calluna insbesondere auf trockenen Hügeln, 
G. tinctoria liebt mehr die Waldheide und findet sich also nur in Be- 
gleitung der Forchenbüsche oder am Waldrand, und G. anglica endlich 
braucht zum Gedeihen feuchtere Standorte und nimmt deshalb die Grenze 
von der C'a?/M«rt-Heide zur Tefra//.r- Heide ein; sie fehlt ganz im östlichen 
Gebiet der Heide. Den 3. Subtypus nennt Geäbnek „CW?»;m-Heide mit 
Vorherrschen von Solidago und Crepis tedorum^. Diese Form bildet 
einen Übergang zur Dünenheide und, besonders an der Ostseeküste, zur 
echten Sanddüne. Für die Binnenheide kommt nur- Crepis tectorum in 
Betracht, aber in anderer Beziehung. Im Binnenlande gehören ja die 
Crepis-Arten zu den gemeinsten Ruderal-, auch Segetalpflanzen, so kommt 
es, daß Crepns tectorum auf Heiden auftritt, die durch häufige Benützung, 
insbesondere durch starke Beweidung, eine Veränderung erlitten haben. 
Häufig stellen sich dann noch andere Euderalpflanzen ein , von denen 
Festuca ovina, Hieracium pilosella, auch Tlu/mus serpullnm die häufigsten 
sind. — Eine Stufe weiter in dieser Richtung bildet die letzte Fazies: 
„ CV<7?Hiirt-Heide mit Vorherrschen von niedrigen Stauden". Als Charakter- 
pflanzen erscheinen hier insbesondere Pofenfilla-Xrten und Hieracium pilo- 
sella. Die Fazies tritt in der unberührten Heide überhaupt nicht auf, 
sondern zeigt sich nur auf regelmäßig beweideten und kurzgefressenen 
Heiden. Je stärker die Beweidung ist, desto mehr gesellt sich dazu 
Nardus stricta, bis schließlich die Heide in eine reine Grasheide über- 
geführt erscheint. 

Dem Haupttj^pus der Ccdluna-Ueiäe stellt Gräbxer einige andere 
Typen zur Seite, die ihre charakteristische Ausbildung zwar nicht in 
der eigentlichen Lüneburger Heide zeigen, die aber trotzdem hier bei- 
gezogen werden müssen. Es sind dies die Tetralix-Heiäe, das Heide- 
moor und die Sarothamnus-Heide. Die Em2)etnmi-iieide wurde ja oben 
schon berührt. 

Weit seltener als Calluna tritt Erica tetralix, die Glockenheide, 
als ausschließlich bestandbildend auf. Sie liebt durchaus feuchtere Stand- 
orte als Calluna und neigt si(^i somit mehr dem Heidemoor, dem 
Spliagnum zu. So treffen wir sie in der Binnenheide zahlreich in kleinen 
Polstern in den Mulden zwischen der Calluna, sobald die nötige Feuchtig- 
keit dort vorhanden ist. Häufig entstehen in ihrem Schutz kleine 
Spliagnum-'? o\%iQY, denen sie unter Umständen bald zum Opfer fällt. 



— LXXVII — 

Doch ist sie auch auf den reinen Mooren ständiger Gast. Ihre großen, 
rosaroten Blüten erscheinen schon Ende Juni, also weit früher, als die 
der Calhina, somit war ihr Anteil an dem von mir besuchten Heide- 
gebiet leicht festzustellen. Als Begleiter findet sich meist auf den an- 
moorigen Stellen Juncus squarrosus. auf den sandigen Scirpus caespifosiis. 
— Soweit ihr Vorkommen in der Lüneburger Heide; in Ostfriesland 
und Holstein dagegen bildet sie in reinem Bestände dichte Teppiche, 
die sich z. B. zwischen Husum und Rendsburg zu beiden Seiten der 
Bahnlinie weithin ausdehnen. Der Boden ist dort stark humos , mit 
einem festen Filz von Heidehumus bedeckt, dessen Feuchtigkeitsgehalt 
großen Schw^ankungen unterliegt. In manchen Jahreszeiten läßt er sich 
auspressen wie ein Schwamm, dann wieder ist er ganz ausgetrocknet. 
Diesem Umstand verdankt die Tetralh -Heide ihre Existenzmöglicheit, 
denn das Sphaniium, das eine wiederholte Austrocknung nicht erträgt, 
kann sie hier nicht bedrohen. Anderseits ist doch wieder der Boden 
zeitweise durch den hohen Feuchtigkeitsgehalt so luftarm, daß auch 
Calhina hier nicht üppig gedeihen kann. 

Auch das Heidemoor hat den Schwerpunkt seiner Ausbildung 
nicht in der Lüneburger Heide, sondern mehr im Nordwesten gegen 
Oldenburg und Bremen, woher ja der Name Worpswede in den letzten 
Jahren durch die dortige Künstlerkolonie allgemein bekannt geworden 
ist. Den Namen „Heidemoor" oder „Moosmoor" hat Wakbiing ein- 
geführt, um damit den früheren Namen „Hochmoor" zu ersetzen, der 
immer wdeder zu Verwechslungen Anlaß gibt. Im Heidemoor befindet 
sich stets in wechselnder Menge das eigentliche Torfmoos, das Sphagnuni, 
das in den Wiesen- oder Grünlandsmooren fehlt und durch Hi/pmini- 
Arten ersetzt wird. Die Flora setzt sich vorwiegend aus echten Heide- 
pflanzen zusammen. Die aus der Oberfläche ragenden Bülten bestehen 
aus Eriüphonun-, während sie im Wiesenmoor vorwiegend aus Carex- 
Arten bestehen. Im übrigen kann ich mich hier kurz fassen , denn 
unsere heimischen Heidemoore im Schwarzwald und in Oberschwaben 
zeigen keinen wesentlichen Unterschied gegenüber denen der Lüneburger 
Heide. Die Flora eines von mir näher untersuchten Moores bei Baven 
im Örtzetal wies ganz die gleichen Arten auf, die wir hierzulande auch 
treffen : vor allem Calhina, dann Andromeda, Ox/icoccos, Finguicola, Dro- 
sera rotundifoUa und intermedia, fremd ist nur die Erica tetraUx. Auf 
einem abgestochenen und entwässerten Teil des Moors zeigte sich eine 
dichte Wildnis von Epüobium arnjustifoUiim und Urtica dioica. Diese 
höheren Anspruch an den Nährstoffgehalt des Bodens stellenden Arten 
scheinen zunächst befremdlich ; tatsächlich aber ist es wohl die Tätig- 
keit der bei der Torfabfuhr beschäftigten Pferde, die hier vorüber- 
gehend segensreich gewirkt hat. Nach einigen Jahren tritt auch hier 
die Heidevegetation wieder in ihre Rechte. — Für die Oberfläche der 
Heidemoore ist meist eine bestimmte Halbstrauchart charakteristisch. 
Im Osten des norddeutschen Heidegebiets ist dies der Sumpfporst, 
Ledum pahistrc, im Westen dagegen die Heidemja-te, Mijrica gale. Auch 
in der Binnenheide herrscht sie weitaus vor gegenüber der dritten Art, 
dem auch bei uns heimischen Vaccinium uhginosum. — Außer den mit 



- LXXVIII — 

Mooren zusainmeiihängenden Seen finden sich in der Binnenheide zer- 
streut kleine Tümpel mit klarem Wasser im Sandboden, ohne Spuren 
von Moor oder Sphagmmi. Hier stellt sich dann eine ganz interessante 
Flora ein: Sparganinm, Isoetes, LHoreüa und die seltene Lobelia Dort- 
manna. 

Den besprochenen Heideformationen schließt sich als weiterer 
Typus an die Saro//iaw?.;n«s-Heide. Der Besenginster, Sarothamniis 
scoparius, in der Heide „Brahni" genannt, bildet oft ausgedehnte reine 
Bestände, nicht selten in dichten, fast undurchdringlichen Massen weit 
über Mannshöhe. Solche Bilder sehen nicht eigentlich nach Heide aus, 
sie machen entschieden den Eindruck einer Formation nährstoffreicherer 
Böden. Die Lebensbedingungen des Sarothaninus sind sehr interessant. 
Denn im Gegensatz zu allen andern Heidepflanzen geht er bei größerer 
Nährstofifzufuhr nicht zugrunde, sondern entwickelt sich dabei sehr 
üppig. Nun besitzt er aber die Fähigkeit, auf den ärmsten Heideböden 
jahrelang zu vegetieren und als ganz niederer Strauch zu wachsen, bis 
endlich seine Wurzeln in tiefere, bessere Bodenarten gelangt sind und 
er zu den erwähnten Dickichten emporschieLien kann. Keine andere 
Heidepflanze, ausgenommen Junipents, vermag, falls sie wirklich zu 
besseren Böden durchdringt, ihre Stoffproduktion dem anzupassen und 
umgekehrt ist keine Pflanze einer nähi'stoffreicheren Formation imstande, 
so lange mit geringer Nahrung auszuhalten. Nun ist aber natürlich 
auch Sarothaninus nicht imstande, mit seinen Wurzeln den unter der 
Heide sich hinziehenden Ortstein zu durchbrechen, und wo Sarothamuus 
nicht bloß vegetiert, sondern sich gut entwickelt hat, also überall in 
der typischen Besenginsterheide, fehlt tatsächlich der Ortstein. Es 
scheint ziemlich sicher, daß Sarothamnus durch seine hohe Stickstoff- 
produktion (dank den Knöllchenbakterien ! ) direkt den Boden zu ver- 
bessern und die Bildung des Ortsteins zu erschweren vermag. Daraus 
dürfen wir wohl .auch Schlüsse für die Verhältnisse im württembergischeu 
Schwarzwald ziehen. 

Damit sind die Typen der echten Heide geschildert. Naturgemäß 
sind die Grenzen zwischen den einzelnen Formationen selten scharf aus- 
geprägt, es finden sich Übergänge, ebenso auch zwischen Heide und 
den andern Vegetationsformen. Insbesondere zu Wald und Steppe führen 
zahlreiche Formationsbilder. Gkäbxer unterscheidet Grasheiden, Wald- 
heiden und heidekrautlose Sandfelder. Das durch andauerndes Aus- 
trocknen des Heidebodens entstandene Sandfeld gehört dem Osten Deutsch- 
lands an, die Grasheide ist auch im Westen vertreten. Auf feuchterem 
Boden ist es besonders Molinla coendea, das Pfeifengras, das oft weite 
Strecken wie ein kleines Eöhricht überzieht, ganz ähnlich wie es auf 
den Streuplätzen im Schwarzwald auftritt. Eine zweite Art, Triodia 
(Sieglingia) decumhens, teilt den Standort mit Erica tetralix. In 
trockeneren Lagen setzt sich die Grasheide aus CaJamagrostis, Aira, 
Nardtis und Festuca zusammen. 

Was nun die Wald hei de betrifft, so ist schon erwähnt, daß 
die Heideflora sich in kontinentalem Klima in den Schutz des Waldes 
zurückzieht. In lichten W^aldbeständen ist alsdann die Bodendecke aus 



- LXXIX — 

Heide- und AValdpflanzen in wechselndem Verhältnis gemischt. Solche 
Bilder sind uns ja wohlbekannt, auf den Keuperhöhen und im Schwarz- 
wald ist dies die gewöhnliche Art des Vorkommens der Calluna. Aber 
auch im eigentlichen Heidegebiet fehlt die Waldheide nicht ganz, sei's, 
daß die Heide in lichtgewordene alte Bestände einwandert , oder daß 
sich auf unbenutzten Heiden der Wald einstellt. Gträbxer stellt die 
Kiefernheide , die ja auch bei uns insbesondere in der Mischung mit 
Wach holder die Hauptrolle spielt, an erste Stelle. Die Eichenheide ist 
mehr im jütisch-dänischen Heidegebiet heimisch, die Birkenheide ist 
weniger lokalisiert. Zum Begriff der echten Waldheide — ob es sich 
um Forchen oder um Laubholz handelt — gehört aber , daß die Ge- 
nossenschaft dauernd ist, d. h. sich nicht gegenseitig verdrängt. Dies 
mag bei den genannten Formen in vielen Fällen zutreffen, in der Regel 
wird aber doch die Mischung von Wald und Heide nicht ein friedliches 
Zusammensein bedeuten, sondern einen Kampf. Für Buche und Fichte 
gibt dies Gräbxer auch ohne weiteres zu. 

Kehren wir noch einmal zur Lüneburger Heide zurück und sehen 
wir nach den Veränderungen, denen sie gegenwärtig unterworfen 
ist. Die landwirtschaftliche Nutzung der eigentlichen Heideflächeu ist 
natürlich bei ihrer Bodenbeschaffenheit und der geringen Bevölkerungs- 
dichte außerordentlich gering. Ein Anbau durch Düngung oder Be- 
wässerung ist nur in beschränktem Maße möglich. Neuerdings haben 
Intensive Kalidüngungen mit darauffolgendem Lupinenanbau gute Er- 
folge gezeitigt, die besseren Lagen der seitherigen Weideflächen werden 
in dieser Weise kultiviert. — Eine wichtige Nutzung ist der Plaggen- 
hieb. Der Heiderilz wird alle 4 bis 8 Jahre mitsamt der darauf- 
stehenden Vegetation in Fladen abgestochen. Die so gewonnenen Plaggen 
dienen zumeist als Stallstreu, dann aber auch zur Dachdeckung für 
Schuppen und Ställe. Im Winter werden sie um die Stallwände auf- 
geschichtet zur Warmhaltung der Räume. Die abgeplaggte Fläche be- 
deckt sich bald wieder mit Heide, die etwa anfliegende Forchensämlinge 
rasch verdrängt. Durch fortlaufenden Plaggenhieb kann freilich der 
Boden auch so verarmt werden, daß er keinen geschlossenen Heideteppich 
mehr zu bilden vermag. — Ein weiterer großer Teil der Heidefläche 
dient der Bienenzucht. Die Körbe werden mitten in der Heide auf- 
gestellt und nach dem Verblühen eingeholt. Nun ist aber die Calluna 
nur etw^a 10 bis 12 Jahre lebenskräftig, später läßt Wachstum und 
Blüte nach. Daher wird die Heide etwa alle 10 Jahre angezündet und 
abgebrannt, worauf sie sich durch Samen und Stockausschläge erneuert. 
Ab und zu wird auf den Kahlflächen erst ein oder zwei Jahre Buch- 
weizen gebaut, bis die geringen Nährstoffraengen verbraucht sind. 

Die wichtigste Nutzung der Heide war bisher die Schafzucht. 
Die weiten Flächen , die nicht mehr beweidet werden, bedecken sich 
bald mit jungen Forchen und andern Waldbäumen. Es macht deshalb 
den Eindruck, die Heide werde ganz von selbst zu Wald, sobald die 
Zähne der Schafe nicht mehr tätig seien. Dem ist nun aber nicht so, 
denn wenn die jungen Pflanzen auch den direkten Kampf mit der Calluna 
überstehen und leidlich zu gedeihen anfangen, dann stoßen sie erst auf 



— LXXX — 

den Hauptfeind des "Waldes, auf den Ortstein. In einer Tiefe von 30 
bis 80 cm zieht er sich fast lückenlos unter der ganzen Heide hin. 
Ohne seine Zerstörung- ist eine Bewaldung der Heide unmöglich. Mit 
dem vierspännigen Reolpflug, vielfach auch mit besonders konstruiertem 
Dampfpflug wird der Ortstein meist streifenweise zertrümmert, ehe die 
Pflanzung der Forche erfolgen kann. Allein die Klosterkammer Hannover 
hat gegen 4000 ha in dieser Weise kultiviert, noch größer ist der 
Anteil des Provinzialverbands. In manchen Gegenden, so bei Örrel und 
Lopau, ist die offene Heide schon ganz verschwunden. Hauptsächlich 
zwei, gerade der Heide eigentümliche Gefahren drohen dem jungen 
Walde. Die eine ist wieder der Ortstein. Man hat schon die Erfahrung 
gemacht, daß insbesondere da, wo die Durchbrechung des Orts löcher- 
weise geschah , sich von den Seiten her der Ort neu bildet und die 
Wurzeln der Forchen einschließt, ehe sie durch die gefährdete Schicht 
schon durchgewachsen sind. Die zweite Gefahr ist die Vermoorung. Wir 
haben gesehen, daß in der Tetralix-Reiäe überall sich S2)hagmtm-FMnzchen 
finden, die aber durch öfteres Austrocknen an der Entfaltung gehindert 
werden. Auch in der CaJhom-lleide sind, sofern sie nicht allzu trocken 
ist, überall kleine Spliagniim-TMnzclien vorhanden, ganz unscheinbar 
und erst bei genauem Nachsehen zu entdecken. Wächst nun der junge 
Wald empor, so genügt der geringe Schutz, den er gegen austrocknende 
Winde bietet, um Leben in die S2)MgHU)n-'PMnzch.ei\ zu bringen. Je 
höher der Wald wächst, desto besser gedeiht auch das Torfmoos. 

So sind die Schwierigkeiten, die sich der Aufforstung entgegen- 
stellen, gerade in der Heide besonders groß. Trotzdem wird in nicht 
allzu ferner Zeit Deutschlands größtes zusammenhängendes Waldgebiet 
die Lüneburger Heide sein. 



Sitzung am 8. Januar 1906. 

Oberreallehrer Dr. E. Stahlecker sprach über „Beziehungen der 
Flechten zum Untergrund". Nach einigen einleitenden Worten über 
den Aufbau der Flechten und die mannigfaltigen Fragen , die in der 
Lichenologie noch offen stehen, kam der Redner auf die erstaunliche 
Variabilität, welche der Flechtenthallus einer und derselben Spezies 
aufweisen kann. Diese Mannigfaltigkeit ist hauptsächlich mitbestimmt 
durch das Substrat, wie dies durch die grundlegenden Arbeiten Fünf- 
STtJCK's nachgewiesen wurde. Man kann in doppeltem Sinn von Be- 
ziehungen der Flechten zum Untergrund reden: einmal von einer Be- 
einflussung der Flechten durch die Beschaffenheit des Substrats und dann 
von einer Einwirkung der Flechten auf ihr Substrat. 

In ersterer Hinsicht erleidet die Flechte eine Beeinflussung sowohl 
was die Art des Wachstums als auch was ihren anatomischen Aufljau 
betrifft. Merkwürdigerweise hat aber die ph^'sikalische Beschaffenheit 
des Untergrunds nur ganz wenig Einfluß auf die Flechte. Bei ge- 
schichteten Gesteinen zeigt sich öfters, daß die Flechte quer zur Schichtung 
gebrochene Flächen liebt, auch daß die Anordnung ihrer Früchte linien- 



— LXXXI — 

förmig der Schichtung- folgt, so daß die Apothecien auf den Schicht- 
wülsten sitzen und die Schichtfugen meiden. Nicht werden , wie man 
vermuten könnte, verwitterte Gesteinsfiächen in erster Linie von Flechten 
besiedelt; im Gegenteil werden oft gerade die frischesten Bruchflächen in 
Angriff genommen. Die strukturellen Verhältnisse eines Gesteinssubstrats 
spielen keine Rolle. Bei silikatbewohnenden Flechten ist nirgends ein 
Eindringen der Pilzhj'phen etwa in Spaltrissen des Glimmers oder der- 
gleichen beobachtet. Dagegen ist von hervorragendem Einfluß auf die 
Flechte die chemische Beschaffenheit des Untergrunds. ■ — Die schon 
früher beobachteten ölhaltigen, kugeligen sogen. Sphäroidzellen und öl- 
haltigen Hyphen entwickeln sich , wie Fünfstück evident nachgewiesen 
hat, um so reichlicher, je reicher das Substrat an kohlensauren Salzen 
ist. Das Öl ist nicht Reservestoff, sondern ein Exkret, das vom Pilz 
durch Spaltung der Kohlensäure gebildet wurde. — Die zunächst rein 
äußerliche Unterscheidung von Kalk- und Silikatflechten bedeutet zu- 
gleich eine weitgehende anatomische Differenzierung der Krustenflechten. 
Flechten auf kalk- oder dolomitreicher Unterlage erzeugen einen voll- 
ständigen endolithischen Thallus mit dürftiger epilithischer Kruste. Die 
Hyphen dringen 3 und mehr Zentimeter tief in das Gestein ein. Die 
Gouidienschicht ist verschwindend gegenüber dem gonidienlosen endo- 
lithischen Hj'phengeflecht. Bei silikatreichen Substraten dringen die 
Hyphen meist in das Substrat gar nicht ein. Dabei ist die Gonldien- 
schicht stark entwickelt und übertrifft die Hyphenschicht meist um das 
Vielfache. So bilden calcisede und silicisede Krustenflechten zwei gegen- 
sätzliche Typen. Solche (im allgemeinen seltene) Spezies, die von Kalk 
auf Silikate übergehen und umgekehrt , zeigen innerhalb ein und der- 
selben Art die gleichen typischen Gegensätze. Exakte chemische AnalySen 
verschiedener Substrate von gleichen Flechtenspezies haben ergeben, daß 
ein Gehalt an Ca C O3 den Typus der Kalkflechten erzeugt , und zwar 
in mehr oder weniger ausgesprochener Weise, je nach der proportionalen 
Menge von Ca C O3. Allein auch karbonatfreie Unterlagen bringen unter 
sich verschiedene Thalli gleicher Spezies hervor. Die Summe der basischen 
Bestandteile (Fe 0, Fe^ 0^, CaO, Mg 0, Na^ 0, Kg 0) fördert das Hyphen- 
wachstum gegenüber der Gouidienschicht, wobei Kalke und Magnesia als 
die wichtigsten Faktoren anzusehen sind. Dabei sind die Gonidien auf 
saurer Grundlage durchweg größer als auf basischer oft mit 5 — lOfacher 
linearer Ausdehnung. — Das Wachstum der Flechten wird aber außer 
durch das Substrat noch durch die durch die Luft in Form von Staub 
zugefiihrten mineralischen Nährstoffe mitbedingt. 

Ähnlich wie der anatomische Aufbau, hängt auch die Wachstums- 
weise des Thallus von der sauren oder basischen Beschaffenheit des 
Untergrundes ab. Auf basischer Grundlage geht das Wachstum viel 
rascher vor sich als auf saurer. Doch wird saurer Grund, auch reiner 
Quarz, schließlich durch eine eigene Art von Hyphen bewältigt, die, von 
einem Mutterthallus ausgehend und den Quarz korrodierend, zunächst noch 
vom Mutterthallus ernährt werden , dann schließlich zur Bildung neuer 
Thalli führen. 

Diese Korrosion des Quarzes zeigt, daß auch das Substrat unter 

Jahreshefte d. Vereins f. vaterl. NatUEkunde in Württ. 1906. f 



— LXXXII — 

dem Einfluß der Flechte leidet. Es findet so durch die Flechte eine 
Aufbereitung' und Zersetzung auch des frischesten Quarzes statt. So 
leiten die Flechten die Verwitterung ein und beginnen die Huniifizierung 
auch der schwer zersetzlichen Silikate, die durchaus nicht durch Ver- 
witterung vorher erschlossen sein müssen. Kalke und Dolomite zersetzen 
sie tief hinein und schaffen durch ihre Fettabscheidung organische Ver- 
bindungen. Sie wirken demnach als geologische Agentien und zugleich 
als Bildner organischer Stoife. Darin liegt ihre Bedeutung im Haushalt 
der Natur, die um so größer erscheint, wenn man ihre lange Lebens- 
dauer , ihre zahlreichen Fortpflanzungsmöglichkeiten , ihre Widerstands- 
fähigkeit gegen atmosphärische und klimatische Einflüsse und ihre 
empfindliche Reaktionsfähigkeit gegen die chemische Beschaffenheit des 
Untergrunds in Betracht zieht, die zugleich eine ebenso große Anpassungs- 
fähigkeit an alle möglichen Lebensbedingungen bedeutet. 

(Stahlecker, j 
Nach dem Vortrag legte Prof. Dr. Klunzinger einen von dem 
sterilen Mycel einer Cordi/ceps-Art (wahrscheinlich C. SpMngum Tul.) 
inkrustierten toten Schmetterling vor, den R. Bosch an einem bemoosten 
Felsen im Rauhmüuzachtal gefunden hatte. 



Sitzung am 12. Februar 1906. 

Prof. Dr. Ernst Müller sprach über „Die Architektur der 
Knochen". Dabei wurde besonders der eigentümliche Bau des oberen 
Endes des menschlichen Oberschenkelknochens an der Hand von schema- 
tischen Zeichnungen und aus dem Knochen herausgesägten Scheiben ein- 
gehend besprochen. Das spongiöse Gewebe, das diesen Knochenteil 
zusammensetzt, besteht aus Gruppen von Knochenbalken, die als Trajek- 
torien gegen die Druck-, Zug- und Schubspannungen funktionieren und 
in der Hauptsache so angeordnet sind, wie wenn ein Techniker die 
Konstruktion entworfen hätte. 

Es lassen sich hauptsächlich 3 Systeme von Bälkchen unterscheiden. 
Die erste Gruppe geht von der kompakten Substanz am inneren Um- 
fang des Schaftes aus, durchsetzt den Schenkelhals nach innen und oben 
und endigt am inneren und oberen Umfang des Gelenkkopfes. Dieses 
System ist das am deutlichsten ausgebildete; es ist dem Menschen eigen- 
tümlich, fehlt auch den anthropoiden Affen und hängt mit der aufrechten 
Haltung des Menschen zusammen. — Das zweite .System steigt von der 
Außenseite des Oberschenkels auf und zieht in einem nach oben und 
außen konvexen Bogen nach dem oberen Umfang des Schenkelhalses, 
durchsetzt das erste System und endigt am inneren und unteren Umfang 
des Gelenkkopfes. — Das dritte System löst sich aus der Compacta des 
inneren Umfangs unterhalb des ersten ab und wendet sich ili einem 
nach oben konvexen Bogen nach außen und oben, durchsetzt das zweite 
System, endigt teilweise in ihm, teilweise setzen sich die Bälkchen im 
Trochanter fest. 



— LXXXIII — 

Das obere Ende des Oberschenkels stellt einen gekrüniniten Balken 
dar, der durch das Körpergewicht von oben her so belastet wird, daß 
seine Krümmung- durch die Last noch vermehrt zu werden droht. Es 
kommt dabei zu denselben Spannungen , wie sie auch an einem toten 
Balken unter denselben Verhältnissen stattfinden, d. h. Druckspannung 
au der konkaven, Zug an der konvexen Seite und Schubspannung parallel 
der Längsachse des Balkens. Die Spannung ist nicht in allen Teilen 
des Balkens gleich groß; es genügt daher auch, wenn nur an denjenigen 
Stellen, wo Spannung herrscht, Knochenmaterial angehäuft ist. Es wird 
dadurcli ein leichterer Bau des Knochens ermöglicht; der kompakte 
Knochen kann durch den schwammigen ersetzt werden , wenn dessen 
Bälkchen so angeordnet sind, daß sie den verschiedenen Spannungen 
je nach ihrer Stärke entsprechen. Das ist nun am oberen Oberschenkel- 
ende in der Tat der Fall. Die Druckspannung wird durch das erste 
der genannten Systeme ausgeglichen, die Zugspannung durch das zweite, 
die Schubspannung aber durch das dritte in Gemeinschaft mit den beiden 
ersten, die besonders durch ihre gegenseitige rechtwinklige Durchkreuzung 
dem Schub zu widerstehen geeignet sind. 

Der Schaft des Oberschenkels ist eine annähernd gerade Säule, 
die in der Hauptsache in ihrer Längsrichtung belastet wird. Da aber 
das Körpergewicht durch den exzentrisch angesetzten Schenkelhals an- 
greift , so kommt ein Biegungsmoment hinzu , das den Schaft nach der 
Außenseite zu biegen strebt. Ist der Knochen zu w^eich (Rachitis) , so 
kommt es in der Tat auch zu einer Biegung, die verschieden ausfällt, 
je nach dem der Unterschenkelknochen hart oder auch erweicht ist. Im 
letzteren Fall biegt sich auch der Unterschenkel nach außen , und es 
entstehen so die 0-Beine der Kinder. Ist dagegen der Unterschenkel 
fest, so verhält sich der Oberschenkel in Anbetracht der unnachgiebigen 
seitlichen Bänder des Knies wie ein im Boden festgeklemmter Stab, der 
durch exzentrischen Druck von oben belastet wird; er macht eine 
S-förmige Krümmung , in den oberen Partien nach außen und in den 
unteren nach einwärts konvex. Die Kniegelenkslinie bekommt dadurch 
eine Richtung nach außen, und es entsteht so das rachitische X-Bein der 
Kinder. 

Dabei ist der Knochen von Muskeln umgeben, die seine Biegungs- 
festigkeit erhöhen, indem sie wie die Züge in der Lichtung eines Ge- 
wölbes bei zu schwachem Widerlager ausgespannt sind. Die Architektur 
des Knochens ist den statischen Verhältnissen angepaßt und wird auch 
durch sie reguliert ; denn wenn die Belastungsverhältnisse sich ändern, 
wie das nach schief geheilten Beinbrüchen oder nach Verkrümmungen 
der Knochen aus krankhaften Ursachen vorkommt, so ändert sich auch 
der innere Bau, und anderseits magert der Knochen ab, wenn er nicht 
belastet wird. Eine solche Anpassung der Gewebe an die Funktion kommt 
auch vor bei den Sehnen, den Muskeln des Skeletts und der inneren 
Organe und anderen Körperteilen. Auch das Stützgewebe der Pflanzen 
wird kräftiger, wenn es größeren Belastungen, z. B. durch Winddruck, 
ausgesetzt ist. 

Die eigentümliche Struktur der Spongiosa läßt sich nicht — wie 

f* 



- LXXXIV - 

Pauly will — gegen die DAKwiN'sclie Theorie verwenden, denn sie ist 
eine nützliche Einrichtung. — Wohl aber spricht ihre Veränderlichkeit 
bei veränderten Belastungsverhältnissen im Leben des Individuums sehr 
zugunsten des Einflusses der Funktion auf die Entstehung der Form in 
der Phylogenie im Sinne der LAMAECK'schen Lehre. (E. Müller.) 

In der sich an den beifälligst aufgenommenen Vortrag anschließen- 
den Erörterung wies Geh. Hofrat Dr. E. Balz unter Anführung mehr- 
facher Beobachtungen aus seiner Praxis darauf hin, daß man vielfach 
die Wirkung der Funktion auf die Architektur überschätze. Knochen- 
atrophien seien in vielen Fällen Folgen von Ernährungsstörungen, und 
X- und 0-Beine stellen sich nicht bloß infolge von Rachitis , sondern 
auch von starker Inanspruchnahme der lluskulatur ein. Prof. Dr. Hacker 
wies darauf hin, daß bei den Anthropoiden die Trajektorien nicht so 
regelmäßig ausgebildet seien wie beim Menschen, was auf die vielseitigere 
Inanspruchnahme bei jenen zurückzuführen sei. Histogenetisch sei über 
die Entstehung der Spongiosastruktur noch so gut wie nichts bekannt. 
Auch die bekannten „Kunstformen der Natur" bei niederen Tieren 
(Radiolarien etc.) haben mechanische Bedeutung. 



Sitzung am 12, März 1906. 

Obermedizinalrat Dr. E. Sclieiirleii sprach über ,.Klima, 
Witterung und Krankheit". 

Einleitend wies der Redner darauf hin, daß das Gefühl der Ab- 
hängigkeit von den äußeren Verhältnissen dem Menschen auch die Über- 
zeugung beibringen mußte, von den Schwankungen der Atmosphäre ab- 
hängig zu sein. Hierin unterstützte ihn die Beobachtung der Tierwelt, 
die meist au bestimmte Klimazonen gebunden ist. Dem gegenüber ist zu 
bemerken, daß der Mensch über die ganze Erde verbreitet ist und daher 
offenbar Jedem Klima und jeder Witterung zu trotzen vermag. Nur 
eine Reihe von Infektionskrankheiten scheint nach alter Erfahrung durch 
Witterung und Klima hervorgerufen bezw. befördert zu werden. Der 
Einfluß der Witterung kann erstens den Menschen selbst , zweitens die 
Erreger der Infektionskrankheiten und drittens deren Zwischenwirte, so- 
weit sie vorhanden sind, wie die Schnaken und Zecken bei Malaria, 
Gelbfieber und Rückfallfieber betreffen. Die meteorologischen Faktoren, 
welche die Witterung bedingen, sind die Lufttemperatur, die Feuchtig- 
keit und die Niederschläge , die Luftbewegung , der Luftdruck und das 
Licht, gewöhnlich gemessen als Sonnenscheindauer. Der Lufttemperatur 
wird der meiste Einfluß auf den menschlichen Körper zugeschrieben ; sie 
führt in ihren exzessiven Graden zu Hitzschlag und Erfrierungstod. 
Doch kann der Mensch große Schwankungen infolge seiner ausgezeichneten 
Wärmeregulation aushalten. Trotzdem spielt die „Erkältung", die 
wissenschaftlich und meist auch praktisch gar nicht genau bestimmt 
werden kann, in der Erklärung des Zustandekommens von Infektions- 
krankheiten eine große Rolle, Eine plötzliche Abkühlung kann örtliche 
Blutleere mit nachfolgender Blutfülle , Muskelzusammenziehungen , auch 



- LXXXV — 

Neuralgien , aber höchstens bei ganz seltenem Zufall eine Infektions- 
krankheit zustande bringen. Für das Zustandekommen einer Epidemie, 
auch einer Intiuenzaepidemie , wofür sie wohl am häutigsten ins Feld 
geführt wird, ist sie ohne jede Bedeutung. Diese Heranziehung der 
Erkältung als Krankheitsursache wird verschwinden, sobald die All- 
gemeinheit besser über die Wege der Ansteckung, sowie über die 
Infektionskrankheiten selbst aufgeklärt sein wird. Auch die oft er- 
wähnte Bedeutung des „kalten Trunks" ist auf die Erleichterung der 
Ansteckung im Durstzustand bei leerem Magen zurückzuführen. Die 
übrigen meteorologischen Faktoren, Feuchtigkeit, Druck etc. haben auf 
den Menschen gleichfalls keinen nennenswerten krankheitserregenden 
Einfluß, so daß gesagt werden kann, daß die direkte ^Yirkung der 
Witterung auf den Menschen in der genannten Beziehung ohne Bedeutung 
ist. Daß jedoch der Genuß der frischen Luft, also eine günstige 
Witterung, den Stoffwechsel und die Arbeitsfreudigkeit ei'höht, soll 
nicht unerwähnt sein. Auf die Verbreitung und das Absterben der 
Krankheitserreger kann die Witterung von Einfluß sein, da sie gegen 
Trockenheit und Licht sehr empfindlich sind, während in feuchtem Zu- 
stand und bei Lichtabschluß sie länger zu leben vermögen. Nieder- 
schläge können sie verbreiten und abschwemmen. Mit dieser Auffassung, 
daß bezüglich der Entstehung der Infektionskrankheiten die Witterung 
ohne Einfluß auf den Menschen selbst ist, dagegen zur Verbreitung der 
Krankheitserreger beitragen kann, stimmt auch das Ergebnis der Statistik 
überein. Die im allgemeinen ziemlich gleichmäßig über das Jahr ver- 
laufende Sterblichkeitskurve zeigt eine Erhöhung im Winter (Februar 
und März) und eine im Sommer (August und September). Die letztere 
ist bedingt durch die Darmkrankheiten insbesondere der Säuglinge, die 
in der Hauptsache auf die Zersetzung der Nahrungsmittel in der Sommer- 
wärme durch Bakterien zurückzuführen ist. Die Winterakme verdankt 
ihre Entstehung einer erhöhten Sterblichkeit an Tuberkulose, Diphtherie, 
Lungenentzündung u. a. m. Diese ist zu erklären durch die erheblich bessere 
Infektionsgelegenheit in den geheizten Wohn- und Arbeitsräumen und 
durch die häufigere Entbehrung der anregenden Wirkung der frischen 
unverdorbenen Luft. Die Wirkung der Witterung auf den erkrankten 
Menschen ist anders zu beurteilen als die auf den gesunden. Bewegte 
kalte Luft z. B. wirkt auf den erkrankten Atmungsapparat als Reiz 
und last ihn nicht gesunden , so bei Katarrh und Tuberkulose. Daher 
wird bei Erstellung der Krankenhäuser stets auf die Witterun gs Verhält- 
nisse Rücksicht genommen, auch um ihnen die natürlichen Heilfaktoren, 
insbesondere das Licht, in ausgiebiger Weise zur Verfügung zu stellen. 

(Scheurlen.) 
In der sich anschließenden lebhaften Erörterung wurde nament- 
lich die Frage eingehend behandelt , ob nicht auch der Staub , ins- 
besondere der Straßenstaub, als Erreger bezw. Vermittler von Krank- 
heiten anzusehen ist. Im Gegensatz zu einer Reihe von Rednern, 
insbesondere mehreren praktischen Ärzten, die diese Frage bejahten 
und sogar den Satz aufstellten, der Stuttgarter Arzt lebe vom Staub 
und würde bei durchgehender Pflasterung der Straßen eine wesentliche 



— LXXXYI — 

Eiuscliränkung- seiner Praxis erfahren, sprachen sich der Vortragende 

nnd Medizinalrat Dr. Walz gegen die Allgemeinrichtigkeit dieser An- 
schaming ans. 



Sitzung am 9. April 1906. 

Prof. Dr. A. Sauer sprach über die Vervollkommnung der geo- 
logischen Spezialaufnahmen und ihre kulturelle Bedeutung 
und erläuterte dieselben an dem nunmehr fertiggestellten ersten Blatt 
(Freudenstadt) der neuen geognostischen Spezialkarte von Württem- 
berg im Maßstab 1 : 25 000. Die geologische Kartographie ist, wie die 
geologische Wissenschaft überhaupt, auf deutschem Boden erwachsen und 
hat an dem glänzenden Aufschwung, den diese in den letzten 5 Jahr- 
zehnten erfahren hat, stetig teilgenommen. Die ersten, ältesten Karten 
ließen, dem unentwickelten Stand der Wissenschaft entsprechend, noch 
viel zu wünschen übrig; insbesondere ist es für sie bezeichnend, daß 
gewisse jüngere Formationen , namentlich die diluvialen Ablagerungen, 
auf ihnen gar nicht berücksichtigt wurden, daß sie sogen, abgedeckte 
Karten darstellten. Im Gegensatz hierzu betont die moderne geologische 
Kartierung die gleichmäßige Berücksichtigung aller an der Oberfläche 
vorhandenen Formationen und Ablagerungen. Einen vollständigen Um- 
schwung in dieser Richtung bedeutet das Vorgehen Preußens, sein großes 
Gebiet im Maßstab 1:25 000 zu kartieren. Bis dahin war unstreitig 
Württemberg vorbildlich gewesen, dessen topographische Karte 1 : 50 000 
jedoch infolge der Darstellung des Terrains durch Gebirgsschraffierung 
statt durch Höhenkurven keine volle Ausnützung des Maßstabes ge- 
stattete. In die Zeit nun, als Preußen seine geologische Landesanstalt 
einrichtete (1873), fällt auch die genaue Erforschung der Dilüvial- 
formationen, die, ein Areal von etwa 2 Mill. qkm im Bereich der nörd- 
lichen Hemisphäre einnehmend, in ihrer großen Bedeutung als Zeugen 
jener Vorgänge erkannt wurden, die man als Eiszeit zusammenfaßt. Der 
Umstand, daß dieses Gebiet von intensiver landwirtschaftlicher Kultur 
bedeckt ist, gab Veranlassung dazu, die diluvialen Formationen ein- 
gehend zu untersuchen und dabei ihre weitgehende Gliederung kennen 
zu lernen. Das Studium der Bodenprolile und ihre Übertragung in die 
Fläche leitete die richtige Erkenntnis der Bodenverhältnisse, insbesondere 
die Bedeutung des Untergrunds für den Boden in die Wege. Die bei 
der Kartierung dieser agronomischen Verhältnisse in Preußen angewandte, 
wohl ausgezeichnet durchdachte , aber etwas komplizierte Sj'mbolik für 
die physikalische und chemische Beschaffenheit des Bodens wurde mit 
einigen Vereinfachungen auch in Sachsen und noch mehr in Baden zur 
Anwendung gebracht. Auf Württemberg war sie jedoch aus verschie- 
denen näher dargelegten Gründen nicht übertragbar und Redner zeigte 
nun eingeliend, in welcher AVeise er es verstanden hat, unter Berück- 
sichtigung aller Anforderungen der modernen geologischen Kartierung 
auch auf der neuen württembergischen Spezialkarte nicht nur die an- 
stehenden und vom Boden bedeckten geologischen Formationen, sondern 



— LXXXVII — 

auch die Bodendecke selbst nach Entstehung, Mächtigkeit, physikalischen 
und hervorragenden, für den Pflanzenbau besonders wichtigen chemischen 
Eigenschaften zur Darstellung zu bringen und die Karte durch eine 
ausführliche und zweckmäßig gegliederte, die Ansprüche sowohl des Ge- 
lehrten wie des Laien und Praktikers berücksichtigende Legende für 
jede Kategorie von Interessenten, insbesondere auch für den praktischen 
Landwirt und Forstmann verständlich und zugänglich zu machen. So 
bedeutet das Blatt Freudenstadt nicht nur einen Fortschritt der geo- 
logischen Kartierung überhaupt, es läßt auch die hohe volkswirtschaft- 
liche Bedeutung dieser neuen geologischen Spezialaufnahme klar er- 
kennen. (E.) 



Sitzung am 14. Mai 1906. 

Zunächst sprach Prof. Dr. Hugo Kaiiffinaim über Licht und 
Farbe. Die Lichterzeugung kann zweierlei Art sein; entweder beruht 
sie auf einem Glühleuchten oder auf einem Lumineszenzleuchten. Das 
Glühleuchten ist die uns vertrautere und bekanntere Erscheinung, die 
uns an allen stark erhitzten Körpern entgegentritt. Die Lichtentwicklung 
glühender Körper ist lediglich physikalischer Natur. Alle Körper 
strahlen Energie aus , und schon bei gewöhnlicher Temperatur ist eine 
Wärmestrahlung vorhanden, eine Strahlenart, die zwar noch nicht unseren 
Gesichtssinn, wohl aber unseren Gefühlssinn zu erregen vermag und in 
letzterem dann das Gefühl der Wärme hervorrufen kann. Bei hohen 
Temperaturen treten noch Lichtstrahlen hinzu, zunächst rote ; die Körper 
zeigen dann die Erscheinung der Rotglut. Bei noch höherem Hitzegrade 
entstehen auch gelbe Strahlen; die Körper sind gelbglühend. Endlich 
bilden sich Strahlen in allen möglichen Farben und die Körper sind in 
Weißglut. Man kann also aus der Farbe der Glut auf die Temperatur 
schließen, und man hat, ausgehend von diesen Überlegungen, zwecks 
genauerer Hitzemessungen die optischen Pyrometer konstruiert. Die 
Chemie ist bei allen diesen Beleuchtungsarten insofern sehr weitgehend 
beteiligt , als sie das Glühmaterial zunächst aufzufinden und dann in 
großen Mengen zu beschaffen hat. 

Das Lumineszenzleuchten ist im Gegensatz zum Glühleuchten 
keineswegs an das Herrschen einer hohen Temperatur geknüpft und 
stellt sich sehr häufig schon in der Kälte ein. Das Lumineszenzlicht 
zeigt im Spektralapparat zumeist kein beim Rot beginnendes kontinuier- 
liches Farbenbild, sondern einzelne farbige Linien oder Streifen, sehr 
oft auch schmälere oder breitere Banden. Die lumineszenzfähigen 
Körper sind einzuteilen in Selbststrahler und in solche, die zur Licht- 
erregung der Zufuhr irgend einer Energieart bedürfen. Die Selbst- 
strahler sind nur in geringer Anzahl bekannt und zeichnen sich alle 
durch die Erscheinung der Radioaktivität aus; am besten studiert sind 
in dieser Hinsicht die Radiumpräparate, die jahraus, jahrein ununter- 
brochen und ganz von selbst leuchten. Die zweite Art der lumineszenz- 
fähigen Körper strahlt für gewöhnlich kein Licht aus, kann aber diese 



— LXXXVIII — 

Eigenschaft auf verschiedenen Wegen gewinnen Häutig stellt sich das 
Leuchten ein, wenn die Körper zerdrückt oder zerstampft werden ; dies 
trifft z. B. beim Urannitrat zu , das beim Zerbrechen in grünlichem 
Lichte erstrahlt. Auch chemische Vorgänge können Leuchten bewirken, 
so die Oxydation des Phosphors ; das Leuchten von Bakterien und 
Käfern ist gleichfalls auf chemische Prozesse zurückzuführen. Wohl be- 
kannt sind die Lichterscheinungen, die sich bei der Einwirkung von 
Röntgen-, Kathoden- und Radiumstrahlen bemerkbar machen, etwa beim 
Baryumplatincyanür und bei der Sidot-Zinkblende! Neuerdings ist eine 
aus Mexiko stammende Blende, der Sphalerit, als ein sehr leuchtfähiges 
Mineral erkannt worden. Um ein Lumineszenzleuchten handelt es sich 
ferner bei der Phosphoi'eszenz und der Fluoreszenz ; beide Erscheinungen 
werden durch auffallende Lichtstrahlen wachgerufen , das ausgestrahlte 
Licht ist jedoch von anderer Farbe als das auffallende. Die sogen. 
Leuchtfarben sind chemische Präparate, die imstande sind, Sonnenlicht 
aufzuschlucken, es einige Zeit in veränderter Form zurückzuhalten und 
nachher andersfarbig, besonders leicht sichtbar bei Nacht, wieder aus- 
zustrahlen. Während die Phosphoreszenz oft noch stundenlang nach 
der Belichtung erkennbar ist, besteht die Fluoreszenz nur im Augen- 
blicke des Einwirkens des äußeren Lichtes und hört mit der Beseitigung 
desselben sofort auf. Ungefärbte Stoffe fluoreszieren in der Regel violett 
bis blau, gelbe oder rote Substanzen tun dies mit grüner bis gelber 
Farbe. Zwischen chemischer Zusammensetzung und Fluoreszenzvermögen 
der Stoffe haben sich bestimmte Gesetzmäßigkeiten ergeben, die mit dem 
Aufbau der Moleküle aus den Atomen innig verwachsen sind. 

Auch in der Hitze kann Lumineszenzleuchten bestehen. Als ein 
solches Leuchten sind z. B. die Färbungen zu deuten, welche Flammen 
beim Eintauchen von Metallsalzen annehmen und welche zum spektral- 
analytischen Nachweis der Metalle dienen. Desgleichen sind anzuführen 
die blauen Flammen des verbrennenden Kohlenoxyds und des verbrennen- 
den Schwefels, und ferner die rote Flamme des Cyans. Von praktischer 
Bedeutung ist das Verhalten des Quecksilberdampfes, der, wenn er von 
einem elektrischen Strom durchflössen wird, ein intensives, grelles Licht 
aussendet. 

Die chemischen Wirkungen des Lichtes sind sehr zahlreich, 
hängen aber in erster Linie von der Farbe des zu zersetzenden Körpers 
ab, da nur solche Strahlen wirksam sind, die vom Körper verschluckt 
oder absorbiert werden. Die Farbe ihrerseits steht in innigster Be- 
ziehung zur chemischen Zusammensetzung der Körper und in vielen 
Fällen vermag man die Gesetze , welche zwischen der Farbe der Stoffe 
und dem Bau ihrer Moleküle herrschen, zu überschauen. Das eigent- 
liche Feld der Lichtwirkungen liegt auf dem Gebiete der Photo chemie, 
deren wichtigster Zweig die Photographie ist. Die verschiedenen photo- 
graphischen Verfahren, ferner das Sensibilisieren der photographischen 
Platte, welches Aufnahmen auch von gelben und roten Bildern gestattet, 
des weiteren die zahlreichen Kopier- und Lichtpausverfahren und end- 
lich das Verblassen und Ausbleichen der Farbstoffe, dies alles gehört 
zur Photochemie. Um photochemische Vorgänge handelt es sich aber 



— LXXXIX — 

auch , wenn ein Gemenge von Wasserstoff und Chlor durch violettes 
Licht zur Explosion gebracht wird, oder wenn die Pflanzen in den 
Sonnenstrahlen aus der Luft Kohlensäure aufnehmen und zum Aufbau 
ihres Körpers verwenden. Im allgemeinen kann man sagen , dass es 
keine bevorzugten , chemisch besonders wirksame Strahlen gibt ; für 
jeden photochemischen Vorgang kommt eben nur dasjenige Licht als 
wirksam in Betracht, das absorbiert wird. 

Die vorgetragenen Tatsachen berechtigen zur Auffassung, daß es 
kaum eine zweite Naturerscheinung gibt, die in gleicher Weise wie das 
Licht so vielseitigen Charakter und so mannigfaltige Wirkungsfähigkeit 
besitzt und dabei so innig mit den inneren, fast unnahbaren Kräften 
unserer stofflichen Welt im Zusammenhange steht. (Kauffmann.) 

Sodann sprach Prof. Dr. J. F. Poinpeckj (Hohenheim) über eine 
durch vulkanische Tuffbreccie ausgefüllte Spalte im Urach- 
Kirchheimer Vulkan gebiet der schwäbischen Alb (s. unten 
S. 378). 



Am Donnerstag, den 31. Mai, beschlossen die Besucher der „wissen- 
schaftlichen Abende" die abgelaufene Sitzungsperiode durch einen Aus- 
flug nach Hohenheim, an dem sich auch diesmal wieder eine größere 
Anzahl von Damen beteiligte. Um 5 Uhr nachmittags versammelte man 
sich in dem schattigen Sommerauditorium des botanischen Gartens, wo 
Dr. Max Reihlen einen Vortrag über „Eine Eeise ans Nordkap" 
hielt, worin er seinen Zuhörern in einer Reihe von feinsinnig entworfenen 
Bildern die Eindrücke schilderte, die er auf einer Reise längs der nor- 
wegischen Küste bis zur Aussicht auf die Mitternachtssonne von der 
reizvollen Natur des Landes gewonnen hatte. Nach der sich an- 
schließenden Besichtigung des botanischen Gartens und anderer Instituts- 
einrichtungeu vereinigte man sich zu zwangloser Geselligkeit auf der 
Terrasse, bis ein Gewitter zum Rückzug ins Haus und bald darauf zur 
Rückkehr nach Stuttgart zwang. 



3. Oberschwäbischer Zweigverein für vaterländische Natur- 
kunde. 

Versammlung zu Ulm am 24. Mai 1905. 

Die Versammlung fand statt in Gemeinschaft mit dem Verein 
für Mathematik und Naturwissenschaften in Ulm a. D. Unter 
Führung von Dr. L e u b e wurde zunächst das Gewerbemuseum besichtigt, 
das durch seine reichen Schätze manchen der Besucher überraschte. 
Dann hielt der zweite Vorsitzende des mathem. Vereins, Dr. Krauß. 
einen Vortrag über das Wesen der Krebskrankheiten. 

Ausgehend von der Tatsache, daß diese Krankheiten eine Zu- 
nahme aufweisen, erklärte Redner zunächst, was Krebs sei und woher 
der Name rühre. Auf die Frage nach der Ursache der Krankheit ant- 



— xc - 

wortet der Mediziner Cohnheim, daß überschüssige embryonale Keime, 
versprengte Zellen, die Geschwulst hervorrufen. Diese Zellen können 
jahrelang unschädlich in den betreifenden Körperteilen sich befinden, 
bis sie sich endlich in schädlicher Weise geltend machen. Andere Ärzte 
sind der Ansicht, daß nur krebsartig entartete Zellen Wucherungen ver- 
ursachen. Als Ursache der krebsartigen Degeneration werden vielfach 
Parasiten angesehen; namentlich hält Medizinalrat Behla die Chy- 
tridiazeen, die in das Epithel eindringen sollen, für die Erzeuger der 
Krankheit, eine Annahme , der andere Forscher die Ansicht gegenüber- 
stellen, daß der Krebs durch Degenerationsprodukte des Protoplasmas 
erzeugt werde. Die Statistik gibt noch kein genaues Bild über die 
Häuiigkeit der Krebskrankheiten in Deutschland , doch zeigt schon die 
Tatsache, daß nächst der Tuberkulose die Krebskrankheiten die meisten 
Opfer fordern, wde gefährlich dieselben sind. Im allgemeinen sterben 
mehr Frauen als Männer am Krebs, dagegen ist der Verlauf beim Mann 
ein schnellerer. In Württemberg zeigt der Donaukreis die ungünstigsten 
Verhältnisse, da derselbe auf 100 000 Einwohner 28,7 Todesfälle an 
Krebs aufweist ; auch Stuttgart übersteigt den Landesdurchschnitt von 
22,3 um fast AO^Io. Bei Frauen treten die Erkrankungen an Krebs 
schon in jüngeren Jahren auf als bei Männern, zwischen dem 60. und 
70. Jahr aber sind die krebskranken Männer zahlreicher. Die Ver- 
erbung scheint beim Krebs keine große Rolle zu spielen, eine bedeu- 
tende dagegen die Ansteckung, denn ^/i der Kranken zieht sich durch 
solche das Leiden zu. Die wichtigste Frage, ob der Krebs heilbar 
sei , beantwortet Ptedner mit ja ; Heilung erfolgt aber nur durch früh- 
zeitige und radikale Operation, ehe die Krebszellen in die Lymph- 
wege eingedrungen sind. 

In der sich anschließenden Erörterung bemerkte Prof. Dr. Kl un- 
zin ger aus Stuttgart, daß Jikely aus Hermann Stadt behaupte, daß Un- 
vollkommenheit im Stoffwechsel die Zelle zur Teilung und Wucherung 
veranlasse , nicht Überernährung. Zum Schluß widmete noch Eektor 
Bruder aus Biberach dem verstorbenen Pfarrer Dr. Probst, einem 
der drei Gründer des oberschwäbischen Zweigvereins , einen ehrenden 
Nachruf. (Nach „Schwab. Merkur".) 



Exkursion nach Waldsee am 17. August 1905. 

Nach Anku-nft in Waldsee w^urde zuerst das Oberschwäbische Hart- 
steinwerk unter Führung der Besitzer besucht. Die eigens konstruierten, 
durchgehends sehr starken Maschinen zum Sortieren , Mischen und Pul- 
verisieren des Sandes und des Kalkes, die großen Kessel zum Dämpfen 
der Ware waren sämtlich im Betrieb zu sehen. Durch diesen neuen 
Industriezweig, der in Deutschland seit 25 Jahren eingeführt ist, finden 
die neben der Fabrik befindlichen mächtigen Lager von Kies und Sand 
lohnende Verwendung. Nach einem durch ein Gewitter abgekürzten 
Gang durch die Stadt, wobei die wertvollen alten Grabdenkmale der 
Truchsessen von Waldburg in der Stadtpfarrkirche, besichtigt wurden, 



— XCI — 

faud um 6 ülir die Eröffnung der gut besuchten Versammlung- durch 
den Vorsitzenden, Stadtschultheiß Müll er- Biberach, statt, der den an- 
wesenden Vorstand des Hauptvereius , Prof. Dr. A. Schmidt-Stuttgart, 
begrüßte und dem Oberschwäbischen Hartsteinwerk den Dank des Vereins 
aussprach. Baurat Dittus-Kißlegg machte nun Mitteilungen über die 
Entstehung der vielen Schotter und über die geogn ostischen Verhält- 
nisse in der Waldseer Gegend überhaupt, unter Vorzeigung von Karten- 
skizzen und Profilen. Hiernach sind die Schotter aus der nahen End- 
moräne des 3. Rheingletschers durch einen mächtigen Strom hierher 
befördert worden, der aus den Schmelzwassern des sich zurückziehenden 
Gletschers entstand und von der hochgelegenen nördlichen Endmoräne 
in der Eichtung nach dem Depressionsgebiet im Härdtle mit einem Ge- 
fäll von 60 — 70 m geflossen ist. Das Tertiär ist in der Nähe nur im 
Wolfeggtal, in der Höll und im Schussentobel als obere Süßwassermolasse 
anstehend. Im Anschluß an diese Mitteilungen wurden verschiedene 
Gesteinsarten aus den Waldseer Schottern vorgezeigt, insbesondere der 
nicht häutige Saussurit. — Im zweiten Vortrag schilderte Hartstein- 
fabrikant Mancher- Waldsee die Entstehung der Kiesindustrie bis 
zur jetzigen Entwicklung als Hartsteinwerk und gab dann einen Über- 
blick über die Geschichte der Stadt Waldsee, deren Name aus 
Walah (keltisch = fremd) abzuleiten ist, bis zur jetzigen Zeit. Die 
Stadt kam im Jahre 1806 an Württemberg. Nach weiteren Mittei- 
lungen und einer Begrüßungsrede des Vorstands des Hauptvereins, Prof.. 
Dr. Schmidt, wurde die Versammlung um S Uhr geschlossen. Eine 
hübsche Sammlung war von Lehrer Hakler (Moose und Flechten) und 
von Hofgärtner S c h u p p - Wolfegg (Phanerogaraen und seltene exotische 
Käfer) ausgestellt. (Dittus.) 



Versammlung zu Aulendorf am 3. Dezember 1905. 

Prof. Dr. C. B. Klmiziiiger sprach über die Kreuzotter. 
Ein Vortrag hierüber ^ dürfte an dieser Stelle, in Aulendorf, besonderes 
Interesse beanspruchen wegen des häufigen Vorkommens dieser Gift- 
schlange in Oberschwaben, wenn auch nichts wesentlich Neues ge- 
boten werden kann. Der Vortrag wurde erläutert durch ein reiches 
Demonstrationsmaterial aus der Sammlung der Technischen Hoch- 
schule : sämtlichen deutschen Schlangen in Weingeist, größeren Schädeln 
und Köpfen verschiedener Schlangen, einem Modell von Dr. Thilo in 
ßiga, die Aufrichtung der Giftzähne zeigend, endlich einer in einem 
enggitterigen Terrarium wohlverwahrten lebenden Kreuzotter , die dem 
Verfasser kürzlich aus dem Schwarzwald durch Lehrer Schaible in 
Christophstal bei Freudenstadt zugesandt wurde. 

^ Wichtigste Literatur: Fr. Koch, 1862, Die Schlangen Deutschlands; 
E. Schreiber. 1875, Herpetologia europaea; F. Lej'dig. 1884, Die einheimischen 
Schlangen in Abh. Senckenb. Gesellsch. ; J. Blum, 1890, Die Kreuzotter und ihre 
Verbreitung in Deutschland, ebenda; Mitchell und Reichert, 1886, ßesearches 
upon the venoms of poisünous serpents. in Sniithsonian contributions to Know- 
ledge; Linst GW. 1894, Die Gifttiere. 



— XCII - 

Allgemeiues: Die Kreuzotter ist eine Schlange (die Blindschleiche 
eine Eidechse) , und zwar eine r ö h r e n z ä h n i g e (solenoglyphe) Gift- 
schlange, zum Unterschied von den Furchenzähnern (Proteroglyphae), 
wozu die Brillen- und Korallenschlangen gehören. Von den ungiftigeu 
Schlangen (Aglyphodonten) mit soliden Zähnen linden sich in Deutsch- 
land nur 4 Arten : a) 2 das Wasser liebende, mit gekielten Schuppen : 
1. die Ringelnatter (Tropidonotus natrix) , 2. die Würfelnatter (Tr. 
tessellatiis) ; b) 2 glattschuppige Landnattern: 3. die Schlingnatter 
(Coronella laeois s. austriaca), 4. die Äskulapnatter (EJaphls ßavescens 
s. Aesculapii). Davon sind No. 2 und 4 ursprünglich südeuropäisch, 
nach Deutschland wanrscheinlich durch die Römer eingeführt und mit 
Vorliebe in der Nähe warmer Bäder sich aufhaltend, wie Schlangenbad, 
Ems, Kreuznach, und von da weiterdringend, aber mit sehr beschränktem 
Verbreitungsgebiet. 

Nach Schilderung des äußeren und inneren Baus der Schlangen 
überhaupt und ihrer Verrichtungen: Schuppen und Schilder mit 
Häutung (Schlangenhemd), Fortbewegung mittels der Rippen und Bauch- 
schienen (schlittschuhartiges Fortgleiten mit Anstemmen an Rauhigkeiten 
des Bodens), Aufrichten, Klettern, des Mechanismus beim Schlingakt, der 
Atmung, des Trinkens (Schlürfen^), des starren Blicks durch die uhr- 
glasartige Bedeckung des Auges mit einem durchsichtigen Augenlid, der 
tastenden Zunge (Züngeln), der Begattung mittels Doppelrute, der Ei- 
ablage bezw. des Lebendiggebärens (ovovivipar) und der Entwicklung 
mit Amnion (Aniniota) wurde im besonderen die Kreuzotter (Pelias 
berus) näher besprochen, so genannt wohl wegen des Zickzackstreifens 
dem Rücken (Kreuz) entlang, oder wegen einer x-förmigen Zeichnung 
(Andreaskreuz) oben am Kopfe. 

Merkmale der Gattung Felias mit der einzigen Art Berus sind : drei- 
eckiger, vorn gerundeter, flacher Kopf mit 3 größeren Schildern 
oben neben vielen kleineren und eine Schilder reihe zwischen Auge 
und Oberlippenschildern, nach Leydig auch eine eigentümliche Skulptur 
der Schuppen, welche gekielt sind und 21 Längsreihen bilden. Größe: 
meist 60 — 70, selten 80 cm, die kleinste deutsche Schlange. Schwanz 
kurz, scharf abgesetzt vom Rumpf. Ln Gegensatz dazu hat die Gattung 
Vipera, wozu die Schild- oder Juraviper (\\ aspls s. Eedü) , die noch 
im südlichen Baden vorkommt, gehört, oben am Kopf keine größeren 
Schilder, die Schnauze ist mehr oder weniger aufgeworfen und zwischen 
Auge und Oberlippenschildern liegen wenigstens 2 Schuppenreihen ; die 
Schildviper hat eine abgestutzte, scharfkantige Schnauze [ohne hornartige 
Aufstülpung wie bei der südeuropäischen Sandviper (V. ammodytes)] und 
ist auch etwas größer (meist 70 — 80 cm). Färbung verschieden, 
manchmal der Kreuzotter sehr ähnlich. 

Die Färbung der Kreuzotter ist sehr veränderlich; von Einfluß 
darauf ist außer dem Aufenthaltsort namentlich das Geschlecht. Auch 
scheint Farbenwechsel bei demselben Individuum vorzukommen durch 
die Tätigkeit der Chromatophoren (Leydig 1884): Dunklerwerden im 



Nach Rot he, Naturwiss. Wochenschr. 1905, S. 743. 



— XCIII — 

Affekt und in der Gefangenschaft. Die Grundfarbe ist bald hell und 
grau, wovon sich das schwarze Zickzackband längs des ganzen Rückens 
scharf abhebt, der Bauch ist dunkler, grau bis schwarz, meist mit gelb- 
lichen Flecken. Außerdem die oben erwähnte X-Zeichnung am Kopf 
und hinter dem Auge jederseits ein schwarzer Fleck, der sich in eine 
Fleckenreihe neben dem Zickzackband fortsetzt. Lkydig, 1884, erwähnt 
noch einen reifartigen Hautüberzug oder Puder. Dies die gewöhnliche 
Färbung, zumal der Männchen. 

Andere sind dunkler, mehr braun in der Grundfarbe, sogen. 
..Kupfernatter", so die meisten Weibchen. Diese dunkle Färbung 
geht sehr oft bis zu einem tiefen Schwarz, wobei selbst die Zickzack- 
binde sich nicht mehr abhebt und nur bei der Häutung oder Mazeration 
wieder sich zeigt. Auch diese schwarzen Exemplare, schon von 
LiNNfi als Vipern 2}i'ester bezeichnet, auch „Holle nuatter" genannt, in 
manchen Gegenden, z. B. auf der Alb, eher häufiger als die helle Form 
(nach Koch 8:2), sind meistens, aber durchaus nicht immer, Weibchen. 
Der Bauch ist bei solchen nicht selten milchweiß, var. sa/tha. 

Der Örtlichkeit nach herrscht die dunklere Farbe vor in Mooren, 
Rieden und feuchten Orten und im Hochgebirge (Klunzingek, 1903, 
s. Melanismus, in dies. Jahresh.). Die Färbung richtet sich also nach 
der Umgebung, als Schutz- oder sympathische Färbung, sie ist nicht, 
wie bei vielen giftigen Tieren, eine auffallende Trutzfärbung. 

Außer der Färbung sind noch mehrere andere äußere Geschlechts- 
unterschiede zu erkennen. Beim Männchen ist der Schwanz etwas 
länger, die Wurzel des Schwanzes dicker, wegen der hier versteckten 
Ruten, welche zuweilen hervortreten, wie beim Absterben, und dann ein 
sicheres Kennzeichen für das Männchen bilden. Auch ist der Kopf des 
Männchens dicker und der Augenrand springt mehr vor, was dem Ganzen 
ein drohendes Aussehen gibt. . 

Vorkommen und V e r b r e i t u n g. Die Kreuzotter ist in der 
nördlichen palä arktischen Zone weit verbreitet, von etwa 4.3° Breite 
im Süden bis 67" im Norden, also in ganz Mittel- und zum Teil Nord- 
Europa (nicht in Irland !) , nach Osten geht sie durch das gemäßigte 
Asien bis Sachalin. In Norditalien und Nordspanien findet sie sich 
noch , wird hier aber mehr und mehr durch die Schild- und Sandviper 
ersetzt. Auch ist sie die Schlange des Hochgebirgs , wo sie bis zu 
2000 m hinaufgeht. Sie wird daher, wie die Bergeidechse, die eine 
ähnliche Verbreitung hat, oft als Eiszeit relikt angesehen. 

In Deutschland findet sie sich, wie Blum durch Fragebogen er- 
mittelt hat , fast überall , mit Vorliebe in Gegenden mit Heiden und 
Mooren und in den feuchtkalten Mittelgebirgen; sie fehlt im allgemeinen 
aber nicht durchgängig, in wärmeren Gegenden mit Weinbau, so am 
Rhein, Main und unteren Neckar. In Württemberg^ ist ihr Haupt- 

^ Hierüber s. Finckh in diesen .Lihresheften 1883 und besonders Krimmel 
ebenda 1S88. auch v. König-Warthausen 1890, S. 175 (Vorkommen bei 
Hall), endlich Blum 1890, S. 235—240. Während Kraub 1883 in einer An- 
merkung bei Finckh das Vorkommen der Kreuzotter im württembergischen 
Unterlande in Zweifel zieht, auch noch Krim m e 1 1888 für das Gebiet des Muschel- 



— XCIV — 

vorkommen die Alb, Oberscliwaben und Scliwarzwakl ; sonst zeigt sie 
sich da und dort auch im Schur-, Welzheimer und Mainhardter Wald, 
am Stromberg- und in den Bergen bei Heilbronn. In manchen Jahren 
ist sie auffallend häufiger als in anderen, so war 1882 mit seinem 
regnerischen, kalten Sommer ein Kreuzotterjahr (Leydig, Finckh). In 
der Schweiz herrscht sie im Osten und Hochgebirge, in der West- 
schweiz wird sie von der Schild viper vertreten, die daher auch „Jura- 
viper" genannt wird; letztere geht bis Basel, wo der Rhein die Grenze 
bildet ^ ; einzelne Exemplare fanden sich aber auch noch im südlichen 
Baden, bei Thiengen. Das von Notheft 1886 behauptete Aus- 
schließungsverhältnis von Kreuzotter und Schlingnatter mag im 
allgemeinen insofern richtig sein, da beiderlei Schlangen andere Lebens- 
bedingungen beanspruchen (Blum) : die Schlingnatter braucht trockenes 
Klima und als Nahrung Eidechsen und Blindschleichen , die Kreuzotter 
feuchtkaltes Klima und als Nahrung hauptsächlich Mäuse. Indessen 
kommen beide vielfach an denselben Orten vor ; übrigens werden die 
beiden Arten vielfach miteinander verwechselt, da die Färbung ähnlich 
ist, nicht aber die Gestalt. 

Die Kreuzotter bevorzugt als Aufenthaltsorte solche, wo sie 
sich verstecken und doch auch sonnen kann , sie meidet daher 
dichten Wald und sonnenlose Schluchten, auch angebaute Äcker, und 
hält sich gern in Gestrüpp, Steinhaufen, in Garben, Heu und Reisig 
auf, von welchen sie häufig in Häuser verschleppt wird, insbesondere 
auch in Gerbereien durch Rinden. Manche solche (>rtlichkeiten sind 
geradezu berüchtigt. Die Bergeidechse hält sich an ähnlichen Orten 
auf und zeigt ungefähr dieselbe Verbreitung (s. o.). 

Lebensweise. Nach der katzenartigen . schmalen , senkrechten 



kalks und Keupers die Frage des Yoikommens für noch nicht ganz geklärt hält, 
linden sich in den Antworten auf die Fragebogen bei Blum 1890 schon einige 
bestimmtere Angaben, wonach die Kreuzotter wenigstens bei Heilbronn und im 
Welzheimer Wald vorkomme, ja sogar in der Nähe von Stuttgart nach Fr. Koch 
(letztere wohl aus der Gefangenschaft entkommen?). Für die Heilbronner 
Gegend kann ich außer den Angaben von Krimmel a. a. 0. nach brief- 
lichen und mündlichen Mitteilungen, besonders von Professor Böhringer 
daselbst, folgendes anführen : In der Obeirealschule in Heilbronn sind 2 Exemplare, 
die ich dort selbst eingesehen und als richtige Kreuzottern erkannt habe. Das 
eine ist das von Krimmel erwähnte Exemplar von Titot 1850, nach der 
Etikette im Bauhof gefangen, mit Holz aus dem Walde beim Jägerhaus ein- 
gebracht. Das andere ist ein Prachtexemplar von außerordentlicher Größe, etwa 
75—80 cm lang und sehr dick ; es wurde vor einigen Jahren in der Nähe des 
Jägerhauses von Kaufmann Erbe in Heilbronn im Beisein von Professor Strobel 
erlegt. Ein drittes, auch von Krim m e 1 erwähntes Exemplar belindet sich jetzt 
in der Realanstalt in Reutlingen. 1885 erlegte nach Mitteihmg von Böhringer 
der Gefängnisgeistliche Bürle beim Jägerhaus eine Otter und übergab sie 
Herrn Reallehrer Seybold, wo sie Böhringer sah. Auch nach Professor 
Ruoß sind Kreuzottern in den Bergen um Heilbronn, am Schweinsberg und 
Jägerhaus nicht eben selten. Das Vorkommen bei HeilbionU ist also sicher- 
gestellt; solche Funde gehiU-en in die Sammlung des Vereins f. vaterl. Natur- 
kunde, wo bisher keine Exemplare vom T'nterland sind, daher die Täuschung; 
in Schulsammlungen sind sie für die Wissenschaft verloren. 

' F. ]\[üller, Die Verbreitung der beiden Viperarten in der Schweiz. 
Katal. Mus. Basel, Nachtrag 1883. 



— xcv — 

oder schrägen Pupille sollte man auf ein Nachtleben schließen , die 
Kreuzotter ist aber mehr ein Tagtier (Blum, Koch), sie geht meist 
morgens und abends auf Raiib aus, bei Nacht nur bei großer Schwüle. 
Sie ist im ganzen furchtsam, verfolgt den Feind nicht, sondern lauert 
auf ihn im Versteck. Menschen und größere Haustiere werden nur bei 
unfreiwilliger Berührung gebissen. Im Spätjahr sucht sie ein Versteck 
auf zum Winterschlaf; die Temperatur daselbst darf aber nicht unter O" 
sinken ; man sieht sie hier öfters in größerer Anzahl beisammen , zu 
25 — 30 Stück, wohl zum Zweck gegenseitiger Erwärmung (wie bei den 
Bienen). Im Frühjahr bei Sonnenschein kommt sie oft frühzeitig heraus, 
selbst mitten im Schnee. 

Die Nahrung besteht hauptsächlich in Mäusen, auch Fröschen 
und Vögeln und Eidechsen. Wie alle Schlangen kann sie auf einmal 
viel Nahrung zu sich nehmen (3 — 4 Mäuse), dann aber auch lange 
hungern. Nach allgemeiner Annahme frißt sie in der Gefangen- 
schaft nichts, wenn sie auch in ihren Käfig einigesetzte lebende 
Tiere beißt und tötet. Nach anderen, wie dem gewiegten Schlangen- 
kenner Fr. Koch, kann man sie aber doch zum Fressen bringen, wenn 
man nur günstige Lebensbedingungen schafft : passendes Lager, Verstecke, 
Euhe, Trank, Sonne. Meine eingangs erwähnte Kreuzotter lebte über 
^/2 Jahr, seit vorigen Sommer, den Winter über in der Gefangenschaft, 
ohne gefressen zu haben , starb aber im Frühjahr. Man schlägt daher 
künstliche Ernährung vor, mit rohem, geschabtem Fleisch, mittels 
einer bis in den Magen reichenden Glasröhre beigebracht. 

Die Kreuzotter ist überhaupt sehr lebenszäh: das Herz schlägt 
noch lange nach dem Tode fort, der abgehauene Kopf züngelt, beißt 
und vergiftet noch. Sie erträgt arge Mißhandlungen; meine erwähnte 
Gefangene wurde mir durch die Post in einer Zigarrenschachtel zu- 
geschickt, den Hals in einem gespaltenen Holz fest eingeklemmt. 

Das Beißen geschieht mit den eigentümlich gebauten Giftzähnen 
(Gifthaken) , während die im Gaumen und Unterkiefer in einer Eeihe 
stehenden soliden, hakenförmigen Zähne zum Festhalten der Beute beim 
Schlingen dienen. Die Giftzähne sind kegelförmig, sehr spitzig und 
hakig gekrümmt, besitzen, wie alle Zähne, eine Pulpa, um welche 
herum Zahnbein und Schmelz sich bilden, und die bei trockenen Zähnen 
eine Höhlung darstellt. Außer dieser und vor ihr befindet sich aber noch 
bei diesen „Röhrenzähnen" eine zweite kanalartige Höhlung für 
den Giftsaft, welche nur am Grund und vor der Spitze des Zahns eine 
Öffnung besitzt; sie entsteht durch Einrollung oder Einstülpung des 
ursprünglich mehr zylindrischen Zahns, wobei auch die Pulpahöhle halb- 
mondförmige Gestalt erhält (demonstriert an einer Papierdüte); der 
Kanal schließt sich ganz bei den Röhrenzähnen, bleibt noch etwas offen 
bei den Furchenzähnen. Jederseits ist nur 1 fertiger Zahn, dahinter 
aber befinden sich eine Anzahl mehr oder weniger weicher, unfertiger 
Ersatzzähne. Diese Giftzäline sitzen an dem hier sehr kurzen Ober- 
kiefer (bei den Furchenzähnen, wo hinter ihnen noch einige gewöhnliche 
solide Zähne im Oberkiefer sitzen [daher : Proteroglyphen] , ist dieser 
länger) nicht eingekeilt, sondern durch Bindegewebe aufgewachsen. Man 



- XCVI - 

meint vielfach, die Giftzäline richten sich beim Beißen auf; aber kein 
Zahn überhaupt kann willkürlich durch Muskelkraft sich aufrichten; 
vielmehr ist es der Oberkiefer, der sich aufrichtet, und mit ihm 
die damit fest verbundenen, in der Ruhelage nach hinten gerichteten 
und in einer Schleimhautfalte versteckten Zähne. Die Aufrichtung des 
Oberkiefers geschieht durch eine Art mehrgliedriger Zugstange, ge- 
bildet durch das sehr bewegliche Quadrat- und Gaumenbein, ähnlich wie bei 
den Vögeln die Erhebung des Oberschnabels (erläutert durch das ein- 
gangs erwähnte Modell , sowie durch Vorzeigen größerer , ausländischer 
Giftschlangenschädel). 

Das Gift wird bereitet in der ansehnlichen Giftdrüse an der 
Schläfengegend, der Ohrspeicheldrüse anderer Tiere entsprechend, außer- 
dem aber findet sich noch eine Speicheldrüse an Ober- und Unterlippe, 
Jene ist bedeckt mit bindegewebigen Häuten (Faszien) und liegt zwischen 
den zwei Kaumuskeln : Masseter und Temporaiis , bei deren Zusammen- 
ziehung der Saft mit Kraft entleert wird und mittels eines Ausführungs- 
gangs in den Giftzahn durch die Öffnung am Grund desselben gelangt 
und durch die Öffnung von der Spitze in die Wunde. Die Giftdrüse reicht 
bei manchen Schlangen weit zurück in die Leibeshöhle; durch sie er- 
scheint der Kopf seitlich aufgetrieben und dreieckig. 

Durch den Biß entstehen 2 kleine Wunden, wie von Nadel- 
stichen, oder auch Risse, je nach der Größe der Kreuzotter 6 — 10 mm 
voneinander entfernt, mitunter auch bloß ein Stich, wenn bloß ein Zahn 
eingedrungen ist. Die Wunde ist 2 — 3 mm tief an ungeschützten 
Körperteilen , in durch Kleider oder Stiefel geschützte dringt der Biß 
nicht oder kaum ein. Das Beißen ist mehr ein Schlagen als Beißen; 
in der Wut geschieht das auch mehrere Male hintereinander. Dabei 
wird der gewöhnlich schon etwas erhobene Vorderkörper (Kopf und 
Hals) blitzschnell gegen die Beute vorgestoßen, der Biß erfolgt mit 
weit geöffnetem Rachen , worauf dieser sofort wieder geschlossen und 
der Kopf zurückgezogen wird; ein Sprung findet nicht statt, höchstens 
ein Nachschleichen nach der Beute, wenn diese nicht ruhig bleibt, meist 
aber wartet die Schlange die Wirkung ihres Bisses ab. 

Vielfach wird behauptet, Tiere, wie Vögel, bekommen durch das 
bloße Erblicken einer Schlange eine Schrecklähmung wie durch einen 
Zauber (Faszination) und können nicht mehr entfliehen. Dafür spricht 
eine Beobachtung, die ich vor Jahren in meinem Aquarium machte, wo 
ich einen Laubfrosch hielt und nun eine kleine Ringelnatter hinein- 
brachte. Kaum hatte der erstere die Schlange erblickt, machte er einen 
Satz ins Wasser, kam nicht mehr herauf und ertrank, wenigstens lag 
er den andern Tag tot am Boden des Aquariums. Wahrscheinlich ist 
aber, daß in den Fällen sogenannter Faszination die Lähmung erst nach 
dem Biß eintritt. Der Tod erfolgt bei kleineren Tieren, wie Mäusen, 
wenige Minuten nach dem Biß, noch rascher bei Vögeln, langsamer bei 
Kaltblütern, auch kommt es bei der Wirkung auf die Tiefe des Bisses 
und die Jahreszeit an. Bei größeren Tieren, wie Hunden, Schafen, ist 
der Biß selten tödlich, noch seltener bei größeren Haustieren, wie 
Rindern und Pferden, da die Menge des Giftes im Verhältnis zur 



— XCVII — ^ 

Körpergröße zu gering ist. Man rechnet (nach L. Hoffmann ^) 
7 mg Gift auf 1 kg Taube, 20 mg auf 1 kg Ratte, 5 cg für Kalt- 
blüter, wie Frösche. Daher sind auch beim Menschen wirkliche Todes- 
fälle durch unsere Kreuzotter selten, Kinder mehr gefährdet als Er- 
wachsene. Bisse sind aber häufig genug. Eine sichere Statistik darüber 
liegt nicht vor. Man rechnet für Deutschland jährlich 20 — 50 Bißfälle 
mit 5 — 10°/o Todesfällen (Linstow 1894). Anders in Indien, Wo 
jährlich 16 000 — 20 000 Todesfälle durch die dortigen großen Gift- 
schlangen, wie die Brillenschlange (Copra), vorkommen. 

Die Krankheitserscheinungen sind besonders und am öftesten: 
1. Blutunterlaufun gen, mit Anschwellung bis zur Unförmlichkeit, 
ausgehend von der Bißstelle und sicli zentripetal weiter verbreitend 
längs der Venen und Lj'niphgefäße, also eine gewöhnliche Blutzersetzung 
mit verminderter Gerinnbai'keit und Blutaustritt mit Ödem ; in höheren 
Graden selbst Zerstörung der Gewebe, Brand. 2. Nervöse Erscheinungen, 
hauptsächlich Lähm u n g , allgemeine Mattigkeit , Ohnmacht mit Er- 
brechen ; daneben meist heftiger Schmerz von der Bißstelle aus , aber 
nicht immer, öfter auch Krämpfe. 3. Verminderung der Herztätig- 
keit, mit schwachem Puls ohne Fieber. 4. Erschwertes Atmen. 
5. Bei chronischem Verlauf rheumatische Schmerzen, besonders au der 
gebissenen Stelle, dauernde Lähmung und jahrelanges Siechtum. Die 
Sektion ergibt Blutaustritt auch in die inneren Organe : Gehirn, 
Milz, Herz. 

Wichtig sind die Ergebnisse der eingehenden Untersuchungen der 
Amerikaner Mitchell und Reichert 1890 über das Gift der Klapper- 
schlange, das sie nach Befestigung des Kopfes mittels eines Leder- 
riemens auf einem Stock und Vorhalten einer Schale vor die Mundöftnung 
der gereizten Schlange in einer Menge von je 10 — 12 Tropfen rein er- 
hielten. Dasselbe ist wasserklar, speichelartig, enthält auch einige 
Epithelien und harmlose Bakterien und Mikrokokken, reagiert neutral, 
es gerinnt nach einiger Zeit, wird wie harter Gummi und wirkt, trocken 
oder in Glyzerin und Alkohol aufbewahrt, noch lange fort. Es besteht 
aus (in AVasser löslichen) Peptonen und (in Wasser unlöslichen) leicht 
in der Hitze gerinnenden Globulinen, die beide verschieden wirken, 
erstere mehr auf die respiratorischen Zentren und die Gewebe, welche 
sie nekrotisieren, letztere auf die vasomotorischen Zentren lähmend und 
die roten Blutkörperchen in der Weise verändernd, daß sie ihre bikon- 
kave Form ändern, sphärisch und weicht-r, kolloidartig werden und mit- 
einander verschmelzen. In Berührung mit einem gefäßreichen Gewebe 
verändert das Gift die Kapillargefäße so, daß ihre Wände dem nor- 
malen Blutdruck nicht widerstehen können und das Blut, das auch seine 
Gerinnbarkeit verliert und abnorm weiche, rote Blutkörper hat, in die 
Gewebe entweicht (bei Entzündung wandern hauptsächlich nur die weißen 
Blutkörper aus und das Serum gerinnt leicht). Dabei ist der Blut- 
druck von wesentlichem Einfluß ; bei Abhaltung desselben , z. B. durch 



^ L. Hoffmann 1892, Die Kreuzotternjagd (mit einigen Abbildungen) in 
„Über Land und Meer" Xo. 50. 



Jahreshefte d. Vereins f. vaterl. Naturkunde in Württ. 1906. 



' — XCVIII — 

Unterbindung, sind auch die Blutergüsse gering. Der Tod erfolgt 
durch Lähmung der respiratorischen Zentren , des Herzens und durch 
Blutergüsse in innere Organe , auch wohl durch die Unfähigkeit der 
roten Blutkörperchen, ihre Funktion als Sauerstoffträger zu erfüllen. 

V r b e u g u n g. Vermeiden berüchtigter Schlangenplätze , des 
Barfußgehens an solchen; zu empfehlen ist Tragen von Handschuhen 
beim Heuen, Holzraachen und Erdbeersuchen. Absuchen der verdächtigen 
Stellen , Belehrung in den Schulen, Prämien ^ auf gefangene Schlangen. 
Eine Immunisierung durch eine Art Impfung ist nicht ganz von der 
Hand zu weisen. Die ägyptischen Schlangengaukler lassen, nach von 
mir gehörter Erzählung von Eingeborenen, den, der sich für Geld gift- 
fest machen lassen will, von einer Schlange ganz leicht beißen, wahr- 
scheinlich so , daß man das meiste Gift vorher durch Einbeißen in ein 
Tuch u. dergl. sich hat entleeren lassen. 

Heilung. 1. Auswaschen und Ausdrücken, zur Verringerung der 
Giftmenge, ist das erste und wichtigste; der Gebrauch des Harns hierfür 
ist insofern empfehlenswert, als er stets zur Hand ist. 2. Ätzen, Aus- 
brennen oder Ausschneiden der Wunde. Dagegen ist Aussaugen nicht 
ganz ungefährlich, da die Mundschleimhäute Verletzungen haben können. 
Auch das Einbringen des Giftes in den Magen dabei kann gefährlich 
sein: nur der volle Magen ist fähig, durch seine Säure das Gift zu zer- 
stören, nicht aber der leere! 3. Abbinden des gebissenen Gliedes 
zwischen Wunde und Herz, zur Verzögerung des Eindringens des Giftes 
in den Kreislauf; bei starker Schwellung ist der Verband aber wieder 
abzunehmen wegen Gefahr des Brandes. 4. Alkoholische Getränke 
in großen Mengen , die auffallend gut vertragen werden , ohne zu be- 
rauschen: Wein, Rum, Äther (als Hofmannsche Tropfen), auch Kampfer, 
zur Betätigung der Herztätigkeit. 5. Behandlung der Wunde mit anti- 
septischen Mitteln, besonders übermangansaurem Kali 2*^/o, oder Karbol 
5 7o, Eisenchlorid, Jodtinktur, während Ammoniak sich nicht bewährt 
hat. Auch kann man übermangansaures Kali zu 1 "/o in die Umgebung 
der Wunde einspritzen 6. Symptomatische Behandlung: kalte Um- 
schläge und Klystiere, Opium, schweißtreibende Mittel. Die Hottentotten 
sollen getrocknete Giftschlangenköpfe als Gegenmittel gebrauchen, äußer- 
lich und innerlich, eine Art Isopathie (?). In Amerika gilt die baldrian- 
artig riechende Schlangenwurzel ( Piculix Serpentarlac) von Aristolochia 
Scrpentariae als Heilmittel, 

Feinde der Kreuzotter sind der Igel, Iltis, Schlangenadler {Gircaetus) 
und der Storch. Die Frage der Giftfestigkeit des Igels ist noch nicht 
gelöst; es stehen Beobachtung gegen Beobachtung. Er und die oben 
genannten Feinde mögen den Biß vermeiden durch geschicktes Packen 
der Schlange hinter dem Kopfe. 

Verwendung. Früher, in der alexandrinischen Zeit, zu dem sogen. 
„Theriak", einem aus 60 verschiedenen Stoffen zusammengesetzten 



' Dabei werden die Behörden leicht überlistet und getäuscht, z. B. dnrcli 
Einlieferung der glatten Natter oder, wie einst im Elsaß, nach Blum, durch Ein- 
sendung großer Mengen aus Frankreich, wo man weniger zahlte! 



— XCIX — 

Ulliversalheilmittel. Ferner das Adderöl: Giftschlangenköpfe in Wasser 
oder Öl in einer Flasche faulen gelassen. L a c h e s i s ist ein homöo- 
pathisches , viel gebrauchtes Mittel : das Gift von einer Grubenotter 
'L'yigonocephalus oder Lachesis. Endlich noch die Verwendung der Kreuz- 
otterhaut als Über/Aig von Stöcken. 

Fang. Wenig gebräuchlich ist der Fang mit einem Hamen und 
dann Übertragen des lebenden Tieres in einen Sack von Leder oder 
Leinwand, oder das Schießen. Gewöhnlich geschieht der Fang mit einem 
Stock oder einer Art Gabel und Auftreten mit dem gestiefelten Fuß 
hinter dem Kopf, dann Aufheben der Schlange am Schwanz und Hinein- 
kriechenlassen in einen Sack oder eine Schachtel oder eine Flasche mit 
konservierender Flüssigkeit (s. o. Hoffmann 1892). Die Schlange ist 
zu schwach , als daß sie sich mit dem Kopf heraufschwingen oder au 
sich selbst h'eraufklettern könnte. N\u- ist nötig, das Tier weit genug 
von sich weg zu halten. In schlangenreichen Gegenden bilden sich bald 
besondere Schlangenfänger aus, die auch mit dem Aufenthalt und 
den Gewohnheiten der Schlangen bekannt sind, oder es macht sich die 
Jugend ein Vergnügen aus dem Schlangenfang. In Württemberg ist 
seit alters her dafür berühmt die Familie Koch in Auingen OA. Münsingen, 
jetzt nach dem Tode des Vaters , des Lehrers Friedrich , dessen Sohn. 
Jener hat über 1000 Kreuzottern gefangen und verkauft, auch in einem 
Bucße (s. 0.) mit schönen Abbildungen unserer einheimischen Schlangen 
wichtige Angaben über seine Beobachtungen und Erfahrungen schon 1862 
gemacht. In Ägypten widmen sich gewisse Derwischorden diesem Fang und 
der Abrichtung , wie die Schlangengaukler (Psylli) der Alten , ebenso 
in Indien. (Klunzinger.) 



XXVII. Hauptversammlung zu Aulendorf am 2. Februar 1900. 

Nach vorausgegangener Ausschußsitzung wurde um 5V'2 Uhr nach- 
mittags die Hauptversammlung durch den Vorsitzenden , Fabrikant 
Fr. Krauß (Ravensburg) eröffnet, der nach Begrüßung der erschienenen 
Mitglieder und Gäste mit warmen Worten der im letzten Jahr ver- 
storbenen Mitglieder Kämmerer Dr. J. Probst, Mitbegründer und Ehren- 
mitglied des Zweigvereins , und Kaufmann Kuen (Kißlegg) , Landtags- 
abgeordneter, gedenkt, deren Andenken die Versammlung durch Erheben 
von den Sitzen ehrt. 

In dem nunmehr folgenden ersten Vortrag über ,,F ragen der 
Sonnenphysik" legte Geh. Hofrat Prof. Dr. Hchmitlt zunächst einige 
Abbildungen und Photogramme der letzten totalen Sonnenfinsternis vom 
30. August 1905 vor. Die ersten wurden in Burgos von Schülern eines 
Gymnasiums unter vorausbestimmter Arbeitsteilung gezeichnet, namentlich 
ist darauf die Korona mit den größeren Protuberanzen gut zu sehen^ 
während die auf photographischem Wege durch die Treptow Sternwarte 
ebenfalls in Spanien gewonnenen Bilder den vom unmittelbaren Anblick 
verschiedenen photographischen Eindruck wiedergeben, dabei die feinerea 
Schatten und Strahlen vermissen lassen. Nun zeigt der Redner den Gang 

g* 



- c - 

der matheiuatisclien Berechnuug- der Entfernung der Sonne von der Erde 
mittels Parallaxe. Früher benutzte man die Venus- und Merkurdurch- 
g-änge über die Sonnensclieibe , jetzt dienen die Asteroiden dazu, um 
unter Anwendung des dritten KEPLER'schen Gesetzes aus ihrer Ent- 
fernung diejenige der Sonne zu berechnen. Diese kleinen Himmelskörper 
eignen sich sehr gut zu genauer astronomischer Ortsbestimmung. Die 
Parallaxe wurde zu 8,8 Bogensekunden bestimmt, und die Sonnenent- 
fernung hiernach zu 149^2 Mill. Kilometer. Die Sonne, deren Durch- 
messer =: 108,56 Erddurchmesser ist, erfüllt einen Raum, wie er nicht 
einmal für die ganze Bewegung des Mondes um die Erde erfordert wird, 
denn der Durchmesser der Mondbahn beträgt nur 60 Erddurchmesser. 
Zum Unterschied von früheren, sehr hohen Annahmen für die Sonnen- 
temperatur nimmt man heute für die Photosphäre, das weißstrahlende 
Gebiet des Sonnenkörpers, das von der roten Chromosphäre überlagert 
erscheint, eine Temperatur von ö^'a bis 6 Tausend Grad an. Nach Ein- 
führung der Spektralanalyse durch Bunsex und Kiechhoff weiß man, 
daß die Chromosphäre viele der an der Erdoberfläche vorkommenden Stoffe 
oder Elemente gasförmig enthält. Während im Spektrum der Photo- 
sphäre geschwächte Farben als dunkle FEArx'HOFEE'sche Linien zu sehen 
sind, besteht das Spektrum der Chromosphäre nur aus hellen Fkaun- 
HOFEE'schen Linien. Die hohe Temperatur der Sonne macht es wahr- 
scheinlich, daß alle chemischen Elemente sich über der sogenannten 
kritischen Temperatur befinden, also Gase sind. Ähnlich wie auf der 
Erde die Lichtstrahlen durch die Atmosphäre gebrochen werden, so daß 
man z. B. ein in Bewegung befindliches Schiff vorher sieht, als es nach 
der Krümmung der Erdoberfläche erblickt werden sollte, ebenso werden 
die von der Sonne ausgehenden Lichtstrahlen durch die glühende Gas- 
hülle gebrochen, so daß die Sonne tatsächlich etwas kleiner ist als sie 
uns erscheint und der scharfe Rand der Sonnenscheibe nur eine "Wirkung 
der Strahlenbrechung, eine Art optischer Täuschung ist. Die Masse der 
Sonne ist einer fortgesetzten Vermehrung durch hereinstürzende Meteor- 
massen unterworfen, aber auch einer fortgesetzten Verminderung durch 
die abstoßende Wirkung der Sonnenstrahlen auf Körperchen von sehr 
kleinem Durchmesser. Die Sonne verbreitet um sich einen kosmischen 
Staub (Korona , Zodiakallicht). Auch die von der Sonne abgekehrten 
Schweife der Kometen werden aus solchem bestehen. Schließlich wurden 
noch verschiedene Anzeichen erwähnt , welche auf eine lichtbrechende 
Wirkung einer um die Sonne sich ausbreitenden, bis über die Erdbahn 
hinaus ausgedehnten interplanetarischen Atmosphäre hindeuten. 

In der folgenden Zwischenpause legte Rektor Bruder von Biberach 
neue gedruckte Kataloge des Oberschwäbischen Museums in Biberach, 
welches voraussichtlich im kommenden Herbste im neuen Lokale eröffnet 
wird, vor, und Stadtschultheiß Müll er- Biberach neueste Diagramme des 
dortigen automatischen Erdbebenmessers, wonach am L Februar leichte 
Erderschütternngen stattgehabt haben. 

Als zweiter Redner sprach Oberstudienrat Dr. Lampert über das 
Thema: „Wie der Mensch wohnt." Unter Vorzeigung einer großen 
Anzahl Photographien von Wohnungen niedrigsteUender Volksstämrae 



- CI — 

wurden die prähistorischen Wohnungen, wie ErdgTuben, Höhlen, Spalten 
und Pfahlbauten beschrieben, die auf das Schutzbedürfnis des Menschen 
zurückzuführen sind; sodann wurde die Entwicklung und Bauart der 
Wohnungen von auf niederer Kulturstufe stehenden Völkern , wie in 
Südindien, Ozeanien, bei den Buschmännern in Südafrika usw., geschildert, 
die Rund- und Zeltwohnungen niit oft großer Kunstfertigkeit oder aber 
eTiebelhütten errichten, aus denen schließlich unser Haus hervorgeht. In 
der Diskussion wurden von Dekan Wem er- Biberach Anfragen über Erd- 
höhlen im Illertal gestellt, während Prof. Klunzinger noch einige be- 
sondere Arten von Lehmbauten erwähnte, nämlich die sehr primitiven 
Wohnungen der oberägyptischen Bauern, die sich ihre formlose Be- 
liausung aus Xilschlamm und Häckerling selbst zusammenkueten ; als 
Decke dienen Palmstengel, Schilf, Strohmatten. Die besseren Häuser 
bestehen aus geformten viereckigen Ziegeln, die aber meist nicht gebrannt, 
sondern nur an der Luft getrockneter Lehm sind. Solche gebrauchten 
schon die alten Ägypter, selbst zu den Palästen, während die mächtigen 
Steinbauten fast durchaus Wohnungen für die Götter und Toten dar- 
stellen. Jene Lehmziegel rindet man noch massenhaft, jeden mit dem 
königlichen Stempel versehen. Solche Häuser sind nur in Gegenden 
möglich, wie in Oberägypten, wo es fast nie regnet. Wenn es aber 
einmal regnet, so gibt es bedenkliche Schäden, zumal da die Dächer flach 
sind ; der flüssige Schlamm dringt bald sickernd, bald stromweise durch 
die Decke in die Zimmer, wie Redner, der jahrelang in einem solchen 
Hause am Roten Meere lebte, es selbst erfahren durfte. 

Im weiteren Verlauf der Versammlung wurde von Geh. Hofrat 
Dr. Schmidt auf Grund der von einigen Mitgliedern gemachten Be- 
obachtungen die Vermutung ausgesprochen, daß das vor einigen Wichen 
in Württemberg gesehene Meteor in mehrere Stücke auseinandergegangen 
sei, und vom Vorsitzenden, Fabrikant Krauß, wurde mitgeteilt, daß von 
der Waldburg aus (772 m Meereshöhe) im vergangenen Sommer bei 
günstigen Wetterbedingungen der Montblanc in der Richtung der Blümlis- 
alp gesehen worden sei, w^orüber noch weitere Beobachtungen stattfinden 
w^erden. Zum Schluß gedachte Dekan Knapp (Ravensburg) in an- 
erkennenden Worten der Versuche des Grafen Zeppelin mit seinem 
lenkbaren Luftschiff. Wenn dieselben auch noch zu keinem greifbaren 
Resultat geführt haben, so sind sie doch für die Wissenschaft, namentlich 
die Meteorologie, von großer Bedeutung, und in Würdigung dieser Ver- 
dienste wurde von der Versammlung beschlossen , dem Grafen die An- 
erkennung des Vereins durch eine Adresse auszusprechen. 



4. Schwarzwälder Zweigverein für vaterländische Naturkunde. 

Versammlung zu S cli wenningen am 28. Mai 1905. 

Die Versammlung erfreute sich eines zahlreichen Besuchs aus der 
Stadt selbst und dem benachbarten Rottweil, sowie aus Spaichingen, 
Stuttgart und Tübingen, so daß der Physiksaal der neuen Realschule 



- CII — 

bis zum letzten Platz gefüllt war. Nach Begrüßung- der Versammlung 
durch den Vorstand Prof. Dr. Blochmann (Tübingen) eröffnete Prof. 
Dr. Hes.se (Tübingen) die Reihe der Vorträge, indem er über die „Eis- 
zeitrelikte in unserer Tierwelt" sprach. 

Zur Eiszeit, in der von Norden her eine zusammenhängende Eis- 
decke bis zur Rheinmündung , dem Harz und dem Erzgebirge reichte 
und die Alpengletscher weit ins Vorland drangen, bewohnte unsere 
Gegend eine eigenartige Tier- und Pflanzenwelt, von der wir noch zahl- 
reiche Reste fossil finden. Als später wieder wärmeres Klima eintrat, 
zog sich das Eis und mit ihm auch die kälteliebende Tier- und Pflanzen- 
Avelt mehr nach Norden und in die kältereu Gebirgshöhen zurück. So 
kommt es , dal5 wir noch heute mehrere Tierarten kennen , die einer- 
seits im kalten Norden, anderseits in den Hochgebirgen vorkommen, wie 
z. B. das Schneehuhn und der Schneehase, eine Erscheinung, die nur 
durch die Annahme erklärlich wird, äail diese beiden einst, in kälterer 
Zeit, das Zwischengebiet bewohnen konnten. Die wenigen jetzt noch 
in unseren Gegenden lebenden Tiere und Pflanzen , die wir als Reste 
der Eiszeit aufzufassen haben, nennt mau Eiszeitrelikte. Sie sind durch- 
weg kälteliebende Formen, die wir insbesondere in kühlen Gebirgsbächeu 
oder im kälteren Oberlauf unserer Flüsse antreffen. Zu den Eiszeit- 
relikten müssen wir unter den Fischen die Winterlaicher rechnen, also 
die lachsartigen Fische (Forelle , Felchen etc.) und den Süßwasser- 
bewohner unter den Schellfischen, die Triesche; beide Gruppen haben 
ihr Verbreitungszentrum im Norden. Nur so verstehen wir auch das 
zersprengte Vorkommen identischer oder nahe verwandter Feichenarten 
in den völlig getrennten Seen am Nordrand der Alpen. Unter den 
Würmern haben wir als Eiszeitrelikte zwei Strudelwürmer {PJanaria 
alpina und PohjceJis cornuta) zu betrachten. Pkinaria alpina ist in den 
Alpen überall verbreitet, bei uns aber nur in kälteren Bächen (Echatz- 
quelle. Uracher AVasserfall , Bach im Elysium bei Tübingen) ; sie wird 
allmählich immer mehr von der bei uns überall liäufigen Planaria gono- 
ceplmla verdrängt, die in unseren Flüssen und Bächen nach dem Ober- 
lauf vordringt. Schließlich sind als Eiszeitrelikte unserer Gewässer 
noch einige winzige niedere Krebstiere zu erwähnen {Diaptomm denti- 
cornis, Diaptomus Jaciniatus und Heterocope saliens) , die in den Alpen 
weit verbreitet, bei uns aber nur in kälteren Seen (Titisee) vorkommen. 
Auch der bei uns überall häutige C//clops sfremtits dürfte als Relikt der 
Eiszeit aufzufassen sein ; er findet sich nur im Winter , wo man unter 
der Eisdecke die Weibchen mit Eiern antrifft. Unter den Landbewohnei-n 
kennen wir nur wenige Eiszeitrelikte. Als solche sind vielleicht die 
Bergeidechse und die Kreuzotter anzusehen. Die beiden zukommende 
Eigenschaft des Lebendiggebärens ermöglichte ihnen zur Eiszeit den 
Aufenthalt in kälteren Gegenden. Die in den Boden abgelegten Eier 
unserer meisten Reptilien erhielten dort nicht genügend Wärme zu ihrer 
Entwicklung ; bei Lebendiggebärenden aber sonnt das trächtige AVeibchen 
seine Eier, indem es selbst die Sonne aufsucht. Zum Schluß sind noch 
einige Schnecken zu erwähnen , die sowohl nordisch als auch in den 
höheren Gebirgen Mitteleuropas vorkommen, nämlich J^upa aJpesfris, Pupa 



— cm — 

arcfica und Helb' ruderafa . welch letztere dadurch sehr interessant ist, 
daß sie im Neckar nur zwischen Eottenburg und Cannstatt gefunden 
wurde; vermutlich stammt sie aus dem Quellengebiet des Neckars und 
Redner schließt daher mit der Aufforderung, daß die Schwenninger 
Naturfreunde auf dieses interessante Tierchen ihr besonderes Augenmerk 
richten möchten. 

Hierauf folgte ein Vortrag von Dr. Plieninger (Tübingen) über 
„die fliegenden Reptilien der Jurazeit". Bei unseren jetzigen 
Flugtieren unterscheidet man Tiere mit Fallschirm und solche mit 
echten Flügeln. Während die ersteren nur zum langsamen Fallen in 
schiefer Ebene dienen, ermöglichen die Flügel das Erheben von der 
Erde. Zu den echten Flugtieren gehören jetzt die Vögel und die Fleder- 
mäuse. Zur Jurazeit belebte noch eine dritte Gruppe von Flugtieren 
unsere Heimat, nämlich die Flugechsen (Pterosaurier), die wir nach ihrem 
Bau zu den Reptilien rechnen müssen. Sie besaßen wie die Fleder- 
mäuse ansehnliche Flughäute, die durch einen enorm verlängerten Finger 
ausgespannt wurden. Ihre Haut war nackt. Der Schädel erinnert in 
mancher Hinsicht an den Vogelschädel. Die lang ausgezogene Schnauze 
war zum Teil mit spitzen Zähnen wie bei Reptilien bewehrt, zum Teil 
fehlen solche und dann waren die Kiefer wohl von einem Hornschnabel 
iiberkleidet , wie bei den Vögeln. Die Knochen dieser Flugechsen sind 
dünn und weil sie wie bei den Vögeln statt des Markes einen luft- 
erfüllten Hohlraum enthielten, sehr leicht. So hat man berechnet, daß 
das ganze Skelett eines in der nordamerikanischen Kreide gefundeneu 
Riesentieres aus dieser Gruppe, das etwa 6 m Fliigelspannweite hatte, 
nur etwa 2 — 3 kg schwer war. Die Größe der bei uns im Jura ge- 
fundenen Flugechsen schwankte zwischen der eines Spei^lings und der 
eines größeren Raubvogels (bis zu 2 m Spannweite). Die Tiere waren 
jedenfalls zum Teil ausgezeichnete Flieger, die sich weit auf das freie 
Meer hinauswagten. — Der Vortrag wurde durch zahlreiche Diapositive 
illustriert. 

Darauf sprach Prof. Dr. Blochinaiiii (Tübingen) über die „Gruben- 
wurmkrank heit". Diese Krankheit, die seit etwa 3 Jahrzehnten be- 
sonders in den Ziegeleien am Niederrhein und in den Bergwerken des 
Ruhrgebiets sich in besorgniserregender Weise ausgebreitet hat , ist 
schon seit langer Zeit aus dem Süden, speziell Ägypten, bekannt. Die 
Erscheinungen sind die einer schweren , langsamer oder auch rascher 
fortschreitenden Blutarmut, die schließlich zum Tode führen kann. Ver- 
anlaßt wird die Krankheit durch einen kleinen im Dünndarm lebenden 
Wurm aus der Gruppe der Fadenwürmer (zu denen von bekannteren 
Formen der Spulwurm und Madenwurm gehören), der den Namen Anliylo- 
stonia duodenale führt. Die Ansteckung geht folgendermaßen vor sich. 
Die von den Würmern massenhaft abgelegten Eier entwickeln sich bei 
einer Temperatur von mindestens 25*^ C. bei genügender Feuchtigkeit 
und Luftzutritt rasch zu kleinen Larven, die in feuchtem Boden usw. 
bis zu 7 ^Vlonaten lebendig bleiben können. Sie können durch die l)e- 
schmutzten Hände leicht in den Mund übertragen werden und von hier 
aus in den Darm gelangen. Viel wichtiger ist aber ein anderer Weg, 



- CIV — 

auf dem wohl der Hauptsache nach die Ansteckuug erfolgen wird. Prof. 
Loos in Kairo hat durch exakte Beobachtungen und Versuche sicher- 
gestellt, daß die Larven durch die Haut eindringen, durch die Blut- 
gefäße in das Herz und in die Lunge gelangen, von hier aus durch 
die Luftröhre in die Speiseröhre und so in den Darm einwandern. Aus 
der nun vollständig bekannten Entwicklungs- und Lebensgeschichte er- 
geben sich die zur Verhütung der Kränkelt notwendigen Maßregeln, 
auf die hier nicht weiter eingegangen werden kann. 

Hierauf sprach Dr. Maier (Tübingen) „Über Altersbestimmung 
bei Fischen". Daß man das Alter eines Fisches nicht direkt aus 
seiner Länge ersehen kann, liegt auf der Hand. Zur sicheren Be- 
stimmung des Alters wurde für den Karpfen und wenige andere Fische 
die Untersuchung der Schuppen vorgeschlagen. Man findet an ihnen 
regelmäßige Anwachsstreifeu , die an die Jahresringe der Bäume er- 
innern und nach denen man das Alter feststellen kann. Diese Methode 
eignet sich jedoch nur für w'enige Fische. Vor einigen Jahren wurde 
nun auf die Möglichkeit der Altersbestimmung der Scholle nach den 
sogen. Gehörsteinen (Otolithen) hingewiesen. Die im unteren Teile des 
Gehörorgaus der Fische liegenden Gehörsteine bestehen aus kohlen- 
saurem Kalk und zeigen eine regelmäßige Schichtung von weißen, un- 
durchsichtigen und von dunklen durchscheinenden Ringen (bei auf- 
fallendem Licht auf schwarzem Hintergrund). Durch Untersuchung von 
mehreren tausend Gehörsteinen konnte der Beweis erbracht werden, daß 
in jedem Jahr ein weißer und ein dunkler Ring angelegt wird. Wir 
haben es hier also mit Jahresringen zu tun, deren Zahl direkt das 
Alter des betreffenden Fisches angibt. Schließlich wurde noch erwähnt, 
daß in jüngster Zeit festgestellt wurde, daß man auch an verschiedenen 
Knochen bei den Fischen das Alter bestimmen kann , indem auch bei 
ihnen regelmäßige Jahresschichten gebildet werden. 

Nach Schluß der Verhandlungen vereinigte dann die Teilnehmer 
ein gemeinschaftliches Mittagessen im Gasthof zum „Adler" ; daran 
schloß sich, vom herrlichsten Wetter begünstigt, ein Spaziergang nach 
dem Neckarursprung, dem Torfmoor und dem Hölzlekönig unter Führung 
der Schwenninger Mitglieder. (Maier.) 



Versammlung zu Tübingen am 24. Dezember 1905. 

Nach der Begrüßung der aus Tübingen, den Nachbarstädten, be- 
sonders auch Stuttgart, zahlreich zu der im Hörsal des zoologischen 
Listituts abgehaltenen Versammlung eingetroffenen Mitglieder und Gäste 
durch den Vorsitzenden, Prof. Dr. Blochmann, eröffnete Universitäts- 
bibliothekar Dr. R. Gradinaim den wissenschaftlichen Teil durch einen 
Vortrag: „Über einige neuere Ergebnisse skandinavischer 
Forschung in ihrer Bedeutung für die Pflanzengeographie 
Mitteleuropas". 

Die frühere Vorstellung, daß in den Zeiten des germanischen 
Altertums der Boden Mitteleuropas mit zusammenhängendem, nur von 



— cv — 

kleinen Rodungstiächen durchbrochenem Urwald bedeckt gewesen sei, 
hat sich bei genauerer Prüfung als unhaltbar erwiesen. Die siedelungs- 
geschichtlichen und pflanzengeographischen Untersuchungen des Vor- 
tragenden haben vielmehr zu der Erkenntnis geführt, daß neben fast 
unbewohnten, großen, geschlossenen Waldgebieten in diluvialer Zeit auch 
schon reichlich besiedelte , offene Landschaften von ebenso bedeutendem 
Umfange bestanden haben, die zum großen Teil zusammenfallen mit den 
Gebieten, die durch das Vorkommen von äolischem Löß, fossilen Steppen- 
tieren und mehr oder weniger zahlreichen, an trockenen Hügeln, sonnigen 
Felsen und Steilhängen in meist südlicher Freilage wachsenden Steppen- 
ptianzen ausgezeichnet und demgemäß als ehemalige Steppenlandschaften 
anzusehen sind. In den letzten Jahren hat Ande. M. Haxsen unab- 
hängig von den Untersuchungen des Redners auf Grund anthropologischer 
und geologischer Forschungen ganz übereinstimmende Beziehungen zwischen 
ptlanzengeographischen und siedlungsgeschichtlichen Erscheinungen für 
Norwegen nachgewiesen ; er fand , daß in Norwegen die durch Namen 
mit der Endung — vin und — heim charakterisierten ältesten Siedlungen 
in auffallender Weise der Verbreitung einer bestimmten, von ihm 
Origcomm-F ormaüon genannten Pflanzengenossenschaft folgen. Die letztere, 
eine Gruppe von wärmeliebenden, xerophilen Pflanzen von vorwiegend 
südlicher Verbreitung, zu der u. a. OrUjanum vulgare, Libanoüs montana, 
Fragaria viridis, Calamintha acinos, FoJi/gonatiim ofßcinale, Lnthgriis niger, 
L. vernus, Avena pratensis gehören, steht mit den Steppengenossenschaften 
Mitteleuropas in innigster Verwandtschaft. 

Prüft man die Ursachen, durch welche die Verbreitung der Steppen- 
pflanzen in Mitteleuropa bedingt ist, so ergibt sich, daß die Eigen- 
schaften, durch welche sich die mitteleuropäischen Verbreitungsbezirke 
der Steppenpfianzen gegenüber den Lückengebieten auszeichnen, nämlich 
relativ kontinentales , niederschlagsarmes Klima und feinkörnige Böden, 
insbesondere Kalkböden , dieselben sind , die in den Steppenländern des 
Ostens als waldfeindliche und direkt oder indirekt steppenbegünstigende 
Eigenschaften bekannt sind. Es kann daraus geschlossen werden, daß 
zur Zeit der Einwanderung und Ausbreitung der Steppenflora ein 
trockeneres und auch wärmeres Klima geherrscht hat, als in der Gegen- 
wart, doch gewinnt man daraus keinen Anhalt zur Beantwortung der 
Frage nach dem inneren Zusammenhang, der zwischen der vorgeschicht- 
lichen Besiedelung Mitteleuropas und Skandinaviens und dem der Steppen- 
pflanzenformationen offenbar besteht. Als Antwort auf diese Frage bleibt 
zunächst — da die Zurückführung des Zusammenhangs auf die in vielen 
Fällen hervortretende natürliche Bodenfruchtbarkeit des Steppenlandes 
sich als nicht stichhaltig erweist — nur die Annahme übrig , daß die 
ältesten Ansiedler ebenso wie die Steppenpflanzen offene, waldfreie oder 
wenigstens nicht mit geshhlossenem Urwald bestandene Stellen auf- 
gesucht haben, wo ohne allzu mühsame Rodung ein Pflanzenbau mög- 
lich war und die Herdentiere in der natürlichen Bodenvegetation von 
Gräsern und Kräutern ihr Futter flnden konnten. Dies offene Siede- 
lungsgebiet muß aber damals eine größere Ausdehnung besessen haben, 
als das heutige Verbreitungsgebiet der Steppenpflanzen einschließlich 



— CVl - 

der Kulturflächen mit eheinaligem steppenartigem Pflanzenwnclis er- 
kennen läßt. 

Als Zeit, in der die geforderten klimatischen Verhältnisse in 
Mitteleuropa geherrscht haben, kann nur die Zeit nach dem Maximum 
der letzten Vergletscherung in Frage kommen , und zwar hat Redner 
früher die Ansicht vertreten , daß sie zusammenfalle mit der bis vor 
kurzem allein nachgewiesenen Steppenzeit, aus der uns die am Schweizers- 
bild und im Keßlerloch bei Schaöliausen zusammen mit Artefakten des 
paläolithischen Menschen gefundenen Reste von -Steppentieren erhalten 
sind. Neuere Untersuchungen haben jedoch gelehrt , daß die Klima- 
schwankung, der die Steppenfauna von Schaffhausen angehört, nicht die 
einzige ist, die seit dem Maximum der letzten Vergletscherung ein- 
getreten ist. Ja, auch für die postglaziale Zeit im engeren Sinn haben 
sich mehrfache Schwankungen zwischen kühlerem bezw. feuchterem und 
wärmerem bezw. trockenerem Klima nachweisen lassen. Insbesondere 
haben die Untersuchungen von Guxxak Andeksson über die Geschichte 
der Vegetation Schwedens ergeben, daß in Skandinavien auf die Dryas- 
Flora der Glazialzeit, meist zunächst durch die Birke vermittelt, die 
Kiefer und dann die Eiche als herrschender Waldbaum gefolgt ist, 
welch letztere erst sehr spät im Südwesten durch die Buche, im Norden 
durch die Fichte verdrängt wurde. Diese Entwicklung läßt auf eine 
stetige Erwärmung vom Ausgang der Glazialzeit bis zur Eichenperiode 
schließen, und zwar hat Andeesson aus dem Umstand, daß eine Reilie 
von Pflanzen , namentlich der Haselstrauch , die Eiche , Linde , Ulme, 
Schwarzerle, Wassernuß und andere ehemals eine weit größere, für die 
Haselnuß genau festgestellte Verbreitung nach Norden besessen haben, 
eine Erhöhung der Jahrestemperatur um 2^0., der Sommertemperatur 
um 2,4 " gegen heute berechnet. Anderseits hat Reckstad aus der 
früheren höheren Lage der Kieferngrenze und Schneelinie in Norwegen 
eine Temperaturabnahme von 1,9 — 2,2 " C. im Jahresmittel berechnet. 
In die Zeit des Beginns der nordischen Eichenperiode fällt aber, wie aus 
der Lage der ältesten Funde von Kulturgeräten zu schliessen ist, die Ein- 
wanderung des neolitliischen Menschen im südlichen Skandinavien , und 
die Möglichkeit derselben läßt sich am leichtesten durch die Annahme 
Haxsen's erklären , daß Hand in Hand mit der Wärmesteigerung eine 
größere Ausbreitung der steppenverwandten Origamoii-'FloYa auf Kosten 
des geschlossenen Urwalds habe gehen müssen, wodurch die Ausiedlung 
der primitiven Bevölkerung wesentlich erleichtert worden sei. Redner 
führt nun eine Reihe von Zeugnissen dafür an, die es wahrscheinlich 
machen, daß dieselbe klimatische Entwicklung, wie sie sich in Skandi- 
navien abgespielt hat, auch in Mitteleuropa stattgefunden hat, daß auch 
hier in postglazialer Zeit noch eine trocken-warme Periode 
geherrscht hat, die den zahlreichen pflanzlichen und tierischen 
Relikten von xerothermem Charakter endgültig ihre heutigen Plätze an- 
gewiesen hat. (Eine ausführliche Darstellung des Gegenstands gibt der 
Vortragende unter dem Titel „Beziehungen zwischen Pflanzengeographie 
und Siedlungsgeschichte'' in Hettxer's „Geographische Zeitschrift'" 
12. Jahrg. 190(3.) E. 



— CVII — 

In der Diskussion verbreitete sich Forstdirektor Graner über den 
Gegensatz von Waldklima und Steppenkliina. Geliölzg-ünstig sei ein 
Klima mit Regenfällen zu allen Jahreszeiten, wie solches in Mitteleuropa 
durch das Vorwalten der ozeanischen Luftströmungen bedingt sei. Doch 
seien auch vorübergehende Trockenzeiten nicht ausgeschlossen. So sei 
das Mittelmeergebiet mit Regenarmut im Sommer, aber reichlichen Nieder- 
schlägen im Winter, die Heimat der immergrünen Hartlaubgewächse, 
ßaumfeindlich dagegen seien längere , namentlich auch im Winter an- 
dauernde Trockenperioden, infolge deren der Transspirationsverlust nicht 
mehr gedeckt werde. Der baumfeindliche Charakter der südrussischen 
Steppe sei vorwiegend auf die den Winter über wehenden trockenen 
Kontinentalwinde zurückzuführen. Auch die Verkümmerung des Baum- 
wuchses in polarer Richtung wie im Hochgebirge sei ganz wesentlich 
als eine Vertrocknungserscheinung aufzufassen. Vielleicht könnte daran 
gedacht werden, den Steppencharakter der Diluvialzeit in ursächlichen 
Zusammenhang mit den damals vom Inlandeis her wehenden austrocknen- 
den Winden zu bringen, und es habe alsdann sehr langer Zeiträume 
bedurft, bis die Steppe vom Wald überwuchert worden sei. (Graner). 

Prof. Dr. Hesse machte sodann auf einige augestellte galvano- 
plastische Tiernachbildungen aufmerksam, die von Herrn Gast in Neapel 
nach frischen, narkotisierten Tieren ausgeführt und durch die Württem- 
bergische Metallwarenfabrik in Geislingen vervielfältigt wurden. Diese 
Abgüsse fanden dank ihrer vollendeten Naturtreue, die bis in die feinsten 
Details geht, allgemeine Bewunderung. 

Prof. Dr. V. Grütziier sprach über Farbenmischung. Nachdem 
in der Einleitung kurz die Natur des Lichtes und der (objektiv) ein- 
fachen spektralen Farben auseinandergesetzt war, die sich so, wie tiefe 
und hohe Töne durch verschieden schnelle Schwingungen der Luft- 
teilchen, ebenfalls durch verschieden schnelle, aber unendlich viel 
schnellere Schwingungen der Ätherteilchen voneinander unterscheiden, 
wurde das Wesen der subtr aktiven Farbenmischung besprochen. Am 
klarsten und einfachsten treten die Gesetzlichkeiten dieser Mischung 
hervor, wenn man zwei durchsichtige Glas- oder Gelatineplatten über- 
einanderlegt und durch sie hindurchschaut. Es ist klar, daß, wenn die 
Platten monochromatisch wären, wenn daher jede nur eine einzige Farbe 
durchließe, man dann durch beide gar nichts sehen könnte. Sie müßten 
übereinandergelegt , schwarz aussehen. Derartige Farben, namentlich 
rote und grüne, trifft man nicht selten. Da aber fast alle Farbstoffe 
nicht einfach, monochromatisch sind, gelbe Farbstoffe z. B. außer dem 
gelben Licht auch noch grünes, und blaue Farbstoffe außer dem blauen 
Licht ebenfalls noch grünes hindurchlassen, so gibt blaues über gelbes 
Glas gelegt, oder was ziemlich auf dasselbe hinauskommt, blaue Farbe 
mit gelber Farbe gemischt, grün, nämlich diejenige Farbe, welche eben 
durch beide Gläser hindurchtreten kann. Eine interessante Anwendung 
dieser subtraktiven Farbenmischung machen die neuerdings zu großer 
Vollkommenheit gelangten RoLLMANN'schen Farbenstereoskope, in denen 
zwei verschiedenfarbige, stereoskopische Bilder, die dicht nebeneinander- 
gedruckt sind, durch eine Brille mit entsprechend verschiedenfarbigen 



— cvm — 

GrLäsern betrachtet werdeu. Da man durch das eine z. B. rote Glas 
nur das grüne und durch das grüne nur das rote Bild sieht, so entsteht 
die zwingende Vorstellung des Körperhaften. Man sieht die beiden 
Bilder erhaben, als einen Körper, stereoskopisch. 

Während schließlich jede subtraktive Mischung eine Farbe liefert, 
die dunkler ist als jede der beiden Farben , aus denen sie gemischt 
wurde, so ist gerade das Umgekehrte der Fall bei der additiven 
Mischung. Die additive Mischfarbe ist stets heller als jede der beiden 
Farben, aus denen sie entstand. Additiv werden Farben dann gemischt, 
wenn sowohl die Farbe a als auch die Farbe b auf dieselbe Stelle 
unserer Netzhaut fällt, was natürlich himmelweit verschieden von der 
subtraktiven Mischung ist. Dasselbe Blau und dasselbe Gelb , welche 
subtraktiv gemischt grün geben, geben additiv gemischt gar keine Farbe. 
Es entsteht ein weißliches Grau. 

Zum Schluß werden die verschiedenen Möglichkeiten, Farben ad- 
ditiv zu mischen, wie Beleuchtung einer weißen Fläche durch zwei 
verschiedene Farben oder Mischung zweier Farben im Auge vermittelst 
des ScHEi^TER'schen Versuches oder durch Spiegelung (Methode von 
Lambert) oder durch schnelle Folge der Farben aufeinander (Farben- 
kreisel) , sowie auch die Mischung spektraler Farben durch eine große 
Reihe von Versuchen, größtenteils vermittelst des Projektionsapparates 
vorgeführt. Die Vereinigung aller spektralen Farben zu weiß (das 
experimentum crucis von Newton) , das Ausschalten gewisser Farben 
aus dem Spektrum und die Vereinigung des Eestes zu der komplemen- 
tären Farbe bot eine Reihe farbenprächtiger Bilder. 

Schließlich wurde noch mit wenigen Worten auf die Dreifarben- 
photographie und den Dreifarbendruck eingegangen, und gleichartige 
Stücke von gelben, roten und blauen Teilbildern, welche die bekannte 
Firma Käst & Ehingek in Stuttgart dem Vortragenden in liebens- 
würdigster Weise auf dünnes, durchsichtiges Papier gedruckt hatte, an 
die Wand projiziert, um die verschiedene Stellung der sonst nicht sicht- 
baren kleinen Rasterquadrate zu zeigen. (Grützner.) 

Dr. H. A. Krauß , Tübingen , brachte eine Zusammenstellung 
charakteristischer Vertreter der zur Familie der Mantiden (Gottes- 
anbeterinnen) gehörigen Zunft der Empusinen zur Demonstration und 
besprach die Eigentümlichkeiten dieser auf die östliche Halbkugel be- 
schränkten Insekten mit Hinblick auf die übrigen Mantiden : 

Die Empusinen sind besonders ausgezeichnet durch ein auf dem 
Kopfe angebrachtes Hörn, das beim c? meist schlank und spitz, beim $ 
verbreitert und an der Spitze ausgeschnitten ist, sodann durch die beim 
6 doppelt kammförmigen Antennen , deren einzelne Glieder entweder 
einseitig alternierend gezähnt (Idoloniorplta) oder aber beiderseits gezähnt 
sind. Außerdem besitzen die meisten Arten mit Lappen versehene 
Mittel- und Hinterschenkel sowie gelappte Bauchsegmente. Die Arten 
sind zumeist von großer Schlankheit und sehen zum Teil recht verhungert 
aus, sie können aber auch sehr in die Breite gehen wie ein Vergleich 
der auf Teneriffa lebenden überaus mageren II//psicor//pha mit dem aus 
Ost-Afrika stammenden Idolum zeigt, das in allen. seinen Teilen blatt- 



- CIX — 

artig breitgedrückt erscheint. Europa besitzt in den Mittelmeerländern 
nur drei Vertreter dieser Zunft (aus dem Genus Empiisa), die übrigen 
gehören Afrika und den wärmeren Ländern Asiens an. Mit ihren nahen 
Verwandten, den Blattiden, sind sie als die ältesten bekannten Insekten 
zu bezeichnen, wurde ja doch ein Vertreter der Zunft, die Lithomantis 
rarbonaria, schon in der Kohlenformation Englands aufgefunden. 

Sämtliche Mantiden besitzen die in der Ruhe eigentümlich erhobenen 
Vorderbeine , die x\nlaß zu Benennungen wie Gottesanbeterin , Mantis 
relic/iosa, preclteur. louvadios geben, mit denen aber ihre Natur sehr 
in Widerspruch steht. Es sind gefräßige Raubtiere, die mit ihren 
großen Augen auf freibeweglichem Kopfe nach allen Richtungen Um- 
schau halten können und sich von anderen Insekten , aber auch von 
kleinen Vögeln, Eidechsen und Fröschen nähren. Daß sie auch ihre 
eigenen Genossen auffressen, und daß namentlich das schwächere 6 
von dem viel kräftigeren 2 nach der Begattung aufgefressen wird, 
ist eine vielfach beobachtete Tatsache. Die Kraft, die sie in ihren 
Raubbeinen (Vorderbeinen) besitzen , ist sehr groß : angegriffen wehren 
sie sich mit denselben heftig und ritzen die Finger oft blutig. Meist 
von beträchtlicher Größe besitzen viele überaus abenteuerliche Formen 
und schöne Färbung , z.B. bunte Augenflecke auf den Unterflügeln. 
In Form und Farbe ahmen sie die Örtlichkeiten, auf denen sie leben, 
in bewunderungswürdiger "Weise nach, wodurch sie sich einerseits 
vor ihren Feinden schützen, anderseits ihre Beute unbemerkt über- 
fallen können. 

Ihre Eier werden in eigentümlichen , für die einzelnen Arten 
charakteristischen Haufen an Pflanzen , Steine etc. abgelegt und sind 
mit einer schlammartigen , nach dem Ablegen erhärtenden Masse als 
Schutzhülle umgeben. 

Sie sind Bewohner der wärmei'en Erdstriche und halten sich meist 
auf Pflanzen, insbesondere auf Buschwerk und Bäumen auf, wo sie be- 
hende klettern und von ihren Flügeln Gebrauch machen. Einzelne Arten 
leben aber auch auf gänzlich vegetationslosem Gelände, z. B, in der 
Sand- und Steinwüste und zeichnen sich durch große Schnelligkeit im 
Laufen aus, wobei sie das Flugvermögen- durch Verkümmerung der Flügel 
verloren haben. 

Nach dem neuen Katalog des British Museum sind gegenwärtig 
850 Arten, die sich auf 210 Genera und 8 Zünfte verteilen, bekannt. 
Nur 20 Arten leben in Europa, von denen Maniis religiosa früher auch 
in Deutschland bei Frankfurt a. M. und bei Freiburg i. Br. vorkam, 
nunmehr aber durch Kultur und vielleiclit auch klimatische Veränderungen 
ausgerottet ist. (Krauß.) 

Herr Prof. Dr. Koken legte einige Reste eines riesigen fossilen 
Fisches vor, nach dessen Kiemendeckel und Flossenstacheln auf ein 
Tier von mehreren Metern Länge zu schließen ist. — Herr Professor 
Dr. Blochmann erwähnte einen eigentümlichen Fall von Parasitismus. 
An seit einigen Jahren im zoologischen Institut gezücliteten Stabheu- 
schrecken (Bacülus L'ossii) zeigte sich, daß von den als Nahrung dienenden 
Rosenzweigen eine auf diesen vorkommende Schildlaus (Lecanlum rosanmi) 



- ex — 

auf die Stabheuschrecken wanderte und sich zunächst einmal für längere 
Zeit auf ihnen gehalten hat. 

Um 2 Uhr vereinigte die Teilnehmer ein gemeinsames Mittagessen 
im Gasthof zum „Lamm". 



Versammlung zu Reutlingen am 27. Mai 1906. 

Die gut besuchte Versammlung fand im Rathaussaale statt, der 
dank der Bemühungen des Reutlinger naturwissenschaftlichen Vereins 
von der Stadt und den bürgerlichen Kollegien in bereitwilligster Weise 
zur Verfügung gestellt worden war. 

Die Reihe der Vorträge eröffnete Herr Pfarrer Gußmann-Eningen, 
indem er über die weltberühmten ,Hamiten von Eningen" sprach, 
welche er an der Hand seiner mit Ausdauer und Eifer im Verlauf vieler 
Jahre selbstzusammen gesuchten Hanütensaminlung zugleich demon- 
strierte. Das Vorkommen der Hamiten ist auf eine relativ wenig 
mächtige Schicht des Braunen Jura beschränkt und diese Petrefakten 
werden bei Eningen hauptsächlich an zwei verschiedenen Stellen ge- 
funden, deren Schichten zwar miteinander übereinstimmen, aber infolge 
einer Verwerfung von ca. 60 m Höhe gegeneinander verschoben sind. 
Die Hamiten gehören zu den fossilen Ammoniten, unterscheiden sich aber 
von der gewöhnlichen Form der Ammonshörner dadurch, daß sie nicht 
eng spiralig aufgerollt sind, sondern eine mehr oder weniger stabförmig 
gerade oder gekrümmte Gestalt zeigen. Man kann hauptsächlich drei 
Forment3^pen von Hamiten unterscheiden: Hamites haculatus, H. hifar- 
catus und H. daveUatus, welche sich durch die verschieden starke Auf- 
rollung und die Zartheit des Baues unterscheiden. Die auffallende Ähn- 
lichkeit der Hamiten mit gewissen Ammoniten führte zu der Vermutung, 
daß man in den Hamiten vielleicht nur degenerierte Ammoniten zu 
suchen habe. Allein bei genauerer Betrachtung sind außer der Ver- 
schiedenheit der Aufrollung noch einige Unterschiede zu erkennen , so 
z. B. zwischen Hamites bifurcafus und Ammoniies hifurcatus in der Zart- 
heit und der Dickenzunahme der Kammern, in der Spaltung der Rippen, 
sowie in der Zahl der Stachelreihen. Über die wahre Natur der 
Hamiten , sowie über ihre Beziehungen zu bestimmten Ammonitenarten 
sind noch zahlreiche Fragen zu lösen , deren Beantwortung infolge des 
spärlichen Vorkommens dieser Petrefakten sehr erschwert erscheint. 

Herr Privatdozent Dr. Fittiiiff-Tübingen sprach über die „Pfropf- 
bastarde von Bronveaux". Die beiden Methoden der Vereinigung 
zweier Pflanzenarten miteinander zeigen wesentliche Verschiedenheiten. 
Während nämlich bei der Vermehrung durch den Sexualprozeß das 
Produkt der Verschmelzung eine intermediäre Stellung zwischen den 
beiden Elternformen einnimmt, so zeigen die Abkömmlinge zweier durch | 
Pfropfen vereinigten Pflanzenarten im allgemeinen keine intermediären 
Eigenschaften, sondern die unterhalb der Pfropfungsstelle entstehenden 
Zweige besitzen die Eigenschaften der Unterlage, die oberhalb ent- 
stehenden diejenigen des Pfropfreises. Vor einer Reihe von Jahren 



— CXI — 

wurde nun unter dem Namen C/jtisus Ädami eine eigenartige Zwischen- 
form zwischen unserem gewölinlichen Goldregen {Cytlsus Lahurnum) und 
dem rotblühenden Cytisus pHrpiireiis in den Handel gebracht. Dieser 
C. Adaml, welcher im ganzen Habitus unserem Goldregen gleicht, aber 
rote Blüten trägt , soll bei einer Pfropfung von C. purpureus auf 
C. Lahurnum an der Pfropfungsfläche entstanden und durch Ableger 
vermehrt worden sein. Dieser bisher als Unikum dastehende Fall, wo 
eine Mischung der Eigenschaften des Pfropfreises mit denjenigen der 
Unterlage beschrieben worden war, wurde jedoch stark angezweifelt, da 
es nicht ganz ausgeschlossen war, daß bei jener Pfropfung ein Auge 
eines Sexualbastards von C. pwpureus und C. Lahurnum verwendet 
worden war. Im Jahre 1899 wurde nun aus einem Garten in Bron- 
veaux bei Metz ein neuer derartiger ., Pfropfbastard" bekannt. Es 
sollen bei der Pfropfung eines Mispelzweiges auf einen Crataegus mono- 
f/i/na an der Pfropfungsstelle drei Zweige aufgetreten sein, ^ie alle drei 
intermediäre Eigenschaften zwischen Mispel und Crataegus zeigten, dabei 
aber untereinander selbst verschieden waren. Der erste Zweig glich 
mehr Crataegus (Dornen, gelappte Blätter, kleine in Gruppen vereinigte 
Blüten), war aber behaart wie die Mispel, sie wurde als forma Äsnieresi 
(oder „crataegoides^) bezeichnet. Der zweite Zweig zeigte mehr Ähn- 
lichkeit mit der Mispel (gauzrandige Blätter , filzige Behaarung) , aber 
besaß Dornen, er erhielt den Namen forma Bardari (oder „mespiloides"). 
Der dritte Zweig (forma Jouini) ähnelte zunächst Crataegus, wurde aber 
dann der forma Äsnieresi ähnlich. Diese drei verschiedenen Formen, 
von denen die beiden ersten durch Ableger vermehrt wurden , zeigten 
keine Übereinstimmung mit den durch Sexualität gewonnenen Bastarden 
von Mispel und Crataegus. Ihre Entstehung kann man sich vielleicht 
so erklären, daß bei der Pfropfung an den Schnittflächen der Unter- 
lage (Crataegus) und des Pfropfreises (Mispel) einige Zellen verletzt 
wurden, so daß an der Berührungsstelle beider Pflanzen der Zellinhalt 
einer Mispelzelle mit demjenigen einer Crataegus-ZeWe verschmelzen 
konnte. Ein derartiges Verschmelzungsprodukt konnte dann den Aus- 
gangspunkt für die erwähnten Pfropfbastarde bilden. Auch bei den 
Pfropfbastarden von Bronveaux ist jedoch die Möglichkeit, daß das auf- 
gepfropfte Mispelreis von einem Sexualbastarde zAvischen Mispel und 
Crataegus stammt, nicht ganz ausgeschlossen. Redner stellte die zur 
Demonstration vorgelegten lebenden Zweige von Ablegern der erwähnten 
Pfropfbastarde den Sammlungen des naturwissenschaftlichen Vereins in 
Eeutlingen zur Verfügung. 

Herr Prof. Dr. Hesse-Tübingen sprach über „Augen mit gleich- 
zeitigem Nahe- und Fernsehen". Ähnlich, wie der Photograph den 
Abstand der Linse von der Mattscheibe verändert, je nachdem er ein 
scharfes Bild von nahen oder entfernten Gegenständen erhalten will, 
zeigen sich auch im Auge vieler Tiere (Tintenfische, Fische, einige 
Amphibien , Schlangen) Vorrichtungen zur Veränderung des Abstandes 
der Linse von der Bild-perzipierenden Netzhaut. Eine derartige Vor- 
richtung zum Einstellen des Auges auf nahe und ferne Gegenstände 
nennen wir Akkommodation , die sich auch in anderer Weise (bei den 



— CXII — 

meisten Eeptilien, den Vögeln und Säugetieren) durch die Veränderung 
der Linsenkrümmung äuliern kann. Während nun in den erwähnten 
Fällen das Auge für das Nah- und Fernsehen in jedem einzelnen Falle 
eingestellt werden muß, gibt es bei niederen Tieren Augen, mit denen 
zu gleicher Zeit nahe und ferne Gegenstände wahrgenommen werden 
können. So finden sich z. B. im Stirnauge einer Schwirrfliege (HeJo- 
X)hüus) unter einer gemeinsamen Linse eine dicht der Linse anliegende 
Netzhaut für das Fernsehen und neben dieser eine von der Linse weiter 
entfernte Netzhaut für das Nahsehen. Im Stirnauge der Libellen (z. B. 
Agrlon) liegt nahe der Linse eine Fernnetzhaut und hinter dieser eine 
Nahnetzhaut. Bei marinen Schwimmschnecken (Pferofradiea) sind die 
Licht-perzipierenden Elemente derart angeordnet, daß sie senkrecht zur 
Linse verlaufende Säulen bilden ; die der Linse näher liegenden Elemente 
werden nun ferne, die weiter von der Linse entfernten Elemente da- 
gegen nahe Gegenstände wahrnehmen können. Im großen ganzen sind 
jedoch derartige Fälle von gleichzeitigem Nah- und Fernsehen mit dem- 
selben Auge relativ selten. 

Herr Prof. Dr. Blochmaun-Tübiugen berichtete über seine Unter- 
suchungen an den „Brachiopoden der deutschen Südpolar- 
expedition". Die Brachiopoden, welche mit einer einzigen Ausnahme 
im Meere leben, waren in früheren Erdperioden in großer Zahl weit 
verbreitet, wovon die gerade auch in Württemberg so häutig gefundenen 
fossilen Terebrateln der Trias- und Juraformation ein beredtes Zeugnis 
ablegen. In unseren jetzigen Meeren gehören die Brachiopoden dagegen zu 
den wenig verbreiteten Tierformen, sowohl hinsichtlich der Arten- als auch 
der Individuenzahl. Es war deshalb das verhältnismäßig reiche Material 
der deutschen Tiefsee-Expedition („Valdivia") und Südpolar-Expedition 
(„Gauß") mit Freude zu begrüßen. Besonders die von der letzteren 
Expedition erbeuteten Brachiopoden verdienen großes Interesse. Sie um- 
fassen ausschließlich neue Formen, deren Untersuchung neben einer 
Reihe von wichtigen Ergebnissen über die Morphologie, Biologie und 
Systematik vor allem auch zur Lösung einiger Fragen über die 
geographische Verbreitung der Tiere beitragen konnte , insbesondere 
auch hinsichtlich der Ursache des Vorkommens ähnlicher, teilweise 
sogar identischer Tierformen in den Regionen des Nord- und Südpols. — 

Um 2 Uhr vereinigte die Teilnehmer ein gemeinschaftliches Mittag- 
essen im „Schwanen'" , woran sich die Besichtigung der reichhaltigen 
Sammlungen des naturwissenschaftlichen Vereins in Reutlingen anschloß. 

(Nach „Tübinger Chronik".) 



III. Original-Abhandlungen und Mitteilungen. 



Alehimillen des schwäbischen Jura. 

Von F. Hegelmaier. 

Der folgende Aufsatz soll einen kleinen Ausschnitt aus einer 
umfassenderen Reihe floristischer, auf unser Vereinsgebiet bezüglicher 
Studien geben, welche von dem Verfasser im Laufe der Zeit gemacht 
worden sind. Der Gattung AlcJmnüla wurde hierbei erst in den 
letztverflossenen Jahren einige speziellere Aufmerksamkeit geschenkt, 
so daß die bezüglichen Beobachtungen einen verhältnismäßig be- 
schränkten Umfang erreicht haben ; daß gerade sie trotzdem gewählt 
wurde, um zum Gegenstand einer besonderen Mitteilung zu dienen, 
wird sich durch das mehrseitige Interesse rechtfertigen, das sich an 
sie seit neuerer Zeit knüpft, so daß sie in der Tat eine derjenigen 
ist, welche, soweit es sich um einheimische Blütenpflanzen handelt, 
besondere Beachtung beanspruchen. Es ist das Zusammentreffen 
verschiedener Eigentümlichkeiten, was die Alehimillen auszeichnet: 
einerseits die Reproduktion auf dem Weg der Parthenogenese, 
beziehungsweise Chalazogamie, deren Kenntnis durch die be- 
kannten Arbeiten Mürbeck's ^ begründet, von Strasbueger- durch 
umfassende Untersuchungen erweitert und vervollständigt worden 
ist; anderseits ihre Eigenschaft als polymorphe Gattung. Die 
sonst als Arten betrachteten Sippen der Gattung Älchimilla im 
engeren Sinne (Eualchimilla) , mindestens die europäischen und vorder- 
asiatischen, gliedern sich in eine größere Zahl von Elementararten, 
die, zum Teil nur durch kleine Merkmale unterscheidbar, gleichwohl 
mit wünschenswertester Schärfe charakterisiert und durch Kultur- 
beobachtung als befestigt erwiesen sind, eine Tatsache, die sich vor 
allem aus den sorgfältigen Arbeiten R. Büser's ergeben hat. Für 
die mehrfache Unterstützung, die von selten dieses Monographen für 

" Lunds Univ. Arsskr. 36, II, No. 7 u. 9 ; 38, IL No. 2. 
2 Jahrb. f. wiss. Bot. 41 (1904), S. 88—164. 

Jahreshefte d. Vereins f. vaterl. Naturkunde In Württ. 190C. 1 



die Identifizierung unserer Formen dem Verfasser mit größter Ge- 
fälligkeit geliehen worden ist, ist ihm der letztere zu bestem Dank 
verpflichtet. 

Wenn soeben die Reproduktion der Alchimillen als partheno- 
genetisch bezeichnet worden ist, so bedarf der Gebrauch dieses 
Ausdrucks, wie er zuerst von Murbeck für den Vorgang bei unseren 
Pflanzen angewendet worden ist, einer besonderen Rechtfertigung. 
Nachdem in der Samenknospenanlage, ähnlich wie bei etlichen 
andern Rosaceengattungen , die Mutterzellen von mehreren Keim- 
säcken sich differenziert haben, von denen sich sodann nur eine zur 
Fruchtbarkeit ausgebildet hat , entwickelt sich der Keim aus einer 
Eizelle, die ihren gewöhnlichen Sitz in dem Scheitel des Keimsacks 
hat, unter Wachstumserscheinungen, die gegenüber denen anderer 
Pflanzen nichts Besonderes zeigen. Aber die Mitwirkung eines 
Pollenschlauchs mit generativen Kernen wird von vornherein aus- 
geschlossen durch verschiedene Verhältnisse. Die reifen Samen- 
anlagen besitzen gar keine Mikropyle ; das einzige Integument ver- 
wächst an seiner Mündung vollständig, so daß keine Spur eines 
Zugangs übrig bleibt. Die Teilungen im Ei können ferner ihren 
Anfang nehmen, solange die Blüten überhaupt geschlossen sind. 
Endlich sind vor allem die Pollenzellen selbst in mehr oder weniger 
vollständigem Maße abortiv, je nach den Arten in verschiedenen 
Abstufungen. Bei manchen Arten, z. B. Ä. alpina, wird schon ein 
Teil der Mutterzellen des Pollens desorganisiert: das Innere der 
Staubbeutelfächer erweist sich frühzeitig mit einer in Zersetzung be- 
griffenen Masse gefüllt. Bei andern sterben die Pollenkörner selbst 
vor ihrer Reife ab, und diejenigen, die anscheinend normale Ent- 
wickelung erreichen \ erweisen sich bei Keimungsversuchen als nicht 
keimfähig; man findet auch auf den Narben keinen Pollen, es er- 
folgt weder durch den Wind noch durch Tiere Übertragung, und nie- 
mals findet sich ein Schlauch im Griffelkanal. Trotzdem bildet sich 
nicht bloß aus dem Ei ein Keim , sondern auch der Anfang eines 

' Solche finden sich immerhin bei einzelnen Formen, wie A. alpestris, in 
nicht ganz geringer Zahl. In einer Anzahl untersuchter, noch geschlossener oder 
eben in Öffnung begriffener Blüten dieser Art zeigten sich zwar von den 4 An- 
theren 1—3 vor der Zeit abgestorben, in den zur Reife gelangten, aber neben 
einer überwiegenden Zahl von klein gebliebenen und mit geschrumpften Proto- 
plasten versehenen, auch mehrere von anscheinend normaler Grüße und mit einem 
Inhalt von gesundem Aussehen. Bei einer hochalpinen Form. A. fissiniima. fand 
Strasburger (a. a. 0.) sogar '/a guter Pollenkörner , obwohl keine Befruch- 
tung stattfindet und Parthenogenese Platz greift. 



- 3 — 

Endosperms bis zu dem Zustand, der überhaupt bei andern Rosaceen 
erreicht wird. 

Es hat nun Strasburger, den Begriff der Parthenogenese schärfer 
fassend, und nach dem Vorgang von Juel ^ (für Antennaria alpina) 
und OvERTON (für Thalidriim purpttrascens) , seine Anwendung auf 
den Fall von Eualchimilla so gut als auf die analogen Vorgänge 
der Keimentwickelung verschiedener anderer Blütenpflanzen für un- 
zulässig erklärt und den entsprechenden Entwickelungsvorgang , ent- 
gegen dem früheren Sprachgebrauch, einfach als Apogamie charak- 
terisiert. Der Grund hierfür besteht darin, daß bei der Teilung der 
Keimsack-Mutterzellen, die den generativen Prozessen zukommende 
Reduktion der Chromosomen des Kerns unterbleibt; infolgedessen 
enthält der Keimsack und ebenso das Ei die Chromosomenzahl 
vegetativer Zellen. Das Ei ist in Wirklichkeit kein Ei, sondern eine 
Gewebezelle und von andern vegetativen Zellen, also auch denen 
des Nucellus, nicht wesentUch verschieden, so daß der ganze Vor- 
gang von jenem bei gewissen Pflanzen, bei welchen Adventivkeime 
aus Nucelluszellen hervorgehen, nur graduell differiert. Das er- 
wähnte Ausbleiben der heterotypischen Kernteilung und die Anwesen- 
heit der vegetativen Zahl von Chromosomen in den Kernspindeln 
war schon Murbeck bekannt; Strasburger zog aus seinen Unter- 
suchungen das Resultat, daß „augenscheinlich zwei Entwickelungs- 
tendenzen (die von generativem und die von vegetativem Charakter) 
zunächst gegeneinander ankämpfen, bis die vegetative Richtung den 
Sieg davonträgt" ; die Vorstadien der Kernteilung sind von der Art, 
als ob dieselbe in heterotypischer Weise erfolgen sollte. Die Zellen 
der Samenanlage, welche zu Keimsack-Mutterzellen werden, leiten 
zunächst, bis zum synaptischen Stadium, in ihren Kernen Vorgänge 
ein, die sonst zu einer generativen Teilung zu führen pflegen; „diese 
Zellen stoßen nun bei ihrer beabsichtigten heterotypischen Teilung 
auf Hindernisse , wodurch sich die Dauer der Synapsis über die 
Maßen ausdehnt; schließlich teilen sich aber diese harrenden Zellen 
doch, und zwar dann so rasch, daß man die größte Mühe hat, 
Teilungsbilder zu fixieren. Die Teilung ist nun aber eine typische 
und damit der ganze Vorgang ein solcher von vegetativer Art; die 
mit einer ' generativen Tendenz ausgestatteten Zellen büßen diese 
Neigung in der Folge ein." 

* Hierüber vergl. Bot. Zeitg. 1901. II, S, 131. Der Vorgang wird zwar 
als Parthenogenese bezeichnet, aber der Keim von A. alpind als ein von dem 
der Ä. dioica verschiedenes Wesen betrachtet. 

1* 



Ungeachtet der interessanten Feststellungen, welche zu der 
vorstehenden Auffassung geführt haben, möchte der Verfasser einst- 
weilen an dem früheren Sprachgebrauch festhalten. Jene Auffassung 
hat bisher noch nicht allseitige Zustimmung gefunden , und zwar 
aus verschiedenen Gründen. Nicht bloß deshalb, weil sonst — was 
ja nicht entscheidend sein kann — überhaupt zurzeit im Pflanzen- 
reich kein Beispiel von Parthenogenese übrig bleiben würde ^, sofern 
einige einschlägige Fälle in Rücksicht auf das Verhalten der Chromo- 
somen nicht näher untersucht sind, sondern auch aus andern mehr 
theoretischen Erwägungen ^ , welche in dem Ei mit somatischer 
Chromosomenzahl doch keine den gewöhnlichen vegetativen Zellen 
gleichwertige morphologische Einheit erblicken. Ob die vorgeschla- 
genen Unterschiedsbezeichnungen „Parthenogenese mit und ohne Re- 
duktion" oder „somatische und generative Parthenogenese" sich ein- 
bürgern, oder aber der von Strasburger proponierte Ausdruck 
„oogene Apogamie" sich behaupten wird, kann einstweilen ab- 
gewartet werden. Für den Verfasser ist noch ein weiterer, prinzipiell 
gegen die Anwendung des Wortes Apogamie für die in Rede 
stehenden Fälle gerichteter Grund maßgebend. Apogamie, d. h. 
Verlust der Befruchtungstätigkeit, ist seiner Ableitung nach offenbar 
nur ein Ausdruck von negativer Bedeutung und entspricht einem 
ganz allgemeinen Begriff. In diesem Sinn ist auch der Ausdruck 
von seinem Urheber , de Bäry , zweifellos gebraucht worden. Par- 
thenogenese und Apogamie können in keiner Weise als gegensätz- 
liche Prozesse angesehen werden , sondern erstere ist vielmehr ein 
Spezialfall der letzteren, ebensogut wie nucellare Adventivkeimbildung, 
absolute Sterilität und manche Vorgänge in der Entwickelungs- 
geschichte niederer Gewächse. 

Es würde weit von dem eigentlichen Gegenstand des vor- 
liegenden Aufsatzes abführen, wenn die wichtigen Ergebnisse der 
STRASBüRGER"schen Arbeit bezüglich der Verbreitung der Chalazo- 
gamie in der Gattung Älchiniilla ausführlich reproduziert werden 
möchten. Nachdem schon von Mürbeck für die der Untergattung 
Aphanes angehörige A. arvensis generative Fortpflanzung mit cha- 
lazogamer Befruchtung nachgewiesen worden war, wurde dasselbe 
Verhalten, und zwar mit Chromosomenreduktion, für verschiedene 

' H. Miehe, in dem Referat über die Abhandlung Strasburger's, 
Bot. Zeitg. 1905. II, S. 164. 

- H. Winkler, in seinem Aufsatz über Wikstroemia indica , Ber. d. 
deutschen bot. Gesellsch. XXII. (1904.) S. bll ff. 



hochalpine, also unserem Gebiet fremde EnalcJumüla- Arten auf- 
gefunden; nicht bloß für ^1. pentaphylla, für welche der Besitz 
von wohlgebildetem Pollen schon zuvor bekannt war, sondern auch 
für A. gelida, cßacialis, wohl auch die der a/|n'j?a-Gruppe angehorige 
Ä. grossidens — für welche über den Verlauf des Pollenschlauchs 
nichts bemerkt wird — , endlich selbst einzelne mutmaßlich hybride 
Formen, wie Ä. cuneata. Aber eine ganze Anzahl anderer alpiner 
Formen aus verschiedenen Gruppen und auch gewisse Hybride 
nehmen an der Verbildung des Pollens und der befruchtungslosen 
Keimentwickelung teil; obwohl daher offenbar die Bedingungen der 
hohen Standorte den geschlechtlichen Rückgang aufhielten, so konnten 
sie doch nicht alle Arten dieses geographischen Verhaltens vor diesem 
Piückschritt bewahren , und wenn man die Einzelangaben durch- 
mustert, so scheint sich dieses Resultat selbst für die Mehrzahl 
solcher Formen zu ergeben. 

Obwohl nun durchaus nicht alle polymorphen Gattungen, auch 
nicht einmal jene aus der Rosaceenfamilie (wie Iluhus und Rosa, 
bei welchen Sträsburger normales sexuelles Verhalten nachweisen 
konnte) parthenogenetisch geworden sind, so liegt doch offenbar die 
Vermutung nahe, daß der Rückgang der Sexualität mit dem Zerfall 
der Hauptsippen in Elementararten in ursächlichem Zusammenhang 
stehen möchte. Sträsburger erblickt die Ursache des letzteren Vor- 
gangs eben in einem starken Mutationsprozeß, der sich bei den 
Eualchimillen vollzogen hat, und zwar in der Weise, daß die durch 
die Mutation entstandenen Veränderungen notwendigerweise zu 
Kreuzungen zwischen den Mutationsprodukten führten, wodurch zwar 
zunächst die Fruchtbarkeit der Nachkommen nicht zu leiden brauchte, 
aber doch möglicherweise die Wirkung eintrat, daß beim Auftreten 
immer neuer Mutanten allmählich die anhaltenden Kreuzungen di& 
Verbildung des Pollens und die Störung in dem Bau des weibhchen 
Apparats veranlaßten und beim Ausbleiben sexueller Keimentwicke- 
lung der Zufluß besonderer Nährstoffe zu den jungen Samenanlagen 
die parthenogenetischen Vorgänge auslöste. Ohne daß an der Be- 
rechtigung dieser Auffassung gezweifelt werden soll , dürfte es aber 
doch nicht notwendig sein, diesen Umstand als die alleinige 
Ursache des so auffallenden Verhaltens gerade bei der vorliegenden 
Gattung in Anspruch zu nehmen. Es könnten hierbei noch andere 
Momente mitgewirkt haben, deren tieferer Grund freilich so wenig 
wie der der Mutationsvorgänge bekannt ist. Berücksichtigt man 
das Nebeneinandervorkommen von Chalazogamie und partheno- 



— 6 — 

genetischer Apogamie bei den verschiedenen Alchimillen und den 
Umstand, daß zweifellos Sexualität das ursprüngliche Verhalten war, 
so erscheint es doch als sehr wahrscheinlich, daß Chalazogamie als 
Zwischenzustand auftrat. Die Schwierigkeiten, mit welchen dieser 
Vorgang verbunden sein muß, konnten zu seinem Aufhören, mög- 
licherweise selbst zur Verkümmerung der Pollenbildung infolge Nicht- 
gebrauchs führen. Nun zeigen die bekannten Gattungen, bei welchen 
bis jetzt Chalazogamie oder Übergang zu diesem Verhalten gefunden 
worden ist, das Gemeinsame, daß bei ihnen beträchtliche Reduktion 
der Blütenteile stattgefunden hat. Diese Gattungen hängen phylo- 
genetisch nicht unmittelbar zusammen ; sie bilden offenbar keine ge- 
schlossene systematische Gruppe , sondern gehören verschiedenen 
weiteren Verwandtschaftskreisen an. Daß sich sowohl Chalazogamie 
als äußerer morphologischer Defekt bei ihnen eingestellt hat, kann 
nicht wohl bloßer Zufall sein , mag man nun an eine Korrelation 
oder an irgendwelchen andern Zusammenhang denken. Gerade die 
Alchimillen aber, deren phylogenetischer Abstand von jenen andern 
Gattungen wohl zweifellos ist, reihen sich hier als besonders lehr- 
reiches Glied an; sie sind neben einigen exotischen Gattungen wie 
Margyricarpus , Äcaena, über deren Befruchtungsvorgänge nichts 
bekannt ist, dasjenige Rosaceengeschlecht, dessen Blütenteile gegen- 
über den andern Gattungen dieses Verwandtschaftskreises die weit- 
gehendsten morphologischen Reduktionen erfahren haben, wie kaum 
näher ausgeführt zu werden braucht. Apetalie , Tetramerie der 
äußeren Blütencyklen, Oligomerie des Androeceum und Gynäceum 
kombinieren sich bei ihnen in bekannter Weise zu einem Gesamt- 
bild, das in dieser extremen Ausprägung bei den andern Gliedern 
der Familie ohne Beispiel ist. Ob der Formenreichtum der Alchi- 
millen sich auf dem Weg der Mutation herausgebildet hat, wird sich 
ebensowenig mit Sicherheit entscheiden lassen , wie die Frage , ob 
der tiefgehende Unterschied zwischen Mutations- und Variations- 
vorgängen besteht, den manche anzunehmen geneigt sind, um so 
mehr, als das Maß der Abänderung in dieser Beziehung kein Unter- 
scheidungsmerkmal abgeben kann. Gerade bei den Alchimillen 
müßten die Abänderungsschritte der Mutanten öfters recht klein 
ausgefallen sein. 

Daß aber auch manche Formen unserer Gattung auf dem Weg 
der Bastardierung entstanden seien , wird ja gewiß mit Grund an- 
genommen ; und zwar können als Stammsippen solcher Formen nicht 
bloß solche Arten funktioniert haben, welche sich in geschlechtlicher 



Potenz erhalten liaben , wie A. pentaphyUa, sondern auch solche, 
bei denen diese Eigenschaft jetzt erloschen ist. Daß schließlich bei 
den auf irgendwelche Art entstandenen, zurzeit existierenden Ele- 
mentararten die ungeschlechtliche Vermehrung als mächtiger Faktor 
der jetzigen Formbeständigkeit eingreifen dürfte, ist schon von 
MüRBECK mit Recht betont worden. 

Es ist, ganz allgemein betrachtet, ausgeschlossen anzunehmen, 
daß etwa die gemeinschaftliche Stammform der parthenogenetisch 
gewordenen Alchimillen diese Eigenschaft erworben und dann erst 
in die Mehrzahl von Arten sich gespalten habe. Vielmehr ist an- 
zunehmen , daß die schon differenzierten Formen einen überein- 
stimmenden Entwickelungsgang zur Chalazogamie und endlich par- 
thenogenetischen Apogamie eingeschlagen haben aus sogenannten 
inneren Ursachen, von denen einige als möglich angedeutet worden 
sind, und die ihrerseits in unbekannten, diesen Gewächsen inwohnen- 
den Eigenschaften der Entwickelungsrichtung begründet sein müssen. 
Dieser Ansicht ist offenbar auch Mürbeck, der annahm, daß die 
Parthenogenese der Alchimillen eine Eigenschaft von — verhältnis- 
mäßig — nicht sehr altem Datum sein könnte, und sogar, daß die 
verschiedenen Arten diese Eigenschaft nicht gleichzeitig erworben 
haben dürften, je nach dem Grad der Sterilität ihres Pollens, so 
daß man sich dieselbe z. B. bei A. alpina als relativ früher ent- 
standen zu denken hätte. 

Wenn die Alchimillen sich heutzutage, so weit sich urteilen läßt, 
als ein Komplex von relativ gut fixierten Formen darstellen, so bilden 
sie in dieser Hinsicht ein Gegenstück zu den Hieracien, bei welchen 
ebenfalls die Eigenschaften der Polymorphie und Parthenogenese zu- 
sammentreffen , allerdings ohne daß bei ihnen etwas von dem Vor- 
handensein chalazogamer Formen bekannt ist. Daß diese letztere 
Gattung sich in einem verhältnismäßig lebhaften Zustand von 
Umbildung ihrer Formen noch befindet, wird nicht bloß aus dem 
morphologisch fluktuierenden Verhalten ihrer Vertreter wahrschein- 
lich, sondern auch aus der Vergleichung der auf ihr geschlechtliches 
Benehmen bezüglichen Erfahrungen und Angaben, die auf einen ge- 
wissen Grad von Regellosigkeit der Reproduktionsvorgänge hinweisen, 
so daß für diese Gewächse die Möglichkeit vorliegt, daß auch das 
sexuelle Verhalten zurzeit nicht dasjenige relative Maß von Abschluß 
erreicht hat, welches bei den Alchimillen besteht. 

Der Artenbestand an Alchimillen in unserem schwäbischen 
Juragebiet ist ein beschränkter, wie sich von vornherein bei der 



geringen absoluten Erhebung dieses Berglands erwarten läßt; denn 
die Gattung entfaltet innerhalb Mitteleuropas ihren Formenreichtum 
bekanntlich in subalpinen und alpinen Höhen. Manche Formen 
kehren im höheren Norden wieder — oder haben sich vielmehr in 
der ursprünglichen, offenbar in höheren Breiten zu suchenden Heimat 
der Gattung unverändert erhalten — ; während andere in etwas süd- 
lichere Hochgebirge vorgedrungen sind und hier zum Teil neue eigen- 
tümliche Umbildungen erfahren haben. Die Frage, in welcher Form 
wir uns die ümprägungen zu denken haben, welche die Gattung im 
Laufe der Erdperioden erfahren haben muß, dürfte, zumal bei Mit- 
berücksichtigung der außereuropäischen (amerikanischen und afrika- 
nischen) Repräsentanten, eine Reihe nicht zu lösender Probleme auf- 
rollen. Es fehlt also unsern Bergen nicht bloß der viel beträcht- 
lichere Formenreichtum des Schweizer Jura, sondern es gehen ihnen 
auch einige charakteristische Sippen überhaupt ab, die sich in 
den höheren deutschen Mittelgebirgen (Sudeten, Schwarzwald und 
Vogesen) erhalten haben ; die Gruppe der Alpinae , sowie die der 
Ä. glaberrima sind bei uns unvertreten. 

Das Material, auf welches sich die nachfolgenden Angaben be- 
ziehen , stammt ausschließlich aus eigenen Beobachtungen ; fremde 
Notizen oder Aufsammlungen sind absichtlich nicht benutzt worden. 
Und zwar erstrecken sich jene eigenen allerdings nicht über die 
ganze Ausdehnung des schwäbischen Jura, sondern nur über seine 
Südwesthälfte vom Dreifaltigkeitsberg bis zum Einschnitt des Erms- 
tals; aber da diese Hälfte die beträchtlicheren Erhebungen reprä- 
sentiert, wird sie ohne größeren Fehler für den ganzen Formenbestand 
als maßgebend angesehen werden können; es ist kaum wahrschein- 
lich, daß weiter nach Nordosten noch andere Arten auftreten, ob- 
wohl gerade von dem Endpunkt des Beobachtungsgebiets (Urach, 
die spezielle Lokalität nicht mehr erinnerlich) eine Art, A. sub- 
crenata Bus., vorliegt, die aus dem Rest desselben, vielleicht 
nur zufällig dem Verfasser nicht bekannt ist und daher hier nicht 
weiter berücksichtigt werden soll. Von den andern Arten sollen die 
wenigen, die auch in unserem Hügelland auftreten, der Vollständig- 
keit wegen eingeklammert mit aufgeführt werden. Der dies- 
seitige Teil des Schwarzwalds ist jedenfalls forraenärmer als unser 
Jura; doch fehlt ihm unter andern wenigstens die vielverbreitete 
A. alpestris nicht. 

Die Alchimillen unseres Gebiets lassen sich nun in folgender 
Weise gruppieren, wobei nicht unerwähnt bleiben darf, daß die 



Gruppen II und III enger untereinander zusammenhängen , als der 
Inbegriff beider mit der Gruppe I. 

I. Pubescentes. 

1. Ä. pubescens Lam. 

II. Vulgares. 

2. (^1. pastoralis Bus. [vulgaris s. str.]). 

3. Ä. strigulosa Bus. 

4. {A. pratensis Schmidt). 

5. A. ßlicaulis Bus. 

6. (A. acutangula Bus.). 

7. A. micans Bus. 

III. Alpestres. 

8. A. alpestris Schmidt. 

9. A. connivens Bus. [montana Schmidt p. p.). 

Daß diese Formen sich in einem hohen Grad von Beständig- 
keit erhalten , dafür spricht unter anderem die Tatsache , daß die 
Mehrzahl von ihnen {A. strigulosa, ßicaulis , micans, alpestris, 
connivens) bei Erhaltung der wesentlichen Merkmale eine nicht un- 
erhebliche Variationsbreite aufweisen, die sich in Ausbildung habituell 
beträchtlich verschiedener Sonnen- und Schattenformen äußert; 
letzteren begegnet man namentlich an solchen Stellen, wo die 
Pflanzen, die im allgemeinen eher xerophytisch angepaßt sind, von 
den ursprünglich freien Standorten , welche sie besessen zu haben 
scheinen, unter dem Einfluß von Aufforstungen, namentlich mit 
Fichten, in feuchtere Lagen versetzt oder in solche verschleppt 
worden sind. 

Beobachtet man das Vorkommen der Alchimillen in- unsern 
Bergen, so ist eine der auffallendsten Wahrnehmungen die, daß die 
Arten meist in Gesellschaften auftreten ; in der Regel hält nicht 
eine einzelne Form einen speziellen Standort besetzt , sondern es 
stehen ihrer einige in verschiedener Kombination und Individuenzahl 
beisammen. Man kann unter Umständen ziemlich weit herumstreifen, 
ohne auf eins dieser zierlichen Gewächse zu stoßen ; begegnet man 
aber einem solchen, so besteht gewöhnlich die Aussicht, solche von 
verschiedenen Arten beisammen zu treffen. Beispiele für dergleichen 
lokale Vergesellschaftungen lassen sich zweifellos auch für andere 
Gattungen beibringen ; aber wohl bei keiner, soweit die persönlichen 
Erfahrungen des Verfassers reichen, in so auffallendem Maß, wie für 



— 10 - 

die Alchimillen ; es kommt vor, daß auf einem Raum von wenigen 
Quadratmetern 4 — 5 Arten (und zwar zum Teil solche, welche mög- 
lichst weiten morphologischen Abstand zeigen , wie Ä. ptibescens, 
connivens) angesiedelt sind, ohne sich gegenseitig im Kampf um die 
örtlichen Existenzbedingungen zu beengen. Ähnliche Verhältnisse 
scheinen übrigens , floristischen Berichten nach zu schließen , auch 
anderweitig, z. B. im Schweizer Jura, zu bestehen, und der Verfasser 
selbst hat an geeigneten Stellen des Alpengebiets, speziell der an 
Individuenzahl ziemlich reichen Algäuer Berge, entsprechende Be- 
obachtungen machen können. 

Für diejenigen Leser, welche mit der Topographie unseres Jura- 
abschnittes bekannt sind, mag die nachfolgende Zusammenstellung 
ein angemessenes Bild von den vorkommenden Artengenossenschaften 
liefern. Es sei hierbei ausdrücklich bemerkt, daß nicht bloß die 
Auswahl der Lokalitäten selbstverständlich nicht entfernt Vollständig- 
keit beanspruchen soll, sondern auch die Angaben über die für die 
einzelnen Punkte aufgeführten Bestände von gesellig vereinigten 
Arten da oder dort noch der Erweiterung fähig sein würden. 

Dreifaltigkeitsberg, Hochfläche, Waldwiese, ca. 980 m: 

Ä. (pastoralis), micans. 
Zwischen Dreifaltigkeitsberg und Gosheim, Hochfläche, 
Bergwiese : 

Ä. (pastoralis), strigidosa f. unibrosa, micans. 
Lemberg, Bergwald der Nordseite, ca. 800 m: 
A. {pratensis), ßlicanlis f. umhrosa {acutangula), micans. 
Plettenberg, Hochfläche, ca. 990 m: 
Ä. puhescens, {pastoralis), strigidosa, ßlicanlis, connivens. 
Schafberg, südlicher Arm, ca. 960 m: 

A. strigulosa, filicaulis, alpestris, connivens. 
Schafberg, nördlicher Arm, ca. 960 m: 

A. puhescens, strigidosa, filicaulis, alpestris. 
Lochen, Felsscheitel: 

A. puhescens, strigulosa. 
Ehingen, felsiger Abhang über dem Ort, ca. 870 m: 

A. puhescens, {pastoralis), alpestris, connivens. 
Ehingen, Kühbuchen, Waldwiese, ca. 890 m: 

A. puhescens, {pastoralis), alpestris, connivens. 
Hardt-Hochebene zwischen Ehingen und Schwenningen : 
A. puhescens, {pastoralis), alpestris, connivens. 



— 11 — 

Pf ef fingen, Waldwiese über dem Ort, ca. 870 m: 

Ä. {pratensis), filicmdis, connivens. 
Irrenberg, Hochfläche, 900 m: 

A. puhescens, { pastoralis). 
Hundsrück, Bergwald der Nordseite: 

A. strigidosa f. umhrosa, alpesfris. 
Onstmettingen, Raichberg, Wald wiese, ca. 950 m: 

A. ptihescens, strigulosa, alpestris. 
Onstmettingen, Steilrand des Starzeltals gegen Jungingen, 
880 m: 

A. (pratensis), connivens. 
Onstmettingen, Waldwiese beim hangenden Stein, c. 910 m : 
A. puhescens, {pratensis), strigulosa, micans, alpestris, connivens. 
Onstmettingen, Schellerandelbühl, Bergtrift: 

A. puhescens, strigulosa. 
Onstmettingen, Zellerhorn, 910 m. 

A. puhescens, strigulosa, connivens. 
Schild bei Hechingen, Hochfläche, 850 m: 

A. strigulosa, filicaulis f. umhrosa. 
Dreifürstenstein, Hochfläche, Waldwiese, 850 m: 

A. {pratensis), alpestris, connivens. 
Kornbühl, 880 m: 

A. puhescens, {pastoralis), strigidosa, micans, connivens. 
Köbele, ca. 880 m: 

A. {pastoralis), micans, connivens. 
Farrenberg, Hochfläche, ca. 810 m: 

A. strigidosa. fdicaulis. 
Filsenberg, Hochfläche, ca. 800 m: 

A. pidjcscens, strigidosa 
Filsenberg, Bergwald der Nordseite: 

A. {pratensis), connivens. 
Dettinger Roßberg, Hochfläche beim grünen Felsen, Wald- 
wiese : 

A. {acidangula), micans. 

Die Dichtigkeit der Artenkolonien nimmt in der Richtung nach 
Nordosten ab, ein umstand, der ebenfalls wahrscheinlich macht, daß 
eine weitere Ausdehnung des Beobachtungsgebiets in dieser Rich- 
tung wohl nichts wesentlich Neues zutage gefördert haben würde. 
Es sind vorzugsweise höher gelegene Punkte, hochgelegene Triften, 



— 12 — 

Berg- und Waldwiesen, auf welchen man derartigen Gesellschaften 
begegnet. Über die Art und die Ursachen der Entstehung dieser 
Vergesellschaftungen an bestimmten Punkten, mit Ausschluß anderer, 
ebenfalls anscheinend geeigneter Lokalitäten, ist es indessen schwierig, 
sich eine Vorstellung zu bilden. Es ist selbstverständlich aus- 
geschlossen anzunehmen, daß an diesen Stellen die Arten sich diffe- 
renziert hätten ; ebensowenig werden sie — was übrigens unsere 
Frage nicht berührt — mit erhaltener Sexualität hierher gewandert 
und hier seßhaft geworden sein, sondern als bereits parthenogene- 
tische Gewächse. Unter allen Umständen zeigt ihr gegenseitiges 
Verhalten eine große Gleichmäßigkeit ihrer ökologischen Ansprüche 
an , trotzdem , daß sie — man möge z. B. nur an die Differenzen 
der Behaarung zwischen A. pubescens und alpestris denken — • an- 
scheinend sehr verschiedene Merkmale , die sonst als Anpassungs- 
charaktere auftreten oder als solche angesehen werden , aufweisen. 
Sie sind offenbar ungeachtet des letzteren Umstandes in ihren Exi- 
stenzbedingungen sich so gleich geblieben, daß sie gleichmäßig die 
Fähigkeit behalten haben, sich an bestimmten Stellen gegenüber 
ihren etwaigen Konkurrenten anderer Verwandtschaft zu behaupten, 
ohne sich gegenseitig auszuschließen, wie dies sonst, wenigstens 
öfters, zwischen nahe verwandten Sippen von Lebewesen der Fall 
zu sein scheint. Möglicherweise haben ihre Artgenossenschaften in 
einer früheren Zeit größere, mehr zusammenhängende Areale in ge- 
meinschaftlichem Besitz gehabt, sind aber mit Erhaltung der Arten- 
mischung von den Mitbewerbern oder auch infolge von Kultur- 
vorgängen auf inselartig getrennte Stellen eingeengt worden ; es 
scheint dies immerhin wahrscheinlicher, als daß zufällig verschiedene 
Arten in gemeinschaftlicher Wanderung an die betreffenden Stellen 
verschlagen worden wären und sich daselbst angesiedelt hätten. 
Tübingen, im September 1905. 



Tropisch-afrikanische Spinnen des Kgl. Naturalien- 
kabinetts in Stuttgart. 

• . Mit 3 Textfiguren. 

Von Erabr. Strand (aus Kristiania). 

Gegenwärtige Arbeit gründet sich auf das im Kgl. Naturalien- 
kabinett vorhandene, mir von Herrn Oberstudienrat Dr. Lampert zur 
Bearbeitung anvertraute Material an Spinnen aus den tropischen 
Gegenden von Afrika. Indem ich sie der Öffentlichkeit übergebe, 
möchte ich nicht unterlassen hervorzuheben, wie unvollständig unsere 
Kenntnis der Araneen Afrikas noch ist, da in diesem Material, 
das ausschließlich durch Gelegenheitssammeln , wobei naturgemäß 
meistens nur die größeren und häufigsten Formen erbeutet werden, 
zusammengebracht ist, dennoch fast die Hälfte neue Arten sind; 
Es ist sehr zu bedauern, daß die meisten Sammler ihr Augenmerk 
so wenig auf die Spinnen gerichtet haben, da es unter diesen Tieren 
noch so viel Neues zu entdecken gibt. 

Die Typen sämtlicher neuen Arten gehören dem Naturalien- 
kabinett. — Ein Paar nichttropische Arten sind mit aufgenommen ^ 
(x\rtenverzeichnis s. S. 102.) 

' Die Spinnen, deren Bearbeitung Herr Dr. Strand freundlichst übernommen 
hat, stammen, wie dieser schon bemerkte, von gelegentlichen Aufsammlungen 
verschiedener Freunde und Gönner des Naturalienkabinetts. Zum Teil reichen 
diese Sammlungen weit zurück. So finden sich unter diesem Material Spinnen, 
die Baron Ludwig und F. Krauss schon vor mehr als einem halben Jahrhundert 
aus Südafrika mitgebracht haben. Mehrere Arten verdankt das Naturalienkabinett 
den an der Goldküste tätig gewesenen, heute auch schon verstorbenen Missionaren 
Mohr, Bender, Spieth, Dieterle , Mann u. a. Der größere Teil der ganzen 
Sammlung aber stammt aus jüngerer Zeit und ist verschiedenen Herren zu verdanken, 
welche während ihres längeren oder kürzeren Aufenthalts in Afrika des Naturalien- 
kabinetts zu gedenken die Freundlichkeit hatten. Es sei mir gestattet , denselben 
auch an dieser Stelle unter Anführung der Namen hierfür nochmals meinen verbind- 
lichsten Dank auszusprechen. Es sind die Herren Dr. B e e r w a 1 d in Berlin, Lehrer 
H a a s in Kamerun, Privatier K ä ss e r in Mengen i. Württemberg, Missionskaufmann 
Leimenstoll in Kamerun, Antiquitätenhändler Markgraf in Kairo, Haupt- 
mann N i g m a n n in Uhehe, Finanzdirektor P a h 1 in' Windhuk, Verwaltungschef 
M. Preuß in Molunda (Südkamerun), Oberstabsarzt Dr. Sander in, Berlin, 



— 14 — 

Herrn Oberstudienrat Dr. Lampert, der mir es ermöglicht hat, 
diese Arbeit zu machen, sage ich hiermit meinen verbindlichsten Dank. 

Fam. Aviculariidae. 

Cy2>honisia Sim. 1888. 

1. Cyplionisia Kaesseri Strand n. sp. 

S. Das Augenfeld kaum breiter als lang; die vorderen S.A. 
(Seitenaugen) vor den M.A. (Mittelaugen) sitzend, unter sich in ihrem 
größten, von den M.A. in ihrem kürzesten Durchmesser, von den 
hinteren S.A. um viel mehr als ihren längsten Durchmesser ent- 
fernt. Die vorderen M.A. die größten aller Augen und unter sich 
in ihrem Radius entfernt. Die hintere Reihe deutlich länger als die 
beiden vorderen, die unter sich gleich lang sind; die S.A. größer 
als die M.A., aber kleiner als die vorderen S.A., die M.A. berührend; 
letztere die vorderen M.A. fast berührend. Die Vorderränder der 
hinteren Augen in schwach procurva, die Hinterränder in fast ge- 
rader Linie. Die vorderen Augen nicht hart am Clypeusrande. — 
Von der Seite gesehen erscheint Cephalothorax oben gleichmäßig 
schwach gewölbt mit der größten Höhe zwischen den Coxen H 
und ni, und zwar ist diese im Niveau mit dem Gipfel des Augen- 
hügels. Der Hinterrand kaum ausgerandet, ohne Ecken in die 
Seitenränder übergehend; der Rand des Clypeus deutlich procurva 
gebogen. — Das Rastellum der Mandibeln aus kurzen, kräftigen 
Stacheln, die nach oben in Stachelborsten und Borsten übergehen, 
gebildet; am inneren Falzrande 4 Zähne, von denen die 3 vorderen 
ein wenig größer und näher beisammenstehen. — Der Lippenteil 
etwa doppelt so breit als lang, an der Spitze quergeschnitten mit 
abgerundeten Ecken, ohne Spinulen. — Sternum fast so breit als 
lang (bezw. 3 und 3,2 mm). Sehr undeutliche Marginalsigillen : 
je 1 an den Coxen 11 und HL — Beine. Alle Femoren an der 
Spitze unten hinten mit einer Reihe von 5—7 ganz starken Borsten ; 
an den beiden Hinterpaaren, sowie am Femoralgliede der Palpen, 
solche auch unten vorn. Sonst sind die Femoren unten mit kurzen, 
kräftigen, gerade abstehenden Haaren unregelmäßig bewachsen. 
Femoren I— II oben mitten 1. 1. 1, welche Reihe von Basis und 
Apex gleich weit entfernt bleibt, HI — IV oben mitten 1. 1. 1. 1 

Kaufmann Schneider (in Lome, Togo, verstorben), Prof. Dr. Seh wein für th 
in Berlin, Missionare Gebrüder Spellenberg in Kamerun, Oberstabsarzt 
Dr. Steudel in Berlin, Prof. Dr. Vosselor in Amani D.-O.-Afrika, Oberstabs- 
arzt Dr . W i d e n m a n n in Berlin. < Dr. Lampert. 



- 15 — 

Stacheln; I oben vorn nahe der Spitze 1. 1, oben hinten 1. 1. 1, 

II bezw. 1. 1. 1 und 1. 1. 1. 1, III bezw. 1. 1 und 1. 1. 1, IV vorn 

I an der Spitze, hinten 1. 1 oder 1. 1. 1 Stacheln. Patellen I 
und II oben unbewehrt, unten hinten an der Spitze 1 oder 2 Stacheln, 

III und IV vorn und hinten je 1 oder III vorn 1. 1. Tibien I und 

II vorn 1. 1; I unten hinten 2. 1. 1. 1, unten vorn 1. 1 in der 
Basalhälfte, sowie 2 an der Spitze; II unten hinten 1. 1. 1. 1, unten 
vorn wie I ; III wie I, sowie an der Spitze hinten 1 ; IV unten hinten 
1. 1. 1. 1, unten vorn 2. 2. 2, vorn und hinten je 1. 1. 1. 1 Stacheln. 
Metatarsus I und II an der Basis unten hinten 1, III vorn 1. 1. 1, 
unten vorn 1. 2. 1, unten hinten 1. 1. 1, hinten 1. 1, sowie an der 
Spitze ein Verticillus aus hinten 3, vorn 2 Stacheln bestehend; 

IV scheint 4 Reihen von je 5 oder 6 Stacheln zu haben. Die Tarsen 
mit zwei langen, starken, nur im Enddrittel gebogenen Krallen, die 
außerhalb der Mitte 3 kurze , aber ganz starke Zähne tragen ; 
Unguicularfaszikeln , die so lang als die Krallen sind , vorhanden, 
jedoch die Krallen von oben in ihrer ganzen Länge sichtbar. Sco- 
pula an allen Tarsen, an den Metatarsen I und II fast bis zur Basis, 
an III und IV nur an der Spitze Andeutung einer Scopula ; dieselbe 
ist an den hinteren Tarsen undeutlich geteilt. Ein Tibialhaken ist 
nicht vorhanden ; dadurch weicht also das Tier von den typischen 
Barychelinen ab. — Das Coxenglied der Palpen an der hinteren 
Basalecke mit 2 — 3 kleinen, einreihigen Spinulen; an dem einen 
Glied noch 2 — 3 solche an der vorderen Basalecke, die aber an dem 
anderen Coxenglied gänzlich fehlen ! Femoralghed an der Spitze 
oben innen 1 Stachel, Patellarglied unten an der Spitze mit einem 
Verticillus von mehreren Borsten , Tibialglied unten vorn nahe der 
Spitze 2 Stacheln. Das Tibialglied verdickt, besonders in der Basal- 
hälfte (1,3 mm breit), unten, besonders gegen die Spitze, lang und 
abstehend behaart, aber nicht mehr als daß die Spina in ihrer 
ganzen Länge sichtbar ist. Das Tarsalghed ist 1,5 mm lang, 1,2 mm 
hoch, Bulbus 1 mm hoch, die Spina 1,5 mm lang, von der Seite 
gesehen gerade, nach hinten und unten gerichtet (Winkel mit dem 
Tibialgliede 45°), lang und fein zugespitzt, nadeiförmig, von unten 
gesehen nach hinten und ein wenig nach außen gerichtet und ganz 
schwach nach innen konvex gebogen. Bulbus unten weißlich, außen 
rot. — Die oberen Spinn warzen dreigliederig ; Glied No. 2 etwa 

so lang als das Grundglied und ein klein wenig schmäler, das 
Endglied sehr klein, käppchenförmig dem zweiten anliegend. Die 
unteren Spinnwarzen kaum so lang als das Mittelglied der oberen, 



— 16 — 

sehr dünn, zylindrisch, etwa 4mal so lang als breit, nicht ganz so 
lang als das Grundglied der oberen breit ist. 

Mit Ausnahme des Bauches ist der ganze Körper, Extremitäten 
inklusive, mit kurzen, steifen, abstehenden, borstenähnlichen, ziem- 
lich entfernt stehenden Haaren bekleidet; der Bauch feiner, dichter, 
mehr anliegend behaart. — Cephalothorax und Extremitäten bräun- 
Hchgelb, ersterer mit breiten, wenig dunkleren Strahlenstreifen (4 
jederseits), dunkelbrauner, schwach recurva gebogener, nicht tiefer 
Rückengrube, schwarzem Augenfeld und weißlichem Clypeusrand. 
Der Hinterrand des Augenhügels braungelb; die hinteren M.A. weiß- 
lich, die hinteren S.A. hellgelb glänzend. Mandibeln in der End- 
hälfte durch die Bekleidung schwärzlich, oben im Grunde hellbräun- 
lich ; die Klaue in der Basalhälfte rötlich, in der Endhälfte schwärz- 
lich. Sternum schmal braun umrandet. ■ — Tibial- und Tarsalglied 
der Palpen hellgelb, ersteres oben an der Basis mit einem kleinen 
rotbraunen, chitinisierten Fleck und das Patellarglied mit einem ähn- 
lichen, undeutlicheren beiderseits an der Basis. Die 4 proximalen 
Glieder oben an der Spitze schmal tiefschwarz umrandet. Unter- 
seite des Abdomen und Spinnwarzen hell graugelblich. Oberseite 
hell bräunlichgrau mit undeutlichen, schwärzlichen Flecken, die sich 
als zwei nach hinten konvergierende Reihen von je 5 Flecken er- 
kennen lassen ; die Basis dunkelgrau. 

Totallänge 13,5 mm. Cephalothorax mit Mandibeln 7,5, ohne 
6,5 mm lang, zwischen den Coxen II und III 5,5 mm breit, zwischen 
den Yorderrändern der Coxenglieder IV 2,6 mm breit. Die Rücken- 
grube 1,3 mm breit, vom Vorderrande 4 mm entfernt. Abdomen 
7 mm lang , vorn 3 mm , kurz hinter der Mitte 4 mm breit und 
4 mm hoch. Mandibeln 2,6 mm lang. Die oberen Spinnwarzen 
1,5 mm lang und beide zusammen so breit an der Basis. — Palpen: 
Coxenglied 2,4, Trochanterglied 1, Femoralglied 2,6, Patellarglied 
1,7, Tibialglied 2,5, Tarsalglied 1,5 mm lang. — Beine: I Coxa 2,5, 
Troch. 1,2, Femur 5,5, Patella 3,5, Tibia 4,5, Metatarsus 4,5, Tar- 
sus 2 mm; H bezw. 2,5; 1,3; 5,5; 3,3; 4,5; 4,5; 2,2 mm; HI 
bezw. 2,2 ; 1 ; 5,2 ; 2,5 ; 4 ; 4,6 ; 2,3 mm ; IV bezw. 2,7 ; 1,5 ; 6,3 ; 2,7 ; 
5,5; 7; 5,5 mm. Totallänge: 1 23,7; 1123,8; IH 21,8;IV31,2 mm. 

Fundort: Parapato (:= Angoche, Fluß in Portugiesisch Ost- 
Afrika) (Kässer). 

Durch das Fehlen des Tibialhakens , sowie dadurch, daß die 
4 vorderen Metatarsen unten hinten an der Basis 1 Stachel haben, 
von der Gattung Cyphonisia abweichend. 



— 17 



JPterinochilits Poe. 1897. 

2. Ptcrinochilus Widenmanni Strand n. sp. 

c?. Cephalothorax mit Mandibeln 21, ohne 17 mm lang, 
13 mm breit in der Mitte. 9 mm am Hinterrande, 6 mm breit am 
Vorderrande. Entfernung der Rückengrube vom Vorderrande 10,5, 
von der Mitte des Hinterrandes 6,5 mm ; letztere vom Augenhügel 
14,5 mm entfernt. Rückengrube tief, schmal, gerade oder vielleicht 
schwach recurva. — Augenhügel 2,3 mm breit, 2 mm lang, ganz 
stark gewölbt. Die vordere Augenreihe so stark procurva, daß eine 
die M.A. vorn tangierende Gerade die SA. weit hinter dem Zentrum 
schneiden würde; die M.A. wenig größer, unter sich um reichlich 
ihren Radius, von den S.A. kaum so weit entfernt (trocken gesehen, 
in Spiritus etwas weiter!). Die hintere Reihe vorn schwach pro- 
curva, hinten gerade; die M.A. erheblich kleiner, die S.A. berührend, 
von den vorderen M.A. in ihrem kürzesten Durchmesser entfernt. 
Die hinteren S.A. fast so groß als die vorderen und von diesen in 
ihrem kürzesten Durchmesser entfernt. Die hinteren M.A. lebhaft 
gelb , die anderen schwärzlich. Die vorderen S.A. vom Rande des 
Clypeus etwa in ihrem IV2 Durchmesser entfernt. — Die Man- 
dibeln außen, aber nicht innen, scopuliert, 6,5 mm lang, an der 
Basis 4,5 mm breit. — Die kleinen Sigillen unter sich um 3 mm, 
vom Seitenrande um 1,5 mm entfernt; ein zweites Paar scheint zu 
fehlen. — Länge der Palpen: Cox. 4,6 mm lang (2,6 mm breit), 
Troch. 3,2, Fem. 8,5, Pat. 5,4, Tib. 7, Tars. 4 mm ; letzteres 2,5 mm 
hoch, die Kopulationsorgane (mit Spina) 3,7 mm lang, Bulbus 1,9 mm 
hoch, 1,7 mm lang, 1,9 mm breit. Totallänge der Palpen 32,7 mm, 
ohne die beiden Grundglieder 24,9 mm. Das Femoralghed nicht 
scopuliert. Das Tibialglied dicker, die Spina kürzer und stärker 
gekrümmt als bei P. vorax Poe. — Beine. Länge: I Coxa 7,2 
(bei 3,4 mm Breite in der Endhälfte), Troch. 4, Fem. 15,5, 
Patellen 8, Tibien 11, Metatarsen 11, Tarsen 7 mm; H bezw. 5,5: 
3,4; 12,5; 7; 9,5; 9.5; 6 mm: HI bezw. 5,2; 3; 11; 5,5; 7,2; 
9,5; 6,5 mm; IV bezw. 5,7 (4 mm breit!); 3,2; 13,8; 6,5; 10; 
13,5; 7 mm. Totallänge: I 63,7; II 53,4; HI 47,9; IV 59,7 mm^ 
ohne die beiden Basalglieder: I 52,5; II 44,5; III 39,7; IV 50,8 mm. 
Die Beine und Glieder an Dicke sehr wenig verschieden ; Femur III 
ein wenig dicker (3,6 mm) als die anderen Femoren (2,9 mm). 
Alle Tarsen ein wenig schmäler als die Endhälften der Metatarsen. 
Scopula an allen Tarsen , Metatarsen I und II fast bis zur Basis, 

Jahreshefte d. Vereins f. vaterl. Naturkunde in Württ. 190C. 2 



— 18 — 

III bis zur Mitte, IV kaum bis zur Mitte ; nur an den Metatarsen ge- 
teilt und zwar ganz schmal. Die Metatarsen II — IV unten an der 
Spitze mit kleinen Stacheln , I scheint daselbst unbewehrt zu sein. 
Ferner hat Metatarsus III unten hinten 1. 1 (submedian und subbasal), 
vorn 2 (median), an der Spitze unten 3, oben 2 ; IV. unten vorn 1. 1 
(submedian), an der Spitze oben 2, unten 2 oder 3, hinten wahr- 
scheinlich 1 in der Mitte. Alle Tibien an der Spitze unten 2, nur 
III hat 3 (2 unten hinten) ; oben und an den Seiten scheinen die 
Tibien unbewehrt zu sein. Der Haken der Tibia I stark, lang 
(3,5 mm), gegen die Spitze allmähhch verschmälert, nach unten, 
vorn und ein wenig nach innen gerichtet; von oben gesehen er- 
scheint er ganz gerade, schräg nach vorn und innen gerichtet, weit 
aus der Haarbekleidung vorstehend. Metatarsus I in der Basalhälfte 
unten schwach ausgehöhlt, die Oberseite doch kaum gebogen ; da- 
gegen erscheint das Ghed von oben gesehen ganz schwach nach 
außen konvex gebogen. 

Abdomen ohne Spinnwarzen 15,5 mm lang, 9,5 mm breit; die 
ganze Körperlänge (Spinnwarzen inklus.) 40 mm; letztere von der 
Basis an bezw. 2; 1,8; 2,1 mm lang und am Endglied etwas dünner. 

Färbung in Spiritus : Cephalothorax schwarzbraun mit von der 
Rückenfurche ausgehenden, ganz scharf markierten, grauweißen Haar- 
streifen in den Furchen ; am deutlichsten sind diejenigen in den 
Kopffurchen, dann die, welche gegen die Coxen IV gerichtet sind. 
Am Rande ebenfalls solche Behaarung; vielleicht ist die ganze Ober- 
seite so behaart gewesen, aber abgerieben, so daß nur in den Furchen 
Reste davon übrig geblieben. Der Rand des Clypeus etwas heller. 
Augenhügel schwärzlich; die hinteren M.A. stark hellgelb glänzend. 
Beine braun mit hellgrauer, fein anliegender, filzartiger Behaarung, ab- 
stehenden braunen Haaren, sowie viel längeren, feineren, abstehenden 
bräunlichgelben Haaren an den Metatarsen und Tarsen sowie an 
der Unterseite der Femoren. Die Innenseite der letzteren schwarz. 
Bulbus außen rötlich mit 4 schwärzlichen Binden. Die Mandibeln 
durch die Behaarung hellgraubräunlich mit je einer dunkelbraunen 
Längslinie; die Klaue schwarz, an der Basis rötlich. Die Unterseite, 
sowie Coxen und Trochanteren schwarzbraun, der Lippenteil an der 
Spitze hellrot, die Bürste des Coxengliedes der Palpen und der Falz- 
ränder gelbrot; ersteres kaum heller. Das ziemlich lang und ab- 
stehend behaarte Abdomen graubraun, vor der Mitte mit einem Paar 
kleiner, schwarzer, undeutlicher Flecke, hinter der Mitte mit drei 
schmalen, schwarzen, in der Mitte unterbrochenen Querlinien. Die 



— 19 — 

Unterseite ein wenig heller, Epigaster und Lungendeckel hell braun- 
grau, Scopula hell aschgrau, grün glänzend. 

Fundort: Moschi, Kilimandscharo (Dr. Widenmann). 

Diese Art unterscheidet sich schon durch die beträchtlichere 
Größe von P. uigrofiilvus Poe. 1898 (Cephal. nur 10 mm lang, 19 mm 
Tot.), Lugardi Poe. 1900 (24 mm Totallänge), Schönlandi Poe. 1900 
(18 mm Totallänge), spinifer Poe. 1898 (20 mm Tot.), durch viel 
längere Beine von raptor Strand (ined.), während P. murimis Poe. 1897 
und Yunodl Sim. 1904, die nur im weibhchen Geschlecht bekannt sind, 
und die für die Gattung zweifelhaften Harpadira chordata Gerst. 1873 
und elevata Karsoh 1878 auch mit aller Wahrscheinlichkeit von unserer 
Art verschieden sein werden. Am nächsten steht sie PferinocJdlus 
vorax Poe. 1897; bei dieser sind doch Patella + Tibia + Tarsus der 
Palpen viel kürzer als der Cephalothorax, die Spina des Bulbus ist 
weniger gekrümmt (von der Seite gesehen in der [größeren] Basalhälfte 
fast gerade) und länger, das Tibialglied der Palpen ist dünner, die 
Krümmung der Metatarsen I viel deutlicher sowohl oben als unten 
und der Tibialhaken in der Basalhälfte rot (hier gänzlich schwarz). 

3. Pterinochilus vorax Poe. 1897. 

Eine in Ost-Afrika weit verbreitete Art. Es liegen Exemplare 
aus folgenden Lokalitäten vor: Moschi, Kilimandscharo (Dr. Widen- 
mann); Bagamoyo (Dr. Steüdel) ; Ost- Afrika (Dr. Sander); Kilwa, Ost- 
Afrika (Dr. Wagner); Parapato (Fluß, Ost-Afrika) [Kässer]. 

Über das Exemplar (S) von Bagamoyo habe folgendes notiert : 
Der Augenhügel hoch stark gewölbt, 2,6 mm breit, 2 mm lang. 
Die vordere Reihe so stark procurva , daß eine die M.A. vorn 
tangierende Linie die S.A. hinter dem Zentrum schneiden würde; 
die M.A. sehr wenig größer, unter sich um erheblich weniger als 
ihren Durchmesser, von den S.A. um weniger als den halben Durch- 
messer, entfernt. Die hintere Pieihe fast gerade (vorn gerade, hinten 
schwach recurva) ; die M.A. erheblich kleiner, die S.A. fast berührend, 
von den vorderen M.A. in ihrem halben Durchmesser entfernt. Die 
hinteren S.A. ein wenig kleiner als die vorderen und von diesen in 
ihrem kürzesten Durchmesser entfernt. — Die Rückengrube tief 
und ganz breit, gerade oder ganz schwach recurva. — Clypeus 
ist (trocken gesehen) nicht so lang als die Hälfte des Augen- 
hügels. — An den Extremitäten sind schwarze Haare nicht 
oder kaum vorhanden und auch keine weiße Flecke an den Tibien. 

Totallänge 34 mm. Cephalothorax 15 mm lang, mit Mandibeln 



— 20 — 

18 mm lang, 12 mm breit, am Clypeus 7 mm breit. Die Rücken- 
grube vom Vorderrande 9,5 mm, Abdomen 18 mm lang, 9 mm breit. 
Beine: I Coxa + Troch. 9,5, Femur 14, Patella 7, Tibia 11, Meta- 
tarsus 9, Tarsus 6,5 mm; II bezw. 9; 12,5; 7; 9,5; 9,2; 6 mm; 
Illbezw. 6,5; 11; 6; 7,5; 9,5; 6 mm; IV bezw. 7,5; 12,5; 6; 10; 
13; 6,5 mm. Totallänge: 1 57; II 53,2; III 46,5; IV 55,5 mm. 
Palpen: Beide Grundglieder 8, Femur 8,5, Patella 4,8, Tibia 6,5, 
Tarsus 3,5, zusammen 31,3 mm. 

Bei einem <? von Parapato sind die Beine: I Femur 13, Patella 
+ Tibia 18,5, Metatarsus + Tarsus 16, zusammen 47,5 mm; IV bezw. 
13: 16,5; 19. zusammen 48,5 mm bei 35 mm Totallänge (ohne 
Mam.). — Ein $ von Savapat ist 45 mm lang, Cephalothorax ohne 
Mandibeln 21 mm lang, 16,5 mm breit, Entfernung der Rücken- 
grube vom Vorderrande 13,5, Pat. + Tib. + Tars. der Palpen 19,5 mm 
(bezw. 6 + 6 + 7,5 mm), Beine: I Femur 14, Patella + Tibia 18, 
Metatarsus + Tarsus 16 mm; II bezw. 12,5; 16; 15; III bezw. 
11; 13,5; 14; IV bezw. 13; 17; 19 mm. Metatarsus IV 12,5 mm. 
Totallänge: I 48, II 43,5; III 38,5: IV 49 mm. — Keine distinkte 
Abdominalzeichnung bei diesem Weibchen. — Bei einem hierzu wahr- 
scheinhch gehörigen $ snbad. ist der Clypeus deutlich schmäler als 
bei den alten Tieren. 

$ unterscheidet sich (nach Ex. von Moschi) vom ^ u. a. dadurch, 
daß die vorderen M.A. ein wenig kleiner und reichlich in ihrem 
Durchmesser unter sich entfernt, und daß der Augenhügel vom Rande 
des Clypeus weiter entfernt ist. Die Beine heller, röthcher braun. 
Abdomen hat oben 4 — 5 wenig deutliche, schwach nach vorn konvex 
gebogene, durch eine feine schwarze Längslinie unter sich verbundene, 
schwärzliche Querbinden. Die Beine dicker und kürzer. — Cephalo- 
thorax ohne Mandibeln 15,5 mm lang, 12,2 mm breit. Entfernung 
der Rückengrube vom Vorderrande 10,5 mm. — Beine : I Femur 
11,5, Patella + Tib. 14, Met. + Tars. 12: II bezw. 10; 12; 11: 
III bezw. 9; 10; 11; IV bezw. 11; 14: 14,8 mm. Totallänge- I 
37,5; II 33; III 30; IV 39,8 mm. Palpen: Femur 8,5, Patella 5,5. 
Tibia 5, Tarsus 6 mm. 

4. Pte r i n o c h i l u s nt a m lU (d ii s Strand n . sp. 

i (trocken). Totallänge ohne Spinnwarzen 39 mm. Cephalo- 
thorax mit Mandibeln 24,5, ohne 19 mm lang, zwischen den Coxen 
II 16 mm breit, am Clypeus 8. am Hinterrande (zwischen den Vorder- 
seiten der Coxen IV) 11 mm breit. Die Entfernung der Rücken- 



— 21 - 

furche vom Vorderrande 12 mm, vom Hinterrande des Augenhügels 
9 mm , vom Seitenrande (über den Coxen II) 8 mm , vom Seiten- 
rande über den Palpen 11 mm. — Augenhügel 3 mm breit, 2,3 mm 
lang. Die vordere Reihe so stark procurva, daß eine die M.A. vorn 
tangierende Gerade die S.A. deutlich hinter dem Zentrum schneiden 
würde; die M.A. und S.A. an Größe wenig verschieden und unter 
sich um den Durchmesser der M.A. entfernt. Die hintere Reihe 
bildet vorn eine gerade, hinteii eine schwach recurva gebogene Linie ; 
die M.A. viel kleiner, von den vorderen M.A. in weniger als ihrem 
kürzesten Durchmesser entfernt, die S.A. fast berührend; letztere 
kleiner als die vorderen S.A. und von diesen in ihrem kürzesten 
Durchmesser entfernt. Der Augenhügel vom Rande des Clypeus in 
der Länge der vorderen S.A. entfernt. — Mandibeln 10 mm lang, 
beide zusammen an der Basis 8 mm breit; die Klaue 7,5 mm lang, 
unten an der Basis ganz glatt, dann mit 4—5 ganz deutlichen Quer- 
strichen und vom Ende des basalen Drittels ab längsgestreift; die 
Spitze ganz glatt. — Stern um 8 mm lang, die größte Breite (am 
Hinterrande der Coxen II) 7 mm. Breite vorn 3,6 mm. — Lippen- 
teil breiter als lang (bezw. 2,5 und 2 mm), an der Spitze nicht 
dicht mit dünnen , in ca. 3 unregelmäßigen Querreihen geordneten 
Spinulen. — Das Coxenglied der Palpen an der vorderen basalen 
Ecke mit ähnlichen , stellenweise dichter stehenden Spinulen , die 
ein dreieckiges Feld von 2,5 X 2 mm Große bedecken. Länge der 
Palpen: Cox. 6,5 (3,5 mm breit); Troch. 3; Fem. 10,5; Pat. 6,5; 
Tib. 8, Tars. -4,3 mm, vom Rücken des Tarsalgliedes bis zur 
Spitze der Spina ca. 7 mm, Bulbus + Spina 5 mm lang. Die Ko- 
pulationsorgane sind (an dem einzigen vorliegenden Exemplar) wegen 
der Lage der trockenen Palpen nicht leicht zu untersuchen ; Spina 
ähnelt derjenigen von P. vorax, verschmälert sich von der Basis all- 
mählich bis kurz außerhalb der Mitte, ist dann bis zur Spitze sehr fein, 
fadenförmig, kurz außerhalb der Mitte nach unten gebogen, am Ende 
wiederum gerade. Von unten gesehen erscheint sie in der Basalhälfte 
ganz schwach nach außen konvex gebogen, die Spitze dagegen nach 
außen gekrümmt (die Konvexität also nach innen). — Beine. Länge: 
I Coxa 8, Troch. 5, Femur 15,5, Pat. 9, Tibia 13, Met. 10,5, Tarsus 
7.5 mm; II bezw. 7; 4,5; 14,6; 8; 11; 10,5; 7 mm; III bezw. 6; 
4; 12,5; 7; 9; 11; 7 mm; IV bezw. 7; 4,5; 15,5; 8,5; 12,5; 14,8: 
7,5 mm. Totallänge: I 68,5; H 62,6; HI 56,5; IV 70,3 mm. 
Femur III dicker: 3,5 mm, bei I— II 3,2, IV 3 mm. Patella I an 
der Spitze breiter (3,5 mm) als die übrigen: II 3, III— IV 2,9 mm. 



— 22 — 

Metatarsus I schwach gebogen (weniger als bei vorax), an der Basis 
2 mm breit, an der Spitze mit Scopula 4 mm, ohne Scopula etwa 
wie an der Basis; die Behaarung der Unterseite nicht besonders 
verlängert. Scopula an allen Tarsen, an den Metatarsen I — II fast 
bis zur Mitte , III bis zum Ende des basalen Drittels , IV bis zur 
Mitte. Alle Tibien unten an der Spitze mit 2 kurzen, schwärzlichen 
Stacheln , die kaum halb so lang als die umgebenden Haare sind. 
Der Haken der Tibia I ziemlich kurz (3 mm lang) , aus der Be- 
haarung nicht hervorstehend, der Endteil 1,2 mm lang, schwarz, am 
Basalteile rötlich ; von innen und vorn gesehen erscheint der End- 
teil scharf zugespitzt und nur an der Basis schwach gebogen. Die 
Gliederung sehr deutlich. Das Glied gerade von oben gesehen , ist 
die Spitze des Hakens nicht sichtbar. Metatarsen III — IV an der 
Spitze mit 3 — 4 kleinen Stacheln, III unten vorn am Ende der 
Scopula 1, IV an der entsprechenden Stelle 1 sehr kleiner Stachel. — 
Das (trockene) Abdomen ca. 16 mm lang, 11 mm breit. Die Ober- 
seite sehr lang (4 — 5 mm) abstehend behaart. Das Grundglied der 
Mamillen scheint 3,5, das Mittelghed 2, das Endglied 4 mm lang 
zu sein ; letzteres ganz zylindrisch, nur halb so dick als das Grund- 
glied und unter einem rechten Winkel mit dem Mittelglied nach 
außen gerichtet, was wohl nicht die natürliche Lage sein wird. 

Cephalothorax und Abdomen oben braungelb behaart, am 
Cephalothorax ein wenig heller und mehr goldig oder ockergelblich, 
am Abdomen ins Rötliche ziehend ; die Behaarung des Cephalothorax 
dicht anliegend, bei unversehrten Tieren wahrscheinlich die ganze 
Oberfläche verdeckend, bei abgeriebenen nur als Strahlenstriche in 
den Furchen erhalten. Am Vorderrande ein wenig heller. Mandibeln 
und Extremitäten oben mit dichtstehenden , langen , gebogenen , an 
der Basis dunkelbraunen, gegen die Spitze heller werdenden Borsten- 
haaren, die jedenfalls an den Tibien und Metatarsen so lang oder 
länger als der Durchmesser des Gliedes sind, sowie mit feiner, kurzer, 
anliegender, gelblicher, etwas ins GrünUche oder Rostfarbige ziehen- 
der Grundbehaarung. Die Beine unten ohne oder mit sehr sparsamer 
Grundbehaarung, die Femoren dagegen ganz dicht mit langen, feinen, 
fast gerade abstehenden, einfarbig bräunlichgelben Haaren, die Tibien 
und .Metatarsen (wo letztere nicht scopuliert sind) mit etwas stärkeren, 
kürzeren , an der Basis dunkleren , schräg gestellten Haaren. Die 
Endglieder trüber, graulicher, behaart. Kahle Längsstreifen finden 
sich nur an den Patellen , aber eine undeutliche Längsstrichelung 
läßt sich doch auch an den Femoren erkennen. Die Grundfarbe 



I 



— 23 - 

des Cephalothorax oben dunkel kastanienbraun, der Extremitäten 
dunkel rötlichbraun. Die Unterseite des Cephalothorax schwarz, 
kurz, abstehend schwarz behaart, die Coxen jedoch, besonders die 
beiden hinteren Paare, in der Endhälfte mit rötlich gelbbraunen 
Haaren untermischt. Das Femoral- und Trochanterglied der Palpen 
ebenfalls unten im Grunde schwarz, aber nicht schwarz behaart. 
Das Endglied der Palpen dunkel graubraun, das Coxenglied vorn 
lebhaft rotgelb behaart. Die Behaarung der Spitze der Mandibeln 
dunkelbraun. Scopula dunkelgrau. Abdomen unten wie oben ein- 
farbig röthch gelbbraun ; die Haare an beiden Enden gleich gefärbt. 
Epigaster etwas lebhafter, orangegelblich. 

Fundort: Deutsch Ost-Afrika (Dr. Beeewald). 

Von den anderen mir bekannten Pterinochüus-Avten durch das 
auffallend lange und dünne Endglied der Mamillen leicht zu unter- 
scheiden. 

Ceratofßyrus Poe. 1897. 

5. Ceratogyriis Sanderi Strand n. sp. 

S. Totallänge ohne Spinnwarzen 31, mit 36 mm. — Cephalo- 
thorax 15 mm lang, 12 mm breit; Entfernung der Rückengrube 
vom Hinterrande 8 mm, vom Hinterrande des Augenhügels 12 mm. 
Die Breite des deutlich ausgerandeten Hinterrandes und an der 
Insertion der Palpen 8 mm. Die Rückengrube bildet eine sehr große. 
ring- oder ellipsenförmige Vertiefung, indem sie größtenteils durch 
einen länglichen, etwa 1,3 mm breiten Höcker, der sich hinten ohne 
scharfe Grenze in die Umgebung fortsetzt, ausgefüllt wird; ihre 
Länge 3,5, die Breite 2,5 mm. ~ Der Augenhügel 1,5 mm lang, 
2 mm breit, stark gewölbt, vom Rande des Clypeus um 1 mm ent- 
fernt. Die vordere Reihe so stark procurva, daß eine die M.A. vorn 
tangierende Linie die S.A. kaum schneiden würde; erstere ein wenig 
größer, unter sich kaum in ihrem ganzen, von den S.A. in weniger 
als ihrem halben Durchmesser entfernt. Die hintere Reihe bildet 
vorn eine procurva, hinten eine gerade Linie; die M.A. viel kleiner, 
von den vorderen M.A. in ihrem kürzesten Durchmesser, von den 
hinteren S.A. kaum halb so weit entfernt; letztere ein wenig kleiner 
als die vorderen S.A. und etwa in ihrem kürzesten Durchmesser von 
diesen entfernt. Die hinteren M.A. ockergelb, die anderen schwarz. — 
Mandibeln 6,5 mm lang, an der Basis beide zusammen 5 mm 
breit; am inneren Falzrande 10 Zähne, von denen die vorderen die 
stärksten, No. 7 (von vorn) der kleinste ist; in der Endhälfte vorn 
mit ziemlich kurzen, starken, schräg nach vorn gerichteten Borsten 



— 24 — 

besetzt; außen eine dichte Scopula, innen keine. — Lippenteil breiter 
als lang, wie die innere Basalecke der Coxenglieder dicht mit sehr 
kleinen Spinulen besetzt. — Stern um 7,5 mm lang, 5,5 mm breit. 
Die Sigillen sehr undeutlich ; es lassen sich als solche zur Not zwei 
Paare kleiner Fleckchen deuten , von denen die des letzten Paares 
unter sich um 1,2, vom Seitenrande um 2, von der Hinterspitze um 
8 mm entfernt sind ; die vorderen unter sich um 3,8 , vom Rande 
um 1 mm entfernt. — Palpen: beide Grundglieder 7, Femur 7,5, 
Patella 4,5, Tibia 6, Tarsus 3, zusammen 28 mm lang. Das Tibial- 
glied 2 mm breit, unten in der Endhälfte mit einer dichten Bürste 
graugelblicher, nach vorn und unten gerichteter Haare, die so lang 
als der Durchmesser des Gliedes sind und unten durch einen schmalen, 
längsgerichteten Zwischenraum getrennt sind, in welchem die Spina 
der Kopulationsorgane aufgenommen wird, so daß sie von der Seite 
gesehen fast ganz versteckt ist. Bulbus ist außen blutrot, vorn und 
oben schwarz umrandet; die nach hinten gerichtete Spina erscheint 
von der Seite gesehen schwach und gleichmäßig nach oben konvex 
gebogen , allmähhch gegen die schräg zugespitzte Spitze verjüngt ; 
von unten gesehen erscheint sie gerade, nur mit der Spitze schwach 
nach außen gebogen, an der Basis breit, am Ende lang und fein 
zugespitzt, nach hinten und ein klein wenig nach innen gerichtet. 
Die Spina ist am Ende schwärzlich , sonst rötlich gefärbt , sowie 
2,5 mm lang. — Die Beine mit 2 Krallen und Faszikeln. Länge: 

1 Coxa 6,5, Troch. 3, Femur 12, Patella 6,5, Tibia 8,5, Metatarsus 8, 
Tarsus 6 mm; H bezw. 5,5; 3; 11,5; 6; 7,5; 8; 6 mm; HI bezw. 4,5; 
2,5; 10; 5; 6,5; 8; 5,5 mm; IV bezw. 5; 2,5; 11,5; 6; 9; 11; 6,5 mm. 
Totallänge: I 50,5; H 47,5; HI 42; IV 51,5 mm. Ungeteilte 
Scopula an allen Tarsen, an den Metatarsen I und II bis oder fast 
bis zur Basis und Metatarsen III in der Endhälfte, geteilte am End- 
drittel der Metatarsen IV. Tibia I und II unten an der Spitze 

2 Stacheln, von denen der innere am I als ein kräftiger, stark zu- 
gespitzter, schräg nach vorn und innen gerichteter, sehr wenig ge- 
krümmter subartikulater Haken ausgebildet ist; III und IV unten 
an der Spitze 2 oder 3 Stacheln. Metatarsus I und II unbewehrt 
und ohne irgendwelche Auszeichnungen, III und IV an der Spitze 3, 
vorn in der Mitte 2 Stacheln. Die Tarsen schmäler als die Meta- 
tarsen und an der Spitze schräg geschnitten ; die Scopula breiter 
als die Glieder; die vorderen Metatarsen erscheinen daher von oben 
gesehen in der Endhälfte viel breiter als an der Basis. Femur IV 
nicht scopuliert, III ein klein wenig dicker, sonst die Beine an Dicke 



~ 25 — 

gleich. Die vorderen Tibien 2,1 mm breit, also '/4 so breit als lang. — 
Die oberen Spinnwarzen 6 mm lang, die 3 Glieder unter sich 
an Länge wenig verschieden. 

Cephalothorax und Extremitäten oben dunkel rötlichbraun, 
Mandibeln schwärzlich, aber so dicht mit graugelblichen Haaren be- 
kleidet, daß von oben nur eine schmale Mittellängshnie von der 
Grundfarbe zu erkennen ist; Cephalothorax scheint auch völlig mit 
hell graugelblichen, feinen, ziemlich langen, anliegenden Haaren be- 
kleidet gewesen, mit einer dichteren Längsbinde solcher Haare jeder- 
seits des Kopfteiles. Der äußere Falzrand der Mandibeln hell blut- 
rot, die Bürste desselben und des Innenrandes des Coxengliedes etwas 
trüber; die Klaue an der Basis unten blutrot, sonst tiefschwarz. 
Sternum, Coxen, Trochanteren und Innenseite der Femoren I und II 
tiefschwarz, ebenso der an der Basis rötUche Lippenteil, das am 
Innenrand und Basis rötliche Coxenglied, das Trochanterghed und 
Innenseite des Femoralgliedes. Die Beine oben mit kahlen, röthch 
erscheinenden Längsstreifen, und zwar je zwei breiten, gegen die 
Spitze konvergierenden und dieselbe nicht ganz erreichenden, etwas 
schräg gestellten an allen Patellen, zwei parallelen, bis oder fast bis 
zur Spitze reichenden , wenig deutlichen an allen Tibien und An- 
deutung eines ebensolchen in der Basalhälfte der Metatarsen. Die 
Behaarung der Beine besteht oben aus kürzeren braunen und längeren 
bräunlichgelben Haaren ; die Femoren unten dicht mit langen, feinen, 
gerade abstehenden hellgrauen oder graugelblichen Haaren bekleidet. 
Scopula braun oder dunkel graubraun, grünlich metallisch schimmernd. 

Der Bauch grauschwarz, vorn etwas heller. Epigaster und 
Spinnwarzen hell graubräunhch gelb, letztere am Mittelgliede oben 
mit schwarzem Halbring. Die Seiten des Abdomen scheinen in der 
Mitte schwärzlich, vorn und hinten graugelbhch gewesen (die Ober- 
seite beschädigt!) 

Fundort: Windhuk, D.S.W.-Afrika (Dr. Sander). 

Von 4en beiden bisher beschriebenen Ceratog yrus- kxten, C. Dar- 
lingi Poe. 1897 und Marshalli Poe. 1897 völlig verschieden. 

Hysterocrates Sim. 1892. 

6. Hysterocrates Spellenhergi Strand n. sp. 

$. Totallänge 47 mm. Cephalothorax ohne Mandibeln 18 mm, 
mit Mandibeln 24 mm lang, 15 mm breit; die Entfernung der Rücken- 
grube vom Hinterrande des Augenhügels 10 mm, letzterer vom Hinter- 
rande des Cephalothorax um 16 mm entfernt. Breite des Clypeus 



— 26 — 

und des Hinterrandes je 8,5 mm. Die Rückengrube 2 mm, schmal, 
seicht, ganz stark procurva gebogen. — Augenhügel 2,8 mm breit, 
2 mm lang. Die vordere Reihe so schwach procurva gebogen, daß 
eine die M.A. vorn tangierende Gerade die S.A. jedenfalls nicht hinter 
der Mitte schneiden würde; die Augen fast gleich groß, die M.A. 
unter sich fast in ihrem Durchmesser, von den S.A. um ein Un- 
bedeutendes weniger entfernt. Die Augen der hinteren Reihe gleich 
groß, deutlich kleiner als die vorderen S.A. ; die M.A. von den S.A. 
etwa in der Hälfte ihres kürzesten Radius, von den vorderen S.A. 
um mehr als ihren kürzesten Durchmesser entfernt. Die hintere 
Reihe bildet mit beiden Rändern eine schwach recurva gebogene 
Linie. Der Vorderrand des Augenhügels fällt in der Mitte, von oben 
gesehen, mit dem Rande des Clypeus zusammen. Die vorderen S.A. 
vom letzteren um kaum ihren kürzesten Durchmesser entfernt. — ■ 
Mandibeln 9 mm lang, an der Basis 8 mm breit; Stridulations- 
organ dritter Type. — Sternum 7,5 mm lang, 7 mm breit. Die 
hinteren Sigillen unter sich um 2,7, vom Seitenrande um 2,5 mm, 
von der Hinterspitze des Sternum um 3 mm entfernt; die vorderen 
unter sich um 4,6, vom Seitenrande um 1,5 mm entfernt. — Länge 
der Palpen: Cox. 6,5 (3 mm breit), Troch. 2, Fem. 9, Fat. 5, 
Tib. 6, Tars. 6,5 mm, zusammen 35 mm lang. Das Femoralglied 
außen mit feiner, filzartiger Behaarung, die jedoch keine Scopula 
bildet. Das Tarsalglied nicht verdickt. — Länge der Beine: I Coxa 
7,5, Troch. 3,5, Femur 11,5, Patella 7,5, Tibia 9,5, Metatarsus 7, 
Tarsus 6 mm; H bezw. 6,5; 3,3; 10,5; 6,5; 6,5; 6.5; 6 mm; 
m bezw. 5,5; 3; 9,5; 6; 6; 7,5; 6 mm; IV bezw. 7; 4; 13,5: 
7,5; 11,5; 11,5; 7 mm. Totallänge: I 52,5; II 45,8; HI 43,5; IV 
62 mm. Charakteristisch ist hier, daß viele Glieder gleich lang sind : 
I Coxa = Patella , II Coxa = Patella = Tibia = Metatarsus , III 
Patella = Tibia = Tarsus , IV Coxa = Tarsus, Tibia = Metatarsus ; 
Palpen : Coxa = Tarsus. Tibia IV etwas verdickt , in der Mitte 
4,2 mm breit und hoch, Patella IV an der Spitze 4 mm breit und 
hoch, Femur IV an der Spitze 4 mm breit, 4,5 mm hoch. Patella 
+ Tibia I kürzer als IV (bezw. 17 und 19 mm). Scopula fast bis zur 
Basis auch an den hinteren Metatarsen und ungeteilt. — Abdomen 
ohne Mamillen 22 mm lang, 16 mm breit, vorn 14,5 mm breit. 

Die Färbung hell roströtlich braun mit ebensolcher kurzer. 
anUegender Behaarung und längeren, abstehenden, rötlichgelben 
Haaren bekleidet; letztere glänzen in Spiritus z. T. goldig. Der 
Rand des Cephalothorax und besonders des Clypeus hellgrau. Die 



— 27 — 

Augen der vorderen Reihe und die Vorderseite der hinteren schwarz 
begrenzt; die 4 hinteren gelb, die vorderen schwärzlich. Die Man- 
dibeln oben kaum dunkler, die nackte Außenfläche blutrot; die Klaue 
schwarz, an der Basis schwach gerötet. Der Lippenteil und Vorder- 
rand des Sternum hellrot; die Spitze des ersteren durch die Be- 
wehrung (Spinulen) in einer Breite von 1,2 mm schwärzlich er- 
scheinend. Coxenglied der Palpen hell rötlichgelb , die Bürste in 
Spiritus rotbräunlich erscheinend ebenso wie die des äußeren Falz- 
randes; die des inneren heller, goldig glänzend. Sternum undeut- 
lich dunkler umrandet, Sigillen blutrot. Die vorderen der haarlosen 
rötlichen Streifen der Patellen sehr breit und deutlich, die hinteren, 
sowie die der Tibien undeutlich. Epigaster und Lungendeckel sehr 
wenig heller als der Bauch. Die Spinnwarzen wie das Abdomen, 
an der Spitze unten etwas heller, rötlicher. 

Fundort: Dualla, Kamerun (Gebr. Spellenberg). 

Unter den verwandten Arten unterscheidet sich H. crassipes 
Poe. 1897 durch das an der Basis verdickte Tarsalglied, H. gigas 
Poe. 1897 durch eine Vertiefung vor der Rückengrube , H. Gres- 
hoffi (SiM.) 1891 durch andere Färbung und dadurch, daß die Höhe 
der Tibia IV nicht geringer als die des Femur ist (hier bezw. 4,2 
und 4,5 mm) etc. 

7. Hysterocrates Vosseleri Strand n. sp. 

$. Cephalothorax vom Hinterrande ziemlich steil ansteigend, 
zwischen den Coxen HI fast horizontal, von der Rückengrube wieder 
deutlich ansteigend , am Kopfteile horizontal ; der Hinterrand des 
Augenhügels fast im Niveau mit der Mitte des Rückens des Kopf- 
teiles, der Gipfel des Hügels erheblich höher emporragend ; von der 
Rückenfurche deutliche Seitenfurchen gegen die Mitte der Coxen IV, 
den Vorderrand der Coxen III und II und die Mitte des Coxen- 
gliedes der Palpen; die Entfernung dieser Furchen am Rande ist 
von hinten nach vorn bezw. 5 ; 4,5 und 7 mm ; nach vorn von der 
Rückengrube eine schwach vertiefte Mittellinie bis zum Augenhügel, 
aber eine zweite, vordere Grube findet sich nicht. Der Rand des 
Clypeus ganz schwach recurva gebogen, mit rötlichen, gerade nach 
vorn gerichteten Borsten besetzt. Der Hinterrand in der Mitte ganz 
schwach ausgerandet. Die größte Breite zwischen den Coxen IL 
Die Rückengrube ganz tief und procurva. — Die vordere Augen- 
reihe procurva : eine die M.A. vorn tangierende Linie würde die S.A. 
hinter der Mitte schneiden ; die M.A. größer, unter sich um weniger 



— 28 — 

als ihren Durchmesser, von den S.A. etwa in ihrem halben Durch- 
messer entfernt. Die S.A. der hinteren Reihe ein wenig größer als 
die M.A., aber gleich geformt, hinten stark zugespitzt, sich und die 
vorderen M.A. fast berührend und in so stark recurva gebogener 
Reihe, daß eine die S.A. vorn tangierende Linie die M.A. fast im 
Zentrum schneiden würde. Die hinteren S.A. kleiner als die vorderen 
und von diesen etwa in ihrem kleineren Durchmesser entfernt. Der 
Augenhügel 3 mm breit, 2,1 mm lang. — Länge des Cephalothorax 
mit Mandibeln 25,5 mm, ohne Mandibeln 19,5 mm, von der Rücken- 
grube zum Rande des Clypeus 13 mm, zum Hinterrande 6 mm, die 
größte Breite 15,5, Breite des Clypeus 9,5, am Hinterrande 10 mm; 
dabei ist die Totallänge 50 mm bei einer Abdominallänge von 
24,5 mm und -breite von 16,5 mm. Die procurva gebogene Rücken- 
grube 4 mm. — Mandibeln 10 mm lang, an der Basis 8,5 mm 
breit, in der Mitte 7 mm hoch, der Länge nach stark gewölbt, oben 
ganz dicht mit rötlichgelben, 5 — 6 mm langen Borsten bekleidet. 
Am inneren Falzrande 11 stumpfe, starke, tiefschwarze Zähne, von 
denen die 4 vorderen die größten und unter sich gleich groß sind, 
dann 4 etwas kleinere, nach hinten an Größe allmähhch abnehmende 
Zähne , während die hinteren 3 etwas größer als die mittleren und 
unter sich gleich groß sind ; der äußere Falzrand bildet eine erhöhte, 
dicht mit rotgelben Borsten besetzte, unbezahnte Leiste. Die Klaue 
7,5 mm lang. Kein Rastellum. — Lippenteil 2,3 mm lang, an 
der Basis 3 mm breit; die Spitze (in einer Breite von 1 mm) so 
dicht mit winzigen, schwarzen Zähnchen besetzt, daß die Haut fast 
ganz verdeckt wird. — Das Coxenglied der Palpen halb so breit 
als lang (bezw. 3,5 und 7 mm), nur an der inneren, vorderen. Ecke, 
aber ebenso dicht wie der Lippenteil , spinuliert ; das Patellarglied 
an der Spitze 2,8 mm hoch, Tibial- und Tarsalglied parallelseitig, 
ersteres ein klein wenig höher (bezw. 2,5 und 2,2 mm) , letzteres 
allein mit Scopula, die breiter als das Glied ist und bis zur Basis 
reicht. Die Palpen ganz unbestachelt ; die Länge beträgt: beide 
Grundglieder 9,5, Femoralglied 9,5, Patellarglied 6,5, Tibialghed 7, 
Tarsalglied 7 mm , zusammen 39,5 mm. — Die hinteren Sigillen 
des Stern um unter sich um 2,6, vom Rande derselben um 2,2 mm 
entfernt, die vorderen unter sich um 4,2, vom Rande des Sternum 
um 1,2 mm entfernt; letzteres fast so breit als lang (bezw. 7,2 und 
7.5 mm). — Die Beine mit ungeteilter Scapula, die an den Meta- 
tarsen bis zur Basis (I — HI) oder fast bis zur Basis (IV) reicht, mit 
kleinen Stacheln nur unten an der Spitze der Metatarsen: 2 — 3 an 



I 



— 29 — 

I — III, 4 an IV. die in der Scopula ganz versteckt sind, mit 2 mutiken 
Krallen und Unguicularfaszikeln. Die Tarsen sind nicht breiter als 
die Metatarsen, Patellen + Tibien IV länger als I (bezw. 19,5 und 
18,6 mm), Tibien IV erheblich breiter als die Metatarsen (bezw. 
4,8 und 2,8 mm), aber wenig breiter als die Patellen IV (4 mm), 
die 4,2 mm hoch sind , während die Tibien IV so hoch als breit 
(4,8 mm) und so hoch als die Femoren IV sind. Patella + Tibia I 
so lang als Cephalothorax ohne Mandibeln ; letzterer aber kürzer 
als Patella + Tibia IV (bezw. 19,5 und 21,5 mm). Bein IV um mehr 
als die Hälfte seines Tarsus länger als 1 (bezw. 5,5 und 8 mm). 
Coxen IV dicker als die übrigen : 4,5 mm , I 3,8 mm , aber kürzer 
als I (bezw. 6,6 und 8,5 mm). Länge der Beine : I Coxa + Troch. 
12,5, Femur 14, Patella 9, Tibia 10,5, Metatarsus 9, Tarsus 6,5 mm ; 
II bezw. 10; 12; 7; 8,5; 8; 6 mm; III bezw. 8; 11; 7; 7; 8,5; 
6,5 mm; IV bezw. 10; 15; 9; 12,5; 12,5; 8 mm. Totallänge: 
I 61,5; II 51,5; III 48; IV 67 mm. — Die größte Breite des 
Abdomen in der Mitte, nach vorn und hinten gleichmäßig ver- 
schmälert, an beiden Enden quer geschnitten und 11 mm breit. 
Die 3 Glieder der oberen Spinnwarzen von innen ab bezw. 2,7 ; 2,7 
und 3 mm lang. 

In Spiritus erscheint das ganze Tier braun gefärbt, mit ein wenig 
hellerer, rötlicherer Behaarung. Die vorderen M.A. grünlichgrau, 
schmal, undeuthch schwarz umringt, die anderen Augen gelbglänzend, 
ein wenig ockerfarbig. Die Furchen des Cephalothorax ein wenig 
dunkler, der Rand heller. Mandibeln oben etwas dunkler, unten 
hell rötlichbraun; die Klaue tiefschwarz. Der Lippenteil an der 
Spitze, das Coxenglied der Palpen an der Basis wegen der dicht- 
stehenden Spinulen schwarz erscheinend. Sternum am Rande ein 
wenig dunkler ; die Sigillen blutrot. Scopula dunkelgrau , ganz 
schwach grünlich glänzend, Stacheln und Krallen schwarz. Lungen- 
deckel undeutlich heller begrenzt, aber die Spalte schwärzlich ; Epi- 
gaster bildet ein schwarzbraunes, etwa trapezförmiges, hinten etwas 
abgerundetes Feld, das vorn 1,5, hinten 4 mm breit und 4 mm 
lang ist. Die Spinnwarzen unten dunkler, mit einer undeutlichen 
helleren Mittellinie. Der Innenrand des Coxenghedes und die Falz- 
ränder der Mandibeln mit lebhaft roten oder gelbroten Haaren be- 
kleidet. 

Trocken gesehen erscheint die Behaarung rotgelb bis rotbraun. 
Die hinteren Metatarsen oben mit feinen, abstehenden Haaren, die 
etwa doppelt so lang als der Durchmesser des GHedes sind: die 



- 80 — 

hinteren Tibien mit ähnlichen Haaren, die doch nicht oder wenig 
länger als der Durchmesser des Gliedes sind. 

Fundort: Malimba,* West- Afrika (Pahl). 

Unsere neue Art unterscheidet sich leicht von allen bisher be- 
kannten Hysterocrates- kiien ; bei H. didymus Poe. 1900 und //. cras- 
sipes Poe. 1897 ist das Tarsalglied der Palpen an der Basis stark 
verdickt, bei H. Sjöstedti (Thorell) ist die äußere Seite des Femoral- 
gliedes scopuliert, H. scepticus Poe. 1900 hat eine seichte Quergrube 
vor der Rückengrube und Bein IV ist um mehr als seinen Tarsus 
länger als I, H. hercules Poe. 1899 hat eine ähnliche, zweite Rücken- 
grube wie scepticus, und Patella + Tibia IV kürzer als I, H. apo- 
stolicus Poe. 1900 hat viel längere Hinterbeine und breiteren Cephalo- 
thorax, bei H. rohustus Poe. 1899 ist Bein IV um mehr als seinen 
Tarsus länger als I und Metatarsus IV länger als Tibia IV, bei 
H. gigas Poe. 1897 und laticeps Poe. 1897 ist „width of tibia of 
posterior leg much less than width of femur" (cfr. unter folg. Art!) 
und H. Greshofß (Sim.) 1891 weicht in der Färbung und Augen- 
stellung von unserer Art ab, während die ziemlich dubiöse Art 
H. („Selenocosmia") Greeffi (Karsoh) sich durch kürzere Beine 
unterscheidet. 

8. Hysterocrates gigas Poe. 1897. 

$. Totallänge ohne Spinnwarzen 65 mm. Cephalothorax mit 
Mandibeln 37, ohne 29 mm lang, 23 mm breit, am Clypeus 17, am 
Hinterrande 14 mm breit. Die Rückengrube vom Vorderrande 20, 
vom Hinterrande 8 mm. Augenhügel 3,8 mm breit, 2,8 mm lang. 
Mandibeln 16 mm lang, an der Basis 14 mm breit; die Klaue 11 mm 
lang. Sternum 11,5 mm lang, 10 mm breit; die hinteren Sigillen 
unter sich und vom Seitenrande um 3,5, von der Hinterspitze um 
0,5 mm entfernt; die vorderen unter sich um 6,5, vom Seitenrande 
um 1,5, vom Vorderrande um 6 mm entfernt. — Palpen: Coxenghed 
10 mm lang, 5 mm breit, Troch. 3,5, Fem. 14,5, Pat. 8,5, Tibial. 10, 
Tars. 10 mm, zusammen 56,5 mm. — Beine : I Coxa 13, Troch. 7, 
Fem. 18, Pat. 12,5, Tibia 15, Metat. 14, Tars. 9 mm; II bezw. 10,5; 
6; 17; 10,5; 12; 12; 9 mm; HI bezw. 8,5; 5,5; 16; 10; 10,5; 13, 
9 mm: IV bezw. 10; 6; 21,5; 12; 15,5; 18,5; 9,5 mm. Totallänge: 
I 88,5; II 77; III 72,5; IV 93 mm. Wenn wir nicht die beiden 
Grundglieder mitnehmen, bekommen wir: I 68,5; II 60,5; HI 58,5; 
IV 77, was mit den Angaben in der Originalbeschreibung ganz gut 
stimmt. Femur IV 6,5 mm hoch, Patella IV 5,7 mm hoch und breit. 



- 31 — 

Tibia IV schmäler. — Abdomen ohne Spinnwarzen 27 mm lang, 
20 mm breit. Das Endghed der Spinnwarzen 5 mm , die beiden 
andern 4 mm lang. 

Die Grundfarbe nur an der Oberseite des Cephalothorax schwarz- 
braun , sonst braun. — Die vordem M.A. sind (trocken gesehen!) 
deutlich größer als die S.A. und unter sich nicht mehr als in ihrem 
Radius entfernt; in Spiritus erscheint aber dieser Zwischenraum 
größer, so daß Pocock's Beschreibung „only a little less than their 
diameter" in dem Falle paßt. Der Lippenteil deutlich breiter als 
lang (bezw. 4 und 3,5 mm). — Außerdem weicht das einzige vor- 
liegende Exemplar, wie aus obigem ersichtlich, in den Längen- 
verhältnissen der Beine ein wenig von der Originalbeschreibung ab. 

Von H. scopulaUis m. dadurch zu unterscheiden , daß die 
Tibien IV bei gigas fast zylindrisch sind; an der Basis ein klein wenig 
schmäler als an der Mitte und Spitze, an der Basis unbedeutend höher 
(5 mm) als an der Mitte und Spitze, und daß die Rückengrube tiefer, 
ein wenig stärker procurva und vorn von einem Querhöcker begrenzt 
ist. Ferner sind die vorderen M.A. hier unter sich weniger entfernt 
und der Kopfteil erscheint der Länge nach etwas gewölbt etc. 

Fundort : Kamerun (Pahl). 

9. Hysterocrates Haasi Strand n. sp. 

$. Totallänge 58 mm. Cephalothorax ohne Mandibeln 23,5 mm, 
mit Mandibeln 28 mm lang, zwischen den Coxen II 18 mm breit, 
am Hinterrande und Clypeus je 11,5 mm breit. Die Entfernung 
der Rückengrube vom Hinterrande 6,2 mm, vom Hinterrande des 
Augenhügels 12,5 mm. Der Augenhügel 3,2 mm breit, 2,5 mm 
lang, das Augenfeld 3,2 mm breit und 1,8 mm lang. Die vordere 
Reihe so stark procurva, daß eine die M.A. vorn tangierende Gerade 
die S.A. deutlich hinter dem Zentrum schneiden würde ; die Augen 
an Größe wenig verschieden und unter sich fast gleich weit (un- 
bedeutend weniger als der Durchmesser) entfernt. Die hintere Reihe 
vorn ganz schwach, hinten deutlicher recurva; die M.A. bei weitem 
die kleinsten, von den vorderen M.A. etwa in ihrem kürzesten Radius, 
von den hinteren S.A. noch weniger entfernt; letztere kleiner als 
die vorderen S.A. und von diesen fast in ihrem längsten Durch- 
messer entfernt. Der Vorderrand des Augenhügels fast mit dem 
Rande des Clypeus zusammenfallend. — Die Rückengrube ganz 
tief, schmal, stark procurva gebogen, vorn ohne Höcker oder Ein- 
senkung, 3,2 mm lang. — Mandibeln 11 mm lang, 10 mm breit. 



— 32 — 

Am inneren Falzrande 9 Zähne, von denen die zwei vorletzten kleiner 
sind. — Sternum 9,5 mm lang, 9 mm breit, am Vorderrande 
5 mm breit. Die Sigillen sehr groß und tief; die beiden hinteren 
unter sich um 3,4, vom Seitenrande um 2,9, von der Hinterspitze 
4 mm entfernt , die vorderen , die viel breiter als lang sind , unter 
sich um 5 mm, vom Seitenrande um 1,2 mm entfernt. — Lippen- 
teil 3,3 mm breit, 2,6 mm lang. — Palpen. Coxenglied 9 mm 
lang, 4,6 mm breit; Troch. 3,6, Fem. 10 mm (4 mm hoch), Fat. 6,5, 
Tib. 8, Tarsus 8 mm. Das Tibialglied breiter als das Tarsalglied 
(bezw. 3 und 2,7 mm) und höher (bezw. 3 und 2,5 mm). Das 
Femoralglied ist außen s c o p u 1 i e r t ; diese Scopula ist durch einen 
breiten , kahlen Längsstreifen (ähnlich demjenigen an den andern 
Femoren) geteilt, unter diesem am längsten und dicksten, nach oben 
zu allmählich verschwindend. Totallänge der Palpen 45,1 mm. — 
Beine. I Coxa 10, Troch. 5. Fem. 13,5, Pat. 9, Tibia 12, Metat. 9,2, 
Tarsus 7 mm; 11 bezw. 8,5; 4,5; 12,2; 8; 9,2; 9; 7,2 mm; III 7,5; 
4.5; 11; 7,7; 8,7; 9; 7,2 mm; IV bezw. 9,5; 5; 18,5; 10; 14; 14,2; 
8.5 mm. Totallänge: I 65,7; 11 58,6; III 55,6; IV 79,7 mm. Totallänge 
ohne die beiden Grundglieder: I 50; II 45,6; III 43,6; IV 65,2 mm. 
Also : IV, I, II, III. Die Coxen I die längsten , IV die breitesten : 
I 10 mm lang, 4,6 mm breit, IV 9,5 mm lang, 6 mm breit. Femur IV 
6,4 mm hoch kurz außerhalb der Mitte , daselbst 5 mm breit, an 
der Spitze 5,7 mm breit: Patella IV 5,5 mm breit und hoch; Tibia IV 
6,2 mm hoch 6,3 mm breit in der Mitte , 5,5 mm breit an der 
Spitze; Metatarsus IV 4 mm breit und hoch; Tarsus IV 3,1 mm 
breit. Am I. Paar sind die Tarsen ein wenig breiter als die Meta- 
tarsen (bezw. 3 und 2,9 mm), am II gleich (2,8 mm), am III und IV 
schmäler (bezw. 2,7 und 2,9 mm [III], 3,1 und 4 mm [IV]). Über- 
haupt ist der Art charakteristisch, daß die Hinterbeine und zwar 
alle Glieder erheblich dicker sind; die Metatarsen geformt wie die 
Tibien. — Stacheln nur an der Spitze der Metatarsen. — Scopula 
ungeteilt, breiter als die Glieder, an allen Paaren bis oder fast bis 
zur Basis der Metatarsen reichend. 

Abdomen ohne Spinnwarzen 30 mm lang, in der hinteren 
Hälfte 16,5 mm breit, am Petiolus 8 mm breit; etwa 4 mm von der 
Basis hat es eine schwache Einschnürung, die kaum künstlicher 
Natur sein wird und i-st daselbst 12 mm breit. Abdomen ist also 
vorn lang zugespitzt, nach hinten erweitert und zwar in der Mitte 
des Hinterrandes quer geschnitten. — Mamillenglieder , von der 
Basis an, bezw. 3,2; 3; 3,5 mm lang. 



— 33 — 

Das ganze Tier braun, durch die feine anliegende Behaarung, 
besonders oben am Cephalothorax, etwas olivengraulich. Der Rand 
des Cephalothorax heller, die hinteren Augen lebhaft ockergelb, die 
vorderen dunkelgrünlich glänzend ; letzere und die Vorderseite der 
hinteren schmal schwarz angelegt. Die Patellen oben mit zwei ganz 
breiten, kahlen, blutroten Längsstreifen, die nicht die Spitze und 
nur z. T. die Basis erreichen ; am I sind beide gleich deutlich , an 
den Hinterpaaren der äußere der breiteste. Femur IV oben mit 
zwei ähnlichen, nur vor der Spitze deutlichen Streifen ; alle Femoren 
hinten mit einem nicht ganz weder Basis noch Spitze erreichenden 
ähnlichen Streifen, der in der Basalhälfte am breitesten ist. Die 
beiden hinteren Femoren sehr dicht und fein filzartig behaart. 
Scopula dunkelgrau, stark grttnglänzend. Mandibeln kaum dunkler; 
die Klaue tiefschwarz, an der Basis nicht rot. Coxenglied der 
Palpen und Lippenteil hellrot, ersteres am Außenrande, letzterer in 
der Basalhälfte schwarz. Sigillen trüb rot. Die Bürste der Falz- 
ränder und des Coxengliedes heUrot. Abdomen unten ein wenig 
dunkler braun: Epigaster jederseits von einem schmalen, kahlen, 
rötlichgelben Streifen begrenzt. 

Fundort : Kamerun (Haas). 

Durch die Scopulierung des Femoralgliedes mit H. (Lycotliarses), 
Sjöstedti (Th.) verwandt ; bei dieser Art sind aber Patella + Tibia IV 
gleich I, Scopula soll nicht breiter als die Gheder sein, die Körper- 
länge nur 40 mm, die Beine „paene aequali crassitie" etc. 

10. Hystcrocrates laticeps Poe. 1897. 

6. Totallänge ohne Spinnwarzen 52 mm. Cephalothorax 
ohne Mandibeln 24, mit 29 mm lang, 21 mm breit, am Clypeus und 
Hinterrande je 12 mm breit. Der Cephalothorax höher und gewölbter 
als bei der vorigen Art; der Brustteil, ringsum die tiefe Rückengrube 
deutlich der Quere nach gewölbt. Die Seiten des Cephalothorax 
zwischen den Coxen I und II parallel und daselbst dessen größte 
Breite; vor den Coxen I der Kopfteil plötzlich und stark verschmälert. 
Die Rückengrube wird vorn von einem kleinen, runden Höcker, vor 
welchem sich eine seichte Quervertiefung findet, begrenzt. — Der 
Augenhügel 3 mm breit, 2,6 mm lang, hoch und stark gewölbt, 
vom Hinterrande 20,5 mm entfernt. Die Augenstellung ähnelt der- 
jenigen der vorigen Art; jedoch sind die vorderen M.A. größer, 
deutlich größer als die S.A. , unter sich und von den letzteren in 
ihrem Radius entfernt ; die Reihe so wenig gebogen , daß eine die 

Jahreshefte d. Vereins f. vaterl. Naturkunde in Württ. 1906. 3 



- 34 — 

M.A. vorn tangierende Gerade die S.A. im Zentrum schneiden würde. 
— Das Femoralglied der Palpen wie bei der vorigen Art außen 
scopuliert. Die Kopulationsorgane bestehen aus einem dunkelroten, 
stark glänzenden, länglichrunden Bulbus, der 3 mm lang, 2 mm 
breit von der Seite gesehen , 2,2 mm breit von unten gesehen ist, 
mit einem schmalen und kurzen Stiel mit dem Tarsalgliede zu- 
sammenhängend, sowie nach hinten und ein wenig nach unten gerichtet 
ist; an der Basis zeigt er ein dünnes, plattenförmiges, dem Haupt- 
teil dicht anliegendes und davon kaum zu unterscheidendes Stück; 
von der Außenseite der Basis entspringt die 4,3 mm lange Spina, 
die sich gegen die etwas schräge, aber scharfe Spitze allmählich 
verschmälert, der ganzen Länge nach gleichmäßig nach oben konvex 
gebogen, nach hinten parallel zum Tibialghede und ein wenig nach 
innen gerichtet ist. Die ganze Unterseite des letzteren so dicht mit 
abstehenden, braungelben Haaren besetzt, daß die Kopulationsorgane 
fast ganz verdeckt sind. Länge der Palpen : Coxenglied 7,5 (4,2 mm 
breit), Troch. 4, Fem. 10,5, Patell. 6. Tib. 9,5, Tarsalglied 4,2 mm 
lang (3,5 mm hoch), zusammen 41,7 mm lang. — Beine. Länge: 
I Coxa 11, Troch. 5, Femur 19, Patella 11, Tibia 17,5, Metat. 14, 
Tarsus 9 mm ; H bezw. 9; 4,8; 17; 9,5; 13; 13,5; 8,5 mm; HI 
bezvv. 8; 4,5; 15; 9; 10; 12,5; 8,5 mm; IV bezw. 9,2; 5,2; 21; 
11; 17; 18,5; 9,5 mm. Totallänge: I 86,5; H 75,3; HI 67,5; 
]V 91,4 mm. Wenn man die Länge der Coxen + Trochanteren ab- 
zieht, bekommt man: I 70,5; II 61,5; HI 55; IV 77 mm. Die 
Coxen I in der Endhälfte breiter als an der Basis (bezw. 5,5 und 
4,1 mm); Femur IV in der Mitte 6 mm hoch, 5 mm breit, an der 
Spitze 5,5 mm breit; Patella IV an der Spitze 5,5 mm breit und 
hoch; Tibia IV 5 mm breit und hoch in der Mitte, 4,8 mm breit 
an der Basis, 5 mm breit und 4,4 mm hoch an der Spitze; Meta- 
tarsus IV in der Mitte nicht verdickt: 3 mm breit und hoch, an 
der Basis 3,3 mm breit, 3,1 mm hoch, Tarsus IV 2,8 mm breit. 
Die hintersten Beine die kräftigsten. Alle Glieder der Extremitäten 
sowie das Abdomen reichlich mit sehr langen, feinen, abstehenden, 
an der Basis rotbraunen, gegen die Spitze helleren Haaren bekleidet. 
— Abdomen 23 mm lang, in der Mitte 13 mm breit, nach vorn 
und hinten gleichmäßig verschmälert. 

Fundort : Kamerun (Haas). 

Ob diese Art wirklich mit Pocock's laticeps identisch ist, kann 
eine Frage sein, weil er nichts von der so charakteristischen, wenn 
auch ganz leicht zu übersehenden Scopulierung des Femoralgliedes 



— 35 — 

sagt. Sollte die Art neu sein, möchte ich den Namen camerunensis m. 
in Vorschlag bringen. 

Scodra L. Becker 1879. 

11. Scodra calceata (Fabr.) 1793. 

Fundorte : Akropong, West-Afrika (Barth) ; Akem, West- Afrika 
(Mohr); Akem (Bender); Lagos (Mann); West-Afrika (Mohr); Gold- 
küste (H. Simon). 

$. Totallänge 53 mm. Cep halothorax ohne Mandibeln 
24 mm lang, mit 31 mm lang, 20,5 mm breit. Entfernung der 
Rückengrube vom Vorderrande 14,5, vom Hinterrande 9,5, vom 
Vorderrande des Mandibels 21,5 mm. — Die Rückengrube seicht, 
breit, wenig deutlich, ganz schwach recurva gebogen. — Die vorderen 
Augen fast gleich groß (die M.A. vielleicht ein wenig größer); die 
Reihe so schwach procurva, daß eine die M.A. vorn tangierende 
Linie die S.A. in oder ein wenig vor dem Zentrum schneiden würde; 
die M.A. unter sich um weniger als ihren Durchmesser, von den 
S.A. halb so weit entfernt. Die hinteren S.A. deutlich kleiner als 
die vorderen, aber größer als die hinteren M.A., von den vorderen 
S.A. etwa in ihrem kürzesten Durchmesser, von den hinteren M.A. 
nur halb so weit entfernt; letztere von den vorderen M.A. um ihren 
Durchmesser entfernt. Die hintere Reihe vorn fast gerade, hinten 
deutlich recurva. Die vorderen M.A. im Durchmesser etwa 1 mm, 
vom Rande des Clypeus 1,4 mm entfernt. Der Augenhügel 5 mm 
breit, 3 mm lang. In Spiritus gesehen erscheinen die vorderen M.A. 
unter sich um mehr als Augenbreite entfernt, was mit Karsch's 
„Stromatopelma alicapiUaUim" stimmt. — Beine. Die Tarsalkrallen 
mit 3 ganz kleinen und dicht beisammen stehenden , gleich großen 
Zähnen, einem vierten etwas größeren und weiter apicalwärts stehen- 
den, sowie noch je einem winzig kleinen Zähnchen außen und innen 
von diesen vier. An allen Tarsen eine schmale Mittellinie, wo die 
Scopulahaare kürzer sind, so daß sie als eine feine Vertiefung er- 
scheint ; darin stehen doch keine Borsten. Länge : I Coxa 10,5, 
Troch. 5, Femur 19, Patella 11, Tibia 15, Metat. 14, Tarsus 9 mm; 
II bezw. 9; 5; 16,5; 9,5; 13,5; 12,5; 8 mm; III bezw. 8,5; 4,5; 
14; 8; 11; 11,5; 8 mm; IV bezw. 8,5; 5; 17; 9; 14,5; 15,5; 
8,5 mm. Totallänge: I 83,5; II 74; III 65,5; IV 78 mm. - 
Palpen: Cox. 9,5; Troch. 4,5; Fem. 13. Pat. 8, Tib. 9,5, Tars. 10, 
zusammen 54,5 mm. — Abdomen 24,5 mm lang, 17 mm breit. 

Obige Beschreibung nach dem Ex. von „West-Afrika (Mohr)". 

3* 



— 36 — 

Bei einem 2 von Akem ist der Cephalothorax 23 mm lang und 20 mm 
breit und die Beine 1 : Fem. 19,5, Fat. + Tib. 25, Metat. 12 (Tibia 13), 
Tarsus 8,5, zusammen 65 mm; IV bezw. 15,5; 23: 16 (14,5); 8, 
zusammen 62,5 mm (ohne Coxa + Troch.). Die Ausdehnung und 
Deuthchkeit der schwarzen Färbung der Unterseite und der Femoren 
variieren bei den vorliegenden, unzweifelhaft conspezifischen Exem- 
plaren so sehr, daß spezifische Unterscheidungsmerkmale davon holen 
zu wollen, wenig Wert haben kann. 

d (von Akem). Totallänge 36 mm. Cephalothorax 14,5 mm 
lang, 13 mm breit. Abdomen 17 mm lang, 10 mm breit. Beine: 
I Coxa + Troch. 9,5, Femur 12,5, Fat. 6,6, Tibia 10, Met. 10, Tar- 
sus 6,5 mm; II bezw. 9; 12; 6,2: 9,5; 9,5; 6 mm; III bezw. 7,5; 
10,5; 5; 7,2; 8,5; 5,5 mm; IV bezw. 8,5; 13; 6: 10,5; 12; 6 mm. 
Totallänge: I 55.1; II 52,2; III 44,2; IV 56 mm. — Falpen: Cox. 
+ Troch. 8,5; Fem. 9,5, Fat. 4,5, Tib. 7,8, Tars. 4, zusammen 
34,3 mm. Entfernung der Spitze der Spina vom Rücken des Tarsal- 
gliedes 5,2 mm. — Die Unterseite des Cephalothorax und Coxen 
gebräunt, aber nicht schwarz; die Femoren unten nicht dunkler als 
oben. Metatarsus I unten in der Basalhälfte mit einer Bürste feiner. 
gerade abstehender Haare , ähnlich wie bei griseipes Foc. , jedoch 
nicht so lang (nach der Abbildung zu beurteilen). Die Falpenspina 
kürzer und robuster als sie bei griseipes und hrachypoda zu sein 
scheint, ganz schwach und gleichmäßig gebogen, am Ende plötzlich 
zugespitzt. — Patella + Tibia IV gleich I. Metatarsus IV kürzer als 
Cephalothorax. 

Hetei'oscodva Foc. 1899. 

12. Heteroscodra maculata Foc. 1899. 

Fundorte: Lome, Togoland (Schneider): W. -Afrika, Anithah 
(Spieth); Goldküste (trocknes Ex.). 

$ (von Anithah). Totallänge 45 mm. Cephalothorax ohne 
Mandibeln 21 mm lang, 17 mm breit, am Clypeus und Hinterrande 
10,5 mm breit. Die P^ntfernung der Rückengrube vom Clypeusrande 
11,5, vom Hinterrande 9,5, von der Spitze der Mandibeln 18 mm. 
Augenhügel und Rückengiube je 4 mm breit und 2,6 mm lang. — 
Die vordere Augenreihe sehr wenig recurva, so daß eine die M.A. 
vorn tangierende Linie die S.A. deutlich vor dem Zentrum schneiden 
würde; die M.A. erheblich größer, unter sich um weniger als ihren 
Durchmesser, vom Rande des Clypeus in dem Durchmesser, von den 
S.A. um kaum den Radius entfernt. Die hintere Reihe schwach 



— 'M — 

recurva; die S.A. größer als die hinteren M.A., aber ein wenig kleiner 
als die vorderen S.A., von den letzteren um weniger als den kürzesten 
Durchmesser der hinteren entfernt. Die hinteren M.A. von den 
hinteren S.A. kaum in ihrem halben, von den vorderen M.A. fast 
in ihrem ganzen Durchmesser entfernt. — Mandibeln 9 mm lang 
und so breit an der Basis. — Palpen : Cox. 7, Troch. 3,5, Fem. 10, 
Pat. 6,4, Tibia 6,4, Tars. 7,3 mm, zusammen 40,6 mm. — Beine: 
I Coxa 8, Troch. 3,5, Femur 12,5, Patella 8, Tibia 10, Metatarsus 
9,5, Tarsus 6,5 mm; II bezw. 7,5; 3,2; 12; 7,5; 9; 8,6; 6 mm; 
m bezw. 6,5; 3.2; 10,5; 6,5; 8; 9; 5,5 mm; IV bezw. 7,5; 3,5; 
14; 8; 11,5: 11,5; 6,8 mm. Totallänge: I 58; II 53,8; III 49,2; 
IV 62,8 mm. Tibia IV 6 mm breit und hoch, Femur IV 5,5 mm 
hoch, an der Spitze 5 mm breit. Mit Ausnahme der Tibien sind 
die vorderen und hinteren Beinpaare an Dicke wenig verschieden. — 
Abdomen 21 mm lang, 16 mm breit. 

Weicht von der Originalbeschreibung von H. maculata Poe. 
durch etwas schmäleren Cephalothorax und kürzere Beine IV ab. 
Ferner ist Metatarsus IV gleich Tibia IV und die Färbung ist ein 
wenig anders. Cephalothorax größtenteils weißlich behaart und die 
dunklen Längsbinden sind nicht breiter als die weißen Marginal- 
binden, sowie mehr oder weniger von weißen Streifen unterbrochen. 
Die Mandibeln, sowie die Oberseite der Coxen, Trochanteren und 
Femoren weißlich behaart wie der Cephalothorax. Abdomen oben 
mit einer grauweißlichen, vorn und hinten zugespitzten Längs binde, 
die zwischen der Basis und Mitte so breit als die Hälfte des Cephalo- 
thorax ist und von einer feinen dunklen Linie, die sich zweimal vor 
der Mitte stärker und in der Mitte schwächer fleckenförmig erweitert, 
geteilt wird ; an der breitesten Stelle der Längsbinde jederseits ein 
runder, dunkler Fleck. Die Seiten des Rückenfeldes dicht mit kleinen 
weißlichen Flecken bestreut. Die ganze Unterseite hell aschgrau 
behaart; das Coxenglied der Palpen erheblich dunkler als die andern 
Coxen. — Sollte die Art nicht mit maculata Poe. identisch sein, 
möge sie den Namen pnhescens m. bekommen. 

Fam. Eresidae. 

Stefßodyphiis Sim. 1890. 

13, Steyodyphus semicinctus (C. L. Koen) 1846. 

6 Von Koch's Beschreibung und Abbildung etwas abweichend. 

Der schwarze Querstreif durch die vordere Augenreihe ist nicht durch 

eine hellere Längslinie geteilt und erreicht hinten nicht die Kopf- 



— 38 — 

höhe ; die Kopffurchen erscheinen tief schwarz , weil die weiße Be- 
haarung daselbst fehlt, die Mandibeln fast schwarz, das Patellarglied 
rötlichgelb, Femoral- und Tarsalglied dunkelbraun bis schwarz, Ster- 
num dunkel rotbraun, die Coxen im Grunde viel heller, aber ähnlich 
dunkel gestreift. Die vordere der 4 dunklen Querbinden des Abdominal- 
rückens etwas, die hintere viel breiter als die anderen. Abdomen 
an den Seiten und an der Basis schwärzlich , unten jederseits mit 
4 weißlichen Schrägstrichen. Epigaster bräunlich mit 3 weißUchen 
Längsflecken in der Mitte. Femoren I einfarbig schwarzbraun, nur 
unten an der Basis weiß behaart; auch die Tibien I durch die Be- 
haarung etwas dunkler erscheinend als an Koch's Figur. 

Das Femoralglied der Palpen 1,6, Patellarglied 0,9, Tibial- 
glied + Tarsalglied 2 mm lang. Das Patellarglied etwas flachge- 
drückt, von oben gesehen fast kreisförmig; das Tibiälglied sehr 
klein, als eine dünne Platte dem Tarsalglied so dicht angefügt, daß 
es erscheint, als ob letzteres direkt mit dem Patellarglied in Ge- 
lenkverbindung stände ; außen ist es ein wenig erweitert. Lamina 
tarsalis in der Endhälfte lang verschmälert, gleichbreit; Bulbus an 
der Spitze mit einem etwas flachgedrückt stabförmigen, schräg nach 
unten, vorn und außen gerichteten, abstehenden, schwarzen Fortsatz, 
der am Ende oben einen kleinen Querhöcker hat und unten in eine 
feine, schräg nach vorn gerichtete und nach innen gekrümmte Spitze, 
die bei weitem nicht das Ende der Lamina tarsalis erreicht, ver- 
längert ist. 

Cephalothorax 7 mm lang, 5 mm breit, Abdomen 7.5 mm lang, 
4,5 mm breit. Länge des L Beinpaares : Coxa + Trochanter 3,5, 
Femur 6,2, Patella + Tibia 7,5. Metatarsus 5, Tarsus 2,5 mm, zu- 
sammen 24,7 mm. 

Fundort: Fajume, Oberägypten (Märkgraf). 

Fam. Sicariidae. 
Scytoäes Latr. 1804. 

14. Sci/todes marmorata L. Koch 1892. 

Daß die vorliegende, aus Kamerun stammende Art dieselbe ist, 
die von Thorell als S. marmorata L. K. aus Kamerun angegeben 
worden ist, wird ziemlich sicher sein, ob sie aber wirklich mit 
marmorata identisch ist, scheint mir zweifelhaft, denn Cephalothorax 
des $ ist erheblich niedriger, als er nach L. Koch's Beschreibungen 
und Abbildungen sein sollte, und an den Seiten und hinten bei 
weitem nicht „fast senkrecht", bezw. „fast etwas überhängend", 



- 39 — 

sondern vielmehr an den Seiten sanft schräg, hinten nicht viel steiler, 
abfallend. Und die vorderen Augen sind vom Rande des Clj'peus 
um sehr wenig mehr als ihren Durchmesser entfernt, während sie 
nach Koch's Beschreibung um ihren doppelten Durchmesser von 
da entfernt sein sollten; damit stimmen doch die Abbildungen 
nur teilweise, indem die an Fig. 4a (Die Arachniden Australiens, 
Taf. 24) angedeutete Entfernung erheblich kleiner als die an Fig. 4 b 
ist. Die Mandibeln ($) sind kaum länger als das Tarsalglied und 
sehr wenig divergierend ; letzteres länger als das Tibialglied. Die 
Palpen des cj weichen von Koch's Abbildung dadurch ab, daß die 
Spitze des Bulbus mit der Lamina einen Winkel von fast 45'^ bildet; 
seine „Stachelspitze" hat etwas vor dem Ende außen unten einen 
kurzen, zahnförmigen Höcker und ist nicht oder kaum seitlich zu- 
sammengedrückt. Die Femoren des 6 ohne besondere Auszeichnungen. 
— Die Femoren des $ haben 6 — 10 schmale, ganz oder fast ganz 
unterbrochene Ringe , die ebenso deutlich als die der Tibien sind, 
die Patellen fast ganz schwarz, an den Metatarsen außer dem Basal- 
ring bisweilen noch 2 — 3 schmälere, undeutliche Ringe. Beim 6 sind 
die Ringe ganz undeutlich oder durch kleine Punkte ersetzt. — Die 
Zeichnung des Abdominalrückens bei den vorliegenden Exemplaren 
offenbar schlecht erhalten; oberhalb der Spinnwarzen ein z. T. in 
mehrere aufgelöster, in hellerem Felde gelegener, schwarzer Längs- 
fleck und vor diesem 2 — 3 dunkle, undeutliche Querfleckenreihen, 
die sich an den Seiten nach vorn umbiegen. 

Größe des S : Cephalothorax 4,7. Abdomen 6 mm lang. Bein I: 
Femur 17, Patella + Tibia 18,5, Metatarsus 24,5, Tarsus 2 mm, zu- 
sammen 62 mm lang; IV bezw. 12,5; 12,5; 14; 1,6, zusammen 
40,6 mm. — Die Afterkralle der Tarsen sehr klein, mit einem Zahn 
an der Basis, die oberen mit etwa 10 Zähnen. 

$. Cephalothorax 4,2 mm lang, 3,1 mm breit. Mandibeln 1 mm 
(= Tarsalglied). Abdomen 4 mm läng, 2,7 mm breit. — Beine: 
I Femur 9,5, Patella + Tibia 10,5, Metatarsus + Tarsus 14 mm ; II bezw. 
7,8; 8,4: 11 mm; III bezw. 5,5; 5,5; 7,5 mm; IV bezw. 7,5; 7,8: 
9,5 mm. Totallänge: I 34 ; II 27,2; III 18,5; IV 24,8 mm. 

Fundort: Kamerun (Pahl). 

Sollte diese Art nicht mariiiorata L. K. sein , möge sie den 
Namen marmorella m. bekommen. 

15. Scytodes velutina Hein, et Lowe 1835. 

$. Die vorderen M.A. jedenfalls nicht weiter als in ihrem Durch- 



— 40 — 

raesser vom Rande des Clypeus entfernt, von den S.A. um erheblich 
mehr als in ihrer Gesamtbreite entfernt ; letztere auf starken Hügeln 
sitzend. — Das Tibialglied reichlich doppelt so lang als breit. — 
Die beiden Chitinplatten der Epigyne erscheinen trocken gesehen 
als vorn ganz tiefe, hinten seichtere, braungefärbte Gruben, die nach 
vorn und außen zugespitzt, hinten und innen fast gleichmäßig ge- 
rundet, vorn und innen von einem dünnen, stark erhöhten, schwach 
glänzenden Rand umgeben , hinten und außen aber undeutlich be- 
grenzt sind ; unter sich sind sie um mindestens ihren längsten Durch- 
messer getrennt, und die letzteren divergieren stark nach vorn. In 
Spiritus gesehen erscheinen sie braungelb, am Rande dunkelbraun, 
unregelmäßig schwarz gefleckt; vor der Spalte ein brauner Quer- 
streifen, der bis zur Außenseite der beiden Chitinplatten reicht und 
einen schwarzen Querfleck , der dreimal so breit als lang ist , ein- 
schließt. Epigyne hat viel Ähnlichkeit mit derjenigen von S. affinis 

KüLCZ. 

Cephalothorax an den Seiten und vorn dunkel, oben heller 
braun mit kaum erkennbaren Zeichnungen. Von den M.A. bis zum 
Höhepunkt des Cephalothorax (zwischen den Coxen HI und IV) eine 
schwärzliche , beiderseits schmal heller begrenzte Längslinie und 
hinter dieser ein gelblicher, sich hinten erweiternder, aber den Rand 
nicht erreichender Längsstreif. An den Seiten drei undeutliche 
hellere Wische ; oben zwei nach vorn divergierende dunklere Längs- 
streifen. Mandibeln dunkelbraun mit schmalem, hellerem Schrägstrich 
in der Basalhälfte und an der Spitze gelblich ; Maxillen hellbraun, 
Lippenteil und Sternum dunkelbraun , letzteres mit hellerem Fleck 
an der Spitze. Die Beine braungelb ; die Femoren in der Basal- 
hälfte stark gebräunt. 

Totallänge 6 mm. Cephalothorax 2,7 mm lang, 2 mm breit. 
— Beine : I Femur 3,2 , Patella + Tibia 3,5 , Metatarsus + Tarsus 
4 mm lang; II bezw. 2,6: 3; 2,5; HI bezw. 2:2: 2,5; IV bezw. 2,8: 
2,8; 3,4 mm. Totallänge: I 10,7; II 9,1: IH 7.5: IV 9 mm. 

Fundort: Kribi, Kamerun (Pahl). 

16. Scytodes suhthoracica Strand n. sp. 

$. Erinnert in der Zeichnung an thoracica Latr., unterscheidet 
sich aber durch die breiten, ungefleckten, hellen Seitenbinden, hellen 
Mittelfleck des Rückens, der keine dunkle Mittellinie hat, dunkler 
und schärfer annulierte Beine etc. — Die M.A. vom Rande des 
Clypeus in ihrem Durchmesser, von den S.A. um mehr als ihre Ge- 



— 41 — 

samtbreite entfernt. — Das Tibialglied der Palpen doppelt so lang 
als breit. — 3 Tarsalkrallen. 

Cephalothorax im Grunde gelb mit braunen, ganz fein marmo- 
rierten Zeichnungen. Von den S.A. eine schmale (kaum so breit als 
ein Auge) Mittelbinde, die sich hinter den S.A. zu einem großen 
Querfleck erweitert, der sich seitwärts so weit als die gedachten Augen 
erstreckt, ungefähr doppelt so breit als lang, seitlich abgerundet, 
hinten in der Mitte ausgerandet ist und 2 kleine runde gelbe Flecke 
einschließt, die unter sich um reichlich ihren dreifachen Durchmesser 
entfernt sind. Hinter diesem ein großer, ellipsenförmiger, hinten 
stärker zugespitzter Fleck von der Grundfarbe; er ist etwa 1 mm 
lang, halb so breit, ohne irgendwelche braune Zeichnungen und 
beiderseits von- einer hellbraunen, unregelmäßigen, schmäleren Binde 
begrenzt, die hinten eine feine, sich hinten erweiternde Längslinie 
zwischen sich frei lassen. Außerhalb und teilweise mit dieser Binde 
zusammenhängend jederseits eine schmale , außen scharf begrenzte 
dunkelbraune Längsbinde, die sich hinten nach innen und vorn um- 
biegen ohne sich zu vereinigen und z. T. unterbrochen sein können. 
Dann jederseits eine gelbe . scharf begrenzte und unbezeichnete 
Längsbinde , die etwa so breit als der Mittelfleck des Rückens ist, 
unter den S.A. sich verschmälert und unten an den Seiten des 
Clypeus herabzieht. Dann eine breite braune Marginalbinde, die durch 
eine Reihe von 3 — 4 hellen Flecken , von denen jedenfalls die 3 
hinteren zusammengeflossen sind und teilweise auch mit der hellen 
Seitenbinde zusammenfließen, geteilt wird; der Rand schmal gelb. 
Clypeus bräunlich mit einer dunkler braunen Binde von den Seiten 
bis zum Rande. Mandibeln hellgelb mit einem dunkelbraunen, unten 
zugespitzten Längsfleck vorn. Palpen hellgelb , Femoren , Patellen 
und Tibien am Ende schmal dunkelbraun geringt ; letzteres auch seit- 
lich braun gestreift. Die Unterseite blaßgelb, Lippenteil kurz vor 
der Spitze mit schwärzlichem Fleck, Sternum jederseits mit 3 kleinen 
schwarzen Flecken , Coxen unten an der Spitze mit 2 — 3 kleinen 
schwarzen Punkten. Beine im Grunde hell schwefelgelb; die Femoren 
unten mit 5 — 7 schmalen tiefschwarzen Halbringen, zwischen denen 
noch ebensolche Punkte und (an der Basis) Flecke stehen; die 
Patellen schwarz mit gelbem Basalring ; die Tibien wie die Femoren, 
der Apicalring breiter und geschlossen, an den Tibien HI nur 
3—4 Ringe , bezw. Halbringe. Die Metatarsen unten etwa 5mal 
schwarz gefleckt, am HI nur 2mal ; die Tarsen einfarbig. — Alle 
Glieder ziemlich gleichmäßig abstehend behaart; die Haare erreichen 



-- 42 — 

doch nur an den Metatarsen die Länge des Durchmessers des GUedes 
und sind an den Femoren sehr fein und kurz. 

Ceph. 2,5 mm lang, 2 mm breit und hinten 2 mm hoch. 
Beine: I Fem. 3,4, Pat. + Tib. 4, Metat. + Tars. 5 mm; II bezw. 
2,8; 3,1; 3,5 mm; III bezw. 2; 2,1; 2,5 mm; IV bezw. 2,8; 2.9: 
3,2 mm. Totallänge: I 12,4; II 9,4; Hl 6,6; IV 8,9 mm. 

Fundort: Kribi, Kamerun (Pahl). 

17. Scytodes camerunensis Strand n. sp. 
$. Die M.A. vom Rande des Clypeus um weniger als ihren 
Durchmesser entfernt, nach vorn ein wenig verschmälert und etwas 
schräg gestellt; von den S.A.. in ihrer Gesamtbreite ent- 
fernt. — Eine dritte Tarsalkralle scheint vorhanden zu 
sein. — Totallänge (nicht ganz reif!) 3 mm; Cephalo- 
thorax so lang oder ein wenig länger als Patella + Tibia 
Fig. 1. Ce- I^- " — ^^^ Beine nicht lang. 

phalothorax Cephalothorax im Grunde gelb mit braunen, schwach 

von oben, i-ötlichen und fein marmorierten Zeichnungen (Fig. 1). 
Charakteristisch ist eine scharfe schmale Mittelbinde von den M.A. bis 
zum Höhepunkt des Cephalothorax; subparallel damit verläuft jederseits 
eine viel breitere, sich nach vorn und hinten verschmälerte , in der 
Mitte nach außen konvex gebogene Binde von den M.A. bis fast zum 
Hinterende der Mittelbinde und von den S.A. zieht jederseits eine ähn- 
liche Binde nach vorn bis zum Rande, nach hinten gegen die Spitze der 
Mittelbinde konvergierend, ohne sich damit zu vereinigen, dann beide 
Binden fast parallel, in der Mitte einen scharfen Winkel nach außen 
bildend, bis zum Hinterrande. Diese Binden entsenden in der Mitte 
gegen den Rand 3 blind endende Querbinden. An den Seiten eine 
dunkle Zickzackbinde; am Kopfteile eine schmale, am Brustteile 
breitere, sich stellenweise fleckenförmig verbreiternde Marginalbinde. 
die in der Mitte des Hinter- und Vorderrandes schmal unterbrochen ist. 
Die Augen von schmalen, innen erweiterten schwarzen Ringen um- 
geben. Mandibeln im Grunde wie der Cephalothorax, vorn mit 
2 braunen, parallelen, gegen die Spitze divergierenden Schrägstreifen : 
die Klaue gelblich. Maxillen und Lippenteil graugelblich , schmal 
dunkler umrandet; erstere am Innenrande unbestimmt grau gefleckt. 
Sternum braun mit schwärzlichem, 6 — 7mal unterbrochenem Rand, 
vorn einem rundlichen, beiderseits 2 schmalen Querflecken und einem 
ein- oder zweimal unterbrochenen, sich hinten erweiternden schmalen 
Mittelstreifen gelb. Die Coxen unten hellgelb, am Ende dunkel um- 



I 



— 43 — 

randet, die übrigen Glieder mehr graulichgelb, die Femoren mit 
4 — 5 ganz scharfen braunen Ringen, die Tibien mit 3 oben verwischten 
ebensolchen, die Metatarsen mit 2 (Mitte und Ende) an III und IV 
scharfen, an I und II verwischten Ringen. — Abdomen im Grunde grau- 
gelb mit braunen Zeichnungen, an der Basis jederseits ein sich hinten 
erweiternder Längsfleck, oben 6 — 7 aus mehr oder weniger zusammen- 
geflossenen Flecken gebildete , ziemlicli unregelmäßige Querbinden, 
von denen die 3 vorderen gerade sind und wenigstens die 2 breiter 
als die helle Zwischenbinde sind, während die hinteren in der Mitte 
einen kleinen Winkel nach vorn bilden und schmäler als die Zwischen- 
binden sind. Die vorderen und hinteren erstrecken sich nach unten 
nur bis zu den Seiten des Bauchfeldes, nur No. 3 (von vorn) setzt 
sich zusammenhängend über den Bauch unmittelbar an den Mamillen 
fort; diese Binde ist am Rücken etwas erweitert und schließt 2 helle 
Flecke ein. Der Bauch mit 2 undeutlichen, hinten konvergierenden 
Fleckenlängsreihen. Spinnwarzen bräunlich, an der Spitze weißlich, 
an der Basis von einem bräunlichen Ring umgeben. Epigaster mit 
4 bräunlichen, vorn und hniten paarweise zusammenhängenden Längs- 
streifen. 

Fundort : Kamerun (Haas). 

18. Scytodes stiffusa Strand n. sp. 

$. Die größte Höhe des Cephalothorax zwischen den 
Coxen III, die größte Breite zwischen II und III, hinten ein wenig 
überhängend, unten hinten vertikal oder fast so, mit, besonders vorn, 
deutlichen Seitenfurchen , vor und hinter den M.A. schwach quer 
niedergedrückt , hinter dem Augenfelde zwei kurze , aber ziemlich 
tiefe, parallele, dicht nebeneinander gelegene Längsfurchen, überall 
grob retikuliert, an den Seiten etwas runzelig, glanzlos, mit großen 
Haarhöckerchen ; einige schön braungelbe Haare sind erhalten ge- 
blieben. Solche Behaarung auch an der Oberseite des Abdomen 
ganz sparsam ; an den Beinen , besonders unten an den Femoren, 
sind die Haare sehr regelmäßig in Längsreihen angeordnet. Der 
Rand des Clypeus von oben gesehen gerade, die Ecken stumpf, 
seitlich wenig vorstehend, in der Mitte schwach aufgeworfen. — 
Verglichen mit S. thoracica ist der Cephalothorax hinten deutlich 
hoher und steiler, wodurch sich unsere Art auch leicht von der sonst 
ähnlichen S. humilis L. K. unterscheidet. — Die M.A. klein, rund, 
kaum divergierend, vom Rande des Clypeus in IVs ihres Durch- 
messers, von den S.A. in l'/s ihrer Gesamtbreite entfernt. — Das 



— 44 - 

Tibialglied der Palpen mehr als zwei-, aber nicht dreimal so lang als 
breit. Tibia IV kürzer als der Cephalothorax (bezvv. 3 und 3,5 mm). 
3 Tarsalkrallen. — Epigyne ist 1 mm breit, 0,7 mm lang und ähnelt 
derjenigen von S. humilis L. K. (nach Kulczynski's Abbildung in 
„Arachn. in Col. Erythraea coli." zu urteilen). Trocken gesehen 
erscheinen die Chitinplatten als kleine, seichte, undeuthch begrenzte 
Einsenkungen, die außen hinten von einem niedrigen, undeutlichen, 
in einem winzigen Höckerchen endenden Rand begrenzt sind ; vorn 
ist Andeutung eines erhöhten Randes, der sich aber nicht mit dem 
äußeren verbindet, sondern außen in einem kleinen glänzenden Höcker 
frei endet. Innen läßt sich keine scharfe Grenze erkennen. In 
Spiritus gesehen erscheinen die Chitinplatten als zwei kleine, schräge, 
nach vorn divergierende , schwach nach innen konvex gebogene, 
braune, innen schwarz angelegte Längsstriche, die um reichlicii ihre 
Länge von der Spalte entfernt sind und unter sich fast so weit als 
die Länge (d. h. die transverselle Entfernung der Enden) des schwach 
halbmondförmig gebogenen Querwulstes entfernt; etwas vor denselben 
ein kleiner tiefschwarzer, quergestellter Punktfleck. Der Querwulst 
ist im Grunde bräunlichgelb , schwarzgrau gezeichnet und hat an 
der Hinterseite der beiden Enden je einen braunen Fleck. 

Cephalothorax dunkelbraun, oben etwas heller, ohne deutliche 
Zeichnung. Femoren an der Basis wie der Cephalothorax, gegen 
die Spitze etwas heller, oben mit zwei, sich an der Spitze ver- 
einigenden , helleren Längslinien und einer ebensolchen hinten , an 
der Spitze oben dunkler umrandet; die Patellen dunkelbraun, oben, 
besonders an der Basis, heller; die übrigen Glieder hellbraun bis 
gelbbraun, die Tibien oben mit einer dunkelbraunen Längslinie und 
an der Spitze einem undeutlichen, dunkleren Ring, Metatarsen an 
beiden Enden schwach verdunkelt, Tibien ein wenig heller als die 
Metatarsen. Palpen dunkelbraun, Femoralglied oben mit 2 helleren 
Längslinien, Patellar- und Tibialglied oben etwas heller, Tarsal- 
glied an der Spitze bräunlichgelb. Mandibeln wie der Cephalothorax, 
vorn in der Basalhälfte heller und dunkler netzförmig gezeichnet, 
an der Spitze hellgelb; die Klaue hellgelb, an der Basis schmal 
braun. Maxillen schwarzbraun ; an der Basis ein hellbrauner, dunkler, 
netzartig gezeichneter, großer Fleck, in der Endhälfte innen gelb- 
lich. Lippenteil schwärzlich mit ähnlichem Basalfleck wie die Maxillen. 
an der Spitze schmal weiß. Sternum und Coxen schwarzbraun, 
letztere unten hellbraun mit einer schwärzlichen, sich innen gabelnden 
Längslinie. Abdomen dunkelgrau mit helleren und dunkleren Flecken, 



~ 45 — 

hat aber wahrscheinlich nicht länger seine natürliche Färbung. Epi- 
gaster heller, Epigyne braun, Mamillen dunkelbraun, an beiden Enden 
weißlich. 

Totallänge 7 mm. Cephalothorax 3,5 mm lang, 2,8 mm breit, 
2,5 mm hoch (vom Sternum bis zum Höhepunkt des Rückens). 
Abdomen 3,6 mm lang, 3 mm breit. — Beine : I Femur 4, Patella 
+ Tibia 4,3, Metatarsus + Tarsus 5 mm; 11 bezw. 3,2; 3,4; 3,7 mm; 
III bezw. 2,7; 2,9; 3,1 mm; IV bezw. 3,4; 3,7; 4 mm. Totallänge: 
I 13,5; II 10,3; III 8,7; IV 11,1 mm. 

Fundort: Kisulud, Ost- Afrika (v. Barth). 

Von der als vehdina bestimmten Art hauptsächlich durch andere 
Form der Epigyne, sowie durch höheren und hinten steileren 
Cephalothorax zu unterscheiden. — Es wird unsere Art vielleicht 
-S'. major Sim. nahe stehen ; von letzterer Art kann man sich doch 
nicht leicht einen Begriff machen : sie soll S. Bertheloti Luc. nahe 
stehen und mit S. thoracica Vins. non Lätr. identisch sein, aber 
diese beiden sind doch, jedenfalls was Färbung betrifft, sehr ver- 
schieden. Ferner soll major fast doppelt so groß als Bertheloti sein ; 
letztere ist nach der Originalbeschreibung 11 mm lang, während 
thoracica Vins. (=; major Sim.) nur 8 mm lang ist. Diese Angaben 
lassen sich also nicht in Übereinstimmung bringen. 

SicartHS Walck. 1847. 

19. Sicarius Hahni (Karsch) 1878. 
Ein Männchen von Windhuk. 

Dimensionen: Totallänge 11 mm. Cephalothorax 5,5 mm lang, 
zwischen den Coxen III 6 , am Kopfteile 2,5 mm breit. Abdomen 
6 mm lang, vorn 5 mm breit; die größte Breite 5,7 mm. — Beine: 

I Coxa + Trochanter 2,5, Femur 8, Patella + Tibia 10, Metatarsus 
+ Tar.sus 10 mm; II bezw. 2,7; 10; 11,2; 11,2 mm; III bezw. 2,6; 
9; 9,3; 9,3 mm; IV bezw. 3; 8; 9; 9 mm. Totallänge: I 30,5; 

II 35,1 ; III 30,2; IV 29 mm. — Palpen: Femoralglied 2, Patellar- 
glied 1, Tibialglied 1,5, Tarsalghed mit dem peitschenförmigen Stylus 
2,5, ohne 1,1 mm lang. Sternum 2,4 mm lang, 2,9 mm breit. 

Fam. Dysderidae. 

Ariadna Aüd, et Sav. 1827. 

20. Ariadna viridis Strand n. sp. 

$. Die hintere Augen reihe hinten schwach procurva. — Die 
lang beborsteten Mandibeln außen an der Basis mit einer scharf 



— 46 - 

erhöhten Querleiste ; am oberen Falzrande 3 — 4 kleine Zähnchen ; 
die Klaue kurz, dick, stumpf, fast gerade. — Bestachelung. 
Femur I oben 1. 1. 1. 2, vorn in der Endhälfte 2. 1; II oben wie I, 
vorn 1. 1; III jedenfalls oben 1. 1 submediane und vorn 1 sub- 
apicaler Stachel; IV oben nahe der Basis zwei, oben hinten in der 
Endhälfte 1. 1 Stacheln. Die Femoralstacheln weder lang noch stark. 
Tibia I unten vorn 5, unten hinten 6 starke, reihenförmig an- 
geordnete Stacheln, vorn und hinten je 1. 1. 1 kurze Stacheln; 
II unten vorn in der Endhälfte 1. 1. 1. unten hinten eine Reihe 
von 7 oder 8 starken, vorn und hinten 1. 1.1 oder hinten nur 1. 1 
kurzen Stacheln; III unten hinten 1. 1. 1, unten vorn keine, vorn 
1. 1 Stacheln; IV unbewehrt. Metatarsus I unten 2 Reihen von je 
8 starken, gebogenen Stacheln; II unten 2 Reihen von je 9 eben- 
solchen, sowie vorn in der Basalhälfte 1 kurzer Stachel ; III unten 
vorn 1 (submedian). 1 (apical), unten hinten eine Reihe von 5 oder 
6, vorn von 3 Stacheln ; IV unten vorn 1 (subbasal). 1 (submedian), 
sowie 3 an der Spitze. Die beiden vorderen Paare unten und innen 
lang und fein abstehend behaart, besonders an den Tibien und Meta- 
tarsen; insbesondere Paar I viel kräftiger als die hinteren. Die 
oberen Tarsalkrallen an I und II sehr stark , gerade bis über die 
Mitte, dann schnabelförmig gebogen, mit 8 starken, gleich großen, 
geraden Zähnen ; die untere Kralle sehr dick, an der Basis etwa so 
dick als die oberen und fast knieförmig gebogen mit gerader End- 
hälfte und unten an der Knickung einem nadeiförmig spitzen Zahn, 
sowie an Länge etwa gleich ^/s der oberen Krallen. Am III sind 
die oberen Krallen ein wenig mehr gleichmäßig gebogen mit nur 
6 Zähnen; am IV scheinen nur 5 vorhanden zu sein. Drittes Bein- 
paar nach vorn gerichtet. — An den Palpen trägt das Patellar- 
glied innen 1, das Tibialglied oben 1. 1, innen 1. 1. 1, das Tarsal- 
glied oben an der Basis 2, innen 1. 1. I, sowie noch 1 oder 2 an 
der Spitze ; alle diese sehr kurz und in der Haarbekleidung so ver- 
steckt, daß sie schwer zu sehen sind. An der Spitze eine kurze, 
dicke, sehr wenig gebogene, stumpfe Kralle. Das Tarsalglied sehr 
dicht, das Tibialglied etwas dünner, aber länger abstehend behaart. 
Cephalothorax und Mandibeln schwarzbraun bis schwarz, Maxillen 
und Lippenteil braun mit weißlicher Spitze, Sternum kastanienbraun, 
hinten etwas heller, Beinpaar I schwarzbraun, Femur unten ein wenig 
heller, Coxen, Trochanteren, Patellen und Spitze der Tarsen röthch- 
braun ; II gleich I , doch etwas heller ; III und IV rotgelb oder 
hellrot, die Femoren oben braun. Palpen: Die zwei Endglieder 



— 47 — 

schwarzbraun . die anderen rötlichbraun. Abdomen einfarbig dunkel 
grasgrün. 

Totallänge 15,5 mm. Cephalothorax 6,2 mm, Abdomen 9,5 mm 
lang. — Beine : I Coxa + Trochanter 2,5 , Femur 4,4 , Patella + 
Tibia 5, Metatarsus + Tarsus 4 mm; II bezw. 2,2; 3,8; 5; 4 mm; 
III bezw. 1,9; 3,2; 3,5; 3 mm ; IV bezw. 2,5; 4; 4,5; 3,5 mm. Total- 
länge: I 15,9; II 15; III 11,6; IV 14.5 mm. Palpen: Femoralglied 
1.6, Patellarglied 0,9, Tibialglied 0,9, Tarsalglied 1,3 mm lang. 

Fundort: Windhuk (Dr. Sander). 

Fam. Pholcidae. 
Sitieringopus Sim. 1890. 

21. Smeringopus pereyrlmis Strand n. sp. 

Cephalothorax im Grunde blaßgelb mit braunen, schwach röt- 
lich angeflogenen Zeichnungen : Der gewöhnliche Rückenstreifen von 
zwei in der Rückengrube schmal getrennten, scharf begrenzten Flecken 
vertreten , von denen der hintere der breiteste ist, hinten querge- 
schnitten, vorn verschmälert zugerundet, hinten etwa so breit als 
die Femoren ist, und den Hinterrand nicht erreicht; der vordere 
ist auch hinten quergeschnitten, nach vorn verschmälert und von 
der Mitte in zwei bis zu den hinteren M.A. verlaufenden Asten 
geteilt; die Augen schmal dunkler umsäumt; von den vorderen 
M.A. bis zum Rande des Clypeus zwei schwärzliche, parallele, unten 
verschmälerte Streifen. Über den Coxen I — III eine bräunliche Sub- 
marginalbinde, sowie drei dunklere, eckige, damit ganz oder fast ganz 
zusammengeflossene Flecke. Mandibeln braungelb, innen in der 
Basalhälfte etwas graulich, der Innenrand schmal schwarz; die 
Klaue an den Seiten dunkelbraun. Maxillen graugelblich, Lippenteil 
schwärzlich, an der Spitze weißlich. Sternum graugrün, mit helleren 
Punkten , von denen zwei Längsreiben von je 3 Punkten in der 
Mitte am deutlichsten sind. Alle Coxen hellgelb, unten an der 
Spitze mit schwarzbraunem Fleck ; die Trochanteren an der Spitze 
mit ebensolchem Querfleck ; die übrigen Glieder mehr grünlichgelb ; 
an der Spitze der Femoren ein schmaler weißer Ring , der beider- 
seits von je einem fast gleichbreiten braunen ebensolchen begrenzt 
ist, an der Basis der Tibien ein schmaler, undeutlicher, innen braun 
begrenzter, weißer Ring und an der Spitze ein viel breiterer, rein 
weißer, beiderseits schmal braun begrenzter Ring; Metatarsen und 
Tarsen ganz einfarbig. 

Abdomen im Grunde wie der Cephalothorax gefärbt; eine von 



- 48 — 

der Grundfarbe gebildete, etwa 1,2 mm breite, bis kurz vor den 
Spinnwarzen gleichbreit verlaufende Rückenbinde, die in der vorderen 
Hälfte 2 zusammenhängende, länglich dreieckige, hinten quer- 
geschnittene (mit ein wenig abgestumpften Ecken) , dunkelbraune 
Flecken hat, die zusammen 2,2 mm lang und hinten 0,7 mm breit 
sind; hinter diesen und damit zusammenhängend 2 weitere, etwa 
dreieckige Flecke, die kürzer, breiter, hinten (besonders der vorderste) 
in der Mitte ausgerandet und vor allen Dingen v^reniger deutlich als 
die vorderen sind, indem sie nur von mehr oder, weniger zusammen- 
geflossenen , bräunlichen , am Rande des Dreiecks gelegenen Punkt- 
flecken gebildet sind, während das Innere desselben hell, nur wenig 
dunkler punktiert, ist; zusammen sind diese 1,7 mm lang. Dann 
folgt ein etwa rhombischer, hinten lang zugespitzter, in der Mitte 
etwas heller, bräunlicher Fleck, der eigentlich aus 3 Winkelflecken 
zusammengesetzt ist ; von der Mitte dieses Flecks bis zu den Spinn- 
warzen verschmälert sich die Rtickenbinde bis zu Vs ihrer früheren 
Breite, nachdem sie zuerst jederseits einen Yorsprung gebildet hat. 
Die obere Hälfte der Seiten größtenteils braun mit helleren Punkten 
und Längsstrichen, sowie mit Andeutung dreier helleren Schrägstrichen. 
Die untere Hälfte der Seiten heller und hinten mit 3 schmalen, 
braunen Schrägbinden , von denen die beiden hinteren sich an den 
Seiten der Spinnwarzen vereinigen, weiter vorn 2 ebensolchen schrägen 
Längsstreifen, sowie dunklere Punkte dazwischen. Der Bauch mit einer 
braunen Längsbinde, die von der Spalte bis kurz hinter der Mitte 
gleichbreit (0,7 mm) verläuft, und in der Mitte einen helleren, 
durch einen braunen Strich geteilten Längsstreifen hat ; dann er- 
weitert sie sich ein wenig zur Bildung eines etwa quadratischen 
Flecks, verschmälert sich dann plötzlich und bildet einen bis zu den 
Spinnwarzen reichenden , ellipsenförmigen , vorn fast losgetrennten 
Fleck, der beiderseits einen kleinen zahnförmigen Vorsprung hat. 
Epigaster bildet einen großen , herzförmigen , in der Mitte dunkel 
rötlichbraunen , an den Seiten hinten . sowie an der Spitze vorn 
schwärzlichen Fleck, der am Hinterrande einen helleren Querstreifen 
und eine dunklere Mittellinie zeigt. 

6 subad. Cephalothorax 1,7 mm lang, 1,7 mm breit. Abdomen 
4,5 mm lang, 2,3 mm breit. — Beine : 1 Femur 7,5, Patella + Tibia 
7,5, Metatarsus + Tarsus 13 mm; H bezw. 5,6; 5,6; 8,5 mm; HI 
bezw. 4,5; 4.2; 6,5 mm; IV bezw. 6,2; 6; 9 mm lang. Totallänge: 
I 28; H 19,7; IH 15,2; IV 21,2 mm. — Bei einem unreifen ? (?) 
mißt I. Paar bezw. 6; 6,5; 10,5, zusammen 23 mm. 



— 49 — 

Fundort: Moschi, Ost- Afrika (Dr. Widenmann). Die Spinnen 
lebend in Stuttgart angelangt! 

Farn. Theridiidae. 
Theridiuni Walck. 1805. 

22. Theridium rtifipes Luc. 1842. 

Fundorte : Kribi , Kamerun (Pahl) : Kamerun (Pahl) ; Moschi, 
Ost-Afrika (Dr. Widenmann; die Spinnen lebend in Stuttgart an- 
gelangt!). 

LatrodectiiS Walck. 1805. 

23. Latr odectus Menavodi Vins. 1863. 
Fundort: Madagaskar (Sikorä). 

24. Latr odectus cinctus Blackw. 1865. 

Fundort: Kisulud, Ost -Afrika (v. Barth) — $. Metatarsus 
I 4,5 , Tarsus I 2 mm lang : ersterer also nicht dreimal so lang 
als der Tarsus. 

Farn. Argiopidae. 

Zeucauge A. White 1841. 

25. Leucauge unguJata (Karsch) 1879. 

Je ein Exemplar ($) von Kribi, Kamerun (Pahl) und Lome, 
Togoland (Schneider). Bei beiden hat Abdomen sowohl vorn als 
hinten je 2 Paare schwarzer Flecke, was mit der Originalbeschreibung, 
aber nicht mit derjenigen von Thorell in „Araneae Camerunenses" 
stimmt. 

Größe: $ Cephalothorax 3, Abdomen 4,4 mm lang. — • Beine: 
I Femur 5, Patella + Tibia 5,5, Metatarsus -f Tarsus 7,5 mm; II 
bezw. 4; 4; 5,5 mm; III bezw. 2,3; 2; 2,5 mm; IV bezw. 3,5; 3; 
4 mm lang. Totallänge: I 18 ; 11 13,5; III 6,8; IV 10,5 mm. 

Nephila Leach 1815. 

26. Nephila femoralis (Luc.) 1858. 

Aus West -Afrika liegen eine ganze Anzahl Exemplare vor: 
Goldküste (H. Simon ded.; v. Barth, L. Wiessner); Akropong, Gold- 
küste (Dieterle) ; Kamerun (Leimenstoll , Haas) ; Dualla , Kamerun 
(Gebr. Spellenberg) ; Akem (Bender) ; Lome, Togoland (Schneider) ; 
Akropong (v. Barth) ; Elmina (Leimenstoll) ; West- Afrika (Dr. Ehrle) ; 
Akuse (Bender) ; Malimba (Pahl). 

Die Zeichnung der erwachsenen Exemplare ist sehr konstant. 

■Jahreshefte d. Vereins f. vaterl. Naturkunde in Württ. 190G. 4 



- 50 — 

Eine dunklere Varietät liegt jedoch aus Kamerun (Pahl) vor ; bei 
dieser verlängern die bei der Hauptform vorhandenen 8 braunen 
Seitenbinden sich quer über den Rücken und fließen daselbst zu- 
sammen, so daß ein zusammenhängend gelbes Querfeld nur am Vorder- 
rande, vor dem I. Muskelpunktpaar, übrig bleibt ; der Rücken ist doch 
hinter der Mitte heller braun als die Seiten. Die Muskelpunkte der 
beiden vorderen Paare sind vorn von einem runden, gelben Fleck 
begrenzt. Braune Längslinien hinter der Mitte nicht vorhanden. Die 
hintere Abdachung ist ebenfalls dunkler; von gelben Flecken sind nur 
noch Spuren vorhanden. Der Sternalfleck wird aus 2 schmalen, in der 
Mitte zusammenhängenden Querbinden , von denen die vordere ge- 
rade, die hintere recurva ist, gebildet. Abdomen ist hinten etwas 
mehr zugespitzt und die Tibien I, 11 und IV etwas stärker behaart 
als bei der Hauptform. Länge nur 30 mm. Sonst (inkl. Epigyne) 
wie bei der Hauptform. Ich nenne diese Form var. ohscurascens m. 

Von Kamerun (Haas) liegen ferner ein Paar reifer und mehrere 
junge Tiere vor, bei welchen die Beine keine gelbe Femoralringe 
haben , wenn auch die Femoren ein wenig heller als die übrigen 
GHeder sind (var. fuscipes m.). 

Bei den jungen Tieren ist die Behaarung der Tibien etwas 
stärker. Bei einem unreifen Ex. von nur 18 mm Totallänge haben 
die Tibien I, H und IV einen schmalen und die Metatarsen IV einen 
breiten gelben Mittelring, und der gelbe Fleck des Sternum verlängert 
sich als ein schmaler Längsstreifen nach hinten zwischen den Coxen IV. 
Bisweilen fehlen die gelben Schrägstriche vor den Spinnwarzen bei 
den Jungen, bei anderen können die Femoralringe sich bis zur Basis 
erstrecken und die Metatarsen IV fast einfarbig braungelb sein. 

Aus Kribi, Kamerun (Pahl) und Malimba (Pahl) liegen ganz 
junge Nephilen vor, die ich für N. femoralis halten möchte. Sie 
weichen von den erwachsenen hauptsächlich dadurch ab , daß das 
gelbe Rückenfeld mit einer schmalen , vorn ein wenig erweiterten, 
beiderseits durch eine Reihe weißlicher Flecke begrenzten, braunen 
Mittelbinde geschmückt ist, die vorn mit der braunen Basalbinde 
zusammenfließt. Alle Tibien oder wenigstens I, II und IV mit 
gelbem Mittelring, und die Metatarsen in der Basalhälfte gelbhch. 
Der Bauch braun mit 2 sehr schmalen, geraden, scharf begrenzten, 
leuchtend weißen Querbinden, von denen die vordere bisweilen fehlt, 
die hintere bisweilen beiderseits schwarz angelegt ist. Sternum weiß- 
gelb, mit oder ohne dunklerem Rand. Bisweilen die ganzen Meta- 
tarsen und Tarsen hellgelb. Die Tibien behaart. 



— 51 — 

27. Nephila Lucasi Sim. 1887. 

Fundorte : Duala, Kamerun (Gebr. Spellenberg) ; Goldküste 
(A. Müller) ; Akem (Bender) ; Akem (Mohr). 

Die sehr kleine Epigyne bildet einen abgerundeten, schwarzen 
Querhöcker, der etwa 1 mm breit und halb so lang ist, und oben 
2 kleine, tiefe, runde Gruben, die unter sich in ihrem Durch- 
messer entfernt sind , hat. — Länge der Beine : I Coxa + Troch. 
6,5 ; Femur 29, Patella + Tibia 28, Metatarsus 34, Tarsus 6 mm 
Ilbezw. 6; 23,5; 22,5; 27,5; 5,5 mm; III bezw. 5; 16,5; 12; 15,5 
4,5 mm; IV bezw. 6,5; 28; 22; 34; 6 mm. Totallänge: I 103,5 
II 85; III 53,5; IV 96,5 mm. 

Bei einem jungen Tier von 15 mm Totallänge sind Cephalo- 
thorax , Beine und Palpen einfarbig hellbraun, Abdomen im Grunde 
gelb mit weißlichen Zeichnungen wie bei den Alten. 

28. Nepliila madagas cariensls (Vins.) 1863. 
Zwei Weibchen von Tanga, Ost-Afrika (Dr. Beerwald). 

29. Nephila pilipes (Luc.) 1858. 

Fundorte: Akropong, Goldküste (Dieterle); Goldküste (Wiessner, 
V. Barth, A. Müller); Akuse, West- Afrika (Bender); Malimba, West- 
Afrika (Pahl); West- Afrika (Dr. Ehrle). Aus Uhehe, D. Ost- Afrika 
(Nigmann) mehrere stark beschädigte Exemplare, die wahrscheinlich 
pilipes sind. 

30. Nephila nigra (Vins.) 1863. 

$. Epigyne erscheint als ein hoher, abgerundeter Querwulst, 
vor welchem (wie gewöhnlich bei den Nephilen) eine tiefe Grube 
gelegen ist; an der hinteren Seite hat er eine seichte Querfurche, 
die hinten (unten) von einer scharfen Querfalte begrenzt ist. — Bei 
beiden vorliegenden Exemplaren ist Abdomen oben und unten schwarz, 
beim einen oben an der Spitze und Basis ein wenig gelblich ; trocken 
gesehen erscheint es oben und an den Seiten reich mit silberweißen 
Haaren bekleidet. 

Totallänge 22 mm. Cephalothorax 13 mm lang, 10 mm breit. 

Abdomen 21 mm lang und 11 mm breit. Die beiden mittleren 

Punktpaare des Abdominalrückens bilden Trapeze, von denen das 

vordere vorn 2, hinten 3,5 mm breit und 6 mm lang, das hintere 

vorn 3,5, hinten 4,5 mm breit und 4,5 mm lang ist. — Länge der 

Beine: I Coxa + Troch. 4,5, Femur 18,5, Patella + Tibia 21, Meta- 

4* 



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tarsus 25, Tarsus 5 mm: II bezw. 4.5; 18; 18: 21 ; 4 mm; III bezw. 
4; 10,5; 9; 10,5; 3 mm; IV bezw. 5: 18; 15: 18: 3 mm. Total- 
länge: I 74; II 65,5; III 37; IV 59. 
Fundort : Madagaskar (Sikora). 

31. Nephila senegalensis (Walck.) 1837, snbsp. nind- 
huhensis Strand n. subsp. und sabsp. Keyserlmgi Blackw. 1865. 

Von Windhuk liegen Exemplare vor, die unter den bisherigen 
4 Unterarten (cfr. Pocock in Ann. Mag. Nat. Hist. 1898) am besten 
mit Keyserlingi Bl. übereinstimmen, jedoch so ^ehr abweichen, 
daß die Aufstellung einer neuen Subspezies berechtigt sein wird. 
Der Lippenteil ist tiefschwarz, nur an der äußersten Spitze gelb, 
also ohne hellere Mittellinie. Sternum einfarbig gelb, schmal braun 
umrandet. Die beiden hinteren Femoren gelb mit einem schmalen 
braunen Apicalring ; die beiden vorderen einfarbig dunkelbraun. Die 
übrigen Glieder dunkelbraun bis schwarz mit Ausnahme je eines 
gelben Mittel- und Apicalringes an den Tibien I und II; diese Ringe 
sind schmäler als ihr Zwischenraum. Das Tarsalglied der Palpen 
ist in der Basalhälfte schwach gebräunt, in der Endhälfte tief- 
schwarz. Abdomen hat oben vier Paare großer, gelber Flecke , die 
aber immer sehr schmal getrennt und bei dem einen Exemplare zu- 
sammengeflossen sind. Die vordere der unteren Querbinden kann 
schmal unterbrochen sein. 

Ein S von derselben Lokalität weicht von Simonis Beschreibung 
(Ann. soc. ent. France 1885) der typischen Form dadurch ab, daß 
das Bauchfeld zwischen den hellen Längsbinden schwärzlich ist, und 
das Sternum eine schmale, weißliche Mittelbinde hat, sowie daß die 
Metatarsen eben in der Endhälfte, nicht an der Basis, am hellsten 
sind ; dieser Unterschied ist doch undeutlich. Ferner hat nicht nur 
Femur I, sondern auch II vorn 1. 1. 1 Stacheln, die aber ganz 
klein sind. Diese Abweichungen werden wahrscheinlich auch sub- 
spezifischer Natur sein. Länge der Beine : I Coxa + Troch. + Femur 6,5, 
Patella + Tibia 5, Metatarsus 6,5, Tarsus 2 mm; II bezw. 5; 4; 5,5; 
1,8 mm; III bezw. 4,8; 3,5; 4,5; 1,5 mm; IV bezw. 3; 2; 2,5; 
1 mm. Totallänge: I 20; II 16,3; III 14,3; IV 8,5 mm. 

Von Bagamoyo (Dr. Strudel) ein Weibchen der Unterart Keyscr- 
lingi Blackw. ; es weicht von der Originalbeschreibung dadurch ab, 
daß Sternum keinen dunklen Mittelfleck, dagegen zwei große braune 
Seitenrandflecke hat, Tibia III hat unten vorn einen kleinen gelben 
Mittelfleck und die hintere Querbinde des Bauches ist unterbrochen. 



— 53 — 

32. Nephila cruentata (Fabr.) 1793. 

$. Die von Karsch (Übersicht der in Mosambique ges. Arachn.) 
gegebene Beschreibung und Figur der Epigyne paßt eigentlich nur 
auf stark gravide Weibchen und selbst bei diesen ist die hintere 
.^Scheibe" kaum länger als breit. Bei anderen Exemplaren macht 
sich hinten jederseits ein kugelrunder, tief schwarzer, stark glänzender 
Höcker bemerkbar, während das Zwischenstück („Scheibe" Karsch) 
wenig vortritt, z. T. von Haaren vom vorderen Querwulste überdeckt 
und deutlich breiter als lang ist. Die Breite ist 1,7, die Länge vorn 
Hinterrande des Querwulstes bis zur Spitze der Scheibe nur 0,7 mm. 
Vor dem Wulste eine schwarzbraune, trapezförmige Grube, die hinten 
bei weitem am tiefsten sowie etwas breiter ist. 

Die meisten Exemplare gehören den helleren Varietäten an, bei 
welchen das Abdomen größtenteils gelb ist. 

Lok.: West- Afrika, (1$). — Goldküste, Hrafa (Spieth). — 
Bagamoyo (Dr. Steudel) 1 $. — Lome, West-Afrika (Schneider), 3 $; 
bei zwei dieser ist Abdomen oben fast einfarbig, nur mit Muskel- 
punkten , beim einen hellgelb , beim andern mehr gelbbräunlich. 
— Lome, West- Afrika, Togoland (Schneider), 5 $, die sämtlich 
der von Gerstäcker als gemmlis beschriebenen Form angehören. — 
Goldküste (A. Müller) 1 $. — Kamerun (Pahl) (1 $). — Gold- 
küste (Frey) (1 $). In demselben Glas befand sich ein Kokon, 
der einen Durchmesser von 22 mm bei einer Höhe von 10 — 12 mm 
hatte, an der einen Seite ziemlich flach und mit fester Hülle, an 
der andern mehr gewölbt und mit anscheinend weniger soliden Hülle. 
Inhalt 550 Eier, die 1,5 mm im Durchmesser und gelbbräunlich ge- 
färbt waren. Der Kokon graugelblich. — Malimba, West-Afrika 
(Pahl) (2 unr. $). — Kribi, Kamerun (Pahl) 3 $. — Dualla, Kamerun 
(Gebr. Sj'ellenberg) 3^. -~ Akem, Westafrika (Bender) (1 Ceph.!). 

Ai'glope Aüd. et Sav. 1827. 

33. Argiope Pechueli Karsch cum var. Freussi Strand n. v. 
Fundorte : Süd-Kamerun (Preuss) ; Lome, West-Afrika (Schneider). 
PococK führt diese Art (Proc. Zool. Soc. 1899) als Synonym 

von Ä. ßavipalpis auf. Das ist aber ein Irrtum ; die beiden Arten 
sind sogar sehr verschieden. Schon in Körperform unter sich stark 
abweichend ; bei Fechueli sind die beiden hinteren Seitenlobi des 
Abdomen erheblich länger und viel stärker zugespitzt als bei flavi- 
palpis , während der vordere Seitenlobus sehr klein oder bisweilen 
vielleicht ganz fehlt. Die Höcker des Vorderrandes sind bei Peclmeli 



— 54 — 

viel spitzer und höher. Und die Epigynen sind gänzlich verschieden. 
Diejenige von Pechueli bildet einen hellgelben, vorn dunkelbraun, 
hinten schwärzlich begrenzten, bezw. umrandeten, glatten, glänzenden, 
abgerundeten Querhöcker, der etwa dreimal so breit als lang ist 
(bezw. 1,5 und 0,5 mm), hinten schwach nach hinten konvex gebogen, 
vorn gerade oder in der Mitte ein klein wenig ausgerandet; an 
seiner Hinterseite jederseits eine schwarze Grube, die von oben nicht 
sichtbar ist, nur von hinten, und bisweilen fast gänzlich von einer 
Falte der umgebenden Bauchhaut verdeckt wird. 

Die Färbung variiert ganz außerordentlich. Die Beine sind 
bald hellgelb mit tiefschwarzen bis hellbraunen Ringen, bald einfarbig 
schwarz (siehe unten!). Ebenso variiert der Rücken von hellgelb 
bis schwärzlich. Die Zeichnung des Abdomen scheint dagegen 
konstant zu sein, und die Palpen sind immer einfarbig gelb. 

Das Exemplar von Kamerun weicht durch seine dunkle Färbung 
so sehr von der Hauptform ab, daß es als eine besondere Varietät 
abgetrennt zu werden verdient (var. Preussi m.). Beine einfarbig 
tiefschwarz, nur die Coxen und Trochanteren unten schmal hellgelb 
längsgestreift. Sternum schwarz mit schmaler, weißlicher Mittelbinde, 
die so breit als die Spitze der Tibien IV und überall fast gleichbreit 
ist, aber die Spitze des Sternum nicht ganz erreicht. Lippenteil 
und Maxillen schwarz mit weißlicher Spitze, bezw. Innenrand. Man- 
dibeln schwarz, Clypeus und Augenfeld schwarzbraun. Cephalothorax 
oben graugelblich. Palpen weißgelb, an der Spitze schmal schwärz- 
lich; die Spitze des Tibialgliedes außen und innen schmal schwarz 
umrandet, die schwarze Behaarung des Gliedes stark abstechend. 
Abdomen mit breiter , tiefschwarzer Basalbinde , die sich an den 
Seiten nach hinten bis zur Mitte des Bauches erstreckt. Der Rücken 
ist dunkelbraun, vorn ein wenig heller, mit tiefschwarzen Querlinien 
(etwa 8) und dazwischen schwarzen Punkten und Strichen, die eine 
höchst verworrene Zeichnung, wie bei der Hauptform, bilden. Die 
Zeichnungen der Unterseite ebenfalls wie bei der Hauptform, nur 
viel dunkler, so daß, mit Ausnahme der vorn deutlich hellgelben 
Seitenbinden, die ganze Unterseite, flüchtig angesehen, schwarz er- 
scheint. — Etwas größer als die Hauptform: Totallänge 19 mm: 
Abdomen 13,5 mm lang, zwischen den beiden Vorderrandhöckern 
6 mm breit, zwischen den Spitzen der mittleren Seitenhöcker so 
breit als lang (13,5 mm): diese Höcker sind reichhch 3 mm lang 
und an der Basis 2,5 mm breit. — In demselben Glas befand sich 
ein Haufen dicht zusammengeklebter, aber nicht in Kokon einge- 



— 55 — 

schlossenev, weißlichgelber, sehr kleiner Eier; er war flachgedrückt, 
eüipsoidisch, 15 mm lang, 8 mm breit und 5 mm hoch. Die Anzahl 
der Eier wird außerordentlich groß gewesen sein. 

34. Argiope lohata (Fall.) 1772. 
Fundort: Süd-Afrika, Bomangwatoland. 

35. Argiope nlgrovittata Thorell 1859. 

Fundorte : Parapato (Fluß, Ost- Afrika) (Kässer) ; Windhuk (Dr. 

Sander). 

Ci/rt02)hora Sim 1864. 

36. Cyrtophora citricola (Foksk.) 1775. 

Fundorte: Malimba, West -Afrika (Pahl); Kamerun (Pahl) ; 
Kribi, Kamerun (Pahl). 

Nenioscolus Sim. 1895. 

37. Nenioscolus caudifer Strand n. sp. 

$. Die hinteren Tarsen unten unregelmäßig beborstet. — Die 
große, ziemlich tiefe Rückengrube ist stark recurva gebogen, hinten 
in der Mitte mit einer kleinen, nach hinten gerichteten Längsfurche. 
— Von den typischen Nenioscolus durch die Form des Abdomen 
verschieden. 

Femur I vorn mit einer Längsreihe von 5 — 6 Stacheln, sowie 
oben an der Spitze 1 Stachelborste ; II und IV ebenfalls an der 
Spitze 1 Stachelborste, aber weiter nichts. Alle Patellen oben an 
der Spitze 1 Borste. Alle Tibien oben an der Basis ebenfalls 
1 Borste, I außerdem vorn 1. 1. 1 Borsten, II vorn jedenfalls 1.1, 
beide hinten 1 in der Endhälfte, III vorn 1 Stachelborste, IV scheint 
nur die Basalborste zu haben. Alle Metatarsen (die beiden vorderen 
stark gebogen) oben an der Basis 1 Stachelborste. Die Palpen an 
den beiden letzten Gliedern mit vielen langen, fast gerade abstehenden 
Borsten. 

Cephalothorax und Beine bräunlichgelb; am ersteren die Augen 
in schmalen schwarzen Ringen und ein kleiner brauner Fleck oder 
Strich in der Kopffurche hinten in der Mittellinie; an den Beinen 
alle Femoren an der Spitze mit unvollständigem braunen Ring, die 
Tibien mit einem vollständigen ebensolchen, die Patellen an der 
Spitze ein wenig gebräunt. Palpen wie die Beine, doch in der inneren 
Hälfte ein wenig heller. Mandibeln wie der Cephalothorax, die 



- 56 - 

Klaue an der Basis beiderseits schwärzlich, sonst hellrötlich. Maxillen 
gelbbraun, Lippenteil und Sternum braun, alle fein schwarz umrandet. 
Abdomen war mit einer losen, abzustreifenden Haut versehen, so daß die 
Färbung vielleicht nicht ganz die normale ist: bräunlich mit glän- 
zenden Silberflecken, von denen in der Mitte zwei Reihen von je 3, 
die wohl bisweilen zu Querflecken verschmelzen, beiderseits dieser, 
am Rande der Rückenfläche, eine Reihe von 4 Flecken, von denen 
No. 1 (von vorn) und 3 erheblich größer als 2 und 4 sind, sowie 
im Niveau damit an der Basis jederseits ein größerer Längsfleck, welche 
Flecke vielleicht an der Basis zusammenschmelzen. Weiter unten an 
den Seiten ein Paar kleinerer Silberflecke ; die Seiten vorn gegen den 
Bauch hin etwas dunkler. Letzterer mit einem großen, trapezförmigen, 
hinten breiteren Fleck hinter der Spalte, der beiderseits und hinten 
von einem helleren Strich umfaßt wird. Spinnwarzen gelbbraun, 
beiderseits ein dunkelbrauner Fleck. Die Hinterseite (oberhalb der 
Spinn Warzen) einfarbig hellbraun. 

Abdomen von oben gesehen eiförmig mit dem hinteren Ende 
kurz und scharf zugespitzt, die größte Breite etwa in der Mitte, vorn 
breit zugerundet. Von der Seite gesehen erscheint die Bauchseite 
ganz gerade und Epigaster und Spinnwarzen in demselben Niveau, 
die Oberseite in der vorderen Hälfte stark nach oben und vorn 
gewölbt und einen großen Teil des Cephalothorax bedeckend, hinter 
der Mitte abfallend, eine kleine Einsenkung bildend und hinten in 
eine horizontal gerichtete, ganz scharfe Spitze ausgezogen. Die 
hintere Seite ist in der unteren Hälfte senkrecht, dann stark schräg 
nach oben und hinten gerichtet. Die Spinnwarzen deutlich näher 
der Abdominalspitze als dem Petiolus (bezw. 1,5 und 2 mm). 

Epigyne erscheint in Spiritus gesehen als ein dunkelbraunes, 
abgerundetes Feld, das etwas breiter als lang ist und hinten von 
einem schwach erhöhten, breiten, gerundeten, durch zwei schwache, 
schwarze Furchen dreigeteilten Rand begrenzt wird; der mittlere 
dieser Randabschnitte ist kleiner als die beiden seitlichen. In der 
Mitte des Genitalfeldes ein abgerundetes, heller gefärbtes, von einer 
schmalen, dunkler gefärbten Linie begrenztes Mittelstück. Trocken 
gesehen erscheint Epigyne als eine vorn breit gerundete und von 
einem schmalen, scharf erhöhten Rand begrenzte Grube, die hinten 
etwas verschmälert ist. 

Totallänge 5 mm. Am L Paar ist Femur 3,2, Patella r Tibia 
3,2, Metatarsus + Tarsus 3,1 mm; IV bezw. 2,2; 1,5; 2 mm. 

Fundort: Malimba, West- Afrika (Pahl). 



— 57 — 

Aranea (L.) 1758. 

38. Äranea Leimenstolli Strand n. sp. 

(j. Bestachelung. Alle Femoren, besonders I und II, sehr 
kräftig und viel dicker als die übrigen Glieder ; I und II vorn in der 
Endhälfte mit einer oberen Reihe von 4 starken und einer unteren 
von 2 kleineren Stacheln, oben 1. 1. 1. 1, hinten 1. 1, unten 6 
starke, vertikale Stacheln; III oben, vorn und hinten je 1. 1. 1. vorn 
an der Spitze weiter unten noch 1, unten 4 Stacheln ; IV vorn 2. 2, 
oben 1. 1. 1. 1, hinten 1. 2. 2, unten hinten ca. 4 Stacheln. Die 
Patellen stark abgeflacht mit der größten Breite kurz vor der Spitze; 
I und II jederseits 2. 2, III und IV vorn und hinten je 1 Stachel ; 
alle oben an der Spitze 1 Stachel und jedenfalls die hinteren an 
der Basis oben 1 kleine Stachelborste. Tibia I zylindrisch, ohne 
besondere ^Auszeichnungen , oben 1. 1. 1. 1. hinten 1. 1. 1, vorn 
4 Stacheln, von denen der vorletzte bei weitem der dickste und 
längste ist, unten vorn eine Reihe von 5, von denen ebenfalls der 
vorletzte viel größer ist , unten hinten auch 5 Stacheln. Tibia 11 
nicht besonders verdickt, aber charakteristisch bestachelt: oben 4, 
hinten 3 , vorn 5, unten hinten 4 sehr starke Stacheln, unten vorn 
1 Stachel an der Spitze , sowie eine von der Basis bis zur Spitze 
reichende Binde von kurzen, starken, sehr schräg gestellten Stacheln, 
die so dicht stehen, daß die Haut fast gänzlich verdeckt wird ; diese 
Binde besteht, wo sie am breitesten ist, aus 5 Reihen Stacheln, ver- 
schmälert sich aber an beiden Enden zu einer oder zwei Reihen. 
Die Tibien III und IV, sowie alle Metatarsen ebenfalls sehr reich 
und stark bestachelt. — Die Bewehrung der Tibia II stimmt mit 
Karsch's Beschreibung seiner Epeira penicÄllipes überein und seine 
Figur des männlichen Palpus hat die größte Ähnlichkeit; die drei 
Fortsätze des Bulbus und der obere, vorwärts gerichtete Tibialfort- 
satz scheinen bei beiden Arten gleich zu sein, dagegen ist der untere, 
gegen die Spitzen der Fortsätze vom Bulbus gerichtete Tibialfortsatz 
bei meiner Art an der Basis stark aufgeschwollen und vielfach dicker 
als an der ganz kurzen und scharf abgesetzten Spitze, während er 
bei penicilUpes als fast gleichbreit, ganz schwach und allmählich 
gegen das Ende zugespitzt, dargestellt ist. — Abdomen erscheint 
von oben als ein gleichseitiges Dreieck mit abgerundeten Ecken; 
die größte Breite vor der Mitte, der Vorderrand gerade, der Rücken 
abgeflacht, die Spinnwarzen von oben gesehen nicht sichtbar, wenn 
auch ein wenig vorstehend ; von der Seite gesehen erscheinen Rücken- 
und Bauchseite parallel und die Höhe des Abdomen 2,5 mm. 



— 58 — 

Cephalothorax hell rotgefärbt mit einer unbestimmten bräun- 
lichen Binde jederseits des Brustteiles und einem großen schwarzen 
Randfleck über der Einlenkung der Palpen ; die Behaarung scheint 
lang und weiß gewesen. Die lange (2 mm), schmale, ganz tiefe 
Mittelritze schwarz. Die Beine wie der Cephalothorax, gegen die 
Spitze heller, gelbhcher, an den Femoren II zwei bräunliche Ringe 
angedeutet, die übrigen Glieder am Ende gebräunt; die Tibien I 
und II viel dunkler mit einem schwärzlichen Mittelring. Mandibeln 
röthchgelb, Sternum hellgelb, Maxillen und Lippenteil dunkelbraun 
mit weißlichem Innenrand bezw. Spitze. — Abdomen im Grunde 
olivenfarbig grüngelb, vorn einfarbig, nur fein und undeutlich heller 
und dunkler marmoriert, in und hinter der Mitte mit einem dunkleren 
Folium, das jederseits vier Auszackungen bildet, die hinten durch 
je einen schwarzen Strich begrenzt sind, und in seiner Mitte drei 
nahe beisammenliegende dunkle Längslinien, sowie je eine solche an 
den Seiten einschließt; diese seitlichen Längslinien sind mit je einem 
kleinen schwarzen Schrägfleck, den Auszackungen entsprechend, ge- 
zeichnet. Ferner hat das Folium vorn in der Mitte drei weiße, runde, 
im Inneren mit je einem dunkleren Punkt versehene Flecke , von 
denen die zwei vorderen dicht nebeneinander liegen. Der Rücken 
hat 4 Paare brauner Muskelpunkte ; diejenigen der beiden vorderen 
Paare sind bei weitem die größten und bilden ein Trapez, das vorn 
1,2, hinten 2, an den Seiten 1,4 mm ist; die Punkte des I. Paares 
sind rund und unter sich so weit als vom Vorderrande entfernt, die 
des IL Paares etwa doppelt so groß und in die Quere gezogen. Das 
Trapez des II. und III. Punktpaares ist vorn 2, hinten 1,2, an den 
Seiten 1 mm, während das des III. und IV. ein Rechteck bilden, das 
vorn und hinten 1,2, an den Seiten 1 mm ist. Was aber die Rücken- 
zeichnung am meisten charakterisiert, sind zwei große (1,2 X 1 mm), 
eckige, schräg gestellte, schwarze oder schwarzbraune Flecke, die 
vorn die Punkte des IL Paares berühren, während sie mit dem etwas 
schmäleren Hinterende schräg nach außen und hinten gerichtet sind. 
Die Seiten vorn undeutlich heller und dunkler quergestreift. Jeder- 
seits der braunen Spinnwarzen 2 und hinter denselben 2 — 3 kleine 
weißgelbe Flecke. Das Bauchfeld schwärzlich mit zwei runden, 
nebeneinander gelegenen gelblichweißen Flecken in der Mitte. Epi- 
gaster hellbraun. 

Cephalothorax .5,5 mm lang, 4,5 mm breit. Abdomen 5 mm 
lang, 4,5 mm breit. — Beine: I Coxa + Troch. 2, Femur 5,5, 
Patella + Tibia 7 (Metatarsus + Tarsus fehlen!); II bezw. 1,9; 5,2; 



— 59 — 

6: Metatarsus 4, Tarsus 2 mm; III bezw. 1,5; 3,5; 3,5: 2; 1,1 mm; 
IV bezw. 1,8; 5,1; 5,5; 4,2 (Tarsus fehlt!) mm. 
Fundort: Elmina, West-Afrika (Leimenstoll). 

39. Aranea eresifrons (Poe.) 1898. 

Fundorte : Dualla , Kamerun (Gebr. Spellenberg) ; Bagamoyo 
(Dr. Steudel). 

Beim letzteren Exemplar ist die schwarze Basalbinde des Ab- 
domen in der Mitte, oberhalb der weißen Querlinie, unterbrochen, 
die Muskelpunkte des I. und II. Paares gleich groß und die weißen 
Flecke der Unterseite zusammengeflossen. Sonst alles, inkl. Epigyne, 
wie in der Originalbeschreibung angegeben. 

40. Aranea riifipalpis (Luc.) 1858 (scmianmilata Karsch). 
Fundorte : Kamerun (Pahl) : Kribi, Kamerun (Pahl). 

41. Aranea Ni gmanni Strand n. sp. 

$. Cephalothorax 4,2 mm lang, die größte Breite 3,4 mm, 
an der Insertion der Palpen 2 mm breit, ziemlich niedrig, oben ab- 
geflacht, sehr wenig gewölbt. Die vordere Augen reihe schwach 
procurva ; das Feld der M.A. vorn breiter als hinten und mindestens 
so breit als lang; die vorderen M.A. größer als die hinteren. — 
Abdomen fast so breit als lang, die größte Breite in der Mitte, 
vorn breit, hinten ein wenig schmäler abgerundet, oben stark ab- 
geflacht, ohne Schulterhöcker ; die größte Höhe 4,5 mm. Die Spinn- 
warzen von oben nicht sichtbar; das Feld über denselben etwas 
nach hinten überhängend. Von der Seite gesehen erscheint Abdomen 
trapezförmig : die Rückenseite , welche die längste ist , parallel zur 
Bauchseite , die Vorder- und Hinterseite nach unten konvergierend ; 
erstere etwas schräger als letztere. Abdomen ziemlich dicht mit 
kürzeren , feinen und längeren , ziemlich stumpfen und dicken , aus 
großen, braunen Wurzeln entspringenden Haaren besetzt. — Epi- 
gyne bildet einen aus einem dickeren, vertikalen, basalen und einem 
dünneren, schräg nach hinten gerichteten, apicalen Teil bestehenden 
Fortsatz ; ersterer erscheint von der Seite gesehen etwa gleich breit 
und lang, vorn rötlich, hinten schwarz gefärbt, von vorn gesehen 
deutlich breiter als lang und quergefurcht; letzterer ist ein wenig 
länger als der vertikale, sehr dünn und zusammengedrückt, so daß 
er von der Seite vielfach länger als breit erscheint, von oben und 
etwas von vorn gesehen erscheint er dreieckig, an der Basis so 



— 60 - 

breit als der Basalteil, gegen die stumpfgerundete Spitze verschmälert, 
wenig länger als an der Basis breit, oben etwas ausgehöhlt, mit 
aufgeworfenem, nicht dunkler gefärbtem Rande. 

Cephalothorax hell rötlichbraun, lang und dicht weiß be- 
haart, mit zwei feinen schwarzen Längslinien von den hinteren M.A. 
bis zur Rückenfurche und ein wenig dunkleren Kopffurchen. Die 
Beine wie der Cephalothorax, gegen das Ende ein wenig heller, an 
Tibien und Metatarsen je ein undeutlich dunklerer Ring in der Mitte 
und am Ende, die Tarsen ein wenig heller an der Basis als an der 
Spitze. Die Stacheln weißlichgelb, an der Basis und meistens auch 
an der Spitze dunkler, kürzer als der Durcl^messer der betreffenden 
Glieder ; die längsten sind die der Vorderseite der Ferneren I. Palpen 
einfarbig rötlichgelb. Mandibeln wie der Cephalothorax; die Klaue 
an den Seiten schwärzlich. Die Unterseite des Cephalothorax 
hell rötlichbraun , etwas olivenfarbig ; Sternum mit einem hell- 
gelben, unbestimmt begrenzten Mittelstrich, Lippenteil an der Spitze, 
Maxillen innen grauweißlich. — Abdomen olivenfarbig gelbbraun 
mit gelben, verworrenen Zeichnungen. An der Basis ein dunklerer 
Längsfleck, der sich am Hinterende erweitert (ca. 1 mm breit), 2 mm 
lang und beiderseits hellgelb angelegt ist; er ist zwischen den 
Muskelpunkten des L Paares ganz oder fast ganz unterbrochen, setzt 
sich aber hinter denselben als ein schmaler, sich unregelmäßig ver- 
ästelnder und gelb angelegter Längsstrich bis etwas hinter der Mitte 
fort , wo er sich in zwei zuerst nach hinten divergierende , dann 
parallel verlaufende feine Äste teilt; wo diese sich trennen, liegt ein 
undeutlicher, größerer, gelber Fleck und vor diesem zwei kleinere, 
lebhafter gelbe Flecke. Die Seiten des Rückenfeldes unregelmäßig 
heller und dunkler punktiert und gestreift; an den Schultern einige 
dichter stehende gelbe Flecke. Vier Paare Muskelpunkte, von denen 
die der beiden vorderen Paare länglichrund, schräg gestellt und bei 
weitem die größten sind, und die ein Trapez bilden, das vorn 1,5, 
hinten 2,2, an den Seiten 1,5 mm ist; das Trapez des IL und 
IIL Paares ist vorn 2,2, hinten 1,6, an den Seiten 1,1 mm und das 
des III. und IV. Paares vorn 1,6, hinten 1,5, an den Seiten 1,15 mm 
ist; die Punkte des letzten Paares sind sehr klein und undeuthch, 
die der vorderen weiß umringt. Hinter der Mitte beiderseits eine 
dunklere Zickzacklinie als Begrenzung des Foliums. Die Seiten mit 
undeutlichen, parallel verlaufenden, helleren Querstreifen, von denen 
die vorderen die deutlichsten sind. Am Ende des Rückenfeldes ein 
brauner, unregelmäßiger Fleck, der aber vielleicht ein Kunstprodukt 



— 61 — 

ist. Der Bauch hellgelb, an den Seiten nicht scharf begrenzt; kurz 
vor den Spinnwarzen jederseits ein bräunlicher Fleck und in der 
Mitte vier Paare schwarzer Muskelpunkte: die des I. Paares beider- 
seits der Spitze des Nagels gelegen und unter sich 0,6 mm entfernt, 
die des IL unter sich 1,1 mm entfernt und größer als die übrigen, 
die des letzten 0,5 mm unter sich und ein wenig mehr von- den 
Spinnwarzen entfernt. Letztere sind braun , an der Spitze schmal 
weiß, an der Basis grau begrenzt; beiderseits derselben zwei gelbliche 
Flecke. Epigaster braungrau, in der Mitte hellgrau; die Spalte braun. 
Totallänge 10 mm. Abdomen 7,5 mm lang, 7 mm breit. Cepha- 
lothorax 4,2 mm lang. Sternum 1,85 mm breit, 2 mm lang. Man- 
dibeln kürzer als Patellen I (bezw. 2 und 2,2 mm). — Beine : 

I Coxa + Troch. 1,7, Femur 4,2, Patella + Tibia 5, Metatarsus 
+ Tarsus 4,5 mm; 11 bezw. 1,7; 4; 4,5; 4,2 mm; III bezw. 1,5: 
2,6; 2,6; 2,6 mm; IV bezw. 2; 4; 4,3; 4mm. Totallänge: I 15,4: 

II 14,4: III 9,3; IV 14,3 mm. 

Fundort: Kamerun (Pahl). 

Die Art erinnert an Äranea nautica (L. K.) und cerviniventris 

(SiM.). 

42. Äranea Fahli Strand n. sp. 

$. Das Feld der M.A. vorn breiter als hinten und länger als 
vorn breit. Die vordere Augenreihe schwach recurva. — Abdomen 
eiförmig, vorn und hinten fast gleich zugespitzt, mit der größten 
Breite kurz vor der Mitte, von der Seite gesehen oben gleichmäßig 
gewölbt, hinten steil abfallend. Die Spinnwarzen von oben nicht 
sichtbar. Epigyne ähnelt sehr derjenigen der folgenden Art, aber 
der horizontale Teil des Nagels ist kürzer und breiter, hat an der 
Basis jederseits einen großen, tiefschwarzen Fleck und unmittelbar 
vor der Spitze unten und beiderseits eine schwache Einkerbung. 

Cephalothorax olivenfarbig graugelb, mit einem braunen, 
nach hinten zugespitzten Längsstrich von den Augen bis zur Rücken- 
grube. Die Augen in schmalen schwarzen Ringen. Mandibeln wie 
der Cephalothorax, an der Spitze ganz schwach gebräunt; die Klaue 
rötlich , beiderseits schwärzlich. Maxillen und Lippenteil graugelb, 
an der Basis etwas dunkler. Sternum graubraun, schmal schwarz 
umrandet, mit breitem, nach hinten zugespitztem, hellerem Längs- 
streifen, der einen lebhafter gelb gefärbten Fleck haben kann. Beine 
und Palpen hell bräunlichgelb, an der Spitze des Tarsalgliedes schwach 
gebräunt. — Abdomen oben olivengrau mit feiner, dunklerer Netz- 



— 62 — 

aderung und einer an der Basis breiten (1,2 mm), gegen die Spinn- 
warzen sich allmählich verschmälernden und kurz vor denselben in 
einer feinen Spitze endenden, weißlichen Längsbinde, die in der 
vorderen Hälfte jederseits zwei kurze , stumpfe , schräg nach außen 
und hinten gerichtete Zacken hat und in der hinteren undeutlich 
fein längsgestrichelt ist. Beiderseits ist sie von einer undeutlich 
begrenzten, hinten innen mit einigen dunkleren Flecken bezeichneten 
Längsbinde von der Grundfarbe umgeben, die wiederum von einem 
schmalen, undeutlichen, weder Basis noch Spinnwarzen erreichenden, 
weißlichen Längsstreifen begrenzt wird. Die Seiten etwas dunkler, 
olivenbräunlich; der Bauch dunkelbraun, jederseits mit 3 weißhchen 
Flecken , einem an der Spalte , einem größeren , länglicheren , kurz 
hinter der Mitte und einem viel kleineren an den braunen , an der 
Basis hellgrau umrandeten Spinnwarzen; bisweilen wird noch einer 
an jeder Seite der letzteren vorhanden sein. 

Totallänge 5 mm. Cephalothorax 2 mm lang, 1,6 mm breit. 
Abdomen 4 mm lang, 2,8 mm breit. — Länge der Beine: I Coxa 
+ Trochanter 1, Femur 2,2, Patella + Tibia 2,5, Metatarsus + Tarsus 
2,7 mm; II bezw. 0,9; 1,9; 2; 2,1 mm; III bezw. 0,8; 1,4; 1,4; 
1,5 mm; IV bezw. 1; 2; 2,1; 2,1 mm. Totallänge: I 8.4; II 6,9; 
III 5,1; IV 7,2 mm. 

Fundort: Kamerun (Pahl). 

Der folgenden Art nahe verwandt, aber dadurch zu unter- 
scheiden, daß die Beine einfarbig, und der Nagel kurz vor der Spitze 
eingekerbt ist. 

43. Äranea camerunensis Strand n. sp. 

$. Das Feld der M.A. fast gleich lang und breit, vorn um ein 
klein wenig breiter als hinten; die vorderen M.A. unbedeutend größer 
als die hinteren. — Abdomen vorn breit, hinten etwas spitzer ab- 
gerundet, mit der größten Breite (2,5 mm) kurz vor der Mitte, 
wenig länger (3 mm) als breit, oben etwas abgeflacht, ohne Schulter- 
höcker. Die subterminalen , wenig vorstehenden Spinnwarzen von 
oben nicht sichtbar. — Epigyne bildet einen graubraunen, fast 
zylindrischen, vertikal gerichteten Zapfen, der sich am Ende in einen 
flachgedrückten, zungenförmigen , an der Basis fast parallelseitigen, 
dann plötzlich verschmälerten und etwas stumpf zugespitzten, oben 
bräunlich und schwach erhöht umrandeten Fortsatz verlängert. Von 
der Seite gesehen erscheint der Basalteil der Epigyne fast so breit 
als lang und etwa so lang als der P^ndteil. 



— 63 — 

C e p h a 1 o t h o r a X am Brustteile hellbraun, am Kopfteile grau- 
gelblich mit feinen , undeutlich dunkleren Strahlenstrichen und 
schmalem , schwärzlichem Rande ; die Augen von schmalen bräun- 
lichen Ringen umgeben. Clypeus dunkelbraun ; Mandibeln grau- 
bräunlich , an der Spitze innen ein wenig heller; die Klaue rötlich, 
an den Seiten schwarz. Maxillen und Lippenteil grauweiß, an der 
Basis ein wenig dunkler. Sternum braun mit scharf markiertem 
Längsstreif von der Basis bis zur Spitze. Beine im Grunde blaß 
graugelblich ; alle Ferneren an der Spitze braun geringt , I und II 
außerdem unten mit einem oder zwei dunklen Flecken ; die Patellen 
einmal undeutlich, die Tibien I und II dreimal ganz deutlich, III 
und IV meistens nur zweimal dunkler geringelt; alle Metatarsen 
zweimal, Mitte und Ende, breit und scharf schwärzlich, die Tarsen 
an der Spitze undeutlich dunkler geringelt. Palpen wie die Beine ; 
Patellarglied an der Spitze, Tibialglied an beiden Enden, Tarsalglied 
in der Mitte ganz scharf dunkler geringelt. — Abdomen oben 
hellgrau, dicht und fein heller und dunkler punktiert, mit schwarzen 
Punkten an der Basis der langen, starken, abstehenden Borstenhaare, 
welche dem Abdomen ein rauhes Aussehen verleihen: diese Punkte 
erweitern sich zum Teil, besonders am Vorderrande, zu schmalen, 
länglichen, schräggestellten Längsflecken. In und vor der Mitte je 
ein Paar großer, schwarzer Muskelpunkte, die ein Trapez bilden, das 
vorn 0,6, hinten 1 mm breit und 0,6 mm lang ist. Ein Folium läßt 
sich nur hinten, kurz vor den Spinnwarzen, undeutlich erkennen. Die 
untere Hälfte der Seiten etwas dunkler, dicht und fein schwarz längs- 
gestreift. Epigaster graubraun, um die Epigyne ein wenig heller. Das 
Mittelfeld des Bauches schwärzlich mit einem weißlichen Querstreifen 
hinter der Spalte und einem ebensolchen, breiteren, in der Mitte unter- 
brochenen, kurz vor den Spinnwarzen. Letztere graubraun, an der 
Spitze kaum heller; beiderseits derselben ein kleiner, weißer Fleck. 

Totallänge 4—5 mm, Beine: I Coxa + Trochanter 1. Femur 
2,5, Patella + Tibia 2,5, Metatarsus + Tarsus 2,2 mm ; II bezw. 0,9 ; 
2;. 2,5; 2,2 mm; III bezw. 0,8: 1,5; 1,5; 1,5 mm; IV bezw. 0,9; 
2; 2,1; 2,1 mm. Totallänge: I 8,2; II 7,6; III 5,3; IV 7,1 mm. 

Fundorte: Kamerun (Pahl); Malimba, West-Afrika (Pahl). Die 
Type von Kamerun. 

44. Ära neu similis (Bös. et Lenz) 1895. (?) 
Ein unreifes, zweifelhaftes Exemplar von Uhehe, Deutsch Ost- 
Afrika (NiGiMANN). 



— 64 — 

45. Äranea annulipes (Luc.) 1844. 

Ein Exemplar von Ain Sefra. Algier (Yosseler). 

Caerostris Th. 1868. 

46. Caerostris suhsimata Strand n. sp. 

$. Das Trapez der M.Ä. ist vorn 1,1, hinten 1,6, an den 
Seiten 0,95 mm; die vorderen M.A. vom Rande des Clypeus um 
1 mm , von den S.A. um 2,7 mm entfernt. — Die Färbung ähnelt 
derjenigen von C. slmata Bös. et Lenz; außer den grauweißen, etwas 
goldig glänzenden Haaren des Cephalothorax noch darunter schwarze 
Haare und dunkelgraue Schuppenhaare gemischt. Vor den beiden 
mittleren Hinterhöckern je ein mehr auffallender, grauweißer Haar- 
fleck. Die Hinterrandshöcker gleich groß; die mittleren unter sich 
um 1,6, von den seitlichen um 2 mm entfernt. Der Vorder- und 
Innenrand der Maxillen und des Lippenteiles weiß. Die Femoren 
wie der Cephalothorax gefärbt, I und II vorn an der Basis mit einem 
undeutlichen helleren Fleck; Patellen und Tibien ein wenig heller, 
letztere an I und II mit zwei, an III und IV mit vier wenig deut- 
lichen, schwach vertieften, haarlosen und daher heller erscheinenden 
Längsstrichen, Metatarsen und Tarsen an der Basis rotgelb, an der 
Spitze dunkler. Die Unterseite aller Glieder etwas dunkler; an den 
Tibien nahe der Basis eine weiße Querbinde, die nur halb so breit 
als die braune Endpartie des Gliedes ist, an den Metatarsen eine 
ebensolche, fast die Hälfte des Gliedes einnehmende Binde und an 
der Spitze noch Andeutung einer zweiten, viel schmäleren weißen 
Querbinde. Diese Binden sind auch oben angedeutet. — Das Tibial- 
und Tarsalglied der Palpen lang und dicht behaart; die Haare an 
der Basis dunkler, in der Endhälfte hellgelb. 

Das oben gelbe Abdomen ziemlich unregelmäßig mit schwarzen 
Haarflecken getüpfelt, die keine deutlichen Querlinien bilden. Die 
Höckerchen ragen zwar deutlich über den Haarfilz der Rückenfläche 
hervor, sind aber doch kürzer und stumpfer als die Höcker des 
Cephalothorax. Die 10 Randhöcker beschreiben etwa einen Halb- 
zirkel ; die beiden mittleren jedoch ein klein wenig weiter nach vorn 
gerückt , sowie unter sich weniger als von ihren Nachbarn entfernt 
(bezw. 1.5 und 1,7 mm). Die drei Discalhöcker so groß wie die 
Randhöcker, unter sich um 3,2, der mittlere von den mittleren 
(vorderen) der Randreihe um 2,5 mm entfernt. Innerhalb der Rand- 
liöcker eine damit parallele Reihe von 15 braunen, in der Mitte 
schwarzen Sigillen, von denen das vordere (mittlere) etwas größer 



- 65 — 

und mehr langgestreckt ist. In der Mitte des Discus zwei Paare 
Sigillen, von denen die des vorderen Paares schräggestellt, länglich- 
rund und etwa 1,4 mm lang sind; das von den beiden Paaren ge- 
bildete Trapez ist vorn 2, hinten 3,5 mm breit und 3,5 mm lang. 
Ein drittes Paar bildet mit dem Paar No. 2 ein Trapez, das vorn 
3,5, hinten 3 mm breit und 2,5 mm lang ist. Dann noch zwei 
kleinere, einander mehr genäherte Paare. Hinten und etwas außen 
von den drei letzten Sigillen je ein schräggestellter, eckiger, gelber 
Fleck. Die Unterseite wie bei simata, nur ist die Querbinde hinter 
der Spalte hellgelb; Epigyne erscheint auch in Flüssigkeit tiefschwarz 
und vor derselben ein kleiner kirschroter Fleck, der viel kleiner als 
die Epigyne ist. Das Bauchfeld außen und hinten von einer hell- 
gelben Binde eingefaßt. — Epigyne bildet ein schwarzes, stark 
glänzendes, wenig erhöhtes Feld, das 1,9 mm breit und 1,2 mm 
lang ist und eine tiefe Grube einschließt, die 0,9 mm breit und 
0,7 mm lang ist. Epigyne hat viel Ähnlichkeit mit derjenigen von 
C. albescens Poe. 1899, unterscheidet sich aber dadurch, daß der 
Hinterrand der Grube dünner, in der Mitte abgerundet erhöht ist 
und daher von oben und etwas von vorn gesehen nach hinten konvex 
gebogen erscheint (ähnlich wie bei turriger Poe. 1899). Die beiden 
nach hinten gerichteten Fortsätze (Verdickungen) des Vorderrandes 
sind etwas niedriger als bei albescens ] die Grube erscheint dadurch 
etwas größer und läßt im Grunde eine feine Längsleiste erkennen. 
Die beiden ochsenhörnerähnlichen Dornen des Vorderrandes sind 
grauweißlich, und Epigyne ist wie gesagt vorn von einem kirschroten 
Fleck begrenzt. 

Totallänge 15 mm. Cephalothorax 7,5 mm lang, 7 mm breit. 
Abdomen 12 mm lang, 11,5 mm breit. — Beine : I Coxa + Trochanter 3, 
Femur 6,5, Patella + Tibia 8, Metatarsus + Tarsus 7,5 mm; H bezw. 
3; 6; 7,8; 7,2 mm; Hl bezw. 2,5; 5; 5; 4,8 mm; IV bezw. 3; 5,5 
7; 6,5 mm. Totallänge: I 25; H 24: IH 17,3; IV 22 mm. — 
Palpen: Femoralglied 2,3, Patellarglied 1,5, Tibialglied 2, Tarsal- 
glied 2,4 mm. Mandibeln 4 mm lang, beide zusammen an der Basis 
5,1 mm breit. 

Fundort: West- Afrika (Merkle ded.). 

Die Art steht C. simata Bös. et Lenz nahe, unterscheidet sich 
aber in der Epigyne und Körperform; bei unserer Art ist Abdomen 
hinten gerundet ohne deutliche Endhöcker, und die vorletzte Falte 
ist ganz gleichmäßig sanft gebogen. 

.Jahreshefte d. Vereins f. vaterl. Naturkunde in Württ. 1906. 5 



— 66 — 

Gasteracantha Sund. 1833. 

47. Gasteracantha curvispina Guer. 1837. 

Fundorte : Malimba, West-Afrika (Pahl) ; Elmina, West- Afrika 
(Leimenstoll) ; Akropong , Goldküste (Dieterle) ; Lome , West-Afrika 
(Schneider); Goldküste (Schwaigert). 

48. Gasteracantha falciformis Bütl. (resupinata Gerst.). 
Fundort: Parapato, Fluß, Ost-Afrika (Kässer). 

Pavaplectana Br. Cap. 1866. 

49. Paraplectana Walleri (Blackw.) 1865. 

Fundort : Ashanti (Ansel). — Das einzige vorliegende Exemplar 
weicht ab von der Beschreibung durch die Ringelung der Beine : 
kein schwarzer Ring an den Femoren, ein breiter subbasaler solcher 
an den Tibien I und II , sowie Andeutung dazu an IV, ein noch 
breiterer medianer an den Metatarsen I und II, sowie etwas weniger 
deutlich an III und IV. Die Unterseite ohne dunkleres Mittelfeld. 

50. Paraplectana Thorntoni (Blackw.) 1865. 
Fundort: Akropong, Goldküste (Dieterle). 

Das Exemplar weicht von der Originalbeschreibung und der 
Abbildung in Simon's „Hist. nat." dadurch ab, daß die beiden in 
der Mitte des Abdomen in Längsreihe gestellten Flecke zu einem 
einzigen, breit lanzettförmigen Fleck zusammengeschmolzen sind und 
die übrigen Flecke größer , so daß sie unter sich nur durch ganz 
schmale Striche oder Linien getrennt sind. 

51. Äranoethra Üngari Karsch 1878. 
Fundort: Akropong (v. Barth), Ashanti (Ansel). 

$. Länge des Abdomen 14,5, Breite desselben 29 mm. 

Die vier mittleren Sigillen bilden ein Trapez, das vorn 3,7, 
hinten 6,5 mm breit und 4,3 mm lang ist. Die Seitendornen etwa 
2 mm lang, die hinteren 1,2 mm lang. Cephalothorax 5,5 mm 
lang. — Beine: I Coxa + Troch. 3, Femur 5,5, Pat. + Tib. 6,5, 
Met. 4- Tars. 4 mm; II bezw. 2,7: 5,6; 6; 4 mm; III bezw. 2,5; 
4; 4; 2,5 mm; IV bezw. 2,8; 6; 6,3; 3,5 mm. Totallänge: I 19; 
II 18,3; III 13; IV 18,6 mm. Sternum 2,8 mm breit, 3,1 mm lang. 
Palpen: Femoralglied 1,5, Pat. + Tib. 2, Tars. 1,9 mm. Mandibeln 
2,6 mm lang, an der Basis beide zusammen 3 mm breit. 

Der Cephalothorax dunkel rötlichbraun , der Kopfteil vorn 



— 67 — 

schwarz, die Unterseite schwarz mit bläuhchem Schimmer, ebenso 
die Extremitäten, die an den Ferneren etwas heller, rötlicher sind. 
Die beiden hinteren Paare der Sigillen bilden ein Trapez, das 
vorn 6,5, hinten 3 mm breit und 3 mm lang ist. Zwischen dem 
vorderen Paar der Discalsigillen und dem vordersten der Seiten- 
sigillen, zwischen den beiden vorderen der Seitendornen, liegt jeder- 
seits ein Sigillum , das von demjenigen in der Mitte um 7,5 , von 
dem seitlichen um kaum 2 mm entfernt ist. Die beiderseitigen 
hintersten Dornen unter sich um 14,5, von den vorletzten der Seiten- 
dornen nur um 2 mm entfernt (bei J. ran. Camhridyei ist erstere 
Entfernung nicht doppelt so groß als die letztere). Die mittleren der 
Dornen des Vorderrandes kürzer als bei Camhridgei. 

Fam. Clubioiiidae. 

Damastes Sim. 1880. 

52. Damastes Grandidieri Sim. 1880 (?). 

Von Madagaskar (Sikora) liegt ein 6 einer Damastes- Ait vor, 
in welcher ich D. Grandidieri Sim. vermute, bin dessen aber nicht ganz 
sicher. Die folgende Beschreibung wird jedenfalls die Wiedererkennung 
der in Frage stehenden Art ermöglichen. Falls es sich herausstellt, 
daß sie neu ist, möge sie den Namen sihoranus m. bekommen. 

S. Cephalothorax und Palpen rotbraun, ersterer am Vorderrande 
dunkelbraun, Mandibeln schwarzbraun mit braungelber Behaarung, 
Lippenteil und Maxillen wie der Cephalothorax, Sternum, Coxen und 
Basis der Femoren gelbbraun , die übrigen Glieder dunkelbraun. 
Abdomen oben hell bräunlichgrau mit dunkelbraunen Zeichnungen. 
Am Ende des ersten und Anfang des zweiten Viertels je eine schmale, 
in der Mitte schwach nach hinten konvex gebogene, sich beiderseits 
fleckenförmig erweiternde und in diesen Flecken je einen kleineren, 
helleren ebensolchen einschließende Querbinde. Am Anfang des 
dritten Viertels, unweit dem Rande, jederseits ein eckiger, hinten 
innen spitz ausgezogener, schräggestellter Fleck. Längs der Mitte 
des Rückens zwei unter sich um 1,2 mm entfernte, parallele Längs- 
reihen von je 4 Punkten ; diese Paare sind unter sich von vorn nach 
hinten je 4, 3,5 und 1,5 mm entfernt; das letzte Paar kleiner und 
kurz vor dem Hinterrande gelegen. Der wichtigste Unterschied 
zwischen dieser Zeichnung und derjenigen von D. malagassa (Kakscii) 
ist das Vorhandensein bei malagassa eines Querfleckens am Vorder- 
rande und zweier Schrägflecke zwischen den beiden Binden, von 
denen die letzte unterbrochen ist. — Die Behaarung der Extremi- 

5* 



täten besteht aus kürzeren, dunkleren, anliegenden und längeren, 
hellbräunlichgelben, an der Basis braunen, abstehenden Borstenhaaren; 
letztere sind gleich oder länger als der Durchmesser der betreffenden 
Glieder. — In Spiritus erscheinen Cephalothorax und Extremitäten 
oben rötlich oder hell braunrot; der Kopfteil dunkler als der Brust- 
teil. Abdomen mit dunkelbraunem, nicht unterbrochenem Randbande, 
der Bauch hellgelblich, die Lungendeckel lebhafter gelb. Maxillen 
und Lippenteil erscheinen im Fluidum blutrot. — Kopfteil mit Mittel- 
grube, die aber länglich, nicht quer, ist. 

Bestachelung. Femur I oben und vorn je 1. 1, II oben 1. 1 
(subapical und subbasal), vorn und hinten je 1. 1. 1; III oben 1. 1, 
vorn 1. 1. 1 oder 1. 1, hinten keine; IV oben 1. 1, vorn 1 (sub- 
basal) Stachel. Alle Patellen in der Mitte 1 Stachel. Tibien I und II 
unten 2. 2. 2, III unten 1. 2. 2 oder 2. 2. 2, IV unten 1. 2. 1 (die 
drei vorn!); an Lateralstacheln hat I hinten 1. 1, II vorn und hinten 
je 1. 1, III beiderseits 1 (submedian) oder vorn 1. 1, hinten 1 Stachel. 
Metatarsen unten 2. 2 ; III kann einen vorderen Lateralstachel haben. 

Totallänge 24 mm. Cephalothorax ohne Mandibeln 10, mit 
12 mm lang, 11 mm breit. Abdomen 12 mm lang, 9 mm breit. 
Mandibeln 4,3 mm lang, an der Basis beide zusammen 5,5 mm breit. 
Vordere Augenreihe 4, hintere 5 mm lang. Sternum 5 mm lang, 4,5 mm 
breit. Palpen: Femoralglied 4, Patellarglied 1,5 mm lang, 1,4 mm breit 
an der Spitze, Tibialglied 2 mm lang, 1,9 mm breit, Tarsalglied 
4 mm lang, 2,2 mm breit. — Beine: I Coxa + Trochanter 5, Femur 12, 
Patella + Tibia 13,5, Metatarsus + Tarsus 13,5 mm; II bezw. 5; 
14,5; 18,5; 17 mm: III bezw. 4,8; 12; 14; 12,5 mm; IV bezv^r. 
5; 11,5; 12; 12 mm. Totallänge: I 44; II 55; III 43,3: IV 40,5 mm. 
Also: II, I, III, IV. 

Torania Sim. 1886. 

53. Torania Mannt Strand n. sp. 

5. Die hintere Augenreihe 6 mm, die vordere 4,5 mm lang; 
die hintere so schwach recurva, daß eine die M.A. hinten tangierende 
Linie die S.A. kaum im Zentrum schneiden würde; letztere viel 
größer, mit den ungefähr gleich großen vorderen S.A. auf einer ge- 
meinschaftlichen schrägen Erhöhung sitzend, nach außen und hinten 
gerichtet; die hinteren M.A. unter sich etwas weniger als von den 
hinteren S.A. , aber ungefähr in ihrem Durchmesser weiter als von 
den vorderen M.A. entfernt. Die vordere Augenreihe bildet mit den 
Oberrändern eine gerade, mit den unteren eine schwach procurva 



- 60 — 

gebogene Linie ; die M.A. ein wenig kleiner als die S.A. , aber viel 
größer als die hinteren M.A., unter sich und von den vorderen S.A. 
in ihrem halben Durchmesser, vom Rande des Clypeus noch weniger 
entfernt. Die Außenränder der M.A. bilden ein Trapez, das vorn 
1,8, hinten 2,1 mm breit und 2 mm lang ist. — Mandibeln kürzer 
als Patellen I (bezw. 6 und 7,5 mm), an der Basis 7,5 mm breit; 
die Klaue 4 mm lang. — Bestachelung. Alle Femoren oben in 
der Mittellinie 1 (submedian), 1 (subapical), I vorn jedenfalls 1. 1 
(submedian und subbasal), hinten 1. 1. 1 Stacheln, II und III vorn 
und hinten je 1. 1. 1 , IV vorn 1. 1. 1 , hinten 1 nahe der Spitze. 
Patellen I bis III vorn und hinten je 1 Stachel ; IV scheinen un- 
bestachelt zu sein. — Alle Tibien unten 2. 2. 2, von denen die apicalen 
erheblich kürzer, I — III vorn und hinten je 1. 1 oder hinten nur 1 
(am Ende des ersten und Anfang des letzten Drittels), IV vorn l in 
der Endhälfte, hinten keine; I und II oben 1. 1 (subbasal und sub- 
median) Stacheln. Metatarsus I— III unten 2. 2, vorn und hinten 
je 1. 1, alle in der Basalhälfte ; IV unten 2. 2, vorn 1. 1. 1, hinten 
an der Spitze 1 Stachel. — Palpen : Femoralglied oben nahe der 
Spitze 1. 4, Patellarglied jederseits 1, Tibialglied oben 1, innen 2 
(alle drei subbasal), außen 1. 1, Tarsalghed außen 1. 1, innen 2 
(subbasal) Stacheln. — Scopula an allen Tarsen, an den Metatarsen I 
bis II fast bis zur Basis, an III unten fast bis zur Basis, an den 
Seiten weniger weit, an IV noch weniger weit, sowie dünner und 
die Scopulahaare der Seiten nicht halb so lang als die an den 
Vorderpaaren, wo sie fast so lang als der Durchmesser des Gliedes 
sind. Die Endhälfte des Tarsalgliedes der Palpen oben wie unten 
sehr dicht, aber kurz behaart; eine eigentliche Scopula ist doch 
nicht vorhanden. — Das Genitalfeld erscheint in Flüssigkeit ge- 
sehen als ein vorn etwas abgerundetes , rötlichgelbes Viereck , das 
3,5 mm lang, vorn 3 mm breit, hinten ein wenig schmäler ist und 
eine fast viereckige, vorn etwas abgerundete, hinten quergeschnittene, 
seichte Grube, die 2 mm lang und hinten l,ü mm breit ist, ein- 
schließt ; diese ist an den Seiten von einem schmalen , schwarzen, 
hinter der Mitte etwas erweiterten und schwach nach außen konvex 
gebogenen Rand umgeben, welche Ränder sich vorn nach innen und 
ein wenig nach hinten umbiegen ohne zusammenzustoßen. Außen 
ist dieser Rand von einem rotbraunen Ring umgeben, der etwa 7^ 
so breit als die Grube ist. Letztere ist im Grunde gelblich und hat 
ein dunkler gefärbtes, fast Vu ihrer Breite einnehmendes, niedriges, 
abgerundetes Längsseptum , das vorn und kurz vor der Spitze sich 



- 70 — 

schwach erweitert und am Hinterrande ein ähnliches Querseptum 
bildet. Trocken gesehen zeigt es sich, daß die vom Vorderrande 
ausgehende Längserhöhung nur bis etwa zur Mitte reicht , dann 
kommt eine ähnliche Quererhöhung, die nach hinten konvex halb- 
zirkelförmig gebogen ist und nicht die Seitenränder der Grube er- 
reicht, sowie endlich die Quererhöhung des Hinterrandes, die in der 
Mitte und an beiden Seiten rundlich erweitert ist. Die in Spiritus 
erkennbaren schwarzen Ränder präsentieren sich nun als tiefe, schmale, 
hinten plötzlich erweiterte und daselbst einen kleinen , niedrigen 
Längswulst einschließende Furchen. 

Cephalothorax mit Mundteilen und Extremitäten in Spiritus 
gesehen schön braunrot mit violettem Anfluge, die Augenhügel innen 
schwarz, die Mandibeln ein klein wenig dunkler als der Cephalothorax, 
Sternum hinten und mitten , sowie Coxen und Trochanteren unten 
heller, gelblichrot, Mandibelklaue schwarzbraun, an der Spitze heller. 
— Abdomen im Grunde ockergelb, oben und an den Seiten braun 
gezeichnet: das Rückenfeld beiderseits längs dem Rande mit etwa 
3 unregelmäßigen Reihen Längsflecke oder kurze Striche, am Vorder- 
rande einige mehr rundliche Flecke und vor der Mitte beiderseits 
zwei Reihen von je 2 — 3 länglichen Schrägflecken, sowie außen vom 
mittleren dieser Flecke ein größerer, etwa dreieckiger Schrägfleck; 
über die Mitte des Rückens eine unregelmäßige, mitten fast unter- 
brochene, aus zusammengeflossenen Flecken gebildete Querbinde von 
3 — 4 mm Breite und eine ähnliche , schmälere kurz weiter hinten, 
sowie endlich eine Querreihe von etwa drei rundlichen Flecken. 
Endlich sind die Seiten undeutlich längsgefleckt und gestreift. Diese 
so unregelmäßige Zeichnung wird wahrscheinlich ziemlich variabel 
sein, aber sich meistens als 3—4 mehr oder weniger unterbrochene 
Querbinden erkennen lassen können. Sie ähnelt etwas derjenigen 
von Torania gloriosa Sim. Bauch und Epigaster einfarbig ockergelb. 
Die unteren Spinnwarzen ockergelb, die anderen bräunlich. 

Der Cephalothorax ist dicht, fein, anliegend, grauweißlich und 
bräunlich behaart; die Extremitäten mit ebensolcher Grundbehaarung, 
sowie mit entfernt stehenden, sehr feinen, bräunlichgelben, gerade 
abstehenden Haaren , die meistens erheblich länger als der Durch- 
messer der betreffenden Glieder sind. Die feine braune Behaarung 
bildet an den Femoren einen großen Fleck vorn an der Spitze und 
kleinere Flecke an der Basis der Stacheln , an den Tibien je einen 
am Ende und Basis. Stacheln dunkel rötlichbraun. Scopula er- 
scheint von oben braungelblich, unten dunkelgrau. Die braune Be- 



— 71 — 

haarung scheint auch am Cephalothorax Flecke zu bilden, die aber 
nicht genau zu erkennen sind, weil teilweise abgerieben. Mandibeln 
mit feinen hellgrauen Haaren und abstehenden bräunlichen Borsten; 
die Bürste der Falzränder lebhaft gelbrot. Die Unterseite des Cepha- 
lothorax hell graubräunlich behaart. Abdomen mit silberweißen, 
glänzenden und bräunlichgelben oder ockergelben Härchen, ent- 
sprechend den oben beschriebenen Zeichnungen ; längere, abstehende 
Haare finden sich fast nicht. — Der Bauch mit zwei aus haarlosen, 
eingedrückten Punkten gebildeten Längslinien, die nach außen konvex 
gebogen sind, weder Epigyne noch Spinnwarzen erreichen, vorn unter 
sich um 3 mm und von der Spalte um 2,5 mm , in der Mitte um 
4,5 mm, an den Hinterenden um 2 mm unter sich entfernt sind. 

Cephalothorax 13 mm lang, 12,6 mm breit. Abdomen 20 mm 
lang, 15 mm breit. Palpen: Femoralglied 5, Patellarghed 2,4, Tibial- 
ghed 3 , Tarsalghed 5,5 mm lang, — Beine : I Coxa + Troch. 6,5, 
Femur 15, Patella + Tibia 20, Metatarsus + Tarsus 18,5 mm; H 
bezw. 6,5; 17; 24; 22 mm: HI bezw. 6,5; 14; 17; 14 mm; IV 
bezw. 6,5; 13,5; 16; 15,5 mm. Totallänge: 160, H 69,5, HI 51,5. 
IV 51,5 mm. — Bei einem anderen Exemplar ist Cephalothorax 
ohne Mandibeln 13,5, mit Mandibeln 14,6 mm lang, 13,3 mm breit. 
Abdomen 16 mm lang, 11,5 mm breit. Beine: I bezw. 6,5; 15,5; 
20; 19,5 mm; IV bezw. 6,5; 13,5; 16,5; 16,5 mm. Beim letzteren 
Exemplar, das wahrscheinlich schon die Eier abgelegt hatte, sind die 
Zeichnungen undeutlicher und die Färbung dunkler. 

Fundort: Lagos (Mann). 

Enspavassus Sim. 1903. 

54. Fyusparassus argelasius (Latr.) 1818. 
Fundort: Ain Sefra (Vosseler). 

55. Eusparassus o-dentatus Strand n. sp. 

$. Die vordere Augenreihe 2,5. die hintere 3 mm lang. Die 
vordere ein klein wenig, fast unmerklich, recurva, die Augen unter 
sich fast gleich groß, die M.A. ein wenig größer und unter sich 
fast in ihrem Durchmesser, von den S.A. um etwas weniger entfernt. 
Die hintere Reihe schwach procurva, so daß eine die S.A. hinten tan- 
gierende Linie die M.A. im Zentrum oder kurz vor demselben schneiden 
würde; die Augen gleich groß, kleiner als die vorderen, und gleich 
weit unter sich entfernt. Die M.A. bilden mit ihren Außenrändern 
ein Feld, das vorn 1,2, hinten 1,5 breit und 1,3 mm lang ist. 



— 72 - 

Am unteren Falzrande 5 Zähne , von denen die drei vorderen 
unter sich gleich groß und gleich weit entfernt sind ; die beiden 
anderen, besonders der letzte, etwas kleiner und ein klein wenig 
näher beisammen; am oberen Rande 3 Zähne, von denen der vor- 
dere viel größer, der innerste sehr klein ist. — Cephalothorax oben 
hoch gewölbt. — Abdominalrücken mit 2 Paaren schwärzlicher 
Muskelpunkte, die ein Trapez bilden, das hinten 3, vorn 2,2 mm 
breit und 3,3 mm lang ist. 

Bestachelung (II fehlt!). Femur I oben und vorn je 1. 1, 
hinten 1. 1. 1, III oben 1. 1, vorn und hinten je 1. 1. 1, IV oben 
1. 1, hinten und vorn je 1 Stachel nahe der Spitze, vorn außerdem 
je 1 Borste Mitte und Basis. Alle Patellen unbewehrt. Tibia I 
unten 2. 2 (Mitte und Basis), vorn und hinten je 1. 1, III unten 1 
(hinten). 2, vorn und hinten je 1. 1, IV unten 2. 2, vorn und hinten 
je 1. 1 Stacheln. Metatarsen I und III unten 2. 2, vorn und hinten 
je 1. 1, alle in der Basalhälfte : IV wie III, und außerdem an der 
Spitze jederseits 1 viel kleinerer Stachel. Scopula an allen Tarsen, 
an den Metatarsen I und III an den Seiten bis zur Mitte , unten 
fast bis zur Basis, aber dünner, am IV nur im apicalen Drittel. — 
Palpen: Femoralglied oben 1. 4, Patellarglied jederseits 1, Tibial- 
glied innen 2, außen 1, Tarsalglied jederseits an der Basis 1 Stachel. 

Das Genitalfeld sehr groß, abgerundet viereckig, etwa 2,2 mm 
breit, 2 mm lang, im Grunde gelblich, beiderseits von einer bräun- 
lichen Linie undeutlich begrenzt, in der Mitte graubläulich mit zwei 
Reihen dunklerer ebensolcher Querstriche oder Querflecke; der Hinter- 
rand schmal schwärzlich. Trocken gesehen erscheint es ganz schwach 
erhöht und gewölbt, hinten mit einer etwa halbzirkelförmigen tiefen 
Grube, deren Seitenränder hinten einen kleinen schwarzen, etwas 
nach innen gerichteten Höcker bilden ; hinten wird sie von einem 
schmalen, hellgefärbten, konvex nach oben gebogenen Rand, der 
auch in der Mitte kaum so hoch als der Vorderrand ist, begrenzt. 

Cephalothorax und Extremitäten hell bräunlichgelb, ersterer 
unten blaßgelb, der Lippenteil etwas dunkler, an der Spitze schmal 
weißlich, Mandibeln gelblichbraun mit 2 — 3 helleren Längsstrichen 
und schwarzbrauner Klaue. Die S.A. innen, die hinteren M.A. vorn 
schmal schwarz angelegt. Die Metatarsen , Tarsen , sowie Tarsal- 
glied der Palpen gebräunt. Das fast kugelige, gegen die Spinnwarzen 
doch stark zugespitzte Abdomen gelb, etwas graulich (im Leben 
vielleicht grün) , oben mit einem nach hinten zugespitzten , bis zur 
Mitte reichenden beiderseits zweimal kurz gezackten , hinten fein 



— 73 - 

verästelten, graulichen Herzstreif, der so breit als die Femoren ist 
und sich nach hinten als ein feiner Strich bis zu den Spinnwarzen 
verlängert. Der Bauch fein weißlich punktiert mit zwei undeutlichen, 
graulichen Längsbinden in der Mitte. Epigaster und Epigyne bräun- 
lichgelb, die Spalte etwas dunkler. 

Totallänge 19 mm. Cephalothorax 7,5 mm lang, 6,5 mm breit. 
Abdomen 12,5 mm lang, 9,5 mm breit, 9,5 mm hoch. Mandibeln 
länger als Patellen I (bezw. 3,8 und 3,5 mm). — Beine: I Coxa + 
Trochanter 3,2 , Femur 8 , Patella + Tibia 10 , Metatarsus + Tarsus 
10 mm; (II fehlt); III bezw. 3; 6,5; 7,1; 7,1 mm; IV bezw. 3,2; 
7,5; 8,2; 8,2 mm. Totallänge: I 31,2; (II ?) ; III 23,7; IV 27,1 mm. 

Fundort: Goldküste (L. Wiessner). 

56. Eusparassus 6-dentatus Strand n. sp. 

$ suhad. Der vorigen Art sehr nahestehend , aber durch die 
Bewehrung der Mandibeln leicht zu unterscheiden : am unteren Piande 
6 Zähne, von denen die 2—3 hinteren allerdings ganz rudimentär 
sind ; am oberen Rande nur zwei, von denen der vordere viel größer ist. 

Augen der vorderen Reihe ein wenig näher beisammen als bei 
der vorigen Art; die M.A. unter sich in ^/s, von den S.A. in V2 
ihres Durchmessers entfernt. Eine die hinteren S.A. hinten tangierende 
Linie würde die M.A. vor dem Zentrum schneiden ; letztere unter sich 
um ein unbedeutendes weiter als von den S.A. entfernt. Sonst wie 
bei voriger Art. 

Bestachelung : Alle Femoren oben 1. 1 (submedian und subapical), 
1 und IV vorn 1. 1, II und III vorn 1. 1. 1, I— III hinten 1. 1. 1, 
IV hinten 1 Stachel. Patella an der Spitze eine kleine Borste. Alle 
Tibien unten 2. 2 lange Stacheln (submedian und subbasal), I und IV 
vorn 1 (subapical), II — III vorn 1. 1, I und II hinten 1. 1, III und 
IV hinten 1 Stachel. Metatarsen I— III unten 2. 2, vorn und hinten 
je 1. 1, alle in der Basalhälfte , IV unten 1 (hinten). 2, vorn und 
hinten 1. 1, sowie an der Spitze jederseits 1 kleiner Stachel. Palpen: 
Femoralglied nahe der Spitze oben 1. 2, vorn 1, Patellarglied subbasal 
oben und jederseits je 1 feine Borste, Tibialglied innen unweit der Basis 
1 sehr langer, gebogener Stachel und 1 lange feine Borste, außen 
1 Stachel ; Tarsalghed nahe der Basis innen 2, außen 1 Stachel. 

Gefärbt wie die vorige Art, nur sind die Mandibeln nicht dunkler 
als der Cephalothorax und ganz einfarbig, die Klaue rotbraun. Die 
Endglieder der Beine nicht, die der Palpen kaum gebräunt. Abdomen 
reiner, heller gelb. Der Herzstreif des Abdominalrückens schmäler, 



- 74 - 

nur halb so breit als die Femoren, ohne Verästelungen und nicht 
in einer feinen Linie bis zu den Spinnwarzen fortgesetzt. Der Bauch 
mit einem schmalen ockergelblichen Mittelfeld. Muskelpunkte des 
Rückens kaum erkennbar. — Form des Abdomen wie bei voriger 
Art; der Cephalothorax weniger hoch gewölbt. 

Dimensionen (NB. subad. !) : Totallänge 14 , Cephalothorax 
5,7 mm lang, 5 mm breit. Abdomen 9,3 mm lang, 6,5 mm breit, 
6 mm hoch. Beine : I Coxa + Trochanter 2,5, Femur 6,5, Patella + 
Tibia 7,5, Metatarsus + Tarsus 8 ; II bezw. 2,5 ; 7,5 ; 9 ; 8,5 ; III bezw. 
2,2; 5,6; 5,6; 6 mm; IV bezw. 2,5; 6,7; 6,7; 7 mm. Mandibeln 
kürzer als Patella I (bezw. 2,8 und 3 mm). 

Fundort: Lome, West- Afrika (Schneider). 

Heteropoäa Latr. 1804. 

57. Heteropoäa venatoria (L.) 1758. 

Fundorte : Kamerun (Leimenstoll, Pahl), Malimba, West-Afrika 
(Pahl), Goldküste (Spieth, H. Simon, Frey), Lome, Togoland (Schneider), 
Dualla, Kamerun (Gebr. Spellenberg), West-Afrika (Mann), Kilwa, Ost- 
Afrika (Dr. Wagner), Bagamoyo (Dr. Steudel). — Daß Heteropoäa 
Blaesei Sim. unter diesen westafrikanischen Exemplaren sich nicht 
findet, kann ich versichern. — Ein Eikokon von Bagamoyo war 
plattenförmig, im Durchmesser 24 mm bei 10 mm Höhe, hell gelb- 
grau gefärbt und enthielt 600 Junge von 2,5 mm Länge ; sämtliche 
ausgeschlüpft. 

Palystes L. Koch 1875. 

58. Palystes castaneus (Latr.). 
Fundort: Cap (v. Ludwig; Krauss: v. Barth). 

Größe eines $: Cephalothorax 12 mm lang, 9 mm breit. 
Mandibeln =; Patella 1^5 mm. Abdomen 15 mm lang. Palpen : 
Femoralglied 4, Patellar- + Tibialglied 4,5, Tarsalglied 4,5, zusammen 
13 mm, also länger als der Cephalothorax. — Beine: I Coxa + 
Trochanter 5,5, Femur 11,5, Patella + Tibia 14,5, Metatarsus + 
Tarsus 13 mm; II bezw. 5,5; 12; 15; 12,7 mm; III bezw. 5; 10; 
12; 10 mm; IV bezw. 5,5; 12: 13,5; 12 mm. Totallänge: I 44,5; 
II 45,2; III 37; IV 43 mm. 

6. Cephalothorax 13 mm lang, 9,5 mm breit. Abdomen 14 mm 
lang. Mandibeln kürzer als Patellen I (bezw. 5,8 und 6,5 mm). — 
Palpen : Femoralglied 5, Patellarglied 2,5, Tibialglied 3,2, Tarsalglied 
5 mm lang. Länge der Beine: I bezw. 6; 16,5; 22; 19 mm; II = I ; 



— To- 
ni bezw. 5,2; 13,5; 16,5; 13 mm; IV bezw. 5,5; 16; 17; 16 mm. 
Totallänge: I 63,5; II 63,5; III 48,2; IV 54,5 mm. — Das kleinste 
vorliegende Exemplar: Cephalothoiax 10 mm lang, 8,5 mm breit. 
Abdomen 10,6 mm lang. — Beine: I bezw. 4,5; 13,5; 19,5; 16,5 mm; 
II = 1: III bezw. 4,2; 11; 13,5; 11,5 mm; IV bezw. 4,5; 13,5; 
15: 14 mm. Totallänge: I 54; II 54; III 40,2; IV 47 mm. Man- 
dibeln 4,6 mm, Patellen I 5,5 mm lang. Palpen: Femur 4,6; Patella 
2,2; Tibia 2,8: Tarsus 4,2 mm. 

Chiracanthiuin C. L. Koch 1839. 

59. Chiracanthium camerunetise Strand n. sp. 

5. Die vordere Augenreihe ganz schwach recurva; die M.A. 
größer, von den S.A. um kaum ihren Durchmesser, unter sich um 
noch weniger, vom Rande des Clypeus kaum in ihrem halben Radius 
entfernt. Die hintere Reihe gerade ; die Augen gleich groß und gleich 
weit unter sich entfernt. Das Feld der M.A. breiter als lang, vorn 
ein klein wenig schmäler als hinten. Die hinteren M.A. von den 
vorderen um viel weniger als unter sich entfernt. — Mandibeln 
länger als an der Basis breit (bezw. 1,5 und 1,3 mm). — Be- 
stachelung: Femoren I — III vorn in der Endhälfte 1. 1, IV vorn 
nur 1, III und IV hinten nahe der Spitze 1 Stachel. Alle Patellen 
unbewehrt, aber vielleicht ist eine Borste an der Spitze vorhanden 
gewesen. Tibia I unten in der Mitte 2, IL unbewehrt, III in der 
Endhälfte jederseits 1, IV wie III oder nur hinten 1 Stachel. Meta- 
tarsus I und II unten 2 an der Basis , 1 an der Spitze , III unten 
an der Basis 2 , jederseits in der Mitte 1 , an der Spitze ein Ver- 
ticillus von 5 Stacheln; IV unten 2. 2, hinten 1. 1, alle je in der 
Mitte und an der Basis, vorn 1 in der Mitte, an der Spitze wie III. 
Palpen ganz unbewehrt. — Die oberen Spinnwarzen erheblich 
länger als die unteren : das Grundglied allein fast so lang als die 
unteren; die Grundglieder schräg nach oben und außen gerichtet, 
die Endglieder parallel. Das Basalglied der oberen ist etwa 2mal 
so lang als an der Spitze breit und daselbst ein wenig breiter als 
an der Basis; das Endglied etwa halb so breit und etwas kürzer 
als das Basalglied. Die unteren Spinnwarzen viel dicker als die 
oberen , gegen die Spitze schwach verschmälert und kaum doppelt 
so lang als an der Basis breit. — Epigyne, die gewiß nicht ganz 
reif ist, erscheint in Spiritus als ein kleines, hellgelbes, trapezförmiges 
Feld, das noch V2mal so breit als lang ist und an den Seiten 
von zwei braunen , nach hinten schwach konvergierenden Strichen 



— 76 — 

(Furchen ?) begrenzt ist ; diese sind vorn durch eine feine , gerade, 
braune Querlinie verbunden. In der Mitte ein dunkler Querfleck, 
der hinten einen Strich bis zum Hinterrande entsendet. 

Der ganze Körper gelblichweiß behaart. Cephalothorax hell 
bräunlichgelb ; die Augen der hinteren Reihe von sehr schmalen, 
schwarzen, die der vorderen von Ringen, die sich hinten und innen 
erweitern , umgeben. Mandibeln graubräunlich , Klaue rötlichbraun. 
Die Beine einfarbig blaßgelb. Maxillen und Lippenteil ein wenig 
graulich, sonst ist die Unterseite des Cephalothorax blasser als die 
der Oberseite. Die Tarsen an der Spitze kurz, die Palpen ein wenig 
weiter gebräunt. Abdomen gelblichgrau, dicht weißlich punktiert, 
mit einem grauen, lanzettförmigen Herzstreif, der 1,5 mm lang und 
etwa so breit als die Tibien I ist und von zwei kaum halb so langen 
Querstrichen, einem dickeren in der Mitte und einem dünneren kurz 
hinter der Mitte, geschnitten wird. Der Herzstreif beiderseits weiß- 
lich angelegt. Die untere Hälfte der Seiten dichter weiß punktiert; 
der Bauch, die Spinnwarzen und das Epigaster einfarbig. 

Größe des wahrscheinlich nicht ganz reifen Exemplars : Total- 
länge 6,3 mm. Cephalothorax 3 mm lang, die größte Breite 2 mm, 
an der Insertion der Palpen 1,5 mm breit. Abdomen 3,6 mm lang, 
1,9 mm breit. — Palpen: Femoralglied 1,1, Patellar- + Tibialghed 
1,2, Tarsalglied 1,1 mm lang. Beine: I Coxa + Trochanter 1,3, 
Femur 3, Patella + Tibia 4, Metatarsus 2,7, Tarsus 1,4 mm; II bezw. 
1,2; 2,3; 2,8; 2; 1,1mm; HI bezw. 1,2; 2,1; 1,6; 1mm; IV bezw. 
1,3; 2,8; 3; 2,5; 1,1 mm. — Beine: I 12,4; H 9.4: HI 7,7 ; IV 
10,7 mm. 

Fundort: Kamerun (Pahl). 

Ctenus Walck. 1805. 

60. Ctenus cribensis Strand n. sp. 

$. Totallänge 30 — 32, Cephalothorax 14—15 mm lang, 11 mm 
breit. Abdomen 16,5 mm lang, 11 mm breit. Beine: I Coxa + Troch. 
6,5, Femur 13, Patella + Tibia 17, Metatarsus + Tarsus 15 (Metat. 
11.5 mm); H bezw. 6; 13; 16; 14 mm; HI bezw. 6; 10,5; 12; 
12,5 mm; IV bezw. 6,7; 12,5; 15; 18 mm (Metat. 14 mm). Totallänge 
I 51,5; H 49; HI 41; IV 52.2 mm. 

Alle Femoren oben 1. 1. 1, vorn: 1 2. 1, H 1. 1. 1, HI 1. 1. 
1. 1 oder 1. 1. 1. 1. 1, IV 1. 1. 1, hinten: I und H 1. 1. 1, HI 
1. 1. 1. 1, IV 1. 1 (beide nahe der Spitze). Patella I und II unbewehrt, 
III und IV beiderseits 1 Stachel. Tibia I unten 5 Paare, von denen 



— 77 — 

No. 4 mehr seitwärts gerückt ist, keine Lateralstacheln ; II unten wie I, 
vorn 1 submedianer Stachel; III unten 2. 2. 2, vorn, hinten und 
oben je 1. 1 Stachel oder oben 1. 1. 1 ; IV oben 1. 1. 1, sonst wie 
III. Metatarsus I unten 2. 2. 2 (die apicalen ein wenig mehr seit- 
wärts); II wie I; III unten wie I, vorn 1. 1. 1, hinten 2. 1. 1 oder 
1. 1. 1; IV unten 2. 2. 2, vorn 1. 1. 2 oder 1. 1. 1, hinten 1. 
1. 1 Stachel, oben 1 (submedian) Stachel. 

Behaarung des Abdomen und Cephalothorax dunkel rostbraun, 
die Beine etwas heller. — Länge der Palpen: Femur 5, Patella 3, 
Tibia 3,5, Tarsus 4,5, zusammen 16 mm. 

Am nächsten wird unser Ctenus mit C. scopulatus Poe. 1899 
verwandt sein; unterscheidet sich aber durch andere Augenstellung. 
Das Feld der M.A. hinten breiter als lang (ohne Messung könnte 
man es leicht für mindestens so lang als breit halten !) und die Höhe 
von Clypeus überschreitet nicht 2 Durchmesser der vorderen M.A. 
(bei scopulatus soll Clypeus ungefähr gleich 3 Durchmesser sein). — 
Ob die Behaarung des Gesichtes von derjenigen der Oberseite ver- 
schieden gewesen, läßt sich mit Sicherheit nicht erkennen, weil zu 
stark abgerieben ; es scheint aber, daß dies nicht der Fall gewesen. 
(Mandibeln oben gänzlich abgerieben.) — Scopula erscheint trocken 
graulichbraun, gefeuchtet aber grauschwärzlich. Abdomen ist (trocken 
gesehen) zwar „indistinctly variegated with black and red above". 
dies scheint mir aber nur dadurch hervorgerufen, daß die rötlichen 
Haare stellenweise abgerieben sind ; dagegen zeigt er in Sprit ge- 
sehen einen helleren Basalstreif. Weder trocken noch gefeuchtet 
unterscheidet sich der Bauch vom Rücken in Färbung oder Behaarung. 
Epigaster ist dagegen wie bei scopulatus. Sternum und Coxen nicht 
dunkler als der Cephalothorax oben. Epigyne dadurch unterschieden, 
daß „the median sclerite" nur hinten rot gefärbt ist, daselbst ganz 
stark niedergedrückt und etwas erweitert, und diese Erweiterung 
durch eine Querfurche deutlich vom vorderen Teil des Mittelstückes 
getrennt. Tibia II = IV = 10,5, also ungef. = Breite des Cephalo- 
thorax (was mit scopulatus stimmt). 

Von dem ebenfalls sehr nahe verwandten Ct. Batesi Poe. 1903 
dadurch zu unterscheiden, daß die Entfernung der vorderen und 
hinteren M.A. um ein Unbedeutendes kleiner als der Durchmesser 
der vorderen M.A. ist, daß die Beine nicht dunkler als der Cephalo- 
thorax sind, daß Abdomen oben einen helleren Basalstreif hat, und 
was PoceocK über die Epigyne von Batesi schreibt (von einer hinteren 
Querfurche ist daselbst keine Rede), scheint auch auf spezifische Ver- 



— 78 — 

schiedenheit zu deuten. Die Beine bei Batest unbedeutend kürzer. — 
Epigyne hat viel Ähnlichkeit mit der von Kingsleyi F. Cbr., aber das 
Mittelstück ist an den Seiten nicht gerandet, sondern sanft abgerundet, 
das hintere Querstück ist durch eine scharfe Querfurche vom Mittel- 
stück getrennt und der nach hinten und innen gerichtete Seitenhöcker 
ist nicht aus zwei zusammengesetzt; endlich ist das Vorderstück 
breiter und kürzer und jederseits desselben, mit der übrigen Epigyne 
nicht in unmittelbarem Zusammenhang stehend, ist eine kleine läng- 
liche Vertiefung, die eine niedrige Erhöhung in der Mitte zeigt. Das 
hintere Querstück, sowie die Spitze des Mittelstückes erscheint blutrot, 
die übrige Epigyne schwarz. Von Ct. Kingsleyi außerdem durch 
kürzere Beine und andere Bestachelung etc. verschieden. 
Fundort: Kribi, Kamerun (Pahl). 

61. Ctenus Beerivaldi Strand n. sp. 

6 subad. Die vorderen S.A. und hinteren M.A. bilden mit 
ihren Unterrändern eine gerade Linie; die vorderen M.A. unter sich 
und von den hinteren M.A. reichlich in ihrem Radius, vom Rande 
des Clypeus in etwa IVs ihres Durchmessers entfernt. Die vorderen 
S.A. von den hinteren in ihrem Durchmesser, von den hinteren M.A. 
um deutlich weniger entfernt. Die hinteren M.A. von den nicht viel 
kleineren Augen III um den Durchmesser der letzteren, unter sich 
um reichlich ihren Radius entfernt. — Am unteren Falzrande vier 
starke, fast gleich große Zähne; am oberen zwei, von denen der 
innere erheblich größer ist. — Bestachelung. Alle Femoren oben 
mitten 1. 1. 1; I vorn 1. 2. 1, hinten 1. 1. 1. 1; II vorn 1. 1. 1. 1 
in gebogener Reihe, hinten 1. 1. 1. 1; III vorn 5 in gebogener, 
hinten 4 in gerader Reihe; IV vorn 1. 1. 1. 1, hinten 1. 1. 1 Stacheln. 
Patellen I und II vorn, III und IV beiderseits 1 Stachel. Tibien I 
und II unten 5 Paare, vorn 1 (Mitte), hinten 1. 1, oben 1 kleiner, 
basaler Stachel; III und IV unten 2. 2. 2, vorn und hinten je 1. 1, 
oben 1. 1. 1 Stacheln. Metatarsus I und II unten 2. 2. 3, III unten 
2. 2. 2, vorn und hinten je 1. 1. 2, IV unten 2. 1. 2. 2, vorn 
1. 1. 2, hinten I. 2. 2 Stacheln. — Palpen: Femoralglied oben 1. 4, 
Patellarglied innen 1, Tibialglied innen 2, oben und außen je 1 
Stachel, das (unreife) Tarsalglied innen 2. 1 Stacheln. — 2 Tarsal- 
krallen. 

Trocken gesehen erscheint das ganze Tier oben hell ockergelblich 
behaart; Mandibeln hellbraun mit rötlichen Falzrandbürsten, Unter- 
seite des Cephalothorax dunkelbraun bis schwärzlich behaart. Der 



- 79 — 

Kopfteil oben vorn mit bräunlichen längeren Haaren entfernt bewachsen 
und längs der ganzen Rückenmitte eine dunkler oder mehr rostfarbig 
gelbe Binde. Abdomen oben lebhafter, mehr goldgelblich behaart 
als der Cephalothorax. — Der Cephalothorax ist ziemlich niedrig, 
hinten kaum höher als vorn, von kurz hinter den Augen nach vorn 
schwach abfallend. 

In Spiritus erscheint Cephalothorax gelblichrot mit drei 
bräunlichen Schrägstrichen jederseits von der Rückenfurche bis gegen 
den Rand hin ; die beiden vorderen enden kurz , der hintere weit 
vom Rande. Die Augen grüngelb glänzend , in breiten schwarzen, 
zusammengeflossenen Ringen. Auf der hinteren Abdachung ein bis 
zur Mitte der Rückenfurche sich erstreckender, nach vorn zugespitzter, 
bräunlicher, undeutlicher Fleck. Die schmale, tiefschwarze Rücken- 
furche 3 mm lang. Der Rand des Brustteils fein braun. Mandibeln 
schwarzbraun , an der Spitze innen rötlich ; die Klaue schwarz , an 
der Spitze rötlich. Maxillen hellrot, an der Spitze gelblich, außen 
schmal dunkler umrandet. Lippenteil schwarz, an der Spitze hell- 
gelb. Sternum schwarz. Coxen olivenbräunlich grauschwarz. Alle 
Femoren unten gelb, etwas ockerfarbig, oben, sowie die übrigen 
Glieder rotgelb; die Metatarsen und Tarsen etwas gebräunt. Die 
an allen Tarsen, Metatarsen I — III und Endhälfte der Metatarsen IV 
vorhandene Scopula dunkelgrau. — Abdomen oben ockergelb 
mit 4—6 Paaren schwarzer Flecke, von denen die drei vorderen 
groß, länglich, tiefschwarz, schräggestellt, die beiden hinteren klein 
sind. Die beiden vorderen Paare bilden ein Trapez, das vorn 3,5, 
hinten 4,2 mm breit und 2,7 mm lang ist; die Paare No. II und III 
eines, das vorn 4,2, hinten 3 mm breit und 3 mm lang ist, No. III 
und IV eines, das vorn 3, hinten 2 mm breit und 1,6 mm lang ist. 
Die beiden hinteren Paare unter sich um 1,3 mm entfernt. Die 
Unterseite ein wenig dunkler mit einem helleren, nach hinten schwach 
verschmälerten Mittelfeld, das mit 3 gleichbreiten, scharf begrenzten, 
geradseitigen , an der Vorderspitze zusammenhängenden, schwarz- 
grauen Längsstrichen gezeichnet ist ; das hintere Drittel des Mittel- 
feldes einfarbig hellgelb. Seitlich ist dies Feld von Reihen schwarzer 
Flecke begrenzt und etwa 4 größere und zahlreiche kleinere schwärz- 
liche Flecke befinden sich an den Seiten des Bauchfeldes. Epigaster 
hell schwefelgelb, Spinnwarzen bräunlichgelb. 

Größe (NB. subadult!): Cephalothorax 14 mm lang, 10,5 mm 
breit. Abdomen 14,5 mm lang, 8,5 mm breit. Mandibeln kürzer 
als Patellen I (bezw. 5,5 und 6 mm). Palpen : Femoralglied 5, 



Patellarglied 2,5, Tibialglied 3, Tarsalglied (unreif!) 5 mm. — Beine: 

1 Coxa + Trochanter 6,5, Femur 12,5, Patella + Tibia 17,5, Meta- 
tarsus + Tarsus 15 mm; II bezw. 5,6; 11,5; 15,2; 13 mm; III bezw. 
5,5; 10; 11,2; 11,6 mm; IV bezw. 6,5; 12,2: 15; 17 mm. Total- 
länge: I 51,5; II 45,3; III 38,3; IV 50,7 mm. 

Fundort: Tanga, Ost- Afrika (Dr. Beerwald). 

62. Ctenus renivulvatus Strand n. sp. 

5. Die vorderen S.A. bilden mit den hinteren M.A. eine ganz 
schwach recurva gebogene Linie : die vorderen M.A. unter sich und 
von den hinteren M.A. um ihren halben, vom Rande des Clypeus 
kaum um ihren anderthalben Durchmesser entfernt. Das Feld der 
M.A. breiter als lang. Die vorderen S.A. gleich weit und zwar kaum 
in ihrem ganzen Durchmesser von den hinteren S.A. und M.A. ent- 
fernt; letztere unter sich etwa in Vs ihres Durchmessers, von den 
hinteren S.A. um etwas weniger als ihren ganzen Durchmesser 
entfernt. 

Am unteren Falzrande vier starke, ganz gleichgroße Zähne, 
von denen der innere ein klein wenig weiter als die anderen unter 
sich entfernt steht, am oberen Rande scheinen deren 3 große vor- 
handen zu sein. — Cephalothorax hinten zwischen den Coxen II 
und III am höchsten, vor der Rückenfurche horizontal, von der Mitte 
des Kopfteiles nach vorn schwach abfallend. 

Bestachelung. Femur I oben 1. 1. 1, vorn in der Endhälfte 
2. 1, hinten 1. 1. 1; II wie I, nur die drei vorderen in gebogener 
Reihe; III oben 1. 1. 1, vorn in der Endhälfte 1. 1. 1 oder 1. 1. 1. 1, 
hinten 1. 1 (submedian), 1. 1 (subapical); IV oben 1. 1. 1, vorn 
1. 1. 1. 1, hinten 1. 1 nahe der Spitze. Patellen I und II un- 
bewehrt, III und IV jederseits 1 Stachel. Tibien I und II unten 
5 Paare, II vorn 1 (submedian), III und IV unten 2. 2. 2, vorn und 
hinten je 1. 1 , oben 1. 1.1 kurze Stacheln. Metatarsen I und II 
unten 2. 2. 2, III und IV unten 2. 2. 2, vorn und hinten je 1. 1. 

2 Stacheln. — Palpen: Femoralglied oben 1. 4, Patellarglied innen 
1 , Tibialglied innen und außen nahe der Basis je 2 , Tarsalglied 
außen 1. 1, innen 2 Stacheln. — Tarsalkrallen mit 6 nach innen 
an Größe rasch abnehmenden, geraden Krallen. — Epigyne von 
dem gewöhnlichen Cteniis-Typus : aus einem großen, erhöhten, nach 
hinten verschmälerten Mittelstück und zwei nach hinten und innen 
gerichteten Seitenhöckern bestehend ; sie ist ein wenig breiter als 
lang (bezw. 1,7 und 1,5 mm), während das Mittelstück allein fast 



- 81 — 

doppelt so breit als lang ist; es ist vorn in der Mitte tief, rundlich 
oder fast viereckig ausgeschnitten, hinten gerundet, stark nieder- 
gedrückt, also etwa nierenförmig erscheinend, rotgefärbt, an den 
Seiten schw^arz , der Seitenrand schwach erhöht, glatt, glänzend, 
während die Mitte punktiert und gestreift, sowie behaart ist. Ein 
deutliches Hinterstück nicht vorhanden. Die Seitenhöcker sind dünne, 
plattenförmig dreieckige , scharf zugespitzte , an der Außenseite der 
Länge nach schwach ausgehöhlte , schräg gestellte Fortsätze , die 
viel weniger auffallend sind als bei verwandten Arten. 

Trocken gesehen erscheinen die Extremitäten oben hell ocker- 
gelblich behaart, an den Femoren kleine bräunliche Flecken an der 
Basis der Stacheln und ein bräunlicher Fleck nahe der Spitze. 
Cephalothorax nach den vorhandenen Eesten der Behaarung zu 
urteilen etwas trüber gelb, im Augenfelde dagegen und an den 
Seiten des Clypeus heller, lebhafter gelb, letzterer in der Mitte 
braun, lang, abstehend behaart; Mandibeln braun abstehend be- 
haart; die Klauenbürste trüb rotgelb. Cephalothorax scheint oben 
eine hellere Mittel- und zwei solche Randbinden gehabt zu haben. 
Abdomen oben schön ockergelblich oder goldgelblich behaart, so- 
weit sich an dem zusammengeschrumpften Abdomen erkennen läßt 
ohne andere Zeichnungen als zwei weit unter sich entfernte Reihen 
von etwa 4 weißlichen, hinten schwarz begrenzten Punkten. 

Cephalothorax im Grunde rötlich mit schmalen , undeutlichen, 
braunen Schrägstrichen, die weder die Rückenfurche noch den Rand 
erreichen, einer helleren Rücken- und ebensolchen Randbinde; letztere 
so breit als die Patellen IV, oben von einer undeutlichen braunen, 
etwa zickzackförmigen Linie begrenzt und setzt sich auf dem Kopf- 
teile nicht und wahrscheinlich auch nicht auf der hinteren Abdachung 
fort ; die Mittelbinde fängt am Hinterrande breit an , verschmälert 
sich dann und bildet eine nur wenig hellere, undeutliche Begrenzung 
der Rückenfurche und der sich von ihr bis zu den Augen fort- 
setzenden dunklen feinen MittelHnie ; auf dem Kopfteile hinten zwei 
parallele braune , etwa 2 mm lange , hinten querverbundene Längs- 
linien. Der Rand schmal schwarz. Alle 3 Längsbinden sehr un- 
deutlich, vielleicht weil der Cephalothorax stark abgerieben ist. Über 
der Mitte des Kopfteiles eine feine, etwas gebogene Querlinie. Man- 
dibeln mit Klaue einfarbig tiefschwarz. Unterseite des Cephalothorax 
kastanienbraun , Maxillen und Lippenteil an der Spitze hellgelb, die 
Coxen undeutlich dunkler umrandet. Beine wie der Cephalothorax 
oben, die Femoren ein wenig heller, oben höchst undeutlich dunkler 

■Jahreshefte d. Vereins f. vaterl. Naturkunde in Württ. 190C. 6 



— 82 - 

gescheckt, Metatarsus und Tarsus gebräunt, Scopula dunkelgrau, 
Metatarsus und Tarsus I und II fast schwärzlich erscheinend. Palpen 
wie die Beine, Tibial- und Tarsalglied erheblich dunkler. Abdomen 
oben dunkel ockergelblich erscheinend, mit Punkten wie oben an- 
gegeben; unten dunkelbraun mit zwei helleren nach hinten kon- 
vergierenden Längsstrichen; Spinnwarzen hellgelb. Epigaster gelblich. 
Totallänge 21 mm (Abdomen stark geschrumpft!). Cepha o- 
thorax 11 mm lang, in der Mitte 8 mm, vorn 5,5 mm breit. 
Palpen: Femoralglied 4,5, Patellarglied 2,2, Tibialglied 2,7, Tarsal- 
glied 3,2 mm lang. Mandibeln 4,6 mm lang. Länge der Beine : 

I Coxa + Troch. 5, Femur 8,5, Patella + Tibia 12, Metatarsus 7,5, 
Tarsus 3 mm; II bezw. 4,5; 8; 10,2; 6,5; 3 mm; III bezw. 4; 7; 
8,5; 6; 3 mm; IV bezw. 5; 9; 11; 10; 3,5 mm. Totallänge: I 33; 

II 32,2; III 28,5; IV 38,5 mm. 

Fundort: Goldküste, Hrafa (Spieth). 

63. Ctemis aureopubescens Strand n. sp. 

c? Die Außenränder der M.A. bilden ein Trapez, das hinten 2, 
vorn 1,5 mm breit und 2 mm lang ist; die vorderen M.A. unter 
sich um ihren halben, von den hinteren M.A. in kaum ihren ^/s, vom 
Rande des Clypeus etwa in IV2 ihres Durchmessers entfernt. Hintere 
Augenreihe 3,2 mm lang, die M.A. unter sich um V3, von den 
S.A. kaum in ihrem ganzen Durchmesser entfernt. Die vorderen 
S.A. von den hinteren S.A. in kaum den Durchmesser der vorderen 
entfernt. 

Bestachelung. Femur I oben 1. 1. 1. 1 oder 1. 1. 1, hinten 
in der Endhälfte 1. 1. 1, vorn 1. 1. 1; II oben und hinten je 1. 1. 1, 
vorn ca. 5 Stacheln; III oben und hinten je 1. 1. 1, vorn 1. 1. 1. 1; 
IV oben 1. 1. 1, vorn und hinten je 1. 1. 1. 1 Stacheln. Alle 
Patellen jederseits 1 Stachel. Tibia I unten 5 Paare, von denen 
die Stacheln des vorletzten mehr seitwärts stehen, vorn und hinten 
je 1. 1, oben 1. 1. 1; II scheint gleich I zu sein; III unten 2. 2. 2, 
vorn und hinten je 1. 1, oben 1. 1. 1; IV unten 2. 2. 2, vorn und 
hinten je 1. 1. 1, oben 1. 1 Stacheln. Metatarsen I und II unten 
2. 2. 3, vorn und hinten je 1. 1, sowie vielleicht 1 kleinerer Stachel 
jederseits der Spitze; III und IV unten 2. 2. 3, vorn und hinten je 
1. 1. 1 Stacheln. Palpen: Femoralglied oben 1. 1. 4, Patellarglied 
jedenfalls innen 1; Tibialghed innen 2, außen 1, alle in der Basal- 
hälfte. — Cephalothorax hinten (zwischen den Coxen II und III) 
hoch gewölbt, erheblich höher als die Vorderhälfte des Rückens, 



— 83 — 

der zwischen der Vorderspitze der Rückenfurche und den hinteren 
M.A. horizontal ist. 

Das Tibialghed der Palpen außen ulimittelbar hinter der 
Spitze mit einem kurzen, konischen, scharf zugespitzten, nach vorn 
und etwas nach außen gerichteten und mit der Spitze nach innen 
und oben gebogenen, hakenförmigen, schwarzen Fortsatz, der unten 
in der Mitte einen feinen Zahn hat und nicht die Spitze des GHedes 
überragt. Letzteres ist gegen die Spitze, besonders außen, ein wenig 
erweitert: an der Basis 1,2, an der Spitze (ohne den Fortsatz) 1,7 mm 
breit, unten und innen dicht, aber nicht lang, fein, abstehend bräun- 
lichgelb behaart, an der Spitze, von oben gesehen, schräg geschnitten, 
mit der inneren Ecke am stärksten vorstehend. Das Tarsalglied 
erscheint von oben gesehen lang, schmal, lanzettförmig, außen in 
der Mitte ein wenig stärker erweitert als innen und in einer ganz 
scharfen Spitze endend. Es ist überall ziemlich gleich lang und dicht 
bräunlichgelb behaart, und von außen gesehen erscheint Lamina in 
der Basalhälfte parallelseitig , oben sehr wenig gewölbt, während 
Bulbus als ein plattenförmiges , den Rand der Lamina sehr wenig 
überragendes Stück erscheint, das in der Mitte einen kurzen, breiten, 
unten abgeflachten, fast horizontal nach vorn gerichteten , stumpfen 
Höcker hat , der an der Spitze einen ganz feinen , scharfen Zahn 
aufweist. Von unten gesehen erscheint dieser Höcker breit ellipsen- 
förmig oder etwas nierenförmig , längsgerichtet und stark glänzend. 
Das Glied gerade von innen gesehen , tritt vom Bulbus weiter 
nichts als dieser Höcker hervor. Bulbus und die Spitze der Lamina 
gleich lang. 

Trocken gesehen erscheint das Tier schön goldgelb, glänzend, 
behaart, nur Scopula mehr graubräunlich ; die Unterseite der Beine ein 
wenig trüber, die des Cephalothorax gelbbräunlich kurz und dunkler 
braun lang behaart. Mandibeln außen sehr dicht und lang hellbraun 
abstehend, fast bürstenförmig behaart, vorn und innen die Behaarung 
noch länger und stärker, ein wenig dunkler, sowie viel dünner, so 
daß man die Haut zwischen den Haaren sehr deutlich sieht ; die 
Falzränder mit rötlichgelber Bürste. 

Cephalothorax und Extremitäten erscheinen in Sprit hell rot- 
braun, ersterer mit dunklerer Rückenfurche und am Brustteile drei 
schmalen, die Rückenfurche nicht ganz erreichenden und weit vom 
Rande endenden dunkleren Schrägstrichen, sowie je einem ebensolchen 
in den Kopffurchen. Der Rand fein schwarz; die Augen innen mit 
schwarzen Halbringen. Die Augen in Sprit gesehen, gelbbraun er- 

6* 



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scheinend. Mandibeln dunkler rotbraun, an der Spitze etwas heller ; die 
Klaue schwärzlich, an der Spitze und der Basis unten rötlich. Unterseite 
des Cephalothorax lebhafter rot oder rotgelb ; Maxillen an der Spitze 
schmal weißlich, außen schmal schwarz, Lippenteil in der Basalhälfte 
schwarz umrandet, Sternum und Coxen bräunlich umrandet. Die 
Femoren unten ein wenig heller als die übrigen Glieder, Metatarsen 
und Tarsen gebräunt, Scopula schwarzgraulich erscheinend. Femoren 
oben höchst undeutUch und unregelmäßig dunkler längsgefleckt. 
Die Stacheln schwarzbraun. Abdomen trüb ockergelb , hinten am 
dunkelsten; oben im vorderen Drittel unbestimmt ockergelb mit 
einem ebensolchen lanzettförmigen, nicht bis zur Mitte reichenden, 
hinten stumpf endenden und schmal braun begrenzten Längsfleck, 
der etwa 6 mm lang und in der Mitte 1,5 mm breit ist. Die Unter- 
seite etwas dunkler, die Spinnwarzen vorn und an den Seiten dunkel- 
braun eingefaßt. In Spiritus erscheint die Behaarung des Abdomen 
hell ockergelblich. 

Cephalothorax 14 mm lang, 12 mm breit, Abdomen 14 mm 
lang, 8 mm breit. Mandibeln 6,2 mm lang, an der Basis 5 mra 
breit. Beine: I Coxa + Trochanter 6,5, Femur 15,5, Patella 6,8, 
Tibia 17, Metatarsus 18, Tarsus 7 mm; II bezw. 6,9; 16,5; 6,6; 
15; 16,5; 6 mm; III bezw. 6; 14; 5,5; 12; 14; 5 mm; IV bezw. 
7; 17,5; 6; 16; 22; 6 mm. — Palpen: Femoralglied 7, Patellarglied 3, 
Tibialglied 4,2, TarsalgUed 5,5 mm lang. Totallänge der Beine: 
I 70,8; II 67,5; III 56,5; IV 74,5 mm. Palpen zusammen 19,7 mm. 

Fundort: Goldküste (H. Simon ded.). 

Die Art wird wohl mit Fhoneutria auricularia I^j^rsch verwandt 
sein ; beim S dieser Art sollen jedoch die Beine IV kürzer als l sein, 
die Rückenfurche kurz (hier ist sie 4 — -5 mm lang), die Tibien unten 
4 Paare Stacheln haben, und die Färbung weicht etwas von der- 
jenigen unserer Art ab. 

64. Ctenus Schneideri Strand n. sp. 

$ subad. Der Cephalothorax hinter den Coxen III und IV 
ein wenig höher als vorn ; um die ziemlich breite Rückenfurche eine 
ganz seichte Einsenkung. Die Seitenfurchen .scharf markiert. — 
Die Augen ziemlich klein und weit unter sich entfernt ; die 
vorderen M.A. unter sich und von den hinteren M.A. etwa in ihrem 
Durchmesser, vom Rande des Clypeus in ihrem IV2 Durchmesser 
entfernt. Die vorderen S.A. und hinteren M.A. bilden mit ihren 
Vorderrändern eine schwach procurva gebogene Reihe ; die vorderen 



— 85 — 

S.A. weiter von den hinteren S.A. als von den vorderen M.A. ent- 
fernt. Die hinteren M.A. unter sich in -/s ihres Durchmessers, von 
den auf starken Hügeln sitzenden und schräg nach hinten gerichteten 
hinteren S.A. in ihrem Durchmesser entfernt. Die M.A. bilden (mit 
den Außenrändern) ein Trapez, das hinten 1,7, vorn 1,4 mm breit 
und 1,5 mm lang ist. Die hintere Augenreihe 3 mm lang. — Am 
unteren Falzrande 4 starke, dreieckig scharf zugespitzte, an der 
Spitze schwarze , an der Basis rötliche , gleich weit unter sich ent- 
fernte Zähne, am oberen 3, von denen die beiden inneren unter 
sich gleich groß und größer als der äußere, aber kleiner als die 
Zähne des unteren Randes. — Bestachelung. Alle Femoren oben 

1. 1. 1; I vorn 1. 1. 1. 1 in gebogener Reihe, hinten 1. 1. 1 Stacheln; 
II und III vorn und hinten 1. 1. 1. 1 in gebogenen Reihen; IV vorn 
4 — 5, hinten 2 — 3 Stacheln. Tibia I und II unten 5 Paare, vorn 1 
(submedian); III und IV unten 2. 2. 2, vorn und hinten je 1. 1, 
oben 1. 1. 1 Stacheln. Metatarsen I und II unten 2. 2. 2, III unten 

2. 2. 2, vorn und hinten je 1. 1. 2; IV unten 2. 1. 2. 2, vorn 
1. 1. 2, hinten 1. 2. 2 Stacheln. Tarsalkrallen in der Endhälfte 
mit 3 sehr großen äußeren und 5 viel kleineren inneren Zähnen ; 
keine Afterkralle. — Palpen: Femoralghed oben 1,4, Patellarglied 
innen 1 , Tibialglied außen und innen nahe der Basis je 5 , Tarsal- 
glied innen 2. 1, außen 1. 1 Stacheln. — Epigyne, die offenbar 
nicht ganz reif ist, erscheint als eine blaßgelbe, ganz schwach er- 
höhte, abgerundet viereckige Platte, die hinter der Mitte zwei unter 
sich um 0,7 mm entfernte, nach hinten schwach konvergierende, 
schmale, dunkelbraune Längsfurchen hat und deren Hinterrand ganz 
schwach ausgerandet ist. 

Die Oberseite, soweit erkennbar, ist mit feinen, anliegenden, 
goldgelben Haaren bekleidet ; Clypeus dunkelbraun abstehend behaart, 
beiderseits desselben eine intensiv gelb gefärbte Binde. Die Man- 
dibeln dunkel graubraun, vorn dünn, an den Seiten dicht ab- 
stehend behaart; die Falzrandbürste rotgelb. Die Unterseite des 
Cephalothorax abstehend bräunlich behaart. Die Femoren scheinen 
mit anliegenden goldgelben und längeren, abstehenden, bräunlichen 
Haaren , die oben eine schwache Befleckung hervorrufen , bekleidet 
gewesen. Die Coxen oben intensiv gelb behaart. 

Abdomen oben dicht mit etwas rostfarbigen ocker- oder gold- 
gelben anliegenden Haaren, zwischen welchen zahlreiche, kleine, 
schwarze, ziemHch unregelmäßig geordnete Punkte sich bemerkbar 
machen, sowie mit ebenfalls ziemlich dichtstehenden, langen, feinen, 



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abstehenden, hellgelben Haaren, die dem Abdomen ein rauhes Aus- 
sehen verleihen, bekleidet. Unterseite grauschvvarz behaart. 

Cephalothorax in Sprit gesehen oben hell bräunlichgelb mit ganz 
scharfen, aber schmalen braunen Schrägstrichen, einigen undeutlichen 
bräunlichen Punkten, schwarzem, schmalem Rand, bräunlicher hinterer 
Abdachung, schwarzen Ringen um die Augen, sowie dunkelbraunem 
Augenfelde und Clypeus. Mandibeln dunkel rotbraun. Die ganze 
Unterseite etwas olivenfarbig graugelblich, ebenso die Beine und 
Palpen, deren Endglieder kaum gebräunt sind. Abdomen oben dunkel- 
braun, vorn mit einem gelben, scharf begrenzten, hinten stumpf ge- 
rundeten . lanzettförmigen Längsfleck, der etwa 3 — 4 mm lang und 
in der Mitte 1 mm breit ist. Zwei nach hinten schwach kon- 
vergierende, unter sich weit getrennte Reihen von je etwa 4 kleinen, 
runden, schwarzen Punkten, sowie viele andere, kleinere, unregel- 
mäßige lassen sich erkennen. Bauch schwärzlich mit vier undeut- 
lichen, nach hinten schwach konvergierenden, helleren Fleckenreihen, 
Epigaster graugelblich. Spinnwarzen bräunlich mit gelber Spitze. 

Totallänge (NB. subad. !) 20 mm. Cephalothorax 10,5 mm 
lang, 8 mm breit. Abdomen 9,5 mm lang, 6 mm breit in der Mitte, 
4,7 mm vorn. Mandibeln länger als Patellen I (bezw. 5 und 4,5 mm). — 
Palpen : Femoralglied 4,7, Patellarglied 2,5, Tibialglied 3, Tarsalglied 
3,5 mm lang. — Beine : 1 Coxa + Trochanter 5, Femur 10,2, Patella + 
Tibia 15, Metatarsus + Tarsus 13,5 mm; II bezw. 4,5; 10; 13; 12 mm; 
III bezw. 4,5;8,5; 11; 11,5 mm; IV bezw. 5,5; 11,2; 14; 16,5 mm. 
Totallänge: I 43,7; II 39,5; III 35,5; IV 47,2 mm. 

Fundort: Lome, West- Afrika (Schneider). 

Fam. Pisauridae. 

JPhalaea Sim. 1898. 

65. FhaUiea aculeata Strand n. sp. 

$. Femur 1 oben eine Reihe von 3, oben vorn von 4, oben 
hinten von 5 Stacheln ; II oben 4, oben vorn 7 — 9 in Zickzacklinie, 
hinten 9 — 10 Stacheln; III oben mitten 5, oben vorn 9 — 10, oben 
hinten 10—11 Stacheln; IV bezw. 4, 5 und 4 Stacheln. Mit Aus- 
nahme der inneren der Mittelreihe alle kurz und anliegend und 
offenbar ziemlich unregelmäßig sowohl in Anzahl als Anordnung. 
Alle Patellen unbewehrt. Tibien I und II unten 2. 2. 2. 2, vorn 
und hinten je 1. 1, III unten 2. 2. 2 oder 2. 2. 2. 2, vorn, hinten 
und oben je 1. 1 Stacheln. Alle Metatarsen unten 2. 2. 2, vorn 
und hinten je 1. 1. 1 Stacheln. — Palpen: Femoralglied oben 1. 1. 1. 2, 



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innen an der Spitze 1 , Patellarglied innen 1 , oben an der Spitze 
1 sehr langer Stachel; Tibialglied oben 1 langer in der Mitte, 

1 kürzerer an der Spitze, innen 2 sehr lange, in der Endhälfte 
zweimal gebogene subbasale Stacheln ; Tarsalglied innen 2. 1, außen 

2 lange , unten nahe der Spitze 2 sehr kurze Stacheln. — Arn 
unteren Falzrande 4 starke, gleichgroße Zähne, von denen die beiden 
inneren ein wenig näher beisammen stehen ; am oberen 3 Zähne, 
von denen der mittlere bei weitem der größte, der äußere der 
kleinste ist. 

Epigyne erscheint in Sprit als ein kleiner, trapezförmiger, 
brauner, an den Seiten schmal schwarz begrenzter Fleck, der 
vorn 0,5 mm breit und vorn so breit als lang, hinten ein wenig 
schmäler ist und dessen Vorderseite einen kleineren mittleren und 
je einen größeren Vorsprung an den beiden Ecken bildet. Die Um- 
gebung heller als das Epigaster. Trocken gesehen bilden die Seiten 
dieses Feldes zwei nach vorn divergierende, schwärzliche Furchen, 
deren Zwischenraum hinten gewölbt und quergestreift, vorn mit 
«iner kleinen Längsgrube versehen ist. Ob aber die Epigyne ganz 
entwickelt ist, ist mir zweifelhaft. 

Trocken gesehen erscheint Cephalothorax oben weiß, um die 
Augen und am Clypeus dottergelblich oder rostgelblich behaart. 
Abdomen oben mit einer Mischung von goldgelblichen und silber- 
weißen, stark glänzenden, unten und hinten mit trüb rostgelben 
Haaren bekleidet. Die Beine mit feinen, anliegenden, rostgelbhchen 
und längeren, abstehenden, bräunlichen Haaren ; die Femoren unten 
fein weißlich getüpfelt. Die Unterseite des Cephalothorax trüb gelb- 
bräunlich behaart, die Mandibeln hellbräunlich beborstet und behaart. 
Alle Stacheln braun, trocken gesehen etwas violetthch. — In Spiritus 
ist die Farbe rötlichgelb; die Metatarsen und Tarsen, ein Ring an 
der Basis "der Tibien und Spitze der Patellen I, sowie die Mandibeln 
stärker gerötet; die Klaue der letzteren einfarbig dunkel rotbraun. 
Die Unterseite ein wenig heller; der Bauch mit zwei, vor der Mitte 
nach hinten konvergierenden, dann parallelen, etwas vor der Spitze 
endenden, helleren, innen dunkler angelegten Längslinien und in der 
Mitte zwei Reihen von je 3 dunkleren , undeutlichen Flecken. Ab- 
domen hinten am dunkelsten ; der Rücken vorn mit einem Paar 
runder schwarzbrauner Muskelpunkte, die unter sich um 1,8, von 
der Basis des Abdomen um 3,2 mm entfernt sind. Die Augen in 
schmalen, tiefschwarzen , außen schwach rötlich angelegten Ringen. 
Die Behaarung der Falzränder erscheint in Spiritus goldgelblich. 



Totallänge 21 mm. Cephalothorax 9 mm lang, 7 mm breit, 
am Kopfteile 4,6 mm breit. Abdomen 13 mm lang und 6,5 mm 
breit. Länge der hinteren Augenreihe 3, der vorderen 2,5 mm. 
Mandibeln 4,2 mm lang. Länge der Beine : I Coxa + Trochanter 4, 
Femur 10,5, Patella + Tibia 14, Metatarsus 9, Tarsus 4 mm; II 
bezw. 3,7; 10; 12,2; 8,5; 3,8 mm; III bezw. 3,5; 9; 9,5; 7; 3,2 mm; 
IV bezw. 4,2; 10,5; 12; 9,5; 3,6 mm. Totallänge: I 41,5; II 38,2; 
III 32,2; IV 39,8 mm. 

Fundort: Kribi, Kamerun (Pahl). 

TJialassius Sim. 1885. 

66. Thalassius pictus Sim. 1898. 

$ subad. Das mittlere Augenfeld so lang als Clypeus hoch 
(1,2 mm), hinten 1 mm und vorn 0,9 mm breit. Die vorderen M.A. 
unter sich in ihrem Durchmesser, von den nicht viel kleineren S.A. 
um etwas weniger entfernt; letztere von den hinteren M.A. deutlich 
mehr und von den hinteren S.A. doppelt so weit als von den vorderen 
M.A. entfernt. Die vordere Reihe so stark recurva, daß eine Gerade 
die M.A. oben und die S.A. unten tangieren würde. Die hintere 
Reihe weniger recurva; die S.A. auf starken Hügeln, ein wenig 
größer und etwa doppelt so weit von den M.A. als diese unter sich 
entfernt. Die vorderen M.A. jedenfalls nicht größer als die hinteren 
M.A. — Am unteren Falzrande drei große, scharf zugespitzte, drei- 
eckige, unter sich gleich große und gleich weit entfernte Zähne; am 
oberen Rande ebenfalls drei, von denen der mittlere erheblich größer 
ist. — Der Lippenteil nicht länger als in der Mitte breit (1,6 mm), 
am Ende etwas zugespitzt und gerundet. — Beine. Die Tarsen mit 
3 langen und kräftigen Krallen, die etwa 10 Zähne haben, von denen 
die 6 äußeren sehr lang und stark, die inneren dagegen rudimentär 
sind. Eine dünne und kurze Scopula an allen Tarsen, Metatarsus I 
und II und Endhälfte der Metatarsen III. Die Patellen und Tibien 
unten dicht mit feinen abstehenden Haaren bekleidet. Die Trochanteren 
an der Spitze ausgeschnitten. 

Alle Stacheln der Femoren kurz, sehr spitz, sehr schräg oder 
fast anliegend; oben alle Femoren 1. 1. 1; I, II und III vorn und 
hinten je 5, IV vorn 4, hinten 1. 1 nahe der Spitze. Alle Patellen 
jederseits , sowie oben an der Spitze je 1 Stachel. Tibien I, II und III 
unten 2. 2. 2 lange, fast anliegende Stacheln, sowie ein Paar viel 
kürzerer Stacheln an der Spitze, vorn 1. 1 (submedian und subapical), 
hinten 1. 1. 1, oben 1 (subapical); IV unten 2. 1. 2. 2, sonst wie 



— 89 - 

die andern Tibien. Metatarsen I, II und III unten 2. 2. 3, vorn 
und hinten je 1. 1. 1 (die Endstacheln viel kleiner), IV unten 2. 1. 
2. 3, vorn und hinten je 1. 1. 1 Stacheln. — Palpen: Femoralglied 
oben 1, 1. 1. 4, Patellarglied innen 2, oben 1. 1, Tibialglied innen 
2, oben 1. 1, Tarsalglied innen 2. 1, außen 2 Stacheln. 

Epigyne (nicht reif !) bildet eine kleine hellgelbe Erhöhung, die 
0,8 mm breit und kaum so lang und mit zwei schmalen, braunen, 
hinten vertieften und erweiterten Längsfurchen versehen ist, die vorn 
parallel, dann winkelförmig nach innen gebrochen sind und am 
Hinterrande sich vereinigen ; das von denselben eingeschlossene Feld 
ist weiß mit einer braunen Mittellinie. 

Cephalothorax gelb , nicht oder nur ganz schwach bräunlich, 
mit der schmalen, 2 mm langen Rückenfurche schwarz und breitem, 
tiefschwarzem Rand an den Seiten des Brust- und Kopfteils ; an 
dem Brustteile, jedenfalls hinten, ist eine breite, schwarzbraune 
Haarbinde, vom Rande durch eine viel schmälere weißliche getrennt, 
vorhanden gewesen, die sich anscheinend weder am Kopfteile noch 
an der hinteren Abdachung fortsetzte; sie ist doch offenbar durch 
Abreiben so beschädigt, daß etwas Sicheres darüber nicht zu sagen 
ist. Das Augenfeld etwas bräunlich, die Augen mit schmalen, 
schwarzen, sich innen und hinten schwach erweiternden Ringen. 
Clypeus graubräunlich. Mandibeln mit Klaue schwarz, erstere am 
Ende innen ein wenig rötlich. Maxillen hellbraun, an der Spitze 
hellgelblich, Lippenteil dunkelbraun, an der Spitze kaum heller. 
Sternum und Beine blaßgelb ; letztere an der Basis der Patellen 
jederseits mit einem braunen, an der Basis der Tibien oben einem 
tiefschwarzen Fleck, die Spitze der Tibien und Basis der Meta- 
tarsen undeutlicher dunkel gefleckt. Metatarsen und Tarsen nicht 
gebräunt. Die Palpen an der Basis der Tibien mit einem tief- 
schwarzen, an der Basis der Tarsen einem undeutlichen Halbring 
und an der Spitze derselben einem schwarzen vollständigen Ring. 
Abdomen im Grunde hellgelb; jederseits der Basis ein großer, tief- 
schwarzer, dreieckiger, schräg längsgestellter Fleck, und in der 
Mitte ein grauUcher, vorn und hinten zugespitzter Spießfleck, der 
5 mm lang und in der Mitte 1 mm breit ist und daselbst von einem 
undeutlichen Querfleck gekreuzt wird ; in letzterem jederseits ein 
kleiner Muskelpunkt und an beiden Seiten der Spitze des Längsfleckes 
zwei größere, stark eingedrückte, unter sich um 2 mm entfernte 
Muskelpunkte. In der Mitte der Seiten ein schmaler, dunkelbrauner 
Längsfleck. Die hintere Hälfte der Rückenfläche gebräunt mit un- 



— 90 — 

deutlichem, hellerem Mittelstreif. Jederseits der Spinnwarzen oben 
ein kleiner schwarzer Fleck. Die ganze Unterseite einfarbig hellgelb. 

Behaarung trocken gesehen : Mandibeln mit gelblichweißen, an 
der Basis dunkleren, Beine mit gelbhchweißen, oben z. T. bräunlichen 
und an den Flecken dunkelbraunen, die ganze Unterseite mit hell- 
gelblichen Haaren. Cephalothorax oben hell ockergelblich (mit Aus- 
nahme der Submarginalbinde des Brustteils), das von oben gesehen 
etwa fünfeckige Abdomen an den Ecken schwarzbraun, sonst ocker- 
gelb behaart. 

Größe (NB. unreif!): Totallänge 19 mm. Cephalothorax 8,5 mm 
lang, 7,5 mm breit. Abdomen 11 mm lang, 6,5 mm breit. Man- 
dibeln ein wenig länger als Patellen I (bezw. 4 und 3,8 mm). — 
Beine: I Coxa + Trochanter 3,5, Femur 9, Patella + Tibia 11,5, 
Metatarsus + Tarsus 12 mm; II bezw. 3,5; 9,2, 12; 12 mm; III 
bezw. 3,3; 8,8; 10; 11 mm; IV bezw. 4; 10; 11,5; 13 mm. 

Fundort: Lome, West- Afrika (Schneider). 

Ob diese Art wirklich Th. pidus Sim. ist, bleibt zweifelhaft. 
Sollte sie neu sein , möchte ich den Namen hasimaculatus m. in 
Vorschlag bringen. 

Dolomedes Latr. 1804. 

67. Dolomedes lomensis Strand n. sp. 

$ subad. Clypeus so hoch als das Feld der M.A. hinten breit 
(1,2 mm), ein wenig höher als dasselbe lang (1,1 mm) und noch 
mehr als es vorn breit (0,85) ist. Die vorderen M.A. erheblich 
größer als die S.A., unter sich um reichlich ihren halben, von den 
S.A. um weniger als den halben Durchmesser entfernt. Die vordere 
Reihe so wenig recurva gebogen, daß eine die M.A. hinten tangierende 
Gerade die S.A. im Zentrum schneiden würde; letztere von den 
hinteren M.A. erheblich weiter als von den vorderen entfernt. Die 
hinteren M. A. vielfach größer als die vorderen M.A., wenig größer 
als die auf starken Hügeln sitzenden und nach hinten gekehrten 
S.A., von diesen etwa in ihrem Durchmesser, unter sich kaum in 
ihrem Radius entfernt. — Cephalothorax zwischen den Coxen II 
und III, um und vor der Rückenfurche ganz schwach niedergedrückt, 
am Kopfteile gerade, Augenfeld und Clypeus in gerader Linie nach 
vorn abgedacht. — Am unteren Falzrande 4 Zähne. 

Alle Femoren oben 1. 1. 1, vorn 5 Stacheln, von denen der 
letzte und vorletzte weiter unter sich als die inneren entfernt sind, 
I — III hinten wie vorn, IV hinten 3 oder 4 Stacheln. Alle Patellen 



— 91 — 

vorn und hinten an der Basis und oben an der Spitze je 1 Stachel. 
Tibien I und II unten 4 Paare . von denen das apicale viel kleiner 
und weiter von den anderen, als diese unter sich entfernt ist, vorn 
und hinten je 1. 1, oben 1 (basal) 1 (submedian), III und IV unten 
nur 3 Paare, von denen die beiden inneren am weitesten unter sich 
entfernt sind, sonst wie II. Metatarsen 1 und II unten 2. 2. 3, 
vorn und hinten je 1. 1. 1, III unten 2. 2. 2, vorn 1. 1. 1, hinten 

1. 1. 2, IV unten 2. 1. 2. 2, sonst wie III. Palpen: Femoralglied 
oben 1. 1. 1. 2 oder 1. 1. 2. 2, vorn und hinten je 1, Patellarglied 
oben 1. 1, innen 1, Tibialglied innen 2, oben 1. 1, Tarsalglied innen 

2. 1, außen 2 Stacheln. 

Cephalothorax hell bräunlichgelb, durch dunklere Behaarung 
etwas gescheckt erscheinend, mit schmalem, schwarzbraunem Rand 
und schmalen, hinten und innen erweiterten, nicht zusammen- 
geflossenen schwarzen Ringen um die Augen ; das Augenfeld schwach 
rötlich. Mandibeln vorn ein wenig dunkler, gegen die Spitze innen 
wiederum heller, die Klaue blutrot, an den Seiten schwarz. Unter- 
seite des Cephalothorax und Unterseite der Femoren hell ockergelb- 
lich, die übrigen Glieder und die Femoren oben ganz schwach ge- 
bräunt mit braunen, w^enig regelmäßigen und ziemlich undeutlichen 
Ringen, an den Femoren oben 3 — 4 Halbringe, die breiter als die 
Zwischenräume sind, die Patellen fast gänzlich gebräunt, die Tibien 
mit zwei breiten Ringen (submedian und apical) und die Metatarsen 
mit Andeutung ähnlicher Ringelung. An den Palpen ist das Femoral- 
glied oben dunkler gefleckt, Patellarglied an der Basis, Tibialglied 
an der Basis und Spitze bräunlich geringt. Abdomen oben wie der 
Cephalothorax, nur ein klein wenig dunkler, mit einem hellgelben, 
lanzettförmigen, vorn und hinten gleich zugespitzten basalen Längs- 
streifen, der 5 mm lang und in der Mitte 1 mm breit ist; beider- 
seits seiner Mitte ein schwarzer eingedrückter Muskelpunkt und ein 
solches Paar auch an der Spitze desselben ; diese Paare bilden ein 
Trapez, das vorn 1,7, hinten 2,2 mm breit und 2 mm lang ist. Hinter 
der Mitte Andeutung zwei hellerer Quersteifen. An der vorderen 
Abdachung jederseits ein brauner Fleck. Die Seiten wie die Oberseite 
mit 4 —5 helleren breiten, undeutlichen Schrägstreifen oberhalb der 
Mitte; weiter unten feine, höchst undeutliche, dichtstehende hellere 
und dunklere Querstriche. Unterseite mit einem Mittelfeld, das wie 
die Unterseite des Cephalothorax gefärbt ist, vorn so breit als Epi- 
gaster, zuerst .stärker, dann ganz schwach nach hinten verschmälert 
und in einer stumpf gerundeten Spitze an den Spinnwarzen endet; an 



— 92 - 

den Seiten ist es scharf begrenzt und hat in der Mitte vorn zwei höchst 
undeuthche dunklere Längsstriche. Epigaster wie das Mittelfeld. 

Behaarung fast völlig abgerieben. Cephalothorax hat längs des 
Randes und an den Seiten des Kopfteils zerstreute weiße, oben 
ockergelbliche Härchen. Mandibeln mit Ausnahme der Außen- und 
der Endhälfte der Innenseite bräunlich behaart. Ganze Unterseite 
(Cephalothorax und Abdomen), sowie Unterseite der Femoren grau- 
gelblich, Femoren oben gemischt ockergelblich, bräunlich und weiß- 
lich behaart ; die hellen Ringe wahrscheinlich weiß behaart gewesen. 
An Tibien und Metatarsen vorzugsweise braune Behaarung mit weiß- 
licher ebensolchen an den hellen Ringen. Abomen oben mit braun- 
gelbhchen , rostbräunlichen , sowie dazwischen gemischt weißlichen 
Haaren; an den Seiten die gedachten hellen Schrägstreifen weiß 
behaart ; unter den braunen Basalflecken je eine weiße Längsbinde. 
Behaarung rings um die Spinnwarzen rostbräunlich. 

Dimensionen (NB. siihad.): Totallänge 18 mm. Cephalothorax 
7 mm lang (ohne Mandibeln), 6,2 mm breit, Clypeus 3 mm breit. 
Abdomen 11 mm lang, 6 mm breit. Mandibeln 3 mm lang, kürzer 
als die Patellen I (3,5 mm). Palpen: Femoralglied 3, Patellar- 
ghed 1,5, Tibialglied 2, Tarsalghed 3 mm. Beine: Coxa + Tro- 
chanter 2,8, Femora 7,8, Patella + Tibia 11,5, Metatarsus 6,5, Tarsus 
4,7 mm; H bezw. 2,6; 8,5; 11.5; 7; 4,6 mm; HI bezw. 2,7; 8; 
10; 6; 4 mm; IV bezw. 3,2; 9,5; 12; 8,7; 5 mm. 

Fundort: Lome, West- Afrika (Schneider). 

Fam. Lycosidae. 

Tarentula Sund. 1833. 

68. Tarentula Lamperti Strand n. sp. 

$. Augen reihe I 1,3, H 1,2, III 1,6 mm lang. Die vordere 

Augenreihe deutlich recurva; die M.A. viel größer, unter sich in 

ihrem halben, von den S.A. um noch weniger, vom Rande des 

Clypeus in ihrem ganzen, von den Augen IL Reihe in 

~~—^^J^ — ihrem halben Durchmesser entfernt. Letztere unter 

Fig. 2. Epigyne. sich um ihren halben Durchmesser, von den erheblich 

kleineren Augen III um 1^3 des Durchmessers der 

letzteren entfernt. — Bestachelung. Alle Femoren oben mitten 

1. 1. 1 lange feine Stacheln, I vorn 2 nahe der Spitze, H — IV vorn 

1. 1 (median und subapical) ; I — III hinten 1. 1. 1 sehr feine, IV 

hinten an der Spitze 1 Stachel. Patellen III und IV jederseits 

1 Stachel. Tibia I unten 2. 2. 2, vorn 1. 1, hinten keine; II unten 



- 93 - 

hinten 1. 1. 1, unten vorn 1. 1 (feine Borsten) 1 Stachel, vorn 
1. 1 , hinten keine ; III und IV unten 2. 2. 2 , vorn , hinten und 
oben je 1. 1 Stacheln. Metatarsus I und II unten 2. 2, 1, II außer- 
dem vorn 1. 1: III und IV unten 2. 2. 3, vorn und hinten je 
1. 1. 1 Stacheln. — Alle Tarsen, Metatarsen I und II, sowie 
Endhälfte der Metatarsen III und IV scopuliert. Tarsalkrallen IV mit 
7 starken, fast gleich langen Zähnen. — Palpen: Femoralglied oben 
1. 1. 4, Patellarglied oben 1.1, innen 1, Tibialglied oben 1, innen 2, 
Tarsalglied außen mitten 1, innen in der Basalhälfte 2. 1 Stacheln. 

Epigyne erscheint trocken gesehen als ein kleines braunes, 
etwa viereckiges Feld , das hinten breiter als vorn und breiter als 
lang ist, vorn seitlich abgerundet und in der Mitte ein wenig aus- 
gerandet, das zwei seichte rundliche Vertiefungen einschließt, die 
ein wenig länger als breit, unter sich von einem niedrigen, schmalen, 
oben abgeflachten Rand getrennt und ringsum von einem ähnlichen 
begrenzt sind ; der Hinterrand ist dreimal nach vorn konvex gebogen, 
bildet mit anderen Worten vier kleine, nach hinten gerichtete Zacken. 
Die Breite hinten ist 0,5 mm. Die Ränder sind glatt glänzend, die 
Vertiefungen etwas uneben, aber nicht glanzlos. Aussehen in Sprit 
zeigt Fig. 2. 

Behaarung des Cephalothorax oben heller und dunkler bräun- 
lichgelb, längs dem Rande am hellsten, der Rand selbst graulich- 
weiß, die Rückenbinde dottergelb, zwischen den Augen am lebhaftesten 
gelb behaart. Die Unterseite graulich und bräunlich behaart. Die 
Beine bräunlichgelb, an der Oberseite der Femoren durch hellere 
und dunklere Behaarung undeutlich gefleckt. Mandibeln mit kürzeren 
bräunlichgelben oder rostgelblichen und längeren braunen Haaren 
besetzt. Abdomen oben rostbräunlich und rostgelblich behaart mit 
weißlichen und schwärzlichen Haaren untermischt. Zwei nach hinten 
konvergierende Reihen von je 7-^8 kleinen weißen Flecken, die 
meistens durch feine weiße gebogene Querlinien paarweise verbunden 
sind. Der Mittelstreif dunkler behaart. 

Färbung in Spiritus. Cephalothorax im Grunde braun, jeder- 
seits mit drei schmalen, dunkelbraunen, sich unten gabelnden Schräg- 
strichen, einer undeutlich helleren, unten unregelmäßig begrenzten 
Submarginalbinde, schmal weißlichem, oben dunkler angelegtem Rande 
und einer in der Mitte hellgelben, gegen die beiden Enden allmählich 
dunkler werdenden , lanzettförmigen Rückenbinde , die kurz hinter 
der 1 mm langen, tiefschwarzen Rückenfurche schmal anfängt, zwischen 
den Coxen I und 11 ihre größte Breite (1,5 mm) erreicht und an 



- 94 — 

den Augen II aufhört. Auf dem Kopfteile kurz innerhalb des Randes 
der Binde jederseits ein schmaler, bräunlicher Längsstreifen, der bis 
zum breitesten Punkt der Binde reicht und etwas weiter hinten zwei 
tiefschwarze, runde Punkte, die unter sich 0,9, von der Vorderspitze 
der Rückenfurche 0,7 , von der Hinterspitze der erwähnten Längs- 
streifen 0,5 mm entfernt sind. Der Rand über den Seiten der Man- 
dibeln breit schwarz, am Clypeus bräunlich. Die Augen in schwarzen, 
sich innen erweiternden und teilweise zusammenfließenden Ringen. 
Mandibeln dunkel rotbraun ; die Klaue an den Seiten geschwärzt. 
Maxillen braun, an der Spitze kaum heller, Lippenteil schwärzlich, an 
der Spitze graulich. Sternum schwarzbraun. Coxen olivenbräunlich, 
sonst die Beine dunkel braungelb, an den Femoren oben Andeutungen 
hellerer und dunklerer Flecke. Palpen wie die Beine. — Abdomen 
oben dunkelbraun , an der Basis mit einem dreieckigen , vorn zu- 
gespitzten, hinten quergeschnittenen, schwarzbraunen Längsfleck, der 
2,5 mm lang und hinten 1,5 mm breit ist und beiderseits von einem 
scharf begrenzten, gelblichweißen Streifen begrenzt ist. Hinter diesem 
und damit schmal zusammenhängend eine Reihe von etwa 5 vorn 
zugespitzten , hinten in der Mitte ausgerandeten , abgerundet drei- 
eckigen oder herzförmigen , dunklen Flecken , die nach hinten an 
Größe allmählich abnehmen und an den Seiten undeutlich heller be- 
grenzt sind. Die im trockenen Zustande deutlichen weißen Punkte 
sind in Flüssigkeit kaum zu erkennen. Die untere Hälfte der Seiten 
gelblich , durch die Behaarung weißlich erscheinend , mit dunkleren 
Punkten. Die Unterseite dunkelbraun mit Andeutung zweier helleren 
Fleckenreihen. Epigaster mit zwei schwärzlichen Längsstreifen, die 
einen runden, helleren Fleck einschließen. 

Totallänge 12 mm. Cephalothorax 5,7 mm lang, die größte 
Breite 4, an der Insertion der Palpen 3 mm. — Beine: I Coxa + 
Trochanter 2,5, Femur 4,5, Patella + Tibia 4,7, Metatarsus 4- Tarsus 
4.5 mm: H bezw. 2,2; 4; 4,2; 4,7 mm; HI bezw. 2,2; 3,7; 3,9; 
4,7 mm; IV bezw. 2,7; 4,6; Patella 2, Tibia 3,5, Metatarsus 4,4, 
Tarsus 2,5 mm. Totallänge: I 16,2; H 15,1; III 14.5; IV 19,7 mm. 
— Palpen: Femoralglied 2, Patellarglied 1, Tibialglied 0,95, Tarsal- 
glied 1,5 mm. Mandibeln 2,5 mm lang und ebenso breit an der 
Basis. 

Fundort: Malimba, West-Afrika (Pahl). 

69. Tarentula Raffrayi (Sim.) 187(). 

$, Das Abdomen sehr beschädigt, indem fast nur die Haut 



— 95 — 

übrig ist; das Innere ist verschwunden. Kann also nur teilweise 
beschrieben werden. — Länge scheint 15 mm, Breite 9 — 10 mm ge- 
wesen. Die Oberseite scheint im Grunde hellbraun gewesen ; von 
Zeichnungen sind nur zu erkennen: ein fast trapezförmiger, 4,5 m 
langer, hinten 3 mm, vorn 2 mm breiter, dunkelbrauner Basalfleck, 
der hinten quergeschnitten ist und vor dessen beiden Hinterecken 
in einer Entfernung von 1 mm jederseits am Außenrande einen 
dunkelbraunen Muskelpunkt hat. Daß hinter dem Basalfleck weitere 
dunkle Zeichnungen vorhanden gewesen, scheint hervorzugehen, ohne 
daß sich Bestim.mtes darüber sagen läßt. Die Spinnwarzen dunkel 
kastanienbraun, an der Spitze ein wenig heller, 1,4 mm lang. Die 
Unterseite scheint dunkelbraun oder vielleicht schwarz gewesen ohne 
Zeichnungen ; vielleicht sind zwei runde, helle, quergestellte Flecke 
etwa in der Mitte vorhanden gewesen. Epigaster ist schwarzbraun, die 
Lungendeckel ein wenig heller, an der Spalte zwei weiße Flecke, die 
unter sich 2,2, von der Epigyne 0,6 mm entfernt sind. Vor der 
Epigyne zwei rote, längliche, etwas schräggestellte, eingedrückte 
Flecke, die unter sich 1,2, von den weißen Flecken 1,4, von Epi- 
gyne 1 mm entfernt sind. Letztere bildet eine vorn abgerundete 
und in der Mitte ausgerandete , hinten quergeschnittene Grube , die 
kaum 1 mm lang und hinten breit ist. Trocken gesehen erscheint 
sie tief, glatt, glänzend, beiderseits von einem ganz hohen, unten 
breiten, oben scharf verschmälerten Rand begrenzt; diese Ränder 
divergieren ganz schwach nach hinten, biegen sich am Hinterrande 
stärker nach außen um, sind daselbst vorn gleichmäßig gerundet und 
nach innen und ein wenig nach hinten umgebogen. In der Mitte ist 
ein breites , abgerundetes Septum , das erheblich niedriger als die 
Ränder ist und sich vorn rundlich erweitert. Am Hinterrande eine 
Querfurche beiderseits der Spitze des Septums, das sich hinter dieser 
Furche erweitert und ein Querseptum bildet. Trocken gesehen scheint 
Epigyne orangegelb gewesen. — Augenreihe I 2, II 2,2, III 3 mm 
lang. Die vordere Reihe schwach procurva; die M.A. größer, alle 
4 Augen unter sich fast gleich weit entfernt. Die vorderen M.A. 
von den Augen II um deutlich mehr als den halben Durchmesser 
entfernt. 

Die Behaarung der Mandibeln und des Clypeu.s erscheint in 
Spiritus roströtlich. Cephalothorax scheint weißliche Rücken- und 
Randbinde gehabt. — Die Scopula der beiden Vorderpaare erstreckt 
sich bis zur Basis der Tibien. 

Cephalothorax 12,5 mm lang, größte Breite 8 mm, am Kopf- 



— 96 — 

teile 5,2 mm. — Palpen: Femoralglied 4,5, Patellarglied 2,2, Tibial- 
glied 2,5, Tarsalglied 3,5 mm lang. — Beine : I Coxa + Trochanter 
5,6, Femur 9, Patella 4,5, Tibia 6,5, Metatarsus 6,5, Tarsus 4,2 mm; 
II bezw. 5; 8; 4,2; 6; 6,4 mm; III 4,7; 8 (das Übrige fehlt!). Total- 
länge: I 36,3; II 33,2 mm. Mandibeln 6 mm lang, an der Basis 
5 mm breit. 

Fundort: Akem, West-Afrika (Bender). 

70. Tarentula Schtveinfurthi Strand n. sp. 

$. Augen I 1,75, II 1,7, III 2,2 mm lang. Reihe I ein wenig 
recurva, die M.A. erheblich größer, unter sich um ihren halben Radius, 
von den S.A. um noch weniger, von den Augen II. Reihe und vom 
Rande des Clypeus etwa in ihrem Radius entfernt. Augen II unter 
sich in ihrem Radius, von den deutlich kleineren Augen III etwa in 
dem Durchmesser der letzteren entfernt. 

Epigyne ähnelt derjenigen \on pachana Poe, unterscheidet 
sich aber dadurch, daß das Septum hinten erheblich breiter, die 
Querleisten dagegen und auch die vordere Hälfte des Septum viel 
schmäler als bei pachana sind. Ferner ist der Zwischenraum der 
Querleisten breiter und die Grube vorn mehr gerundet. — Epigyne 
bildet eine sehr tiefe Grube, die vorn und an den Seiten von einem 
hohen, scharfen, hufeisenförmig gebogenen Rand, dessen Hinterspitze 
ein wenig nach innen gebogen ist, begrenzt wird. Zwischen den 
beiden Enden dieses Randes liegt ein flaches, glänzendes, fein quer- 
gestreiftes, erhöhtes, länglich viereckiges Mittelstück, das sich vor 
und hinter den nach innen umgebogenen Enden des Seitenrandes 
zu einer schmalen Querleiste erweitert und sich als eine schmale, 
allmählich niedriger werdende Längsleiste gegen den Vorderrand der 
Grube verlängert. Der Seitenrand ist überall von gleicher Höhe 
wie dies Mittelstück. Das Ganze ist reichlich 1 mm lang und hinten 
etwa so breit. Der Hinterrand des Mittelstücks ist schwach auf- 
geworfen. 

B estachelung. Alle Femoren oben mitten 1. 1. 1, I vorn 
nahe der Spitze 2, II— IV vorn 1. 1, I— HI hinten 1. 1. 1, IV hinten 
1 Stachel. Patellen I und II vorn 1, hinten keine, III und IV vorn 
und hinten je 1 Stachel. Tibien I und II unten 2. 2. 2, vorn 1. 1, 

I hinten in der Basalhälfte 1. III und IV unten 2. 2. 2 vorn, hinten 
und oben je 1. 1 Stacheln. Metatarsen I und II unten 2. 2. 3, 

II außerdem vorn 1. 1. 1; HI und IV unten 2. 2. 3, vorn und 
hinten je 1. 1. 1, IV außerdem vielleicht 1 unpaarer Stachel unten 



— 97 — 

an der Basis. Scopula an allen Tarsen und Metatarsen (am Meta- 
tarsus IV nicht ganz bis zur Basis), sowie an den Tibien I und IL 
Trocken gesehen erscheinen die Mandibeln schön orangegelb- 
lich, Augenfeld, Clypeus und wahrscheinlich Rückenbinde etwas trüber 
gelblich, eine scharfe, schmale Submarginalbinde weißUch, eine noch 
schmälere Marginalbinde, sowie die Seiten des Cephalothorax bräun- 
lichgelb behaart. Die Beine oben hell rostgelb, an den Seiten und 
unten grau oder weißgelblich behaart, ohne Ringe oder Flecke. Die 
ganze Unterseite, die im Grunde schwarz oder schwarzbraun ist, heller 
oder dunkler braun behaart. Das (beschädigte) Abdomen oben wahr- 
scheinlich einfarbig rost- oder orangegelblich behaart. — In Spiritus 
erscheint Cephalothorax dankelbraun mit schmalen, undeutlichen, 
dunkleren Schrägstrichen, weißlicher Submarginalbinde (1 mm breit) 
und im Grunde rötlichgelbe, nach vorn an Breite allmählich zu- 
nehmende Rückenbinde, die um die 1,5 mm lange Rückenfurche 
nicht erweitert ist und auf dem Kopfteile sich verliert. Die Be- 
haarung der Rückenbinde erscheint in Spiritus hell gelblichgrau. 
Der Rand oben schmal schwarz angelegt, Beine einfarbig rötlichgelb, 
Scopula graugelb. Schwarze Ringe um die Augen kaum zu erkennen. 
Mandibeln schwarz. Abdomen oben graulich braungelb mit einer 
schwarzbraunen oder schwarzbraun begrenzten, zusammenhängenden, 
wahrscheinlich bis zu den Spinnwarzen sich erstreckenden Mittel- 
binde, die vorn und hinten verschmälert zu sein scheint. Die ganze 
Unterseite schwarzbraun. 

Cephalothorax 10 mm lang, 7 mm breit, an der dritten Augen- 
reihe 5 mm breit. Mandibeln 4,5 mm lang. Palpen : Femoralglied 3,2, 
Patellarglied 1,7, Tibialglied 2, Tarsalglied 2,5 mm. — Beine: 
I Coxa + Trochanter 4, Femur 6,5, Putella 4,5, Tibia 4,5, Meta- 
tarsus 4,4,. Tarsus 3,4 mm; II bezw. 4; 6,2; 3,6; 4,2; 4,4; 3,2 mm; 
m bezw. 4: 5; 3; 3,6; 4,7; 3 mm; IV bezw. 4,5; 7; 3,4; 5,5; 
7,4; 3,7 mm. Totallänge: I 26,8; II 25,6; III 23,3; IV 31,5 mm. 

Fundort : Gazellenfluß (Dr. Schweintfürth, 1875). 

Farn. Oxyopidae. 
JPeucetia Th. 1870. 
71. Peticetia longipes Poe. 1899. 
Ein Weibchen von Akem, West-Afrika (Mohr). 
$. Totallänge 18 — 19 mm. Cephalothorax 7 mm lang, 4,5 mm 
breit, an der Insertion der Palpen 3 mm breit. Abdomen 11,5 mm 
lang , 4,5 mm breit. Mandibeln 3,5 mm lang , 2,6 mm breit. — • 

Jahreshef'te d. Vereins f. vaterl. Naturkunde in Württ. 190C. 7 



— 98 - 

Beine: I Femur 11,5, Patella + Tibia 14,5, Metatarsus 12,5, Tarsus 
6,5 mm; II bezw. 10,5; 12; 10,5; 5 mm; III bezw. 9; 9; 8; 3,2 mm; 
IV bezw. 9,5; 9,6; 9,2; 3,5 mm. Totallänge: I 45; II 38; III 29,2; 
IV 31,8 mm. — Palpen: Femoralglied 3, Patellarglied 1,5, Tibial- 
glied 2, Tarsalglied 3 mm lang. 

Fam. Salticidae. 
llenemerus Sim. 1868. 

72. Menemerus hivittatus (Düp.) 1831. 

Fundorte: Kamerun (Pahl) ; Goldküste (G. Schwaigert). 

Aelurillus Sim. 1884. 

73. Aelurillus affinis (Luc.) 1842, 
Fundort: Ain Sefra, Algier (Vosseler). 

JPhilcieus Thorell 1870. 

74. Philaetis Steudeli Strand n. sp. 

S. Clypeus und Mandibeln stark reclinat. — Am unteren Rande 
ein großer Zahn. — Metatarsus + Tarsus III 2,3, IV 2,5 mm lang. 
Augen II. Reihe etwa in der Mitte zwischen I und III. — Quadran- 
gulus hinten 2 mm breit, ein klein wenig breiter vorn; 111. Reihe 
kürzer als Cephalothorax breit. — Stria thoracica klein, die Quer- 
einsenkung daselbst ganz tief, aber nicht breit, recurva gebogen. — 
Augen I bilden mit den Oberrändern eine gerade Linie ; III wenig 
größer als S.A. I. Augen III um viel mehr als ihrem Durchmesser 
von Augen II entfernt. — Die oberen Spinnwarzen stark ausgespritzt, 
bilden mit den mittleren einen Winkel von ca. 45" und sind ganz 
schwach nach außen konvex gebogen ; ihre Spulen sind schräg nach 
innen gerichtet. Die Spitzen aller Mamillen in einer geraden Linie; 
die äußeren also etwas länger. Alle, besonders die äußeren Mamillen 
lang und stark behaart. Sternum vorn etwas verschmälert; die 
Coxen I unter sich in der Breite des Lippenteils getrennt; letzterer 
scheint ein wenig länger als breit zu sein. — Vordere Metatarsen 
auch mit Lateralstacheln. — Metatarsen III mit 2, IV mit 3 Verti- 
cillen. — Metatarsen III an der Basis 4 (2 oben, 2 unten), an der 
Spitze 6 Stacheln (2 unten an der Spitze, je zwei an den Seiten und 
oben, welche kurz vor der Spitze stehen); man würde zur Not von 
drei Verticillen sprechen können. Ein dorsaler Stachel findet sich 
also nicht. Tibien I unten 2. 2. 2, vorn und hinten je 1. 1, Meta- 
tarsus I wie Tibia I. — Clypeus sehr sparsam behaart; unter den 



— 99 — 

Augen stehen 6 lange, gerade nach vorn gerichtete und ein wenig 
nach innen gekrümmte Borsten. Mandibeln ebenfalls sparsam be- 
haart, nicht gekrümmt, an der Spitze innen ein wenig vorstehend. 

Bulbus länglich- eiförmig, an der Spitze stumpf gerundet, an 
der Basis kurz, stumpf, nach außen, hinten und unten ausgezogen; 
von der Basis der Innenseite geht ein langer, freier, um die Innen- 
und Vorderseite des Bulbus gebogener, aber denselben nicht be- 
rührender, schräg nach außen und vorn gerichteter, den Außenrand 
der Lamina nicht ganz erreichender, an der Spitze gerader Stylus 
aus. Bulbus ist der Hauptsache nach wie bei Fh. chrysops, aber 
der Basalhöcker ist kleiner, der Stylus etwas länger und stärker ge- 
bogen und der Endteil der Laraina kürzer als bei chrysops. Das 
lang und weiß behaarte Tibialglied hat an der Spitze außen einen 
starken , konischen , in der Endhälfte schwach gebogenen , zahn- 
förmigen Fortsatz. 

Trocken gesehen erscheinen die Augen , ihre Umgebung und 
der ganze Clypeus orangegelb; die Seitenbinden lebhaft schwefelgelb, 
der Quadrangulus, jedenfalls vorn, graugelblich, Cephalothorax oben, 
hinten und an den Seiten schwärzlich oder dunkelbräunlich, Man- 
dibeln gelblich behaart. Die Femoren II — IV oben in der Basalhälfte 
weiß, I ebenda mit weißlichem Längsstrich und vorn orangegelb, 
alle Femoren unten grauweißlich oder gelblich behaart; alle Patellen 
an der Basis und II— IV am Mittelringe weiß behaart, ebenso alle 
Metatarsen in der Basalhälfte und die Tarsen an einem schmalen 
Basalring. Die dunklen Partien der Beine (siehe unten!) bräunlich 
oder schwärzlich behaart. Abdomen oben mit einer weißlichen, an 
der Basis gelblichen, nach hinten allmählich verschmälerten Mittel- 
binde, die bis zu den Spinnwarzen reicht und beiderseits von einer 
sammetschwarzen Längsbinde begrenzt wird. Unter der letzteren 
weiße Flecke und an der Basis ei;i weißgelblicher Längsstrich. 

In Sprit erscheint der oben fast gänzlich abgeriebene Cephalo- 
thorax dunkel röthchbraun, am Qaadrangulus und in der Mitte des 
Rückens ein wenig heller als an den Seiten, mit ziemlich schmalen, 
schwarzen Ringen um die hinteren Augen und einem sehr schmalen 
Halbring hinter den vorderen M.A.; an den Seiten des Brustteiles eine 
breite (0,9 mm), gelblichweiße Haarbinde, die am Kopfteile allmählich 
verschwindet und an der Grenze der hinteren Abdachung scharf 
unterbrochen ist ; im Quadrangulus hinter und innerhalb der vorderen 
S.A. jederseits ein undeutlicher, dunklerer Fleck; der Rand des 

Brustteiles schmal schwarz ; Clypeus, Seiten des Kopfteiles und Man- 

7* 



— 100 - 

dibeln heller rötlichbiaun; Klaue an den Seiten ein wenig dunkler. 
Maxillen an der Basis schwärzlichbraun, an der Spitze rötlich, Lippen- 
teil schwärzlich, an der Spitze schmal weißlich. Die Palpen rötlich- 
gelb, die Copulationsorgane ein wenig dunkler. Sternuni und Coxen 
dunkelbraun, die Beine sonst rötlich; alle Femoren an der Spitze 
breit dunkelbraun, nur oben scharf begrenzt, geringt, I oben fast ein- 
farbig braun ; Tibia I einfarbig schwarzbraun, ein wenig dicker als II 
und viel dicker als die hinteren, die übrigen Tibien dunkelbraun mit 
schmalem, hellerem, weißbehaartem Mittelring; die Metatarsen an 
der Spitze schwach gebräunt, die Tarsen die hellsten aller Gheder 
und zwar rotgelb. Das etwas geschrumpfte und. daher nicht genau 
zu beschreibende Abdomen scheint oben rötlichbraun und zwar hinten 
am dunkelsten zu sein; an der Basis aufgerichtete und nach hinten 
gekrümmte weißliche und noch längere schwärzliche Haare; die 
Seiten etwas dunkler, hinten schwärzlich, mit einer Längsreihe von 
2 rundlichen, rein weißen Haarflecken, von denen der vordere in 
der Mitte steht; vor diesen ein weißlicher Längsstrich und über den 
Spinnwarzen ein kleinerer weißer Fleck. Bauchseite und Spinnwarzen 
einfarbig braun. 

Cephalothorax 3,1 mm lang, 2,2 mm breit, Abdomen 3 mm 
lang und (etwas geschrumpft!) 1,8 mm breit. Mandibeln 1 mm lang, 
an der Basis 1,2 mm breit. — Beine: I Coxa + Trochanter + Femur 
2,9, Patella + Tibia 2,5, Metatarsus + Tarsus 2 mm; II bezw. 2,8; 
2,3; 1.9 mm; IH bezw. (Coxa + Trochanter 1,1, Femur 2); 2,3; 
2,4 mm; IV bezw. 1,2; 2,1; 2,5; 2,6 mm lang. 

Fundort: Akem, West-Afrika (Mohr). 

Theratoscirtus Sim. 1886. 
75. Theratoscirtus fnsco-rufescens Strand n. sp. 
Fig. 3, Tarsalglied von unten gesehen. 
,.' S. Quadrangulus vorn deutlich breiter als hinten 

(bezw. 3,2 und 2,95 mm); die Augen II hinter der 
Mitte. Die hinteren Augen sehr groß, stark vorstehend, 
von den Augen II in ihrem Durchmesser entfernt. Die 
III. Reihe erheblich kürzer als der Cephalothorax 
breit. — Die Man dibel klaue in dem basalen Drittel 
sehr dick , dann plötzlich verschmälert und lang und 
fein zugespitzt, aber wenig gekrümmt; an der Basis 
eine tiefe Furche. An der inneren Ecke des langen 
unteren Falzrandes ein sehr starker, zusammengedrückter, an der 




— 101 - 

Basis sehr breiter, scharf zugespitzter, in den Seiten und an der 
Spitze ein wenig gebogener Zahn; außerhalb dieses ist der Rand 
tief ausgehöhlt und nahe der Einlenkung mit einer scharfen Carina 
versehen. Am oberen Rande, etwas weiter nach innen, zwei starke, 
nahe beisammenstehende, konische Zähne, sowie ebenfalls eine Carina. 
Die Mandibeln stimmen gut mit Fig. 855 in Simon's „Hist. nat." 
II, pag. 716. — ^^ippenteil länger als breit. — Stern um vorn quer- 
geschnitten mit fast unmerklich vorgezogenen Ecken und wenig ver- 
schmälert: vorn 1 mm, in der Mitte 1,5 mm breit und 1,5 mm 
lang. — Metatarsus 1 unten 2. 2, vorn an der Spitze 1, II unten 
2. 2, vorn 1. 1 große, hinten (Spitze) 1 kleiner Stachel. Meta- 
tarsus III und IV fast gleich bestachelt , indem beide 3 Verticillen 
haben ; der mittlere des III. Metatarsus besteht aus 2 , je 1 oben 
und hinten , ziemlich weit voneinander entfernten Stacheln ; am 
IV. Metatarsus besteht der basale Verticillus aus zwei lateralen, der 
mittlere aus zwei unteren und einem oberen (ein wenig weiter basal- 
wärts), der apicale aus 5 Stacheln. Tibien I haben hinten nur 1 
(subbasalen) Stachel. — Das Tarsalglied der Palpen mäßig breit, 
gegen das Ende lang und schmal zugespitzt, lang gelblichweiß, an 
der Basis dunkler behaart; das Tibialglied ist lang schwärzlich, das 
Femoral- und Fatellarglied oben rein weiß behaart; im Grunde sind 
Patellar-, Tibial- und Basis des Tarsalgliedes, besonders innen, dunkel- 
braun; letzteres dagegen nicht an der Spitze gebräunt. Das Tibial- 
glied ist kürzer als das Fatellarglied und trägt unten außen einen 
kleinen Höcker, der mit einer sehr langen Bürste bräunlicher, stark 
gekrümmter Haare besetzt ist; der Apicalfortsatz ist ziemlich dünn 
und an der Spitze gekrümmt. 

Die Augen und Clypeus-Haare erscheinen trocken gesehen hell 
schwefelgelb, in Flüssigkeit weißlich. Die Augen schmal schwarz 
umringt; die Mandibeln schwärzlich, ilbdomen mit einer röthchen, 
an den Seiten schwärzlich punktierten Längsbmde, an der unteren 
Hälfte der Seiten heller als die Hückenbinde, am Bauche schwärzlich 
mit helleren Punktreihen an den Seiten. Trocken gesehen erscheint 
Abdomen an den Seiten und an der Rückenbinde weiß behaart, aber 
ohne solche Längsbinden. 

Totallänge mit Mandibeln fast 10, ohne Mandibeln 8,5 mm. 
Cephalothorax 4,5 mm lang, 3,5 mm breit. Abdomen 4,5 mm lang, 
2,5 mm breit. Länge der Beine: I Coxa + Trochanter 2, Femur 3, 
Patella + Tibia 4,4, Metatarsus 2,4, Tarsus 1,4 mm; II bezw. 2; 
3,5; 4,5; 2,3; 1,4 mm; HI bezw. 2,1; 4,5; 5; 2,7; 1,4 mm; IV bezw. 



102 



1,7; 2,8; 3; 2,5; 1,2 mm. Totallänge: I 13,2; II 13,7; III 15,7; 
IV 11,2 mm. Beine III also viel länger als IV. 
Fundort: Kribi, Kamerun (Pahl). 

Hasarius Sim. 1871. 
76. Hasarius Ädansoni (Aud.) 1825 — 27. 
Fundorte: Kamerun (Pahl); Lindi, Ost- Afrika (Dr. Wagner). 



Artenverzeichiiis. 



Aelur Ullis Sim. 

affinis (Luc.) 98 

Ar eine a L. 

annulipes (Luc.) 64 

camerunensis Strand 62 

eresifrons Poe 59 

Leimenstolli Strand 57 

Nigmanni Strand 59 

Pahli Strand 61 

rufipalpis (Luc.) 59 

similis (Hös. et Lenz.) .... 63 

Aranoethra Bütl. 

JJngari Karsch 66 

Argiope Aud. 

lobata (Pall.) 55 

nigrovittata Th. 55 

Pechueli Karsch 53 

Ariadna Aud. 

viridis Strand 45 

C a erostris Th. 

subsimata Strand 64 

Ceratogyrus Poe. 

Sanderi Strand 23 

C h i racont h i u m C. L. K. 

camerunense Strand 75 

Ctenus Walck. 

aureopiihescens Strand .... 82 

Heerivaldi Strand 78 

cribensis Strand 76 

renivulvatus Strand 80 

Schneidert Strand 84 

Cyphonisi a Sra. 

Kaeseri Strand 14 

Cyrtophor a Sim. 

citricoJa (Forsk.) 55 



Dam ast es Sim. 

Gramlidieri Sim 

D olomedes Latr. ■ 

lomensis Strand 

E u spar assus Sim. 

argelasius (Latr.) 71 

5-dentatus Strand 71 



67 



90 



6-dentatus Strand . . . . 


. . 73 


Gast er a cant h a Sund. 




curvispina Gu^r. . . . . 


. . 66 


falciformis Butl 


. . 66 


Hasarius Sim. 




Ädansoni (Aud.) 


. . 102 


Heteropoda Latr. 




renatoria (L.) 


. . 74 


Heteroscodra Poe. 




inaculata Poe 


. . 36 


Hysterocratcs Sim. 






. . 30 






Haasi Strand 


. . 31 




. . 33 


Spellenbergi Strand . . • 


. . 25 


Vosseleri Strand 


. . 27 


Latrodectus Walck. 




Menavodi Vins 


. . 49 


cinctus Bläckw. 


. . 49 


Lencauge A. White. 




nngulata (Karsch) . . . . 


. . 49 


M e n e m e r u s Sim. 




biviUatns (Duf.) 


. . 98 


N em OS colli s Sim. 




caudifer Strand .... 


. . 55 


Nephila Leäch. 




cnieiitata (Fabr.). . . . . 


. . 53 


femoralis (Luc.) 


. . 49 



— 103 



Seite 

Lucast SiM. 51 

madagascarieiisis (Vins.) ... 51 

nif/ra (Vins.) 51 

pilipes (Luc.) 51 

senegalensis (Walck.) 52 

subsp. Keyserlingi Bl. ... 52 

^ ivindhnl-ensis Strand . 52 

Palystes L. K. 

eastaneus Latr 74 

Paraplectana Br. Cäp. 

TFaZZeri Bl 66 

Thorntoni Bl 66 

Feucetia Tu. 

longipes Poe 97 

Phalaea Sim. 

aculeata Strand 86 

Philaeus Th. 

Steudeli Strand 98 

Pterinochilus Poe. 

mamülatus Strand 20 

vorax Poe 19 

Widenmanui Strand 17 

Scodra Beck. 

calceata (Fabr.) 35 



Seite 

Segtodes Latr. 

cameruuensis Strand 42 

marmorata L. K 38 

subthoracica Strand 40 

suffusa Strand 43 

velutina Hein, et Lowe .... 39 

»S' i c a r i u s Walck. 

Hahni Karsch 45 

*S' m e r i n gop u s Sim. 

peregrinus Strand 47 

Stegodyphus Sim. 

semicinctus (C. L. K.) . ... 37 

Tarentula Sund. 

Lamperti Strand 92 

Baffrayi Sm. 94 

Schweinfurthi Strand .... 96 

T h a l <t s s i n s Sim. 
pictus Sim 88 

Theratoscirtus Sim. 

fusco-rufescens Strand .... 100 

Theridium Walck. 

rufipes Luc 49 

Torania Sim. 

Maiini Strand 68 



Gedruckt am 21. Februar 1906. 



Zur Entstehung des Buntsandsteins. Erwägungen 

über das nördliche Alpenvorland, Vulkanismus und 

Geotektonik. 

Von W. Kranz, 

Oberleutnant in der 3. Ingenieur-Inspektion. 

In seinen Beiträgen zur Geologie der westlichen Mittelmeer- 
länder ' nimmt mein verehrter Lehrer, Herr Prof. Dr. Tornquist, u. a. 
Stellung zur Frage der Entstehung des Buntsandsteins und zur 
Theorie des „Vindelizischen Gebirgs". Ich habe in meiner Abhand- 
lung über die geologische Geschichte der weiteren Umgebung von 
Ulm a. D. ^ diese Fragen berührt und möchte hier nochmals darauf 
zurückkommen. 

Tornquist ist wie viele Geologen überzeugt, daß einst die Ent- 
scheidung zugunsten der Anschauung von der Entstehung des Bunt- 
sandsteins aus Meeressedimenten fallen wird im Gegensatz zu seiner 
Bildung in einem großen Wüstengebiet. Insbesondere soll die fast 
genau 20 m mächtige Ablagerung des Hauptkonglomerats in dem 
großen Gebiet Elsaß-Lothringens „als Folge einer mächtigen Meeres- 
oder Brandungsüberflutung des nahen Festlandes zu betrachten sein, 
bei welcher unter andauernder, lebhafter litoraler Meeresbewegung 
das schnell vom Lande hinabgeflutete, grobe Material am Meeres- 
boden eingeebnet zur Ablagerung kam ^". Meiner Ansicht nachsteht 
der Auffassung des Hauptkonglomerats als fluviatiler Bildung nichts 
entgegen, in Anbetracht der gewaltigen Transportkraft von Wüsten - 
Aussen in regenreichen Jahren. „Für die Wirkungsweise derartig 
seltener Regen ist es bezeichnend, daß sie ihre Erosionsprodukte in 
fast horizontalen Schichten über eine weite Fläche ausbreiten, und 
daß durch die Deflation während der folgenden Trockenzeit dieser 
Schutt dann noch mehr eingeebnet wird." Die mitgeschleppten Schutt- 
massen bleiben „als horizontal ausgebreitete, geschichtete Ablagerung" 



' N. .Jahrb. f. Min. etc. 1905, Beil.-Bd. XX, Tornquist, S. 492 if. 
" Diese Jahreshefte 1905, S. 176 ff. — S. 179 Anmerkung 1, lies , (Haupt- 
buntsandstein) " statt , (Hauptkonglomerat)". 
3 Tornquist, 1. c. S. 496. 



— 105 — 

zurück^. Die gleichmäßige Abnahme der Mächtigkeit des Haupt- 
konglomerats von Süden nach Norden, von 25 m bei Rappoltsweiler 
auf 15 m bei Buchsvveiler, 4 m bei Saareinsberg ■" folgt genau der 
Richtung des Transports durch fließendes Wasser von der vindelizischen 
Wasserscheide im Süden und Südosten her. — Die gleiche ein- 
ebnende Tätigkeit zeichnet auch die äolischen Wüstenbildungen aus, 
und bei der gleichmäßigen Windrichtung und -stärke in großen Ge- 
bieten solcher Ebenen , die dem Winde nur wenig Hindernisse ent- 
gegenstellten, halte ich „die übereinstimmende Mächtigkeit, welche 
die einzelnen Buntsandsteinstufen in dem großen Gebiet Lothringens 
und des Unterelsaß zeigen, sowie die regelmäßige Ausbildung ganz un- 
scheinbarer petrographischer Eigentümlichkeiten auf weite Strecken" "^ 
durchaus nicht für einen Beweis gegen die Möglichkeit der Ent- 
stehung des unteren und mittleren Buntsandsteins in einem kon- 
tinentalen Wüstengebiet. Ich möchte ferner nochmals auf die cha- 
rakteristischen Rippelmarken'' aufmerksam machen, die ja so häufig 
im Buntsandsteingebiet der Vogesen und des Schwarzwalds vor- 
kommen — ich fand sie u. a. sehr schön ausgebildet im Haupt- 
buntsandstein eines Steinbruchs am untern Osthang des Hohburg- 
bergs, südwestlich Häusei«n bei Colmar — und auf die überwiegend 
karminrote Farbe des mittleren Buntsandsteins Württembergs, Badens 
und Elsaß-Lothringens, die an die Färbung der Dünen Innerarabiens 
und der Gobi erinnert^. Die oligocänen marinen bezw. brackischen 
Kalksandsteine bei Rufach am Vogesenfuß, die nach meinen Unter- 
suchungen nur aus Trias- und Juragesteinen bestehen und ihr Sand- 
material ausschließlich aus dem Buntsandsteingebiet der Vogesen 
bezogen, zeigen durchweg hellgelbe Färbung, und ich stehe nicht 
an , dieselbe auf Auslaugung von Eisenoxyd durch Wasser aus dem 
Buntsandstein zurückzuführen. Wäre letzterer seinerseits infolge 
Sedimentbildung aus dem Wasser entstanden, dann dürfte er schon 
vorher seine karminrote Färbung verloren haben. Und was den 
Zweifel an seiner primären Rotfärbung betrifft''', so kann ich mir 



* J. Walther, Lithogenesis der Gegenwart. 1894, S. 778. 

" Tornquist, 1. c. S. 49.5. 

« 1. c. S. 496. 

' Walther, 1. c. S. 796. 

8 1. c. S. 794/95. 

^ Koken, „Ist der Buntsandstein eine Wüsten bil düng?" Diese Jahres- 
hefte 1905, S. LXXVII. — V. K e n e n , Über die Buntsandsteinwüste, Centralbl. 
für Min, etc. 1904, S. 107. 



— 106 - 

nicht denken , wie sich eine so mächtige Ablagerung nachträglieh 
sekundär in dem Maße mit rotem Eisenoxyd angereichert haben soll, 
zumal sie durch die eisenfreien Kalke und Tone mindestens des 
ganzen Muschelkalks geschützt war. Gyrolepis, Semionotus, Estheria 
und Gervillia^ die im deutschen Buntsandstein hier und da vor- 
kommen^, können in salzhaltigen Reliktenseen des Wüstengebiets 
gelebt haben ; daß wir keine Beziehungen zwischen GerviUia Murchisoni 
und permischen Arten kennen , dürfte auf die Lückenhaftigkeit des 
paläontologischen Wissens zurückzuführen sein. Die Abhobelung der 
älteren Unterlage des Buntsandsteins endlich läßt sich ebensogut mit 
Deflation durch den Wind wie mit Abrasion durch ein langsam vor- 
dringendes flaches Meer ^ erklären. Ich bin deshalb auch jetzt noch 
der festen Überzeugung, daß das Depressionsgebiet nördlich der 
vindelizischen Wasserscheide wenigstens zur mittleren Buntsandstein- 
zeit größtenteils trockenes Wüstenland war, mit hauptsächlich süd- 
lichen Winden , die im südlichen Deutschland nach Norden zu an 
Stärke verloren und deshalb dort die Masse ihrer Sedimente absetzen 
konnten. Daher im allgemeinen dort die Abnahme der Mächtig- 
keit des Buntsandsteins nach Süden zu und die größere Feinkörnig- 
keit der Sedimente im Norden ^". Fast aJl das haben aber bereits 
Bornemann, E. Fraas und Walther aufgeführt , und es bleibt hier 
vorläufig Ansicht gegen Ansicht stehen; die Entscheidung ist jeden- 
falls noch lange nicht gefallen. 

Etwas anders die Theorie vom vindelizischen Gebirge. Daß 
es einst als Wasserscheide zwischen alpiner und außeralpiner Trias 
bestand, ist seit üümbel's Vorgang zur Sicherheit geworden. Prof. 
ToRNQUiST hat die Fortsetzung dieser Sandbarre in dem Granitzug 
gefunden , der auf Sardinien — Korsika die kontinentale von der 
pelagischen Trias trennt, und sucht die Verbindung beider Teile in 
einer untergeordneten, submarinen (?) Barre in den Westalpen. Die 
Außenbarren folgen also ziemlich genau dem Alpenbogen^^ 

Ich habe kürzlich die Orogenesis des vindelizischen Gebirgs 
darzustellen versucht^-, und möchte hier insoweit nochmals darauf 
eingehen , als meine Ausführungen im Gegensatz zu andern An- 
schauungen stehen oder einer Erweiterung bedürfen. 

Buntsandstein lagert ebenso auf den Höhen des Schwarzwalds 

>" Torniiuist, 1. c. S. 495. — Engel, Geogn. Wegweiser von Württ., 
1896, S. 43. 

" Tornquist, 1. c, Skizze. S. 501. 
"> Diese Jahreshefte 1905. l. c. 



— 107 — 

und der Vogesen, wie an den untern Rändern dieser Gebiete und im 
tiefen Untergrund der schwäbisch-fränkischen Alb. Von einem Vor- 
handensein so großer Höhenunterschiede bereits zur Zeit seiner Ab- 
lagerung kann keine Rede sein, das beweisen die gewaltigen Ver- 
werfungen an den Rändern der südwestdeutschen Gebirge. Ver- 
mutlich waren die kristallinen Gesteine des Schwarzwalds und der 
Vogesen noch im Miocän von einem etwa 300 m mächtigen Mantel 
hauptsächlich triassischer Schichten verhüllt ^^ Jedenfalls findet sich 
in den oligocänen, den Vogesen entstammenden Meeresablagerungen 
des Vogesenfußes bei Rufach keine Spur kristallinischer Gesteine. 
Nimmt man nun an, daß sich Schwarzwald und Vogesen seit jenen 
Zeiten nicht nennenswert in die Höhe gehoben haben, dann folgt, daß 
der Meeresspiegel zur Jurazeit etwa 2 km höher stand als heute (Feld- 
berg rund 1500 m ü. M.j. Um ebensoviel müßte dann der Erdradius 
seit der Jurazeit zusammengeschrumpft sein. Ist das Innere der Erde 
tatsächlich eine im Erkalten und Zusammenschrumpfen befindliche 
Masse , während die äußere , bereits feste Kruste dieser Bewegung 
nicht ohne weiteres folgen kann, so müssen unter der äußeren Schale 
fortgesetzt an einzelnen Stellen gewaltige Hohlräume entstehen. In 
den Wölbungen der Erstarrungsrinde über den Hohlräumen ver- 
mehren sich die Spannungen allmählich derart, daß einzelne an- 
grenzende Widerlager oder Teile des Gewölbes selbst nicht mehr 
standhalten können und als langgestreckte Gesteinstafeln unter 
Rissen und Sprüngen emporgefaltet werden. Andere Teile des Ge- 
wölbes folgen nun der Schwerkraft und brechen senkrecht hinab. 
Es müssen also fortgesetzt an einzelnen Stellen gewaltige vertikale 



^2 Steiumann, Alpersbacher Stollen, Ber. oberrh. geol. Ver. 1902, S, 10. 
— .Steinmann und Gräff, Geol. Führer Freiburg, 1890, S. 126: „Die jetzt 
bis zu einer Höhe von 1500 m ü. M. aufragende Gegend des Feldbergs war vor 
Eintritt der oligocänen Dislokationen von mindestens 300—350 m mächtigen 
Sedimenten der Trias und des .Jura bedeckt. Der Beweis für die Kichtigkeit 
dieser Voraussetzung ist durch das Auftreten der Alpersbacher Nagelfluhe er- 
bracht." Nimmt man an, daß Keuper und großenteils auch Jura auf dem Schwarz- 
wald fehlten, dann würde sich nach Engel ergeben : Für Buntsandstein ca. 180 m, 
Muschelkalk ca. 170 m. Im Jura scheint das Gebiet des SchAvarzwalds einen 
trennenden Rücken zwischen der schwäbischen und der badisch-elsässisch-fran- 
zösischen Meeresprovinz gebildet zu haben, vielleicht als submarine Barre, und 
wir können hier den Beginn der Horstbildung annehmen. Unter Berücksich- 
tigung der Abtragung der Gneise etc. auf den Schwarzwaldgipfeln erscheint die 
Mutmaßung berechtigt, daß der Meeresspiegel einst wenigstens 500 m über dessen 
höchsten Erhebungen lag. — Vergl. auch Fr. E. Suess, Böhmische Masse, 1903, 
S. 172, und Neumayr, Geogr. Verbreitung der Juraform., 1885, S. 13. 



— 108 — 

Einbrüche erfolgen , wie das z. B. für die Gebiete des Stillen, 
Atlantischen und Indischen Ozeans feststeht; ich war bestrebt, einen 
gleichen, ganz allmähhchen und langsamen Einbruch der Erdscholle 
zwischen Schvvarzwald, Böhmerwald und Alpen im Gefolge der Er- 
kaltung und Zusammenziehung der Erde für die Zeit vom Rotliegenden 
bis zum Pliocän nachzuweisen ^^. Solchen Einbrüchen folgt die 
Hydrosphäre, der Wasserspiegel sinkt langsam. 

Ein Zusammenschrumpfen des Erdballs um etwa 4 km Durch- 
messerlänge seit der Jurazeit erscheint mir hei der Länge des 
(Äquator-) Durchmessers von 12 750 km und bei der Größe geo- 
logischer Zeiträume durchaus nicht zu erheblich angenommen. Es 
kommt mir dabei am natürlichsten und einfachsten vor, als Regel 
bei den Verschiebungen großer Erdschollen Senkungen anzunehmen, 
als Ausnahme dagegen Hebungen zu betrachten , die sich im all- 
gemeinen in kleinerem Maßstabe durch Einwirkung von Lakkolithen, 
in größerem durch Faltung oder Überschiebung erklären lassen. 

Daß die großen tektonischen Verschiebungen vulkanische Er- 
scheinungen im Gefolge haben können , ist klar : Zunächst können 
sich an einzelnen Stellen der Randbrüche ausgedehnter Erdschollen 
bis zum glühenden Kern hinab Spalten öffnen, durch die nun Magma 
infolge der Bewegungen der Erdrinde ausgequetscht wird (Theorie 
Ed. Süess und Prestwich). Das Magma erreicht entweder die Ober- 
fläche und bildet dann Stratovulkane bezw. vulkanische Decken, so- 
lange die Spalte ganz offen bleibt, oder es erreicht ebenso w^ie die 
betreffende Spalte selbst die Oberfläche nicht bezw. nicht mehr. In 
diesem Fall entsteht entweder ein Gang, oder sehr nahe unter der 
Erdoberfläche ein Lakkolith , oder tiefer drunten in einem an- 
grenzenden unterirdischen Hohlraum ein peripherischer Herd (Theorie 
Stübel), je nach der Ausdehnung der Spalte und dem mechanischen 
Druck der ausquetschenden Erdscholle bezw. der Eigenkraft der 
magmatischen Gase. Die Wölbungen jener Hohlräume brauchen 
natürlich nicht scharf auf der Grenze zwischen dem elastischen Erd- 
innern und der festen äußeren Rinde zu liegen. Vielmehr wird der 
glühende Erdkern durch allmähliche Abstufungen in die starre Kruste 
übergehen. Seiner Zusammenziehung können solche zwischenliegen- 
den halbelastischen Gesteinsmassen und nachstürzende Teile der 
festen Erdrinde unmittelbar folgen, und die Hohlräume dürften sich 
erst über diesen wenig widerstandsfähigen Zvvischenlagen befinden, 
die leicht infolge chemischer und mechanischer Vorgänge im glühenden 
Erdinnern gesprengt werden können : in die Hohlräume dringt dann 



— 109 — 

Magma ein, und auf diese Weise können sich peripherische Herde 
auch in Gebieten bilden, die auf der Erdoberfläche keinerlei tek- 
tonische Störung zeigen. Wenn die Decke über peripherischen 
Herden nun einbricht, in denen sich hochgespanntes glühendes Magma 
befindet, so kann dasselbe entweder in neuen tektonischen bezw. 
selbst geschaffnnen Spaltensystemen ausgequetscht werden und Reihen- 
vulkane bezw. vulkanische Decken erzeugen, oder es entstehen durch 
explosive magmatische Kraft bei genügender Spannung regellose Ex- 
plosionsröhren, Vulkanembryonen (Theorie Branco-Daubree), Gruppen- 
vulkane, vulkanische Decken, Gänge oder Lakkolithe. Unter solchen 
Verhältnissen können tektonische Störungen eine unmittelbare Folge 
vulkanischer Vorgänge sein (Theorie Branco-E. Fraas), ich möchte 
dies indessen für die Ausnahme halten angesichts der Tatsache, daß 
die meisten Vulkane auf den Rändern riesiger Einbruchsgebiete liegen. 
Im allgemeinen halte ich aus den angeführten Gründen die Vulkane 
und ihre Verbreitung für eine Folge tektonischer Vorgänge. Jede 
Ansicht über vulkanische Tätigkeit, die sich auf Beobachtung tat- 
sächlicher Verhältnisse gründet, hat im einzelnen Falle ihre Berech- 
tigung , bis sie durch eine bessere ersetzt wird , und man braucht 
sich nicht einseitig zur Erklärung aller Erscheinungen an eine ein- 
zige Theorie zu klammern und die anderen zu verurteilen. 

Betrachtet man von diesen Gesichtspunkten aus die Entstehungs- 
geschichte der Erdscholle zwischen Alpen, Schwarzwald und Böhmer- 
wald, dann ergibt sich folgendes : 

Die vermutlich z. T. karbonischen inneren Granitzüge der Alpen 
zeigten postkarbonische Bewegungen, sie „waren zeitweise land- und 
zeitweise submarine Barren, welche Gebiete verschieden differenzierter 
Sedimentierung zeitweise trennten", und ihre Bewegungen sollen auf 
solche von eruptiven Massen in der Tiefe zurückzuführen sein ^*. 
Ausgeschlossen sind derartige ma^matische Nachschübe im Gebiet 
von Tiefpngesteinen allerdings nicht, ich möchte jedoch zu bedenken 
geben , ob sich diese Bewegungen nicht vielleicht auch als erste 
Äußerungen des Emporfaltens der jungen Alpen oder als ungleich- 
mäßiges, sehr schwaches Absinken eines Horstes auffassen lassen 
sollten. Gleichzeitig mit diesen Bodenschwankungen im alpinen 
Ozean sehen wir an dessen Nordküste den gleichfalls granitischen 
vindelizischen Rücken ganz allmählich in die Tiefe sinken. Das 
Keupermeer bedeckt schon seinen Nordrand, das Doggermeer trennt 



1* Tornquist, 1. c. S. 502-505. 



— 110 — 

ihn durch eine Wasserstraße bei Regensburg vom böhmischen Fest- 
land ab. und im Malm hat höchstens noch ein langgestreckter 
Archipel in der alten Kammlinie Passau — Bodensee existiert ^^. Ich 
erkenne hier das langsame Absinken einer durch Denudation all- 
mählich verkleinerten Erdscholle in einen jener unterirdischen Hohl- 
räume, keinesfalls aber eruptive Nachschübe in der Tiefe, oder gar 
ein Empordrücken der vindelizischen Masse durch solche Nachschübe. 
Von einem Emporsteigen derselben kann in diesem Zeitraum keine 
Rede sein, ihr Absinken hielt vielmehr mit dem Zusammenschrumpfen 
des glühenden Erdkerns vermutlich ziemlich gleichen Schritt, so daß 
sich keine peripherischen Herde unter ihr bilden konnten. Auch 
kann ich die Bewegungen , die sich in der Ablagerungsweise des 
Buntsandsteins im Elsaß verfolgen lassen, nicht auf Nachschübe von 
Tiefengesteinen in den inneren Granitzügen der Alpen oder im vinde- 
lizischen Granitzug zurückführen *^, sondern nur auf jene schwanken- 
den Bewegungen des langsam absinkenden vindelizischen Rückens ^^. 
Lokale Hebungen lassen sich während der Kreidezeit in den 
Alpen nachweisen , ebenso wie im Gebiet der süddeutschen Jura- 
ablagerungen hier und da dislozierende tektonische Bewegungen 
stattfanden. Gegen das mittlere Oligocän begann die erste Haupt- 
periode der Emporfaltung des Alpengebirgs, während wir im älteren 
Oligiocän die ersten Anzeichen der Bildung des Rheintalgrabens er- 
kennen, der bald darauf von oligocänem Meer überflutet wurde. 
Hier scheint mir nur eine Erklärung möglich: Die alten, starren 
vindelizischen Massen bildeten das Mittehviderlager zwischen zwei 
großen Schichtenwölbungen über riesigen unterirdischen Hohlräumen 
im alpinen Gebiet und in der süddeutschen Tafel nördlich der Donau- 
linie. Die Spannungen im alpinen Gebiet wuchsen infolge weiterer 
Zusammenziehung des erkaltenden Erdkerns so gewaltig, daß die 
Emporfaltung der Alpen begann. Dadurch verlor das Mittelwider- 
lager, die vindelizische Masse , die Verspreizung zwischen den zwei 
Gewölben und sank wieder ein weiteres Stück zur Tiefe : Oligocänes 
Meer überflutete Teile von Oberschwaben und Oberbayern. Die süd- 
deutsche Tafel aber verlor ihr südöstliches Widerlager und brach 
ihrerseits als eine im allgemeinen nach Südost geneigte Platte ein : 
üntermiocänes Süßwasser und mittelmiocänes Meer drangen bis auf 

'* Kraijz, (ieol. Gesch. Ulm. S. 180—188. 
'« Tornquist, 1. c. S. 502. 

■" E. Fr aas, Bildung der jiorm. Trias. 1899, S. 8—24. — Kranz, 1. c. 
S. 178. 



— 111 — 

den Südrand der Alb hinauf vor, das Meer überschwemmte den 
letzten etwa noch vorhanden gewesenen Rest vindelizischen Landes. 
Der spätere Rückzug dieses Meeres erfolgte durch große Einbrüche 
in anderen Gegenden der Erdoberfläche. 

„Wenn auch kein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der 
Absenkung des Trias- und Juragebiets in Franken und Schwaben 
und zwischen den Alpen besteht, so kann man beide Phänomene doch 
nicht als unabhängig voneinander betrachten. Wer überhaupt die 
Existenz alter Massen im Untergrund der oberschwäbischen und ober- 
bayrischen Hochebene zugibt , muß diese ebenso wie die alte böh- 
mische Masse als die Pfeiler anerkennen, an denen sich die Gewalt der 
Alpenfaltungen brach ^^" Diese Faltungen konnten die widerstands- 
fähigen, harten kristallinischen Gesteine jener Pfeiler nicht mitmachen. 
Jedenfalls war auch der sardisch-korsische Granitzug ein solcher 
Pfeiler, nur scheinen hier die Verhältnisse etwas verwickelter zu liegen, 
da sich zwischen ihn und den gefalteten Appennin das Tyrrhenische 
Meer schiebt. Ich möchte der Erwägung anheimstellen, ob sich nicht 
auch dieser Granitzug ebenso wie Schwarzwald , Vogesen und böh- 
mische Masse als stehengebhebener Horst auffassen läßt, der dem Ab- 
sinken seiner Umgebung nur wenig gefolgt ist, im Gegensatz zu der 
Anschauung, daß jüngere eruptive Nachschübe die alten Tiefengesteine 
in die Höhe gedrückt haben sollen, in eme Höhenlage, in der man 
sie sonst nicht erwarten könnte'''*. Sind doch auch im Gebiet des 
Schwarzwalds und der Vogesen jüngere Intrusionen zu verzeichnen '"°, 
es wird aber wohl niemand diesen ganz lokalen Erscheinungen 
hebende Kraft in dem Maße zuschreiben wollen. Sie lassen sich am 
einfachsten im Gefolge tektonischer Vorgänge erklären, und Schwarz- 
wald und Odenwald z B. sind keinenfalls gehoben worden, sondern 
folgten der absinkenden Bewegung in entgegengesetztem Sinne wie 
ihre Umgebung, im Norden stärker wie im Süden. Die Annahme 
vertikaler Hebungen so großer Erdschollen und in solchem Ausmaß 
entgegen der Schwerkraft erscheint mir viel weniger verständlich 
als das Einsinken ihrer Umgebung mit der Schwerkraft und die Ver- 
kürzung des Erddurchmessers um mindestens 4 km seit der Jurazeit. 

Gegen Anfang des Obermiocän begann die zweite Hauptfaltung 
der Alpen , und ungefähr gleichzeitig fanden die vulkanischen Er- 



'8 Kranz, 1. c. S. 190. — Vergl. auch Suess, Antlitz d. Erde, I. S. 221. 
1^ Tornquist, 1. c. S. 506. 

^'^ Steinmann u. Gräff, Gool. Führer Freibnrg. S. 135. — Benecke etc., 
Geol. Führer Elsaß. 1900, S. 62. 



— 112 — 

scheinungen im Ries, im Steinheimer Becken, in den Vulkanembryonen 
der Alb, im Hegau und Kaiserstuhl statt. Bald nachher erfolgte 
der Abbruch des süddeutschen Tafelgebirgs in der Donaulinie ^\ 
Hier erblicke ich eine Fortsetzung der Erscheinungen bei der ersten 
Haupt-Alpenfaltung. Vermutlich schon damals hatten sich in ab- 
geschnürte Teile des Hohlraums unter der süddeutschen Tafel peri- 
pherische Magmaherde ergossen, unter Sprengung des wenig wider- 
standsfähigen halbelastischen Untergrundes jenes Hohlraums. Mit 
der zweiten Emporfaltung der Alpen verminderte sich wieder der 
Seitendruck auf die süddeutsche Tafel, die bis dahin noch verspreizt 
gewesenen Gewölbeteile brachen ein und vermehrten die Spannung 
des darunter befindlichen peripherischen Magmas durch ihr Eigen- 
gewicht. Unter neuen lokalen tektonischen oder durch vulkanische 
Kraft gebildeten Spalten und an Stellen, wo die peripherischen Herde 
der Erdoberfläche am nächsten lagen , war der Schichtendruck am 
geringsten, hier entstanden also Vulkane, Lakkolithe oder Vulkan- 
embryonen, und lokal tektonische Störungen als Folgen vulkanischer 
Erscheinungen. In der Linie endlich, wo das ehemalige Widerlager 
nach Beendigung dieser Faltungsperiode nachgab, in der Donaulinie, 
fand der Abbruch statt. 

Faßt man den Zusammenhang zwischen den großen tektonischen 
Vorgängen und der Entstehung der Vulkane etc. in dieser Weise auf, 
dann stehen selbst die Vulkanembryone der Alb, die vulkanischen 
Erscheinungen des Ries und der Lakkolith des Steinheimer Beckens 
in keinem Widerspruch zur Hauptregel der Theorie von Süess, 
daß sich vulkanische Erscheinungen stets auf tektonische 
Bewegungen der Erdrinde zurückführen lassen. Ebenso 
natürlich erscheint mir der Grundgedanke in der Erdgeschichte : 
Allmähliches Absinken gewaltiger Erdschollen, vereinzelte 
Hebung kleiner Gebiete, langsame Verkürzung des Erd- 
durchmessers, alles infolge Zusammenschrumpfens des 
Erdkerns. Indessen auch hier wird die Entscheidung einer spätem 
Zeit vorbehalten bleiben, den sichern Beweis können nur die Re- 
sultate der Erdgeschichte ausgedehnter, jetzt noch nahezu un- 
erforschter Gebiete unseres Planeten erbringen. 

November 1905. 



21 Kranz, 1. c. S. 197. 



Einwägung von Festpunkten an der Linie 
Böblingen — Lustnau, Sommer 1902. 

Mit 14 Figuren. 
Von E. Hammer. 

I. Zweck des Nivellements. 

Der Zweck der hier zu beschreibenden Arbeit ist der, zunächst 
an einer einzelnen Linie festzustellen, ob im Schollenland unserer 
Sedimentärgesteine dauernde vertikale Bodenbewegungen nicht ganz 
lokaler, sondern regionaler Art in nennenswerten und in kürzerer 
Zeit meßbaren Beträgen vorkommen, wie sie in Deutschland für 
verschiedene Gegenden behauptet, aber wohl nur ganz ausnahmsweise 
auf Grund von Feinnivellierungen genügend einwandfrei bewiesen 
worden sind*. 

Dieser Zweck soll durch Wiederholung des Nivellements der 
gewählten Linie in geeigneten Zeitabschnitten verfolgt werden; ich 
hatte mir als Zeitraum zwischen zwei Nivellierungen je 5 Jahre ge- 
dacht, so daß die zweite im Jahr 1907 durchzuführen wäre. Ob 
dies geschieht, vermag ich, da ich seit Sommer 1904 nicht mehr 
Erdmessungskommissär bin, nicht zu sagen. 



* Die geologischen Beweise, die wir in zahllosen großen und kleinen Ver- 
werfungen u. s. f. als „versteinerte Erdbeben" kennen, bleiben hier außer Be- 
tracht. Über die Bestrebungen von P. Kahle im östlichen Thüringen vgl. 
z. B die Andeutungen in meinem Referat in Petermann's Mitteilungen 1903 
Heft XII über Bodenhebungen und -Senkungen in Japan. Den langsamen tek- 
tonischen Veränderungen der Höhenlage der Bodenoberfläche in Schollenländern 
stehen in Gebieten mit reger jungvulkanischer und seismischer Tätigkeit auch 
gewaltsamere Änderungen gegenüber, von denen einzelne durch feine Messungen 
genügend sichergestellt sind; z. B. wurden im Bezirk Nö-Bi in Japan als Folge 
dys Erdbebens vom 28. Oktober 1891 Hebungen des Bodens bis zu 0,8 m und 
Senkungen bis zu 0,4 ra mit Sicherheit nachgewiesen (Mitteilungen von 
M. Sugiyama in Tokyo auf der Erdmessungskonferenz in Kopenhagen 1903, 
über die a. a. 0. berichtet ist). 

Jahreshefte d. Vereins f. vaterl. Naturkunde in Württ. 190i;. 8 



— 114 — 

Der Plan des Nivellements, die Herstellung der Festpunkte und 
die erstmalige Messung wurde vom K. Ministerium des Kirchen- und 
Schulwesens unter Übernahme der Kosten auf die Mittel der württem- 
bergischen Erdmessungskommission 1901 genehmigt; in dem ge- 
nannten Jahr wurden auch noch die Festpunkte hergestellt, die erste 
Einwägung konnte aber erst im Sommer 1902 ausgeführt werden. 

Als zu nivelUerende Linie wurde die Straße von Böblingen über 
Holzgerlingen, Schaichhof, Stelle, Bebenhausen nach Lustnau gewählt 
(Böblingen— Stelle : Straße No. 84, Stelle— Lustnau : Straße No. 83 
nach der Bezeichnung der K. Straßenbauverwaltung) ; eine solche 
Linie durch den Schönbuch schien mir vor allem in Frage zu kom- 
men, weil gerade dort für zahlreiche Punkte starke Vertikalbewegungen 
des Bodens mehrfach behauptet worden sind (Anssichtsänderungen 
in der Umgebung von Schönaich usw.). 

Untersuchungen auf Grund vorh and en er Einwägungen, Ver- 
gleichungen neuer mit bereits früher festgestellten Zahlen, sei es an 
Strecken des Präzisionsnivellements der früheren Gradmessungskom- 
mission \ sei es an Strecken des z. T. neuen Eisenbahnnivellements ^, 
haben keinen Wert, weil diese Nivellierungen an sich zu wenig genau 
sind (infolge ungenügender Feststellung der Länge des Lattenmeters) 
und weil die „Festpunkte" der meisten dieser Nivellementslinien, 
soweit sie bei den Gradmessungsnivellierungen noch vorhanden sind, 
zu wenig gut versichert waren. 

Untersuchungen von der Art der von Vogler und neuerdings 
von Schumann angestellten (über die periodischen Veränderungen der 
Richtung der Lotlinien in Punkten eines kleinen Gebiets) gehören 
nicht in das Programm der hier zu beschreibenden Arbeit ; ich 
glaubte deshalb auch nicht die von diesen Beobachtern erreichten 
außerordentlich kleinen mittleren Kilometerfehler anstreben zu sollen: 



' Ergebnisse in : Publicatiou der K. Wiirttembergischen Commission für 
Europäische Gradmessung. Präcisions-Nivellement. Ausgeführt unter der Leitung 
von Professor Dr. von Schede r. Ausgeglichen von demselben (veröffentlicht 
von Professor Groß). Stuttgart 1885. Über die Art der Messung (1868—1878) 
und Ausgleichung vergl. die Berichte von Schoder in den Generalberichten der 
Europäischen Gradmessung, besonders 1879. 

^ Kgl. Generaldirektion der Wiirttembergischen Staatseisenbahnen. Ver- 
zeichnis der an den Württembergischen Staatseisenbahnen angebrachten Höhen- 
punkte mit Angabe der Höhen über Normal-Null. Stuttgart 1895 (nach den vom 
Bautechnischen Bureau der Kgl. Generaldirektion in den Jahren 1887/94 aus- 
geführten Nivellements). Dazu: Nachtrag I von 1905. Über die Art der Messung 
geben die , Vorbemerkungen" S. I— VIII Auskunft. 



— 115 — 

bei den letzten Nivellierungen von Vogler (Eggert) mit Hilfe des 
VoGLER'schen Kathetometernivellierinstruments und seiner Stahllatten, 
in Westend bei Charlottenburg auf einem Gelände mit sehr kleinen 
Höhenunterschieden, ist der mittlere Fehler des einfachen Nivellements 
der Strecke 1 km mehrfach auf etwa 7-* n^i» gesunken (vergl. über 
diese Einwägungen und ihre Instrumente die drei Mitteilungen in 
der Zeitschrift für Vermessungswesen^*^ und meine zwei 
Referate in^^; und Schumann hat^gar an seinem „Pfeilernivellement" 
(Punkte auf fest fundierten Steinpfeilern, sehr nahe in derselben 
Höhe liegend, so daß für die „Nivellierlatte" die Form einer nur 
wenige Zentimeter langen Milchglasskale genügt, auf dem Telegraphen- 
berg bei Potsdam) den mittlem Kilometerfehler auf ^/lo mm herab- 
gedrückt; vergl. ^ und mein Referat in ^. Vielmehr sollte bei der 
heute auch für ein Nivellement im Hügelland mit einfachen Mitteln 
erreichbaren Genauigkeit von etwa + ^U oder ± 1 mm pro Kilo- 
meter für unser neues Nivellement stehen geblieben werden. 

Eine sehr hohe Genauigkeit war nämlich bei diesem Nivellement 
Böblingen — Lustnau schon durch die zu überwindenden beträchtlichen 
Höhenunterschiede ausgeschlossen, über die hier zunächst ein Über- 
blick gegeben sein mag. Vom Bahnhof Böblingen mit rund 438 m 
(Bahnsteig) erhebt sich die Straße nach Holzgerhngen bei Km 3 -f- 320 
auf etwa 517 m, also um rund 80 m; bei Holzgerlingen (tiefster 
Punkt etwa bei Km 5 -{- 630) sinkt das Profil wieder auf rund 
472 m, etwa 45 m vom höchsten Punkt aus ; bei Km 7 -f- 600 wird 
wieder 512 m erreicht, am Übergang der Straße über die oberste 
Schaich bei Km 9 + 060 ist die Höhe 486 m, bei Km 10 512 m, 
von dort mit kleinen Unregelmäßigkeiten langsame Senkung bis zu 
483 m bei der ,. Kälberstelle" oder „Stelle", Km 13 + 349 m, Ein- 
mündung der Straße 84 in die Staatsstraße 83. Bis hierher sind 
also zwischen höchstem und tiefstem Punkt nicht über 80 m Höhen- 
unterschied vorhanden. Die Staatsstraße No. 83 senkt sich nun 
aber von der „Stelle" an in regelmäßigem Gefäll sehr stark nach 



=• Jahrgang 1898 (Bd. 27) S. 385. 

* Jahrgang 1902 (Bd. 31) S. 1, 32. 

^ Jahrgang 1905 (Bd. 34) S. 13, 38, 57, 73. 

ß Zeitschrift für Instrumentenkunde, Jahrgang 1902 (Bd. 22) S. 254. 

■ Ebenda, Jahrgang 1905 (Bd. 25) S. 248. 

* Schumann, Ergebnisse einer Untersuclmng über Veränderungen an 
Höhenunterschieden auf dem Tolegraphenberge bei Potsdam. Veröifentlichung 
des Kgl. Geodätischen Instituts No. 14. Berlin 1904. 

» Zeitschrift für Instrumentenkunde, .Tahrgang 1905 (Bd. 25) S. 180. 

8* 



— 116 — 

Bebenhausen hinab und führt von dort mit geringem Gefäll, dem 
Goldersbachtal folgend , ins Neckartal hinaus ; bei Bebenhausen am 
Gasthaus zum Waldhorn ist die Höhe rund 355 m, 130 m geringer 
als an der Kälberstelle, auf etwa 5,7 km horizontale Strecke. Von 
hier bis zum Gasthaus zum Adler in Lustnau fällt die Straße auf 
fast 3 ','2 km Länge nur noch auf rund 320 m, also um etwa 35 m 
(durchschnittlich 1 °/'o) und von dort bis zum Abschlußpunkt der 
Nivellementslinie am Haltepunkt Lustnau der obern Neckarbahn 
(Wärterhaus No. 50) ist nur noch ein Gefäll von wenigen Metern 
vorhanden. Die ganze nivellierte Strecke ist rund 25 km lang. 

II. Festpunkte. 

1. Auswahl. Dem Zweck des Nivellements entsprechend sind 
die Höhenfestpunkte nahe beisammen: sie folgen sich in Entfernungen 
von 0,4 bis 1,0 km, durchschnittlich 700 bis 800 m. Diese Ent- 
fernungen gelten für die Strecken zwischen zwei Punktepaaren; 
es sind nämlich nicht, wie die Zahlen 25 km Gesamtlänge und '^U km 
Durchschnittsentfernung anzudeuten scheinen, nur etwa 33 Höhen- 
festpunkte vorhanden, sondern 66, mit fortlaufender Nummer be- 
zeichnet (s. u.), 1 in Böblingen, 66 beim Haltepunkt Lustnau. ^'on 
diesen 66 Punkten sind allemal zwei zu einem Paar vereinigt, indem 
sie ganz geringe Entfernungen, vielfach nur 10 m (und gelegentlich 
noch etwas weniger), 15 m oder 20 m (einige Mal auch noch etwas 
größere Entfernungen) unter sich aufweisen ; die genauen Zahlen 
gibt das folgende Verzeichnis. An den beiden Komponenten eines 
solchen Punktepaars soll für die Zukunft sofort erkannt werden, 
ob eine kleine Veränderung der Höhe des einen Punkts nur als 
ganz lokale Erscheinung an diesem Punkt anzusehen ist oder in 
ungefähr demselben Betrag auch den zweiten Punkt betroffen hat. 
Die Anordnung in schematischer Skizze, in der die Festpunkte einfach 
durch Punkte bezeichnet sind, ist also die untenstehende (Fig. 1). 



Strasse 



K - 7S0jTh. ". 

Fig. 1. 

Wie schon angedeutet, schwankt die Entfernung zwischen zwei 
Punktepaaren, die durchschnittlich etwa 750 m beträgt, zwischen 
ziemlich weiten Grenzen : es ist bei der Auswahl der Punkte beachtet. 



— 117 — 

daß die geognostischen Grenzen erfaßt wurden. Einige wenige 
Punkte sind absichtlich in einen Grund gelegt, der lokale Ver- 
änderung ihrer Höhen mit Sicherheit erwarten läßt; es sind besonders 
(vergl. die unten folgende Angabe der Lage aller Punkte) die Punkte 
1 , 2 , die in dem aufgefüllten Boden zwischen den zwei Böblinger 
Seen liegen, und die Punkte 23, 24 am Übergang der Straße Nr. 84 
über das obere Schaichtal, in offenbarem Rutschgelände. 

Außer den 66 bisher erwähnten , auf sogleich näher zu be- 
schreibende Art durch den Kopf von vernickelten Stahlbolzen be- 
zeichneten Festpunkten kommen für das Nivellement nur noch in 
Betracht die bereits zuvor vorhandene Höhenmarke 439,221 m N.N. 
am Verwaltungsgebäude (Betriebsgebäude) des Bahnhofs Böblingen 
(S. 35 der Schrift ^), die im folgenden stets als Punkt H bezeichnet 
sei, ferner ein neuer horizontal eingemauerter Bolzen an der obern 
Ecke (gegen die Straße, Sockelmauer, oberste Schicht, Mitte des 
Quaders) an dem Rathaus in Holzgerlingen zwischen den Punkte- 
paaren 13, 14 und 15, 16, der im folgenden C heißt, endlich (neben- 
sächlich, s. u.) der, wie H, bereits vorhandene Höhenbolzen am 
Bahnwarthaus Nr. 50 (Haltepunkt Lustnau, Seite gegen Reutlingen, 
Sockelmauer) der obern Neckarbahn , dessen N.N.-Höhe in der 
Publikation- S. 40 zu 315,899 angegeben ist; dieser Punkt heißt 
im folgenden L. Weitere Höhenfestpunkte an Gebäuden sind weder 
in Böblingen noch in Holzgerlingen, Bebenhausen oder Lustnau an- 
gebracht, oder soweit bereits vorhanden, benützt. 

2. Herstellung der Festpunkte. (Juni 1901.) Für die (ab- 
gesehen von C) 66 neu herzustellenden Höhenfestpunkte war vor 
allem dafür zu sorgen , daß sie ihrem Namen möglichst gerecht 
werden , d. h. möglichst lange Dauer versprechen. In dieser Be- 
ziehung sind die früher als Festpunkte angesehenen Punkte der 
Linien des Präzisionsnivellements der Gradmessung (vgl. ^) vielfach 
ungenügend gewesen. Bereits im Jahr 1890, bei der ersten Auf- 
stellung eines Programms für neue Nivellementshnien von der Art 
der hier zu beschreibenden, hat der Verfasser beabsichtigt, die Fest- 
punkte, schon um sie der mutwilligen oder fahrlässigen Beschädigung 
möglichst zu entziehen, ganz in den Boden hineinzusetzen 
und völlig zu überdecken, so daß sie bei jeder Benützung 
erst aufgedeckt werden müssen. 

Die neuen Punkte sind als (abgerundete) Spitzen von Stahl- 
bolzen, die als Rostschutz im obern Teil vernickelt und in einen 
starken Betonklotz eingelassen sind, hergestellt. Der Betonklotz hat 



118 - 



F.rdcA 




%^^ 


Ba - 
Smvd — -"" 




\ ^ ' 


JTo — 


m 





Beton 



im allgemeinen 80—90 cm Höhe: seine Basis sitzt mit Rücksicht 
auf mögUchste Frostsicherheit 1,25 m unter dem Boden, mehrere 
sind tiefer fundiert, nur zwei weniger tief, weil man bei ihnen ins 
feste Gestein hineinkam. Man wird damit überall sicher sein, kein 
Heben der Festpunkte durch den Frost befürchten zu müssen. Das 

für den Betonkörper ausge- 
"^"^"•-^nf^ hobene Loch von 1,25 m 

Tiefe ist oben 35 — 40, unten 
meist noch 15 — 20 cm weit 
(ziemlich wechselnd je nach 
Bodenbeschaffenheit , Ge- 
lände , Punkt an Böschung 
u. s. f.) ; es ist mit sorgfäl- 
tig zubereitetem Kiesbeton 
(Neckar-Sand und -Kies von 
Tübingen, langsam bindender 
Portlandzement von Schiffer- 
decker [Mannheimer Portland- 
Zement-Fabrik] in Mannheim, 
Mischungsverhältnis 1 Teil 
Zement auf 6 — 7 Teile Sand 
und Kies) zunächst etwa 
50 cm hoch in mehreren stark 
festgestampften Lagen gefüllt 
worden ; hierauf wurde der 
Stahlbolzen (s. u.) Bo ein- 
gesteckt , gut festgedrückt 
und weiter mit Beton fest umstampft, bis die ganze Höhe des Beton- 
klotzes vom Boden der Grube aus etwa 80 — 85 cm betrug, vgl. Fig. 2. 
Aus der Oberfläche des Betonkörpers ragt der Stahlbolzen 3 cm 
oder etwas darüber, gelegentlich bis 5 cm hervor. Der Bolzen- 
kopf ist zunächst mit einem hohlen Viertelstein F (etwa 10 cm 
hoch) überdeckt, und auf diesen ist ein gewöhnhcher Backstein 
gelegt. Beide sind mit einigen Schaufeln Sand umfüllt, die Grube 
wurde dann endlich mit einem Teil des ausgehobnen Materials 
vollends aufgefüllt und mit Rasenstücken flach überdeckt. Der in 
den Betonkörper eingelassne Bolzen ist aus Stahl, 25 cm lang; er 
ist unten aufgehauen und die beiden Hälften sind auseinandergebogen 
(vgl. Fig. 3). Der Durchmesser des Schafts ist 20 mm, der Kopf 
ist oben nach einem Krümmungshalbmesser von einigen Millimetern 



Off 0,7 0,3 og 



Ym. 2. 



119 — 



abgedreht. Zum Schutz des aus dem Beton vorstehenden kurzen 
Stücks des Bolzens sind die oberen 10 cm vernickelt. Leider ist 
diese Vernicklung, entgegen der Versicherung des Verfertigers der 
Bolzen, Mechaniker Brändle am elektrotechn. Institut der Techn. 
Hochschule Stuttgart, nicht genügend stark und damit widerstands- 
fähig ausgefallen (vgl. u.) ; es wäre doch vorzuziehen gewesen, Bronze- 
bolzen zu verwenden, wie ich es zuerst im Sinn hatte. 

Die Herstellung der Festpunkte, Betonkörper mit eingesetzten 
vernickelten Stahlbolzen, war dem Straßenmeister Bröckel in Böb- 
lingen übertragen, zu dessen Verwen- 
dung die K. Straßenbauverwaltung 
ihre Genehmigung erteilt hatte, wie 
diese Behörde auch die Erlaubnis zur 
Herstellung der Festpunkte auf ihrem 
Areal (Seitenstreifen der Straßen 83 
und 84 ; die erste gehört in den Be- 
zirk der Straßenbauinspektion Cann- 
statt, die zweite in den der Straßen- 
bauinspektion Eeutlingen) gegeben 
hat. (Erl. d. Minist. Abt. für den 
Straßen- und Wasserbau vom 15. Mai 
lüOl.) Die Gruben für die Beton- 
körper wurden durch drei darin sehr 
geschickte Telephonarbeiter ausge- 
hoben, die auf mein Ansuchen die K. Telegrapheninspektion zur Ver- 
fügung gestellt hatte ; bei der auf dem Fuß folgenden Herstellung der 
Betonkörper sind zwei Straßenwarte und zwei Betonarbeiter ver- 
wendet worden. Den genannten Staatsbehörden sei auch hier noch- 
mals geziemender Dank ausgesprochen, ebenso ihren Beamten 
(Straßenbauinspektion Cannstatt, damals i. V. Bauinspektor Mederle, 
Straßenbauinspektion Reutlingen, damals Bauinspektor Kübler) und 
Arbeitern. Die ganze Arbeit (66 Punkte auf der 25 km langen 
Strecke) ist in 3 Tagen, wovon der letzte unausgesetzten Regen 
brachte, in jeder Beziehung befriedigend ausgeführt worden (begonnen 

21. Juni 1901 in Lustnau in Anwesenheit des von mir instruierten 
Hilfslehrers Prof. Haller) , Punkte 66 bis 48 ; am Nachmittag des 

22. Juni , Punkte 28 bis 19 (unfern des Schaichhofs) und am N.M. 
des 24. Juni, Punkte 6 bis 1 war der Verfasser zugegen. Erwähnt sei 
noch, daß bei den Punkten 66 bis 37 der den Stahlbolzenkopf um- 
gebende hohle Viertelstein unmittelbar auf den Kopf des Betonklotzes 




— 120 — 

gestellt wurde; da ich befürchtete, der Viertelstein werde anziehen 
und beim Aufdecken des Bolzens losgeschlagen werden müssen und 
zerbrechen, wurde bei den Punkten 36 bis 1 auf den Betonklotz 
erst etwas loser Sand aufgeschüttet und auf diesen der Yiertelstein 
gestellt; doch hat sich bei einer Revision einiger Festpunkte (56, 52, 
46, 42, 38, 36) Ende September 1901 bei meiner Rückkehr von 
einer Messung in Tübingen jene Befürchtung nicht bestätigt, wohl 
aber zeigte sich schon damals bei einzelnen der aufgedeckten Punkte 
die Spitze des Bolzens von der Feuchtigkeit angegriffen (Vernicklung 
nicht genügend), s. u. Härtere Gesteinsschichten im Untergrund 
der Festpunkte haben sich nur bei wenigen gezeigt; bei Punkt 5 
und 6 am Bierkeller nahe bei Böblingen wurden eine Anzahl der 
ziemlich lockern Stubensandsteinschichten durchstoßen, so daß auch 
hier die Grube die Tiefe 1,25 m erhalten konnte, während bei den 
Punkten 15 und 16 auf der Holzgerlinger Hochebene sich bald eine 
harte Lias a-Bank zeigte, auf die der nur bis zur Tiefe von etwa 
90 cm unter Bodenoberfläche hinabreichende Betonklotz gestellt 
wurde. In einigen der Gruben für die Punkte im Goldersbachtal 
zwischen Bebenhausen und Lustnau haben sich größere Findhnge 
(Gerolle) gezeigt, doch sind alle dortigen Gruben bis zur Normaltiefe 
von 1,25 m abgesenkt worden. In fast allen andern Gruben war 
das zu durchsinkende Gestein harter Lehm oder Mergel. Wasser 
wurde in den Gruben angetroffen nur bei einigen Punkten im 
Goldersbachtal, ferner bei den Punkten 41 und 42 oberhalb Beben- 
hausen , endlich bei 29 und 30 im Wald zwischen „Stelle" und 
Schaichhof. Doch war anzunehmen, daß bei keinem der Punkte die 
Güte der Versicherung unter diesem Umstand notleide. Die Punkte 
3 und 4 endlich unweit Böblingen liegen hart neben dem Straßen- 
graben, der sich selbst bei geringem Niederschlag mit Wasser füllt; 
doch waren die Gruben beider Punkte (Sohle 70 cm unter der 
Grabensohle) am Abend des 24. Juni 1901 (mit sehr großem Nieder- 
schlag den ganzen Tag, so daß der Graben völlig gefüllt war) ganz 
trocken. 

Zu erwähnen ist hier endlich noch die Einrichtung zum leichten 
Auffinden der Festpunkte. Es ist, einige Wochen nach Herstellung 
der Festpunkte, in der Nähe jedes Betonkörpers ein Markstein gesetzt 
worden. Diese Steine, aus Dettenhäuser Stubensandstein, tragen 
auf der der Straße zugewandten Seite die fortlaufende Nummer 1 
bis 66, auf der gegenüberhegenden Seite ist eine Zahl, meist 1,0 m, 
in wenigen Fällen 0,5, 0,6, 0,8 m, ferner 1,5 bis 2,8 m, einmal 



— 121 — 

4,1 m eingehauen, die angibt, in welcher Entfernung, normal 
zur Richtung der Straßenkante oder Grabensohle, man 
von der Stein mitte aus auf die Mitte der den Beton klotz 
enthaltenden Grube trifft. Überall ist der Versicherungs- 
und Aufsuchungsmarkstein zwischen den Festpunkt und die 
Straße gesetzt, d.h. es ist vom Markstein aus von der Straße 
weg die angegebne Entfernung abzumessen, um auf den Beton- 
körper mit dem Festpunkt zu kommen, womit über die Richtung 
der auf dem Markstein angegebenen Strecke kein Zweifel ist. Eine 
Ausnahme kommt nur vor bei den Marksteinen der Punkte 13 
und 14 am Anfang (von Böblingen aus) des Dorfs Holzgerlingen ; 
die Steine stehen hier, von der Straße aus gesehen, hinter den 
Festpunkten. Die Marksteine sind nicht besonders fundiert, sie 
.stecken meist nur 20 — 30 cm im Boden ; ihre sorgfältige Erhaltung 
ist den Straßen warten und Straßenmeistern (1901/02 Bröckel in 
Böblingen für die Strecke Böblingen — Stelle, Straße No. 84, und 
RucKGABER in Reutlingen für die Staatsstraße No. 83) zur Pflicht 
gemacht; die Punkte 63 bis 66 vom Dorf Lustnau zur Haltestelle 
Lustnau liegen nicht an der Staatsstraße (vgl. das unten folgende 
Verzeichnis*). 

3. Verzeichnis (Lage) der Festpunkte. In dem folgenden 
Verzeichnis ist die Lage der einzelnen Festpunkte (von H und L 
abgesehen) gegen die Hektometersteine an den Straßen Nr. 84 und 
83 angegeben**. 

Wie die Punkte zu Paaren zusammengehören, 1, 2; 3, 4; . . . 
65, 66, zeigt sich nach dem in H, 1 Gesagten unmittelbar in den 
Entfernungen : die zwei Punkte eines Paars in Entfernung von 10 m 
u. dgl. voneinander, zwischen ie zwei Paaren durchschnittlich ^,'4 km ; 
die Bezeichnung rechts oder links von der Straße bezieht sich 

* Der Verfasser muß liier wiederholen, daß er nicht mehr Erdmessungs- 
kommissär ist, also auch keine Verantwortung für die Erhaltung der Fest- 
punkte u. s. f. mehr hat. 

** Dabei ist für etwaige spätere Benützung der Akten zu bemerken, daß an 
der Staatsstraße Nr. 83, Stuttgart— Tübingen, in der hier in Betracht kommenden 
Strecke Stelle — Bebenhausen —Lustnau , kurz nach Herstellung der Festpunkte, 
nämlich im August und September 1901, eine neue Längeneinteilung durch- 
geführt wurde. Die erste Einmessung und Bezeichnung der Lage der Punkte 
gegen die Hektometer ist also jetzt nicht mehr zutreffend. Die in die folgende 
Tabelle aufgenommenen Zahlen beziehen sich auf den neuen (z. Z., 1905, noch 
vorhandnen) Stand. An der Straße 81, Böblingen— Stelle, ist 1901/05 keine 
Veränderung der Bezeichnungen u. s. f. eingetreten. 



122 



Tabelle 1. 

Verzeichnis der Festpunkte an der Nivellementslinie Böblingen 
gerlingen — Bebenhausen— Lustnau. 



Holz- 



Fest- 
punkt 



Straße 



Links 
oder 
rechts 

der 
Straße 



Genäherte Ent- 
fernung nach den 

an der Straße 
I stehenden Km- 
I und Hm-Steinen 



Abstand [ 
zwischen 

Festpunkti 
und 

Markstein! 



Bemerkungen 



1 

84 





r 


» 


— 


r 


„ 


— 


r 


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1 


- ' 


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1 


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T. 




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1 


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l 






1 




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1 


_ 


" 




r 


l 


1 




,. 


1 


— 






r 


i .. 


1 
1 


r 



+ 388 

+ 398 

1 +019 
1 +031 

1 +917 

1 + 926 

2 + 870 

2 + 880 



5 + 600 



6 + 627 

6 + 645 

7 + 339 

7 + 350 

8 + 091 
8 + 102 



1,0 
1,0 
1,5 
1,5 

1,0 
1,0 



1,0 
1,0 



3 ^- 462 


0,5 


3 + 473 


0,5 


4 + 360 


1,0 


4 + 375 


1,0 


5 + 179 


0,5 


5 + 194 


0,5 



0.5 
0,5 
0,5 
0,5 

2,0 
2,0 



Zwischen den Seen in Böb- 
lingen, l'/2 m vom Zaun. 

Vor und nach dem Steinlager- 
platz jenseits des Grabens. 

Oberhalb des Lagerplatzes 
wenig außerhalb vom 
Bierkeller. 

Hinter dem Lagerplatz, 
(4rund und Boden der 
Stadtgemeinde Böblingen 
gehörig. 

Am Waldrand. 



An der Vorgartenmauer der 
Weberei am Eingang in 
Holzgerlingen (Sommer 
1901 erstes Haus); die 
]^Iarksteine sitzen , von 
der Straße aus gesehen, 
jenseits der Festpunkte. 

Messingbolzen an der obern 
(N.W.) Ecke des Rat- 
liauses in Holzgerlingen, 
obere Schicht der Sockel- 
mauer, Mitte des Quaders, 
bündig mit der Wand. 



Grund und Boden der Kgl. 
Domänenverwaltung ge- 
hörig (Schaichhof). 



- 123 



Abstand 
zwischen 



Fest- 
punkt 



Straße 



Links i Genäherte Ent- 
oder fernung nach den !?„„.„,,„,,. 
an der Straße T ''„?""''* 
stehenden Km- j 
und Hm-Steinen 



rechts 
der 

Straße 



und 
Markstein 



Bemerkungen 



m 





r 


— 


r 


1 


— 


1 


— 


1 

1 


- 




r 


1 

1 


r 




r 

r 


— 


r 


— 


r 


1 


_ 


— 


r 



8 + 676 

8 + 688 

9 + 110 
9 + 121 
9 + 965 
9 + 981 

10 + 761 

10 + 776 

11 + 445 

11 + 460 

12 + 189 
12 + 204 
12 + 908 

12 + 923 

13 + 333 
13 + 340 



1,0 
1,0 

1,0 
1,0 
1,5 
1,5 
1,0 
1,0 
1,0 
1,0 
1,0 
1,0 
1,0 
1,0 

1,0 
1.0 



Wie bei 19, 20; etwas unter- 
halb des Schaichhofs. 

Am Fuß der Böschung, im 
Rutschgelände. 

Hinter der Böschung. 



Beim ^weißen Stein' 



Vor der Einmündung der 
Staatsstraße Nr. 84 in die 
Staatsstraße Nr. 83 bei der 
Kälberstelle. 



1 

1 


- 




r 


— 


r 


_ 


r 


- 


r 


— 


r 


— 


r 


1 


— 


1 


— 


— 


r 


— 


r 


— 


r 


— 


r 



30 + 805 

30 + 837 

31 + 502 

31 + 516 

32 + 204 
32 + 218 
32 + 947 

32 + 958 

33 + 729 

33 + 743 

34 + 469 

34 + 481 

35 + 167 
35 + 180 



0,5 
0,5 
1,0 
1,0 

2,8 
2,4 
2,6 
2,6 
0,6 
0,6 

4,1 

4,1 

1,0 
1,0 



Die Längenzahlen an der 
Staatsstraße Nr. 83 be- 
ziehen sich auf die seit 
Herbst 1901 vorhandne 
neue Bezeichnung der 
Km- und Hm- Steine. 



Bei der Einmündung der 



steige). 



* Zwischen 50 und 51 befindet sich am Waldhorn in Bebenhausen (am 
Eingang links) eine eiserne Höhenmarke des Kgl. Statistischen Landesamts, die 
jedoch beim Nivellement nicht mitgenommen wurde. 



124 



!:i st-ße 


Links 
oder 

rechts 
der 

Straße 


Genäherte Ent- ll^ltl 


B e m e r k u n g e n 


51* 

52 

53 

54 

55 

56 

57 

58 

59 

60 

61 

62 


83 


1 
1 


r 
r 
r 
r 
r 
r 
r 
r 

r 
r 


35 + 932 

35 4- 950 

36 + 551 

36 + 565 

37 + 278 
37 + 291 
37 + 909 

37 + 923 

38 + 649 

38 + 662 

39 + 179 
89 + 189 


0,8 1 Rechts vom Gehweg an der 
0,8 / Böschung unten. 

'„ ! Rechts vom Gehweg. 

08 

Q^g J Wie bei 53, 54. 

' \ Rechts im Bankett. 
U,0 } 

1,0 ) 

1,0 / 

1,0 \ In der Nähe des Gasthauses 

1,0 i zum Adler in Lustnau. 


63 
64 

65 
66 


s. Bem. 
s. Bem. 


1 

1 

1 
1 


- 


s. Bemerkung 

4 + 000 
4 + 010 


1,0 
1,0 

1,0 
1,0 


Am Mühldammweg, 50 und 
60 m von der Ailesbrücke 
gegen die Neckarbrücke 
zu; Gelände ist Eigentum 
der Gemeinde Lustnau. 

An der Nachbarschaftsstraße 
Tübingen-Kirchentellins- 
furt; Grund und Boden 
Eigentum der Gemeinde 
Lustnau. 



auf die Richtung von Böblingen über Holzgerlingen , Schaichhof, 
Stelle, Bebenhausen nach Lustnau. Das Punktepaar 1, 2 befindet 
sich in der Nähe der Böblinger Seen ; in Böblingen beginnt das 
Nivellement am Punkt H am Bahnhof (vgl. II, 1). Das Punkte- 
paar 65 , 66 liegt unweit der Haltestelle Lustnau der Neckarbahn. 
Bei jedem Festpunkt ist hier ferner die Entfernung zwischen dem 
Punkt und dem zu seiner Aufsuchung dienenden Markstein angegeben, 
die auf dem Markstein eingehauen ist, vgl. darüber und über die 
Richtung dieser Strecke den Schluß von II, 2. Die Spalte „Be- 
merkungen" enthält endlich allgemeine Notizen über die Lage der 
Punkte u. s. f. 

Um auch noch für den Fall des Verlusts eines der Marksteine 
die Möglichkeit zu haben, den früher durch ihn bezeichneten Bolzen 



- 125 - 
Tabelle 2. 



Nummer 




Nummer 




des 


Z u s t a n d 


des 


Zustand 


Punkts 




Punkts 




1 


Einige Rostflecke. 


28 


Ein Rostfleck. 


2 


Stärker mit Rost überzogen. 


29 


Kleinere Rostflecke. 


3 


Ebenso, noch stärker. 


30 


Stark verrostet. 


4 


Einige Rostflecke. 


31 


Ebenso. 


5 


Wenige Rostflecke. 


32 


Ganz intakt. 


6 
7 


Ebenso. 
Stark verrostet, Rost samt 


33 
34 


j Einige Rostflecke. 




Nickel entfernt. 


35 




8 


Auf einer Seite Rost, auf 


36 






der andern blank. 


37 




9 


Ganz intakt. 


38 




10 


Stark verrostet, bei der Reini- 
gung Vernicklung mit abge- 


39 
40 


Ganz intakt. 




löst. 


41 




11 
12 


j Wenige Rostflecke. 


42 
43 




13 


Seitlich ein kleiner Fleck. 


44 




14 


Stark verrostet. 


45 


Ein Rostfleck. 


15 


Stark verrostet. 


46 


Einzelne Rostflecke. 


16 


Stark verrostet, bei der Reini- 
gung Vernicklung mit abge- 


47 
48 


\ Leicht angelaufen. 




löst. 


49 


Einige Rostflecke, 


17 


Ganz intakt. 


50 


Ganz intakt. 


18 
19 


Wenige Rostflecke. 
Ein starker Rostfleck. 


51 
52 


Einige Rostflecke. 


20 


Stark verrostet, doch läßt 


53 


Ganz intakt. 




sich der Rost leicht ent- 


54 


Stark verrostet 




fernen, ohne die Vernick- 
lung zu beschädigen. 


55 
. 56 


; Ganz intakt. 


21 
22 


Mehrere große Rostflecke. 
Ganz intakt. 


57 
58 


\ Stark verrostet. 


23 
24 


Ganz intakt. 
Stark verrostet. 


59 
60 


1 Ganz intakt. 


25 


Wie 20. 


61 


Gut. 


26 


Stark verrostet. 


62 


Ganz intakt. 


27 


Ebenso. 


Über 63 


3is 66 fehlen genaue Notizen 



leicht wieder zu finden, wurde vom Verfasser dem Beobachter der 
ersten Messung (s. u.) 1902 aufgetragen, die Lage jedes Festpunkts 
gegen Grenzsteine an Eigentumsgrenzen u. dgh feste Punkte, 



— 126 — 

wo solche vorhanden sind, einzumessen und in Fkirkartenabdrücke ein- 
zutragen. Es ist dies jedoch bei nur ganz wenigen Punkten geschehen, 
bei fast allen aus Mangel an Zeit unterblieben. Übringens schützt ja 
die Einrichtung der Punkte paare einigermaßen vor der Möglichkeit, 
nach einem Festpunkt im Fall des Verlusts des zugehörigen Marksteins 
lange suchen zu müssen. Außerdem sollen Beschädigungen der 
Marksteine sofort angezeigt werden, vgl. den Schluß von II, 2. 

Es ist auch bereits in II, 2 angedeutet worden, daß die Ver- 
nickelung der Stahlbolzen trotz der bestimmten Versicherung ihres 
Verfertigers sich z. T. nicht genügend zeigte und schon zu Ende Sep- 
tember 1901 Schäden an den Köpfen einzelner aufgedeckter Bolzen 
wahrgenommen wurden. Es mag gleich hier ein Verzeichnis darüber 
Platz finden, in welchem Zustand die einzelnen Bolzenköpfe bei der 
Ausführung des ersten Nivellements im Juli 1902 angetroffen wurden. 
Wo in diesem Verzeichnis angegeben ist, daß Rostflecke sich zeigten, 
ist die Bemerkung hinzugefügt zu denken : der Rost wurde mit 
Erdöl oder, falls nötig, mit feinem Schmirgel entfernt; vor der 
Wiederbedeckung des Punkts ist jeder Bolzenkopf mit Spirituslack 
mehrmals überstrichen worden (aus Versehen nicht bei den Punkten 
45 und 46), s. u. 

Nach der vorstehenden Übersicht sind für etwaige künftige 
Nivellierungen als in Beziehung auf die genaue Erhaltung des alten 
Punkts verdächtig zu bezeichnen die Bolzen 3, 7, 10, 16, 20 und 
54 ; allenfalls auch 14, 30, 54, 57 und 58. Bei den übrigen Bolzen- 
köpfen wird auch für eine größere Zahl von Jahren auf genügende 
Erhaltung der Punkte zu rechnen sein. Für etwaige spätere Mes- 
sungen, die ich mir, wie in I angeführt ist, alle 5 Jahre wiederholt 
dachte, sei noch bemerkt, daß vor Benützung jedes Punkts die 
Schicht von Spirituslack zu entfernen ist, mit dem der Bolzenkopf 
überzogen worden ist; es kann dies mit Hilfe von Spiritus leicht 
und rasch geschehen. 

Daß auch die völlige Bedeckung der Punkte nicht vor Be- 
schädigung schützt, hat sich auch schon mehrfach gezeigt; z. B. 
sind 1902 die Punkte 53 und 54 von unbefugter Hand aufgedeckt 
und ohne den hohlen Viertelstein wieder einzufügen, mit einem Back- 
stein direkt abgedeckt gefunden worden. 

III. Ausfuhrung der (ersten) Messung, 1902. 

Die erste Nivellierung dieser Festpunkte sollte im Herbst 1901 
ausgeführt werden. Da jedoch der Verfasser, dem für seine frühern 



— 127 — 

Erdmessungsarbeiten regelmäßig jährlich nur die Zeit von Mitte 
August (nach Schluß der geodätischen Exkursion mit Studierenden' 
der Technischen Hochschule) bis nach Mitte September zur Verfügung 
stand, in dem genannten Jahr durch Messungen in Tübingen uner- 
wartet aufgehalten wurde, so mußte diese erste Einwägung auf 1902 
verschoben werden. Es wurde dadurch möglich, ein feineres Nivellier- 
instrument, als bis dahin in der geodätischen Sammlung der tech- 
nischen Hochschule vorhanden war, sowie bessere Latten nebst 
neuem Kontrollemeter verwenden zu können, ferner die Arbeit einem 
Hilfsarbeiter, Diplomingenieur Werkmeister (jetzt Topograph am 
K. Statistischen Landesamt) zu übertragen. Im Juli 1902 ist das 
Nivellement in 3 Wochen bei nicht sehr günstiger Witterung durch- 
geführt worden. 

Angeführt sei gleich hier, daß diese Nivellementslinie ihrem 
Zweck entsprechend ganz für sich besteht, vom Punkt H am Bahn- 
hof Böblingen mit der Höhenzahl 439,221 (oder vielmehr dem da- 
runter auf dem Boden liegenden Hilfspunkt H') als wesentlich 
willkürliche Zahl ausgeht, ohne Rücksicht auf die von frühern 
Nivellierungen sonst noch in Böblingen ebenfalls vorhandnen Fest- 
punkte (von den in der Veröffentlichung '), (s. Fußnote S. 114), S. 56 
genannten drei Punkten des Präzisionsnivellements auf der Straße 
Stuttgart — Böblingen — Herrenberg ist der Glaspunkt an der Dinkel- 
acker'schen Brauerei durch Umbau längst zerstört, ebenso der Glas- 
punkt am See durch Abschlagen des Glasbolzens, während das ein- 
gemeißelte Kreuz auf der Treppe des Kaufmann Dannwolfschen 
Hauses noch nachweisbar sein soll) und ebenso in Lustnau, ganz 
ohne Rücksicht auf die in der Veröffentlichung "), angeführte Höhen- 
zahl, für den Festpunkt am Wärterhaus Nr. 50 der Neckarbahn 
endigt ; der hier sich zeigende Widerspruch ist in IV. mitgeteilt. 
Ebenso .sind an den Messungsergebnissen nur die Reduktionen an- 
gebracht, die zur Zurückführung der unmittelbar gemessenen Höhen- 
unterschiede auf ein bestimmtes materiell und für lange Zeit ge- 
gebenes Längenmaß erforderlich sind; es ist also von der sphä- 
roidischen Korrektion u. dgl. ganz abgesehen. 

1. Die Instrumente. Verwendet ist ein der geodätischen 
Sammlung der Technischen Hochschule einverleibtes Nivellierinstrument 
SEiBT-BREiTHAUPx'scher Konstruktion nebst den zwei dazugehörigen, 
3 m langen Wendelatten, 1902 von Breithaüpt in Kassel geliefert 
(Inv. C, Geodät. Sammlung, A. 1. 49 und A. m. 43; mit A. 1. 49 
und A. m. 43 auf Messingplättchen sind auch Instrument und Latten 



— 128 — 

bezeichnet). Dieser Meßapparat ist oft beschrieben, vergl. z. B. '^ " ^^ 
(in ^^ sind auch die Titel von 25, durch Geh. Regierungsrat Prof. Dr. 
Seiet und das ihm unterstellte Bureau im K. Preuß. Ministerium der 
öffentlichen Arbeiten ausgeführten Nivellements an Linien, besonders 
Wasserstraßen , in Preußen genannt ; ein vollständiges Verzeichnis 
dieser Art ist autographiert von dem genannten Bureau zu beziehen. 
Dem Verzeichnis ^^ ist die beistehende Abbildung des Instruments, 
Fig. 4, deren Klischee Breithaupt freundlichst geliefert hat, entnommen. 
Vgl. endlich auch ^\ wo besonders auch die Berichtigung und Be- 
handlung des Instruments sehr ausführlich dargestellt ist, ferner 
einige weitere neuere Literatur sich angegeben findet. 

Das Instrument, mit dem 1901 zu messen beabsichtigt war, 
und das seit langer Zeit der geodätischen Sammlung angehört 
(A. 1. 9 des Inv. C.) entspricht der Nummer 163 des genannten Breit- 
haupt'schen Verzeichnisses 1905; als Latten sollten damals ein seit 
1893 im Besitz der geodät. Sammlung befindliches Paar von Wende- 
latten (Kastenlatten) mit Felderteilung nach dem (altern) Muster 
der K. Preuß. Landesaufnahme, von M. Wolz in Bonn geliefert 
(A. m. 41 des Inv. C.) verwendet werden; doch hatte sich bereits im 
Frühjahr 1901 gezeigt, daß die Latten nicht genügend gerade ge- 
blieben waren, sich vielmehr merklich gekrümmt und besonders ver- 
wunden hatten. Nach dem Vorschlag von Wolz wurden die Latten 
im Juh 1901 mit neuer Rückseite versehen; doch wurde der Mangel 
dadurch nur zum kleinen Teil gehoben. 

a) Über das neue Nivellier, das in Fig. 4 dargestellt ist, ge- 
nügen hier unter Verweis auf das Vorstehende folgende Angaben: 
Das Fernrohr F hat 40 mm Öffnung und gibt mit 2 Okularen 30- 
und 40fache Vergrößerung. Es ist bei dem Nivellement im Juli 
1902 stets das 40fach vergrößernde Okular benützt worden. Es 
ist seitlicher Trieb am Okularauszug vorhanden. Der Faden- 
distanzmesser zur Bestimmung der Entfernung (E = 0,74 -|- 100. 1) 
ist nicht benützt worden (siehe III, 2), vielmehr nur der Mittelfaden 
zur Einstellung auf die Feldmitte der Latte. Die Hauptlibelle L 
des Instruments , eine Kammerlibelle mit rund 5" Empfindlichkeit 



'" Zentralblatt der Bau Verwaltung, Berlin, Nummer vom 6. Dezember 1893. 

" Das Messungsverfahren ist beschrieben ebenda, Nummer vom 10. Mai 1893. 

'* Preisverzeichnis der astronomischen und geodätischen Instrumente des 
math.-mechan. Instituts F. W. Breithaupt & Sohn in Kassel, 1905, No. 167, 
S. 76—78. 

" Kuhrmann, Das Seibt'schc Feinnivellierverfahren. Berlin 1902 (autogr.). 



129 



(siehe unten) liegt lose , durch leichte Klammern vor dem Herab- 
fallen geschützt, in zwei harten Stahlplättchen auf Schraubenkopf 
und Schneide der einen (obern) Seite des Fernrohrs und ist sehr 
sorgfältig gegen Temperatureinflüsse geschützt. Stahlschneide und 
Schraubenkopf an der gegenüberliegenden (untern) Seite des Fern- 
rohrs F liegen auf zwei harten Plättchen p des Unterbaus. Die 
zwei Stahlschneiden je mit gegenüberliegendem Schraubenkopf ver- 
treten am Fernrohr dieses Instruments, wie seit Jahrzehnten vielfach 




Fi er,. 4. 



an Breithaupt'schen Instrumenten, die sonst üblichen Lagerringe; 
man hat so den Vorteil, die Abstände zwischen Schneide und Schrauben- 
kopf durch Änderung der Schraube gleich groß machen zu können, 
während die Lagerringe unveränderlich sind. Der Träger T, auf dem 
auf den Plättchen p das Fernrohr ruht, liegt mit den zwei stählernen 
Achszapfen Z in dem Bock JB\ man kann auf diese Weise mit Hilfe 
der Mikrometerschraube aS' die Ziellinie des Fernrohrs genau und 
sehr bequem auf die Mitte eines Lattenfeldes einstellen. Die Dosen- 
libelle C dient zur raschen ersten Horizontierung. Das Instrument 

Jahreshefte d. Vereins f. vaterl. Naturkunde in Württ. lOOfi. 9 



— 130 — 

hat Steckhülseneinrichtung : der Oberteil kann nach Lösung der 
Klemme K sofort aus dem auf dem Stativ bleibenden Dreifuß B 
gehoben werden. Das Stativ hat einen Tellerkopf aus schmiedbarem 
Eisenguß und sehr starke Beine. Das ziemlich schwere Instrument 
darf nie zusammengesetzt auf dem Stativ oder im Kasten getragen 
werden , da hiedurch die gehärteten Stahlplättchen und Schneiden 
rasch notleiden würden. Breithäüpt empfiehlt sogar, beim Transport 
des Instruments stets den Dreifuß 1) vom Stativ zu nehmen und 
in sein Kästchen zu setzen (es ist nämlich unserm Instrument statt 
der Lederstülpe ein besonderes Kästchen für den Dreifuß beigegeben). 
Es wurde jedoch bequemer gefunden, beim Gebrauch den umständ- 
lich zu lösenden Dreifuß stets auf dem Stativ zu lassen, wobei 
allerdings darauf zu achten ist, daß kein Staub in die Dreifußbuchse 
kommt, da sonst der Steckzapfen beschädigt wird. Bemerkt sei 
gleich hier, daß das Instrument die einmal hergestellte Justierung 
vortrefflich durch alle Transporte usw. hindurch erhalten hat. 

Über die Libelle unseres Instruments, eigentlich den wichtigsten 
Teil eines Feinnivelliers, hatte der Verfertiger Reichel mitgeteilt, 
man dürfe ihren Teilwert zu 4,85" annehmen. Die Untersuchung 
auf einem empfindlichen Niveauprüfer durch Beeithaupt in Kassel 
im Juni 1902 ergab folgende Empfindlichkeiten für 1 Teil: 

bei Teil der Teilung: 4,54" bei Teil 2.ö der Teilung: 4,67" 

« « 5 „ „ 4,54 , , 30 „ „ 4,80 

n „ 10 „ , 4,55 „ „ 35 „ „ 5,05 

r. » 15 , „ 4,80 , , 40 , „ 4,92 

, , 20 „ „ 4,55 „ „ 45 , „ 4,55 

,! 25 , , 4,67 ., „ 50 , „ 4,54. 

Die Temperatur bei der Untersuchung war -|-17,5°C. 

Das Mittel dieser Zahlen ist 4,67". 

Bei der mehrfachen Untersuchung der Libelle in Stuttgart (an- 
fangs Juli 1902, unmittelbar vor und mehrfach, September und 
Oktober 1902, nach Ausführung der Messung mit Hilfe eines (nicht 
sehr feinen) Niveauprüfers und auf andere Art (mit Hilfe des Fern- 
rohrs und einer 2 mm- Milchglasskala) zeigte sich keine nachweisbare 
Abhängigkeit des Libellenteilwerts von der Temperatur ^^, die absicht- 
lich mehrfach so hoch gewählt wurde, als sie bei der Messung im Juli 
vorkommen konnte und vorgekommen war; auch eine Abhängigkeit 

'* Vergl. aus neuerer Zeit Bigourdan, (*. K. der Pariser Akademie, 
Bd. 137 (190M) S. 385 und mein Referat darüber in Z. f. Instrum. Bd. 25 1905) 
S. 209. 



— 131 — 

vom Luftdruck (vgl. ^^) scheint nicht vorhanden zu sein. Die ein- 
zelnen, aus den Beobachtungen hervorgehenden Werte der Empfind- 
lichkeit aus Anfang Juli schwanken zwischen 4,5" und 4,9", wobei 
verschiedene Stellen der Libellenteilung in Betracht kommen. Im 
Mittel ergab sich der Teilwert zu 4.7"; schließlich glaubte ich bei 
der BREiTHAUPx'schen Mittelzahl 4,67" stehen bleiben zu sollen und 
auf besondere Bestimmung des Teilwerts während der Messung ver- 
zichten zu können. Die später, nach Ausführung des Nivellements 
vorgenommenen Untersuchungen der Libelle haben die Berechtigung 
dieser Annahme bestätigt. 

b) Die zwei Nivellierlatten, Seibt-Breithaupt'sche Reversions- 
latten, von Breithaüpt mit 10 und 10 A bezeichnet (im Inventar der 
geodät. Sammlung A. m. 43) sind 3 m lange (einfache, nicht Kasten-) 
„Wendelatten" mit Dosenlibelle und Griffen, je auf beiden Seiten 
(Vorder- und Rückseite je links und rechts) mit 4 mm- Feldteilung 
versehen (wobei abwechselnd schwarze und weiße Felder einander 
gegenüberliegen), und nach Doppeldezimetern fortlaufend beziffert, 
unten mit starker, polierter und genau senkrecht zur Längsachse 
gestellter Stahlplatte abgeschlossen. Dieser Fuß wurde durch einen 
Lederstulpen vor dem Anhaften von Schmutz usw. derart geschützt, 
daß nur in der Mitte der Raum zum Aufsetzen auf den Dorn der 
Bodenplatte oder die ähnlich geformte Spitze des Festpunktbolzens 
frei blieb. Beim Transport wurde jede Latte durch Umwicklung 
mit einer Segeltuchhülle geschützt. In der Sammlung werden die 
Latten in ihrem Überzug freihängend aufbewahrt. 

Um zunächst zu einem Urteil über die Genauigkeit der ver- 
schiedenen Einteilungen der Latten in sich zu kommen, sind die 
zwei Latten zu Anfang Juni 1902 (Juni 6./ 14.) durch Herrn Werk- 
meister in folgender Art untersucht worden : 1. Bestimmung der 
Länge eines Lattenstücks von 2 m (z. B. von 55 bis 155; über die 
verdoppelt zu denkende Bezifferung der Latten siehe oben) und eines 
zweiten Lattenstücks von 1 m (z. B. 145 bis 195) durch Vergleichung 
mit dem unmittelbar angelegten und mittels starker Lupe abgelesenen 
FENNEL'schen Normalmeter A. i. 70 der geodätischen Sammlung, 
der sogleich näher zu beschreiben ist. Die Länge zwischen zwei 
Strichen wurde je 5mal bestimmt, wobei zwischen je zwei Messungen 
das Normaimeter etwas verschoben wurde. Der mittlere Fehler des 



'° Referat über eine Arbeit von Petrelius in Z. f. Tnstnnn. Bd. 22 (1902 
S. 124. 



132 



Mittels aus 5 solchen Bestimmungen beträgt im Maximum ± 0,01 mm. 
2. Bestimmung der Länge der 50 cm -Strecken, die den in 1. be- 
nützten 2 m- und 1 m- Strecken entsprechen, im obigen Beispiel also 
55—80, 80-105, 105—130, 130—155, 145-170 und 170—195. 
Diese Bestimmung geschah mit Hilfe des Komparators A. i. 57 der 
geodätischen Sammlung, indem eine konstante Strecke a, genähert = 
50 cm. durch die zwei Mikroskopnullmarken festgehalten wurde und 
nun durch die zwei Schraubenmikroskope die an a anzubringenden 
Korrektionen ^^, do, ■ . . . dn für jede der 50 cm -Strecken der 
Latten in vier verschiedenen Lagen bestimmt wurden. Der mittlere 
Fehler des Mittels dieser Bestimmungen ist <C 0,01 mm. Der Wert 
einer Schraubenumdrehung (= 100 Trommelteilen) der Mikroskope 
wurde mit Hilfe der 0,2 mm -Teilung an den Enden des Fennel'- 
schen Normalmeters ermittelt ; nach Verschiebung des Mikroskop- 
objektivs derart, daß die Marke des Objektivrohrs am Ende der 
Hülse stand, ergab sich : 

Mikroskop I: 1^ = 100^ = 0,0990 mm. 

Mikroskop H: 1"^ = 100? = 0,0996 mm. 

die aus 1. bestimmte Länge der (1 m-) Gesamtstrecke 
lu die Längen der {^/^ m-)Teilstrecken, so 



Ist 
und sind 
ist mit 


L 

1, 


die 


aus 1. 








\ -- 


= a + c), 








h'- 


= a4-c). 



L =-■ n . a + [rf] 



n n 

n n 



M 



+ <l 



Auf diese Weise sind die für 3. maßgebenden Längen der 
50 cm -Strecken ermittelt. 3. Um nämlich noch die 0,1 m- Ein- 
teilung zu untersuchen, ist als konstante Länge a, ähnlich wie in 
2., der Glasmaßstab A. p. 67 der geodätischen Sammlung verwendet 
worden (und zwar auf der 1 : 2000- Teilung die Striche 150 und 
350). Die Korrektionen d' sind an der 0,5 mm -Teilung mit Lupe 
abgelesen (Wert des V2 mm-Intervalls durch Vergleichung mit einem 
der Schraubenmikioskope des Komparators A. i. 57 bestimmt; Er- 
gebnis: das 72 mm -Intervall links und rechts von den Strichen 150 



133 



und 350 in guter Übereinstimmung =^ 0,52 mm) in drei verschie- 
denen Lagen des Maßstabs; der mittlere Fehler ist ± 0,03 mm. 
4. Zur Kontrolle wurde noch mit dem FENNEL'schen Normalmeter die 
Länge zahlreicher 1 m-Lattenstücke (zwischen behebigen dm-Strichen) 
direkt abgelesen und mit den durch Addition der 10 in 3. gefun- 
denen 10 cm-Stücke entstehenden Zahlen verglichen. Die Abweichung 
erreichte nur in einem Fall 0,07 mm und war in allen andern Fällen 
viel kleiner. 

Bei der ganzen Arbeit wurde in dem Raum, in dem die Ver- 
gleichungen vorgenommen wurden (geodät. Sammlung), die Temperatur 
möglichst konstant gehalten ; sie schwankte nur um wenige Grad. 
Selbstverständlich sind aber alle Ablesungen der 
Längen an den Latten, dem Normalmeter, dem 
Komparator und dem Glasmaßstab auf dieselbe Tem- 
peratur und zwar + 18" C. reduziert, bei der Gering- 
fügigkeit der Temperaturschwankungen genügend 
mit Hilfe von Mittelwerten der Ausdehnungs- 
koeffizienten der verschiedenen Materialien. Auf 
die zu untersuchende Latte wurden stets an den 
Enden und in der Mitte drei durch Papierhülle gegen 
Wärmestrahlung geschützte Thermometer gelegt. 

Zu bemerken ist endlich, daß auf jeder Seite 
der zwei Latten die Untersuchung sich auf die 
„weiße" Teilungsseite, nicht auf die „schwarze" 
bezieht (auf / nicht II, vgl. Fig. 5) ; jene Seite 
wurde auch beim Nivellieren stets benützt. End- 
lich ist zu erwähnen, daß bei Ausführung der 
Untersuchung zunächst die Angabe auf dem Fennel- 
schen Normalmeter „Ein Meter bei +18'*C." als 
richtig angenommen wurde, während in der Tat die Länge 1,0000 
bei -j- 16,3" vorhanden ist; erst zum Schluß wurde bei allen er- 
mittelten Maßen die entsprechende Korrektion von + 0,020 mm pro 
Meter angebracht, was in der folgenden Tabelle geschehen ist. 
Übrigens kommt hierauf nichts an, da es sich zunächst nur um die 
relative Länge der einzelnen Lattenteile, nicht um den Absolut- 
wert des Lattenmeters handelt. 

Die ganze Mes.sung ist in besonderem Umschlag: „Untersuchung 
der Nivellierlatten A. m. 43" (46 S. Fol. mit Beilagen), der den 
Akten der Messung beihegt, zusammengestellt; die folgende Tabelle 
ist das Gesamtergebnis. 




— 134 — 

Tabelle 8. 

Latten A. m. 43. Anfang Juni 1902. Stuttgart. 
Die Zahlen sind auf -j- 18° <'■ reduziert und auf 0,01 mm ab- und aufgerundet. 

Latte 10. 

Vorderseite. Rückseite. 




135 



Latte 10 A. 



Vorderseite. 



It ü c k s e i t ( 



Strich 



1,00- 
Strecke 



0,50- I 0,10- 
Strecke Strecke 



Strich 



Strich 



1,00- 
Strecke 



0,50- 
Strecke 



0,10- 
Strecke 



Strich 



80 
105 

130 

145 
155 

170 
195 



499,95 



999,84 



499,88 



499,94 



999,72 



499,78 



499,84 



999,69 



499,85 



100,00 
99,95 



99,96 
100,00^ 
100,04 
^9,96 

99T98 



99,98 



_99,97 
"99,98" 



99,98 

99,96 

lÖO^ 

100,00 

100,01 



99.98 



_99,97_ 
99,98 



_99,97^ 
99,86 



100,00 



99,99 
100,04 



99,94 
99,97 
99,98 
99,98 



00 

60 

65 

70 

75 

80 

85 

90 

95 

IGO 

105 

110 

115 

120 

125 

130 

135 

140 

145 

150 

155 

160 

165 

170 

175 

180 

185 

190 

195 

200 



205 



230 



255 



280 



305 



320 



345 



999,85 



999,75 



999,77 



100,00 



499,85 



99,95 
100,02 



100,03 
99,85 



500,00 



499,95 



499,80 



499,77 



100,12 

99,93 

100,04 



99,82 
100,09 



100,03 



100,00 



99,91 



100,03 
99,98 



100,04 



499,99 



99,93 

100,05 

99.90 



99,88 
99.99 



100,05 



99,98 



100,00 



99.99 



100,03 



99.95 



100,02 



205 
210 
215 
220 
225 
230 
235 
240 
245 
250 
255 
260 
265 
270 
275 



295 
300 
305 
310 
315 
320 
325 
330 
335 
340 
345 
350 



Die Tabellen 3. zeigen, daß die Einteilung der Latten in Be- 
ziehung auf die Genauigkeit der Unterteilung als vorzüglich zu be- 
zeichnen ist, und daß man berechtigt ist, beim Nivellieren selbst 
von der „Länge des Lattenmeters" zu einer bestimmten Zeit zu 



136 



sprechen, das durch Anlegen des Kontrollmeters 
— S an beliebige dm Striche bestimmt werden kann. 
Die gegenseitige Stellung der Teilungen links und 
rechts (I und II in Fig. 5) auf derselben Seite 
einer Latte kommt für das Nivellieren nicht in 
Betracht, weil bei Rückblick und Vorblick die- 
selbe Skale abgelesen wird. Immerhin sei angeführt, 
daß nach Vergleichung mit dem Nivellier selbst 
auf der Latte 10, Vorderseite, die Skalen I und II 
als um 0,2 mm gegen einander verschoben an- 
-- '^ zusehen sind, ebenso auf 10 Rückseite 0,2 mm, 
auf 10 A Vorderseite 0,03 mm, 10 A Rückseite 
0,05 mm. 

c) Das Kon trollmeter zur Bestimmung 
der Länge eines Lattenmeters zu den verschie- 
denen Zeiten der Ausführung des Nivellements 
ist neben Nivellier und Latten der wichtigste Be- 
stand teil des Meßapparats. Um möglichst be- 
quemes Anlegen des Kontrollmeters auf die Latte 
zu erhalten, gab ich anfangs Juni 1901 0. Fennel's 
Söhnen , Cassel , Auftrag zur Anfertigung eines 
Stahlmeters von folgender Einrichtung: in dem 
starken Körper des Stahlstabs sind bei den Stellen 
und 100 cm je etwa 3^2 cm lange Ausarbei- 
tungen anzubringen (vgl. Fig. 6), an denen der 
sonst vorhandene Querschnitt M' N' des Stabs auf 
M N verändert wird. (Fig. 7.) An diesen Stellen 
sind 5 mm breite Silberplättchen in den Stab fest 
einzulassen und auf ihnen neben den Endstrichen 
und 100 des Stabs nach beiden Seiten hin 
Striche in 1 mm Entfernung zu ziehen; diese mm- 
Strecken zu beiden Seiten der Endstriche sind in 
je 5 Teile zu zerlegen, so daß um die Endpunkte 
Striche vonVs zu ^/s mm nach beiden Seiten hin 
vorhanden sind, und man mit Hilfe einer bei- 
gegebenen starken Lupe unmittelbar bei Anlegung 
an einen scharfen Strich bis auf ^/so mm ablesen 
kann. In die Oberfläche des Stabs sind 3 Quecksilberthermometer 
mit versenktem Quecksilbergefäß einzulassen. Die Entfernung der 
Endstriche und 100 soll die richtige Länge von 1 m bei der aus 



137 





den 3 Thermometern gemittelten Temperatur von + 18° zeigen. 
Der Stab ist der Physikalisch-Technischen Reichsanstalt oder der 
Kaiserlichen Normaleichungskommission zur Prüfung (Entfernung der 
beiden Endstriche, sowie Entfernung der ^'5 mm-Teilungen je bei 
-f- 18° und mit Angabe der Temperaturausdehnung) zu übergeben 
und mit Fehlerverzeichnis abzuliefern. 

In der zv^-eiten Hälfte ^des Juli 1901 wurde der Stab von 
Fennel (Bezeichnung: Nr. 5246) an die Physikalisch-Technische 
Reichsanstalt übergeben ; 

da mir von dort am M'-N' M-N 

22. Juli 1901 mitgeteilt 
wurde , daß die Prüfung 
erst in 5 bis 6 Wochen 
erledigt werden könne, 
weil eine Neueinrichtung 
für Ausdehnungsbestim- Fig. 7. 

mungen im Gang sei, so 

bat ich am 25. Juli um Übermittlung des Stabs an die Kaiserliche 
Normaleichungskommission und erhielt von dort mit Schreiben vom 
13. August 1901 (ohne Erhebung von Gebühren) den Stab nebst 
Fehlerverzeichnis zurück. Er ist, in hölzernem Etui verwahrt, unter 
der Bezeichnung A. i. 70 in die geodätische Sammlung der Tech- 
nischen Hochschule aufgenommen. In dem Schreiben war bemerkt, 
daß „mit Rücksicht auf die eigenartige Form des Stabs, bei der 
die Teilung nicht in der neutralen Schicht liegt, die Fehlerangaben 
nur auf 0,005 mm gemacht worden sind". Diese Genauigkeit von 
'/200 mm reicht bei der Art der Verwendung (direkte Ablesung auf 
^50 mm) vollständig aus. 

Das 

„Beglaubigte Fehlerzeugnis" 
lautet, mit Weglassung des Nebensächlichen : 

„Einteilung des Stabes: Zu beiden Seiten des Null- und 
Endstriches je 1 mm lange Teilungen in Fünftelmillimeter auf ein- 
gelegten Streifen. 

„Kennzeichnung: Der Stab trägt 3 eingelassene, mit Messing- 
blech bedeckte Thermometer und die Bezeichnung : Ein Meter bei 
18° C. Otto Fennel Söhne, Cassel. Nr. 5246. 

„I. Gesamtlänge. 

„Die Gesamtlänge L des vorbezeichneten Maßes, enthalten 
zwischen den mit und ICO bezeichneten Strichen bei der Tempe- 



138 













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11 






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3 


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B 







— 139 — 

rafur T in Graden der internationalen hundertteiligen Temperatur- 
skale, wird durch folgenden Ausdruck gefunden : 

L = 1 m -f 0,020 mm + 0,012 (T — 18) mm 

wenn der Stab auf horizontaler, ebener Grundlage liegt. 

„Die Genauigkeit der Längenangaben beträgt ± 0,005 mm. 
Obenstehende Werte sind auf diesen Betrag abgerundet." (Polgen 
zwei Beispiele für die Gesamtlänge bei 13,5*^ C. und für die Länge 
zwischen den Strichen — 0,6 und 1000,2 bei 20" C , ebenfalls mit 
Abrundung des Endergebnisses auf 0,005 mm.) 

Berlin-Charlottenburg, den 13. August 1901. 

Kaiserliche Normal-Eichungs-Kommission 
Hauss." 

Nach der oben angegebenen Gleichung des Stabs ist selbst- 
verständlich zunächst eine Tabelle für die Gesamtlänge ausgerechnet 
mit dem Intervall l*' in T, von 6" bis 40^ reichend. 

In Einheiten des durch den vorstehend beschriebenen Stab und 
seine Gleichung definierten Meters die Höhenunterschiede zwischen 
den einzelnen Festpunkten durch Nivellement zu bestimmen, ohne 
jede Rücksicht auf vorhergehende Höhenbestimmung u. s. f. . war 
nun und ist für die Zukunft die Aufgabe. 

2. Art der Messung. Berechnung (zunächst ohne Rück- 
sicht auf Lattenlänge). Zur Ausrüstung für die Messung gehören, 
außer dem Instrument (in zwei Kästen) nebst Stativ, dem Paar 
Nivellierlatten mit Überzügen und Fußlederstülpen, dem Stahlkontroll- 
meter (in Etui) mit starker Lupe, vor allem noch ein Paar schwere 
Bodenplatten, deren polierter und ähnlich wie die Stahlbolzenköpfe, 
Fig. 3, geformter Dorn als Wechselpunkt diente. Aus dem sonstigen 
Inventar sei nur noch erwähnt ein kleines Nivellierinstrument mit 
Taschennivellierband zur vorläufigen Ermittlung des Höhenunterschieds 
sich folgender Punkte, um daraus die mögliche konstante Zielweite 
beim Nivellement zwischen diesen Punkten zu bestimmen (siehe 
unten), ferner, neben gewöhnlichen Meßbändern, Meßdrähte von 25, 
30, 35 ... 50 m Länge zur Bestimmung des Orts der Wechselpunkte. 

Das (erste) Nivellement wurde, wie bereits erwähnt, dem Dipl.- 
Ing. Werkmeister übertragen und im Juli 1902 ausgeführt; Hilfs- 
arbeiter sind 3 verwendet, einer für die Ablesung der Libellenenden 
(und zum Schirmhalten) am Instrument, zwei als Träger je einer 
Latte und Bodenplatte. Als Libellenableser sollte man immer einen 



— 140 — 

bereits sehr gut geschulten Arbeiter haben : im vorUegenden Fall 
traf dies nicht zu und an den ersten und auch noch einzelnen spätem 
Tagen sind die Libellenablesungen in Beziehung auf Genauigkeit oft 
geradezu als nicht ganz genügend genau zu bezeichnen. 

Das Messungsprogramm war (abgesehen von der täglichen Fest- 
stellung der Länge des Lattenmeters) folgendes : In allen wesentlichen 
Stücken wird das Nivellierverfahren von Prof. Seibt eingehalten. 
Zwischen je zwei Festpunkten wird mit konstanter Zielweite nivelliert, 
die je nach den Gefällsverhältnissen der Strecke zu bestimmen ist. 
Die Lattenstandpunkte und Instrumentenstände werden hiernach auf 
der zu nivellierenden Teilstrecke mit Blaustift auf dem Boden be- 
zeichnet. Nachdem an jedem Halbtag der Messung die Rektifikation 
des Instruments und ebenso die Justierung der Dosenlibellen der 
Latten nachgesehen ist, wird vom ersten Aufstellungspunkt des In- 
struments (Verwendung der Dosenlibelle zur ersten Horizontierung) 
aus der erste Rückblick nach der auf dem Bolzen aufgestellten 
Latte (Lattenträger 1) gemacht. Der mittlere Horizontalfaden treffe 
bei nahezu einspielender Hauptlibelle z. B. auf das weiße Lattenfeld, 
dessen Mitte 2,917 lautet. Diese Feldmitte wird nun vom Beobachter 
scharf eingestellt und dabei zu dem seitwärts mit dem Schirm stehen- 
den Libellenableser „Achtung" gesagt. Sobald dieser bemerkt, daß 
die Libellenblase zur Ruhe gekommen ist, liest er (unter gleich- 
zeitiger Erhaltung der Einstellung des Mittelfadens auf die Feldmitte 
durch den Beobachter) die beiden Enden der Libellenblase an der 
Libellenteilung je auf 0,1 Teil ab und sagt fertig. Der Beobachter 
notiert dann seine Einstellung 2,917 und die Ablesungen an beiden 
Libellenenden z. B. 18,6 und 32,5; er erkennt sofort an der Summe 
der Ablesungen, ob die eingestellte Feldmitte der Latte über oder 
unter der Horizontalen der Aufstellung liegt. Der Träger der Latte 1 
wird nun durch einen Pfiff zum Wenden der Latte veranlaßt und 
es wird die Einstellung einer Feldmitte an der Rückseite der Latte 
unter gleichzeitiger Ablesung der Libellenblasenenden durch den 
Ableser in derselben Art wiederholt. Dabei soll der Beobachter, 

( über I 
I unter ) 
der Horizontalen der Aufstellung lag, auf der Rückseite einen 

I , der Horizontalen liegenden Strich wählen. Nunmehr kommt 

I über ) 

der erste Vor blick; der Libellenableser richtet, während der 

■Beobachter um das Stativ herumgeht, das Fernrohr ungefähr auf 



wenn der auf der Vorderseite der Latte eingestellte Strich 



— 141 — 

die vordere Latte, deren Träger 2 das Signal „Achtung" erhält. 
Die Beobachtung auf der Vorderseite und, nach dem Wendesignal, 
auf der Rückseite der Latte geschieht in derselben Art v/ie beim 
ersten Rückblick. Es folgt die zweite Ablesung an beiden Latten 
beginnend mit dem zweiten Vorblick, nach Rückseite und Vorder- 
seite der Latte 2, nach der das Fernrohr noch gerichtet ist; und 
zwar soll, wenn die letzte Ablesung des ersten Vorblicks (Rückseite 

( über I 
der Latte 2) nach einer , dem Horizont der Aufstellung ge- 

[ unter | 

legenen Feldmitte gegangen war, beim zweiten Vorblick nach der 

Rückseite der Latte eine , dem Horizont gelegene gewählt 

I über ) 

werden, nicht der mit dem vorhin genommenen Teil der Vorderseite 
korrespondierende. Nach der Ablesung auch auf der Vorderseite von 
Latte 2 zielt endlich der Beobachter wieder nach Latte 1 und liest 
auf beiden Seiten (Rückseite und Vorderseite) in derselben Weise 
ab, jedesmal mit gleichzeitiger Ablesung der Libellenblasenenden. 

Von besondern Vorsichtsmaßregeln sei nur noch erwähnt, daß 
vor Aufsetzen einer Latte die Bodenplatte an der für sie voraus- 
bezeichneten Stelle sehr sorgfältig festgelegt, festgetreten, d. h. längere 
Zeit durch das ganze Gewicht des daraufstehenden Lattenträgers 
beschwert wurde. Besondre öfters ausgeführte Versuche, bei denen 
die Konstanz des Instrumentenhorizonts durch Ablesung auf sehr 
festen Punkten (z. B. den Stahlbolzenköpfen der Festpunkte) kontrol- 
liert wurde, hatten im Anfang des Nivellements selbst bei ununter- 
brochenem Aufsetzen der Latte während einer halben Stunde auf 
die festgetretene Bodenplatte, ein Einsinken der Platte in nachweis- 
barem Betrag nicht gezeigt und die wie beschrieben herge.stellten 
Wechselpunkte auf den Fußplatten scheinen hiernach vollständig 
sicher; vgl. dagegen IV. Auf mehreren Strecken wurde auch sofort 
nach dem Zeichen : „die zweite Ablesung (nach dem Wenden) ist 
ebenfalls fertig!" die Latte durch freies Emporheben sorgfältig ab- 
genommen und (falls damit die Ablesung auf dem Wechselpunkt 
nicht überhaupt erledigt war) auf den Stiefel des Lattenträgers, nicht 
auf den Boden gesetzt, um Anhängen von Schmutz etc. am Leder- 
schutzstulpen zu vermeiden, oder beiseite gelegt. Für das allenfalls 
dann notwendige Wiederauf.setzen der Latte war dem Lattenträger 
ebenfalls größte Vorsicht eingeschärft. Vorteilhaft habe ich ferner 
gefunden, da sich bei Sonnenschein durch den Schirm selten das 
Instrument nebst ganzem Stativ vor der Bestrahlung beschützen 



— 142 — 

läßt, die Stativbeine mehrfach vollständig mit grober Sackleinwand 
umwickeln zu lassen. 

Auf die einfachen Kontrollen , die während des Aufschreibens 
geboten werden durch die konstante Länge der Libellenblase (wobei 
also der Libellenableser ohne sein Wissen durch die Konstanz der 
Differenz seiner Zahlen kontrolliert wird), ferner durch den umstand, 
daß die Summe der Ablesungen an Vorder- und Rückseite der Latte 
nach einem und demselben Punkt stets sehr nahezu 4 m beträgt, 
endlich bei gleichen Zielweiten durch die Proportionalität zwischen 
Veränderung der Summe der Ablesungen an beiden Enden der Blase 
und Veränderung der Lattenablesung, ist selbstverständlich gleich bei 
der Niederschrift der Ablesungen geachtet. Besonders wichtig ist die 
angedeutete Kontrolle des Libellenablesers; die sorgfältige Umhüllung 
des Libellenkörpers bewirkt, daß selbst bei stärkerem Wechsel der 
Lufttemperatur die Blase ihre Länge nur langsam ändert, so daß 
die 8 Differenzen je zweier zusammengehöriger Ablesungen an den 
Blasenenden nur geringe Schwankungen zeigen dürfen. Hier zeigte 
sich beim vorliegenden Nivellement, wie schon oben erwähnt, besonders 
in den ersten Tagen vielfach die noch mangelhafte Schulung des 
Libellenablesers ; z. B. sind bei einem Stand des Instruments am 
zweiten Tag folgende Libellenablesungen bei sehr konstanter Tempera- 
tur gemacht : 



1) 1. Rückblick: 16,5 31,1 
14,6 


2) 1. Vorblick: 13,2 28,0 
14,8 


20,0 34,7 
14,7 


9,0 23,8 

14,8 


4) 2. Rückblick: 16,0 30,7 
14,7 


3) 2. Vorblick: 12,9 27,8 
14,9 


20,6 35.4 

14,S 


8,9 23,9 
15,0 



wo sich die durch die Blasenlänge gebotene Kontrolle noch nicht 
zu ungünstig zeigt ; es kommen aber auch noch größere Abweichungen 
vor, die der Zehntelschätzung des Libellenablesers zur Last zu legen 
sind. Nachdem auf einem Standpunkt des Instruments die oben 
angegebenen 8 Ablesungen nach den beiden Seiten der rückwärts 
und vorwärts stehenden Latten nebst zugehörigen Libellenablesungen 
aufgeschrieben sind und die zuletzt angedeuteten einfachen Kontrollen 
keinen Anstand in allen Ablesungen ergeben haben , wird das In- 
strument vom Stativ abgenommen und alles auf den nächsten Stand- 



— 143 — 

punkt getragen. Zu erwähnen ist endlich, daß im Lauf des Nivellements 
alle erforderhchen Notizen über Zeit, ferner über die Witterung auf- 
geschrieben wurden, besonders mehrfach im Lauf des Tags Luft- 
temperatur (Schleuderthermometer) , Zustand des Lattenbilds (bei 
Unruhe aufhören ! ebenso bei stärkerem Wind) u. s. f. 

In der angegebenen Art ist jede Nivellementsstrecke zwischen 
zwei Festpunkten zweimal unabhängig in beiden Richtungen 
mit konstanter Zielweite nivelliert; für verschiedene Strecken wechselt 
jedoch , wie bereits angegeben , diese konstante Zielweite zwischen 
20 m (min.) und 50 m (max.). Die konstante Zielweite wurde stets 
durch einen Meßdraht von der entsprechenden Länge hergestellt, so 
daß die Distanzfäden im Okular des Fernrohrs keine Verwendung 
fanden. 

Im folgenden ist stets die 
Nivellierung in der Richtung Böblingen — Lustnau mit A 
„ „ ,, „ Lustnau — Böblingen „ B 

bezeichnet. 

Nur die drei ersten Teilstrecken von Böblingen aus sind, da der 
Beobachter noch geringe Übung hatte (das vorliegende Feinnivelle- 
ment ist das erste von ihm ausgeführte), und besonders auch der 
Libellenableser und die Lattenträger erst einzulernen waren, je drei- 
mal gemacht (wenn M, N, drei in der Richtung Böbhngen — Lustnau 
aufeinanderfolgende Festpunkte in je etwa ^U km Abstand sind, in 
folgender Art : MN, NM, MN ; dann NO, ON, NO usw.) ; es sind bei 
der Berechnung, wie gleich hier bemerkt sein mag, für diese drei 
Teilstrecken die Ergebnisse der zwei in der Richtung A geführten 
Nivellierungen zum Mittel zusammengefaßt, dem dann aber der Ein- 
fachheit halber kein größeres Gewicht als der Nivellierung B gegeben 
wurde. Alle folgenden Strecken sind nur zweimal, einmal in 
Richtung A und einmal in Richtung B nivelliert. Bei der Berechnung 
der Ergebnisse (siehe unten) ist keine einzige vollständige 
Nivellierung einer Strecke weggelassen worden ; es mußte nur 
auf drei Strecken die bereits begonnene Nivellierung wegen der 
Ungunst der Witterung (Regen, heftiger Wind) abgebrochen werden 
und diese Stücke sind dann selbstverständlich weggelassen und durch 
neue vollständige Nivellierungen ersetzt. 

Angeführt sei hier auch noch, daß es am Ende einer Teilstrecke 
vielfach vorkommt, daß z. B. bei 35 m konstanter Zielweite zwischen 
je 2 Wechselpunkten, am Ende der Strecke vom letzten Aufstellungs- 
punkt des In.struments bis zum letzten Wechselpunkt und bis zum 



— 144 — 

Endpunkt der Strecke (Festpunkt) , nur 30 oder 28 m u. dgl. Ziel- 
weite vorhanden ist. Selbstverständlich ist aber, wie bereits soeben 
angedeutet, auch auf einer solchen kürzeren Abschlußstrecke (letzte 
Aufstellung des Instruments auf einer Strecke) streng aus der Mitte 
nivelliert. Bei der Fehlerberechnung ist auf solche kleine Abweichungen 
von der auf einer Strecke sonst durchaus konstanten Zielweite keine 
Rücksicht genommen , vgl. IV. 2 ; es ist nur im folgenden mehrfach 
gleich die „mittlere" Ziel weite auf einer Strecke genannt, z. B. wenn 
bei 9 Aufstellungen des Instruments die Zielweite für Rück- und 
Vorblick je 35 m war, bei der letzten 10. Aufstellung aber nur 
28 m bis zum letzten Wechselpunkt und dem folgenden Festpunkt: 
mittlere Zielweite 34 m u. dgl. Daher kommen die mehrfach un- 
runden Angaben für die Ziel weiten. 

Erwähnt sei schließlich, daß die SEiBi'schen Regeln über die 
Richtung der Beine des Stativs bei den Nivellierungen A und B be- 
achtet worden sind. 

Alles Vorstehende bezieht sich auf die Ermittlung der Höhen- 
unterschiede zwischen je zwei aufeinanderfolgenden Bolzen, die durch- 
schnittlich ^U km von einander entfernt sind , H und 1, 2 und 3, 

4 und 5 64 und 65, 66 und L. Es ist aber bereits erwähnt 

(vgl. II, 1 mit schematischer Figur und das Verzeichnis in II, 3), 

daß allemal zwei Festpunkte 1, 2; 3, 4: ; 65, 66 sehr nahe 

beisammen liegen. Der Höhenunterschied zwischen den zwei Fest- 
punkten eines solchen Paars ist je von einer (seitlichen) Aufstellung 
des Instruments aus, genau gleich weit von den beiden Punkten 
entfernt, bestimmt worden. Die Zielweite betrug dabei in der Regel 
nur 10 m, einigemal 15 und 20 m; im übrigen ist jeder solche 
Höhenunterschied genau ebenso bestimmt wie sonst bei größerer 
Zielweite zwischen zwei Wechselpunkten: zweimalige Ahjesung auf 
jeder Seite der Latte auf jedem der Punkte mit gleichzeitiger Ab- 
lesung der Libellenblasenenden. 

Die Nivellierung der einzelnen Hauptstrecken des ganzen 
Nivellementszugs begann bei Nivellement A (von den Festpunkten H 
und C abgesehen) an einem Festpunkt gerader Nummer, 2-3; 4-5; 
.... 66-L und endigte an einem Festpunkt ungerader Nummer 
(von L abgesehen) ; umgekehrt begann das Nivellement B dieser 
Hauptstrecken mit ungerader Nummer: 3-2; 5-4 . . . Zwischen 
je zwei solchen Hauptstrecken waren aber die Höhenunterschiede 
der Festpunktpaare 1, 2; 3, 4; 5, 6; . . . : 65. 66 als kurze 
Zwischen strecken zu bestimmen. 



— 145 — 

Die der Nivellierung folgende Berechnung (z. T. an Regen- 
tagen am Ort der Messung, zum größten Teil und endgültig in 
Stuttgart, z. T. von Werkmeister, für die Schlußrechnung, besonders 
Fehlerdiskussion, z. T. vom Verfasser durchgeführt) hatte, zunächst 
ohne Rücksicht auf die veränderliche Länge des Lattenmeters , für 
Rückblick und Vorblick die Differenzen zwischen Ablesung auf Vorder- 
und Rückseite der Latte 1^. und 1^., sodann durch Addition der ge- 
mittelten Ablesungen an den beiden Enden der Libellenblase die 
Libellenzahlen n^. und n^. zu bilden. Wäre 1^. und 1^ bei genau hori- 
zontaler Ziellinie abgelesen, so wäre 1^. — 1^. der Höhenunterschied der 
zwei Wechselpunkte; da dies nicht zutrifft, so ist an jedem (1^. — Ij 
die Korrektion 

c = ^ fn,.— n ') • ~ • 1000 . e mm 

anzubringen, wo n^, und n^ die Libellenzahlen in Libellenpartes, a" 
der Teilwert der Libelle = 4,67" (s. IIL 1. a), q" die Zahl 206 265" 
und e die konstante Zielweite zwischen Instrument und Wechselpunkt 
auf der betrachteten Strecke bedeuten. Zur Ausrechnung der Kor- 
rektion c bedient sich Seibt ziemlich ausgedehnter Tabellen (vgl. ^*^) : 
einfacher erscheint mir die Ablesung am Rechenschieber, an dem 

tt . e . 

— ^— einzustellen und ohne weitere Veränderung, solange e sich nicht 

Q 
ändert, bei jedem (n^. — n^.) abzulesen ist, oder endlich die Anwendung 
einer graphischen Tafel, die man freilich (wie die SEiBx'schen Tabellen) 
für jeden einzelnen in Betracht kommenden Wert von a besonders 
entwerfen muß. Für a = 4,67" hat Herr Werkmeister die hier 
beigedruckte graphische Tafel mit Verwandlung der Isoplethen in 
gerade Linien nach Lalanne -Vogler gezeichnet, die für alle c gebraucht 
wurde. Im Original (doppelt so groß als Fig. 8) sind selbstverständ- 
lich die hier . ^ und gezeichneten Iso- 
plethen in anderer Farbe ganz ausgezogen. 

Durch Hinzufügung dieser Beträge c zu den (1^. — IJ gewinnt 
man die „verbesserten Höhenunterschiede". Aus den je zwei sich 
auf dieselben Wechselpunkte vom gleichen Instrumentenstand aus be- 
ziehenden Zahlen (Nivellement I und II, je bei Nivellement A und 
später B oder umgekehrt, gleichzeitig mit Benützung der zwei Latten- 
seiten ausgeführt) wird das Mittel genommen und diese Zahlen gelten 
dann als Ergebnis eines „einfachen" Nivellements A oder B, stets 



*« Nivellitische Rechentafeln,' Berlin 1901. 

Jahreshefte d. Vereins f. vaterl. Xaturkunde in 'Württ. 190C. 10 



146 



vorbehaltlich der wegen Änderung der Länge des Lattenmeters noch 
anzubringenden Korrektion. 




/5t 



Fio-. 8. 



Das folgende , an beliebiger Stelle herausgegriffene Beispiel 
(s. S. 148, 149) zeigt die Anwendung des bei der Messung ge- 



- 147 - 

brauchten Formulars und bedarf nach dem Vorstehenden keiner F^r- 
läuterung mehr. Die bei der Messung notierten Zahlen sind /<:j<r 5 fy, 
die durch die Berechnung entstandnen mit gewöhnlichen Ziffern gesetzt. 
Die Spalten: „Standpunkt des Instruments" (überflüssig, weil durch die 
auf jeder Hauptstrecke für sich numerierten Wechselpunkte genügend 
gekennzeichnet), „Distanzfäden" (Entfernung vielmehr durch Draht von 
konstanter Länge bestimmt, s. o. ; im folgenden Formular ganz weg- 
gelassen) und „Höhe des Punkts" (Anbringung der Lattenkorrek- 
tion und Schlußrechnung für sich auf besondern Blättern zusammen- 
gestellt, s. u.) bleiben leer. Das Beispiel umfaßt eine Zwischenstrecke 
(39, -tO) und einen Teil einer Hauptstrecke (von Festpunkt 39 gegen 
38); aus Heft Nr. IV. Datum: 22. Juli 1902. V.M. 

Die sämtlichen so gemessenen und bis zu der oben angegebnen 
Rechnungsstufe geführten Doppelnivellierungen (A, B) sind in 5 ein- 
gestochnen Folioheften (I bis V) handschriftlich niedergelegt. 

Die Durchführung der Messung, selbstverständlich einschließlich 
der täglichen Larttenvergleichungen vgl. HL 3. hat, bei im ganzen 
als nicht günstig zu bezeichnender Witterung, 21 Tage (1902, 
Juli 7. 8. 9. 10. 11. 12. 14. 15. 1(3. 17. 18. 19. [20.] 21. 22. 23. 
24. 25. 26. 28. 29.) beansprucht, von denen mehrere nur zum kleinen 
Teil benützt wurden (z. B. Sonntag 20. Juli) oder wegen der Wit- 
terung benützt werden konnten. Es sind für Haupt- und Zwischen- 
strecken 781 Aufstellungen des Instruments erforderlich gewesen, 
also durchschnittlich täglich 37 Aufstellungen gemacht worden ; 
wäre durchaus die Zielweite 50 m mciglich gewesen , so hätte 
dies einer durchschnittlichen Tagesleistung von 3,7 km „einfachen" 
Nivellements (A oder B, je I und II) entsprochen. Die Auf- 
suchung der auf jeder Hauptstrecke möglichen Zielweite erforderte 
ziemlich viel Zeit; im Durchschnitt ist die Länge der Zielweite auf 
diesen Strecken 33 m. Im ganzen wird man diese Leistung als gut 
bezeichnen dürfen. In der Zusammenstellung in IV (Tabelle 6) ist 
die Arbeit jedes Tags einzeln aufgeführt. 

3. Länge des Lattenmeters. Gleichzeitig mit der Ausführung 
des Nivellements war genügend häufig die Länge des Meters auf jeder 
Latte festzustellen, wozu das Anlegemeter (vgl. IlL 1. c) A. i. 70 
zu dienen hatte. Bei der Vergleichung wurde die Latte mit Hilfe 
einer berichtigten Setzlibelle horizontal gelegt und gegen Durch- 
biegung durch Unterlegen von Filzstreifen geschützt. Auf jeder 
Lattenseite sind dann die Längen von fünf verschiedenen Meter- 
stücken bestimmt durch Anlegen des Normalmeters in drei jedesmal 

10* 



148 



Tabelle 



g „ 


Rückblick 


V r b 1 i c k 1 


11 




^1 


11 


Unter- 
schied 


Libelle 






II 


Unter- 
schied 


Libelle 


sJ2 


Ablesung 


n. 


Ablesung 


n^ 


■' 


1 




Höhenuvicrsclni 


i 

1 ! 1 
(1 z'irischrn 39 nnd 40 


. . . 








39 


iö,ö 


5,455 


0,908 


14,3 27,9 
28,1 41,5 


55.H 


40 


15,0 


1,313 
2,689 


1,376 


8,5 22,0 
19,7 33,1 


41.6 








5,453 
/,545 


0.908 


17,0 30.2 
27,5 41,0 


57,8 






2,687 
1,311 


1,376 


8,5 22,0 
21.2 34,4 


43.0 












Von 39 ixicJ 


38 (B) 












39 


35,0 


0,847 
3,151 


2,304 


20,2 36,1 
16.0 32,0 


52,2 


^^\ 


35,0 


1,835 
2,163 


0,328 


16,1 32,1 
11,5 27,4 


43.5 








3,153 

0,849 


2,304 


20,5 36,5 
15,5 31,5 


52,0 






2,165 
1,837 


0.328 


16,4 32,2 
11.4 27,4 


43.1 




W, 


35,0 


0,783 
3,215 


2.432 


18,2 34,0 
13,7 29,4 


47,6 


W, 


35,0 


1,835 
2,163 


0,328 


25,0 40,8 
20,0 35,8 


60. s 








3,217 

0,785 


2,432 


18,3 34,9 
13,0 28,9 


47,2 






2,165 
1,837 


0,328 


24,5 40,4 
20,3 36,1 


60.6 




w. 


35,0 


0,769 
3,229 


2,460 


17,0 32,8 
13,4 28,2 


45,2 


W; 


■ 35,0 


1,775 
2,223 


0,448 


17.6 33,5 
13,0 28,8 


46,4 








3,231 
0,771 


2,460 


17,3 33,0 
12,3 28,0 


45,3 






2,225 
1,777 


0,448 


17,5 33,4 

12,8 28,7 


46.2 




w. 


35,0 


0,829 
3,169 


2,340 


17.3 33,1 
12,9 28,7 


46,0 


^^4 


35,0 


1,799 
2,199 


0,400 


18,0 35,,S , 
13,3 29,21'" 








3,171 

0,831 


2,340 


12,7 33,5 
13,6 38,5 


46,2 






2,201 
1.801 


! 18.0 33,8 
"^''''113,2 29,0 

. . . 1 


47.0 




^^'s 


35,0 


0,791 
3,211 


2,420 


17.3 33,6 
21,9 38,1 


55,4 


TT^o 


35.0 


1,831 
2,171 


0,340 


16.0 32,4 
21,0 37,3 


53,3 








3,209 
0,789 


^.-s:Sj-.-' 






2,169 
1,829 


0,340 


16.0 33,3 

20.1 36,7 


52,6 




w,, 


35,35 


0,783 
3,215 


■M-S5ri-'^ 


38 


35,35 


1,559 
2,439 


0,880 


21,5 37,7 
17,0 33,1 


54,6 




1 


3,217 

0,785 


' 12,1 28,2 






2,441 
1,561 


^■^^o\^sZ 


54.3 




! 




Höhenunterschied zin 

1 1 


srhni 


37 u} 


d 38 














r 














1 



149 



4. 



Rückblick — \ 


r b li c k 


Ver- 
besserter 
Höhenunter- 
schied 
m 


Mittel 

1 aus 
Nivellement 

I und II 

1 


Höhe 

des 

Punkts 

1 . 




Latte 

1^. — 1^. 

in m 


Libelle 
n, - n, 

in partes 


Ver- 
besserungen 
wegen Lib. 
c (mm) 


Bemerkungen 

1 


— 0,4GS 


+ 14.3 


- 2.4 


- 0,4704 




1 




- 0,468 


+ 14.8 


- 2,5 


— 0.4705 


- 0,4704- 


1 


r. .1/. •/•.>. Juli 

Tniij,. + li\ 
NiiUpnnU 


,+ 1.976 


+ 8,7 


-3.4 


+ 1,9726 


+ 1,9726 




heim Okiihir. 
OJ.Khiitrieh 


+ 1,976 


+ 8.3 


- 3.3 


+ 1,9727 








4- 2.104 


- 13,2 


+ 5,3 


+ 2,1093 


+ 2,1094 






+ 2,104 


13,4 


+ 5,4 


+ 2,1094 








+ 2,012 


- 1,2 


+ 0.5 


+ 2,0125 


+ 2,0124 






+ 2,012 


-0.9 


+ 0,4 


+ 2,0124 








+ 1,940 


-1-2 


+ 0,5 


+ 1,9405 


+ 1,9404 


— 




+ 1,940 


-0,8 


+ 0,3 


+ 1,9403 




1 




+ 2.080 


+ 2,1 


-0,8 


+ 2,0792 









+ 2,080 


+ 2,6 


-1.0 


+ 2,0790 


+ 2,0791 


— 




+ 1,552 


-8,8 


+ 3,6 


+ 1.5556 


+ 1,5556 




'j>' ir> '». 


+ 1,552 


- 9,0 


+ 3.7 


+ 1,5557 




i 


Tru,,>.+12^. 

















150 



etwas abgeänderten Lagen, so daß auf jeder Seite 15 Lattenmeter 
gemessen sind; der mittlere Fehler einer Bestimmung des Latten- 
meters auf einer Seite der Latte ist < 0,01 mm. Solche vollständige 
Lattenmeterbestimmungen sind ausgeführt in Stuttgart 1902, Juli 4. 5. ; 
auf dem Nivellementsweg an folgenden Tagen 1902, Juli 7. 8. 9. 10. 
(11. nicht) 12. (13. Sonntag, nicht gebraucht) 14. 15. 16. 17. 18. 19. 
(20. Sonntag, wo nur eine Zwischenstrecke zwischen den Punkten 
eines Festpunktpaars nivelliert ist, so daß die genaue Kenntnis der 
Länge des Lattenmeters überflüssig ist) 21. 22. 23. 24. (25. nicht) 
26. (27. Sonntag, nicht gebraucht), (28. nicht) und 29. Erwünscht 
wären nur noch Bestimmungen gewesen am 11. Juli, um so mehr 
als am 10. und 11. Juli die Latten vor Abbruch der Messung vom 
Regen etwas benetzt wurden, ferner am 25. Juli und am 28. Juli; 
doch betreffen die Messungen vom 25. (zum größten Teil) und vom 
28. (ganz) nur Strecken mit kleinen Höhenunterschieden (Beben- 
hausen — Lustnau und Lustnau), wo also die sehr genaue Feststellung 
der Länge des Lattenmeters nicht mehr so wichtig ist, auch zeigten 
sich die Latten vom 21. bis 29. Juli überhaupt sehr wenig veränderlich. 
Weitere Bestimmungen der Lattenlänge liegen dann noch aus Stutt- 
gart vom November 1902 u. s. f. vor: doch sind die Stuttgarter 
Bestimmungen im folgenden natürlich sämtlich nicht berücksichtigt. 
Gemessen ist stets auf Vor- und Rückseite der Latte an der beim 
Nivellieren verwendeten Lattenteilung (vgl. die Bemerkung bei der 
ersten Untersuchung der Lattenteilung in sich, IIL 1. b}. Abgele.sen 
ist am Normalmeter mit Hilfe einer kräftigen Lupe unmittelbar auf 
0,1 Teil der Vs mm-Teilung (+ und — ); das bei den Vergleichungen 
verwendete Formular hat folgende Einrichtung : 






PN^ 
1?^'' ^ -^ 



'S Sil 



hJ 1 



\k 






äSS : 

Ci **" 1 mm 



1^ 

_0 fJ^ 



mm 






Die sämtlichen Lattenvergleichungen sind in zwei eingestochene 
Quarthefte (I und II) „Längenbestimmungen der Nivellierlatten A.m. 43" 
eingetragen und auf einem Bogen Fol. zusammengestellt. Die folgende 



151 



Tabelle enthält die Resultate der Vergleichungen an den oben an- 
gegebnen Tagen (meist in den Mittagstunden) ; die Temperaturen 
der zwei Latten schwankten nur um wenige Zehntelgrad , in die 
zweite Spalte ist das Mittel der Temperaturen eingetragen ; die 
letzte Spalte enthält die Lattentemperaturen während des Nivel- 
lierens an dem vorgesetzten Tag, an Tagen mit kleinen Tem- 
peraturschwankungen als Durchschnittszahl, für Juli 14. 15. 24, 26, 
29. sind dagegen die Extreme angegeben. 



! Temp. 

j der i 

Datum Latten ] 

1002 während' I Vor- 
l'^^^ der VerJ' . 
Juli gleich- |i "^^ 
uiig I' Seite 



Latte 10 



Eück- 

seite 



Latte 10 A 



Vor- 
der- 
seite 



Rück- 
seite 



X'>-e,„ Ai Mitte, l-^-P- 

^^ , Mittel aus i Tiatten 

Vorder- 1 ^ , \ ^ i ^«-»^t^^", 

- vorder- Latte während 

„.. , ! und 10 und' ^^^ 

mm mm \ mm i C" 





~r 














1 + 


7 


22,0 


999,84 


999,87 


1 999,81 


999,82 


999,855 


999,815 


999,835: 24 


8 


23.5 


84 


86 


81 


81 


850 


810 


830 21 


9 


24,5 


82 


83 


79 


81 


825 


800 


812| 23 


10 


21,3 


80 


84 


78 


81 


820 


795 


807 21 

((ll..Tulil3"i 


12 


18,5 


83 


87 


79 


81 


850 


800 


825 11 


14 


20,5 


81 


85 


76 


78 


830 


770 


800 12 bis 30 


15 


24.8 


77 


77 


76 


78 


770 


770 


770 15 bis 30 


16 


24,5 


79 


81 


— 




800 


— 


- 22 


17 


17,8 


— 


— 


' 81 


86 


— 


835 


- 20 


18 


24,5 


84 


83 


79 


80 


835 


795 


815 20 


19 


16,2 


85 


81 


79 


80 


830 


795 


8131 15 


21 


15,0 


90 


89 


' 85 


86 


895 


855 


875' 14 


22 


23,0 


88 


85 


83 


85 


865 


840 


852 i 14 


23 


21,2 


89 


86 


j 85 


^ 85 


875 


850 


862 16 


24 


23,0 


89 


85 


! 84 


85 


870 


845 


857 9 bis 24 


26 


22,0 


89 


87 


86 


88 


880 


870 


875 7 bis 23 


29 


18,0 


85 


87 


i 80 


86 


860 


830 


845 6 bis 23 



Aus den angeschriebenen Lattenmeterlängen ist dann mit Inter- 
polation nach den folgenden Figuren der Wert der Länge des Latten- 
meters in Millimetern entnommen und auf 18° C. reduziert worden, 
vgl, die Haupttabelle 6. in IV. Von den drei hier eingefügten 
Fig. 9, 10, 11 gibt 9, als Beispiel von im ganzen vier solchen 



152 



Figuren, für die Vorderseite der Latte 10 die Längen von 5 ver- 
schiedenen Lattenmetern (bei den in der obigen Tabelle 5 links an- 



099.30 




Latte 10,\'bratTseite. 

— 55- m 

75-ri5 

95 -US 

— - 115-16S 

135- ISS 

Mittel aixs 

Vorder^ und. Rü.ch= 

Seite. 



999.1 (1' . 



Juh.7 8 9 10 U IZ 13 Itt i5A6. 17. 18 19. 20.Z1 22 23 2t 25 Z6 ZT 2S 29. 

Fii"". 9. 



999,90 




Latte 10 

— Vorderseite. 

- - Rückseite. 

Mittel OXIS J Order = 

UJid Rui'kseite . 

Mittel caisLaHelO 

icndlOÄ 



Juli, 7. S. 9. 10. U 11. 13. li. lä lh\ IT tu. 19 tü U 22 23. 2^-. 25. 2ß 27 ZS ZS 30 31. 

Fig. 10. 




Latte lOA 

VardersoJte . 

HückseUe . 
-MitteL aus lbtxler= 

und Riiilteeite . 
-Mittel aiisLattelO 

und lOA. 



999,7Q 



Juli, 7 8 9 10 n iz 13 m 15 le n is 19 20 n zz zs 24 25 zu Z7 zs.zs m> 

Fi2-. 11. 



gegebenen Temperaturen), nämlich der Lattenmeter zwischen den 
Strichen 55 und 105: 75 und 125: 95 und 145: 115 und 165: 



— 153 — 

185 und 185. Der Parallelismus der einzelnen Linien ist befriedigend ; 
beigefügt ist in Fig. 9 auch noch die (in Fig. 10 wiederkehrende) 
Linie für das Mittel der Lattenmeterbestimmungen auf Vorder- und 
Rückseite der Latte. Die Fig. 10 und 11 geben graphische Dar- 
stellungen der tatsächlichen Veränderungen der Länge eines durch- 
schnittlichen Lattenmeters (bei den in der Tabelle 5 links angegebenen 
Temperaturen) für die Latten 10 und 10 A; in beiden Figuren ist 
Vorderseite und Rückseite getrennt, sodann das Mittel aus Vorder- 
und Rückseite für jede Latte, endlich das Gesamtmittel für beide 
Latten zusammen angegeben. 

Bemerkenswert ist in den Fig. 10 und 11, daß auf Latte 10 
das Meter der Vorderseite sich etwas kürzer zeigt als das Meter der 
Rückseite vom 7. bis 17. Juli (abgesehen vom 15. Juli, wo die Differenz 
ist), daß aber das Vorzeichen dieser Differenz entgegengesetzt ist 
vom 18. bis 26. Juli; erst die letzte Bestimmung vom 29. Juli zeigt 
wieder das frühere Vorzeichen (und dieses hat sich bis November 
1902 und weiter erhalten). Dies ist für die Latte 10 kein er- 
wünschtes Zeichen , doch sind die Abweichungen im allgemeinen 
wenige Hundertel Millimeter. Bei der Latte 10 A ist ein solcher 
Umschlag des Vorzeichens der Differenz zwischen Vorderseite und 
Rückseite nicht vorhanden ; man wird hiernach allein schon die 
Latte 10 A als die bessere erklären dürfen. 

IV. Ergebnisse des Nivellements von 1902. 

1. Endgültige Zahlen der Höhenunterschiede und für die Höhen der Punkte. 

Die folgende Tabelle 6. enthält zunächst die sämtlichen ge- 
messenen Höhenunterschiede (nach der Lageplanordnung, nicht chrono- 
logisch geordnet), Spalte 1 gibt den Halbtag der Messung; Spalte 2 
die 2 Endpunkte der Strecke ; dabei ist nochmals daran zu er- 
innern, daß der Hilfspunkt H' den Ausgangspunkt des Nivellements 
unter der Höhenmarke am Böblinger Bahnhof, C den Bolzen am 
Rathaus in Gerlingen, L den Endpunkt des Nivellements am Bahn- 
warthaus in Lustnau bedeutet. Die Stellung der Zahlen der End- 
punkte jeder Strecke gibt zugleich an, in welcher Richtung nivelliert 
ist, z. B. bedeutet 

2, 3 Nivellement von Pnnkt 2 nach Punkt 3 

3, 2 „ „ „ 3 . „ 2; 

übrigens ist für diese eigentlichen Nivellementsstrecken jedesmal 
noch hinzugefügt: 



- 154 — 

A = Nivellement in der Richtung Böblingen — Lustnau oder 
B = Nivellement „ „ „ Lustnau — Böblingen. 

Bei der Bestimmung der kleinen Höhenunterschiede zwischen 

den 2 Festpunkten eines Punktepaars: 1,2; 3, 4; 5, 6; 

68, 64; 65, 66, die je von einer Aufstellung des Instruments aus 
gemacht wurde, ist diese Unterscheidung nicht angegeben, doch ist 
auch hier auf das Vorzeichen zu achten. Die Länge dieser gleich- 
sam kleinen seitlichen Ausbiegungen des Nivellements, welche durch- 
schnittlich 2 X 18,5 m beträgt, ist aber je in Spalte 9 (s. u.) an- 
gegeben , um bei der Gesamtlänge der Nivellementsstrecke mit- 
gerechnet zu werden. 

Spalte 3 gibt die unmittelbaren Messungszahlen für die in der 
Richtung A und B erhaltenen Höhenunterschiede (Mittel aus Latten- 
seite I und H in jeder Nivellementsrichtung) an, reduziert nur für 
die Neigungen der Ziellinien. Das Zeichen -f bedeutet Steigen, 
— Fallen in der Richtung des Nivellements (so daß A und B ent- 
gegengesetzte Zeichen haben). 

Spalte 4 Lattentemperatur bei der Messung und Betrag der 
Reduktion des gemessenen Höhenunterschieds auf + 18*^ C. ; 

Spalte 5 Messungszahlen für die Höhenunterschiede nach An- 
bringung der Reduktion 4) ; 

Spalte 6 die für das Lattenmeter bei -f- 18° C. den Latten- 
vergleichungen gemäß anzunehmende Länge (Mittel der 2 Seiten 
jeder Latte und der beiden Latten) ; 

Spalte 7 die hiernach sich wegen unrichtiger Lattenlänge er- 
gebende Reduktion der gemessenen Höhenunterschiede; 

Spalte 8 die mit dieser Verbesserung 7 versehenen Höhen- 
unterschiede; und endlich 

Spalte 9 die einfache Länge der Nivellementsstrecke in Kilo- 
metern. 

Zu bemerken ist zu dieser Tabelle nur noch , daß (vgl. *) im 
Anfang der Tabelle bei den Strecken 2, 8 und 4, 5 zwei Strecken 
dreimal statt zweimal nivelliert sind, nämlich zweimal in der 
Richtung A, einmal in der Richtung B. Für'alles Folgende ist bei 
diesen beiden Strecken das Mittel der 2 Messungen A genommen, 
dieses Mittel dann aber bei der Differenzbildung (A— B) wie eine 
einfache Messung A behandelt. 



155 



Tabelle 6. 



Datum 
1902 



H(>lien- 

unter- 

schied 

zwischen 

den 

Punlcten 

Nr. 



Ge- 
messener 
Höhen- 
unter- 
schied 

m 



C. 



+ 



Gemessener 

Höhen- 
unterschied 
reduziert 
auf die 
Latten- 
temperatur 
+ 18" C. 

m 



Länge 
eines 
Latten- 
meters 
bei + 
18° C. 
mm 


Keduktion des ge- 
messenen Höhen- 
untersch. wegen un- 
richtiger Lattenl an ge 


mm 


6. 


7. 



Re- 
duziej'ter 
Höhen- 
unter- 
schied 

m 



km 

9. 



2. 



Juli x.]\r. 

. v.M. 

. V.M. 
.. V.M. 

.. X.M.j 
. N.M. 
V.M. 

N.M.i 

V.M.| 

N.M. 
V.M. 
V.M. 

N.M. 

N.M.I. 

V.M.! 
V.M.I 

V.M. 
V.M.! 

N.M. 
V.M. 

N.M. 
V.M. 

N.M. 
V.M. 

V.M. 
V.M. 

N.M. 
N M. 

V.M. 
N.M. 



H'l 
1 H' 



9. , 

8. , 

9. , 

9- . 

10. ., 



2 3'A* 

3 2jB 

2 SjA* 

3 4 
3 4 

4 5IA* 

5 4|ß 
4 5A* 

5 6 
5 6 

6 7A 

7 6!B 

7 8 
7 8 

8 9jA 

9 8!b 

9 10 
9 10 

10 lllA 

11 io'b 

11 12 
11 12 

12 ISA 

13 12B 

13 14 
13 14 



+ .5,8364 
— 5,8359 



-f 24" 
22 



— 0.0407 
-f 0,0407 

+ 5,0434 

— 5,0441 
+ 5,0433 

— 0,0162 

— 0,0162 

+ 26,5769 

— 26,5765 
+ 26,5769 

+ 0,3534 
+ 0,3531 

-f 19,6249 

— 19,6244 

+ 0,2635 
4- 0,2635 

+ 19,1031 
— 19,1037 

— 0,3185 

— 0,3185 

— 12,9812 
-f 12,9815 

— 0,1274 

— 0,1276 

— 12,1239 
+ 12,1261 

— 0,3451j 

— 0,3447 



+ 0,1 
— 0,1 



+ 0,1 
-0,0 

+ 0,1 



+ 0,7 
— 0,3 
+ 0,3 



5,8365 999,8321 
5,8360' 8321 



+ 5,0435 999,821 
- 5,0441 821 
4- 5,0434' 821 



+ 26,5776 
— 26,5768 
+ 26,5772 



12 —0,5 + 19,6244 

13 + 0,4 - 19,6240 



— 0,3 + 19,1028 
+ 0,7:— 19,1030 



-0,2 

+ 0,2 



— 12,9814 
+ 12,9817 



- 12,1244 
+ 12,1260 



999,809 
809 
809 



999,816 
816 



999,816 
816 



999.816 
812 



999,800 



800 



-1,0 
+ 1,0 

0,0 

— 0,9 
+ 0,9 

— 0,9 

0,0 

— 5,1 

+ 5,1 
--5,1 

-0,1 

— 3,6 
+ 3.6 

0,0 

— 3,5 

+ 3,5 

+ 0,1 

+ 2,4 

— 2,4 

0,0 

+ 2.4 

— 2,4 

+ 0,1 



+ 5,8355 
5,8350 



— 0,0407 

+ 0,0407 

+ 5,0426* 

— 5,0432 
+ 5,0425* 

— 0,0162 

— 0,0162 

+ 26,5725' 

— 26,5717 
+ 26,5721= 

+ 0,3533 
+ 0,.3530 

+ 19,6208 
— 19,6204 

+ 0,2635 
+ 0,2635 

+ 19,0993 
— 19,0995 

— 0,3184 

— 0,3184 

— 12,9790 
+ 12,9793 

— 0,1274 

— 0,1276 

— 12,1220 
+ 12,1236 

— 0,3450 

— 0,3446 



0,99 
0,03 

0,69 

0.02 

0,92 

0,04 
0,99 
0,02 
0,59 
0,02 
0,89 
0,02 
0,86 
0,02 



156 





Datum 
1902 


1 Höhen- 
' unter- 
schied 

zwischen 
1 den 

Punkten 
1 N'-. 


Ge- 
messener 
Höhen- 
unter- 
schied 

m 


ii 
11 


G 

.2!b 

1+ 


Gemessener Länge 

Höhen- eines 

unterschied ' 
reduziert Latten- 
auf die ineters 

Latten- i ■ i 
temperatur "^^ i 

+ 1.0 c. : 18» C. 


Keduktion des ge- 
messenen HöhPH- 
untersch. wegen un- 
richtiger Lattenlänge 


Re- 
duzierter 
Höhen- 
unter- 
schied 

m 


1 1 




c. 


mm 


m mm 


mm 


:km 




1. 


• 2. 


3. 


4. 


5. 6. 1 7. 


8. 


1 9. 



14. Juli N.M. 


14 C jA 


15. „ V.M. 


C 14 B 


16. ., V.M. 


C 15 |A 


15. „ V.M. 


15 C |b 


15. .. V.M. 


15 16 



15. 

15. 
16. 

15. 

16. 

16. 
17. 

16. 
17. 

17. 

16. 

17. 
17. 

17. 
17. 

17. 

18. 

18. 
21. 

18. 
19. 

18. 
20. 

18. 
19. 

18. 
19. 



N.M. 15 16 

NM 16 17 A 
V.M. 17 16 B 

NM. 17 18 
V.M. 17 18 



N.M. 

V.M.' 



19A 
18'B 



18 
19 

N.M.; 19 20 
V.3I.| 19 20 

NM. 20 21; A 
N.M. 21 20 iB 

N.M.I 21 22 
N.M. 21 22 



N.M. 22 
N.M. 23 



23A 
22iB 



N.M.I 23 24 
V.M. 23 24 

V.M. 24 25 A 
V.M. 25 24 B 

V.M. 25 26 
NM 25 26 



- 15,2475 
+ 15,2482 

-f 13,3957 
— 13,3935 

+ 0,1402 
+ 0,1396 

+ 18,5763 

- 18,5746 

4- 0,5584 
-f 0.5579 

- 0,3036 
-f 0,3024 

+ 0,0213 
4- 0,0216 

-f 0,4275 
- 0,4269 

- 0,3298 

- 0,3300 

- 22,0790 
+ 22,0800 

+ 0,5471 
+ 0,5469 

+ 27,3994 

- 27,3968 

l-f- 0,2242 
-f 0,2242 



V.M, 
N.M. 

V.M. 
N.M. 



27A 
26 B 



27 28 
27 28 

N.M. 28 29 A 
V.M. 29 28 B 



2,8645 
2,8643 

0,1616 
0,1621j 

5,4923 
5.4938; 



-0,4 
+ 0,6 

0,0 
— 0,2 



+ 0,3 
— 0,2 



- 0,3 
+ 0,2 



0,0 

+ 0, 



— 15,2479 

+ 15,2488 

+ 13,3957 
- 13,3937 



+ 18,5766 
— 18,5748 



— 0,3036 
+ 0,3024 



+ 0,4275 
— 0.4269 



— 22,0793 
+ 22,0802 



+ 27,3994 
- 27,3961 



- 2.8645 
+ 2,8643 



5,4924 
+ 5,4937 



999,785 
785 


+ 3,3 
-3,3 


999,785 

785 


-2,9 

+ 2,9 




0.0 


999,777 
793 


— 4,2 

+ 3,8 




— 0,1 


999,808 
828 


+ 0,1 
— 0,1 




0.0 


999,830 
808 


— 0,1 

+ 0,1 




+ 0,1 


999,835 
835 


+ 3,6 
-3,6 




-0,1 


999,815 
875 


— 5,1 

+ 3,4 




0.0 


999,820 

844 


+ 0,5 
- 0,4 




0,0 


999,815 
813 


+ 1,0 
— 1,0 



— 15,2446 
+ 15,2455 

+ 13,3928 

— 13,3908 

+ 0,1402 
+ 0,1396 

+ 18,5724 

— 18,5710 

+ 0,5583 
+ 0,5578 

— 0,3035 



0.41 



1.01 



0,03 



0,C2 



+ 0,3023! 
-f 0,0213 



0,76 



+ 0,0216 

+ 0,4274' 

— 0,4268 

— 0,3297 

— 0,3299 

— 22,0757 
+ 22,0766 

+ 0,5470 
+ 0,5468 

+ 27,3943 

— 27,3927 



, 0,02 



0.2242 
0,2242 

2,8640 
2,8639 

0,1616 
0.1621 



— 5,4914 I 
+ 5,4927 



[0,61 

! 0.(13 

0,45 

0,02 I 

0,85 

0,02 

0,78 

0,04 

0,67 



15" 



Datum 
i;)02 



I Höhen- 
I iinter- 
schied 
I zwischen 
1 den 
i Punkten 
^ Nr. 



Ge- 




\ . 


messener 


i:^ 


c 


Höhen- 


ii 


.2§o 








unter- 


oT^ 


^ + 


schied 


^1 




m 


c. 


mm 



Gemessener 


Länge 


^M 


Höhen- 


eines 


£.-§§ = 


unterschied 
reduziert 


Latten- 


VtH 


auf die 


meters 


V.^äu 


Latten - 
temperatur 


bei-f 


Redu^ 

messe 

untersc 

richtige 


-f- 18» C. 


18» C. 


m 


mm 


mm 



Ee- 
duzierter 
Höhen- 
unter- 
schied 

m 






km 
9. 



Juli N.M. 

.. V.M. 

_ N.M. 

. V.M. 

., N.M. 

, V.M. 

. V.M. 

.. V.M. 

„ N.M. 

, V.M. 

.. N.M. 

.. N.M. 

., N.M. 

, V.M. 

„ N.M. 

.. V.M.; 

.. V.M.j 

, N.M.! 

, N.M. 

, N.M. 

.. V.]|[. 

, N.M.: 

. V.M. 

.. V.M. 

., N.M. 

, N.M. 

.. N.M. 

, N.M. 

, N.M. 

, V.M. 

, V.M. 

.. V.M 



29 30 
29 30 

30 31 A 

31 30!b 

31 32 
31 32 

32 33A 

33 32 B 

33 34 
33 34 

34 35A 

35 34 B 

35 36 
35 36 

36 37A 

37 36 B 

37 38 
37 38 

38 39 A 

39 38 B 

39 40 
39 40 



40 41 

41 40 



41 42 
41 42 

42 43 A 

43 42 B 

43 44 
43 44 

44 45A 

45 44B 



— 0,3367 

— 0,3368 

— 5,8837 
-f 5,8850 

— 0,2893 

— 0,2897 

— 16,0014 
4- 15,9999j 

4- 0,1567| 
+ 0,1567 

+ 1,7133 

— 1,7121 

+ 0,0322 
+ 0,0320 

- 16,1438 
+ 16,1431 

— 0,8782 

— 0,8777 

— 19,7254 
+ 19,7257 

— 0,4704 

— 0,4706 

— 28,6784 
+ 28,6793 

— 0,5201 

— 0,5197 

— 17,0798 
-f 17,0802 

— 0,1751 

— 0,1747 

— 17,4500 
+ 17,4472 



+ 21° 
14 



-0,1 
-0,1 



1+0,2 
— 0,2 



5,8838 999,815 



+ 0,2 
-0,2 



- 0,5 



+ 0,1 
— 0,6 



+ 0,1 
— 0.1 



-l- 5,8849 



— 16,0012 
+ 15,9997 



f 1,7133 
- 1,7121 



16,1436 
16,1429 



19,7252 
19,7252 



~ 28,6783 
+ 28,6787 



- 17,0797 

+ 17^0801 



8I3' 



999,875 
875 



1+0.4^ 
1 0,0: 



999,869 
869 



999,869 
858 



999,854 
858 



999,860 
860 



999,861 
861 



999,858 



+ 0,1 

+ 1,1 
-1,1 

+ 0,1 

+ 2,0 

— 2,0 

0,0 

— 0,2 

+ 0,2 

0,0 

+ 2,1 

— 2,3 

+ 0,1 

+ 2,9 

— 2,8 

+ 0,1 



17,4496 
17,4472 858 



+ 4,0 


-4,0 


+ 0,1 


+ 2.4 


-2,4 


0,0 


+ 2,5 


-2.5 



— 0,3366 

— 0,3367 

— 5,8827 
+ 5,8838 

— 0,2892 

— 0,2896 

— 15.9992 
+ 15,9977 

+ 0,1567 
+ 0,1567 

+ 1,7131 

— 1,7119 

-f 0.0322 
+ 0,0320 

— 16,1415 
+ 16,1406 

— 0,8781 

— 0,8776 

— 19,7223 
+ 19,7224 

— 0,4703 

— 0,4705 

-f 28,6743 
+ 28,6747 

~ 0,5200 

— 0,5196 

— 17,0773 
+ 17,0777 

— 0,1751 

— 0,1747 

— 17,4471 
+ 17,4447 



0,04 
0,73 
0.02 
0,70 
0,02 
0,40 
0,04 
0.53 
0,04 
0,67 
0,03 
0,72 
0.03 
0,73 
0,02 
0,78 



— 158 



Datum 
1902 



Höhen- 
unter- 
schied 
zwischen 

den 

Punkten 

Nr. 



Ge- 
messener 
Höhen- 
unter- 
schied 



1^ ^ 



Z^ 



Hg 



, Gemessenen Länge 
Höhen- 



i unterschied 



1 + 



mm 



eines 

uuteiöuiiitju I 
reduziert Latten- 
auf die meters 

Latten- ; , . |^ 
temperatur "^^ i" 

+ ISO c. 1 18» C. 
m i mm 



'2 c A h 



«Sgl 



Re- 
duzierter 
Höhen- 
unter- 
schied 



c tc 



km 
IT 



24. Juli V.M. 

24. ., N.M. 

, N.M. 

, N.M. 

., N.M. 

, N.M. 

.. N.M. 

.. V.M. 

„ V.M. 

„ V.M. 

., V.M. 

, V.M. 

., V.M. 

, V.M 

„ N.M. 

, N.M. 

, N.M. 

, N.M. 

„ N.M. 

, V.M. 

„ N.M. 

, V.M. 

„ V.M. 

„ V.M. 

, V.]\I. 

, N.M. 

. N.M. 

.. N.M. 

, N.M. 

. V.M. 

. V.M. 

.. V.M. 



45 46 
45 46 



47|A 
46|B 



47 48 
47 48 



49jA 
48 JB 



49 50 
49 50 



51iA 
50|B 



51 52 
51 52 



53:a 

52B 



53 54 
53 54 



55 A 
54 B 



55 56 
55 56 



57A 
56|b 



57 58 
57 58 



59;a 

58|b 



59 60 
59 60 



61A 
60;B 



— 0,1114 

— 0,1115 

— 8,4113 
+ 8,4138 

— 0,0758 

— 0,0761 

— 9,6262 
+ 9,6283 

+ 0,0137 

+ 0,0135 

— 15,0101 
-f 15,0132 

— 0,1349 

— 0,1853 

— 5,9104 
+ 5,9106 

— 0,1942 

— 0,1941 

- 5,5403 

+ 5,5417 

— 0,2366 

— 0,2366 

— 5,5958 
-I- 5.5954 

— 0,1449 

— 0,1447 

^ 6,2572 

-f 6.2570 

— 0,0120 

— 0,0116 

— 2,4144 
+ 2,4163 



13 



0,1;— 8,4114 999,860 
0,1 ;+ 8,4139 860 



0,01 



— 0,1 

+ 0,1 



— 9,6262,999,860 
-f 9,6283| 866 



— 15,0103 999,866 
+ 15,0130 866 



- 5,9105 999,866 
+ 5,9107 866 



0,lj- 5,5404 999,866 
0,0+ 5,5417 866 



+ 0,2j— 5,5956j999,873 
— 0,l'+ 5,5953 873 



0,01 



— 6,2572 999,860 
-f 6,2570 860 



0,0 

+ 1,2 

— 1,2 

0,0 

+ 1,3 

— 1,3 

0,0 

+ 2,0 

— 2,0 

0,0 

+ 0,8 
-0,8 

0,0 

+ 0.7 

— 0,7 

0,0 

+ 0,7 
-0,7 

0,0 

+ 0,9 

— 0,9 



0,01 



2,4144 999,860 
2.4163' 860 



0,3 
0,3 



— 0,1114 

— 0,1115 

— 8,4102 
+ 8,4127 

— 0,0758 

— 0,0761 

— 9,6249 
+ 9,6270 

+ 0,0137 

+ 0,0135 

— 15,0083 
+ 15,0110 

-- 0,1349 

— 0,1353 

— 5,9097 
+ 5,9099 

— 0,1942 

— 0,1941 

— 5,5397 
+ 5,5410 

— 0,2366 

— 0,2366 

— 5,5949 
+ 5,5946 

— 0,1449 

— 0,1447 

— 6,2563 
+ 6,2561 

— 0,0120 

— 0,0116 

— 2,4141 
+ 2.4160 



0,03 
0,73 
0,02 
0,69 
0,03 
0,76 
0,03 
0,60 
0,03 
0,73 
0,03 
0,62 
0,02 
0,73 
0,03 
0.51 



159 



1 )atum 
1902 


Höhen- 
unter- 
schied 
zwischen 

den 

Punkten 

Nr. 


Ge- 
messener 
Höhen- 
unter- 
schied 

m 


l| 


Sä 

1+ 


Gemessener 

Höhen- 
unterschied 
reduziert 
auf die 
Latten - 
temperatur 
-f 18" C. 

ni 


Länge 
eines 
Latten- 
meters 
bei + 
18» 0. 
mm 


Beduklion des ge- 
messenen Höhen- 
uuterseh. wegen un- 
richtiger Lattenlänge 


Ee- 
duzierter 
Höhen- 
unter- 
schied 

m 


1! 

Hl S 

c > 
HP 




C. 


mm 


mm 


km 


1. 1 2. ! 8. : 4. 1 ö. (i. : 7. 


8. 


9. 


29.Julix\.M. 
29. , N.M. 


1 
61 62 1 + 0,1520 
61 62 +0,1520 










+ 0,1520 
+ 0,1520 


0,04 


28. . N.M. 

29. , V.M. 


62 63 A — 6,3048 

63 62 B +6,3043 


+ 15" 
10 


+ 0,1 
-0,2 


— 6,3047 
+ 6,3041 


999,860 
850 


+ 0,9 
-0,9 


- 6,3038 
+ 6,3032 


0,93 


29. „ N.M. 
29. , N.M. 


63 64 - 0,1528 
63 64 —0,1580 










0,0 


— 0,1528 

- 0,1530 


0,03 


29. „ V.M. 
29. , N.M. 


64 65A— 1,6455 

65 64 B + 1,6458 


18 
20 


0,0 


- 1,6455 
+ 1,6458 


999,850 
845 


+ 0.2 
— 0.3 


- 1,6453 
+ 1,6455 


0,52 


29. , N.M.' 65 66 +0,0250 
29. , N.M. 65 66 +0,0250 










0,0 


+ 0,0250 
+ 0,0250 


0,02 


29. ., V.M. 
29. , V.M. 


66 L |A 
L 66 iB 


+ 2,0552 
— 2,0540 


20 
22 


0,0 


+ 2,0552 
— 2,0540 


999,850 

SöO 


-0.3 
+ 0,3 


+ 2,0549 
- 2,0537 


0,52 



Von Notizen aus den Messungsheften sind etwa noch besonders 
anzuführen : bei 35 34 (B) fiel der Schluß der Messung in die 
Dämmerung; bei 45 44 (B) stärkeres Zittern der Lattenbilder; 48 
49 (A) teilweise bei Regen. Es seien bei dieser Gelegenheit über- 
haupt alle Notizen über die Witterung, die sich in den Beobachtungs- 
heften finden, angeführt, abgesehen von den selbstverständlichen, in 
kurzen Zwischenräumen sich folgenden Temperaturmessungen: 

Ulli \'.M. trüb, regnerisch, 
später windig; gegen Mit- 
tag sonnig, aber starker 
^Vind, abgeliroclieii. 
Sonntag.) 

\'.^r. Ix'dcckt . später 
sdüiiig, leichtes Zittern 
(l.T lüldcr: l)ci 11 10 (B) 
l»ci dvv l<'tzTcn .\ufstellung 
Hildei- uiiruliig. 
.. X.M. heiß, sonnig, Mes- 
sung kann erst 4'' be- 
gonnen werden wegen 
steter riu'uhe der IJilder. 



10. 
1 1. 



Juli keine Bemerkung. 
V.M. bald sonnig. 

., V.M. keine Bemerkung. 

,, N.M. sonnig, nbends tVi- 
sclier Wind. 

,. WSL bedeckt, windig: 
titwa von 8^ 15 a.n stär- 
kerer Wind, al)er iiiclit 
abgebrochen. 
N.M. keine Bemerkung. 

,, \'.M, trüb, regnerisch, win- 
dig (10^ starker Wind, 
der zum Abbrechen nötigt). 

., N.3[. trüb, regnerisch. 



(i:;. 
11. 



14. 



160 



15. Juli ^'.J\I. soiiniii-. dann von 
1'2^ au Eegeu. 
N.M. trüb, reguerisch. 
V.M. trüb, regnerisch, spä- 
ter besser. 

N.M. sonnig, windig. 
V.M. trüb, regnerisch den 
ganzen V.M. 



15. 
16. 



18. 
19. 



19. 



(20. 
21. 



22. 
22. 



z. T. windig, 
regnerisch, 



T. leicht 
unruhig, 



V.M. sonnig, 
V.M. kühl , 
windig. 

N.M. ^Bilder z. 
bewegt, später 
abgebrochen. 
Sonntag.) 

kühl, N.M Gewitter, Be- 
ginn der Arbeit 4'' 30 ; 
letzte Ablesungen bei un- 
genügender Beleuchtung. 
V.M. von 9^ an regnerisch, 
windig, Schluß 11^. 
N.M. Beginn o^ , sonnig, 
ziemlich starker Wind ; 
später trüb und windig. 



24. 



24. 



25. 



(27 

28. 



Juli ^'.M. regnerisch, von 8** 45 
an Arbeit in leichtem 
Regen, später wiederSonne, 
windig bis ziemlich starker 
Wind , aber nicht abge- 
brochen. 

,. N.M. keine Bemerkung. 

., V.M. sonnig, von 9^ an 
leichtes Zittern der Bilder, 
später stärker, 10^ ab- 
gebrochen. 

,. N.M. Beginn 3^, gewitter- 
haft, schwül, abends Eegen, 
aber nicht abgebrochen. 

.. morgens trüb , dann reg- 
nerisch, später besser. 

,. N.M. sonnig. 

.. morgens sehr kühl, dann 
V.M. sonnig, leichtes Zit- 
tern, 10*^ abgebrochen. 

.. Sonntag.) 

., V.M. regnerisch , Beginn 
erst 10^ 30 möglich. 

,, N.M. sonnig und windig; 
3'^ leichtes Zittern , spä- 
j ter unruhige Bilder (ab- 

' gebrochen), abends besser. 

Die folgende Tabelle 7 gibt ferner das Gesamtresultat des 
Nivellements in Form von N.N. -Höhen, unter der Annahme: 

Höhenmarke H am Bahnhof Böblingen = 439,221 m 
über N.N., aus der abgeleitet ist: 

Hilfspunkt H' (nicht vermarkt) unter der Höhenmarke 
= 437,539 m über N.N. 

Wie schon bemerkt wurde , sind bei den folgenden Höhen- 
zahlen nur die Ergebnisse des Nivellements selbst verwendet, die 
Korrektionen mit Ausnahme der zur Zurückführung der gemessenen 
Höhenunterschiede auf normales Maß notwendigen weggelassen, so 
daß es z. B. ganz gleichgültig ist, daß als Höhenzahl für den End- 
punkt L des Nivellements am Bahnwarthaus Nr. 50 bei Lustnau 
315,9'-585 ü. N.N. erscheint, während die Zahl in der Veröffent- 
lichung ^), vgl. S. 114, zu 315,899 angegeben ist: 

Spalte 1 bezeichnet die einzelnen Strecken ; 

Spalte 2 enthält das Mittel der 2 Nivellierungen in verschiede- 
nem Sinn (A-Richtung Böblingen — Lustnau, B-Hichtung Lustnau 



IGl 



Tabelle 



vellements- 
.Strecke 



Mttel 

der Nivellierungen 

A und B 



Festpunkt 
Nr. 



Entfernung 

von H' in 

km 



N.N.-Höhe mit 
H' = 437,539 



H- 


1 


1 


2 


2 


3 


3 


4 


4 


5 


5 


6 


6 


7 


7 


8 


8 


9 


9 


10 


10 


11 


11 


12 


12 


13 


13 


14 


14 


C 


C 


15 


15 


16 


16 


17 


17 


18 


18 


19 


19 


20 


20 


21 


21 


22 


22 


23 


23 


24 


24 


25 


25 


26 


26 


27 


27 


28 


28 


29 


29 


30 


30 


31 


31 


32 


32 


33 



+ 


5,8352 


— 


0,0407 


+ 


5,0429 


— 


0,0162 


+ 


26,5720 


+ 


0,8532 


+ 


19,6206 


+ 


0,2635 


+ 19,0994 


— 


0,3184 


— 


12,9791 


— 


0,1275 


— 


12,1228 


— 


0,3448 


— 


15,2450 


+ 


13,3918 


+ 


0,1399 


+ 18,5717 


+ 


0,5580 


— 


0,3029 


+ 


0,0215 


+ 


0,4271 


— 


0,3298 


— 


22,0761 


+ 


0,5469 


-4- 


27,3935 


+ 


0,2242 


— 


2,8639 


.-^ 


0,1619 


— 


5,4921 


— 


0,3367 


— 


5,8832 


— 


0,2894 


— 


15,9985 



eshefte d. Vereins f. vaterl. Naturkuiido i 



H' 


0,00 


1 


0,99 


2 


1,02 


3 


1,71 


4 


1,73 


5 


2,65 


6 


2,69 


7 


3,68 


8 


3,70 


9 


4,29 


10 


4,31 


11 


5,20 


12 


5,22 


13 


6,08 


14 


6,10 


C 


6,51 


15 


7,61 


16 


7,64 


17 


8,36 


18 


8,38 


19 


9,14 


20 


9,16 


21 


9,77 


22 


9,80 


23 


10,25 


24 


10,27 


25 


11,12 


26 


11,14 


27 


11,92 


28 


11,96 


29 


12,63 


30 


12,67 


31 


13,40 


32 


13,42 


in Wüi 


tt. 190C. 



437,5390 
443,3742 
443,3335 
448,3764 
448,3602 
474,9322 
475,2854 
494,9060 
4951695 
514,2689 
513,9505 
500,9714 
500,8439 
488 7211 
488,3763 
473,1313 
486,5231 
4866630 
505.2347 
505,7927 
505,4898 
505-5113 
5059384 
5056086 
483,5325 
484,0794 
511,4729 
511,6971 
508,8332 
508,6713 
503,1792 
5028425 
496,9593 
495.6699 

11 



— 162 — 



Nivellements- 
Strecke 



Mittel 

der Nivellierungen 

A und B 



Festpunkt 
Nr. 



Entfernung ! 

von H' in 

km 



N.N.-Hölie mit 
H' = 437,539 



33 


34 


34 


35 


35 


36 


36 


37 


37 


38 


38 


39 



39 40 

40 41 

41 42 

42 43 

43 44 

44 45 

45 46 

46 47 

47 48 

48 49 

49 50 

50 51 

51 52 

52 53 

53 54 

54 55 



2. 



+ 0,15G7 
+ 1,7125 
+ 0,0321 

— 16,1410 

— 0,8779 

— 19,7224 

— 0,4704 

— 28,6745 

— 0,5198 
- 17,0775 

— 0,1749 
— 17,4459 

— 0,1114 

— 8,4114 

— 0,0760 

— 9,6260 
+ 0,0136 

— 15,0096 

— 0,1351 

— 5,9098 

— 0,1941 

— 5,5404 



55 56 


— 0,2366 


56 57 


— 5,5947 


57 58 


— 0,1448 


58 59 


- 6,2562 


59 60 


— 0,0118 


60 61 


— 2,4151 


61 62 


+ 0,1520 


62 63 


- 6,3035 


63 64 


— 0,1529 


64 65 


— 1,6454 


65 66 


+ 0,0250 


66 L 


+ 2,0543 



33 1 


14,12 


480,6714 


34 


14,14 , 


480,8281 


35 


14.54 


482.5406 


36 i 


14,58 


482,5727 


37 ! 


15,11 


466,4317 


38 


15,15 


465,5538 


39 i 


15,82 


445,8314 


40 


15,85 


445,3610 


41 


16,57 


416,6865 


42 


16,60 


416,1667 


43 


17,33 


399,0892 


44 


17,35 


398,9143 


45 


18,13 


381,4684 


46 


18,16 


381,3570 


47 


18,89 


3729456 


48 


18,91 


372,8696 


49 


19,60 


363,2436 


50 


19,63 


3632572 


51 


20.39 


348,2476 


52 


20,42 


348.1125 


53 


21,02 


342,2027 


54 


21,05 


342,0086 


55 


21,78 


336,4682 


56 


21,81 


336,2316 


57 


22,43 


3306369 


58 


22,45 


330,4921 


59 


23,18 


324,2359 


60 


23.21 


3242241 


61 


23,72 


321.8090 


62 


23,76 


321,9610 


63 


24,69 


3156575 


64 


24,72 


315,5046 


65 


25,24 


3138592 


66 


25,26 


313.8842 


L 


25,78 

] 


315,9385 



— 163 — 

— Böblingen), bei den Hauptstrecken (unterstrichen) das Mittel 
der 2 vollständigen Bestimmungen, bei den Zwischenstrecken mit 
nur wenigen Ausnahmen ebenso ; mit + ist stets das Steigen in 
der Richtung A bezeichnet. 

Spalte 3 gibt die Nummer der Festpunkte, deren Entfernung 
von H' auf dem Nivellementsvveg in Spalte 4 und deren N.N.-Höhe 
(in dem oben angegebenen Sinn) in Spalte 5 angegeben ist. 

2. Berechnung der mittlem Fehler. 
Für die mittlem Fehler ergibt sich zunächst auf den Haupt- 
strecken, also mit vorläufiger Weglassung der Bestimmung der Höhen- 
unterschiede in den Zwischenstrecken, nach der üblichen Rechnungs- 
weise mit Hilfe der Differenzen der zwei ganz unabhängig ausgeführten 
Nivellierungen A (Richtung Böblingen — Lustnau) und B (umgekehrt) 
jeder Strecke der mittlere km-Fehler m,, wenn 

A B = d 

gesetzt wird, aus : 



/ d^ 



A / d^ 



Da nämlich die Zielweite zwar auf jeder Strecke konstant, auf 
den einzelnen Strecken aber nicht dieselbe ist, so können die einzelnen 
Strecken nicht zu der sonst üblichen Formel 



Vim 



(2) 



zusammengefaßt werden. Zu erinnern ist hier nochmals daran, daß A 
und B selbst schon die Mittel aus 2 Nivellierungen (Vorder- und Rück- 
seite der zwei Latten) sind, die jedoch von denselben Aufstellungen 
des Instruments aus und mit denselben Wechselpunkten gemacht 
sind, daß dagegen A und B vollständig getrennte, in entgegen- 
gesetzter Richtung ausgeführte Nivellierungen vorstellen. Die Ge- 
wichtseinheit und demnach der mittlere km-Fehler m, beziehen sich 
hienach im folgenden auf einmalige solche Nivellierung A oder B 
der Strecke 1 km. Als Längenmaß für d und m, ist das Dezi- 

d^ 
millimeter genommen; die ^^ und die m, sind auf 0,1 dmm ab- 
gerundet. 

In den d kommt das Vorzeichen „+" 17mal, das Vorzeichen 
„ — " 18mal vor (vgl. aber unten); der mittlere einfache 1 km- 
Fehler schwankt zwischen den Beträgen z: 0,7 und ± 21,9 dmm 

oder abgerundet 

+ 0,1 und + 2,2 mm (3) 

11* 



164 



Tabelle 



Strecke- 
zeiclien 


A-B = d 


i Länge 
der Strecke 


d^ 

27 


"'-Vr 


Zielweite z 
auf der 
Strecke 




dmm 


km 




dmm 


m 


1. 


2. 


3. 


i 4. 


1 5. 


1 6- 


H' 1 


1 

+ ö 


: 0,99 


; 12,5 


3,5 


1 

i 45 


2 3 


— 7 


0,69 


35.5 


60 


50 


4 5 


+ « 


0,92 


19,5 


4.4 


27 


6 7 


+ 4 


0,99 


8.0 

■ 


28 


25 


8 9 


- 2 


0,59 


3,5 


19 


20 


10 11 


- 3 


0.89 


5.0 


2.2 


50 


12 13 


— 16 


0.86 


149 


! 12,2 


1 50 


14 C 


- 9 


0,41 


98,5 


1 9.9 


25 


C 15 


+ 2,) 


1,01 


198 


14,1 


28 


16 17 


+ 14 


0,72 


136 


; 11.7 


33 


18 19 


+ 12 


0,7<) 


94,5 


i 97 


30 


20 21 


+ 6 


0,61 


i 29,5 


5,4 


50 


22 23 


— 9 


0,45 


90 ■ 


95 


25 


24 25 


+ 16 


0,85 


150 


123 


37 


26 27 


+ 1 


0.78 


0,5 


07 


50 


28 29 


— 13 


0.67 


126 


11,2 


50 


30 31 


— 11 


0,73 


83 


91 


50 


32 33 


+ 15 


0,70 


161 


12,7 


38 


34 35 


+ 12 


0,40 


180 


134 


50 


36 37 


+ 9 


0,53 


76,5 


8,7 


33 


38 39 


- 1 


0,67 


0,5 


07 


35 


40 41 


— 4 


0,72 


11,0 


3.3 


30 


42 43 


- 4 


0,73 


11,0 


3.3 


43 


44 45 


+ 24 


0.78 


369 


192 


50 


46 47 


— 25 


0,73 


428 


20,7 


48 


48 49 


-21 


0,69 


320 


179 


50 


50 51 


-27 


0,76 


479 


219 


50 


52 53 


- 2 


0,60 


3,5 


19 


50 


54 55 


-13 


0.73 


116 


108 


46 


56 57 


+ 3 


0,62 


7,5 


27 


45 


58 59 


+ 2 


0,73 


2,5 


16 


48 


60 61 


— 19 


0,51 


354 


188 


50 


62 63 


+ 6 


0,93 


19,5 


44 


36 


64 65 


- - 2 


0,52 


4,0 


20 


43 


66 L 


+ 12 


0.52 


139 


118 


40 



— 165 — 

Der Durchschnitt dieser mittlem einfachen Einkilometer- 
fehler wäre 0,864 mm und demnach der quadratische Mittelwert 
des mittlem einfachen Einkilometerfehlers zu 

+ 1,08 miu (4) 



anzunehmen, 


nii.o =- ± 1,253.0,864 
wie sich auch m^g aus 


•"1,0 = V 


/ 1 ^dd" A /7843 
2n s ^^1/70 



+ 10,6 dmm = + 1,06 mm (5) 

nahezu übereinstimmend mit (4) ergeben würde. Diese Überschläge 
(4) und (5) sind deshalb nicht genau, weil sie auf die infolge der 
Ungleichheit der auf den einzelnen Strecken angewandten Zielweiten 
verschiedenen Gewichte der in Tabelle 8 enthaltenen einzelnen m, 
keine Rücksicht nehmen. Sie genügen aber zur Charakterisierung des 
Nivellements, bei dem also als 



mittlerer Einkilometsrfehler einfachen Nivellements (A oder B) 

mittlerer Einkilometerfehler des Mittels aus den beiden Nivelle- 
ments A und B M, n = -^- = + 0,75 mm 

V2 



(o-) 



angesehen werden darf. 

Die angestrebte Genauigkeit (1 mm für den Einkilometerfehler 
des einfachen Nivellements, ''U mm für den Einkilometerfehler des 
Doppelnivellements, vgl. oben, S. 115) wäre also hienach erreicht. 

Hier ist übrigens daran zu erinnern , daß der mittlere Kilo- 
meterfehler außer durch Vergleichung von A und B auch dadurch 
bestimmt werden kann, daß die zwei Nivellierungen I und II (Verwen- 
dung von Vorderseite und Rückseite der zwei Latten), als deren Mittel 
sich jedes der zwei Nivellements A und B darstellt, miteinander ver- 
glichen werden. Diese zwei zusammengehörigen Nivellements I und II 
sind nur nicht unabhängig voneinander wie A und B, vielmehr gleich- 
zeitig von denselben Aufstellungen des Instruments aus und mit 
identischen Wechselpunkten ausgeführt. Auch diese Vergleichung 
ist für die 35 Hauptstrecken vollständig durchgerechnet worden. 
Es genügt, hier das Gesamtergebnis anzuführen. Aus den Unter- 
schieden (und zwar je für die ganzen Höhendifferenzen der Haupt- 
strecken, nicht für die einzelnen Stände des Instruments) 

1— 11 bei Nivellement A, und ebenso 
I— 11 „ .. B tindet sich als 



— 166 — 

mittlerer Einkilomcterfehler der einfachen Xivellierung I oder II im Nivellement A 

+ 0,96 mm, 
mittlerer Einkilometerfehler der einfachen Nivellierung' I oder II im Nivellement B 

+ 0,88 mm. 

also unter sich genügend übereinstimmende Beträge. Ferner er- 
gibt sich hienach 

mittlerer Einkilomcterfehler der Nivellierung- A (Mittel aus I und II i + 0,68 nmi 
, .. B ( , •• I „ II) ± 0,62 „ 

Dieser Betrag des mittlem Einkilometerfehlers der Nivellierung 
A oder B, 

m,' = rund -/^ nim 

(und der damit sich ergebende Einkilometerfehler der Doppelnivellie- 
rung A und B, M,' = rund + ^2 mm), wie es sich aus der Yer- 
gleichung der zwei je zu A oder B zusammengehörigen Einwägungen 
I und n (und zwar nach den Höhenunterschieden auf den ganzen 
Hauptstrecken) berechnet, bleibt aber ziemlich stark hinter den in (5) 
und (5') berechneten Beträgen m, ^ (und Mj q) zurück, die sich aus 
der Vergleichung von A und B (d. h. der Mittel der zwei je 
zusammengehörigen I, H) ergeben haben. Das Verhältnis 
m/ : m^Q (oder ebenso M/ : Mjq) ist == 1 : 1,(5. 

oder: die aus den Differenzen von I und H je in A und B berechneten 
mittlem Fehler verhalten sich zu den aus den Differenzen von A 
und B selbst berechneten nur wie 

1 : 1.6 oder wie ^/s : 1. 

Dies weist auf das Vorhandensein beträchtlicher Fehlerquellen 
hin , deren Wirkung sich noch nicht in der Vergleichung der nicht 
itnabhängigen , sondern gleichzeitig, von denselben Instrumenten- 
ständen und mit denselben Wechselpunkten, in derselben Richtung 
geführten Einwägungen I und H, vielmehr erst bei der Vergleichung 
der zwei unabhängig voneinander gemessenen und in entgegengesetzter 
Richtung laufenden NivelUerungen A und B äußert. Diesen Fehlern, 
von denen nur ein Teil zufälliger Natur, ein anderer Teil aber syste- 
matischer Art sein wird, ist in 3. näher zu treten. Für das Folgende 
ist zunächst bei den (im Vergleich mit m,' und M,' größern) m. F. 
nijQ und M, (, stehen geblieben, die in (5) und (5') berechnet sind. 

Die konstanten oder durchschnittlichen Zielweiten, die auf jeder 
einzelnen Strecke angewandt werden konnten, sind in Tabelle 8. in 
Spalte 6 angegeben. Es ist hiebei nochmals daran zu erinnern, 
daß auf mehreren Strecken nicht mit konstanter Ziehveite nivelliert 



— 167 — 

wurde, so daß zwar auf jedem Stand des Instruments selbstverständ- 
lich nach rückwärts und vorwärts dieselbe Zielweite genommen, 
d. h. aus der Mitte nivelliert wurde, die Zielweiten aber nicht in 
der ganzen Strecke alle gleich sind. Diese Strecken sind 16 — 17 
(Zielweite zwischen 30 und 40 m), 32—33 (30 bis 50 m), 36—37 
(ebenso), 54 — 55 (ebenso), 62 — 63 (durch Lustnau, ganz unregel- 
mäßig wechselnde Zielweiten, nur auf jedem Standpunkt nach beiden 
Richtungen dieselbe , zwischen 20 und 50 m) ; 64 — 65 (ebenso 
zwischen 20 und 50 m). Auf mehreren andern Strecken ist z. B. 
die Zielweite durchaus 50 m, nur am Endpunkt konnte für den 
letzten Stand des Instruments die Zielweite vor- und rückwärts nur 
43 m lang genommen werden, vgl. dazu die bereits oben gemachte 
Bemerkung. Es ist dann immer angenommen, es sei mit kon- 
stanter Zielweite gleich der durchschnittlichen Zielweite, mit Rück- 
sicht auf die Zahl der Aufstellungen zu rechnen, nivelliert; z. B. 
7 Aufstellungen mit 50 m, eine mit 43 m Zielweite geben z = 49 m. 
Mehrfach ist auch in der Tabelle 8 auf kleine derartige Verände- 
rungen der Normalziel weite gar keine Rücksicht genommen. Ferner 
stimmt die konstante oder nach der eben gemachten Angabe durch- 
schnittliche Zielweite der 2 Nivellements A und B auf einzelnen 
Strecken nicht oder nicht ganz überein : es ist im einzelnen auf 
Strecke H' 1 A mit 40, B mit 50 ; auf 4 5 A (2mal) mit 30 und 
mit 25, B mit 25; auf 6 7 A mit 30, B mit 20: C 15 A mit 25, 
B mit 30 m, auf 16 17 A mit durchschnittlich 36, B mit durch- 
schnittlich 30 m: auf 24 25 A mit 35, B mit 40; auf 42 43 
A mit 40, B mit 47 m, auf 62 63 A mit 33, B mit 39 m ; endlich 
auf 66 L A durchschnittlich mit 44, B durchschnittlich mit 37 m 
Zielweite nivelliert. In allen diesen Fällen ist in Tabelle 8 einfach 
der Mittelwert der Zielweiten angegeben, sowohl in Beziehung auf 
die in A und in B selbst verschiedenen Zielweiten, als auch in Be- 
ziehung auf die für A und B verschiedene konstante oder durch- 
schnittliche Zielweite. 

Die zwei folgenden Fig. 12 und 13 sollen eine etwaige Ab- 
hängigkeit der in Tabelle 8 berechneten mittlem einfachen Ein- 
kilometerfehler zeigen : 

1. von der Zielweite z, die auf der Strecke angewandt wurde, 

2. von dem Höhenunterschied h, der auf der Strecke zu 
überwinden war. 

In Fig. 12 ist nicht zu verkennen, daß eine Abhängigkeit des 
Betrags + m, von dem Wert von z besteht. Eine als Aus- 



— 168 — 

gleichende zwischen den Punkten (Abszissen: Zielweiten z, Ordinaten: 
Werte von m,) als Gerade nach Augenmaß durchgezogene Linie 
ergab als ausgeglichene Ordinaten genähert 

bei z _ _ , 

— sn i>i 1-0 7 I 

(6; 



= 20 m Zielweite : 


m, = + 0,5 mm 


= 30 ,. 


m, = + 0,7 .. 


= 40 „ 


m, = + 0,9 .. 


= 50 . 


m, = + 1,0 ,. 



Freilich zeigt der Anblick der Abweichungen der einzelnen 
Punkte von dieser Geraden (in der Fig. 12 gezeichnet) ohne 



o50,5i 

46,47 o 

gQ gjg 44,45^ 20 dmr 
°48,49 



°^'15 32,33 o34.3S , 

lG,n 24,25° " „66L 54 55 , ° 12,13 j 






g o40,4i 

,8,9 ° ' 38,39 64,65 = 



> 56,57 ._ „Ifl.ll 



20 25 30 35 40 45 50 

Fig. 12. 

weiteres, daß diese Zahlen nicht besonders sicher sind. Dies be- 
stätigt auch die rechnerische Behandlung der Sache : als ausgleichende 
Gerade erhält man hier 



= 6,7 + 0,11 (z — 20) 

+ 2.3 + O.OD 



wobei z in Metern zu nehmen ist und y = m, in dmm erhalten wird. 
Dies gibt z. B. bei 



z = 20 m Zielweite : 


mj = + 0,67 mm 


= 30 „ 


m, = + 0,78 , 


= 40 „ 


m, = + 0,89 ,. 


= 50 .. 


m. r= + l,00 .. 



genügend mit den oben in (6) nach Augenmaß abgelesenen Zahlen 
stimmend ; die bei den Koeffizienten der Gleichung (7) unten klein 
angeschriebenen m. F. dieser Koeffizienten deuten darauf hin, daß 
diese Abhängigkeit der Werte m, von z nur unsicher bestimmt 
werden kann. 

Eine Abhängigkeit der W^erte m^ von den Werten von h da- 
gegen ist nach Fig. 13 nicht festzustellen. Die Höhenunterschiede 



— 169 — 

auf den Hauptstrecken wechseln von 28,7 m auf 0,72 km Länge 
(40 41) bis zu 0,3 m auf 0,76 km Länge (18 19). Über 10 m 
beträgt der Höhenunterschied auf 17 unter den 35 Hauptstrecken; 
davon sind A und B bei 9 an verschiedenen Tagen gemessen, bei 



20dmm 


»60,61 




46,47 
c 48,49 


o 50,51 

o 44,45 


lOdmm 


34,35 

o66,L 
^ "18,19 


5^55* 


28,29 
o 30,31 








«20,21 

64,65^ 
, 26,27o 


2'\ 

56,57= 

52,53 


o 62,63 

°h;i 

''»58,59 







Fig. 13. 

2 am V.M. und N.M. desselben Tags, bei 6 an demselben Halbtag. 
Es mag dies angeführt werden, weil eine Unsicherheit von 

1 1 1 

— — jjjjjj 

100 50 20 
in der Annahme für die Länge des Lattenmeters im Vergleich mit 
der bei der Messung tatsächlich vorhandenen Länge den Höhen- 
unterschied mit einseitigen Fehlern behaftet, die betragen bei 

5 m Höhenunterschied 

10 r. 

20 , 

In der folgenden Tabelle 9. sind nun ferner, immer unter ein- 
facher Zugrundlegung der Differenzen 
d = A — B 
die Zahlen angegeben , die den hienach zu berechnenden un- 
regelmäßigen mittlem Fehler der Höhenangabe jedes einzelnen 
Festpunkts gegen den Anfangspunkt H' des Nivellements abzulesen 
gestatten. Es sind hier die wirklichen mittlem unregelmäßigen 
Fehler (nicht die kilometrischen) jeder Hauptstrecke eingetragen und 
es sind zu den Hauptstrecken die Zwischenstrecken hinzugenommen. 
Wenn auf der Strecke .Sj. die Differenz 
•^k = ^k - Bk 



1 


1 


1 


20 


10 


4 


1 


1 


1 


10 


5 


2 


1 
5 


2 

5 


1 



170 



Tabelle \). 



Strecke 








Vom 
An- 


zwischen 


d = 






fangs- 


den 


A-B 


M- 


2W 


punkt 


Fest- 






H' bis 


punkten ' 






zum 
Fest- 


Xr. 


dram 






punkt 



Strecke 
zwischen 

den 
Fest- 
punkten 

Nr. 



B M- 



dmm 



Vom 
An- 
fangs- 
punkt 
H' bis 
zum 
Fest- 
punkt 



H' 


1 


1 


2 


2 


3 


3 


4 


4 


5 


5 


6 


6 


7 


7 


8 


8 


9 


9 


10 


10 


11 


11 


12 


12 


13 


13 


14 


14 


C 


C 


15 


15 


16 


16 


17 


17 


18 


18 


19 


19 20 


20 


21 


21 


22 


22 23 


23 24 


24 25 


25 26 


26 27 


27 28 


28 29 


29 30 


30 


31 


31 


32 


32 33 



33 34 



+ 5 



6,3 1 
0.0 


~-o 


12,3 

0,0 


+ 6 


9,0 
2,3 


+ 4 



4,0 
0,0 


— 2 




1,0 
0,0 


- 3 
2 


2,3 
1,0 


-16 

4 


64,0 
4,0 


- 9 

+ 20 
6 


20,3 

100,0 

9,0 


-f U 
5 


49,0 
6,3 


, +12 
3 


36,0 
2,3 


+ 6 
i 2 


9,0 
1,0 


-^ 


20,3 
1,0 


+ 16 



64,0 
0,0 


t + 1 

5 


0,3 
6,3 


-13 

1 


42,3 
0,3 


-11 
4 


30,3 
4,0 


+ 15 



56,3 
0,0 



G,3 

6,3 

18,6 

18,6 

27,6 

29.9 

33,9 

33,9 

34,9 

34,9 

37,2 

38,2 

102,2 

106.2 

126,5 

226,5 

235,5 

284,5 

290.8 

326,8 

329,1 

338,1 

339,1 

359,4 

360,4 

424,4 

424,4 

424,7 

431,0 

473,3 

473,6 I 

503,9 

507,9 

564,2 

564.2 



34 35 


35 36 


36 37 


37 38 


38 39 


39 40 


40 41 


41 42 


42 43 


43 44 


44 45 


45 46 


46 47 


47 48 


48 49 


49 50 


50 51 


51 52 


52 53 


53 54 


54 55 


55 56 


56 57 


57 58 


58 59 


59 60 


60 61 


61 62 


62 63 


63 64 


64 65 


65 66 


66 L 



+ 121 
2 ' 

+ _9 
5 

^1 
4 

41 
+ 24 
1 

— 251 

3 
-21 
2 1 

— - 

T 


2 

4 
-19 


+ _6 

2 

-J 

U, 

+ 12 



36,0 


600,2 


1,0 


601.2 


20,3 


621,5 


6.3 


627,8 


0.3 


628,1 


1,0 


629,1 


4,0 


633,1 


4,0 


637,1 


4.0 


641,1 


4,0 


645,1 


144,0 


789,1 


0,3 


789,4 


156,3 


945,7 


2.3 


948,0 


110.3 


1058,3 


1,0 


1059,3 


182.3 


1241.6 


4,0 


1245,6 


1,0 


1246,6 


0,3 


1246,9 


42,3 


1289,2 


0,0 


1289,2 


2,3 


1291,5 


1.0 


1292,5 


1.0 


1293,5 


4.0 


1297.5 


90,3 


1387,8 


0,0 


1387,8 


9.0 


1396,8 


1,0 


1397,8 


1,0 


1398,8 


0,0 


1398,8 


36,0 


1434,8 



35 

36 

37 

38 

39 

40 

41 

42 

43 

44 

45 

46 

47 

48 

49 

50 

51 

52 

53 

54 

55 

56 

57 

58 

59 

60 

61 

62 

63 

64 

65 

66 

L 
/End-\ 
Vpunkt/ 



— 171 — 

sich zeigt-, so ist der mittlere Fehler des Mittels ^^ (ohne 

Rücksicht auf das Vorzeichen der Höhenunterschiede) 
111 1. 



(9) 



wenn m,.^ = ist. oder 



V2 



Die Tabelle gibt für jede Hauptstrecke (unterstrichen) und 

jede Zvvischenstrecke den Betrag und genähert die Addition 

4 

dieser Beträge vom Anfangspunkt H' bis zum Endpunkt von s,,. 
Die Längeneinheit ist wieder das dmm; bei den Zvvischenstrecken 
ist, da hier A und B nicht unterschieden zu werden brauchen, kein 
Vorzeichen angeschrieben. 

Um den (stillschweigend immer nach Maßgabe der Differenzen 
d = A — B sich zeigenden) mittlem Messungsfehler M^^ des Höhen- 
unterschieds zwischen zwei Festpunkten i und k zu finden, ist nur 
die Quadratwurzel aus der Differenz der bis zu den beiden Punkten 
reichenden Summen M" zu nehmen 



Mn, = V2-,3P-^iMV. (10) 

Doch sind diese Beträge aus naheliegenden Gründen kein wirk- 
liches Genauigkeitsmaß, vgl. unten. 

Zum Schluß seien hier nochmals die Längen der nivellierten 
Strecken zusammengestellt. Nach den Tabellen (j und 7 beträgt 
die (einfache) Gesamtlänge der nivelL Strecke 25,78 km 
davon kommen auf die 

35 Hauptstrecken zusammen 24,79 „ 

33 Zwischenstrecken zusammen 0,99 ,. . 

Die durchschnittliche Länge einer Hauptstrecke beträgt 0,71 km; 
die Zielweiten wechseln auf den Hauptstrecken zwischen 20 und 50 m, 
vgl. Tabelle 8. Der Gesamtdurchschnitt der Zielweiten 
auf den Hauptstrecken ist ganz rund 40 m. Die durch- 
schnittliche Länge der „Zwischenstrecken", nämlich die Summe 
der zwei gleichen Zielungen vom Instrument nach den Punkten 
eines Festpunktepaars ist rund 0,03 km; genauer war die durch- 
schnittliche Zielweite bei der Bestimmung des Höhenunter- 
schieds der zwei nahe beieinander liegenden Festpunkte 
eines Paars (1, 2; 3, 4; . . .) 14 m. 



— 172 — 

3. Systematische Fehler. 

Zu einem andern Bild über die in dem Nivellement erlangte 
Genauigkeit als durch Vergleichung der zwei Nivellierungen A und 
B der einzelnen Hauptstrecken kommt man, wenn diese zwei Ein- 
wägungen in systematischer Gruppierung verglichen werden. 

Eine erste Andeutung über systematische Fehler ist schon oben 
gemacht worden (S. 166), wo sich die aus den Differenzen der gleich- 
zeitig, von denselben Instrumentenständen aus und mit denselben 
Wechselpunkten, gemessenen Nivellierungen I und II, aus denen sich 
je A und B zusammensetzt, berechneten m. F. wesentlich kleiner 
gezeigt haben als die aus den Unterschieden der zwei unabhängigen 
Nivellierungen A und B berechneten m. F. 

Die Abzahlung der Vorzeichen der d = A — B (vgl. S. 163, u.), 
17mal positiv, 18mal negativ, ist in Beziehung auf die regelmäßigen 
Fehler nicht entscheidend, weil die nivellierten Strecken in der Rich- 
tung A nicht durchaus steigen oder durchaus fallen, vielmehr in beiden 
Nivellementsrichtungen A und B Steigungen und Gefälle vorkommen. 

Addiert man für die ganze Nivellementslinie auf allen 35 Haupt- 
strecken die Ergebnisse A (Nivellement in der Richtung Böblingen 
— Lustnau) und die Ergebnisse B (Nivellement in der Richtung 
Lustnau — Böblingen) je für sich , so ergibt sich als Differenz der 
2lA und — B der große Betrag von 

19,3 mm 
oder bei 24,8 km Länge der Hauptstrecken: 

0,7 bis 0,8 mm auf 1 km (11) 

In die Augen fällt die Bedeutung dieser Zahl besonders, wenn 
die ganze Linie in ihre natürlichen Abschnitte zerlegt wird; als 
solche Abschnitte sind folgende 6 anzusehen : 

I. von Böblingen bis in die Nähe des höchsten Punkts 517 m 

ü. N.N. beim Festpunktepaar 9, 10; 
II. vom Festpunktepaar 9, 10 bis'zu Festpunkt C in Holzgerlingen ; 

III. von C bis zum Festpunktepaar 21 , 22 in der Nähe des 
Schaichhofs ; 

IV. von dort bis zur „Stelle", Festpunkte 37, 38, wobei auf 
diesem Abschnitt allerdings mit dem Punktepaar 23, 24 die 
Einsenkung des Schaichtals überschritten wird : 

V. von der Stelle die Bebenhauser Steige hinab bis zu deren 
Fuß, etwa beim Festpunktepaar 51, 52; 
VI. von dort bis nach Lustnau zum Endpunkt L. 



173 



I. Abschnitt: H' bis 9- 



II. Abschnitt: 10 bis C. 



strecke 


A 






B 




Strecke jj 


' 


A 




B 




+ 


- 






- 


11 


+ 




- 


+ 


H' 1 
2 3 
4 5 


5,8355 
5,0425 
26,5723 
19,6208 
19,0993 




! 




5,8350 
6,0432 
20,5717 
19,6204 
19,0995 


"|l 
12 13 ! 

,. c; 






12,9790 
12,1220 
15,2446 


12,9793 
12,1236 
15,2455 


6 7 
8 9 


2, 

r 


A 


-f 


40,3456 

B = + 28 


+ 40,3484 


" 


-f 7C,1704 
A + B 


= +C 


1 

dmm 


- 


- 76,1C08 


dmni 



III. Abschnitt: C bis 21- 



IV. Abschnitt: 22 bis 37- 



strecke 


A B 


Strecke 


A 




B 




1 


+ - 1 + - 




1 


+ 


- ! 


+ 


- 


C 15 
16 17 
18 19 
20 21 


13,3928 13,3908 

is,5724 18,5710 

0,3035 0,3023 

0,4271 0,4208 


22 
24 
26 
28 
30 
32 
34 
36 


23 
25 
27 
29 
31 
33 
35 
37 


27.3943 
1,7131 


22,0757 

2,8640 
5,4914 
5,8827 
15.9992 

10,1415 


22,0700 

2,8039 
5,4927 
5,8838 
15,9977 

16,1400 


27,-3927 


3 


-f 32,3920 - 0,3035 ^ + 0,3023 - 32,3880 


1,711'.» 




+ 32,0891 ! - 32,0803 

1 

A 4- B = + 28 dmm 






Z 


+ 29,1074 


— 08,4545 


+ 68,4553 - 


- 29,1046 




A + 


3471 
B = + 30 


+ 39,3 
dmm 


507 



V. 


Ab 


seh 


nitt: 38 bis 51- 






VI. Absc 


hnitt 


52 bis L. 


strecke | 




A 


1 


B 


Strecke | 


A 


1 


B 




+ 




- 


+ 




I 


+ 


_ 


+ - 


38 39 

40 41 j! 
42 43 ] 
44 45 j 
46 47 1 
48 49 
50 51 






19,7223 
28,6743 
17,0773 
17,4471 
8,4102 
9,6249 
15,0083 


19,7224 
28,0747 
17,0777 
17,4447 
8,4127 
9,6270 
15,0110 


52 
54 
56 
58 
60 
62 
64 
66 


53 
55 
57 
59 
61 
63 
65 

'■ 


2,0549 


5,9097 
5,5397 
5,5949 
6,2563 
2,4141 
6,3038 
1,6453 


5,9099 
5,5410 
5,5946 
0,2561 
2,4100 
6,3032 
1,6455 

2,0537 


- 11 




- 115,9644 

A + B = + 58 


+ 115,9702 

• 
dmm 






+ 2,0549 - 


33,6038 


+ 33,6003 — 2,0537 




1 - 31,6089 

A + B = + 37 


1 + 31,6120 
dmm 



174 



Gibt man wieder den Höhenunterschieden das Vorzeichen „+", 
wenn Steigung gegen Lustnau hin, „ — ", wenn Gefäll gegen 
Lustnau hin vorhanden ist (oder also „+" bei Gefäll gegen Böb- 
lingen hin, „ — " bei Steigung gegen Böblingen hin), so hat 
man , um die Zahlen der Haupttabelle 6. zu wiederholen , für die 
sechs Abschnitte die auf S. 173 gegebene Zusammenstellung oder 
die folgende Tabelle 10: 

Tabelle 10. 



Unterschied beider Nivelle- 
ments . A + B , beide mit 
den ihnen zukommenden 
Vorzeichen srenommen 




Abschnitt I 
III 



^:2 

2,2 
3,1 



76,2 
40,3 
32,1 



+ 



-\- 6 dmm 
+ 28 , 
+ 2« , 



IV 

V 
VI 


5,1 

5,1 
5,2 


39,3 

(68,4-29,1) 

116,0 

31,6 


(und +) 


+ 36 dmm 

+ 58 , 
+ 37 , 




24,9^km 
(soll 24,8) 


! 




+ 193 dmm 
= 19,3 mm 



Die drei ersten Abschnitte von Böblingen aus, I bis HI, sind 
kürzer als die drei letzten, IV bis VI, jene durchschnittlich 3,2 km 
lang, diese durchschnitthch 5,1 km lang; auf I bis III sind die 
Höhenunterschiede durchschnittlich etwa 50 m, auf IV bis VI durch- 
schnittlich 60 bis 70 m. In den einzelnen Abteilungen ist, ab- 
gesehen von IV mit 68,4 m Höhenunterschied im einen, 29,1 m 
im andern Sinn (und von je einer unbedeutenden Ausnahme bei 
III und bei IV), das Vorzeichen bei den Höhenunterschieden aller 
einzelner Strecken des x\bschnitts dasselbe, d. h. die Strecken des 
Abschnitts fallen alle oder steigen alle in derselben Richtung 
A oder B. 

Die Zahlen der letzten Spalte der Tabelle 10, Unterschiede in 
dmm zwischen den Nivellierungen A und B (Durchschnittswert 
21 dmm für einen der Abschnitte I bis III, 43 dmm für IV bis VI) 
haben nun sämtlich dasselbe Vorzeichen. Da .auf 



175 



Abschnitt I 


A steigt, 


II 


A fallt, 


III 


A steigt. 


IV 


A fällt (siehe oben), 


V 


A fällt, 


VI 


A fällt. 



so sagt dieses Vorzeichen : wo A steigt, ist ohne Rücksicht auf das 
Vorzeichen stets A > B ; wo A fällt, ist unter derselben Voraussetzung 
stets A <C B. Oder mit andern Worten : beim Bergaufnivellieren 
ergaben sich stets größere Höhenunterschiede als beim 
Bergabnivellieren. Man hat auch den Eindruck, als ob im Sinn 
des fortschreitenden Nivellements (es ist in H' begonnen und, mit 
unwesentlichen Unterbrechungen, gegen L hin fortgesetzt) dieser 
systematische Unterschied im ganzen größer würde. Er erreicht 
sein Maximum allerdings nicht auf dem Schlußabschnitt VI , der 
Straße mit nur geringem Gefälle von Bebenhausen nach Lustnau 
(5,2 km mit 32 m Höhendifferenz, Unterschied 3 bis 4 mm), sondern 
in dem Abschnitt V mit 5,1 km Länge und der großen Höhen- 
differenz 116 m auf der ziemlich stark geneigten Straße zwischen 
der Stelle und Bebenhausen, Unterschied 5 bis 6 mm ; dagegen war 
im Abschnitt I, Böblingen bis Holzgerlinger Höhe, 4,2 km lang, bei 
76 m Höhenunterschied, die Differenz noch gar nicht mit Sicherheit 
wahrnehmbar: es zeigt sich auf diesem Abschnitt I auf 3 Strecken 
(A -\- B) positiv, auf zwei Strecken negativ, und auf dem ganzen 
Abschnitt beträgt der Gesamtunterschied, der aber immerhin bereits 
dasselbe Vorzeichen hat, wie auf allen folgenden, wo er sich rasch 
vergrößert, nur 0,6 mm. Dieser günstige Anfang des Nivellements 
bestärkte mich auch in dem Glauben, das angewandte Verfahren sei 
zur Sicherung der Wechselpunkte (Fußplatten) zwischen den Fest- 
punkten und des Instrumentenhorizonts während jeder Aufstellung 
vollständig ausreichend. 

Diese regelmäßigen Fehler können ihren Grund in Veränderungen 
des Instruments oder der Wechselpunkte haben, während die Vor- 
aussetzung gemacht wird, daß der Horizont des Nivellierinstruments 
während einer Aufstellung konstant bleibe, und daß ebenso die Höhe 
der zwei benachbarten Wechselpunkte während der Dauer dieser 
Instrumentenaufstellung sich nicht verändere, die Höhe des im Sinn 
der Nivellierung nach vorn liegenden Wechselpunkts sogar noch 
während der Dauer der folgenden Instrumentenaufstellung. Ver- 



— 176 — 

änderungen der Höhe der Instrumentenziellinie können vor allem 
durch Einsinken oder Gleiten der Stativbeine. Veränderungen der 
Höhen der Wechselpunkte durch Einsinken oder Gleiten der Boden- 
platten vor sich gehen. 

a) Um zunächst etwaige Änderungen der Höhenlage der 
Ziellinie des Instruments während einer Aufstellung 
zu untersuchen, sind die zusammengehörigen Festpunkte der einzelnen 
Punktepaare verwendet. Von diesen Punkten 1, 2 ; 3, 4 ; .... ist 
ohne weiteres anzunehmen , daß sich ihre Höhenlage während der 
Aufstellung des Instruments, von der aus ihr Höhenunterschied be- 
stimmt ist. nicht verändert. Die Anordnung der Ablesungen (oder 
besser Feldmitteneinstellungen) bei dieser Messung sei nochmals an- 
geführt. Von den Ablesungen in der Reihenfolge 1) bis 8) des unten 
folgenden Schemas beziehen sich 1), 4), 6), 7) auf den ersten, 2), 
3), 5), 8) auf den zweiten Festpunkt des Paares P, P._,. Mit Rück- 
sicht auf Verwendung desselben Schemas auch auf den Haupt- 
strecken seien die Einstellungen bei Pj als Ablesungen rückwärts 
mit r und bei P., als Ablesungen vorwärts mit v bezeichnet; end- 
lich beziehen sich die Einstellungen ohne Akzent auf die Vorder- 
seite, die mit Akzent auf die Rückseite der Latten. Das Schema ist 
dann folgendes : 



Festpunkt Pj Festpunkt P„ 



1) 


r 


2) 


T 


4) 


r' 


1 ^•' 


t' 


6) 


r' 


5) 


v' 


'') 


r 


8^ 


V 



Mvellement 



Beide Nivellements zusammen 
bilden ein vollständiges Nivelle- 
ment A oder B. wobei hier, bei 
den Festpunktepaaren, zwischen 
diesen zwei vollständiofen Ni- 
vellements kein Unterschied zu 
machen ist. 



Die Zielweite z beträgt bei diesen Bestimmungen des Höhen- 
unterschieds zwischen den zwei nahe beieinander liegenden Punkten 
eines Festpunktepaars entweder 10 m oder 15 m oder 20 m, im 
Durchschnitt z = 13,6 m. Für jede dieser Instrumentenaufstellungen 
sind nun die Latteneinstellungen 1) und 7), sowie 2) und 8) mit- 
einander verglichen, soweit bei beiden Einstellungen dieselbe 
Feldmitte an der Latte genommen worden ist. Die Differenz der 
Libellenstände ist dann, der Zielweite z entsprechend, in dmm (auf 
1 dmm abgerundet) verwandelt. Die Rechnung sieht bei einem be- 
stimmten Punktepaar, z. B. 65, 66, so aus : 



177 



Punkte-' . , . Einstellung Latten- ^ .^ „ 'Libellen- Entsprechende 
Zielweite -. , Libelle ,.„ Difterenz d 

paar >r. punkt differenz j^ ,|,^j^ 



65. 66 K' m 



1) 


1.025 


24A 


^) 


1,(»25 


23,2 


2) 


1.037 


28.1 


8) 


LU37 


27,5 



0,83 

0.6. 



Bei 35 möglichen Vergleichungen dieser Art haben sich nun 
Differenzen d in dmm ergeben, bei denen die Zahl llmal. das 
Vorzeichen ^-{-^ 9raal und das Vorzeichen „ — " 15mal vorkommt; 
die Beträge d sind jedoch durchaus klein. 3 dmm wird nicht über- 
schritten und kommt nur zweimal vor. Die J^d" ist 73. also das 

mittlere d = 1 ,'-*_ = -t- 1.44 dmm = -r 0.144 mm (12 . 

V 35 

Bei allen andern Bestimmungen des Höhenunterschieds der 
zwei Punkte eines Paares sind bei 1) und 7) oder bei 2) und 8) 
nicht dieselben Lattenfeldmitten verwendet und sie sind deshalb 
oben nicht berücksichtigt. Wollte man den in (12) berechneten 
mittlem Unterschied ± 0.14 mm lediglich als Messungsfehler auf- 
fassen, so würde der einzelnen Zielung 1) bis 8) der Fehler jl -—=- = 

+ 0.10 mm zukommen bei durchschnittlich 14 m Zielweite. Da 
dieser Betrag den Zielfehler, die Libellenablesungsfehier. die Fehler, 
die von Unregelmäßigkeit des Uibellenschliffs und der Libellenblasen- 
bewegung. endlich die durch Bewegungen des Stativs entstehenden 
Fehler enthält, so lassen sich jedenfalls die zuletzt genannten Fehler 
nicht in merklichem Betrag abscheiden. Von Interesse ist. mit dem 
Ergebnis (12i zu vergleichen, was die Gegenüberstellung der Nivelle- 
ments I und II (vgl. das obenstehende Schema der Ablesungen 1) 
bis 8)) bei den sämtlichen Höhenunterschiedsbestimmungen der zwei 
Festpunkte eines Paares liefert. Bei dieser Vergleichung sind nun 
alle Bestimmungen der 33 Höhenunterschiede dieser Art verwendet: 
mit Ausnahme der Höhendifferenzen 1. 2 und 57. 58. bei denen 
nur eine vollständige Bestimmung vorliegt, sind alle zweimal voll- 
ständig bestimmt. A itnd B (je Mittel aus I. H). Da bei 49. 50 
nur die eine Messung beibehalten wurde (die zweite ist einer Be- 
merkung im Feldheft entsprechend ausgeschieden^ so sind im ganzen 
60 Messungen I. II für die Festpunktepaare vorhanden. Bildet man 

Jahresheltc d. Vereins f. vaterl. Naturkunde in Württ. 1906. 12 



— 178 



für jede vollständige Messung die Differenz I — II, so ergeben sich 
Zahlen , die alle zwischen — 4 und -}- 4 dmm liegen ; die beiden 
Grenzzahlen kommen 4mal vor, 14mal, endlich das Vorzeichen 
„-[-" 23mal und das Vorzeichen „ — " 26mal. Die Summe der Qua- 
drate, mit dmm als Längeneinheit, beträgt 209, d. h. es ist die 



mittlere Differenz zwischen I nnd II 



V 



63 



+ 1,82 dmm : 



+ 0,18 mm (13) 
±0,13 mm. 



und, mit derselben Voraussetzung wie bei (12), m 
womit (12) zu vergleichen ist. 

Nach (12) und (13) ließe die Konstanz des Instrumentenhorizonts 
während der Zeit für die vollständige Bestimmung des Höhenunter- 
schieds zwischen den 2 Festpunkten eines Punktepaars kaum etwas 
zu wünschen übrig. Die Zeit ist allerdings etwas, aber doch nicht 
sehr wesentlich kürzer als die Zeit für die Bestimmung des Höhen- 
unterschieds zwischen zwei benachbarten Wechselpunkten auf den 
Hauptstrecken, und jedenfalls war, abgesehen von den wenigen Fällen, 
in denen das Instrument bei einem jener Punktepaare seitlich der Straße 
aufgestellt werden mußte . Grund und Boden und die Art der Auf- 
stellung des Instruments darauf bei den Hauptstrecken nicht verschieden 
von dem bei den oben behandelten Zwischenstrecken vorhandenen. 

b) Nächst diesen Punktepaaren mit zwei unveränderlichen 
Lattenaufstellungspunkten wurden sodann die Höhenunterschieds- 
bestimraungen von den Aufstellungen des Instruments aus 
untersucht, bei denen der eine der Punkte ein solcher un- 
veränderlicher Festpunkt, der andere ein gewöhnlicher 
Fußplattenwechselpunkt war, d. h. die ersten und letzten Auf- 
stellungen auf den Hauptstrecken. Dabei sind nun sowohl kleine 
Bewegungen des Stativs als der Bodenplatten nachwei.sbar. Von 
Stativbewegungen kamen sowohl rasch als langsam verlaufende vor; 
zwei unter den gefundenen Beispielen für beides seien hier an- 
geschrieben. Die Ziff. 1) bis 8) beziehen sich auf das stets an- 
gewendete Beobachtungsschema, wie oben. 





Latte 


Libellen- 
ablesung 
(reduziert) 




Latte 


Libellen- 
ablesung 
(reduziert) 


Libellen- 
differenz 
der Zeile 


Festpunkt 


1) 1,617 
4) 2,383 


23,9 
23,0 


t 

Wechsel- 
punkt 


2) 0,763 

3) 3,237 


23,0 
23,0 


P 
+ 0,9 
0,0 


38 


6) 2,383 

7) 1,617 


22,9 
22,9 


5) 3,237 
8) 0,763 


22,7 
■ 22,9 


-f 0,2 
0.0 



179 



Zielungen nach Festpunkt 38 und dem unmittelbar folgen- 
den Wechselpunkt (bergab: Nivellement A). Zielweite 35 m. 

Die Einstellungen an der Latte sind, soweit nicht tatsächlich 
dieselben Feldmitten bei 1) 7); 2) 8); 3) 5); 4) 6) verwendet sind, 
auf dieselbe Ablesung dadurch reduziert, daß die wirkliche Libellen- 
ablesung entsprechend verändert ist [deshalb im Kopf: Libellen- 
ablesung (reduziert)]. Die sieben Libellenablesungen nach 1) liegen 
nun alle so nahe bei 22,9, daß die Abweichungen durch Ablese- 
fehler zu erklären sind, die Libellenablesung bei 1) aber weicht davon 
um 1,0 pars der Libelle ab, vgl. die Differenzen der Libellen- 
ablesungen, die für jede Zeile gebildet sind, 1) — 2), 4) — 3), . . . . 
Die Veränderung ist kaum anders als durch rasches Einsinken des 
Stativs zwischen 1) und 2), ruckweise um etwa 0,6 mm, vielleicht 
veranlaßt durch das Umdrehen der Alhidade, zu erklären. Die 
Strecke 38 39 , der die Zielungen angehören , liegt auf der stark 
geneigten Straße Kälberstelle — Bebenhausen. 

Demselben Abschnitt gehört folgendes Beispiel für langsame 
Veränderung des Zielhorizonts, langsames Einsinken des Stativs, 
z. B. auch Gleiten eines Stativfußes, an, wobei ebenfalls auf gleiche 
Latteneinstellung durch entsprechende Änderung der tatsächlich ge- 
machten Libellenablesungen reduziert ist. 

Zielungen nach Festpunkt 44 und den unmittelbar folgen- 
den Wechselpunkt (bergab: Nivellement A). Zielweite 50 m. 



Libelle 
(reduziert) 



Libelle 



Zeilen- 



, , . ^.1 dififerenz 
(reduziert)l Libellenteile 



Festpunkt 
44 



21,6 
21,6 



21,9 
22.3 



Wechsel- 
punkt 



2) 


24,;> 


3.3 


3) 


25,0 j 


3,4 


5) 


25,3 


3,4 


8) 


25,6 


3,3 



Die Zeilendifferenz bleibt hier konstant 3,3^ bis 3,4^; dagegen 
hat sich von 1) bis 7) und von 2) bis 8) die Libellenablesung je 
um 0,7p vergrößert (Erniedrigung der Horizontalen um rund '/ü mm), 
was kaum anders ^Is wie bereits angedeutet zu erklären sein wird. 

Nach den vorstehenden und andern Beispielen ist in nicht 
wenigen Fällen die Stabilität des Stativs und des Horizonts der 
Ziellinie nicht so groß als man nach a) anzunehmen berechtigt 
sein sollte. 

12- 



— 180 — 

Für Einsinken der Bodenplatte endlich sei folgendes Beispiel 
angeführt : 

Zielungen nach Festpunkt 41 und dem unmittelbar folgen- 
den Wechsel punkt (bergauf; Nivellement B). 







Libelle 
I (reduziert) 


1 


Libelle 
(reduziert) 


Zeilen- 
differenz 
Libellenteile 


Festpunkt 


i: 


1 24,1 
23,8 , 


Wecli 
pun 


^el- 
ct 


2) 
3) 


24,7 
25,0 


-0,6 
-1.2 


41 


6) 
7) 


24,0 
23,7 


5) 

8) 


25,0 
24,2 


— 1,0 
-0,5 



Die hier sich zeigende Veränderung ist wohl durch Einsinken 
(oder Erniedrigung durch Verschieben) der Fußplatte zwischen 5) 
und 8) um rund ^1-2 mm zu erklären : bei dem Nivellement auf dieser 
Strecke fiel leichter Regen, wodurch die Fahrbahn zuerst glatt 
und dann allmählich aufgeweicht wurde. Auch sonst ist besonders 
der Einfluß des Regens in demselben Sinn wie im vorstehenden 
Beispiel mehrfach nachzuweisen. Die Untersuchung b) hat überhaupt 
gezeigt, daß die Veränderungen der Wechselpunkte dieser 
Strecken (der andere Punkt ist unveränderlicher Festpunkt) beträcht- 
licher sind, als die Horizont- (wesentlich nur Stativ-) Änderungen, 
wie immerhin nach a) zu erwarten war. 

c) Endlich ist eine Anzahl von Ni v eil ierungen ganzer 
Strecken auf Bewegungen von Wechsel punkten und 
Horizonten untersucht durch Vergleichung der Ablesung 1) mit 
7) und 2) mit 8). Als Beispiel seien für die Strecke 88 39 die 
einzelnen Zahlen angeschrieben (mit Weglassung der Endaufstellungen, 
vgl. oben bei b), um die Rechnungsweise zu zeigen; da an der Latte 
je um ein Feld verschiedene Einstellungen bei 1) und 7), sowie bei 
2) und 8) gebraucht sind, so ist abermals die tatsächliche Libellen- 
ablesung mit der Reduktion auf dieselbe Latteneinstellung bei beiden 
Zielungen versehen, bei 35 m Zielweite 5,0 Libellenteile betragend. 
Die Spalte d gibt in den oberen Zahlen für jede Aufstellung die 
dann wieder in Millimeter verwandelten Differenzen 7)— 1) und 1) — 7), 
in der untern Zahl 8) -2) und 2) -8). 

Li den zwei Spalten der Tabelle 11. sind auch die Vorzeichen- 
folgen von Interesse : in der ersten folgt auf ömaliges Auftreten des 
Zeichens — das Zeichen + 6mal, die 7 letzten d" gehen über — 0,1 



181 



Tabelle 11. 

Strecke 38 39: Länge 0,<j7 km (hier nur 0.62 km bd B, 0,03 km bei A, 
da die in b) behandelten Endstände des Instruments weggelassen sind). 



Nivellement B (39 38; bergauf) 


Nivellement 


A (38 39; bergab) 


Aufstellung 

des 
Instruments 


S 

i 

m 


Latte 

1) 7) 

2) 8) 


Libelle 


d (mm) 
Libellel oben 
redu- i 7)-l) 
ziert ! unten 

;8)-2) 


Aufstellung 

des 
Instruments 




Latte 

1) 7) 

2) 8) 


Libelle 


Libelle 
redu- 
ziert 


d (mm) 
üben 
l)-7) 
unten 


Nr. 


Nr. 


m 


2)-8) 


1 


35 


1,617 
1,615 


23,9 
17,9 


1:1! 1-».^ 


i 
1 ■ Q;; 


0,847 
0,849 


28,1 
23,5 


28,1 
28,5 


— 0,3 


0,763 
0,761 


23,0 
17,8 


t«!-«-^ 






1,835 
1,837 


24,1 
19,4 


24,1 
24,4 


— 0,2 


2 


35 


1,833 
1,835 


20,4 
25,0 


20,4 1 nq 

2o;o P"'^ 


2 


35 


0,783 
0,785 


26,1 
20,9 


26,1 
25,9 


+ 0,2 


0,765 
0,767 


22,3 

26,8 


22,3 
21,8 


-0,4 


1,835 

1,837 


32,9 

28,2 


32,9 
33,2 


-0,2 


3 


35 


1,823 
1,825 


21,7 
26,5 


fdh'^ 


3 


35 


0,769 
0,771 


24,9 
20,1 


24.9 
25,1 


-0,2 


0,705 
0,703 


26,4 
22,0 


26,4 
27,0 


+ 0,5 

1 


1,775 
1,777 


25,5 

20,7 


25,5 _0 2 
25,7 


4 


35 


1,891 
1,889 


20,0 
16.6 


'Z\+^'-'\ 


4 


35 


0,829 
0,831 


25,2 
20,5 


25,2 l_o2 
25,5 i ''' 




0,725 
0,723 


27,7 
23,2 


iSI+».* 


1,799 
1,801 


26,7 
21,1 


26,7 
26,1 


+ 0,6 


5 


35 


1,811 
1,809 


23,8 
19,7 


23,8 
24,7 


! 

+ 0,9 


5 


35 


0,803 
0,801 


26,7 
31,4 


26,7 
26,4 


+ 0,2 




0,791 

0,789 


25,1 
20,6 


i;Ji+M 


1,881 
1,879 


21,9 

26,4 


21,9 
21.9 


0,0 


6 


35 


1,799 
1,801 


23,5 
29,2 


23,5 
24,2 


+ 0,6 


. 6 


35 


0,727 
0,723 


18,8 
27,9 


18,8 
17,9 


+ 0,7 




0,839 
0,841 


17,6 

22,8 


17,6 

17,8 


+ o,i| 


1,875 

1,875 


33,1 
33,1 


33,1 
33,1 


0,0 


7 


35 


1,827 
1,829 


27,0 
31,8 


27,0 
26,8 


-o,i| 

! 


7 


35 


0,715 
0,717 


30,1 
24,9 


30,1 
29,9 


+ 0,2 




0,775 

0,777 


23,4 
28,5 


t^i + o.' 


1,879 
1,881 


23,5 

18,0 


23,5 
23,5 


0,0 


8 


^5 


1,819 
1,821 


27,0 
31,9 


27,0 
26,9 


— 0,1 




•jf;. 


0,783 

0,785 


30,1 
24,2 


30,1 
29,2 


+ 0,7 






0.755 
0,757 


23,4 
28,3 


IM 1-0.^1 




1,859 
1,861 


29,1 
24,0 


i;J!+».i 


9 


30 


1,561 
1,559 


26,4 
20,5 


mr'^i 


i 

9 35 


0,791 
0,789 


25.4 

3o;o 


i;^i+»'^ 




0,905 
0.903 


23,6 
17,9 


23,6 
23,7 


+ 0,1 ! 


1,831 
1,829 


24,2 

28,4 


24.2 
23;4 


+ 0.,6 



— 182 — 

bis +0,1 mm nicht hinaus mit unregelmäßiger Änderung des Zeichens; 
in der zweiten ist zunächst das Zeichen — (mit Einer Unterbrechung) 
6mal vorhanden, dann folgt + (oder 0) llmal. Der größte Betrag 
+ 1,2 mm, der links (Nivellement B) bei der vierten Aufstellung als 
Differenz 7) — 1) vorkommt, gibt Anlaß, alle 8 Ablesungen, nicht 
nur 7) und 1) und 8) und 2) herauszuschreiben; sie lauten, w^enn 
wieder 7) auf die Latteneinstellung 1) u. s. f. durch entsprechende 
Änderung der Libellenablesung reduziert wird, folgendermaßen, wobei 
der Gang der in der Schlußspalte angegebenen Differenz nicht zu 
verkennen ist: 



1) 1,891 
4) 2,109 


20,0 
20,5 


2) 0.725 

3) 3,275 


27.7 
27.5 


' — 7,7 
— 7,0 


6) 2,109 

7) 1,891 


20,9 
21,6 


5) 3,275 
8) 0,725 


27.6 
28,2 


1 

! -6,7 

1 - 6,6 



Nimmt man in den vorstehenden beiden Nivellierungen der 
Strecke 38 39, Tabelle 11 (links B, rechts A), die Summe der d, 
so wird 

B [d] = + 2,2 1 A [d] = + 2.3 

und damit das durchschnittliche d 

d, = + 0,12 mm d„ = + 0,13 mm. 

Ein ganz ähnliches Ergebnis zeigt die Strecke 48 49, im 
Mittel aus A und B wird hier d^ = + 0,18 mm ; dagegen heben 
sich auf der Strecke 8 9 des I. Abschnitts, Nivellierung A, die 
ebenfalls noch in derselben Art durchgerechnet ist, die [pos. d] und 
die [neg. d] nahezu auf, so daß im Durchschnitt do nur + 0,04 mm 
wird. Der quadratische Mittelwert der in diesem Absatz c) be- 
handelten d hat eigentlich keine Berechtigung; wenn man trotzdem 

ein mittleres d ausrechnet und daraus m = — -~, so ist doch 

bemerkenswert, daß diese Werte für alle in der oben angegebenen 
Art untersuchten Strecken nur wenig verschieden ausfallen. Die 
Werte m liegen für die sechs untersuchten Strecken zwischen ± 0,25 
und ±0,34 mm, Gesamtmittel +0,30 mm, wobei die Größe der 
Ziel weite (zwischen 20 m und 50 m) sich nicht bemerklich macht. 
d) Die in den vorstehenden Absätzen b) und c) untersuchten 
Abweichungen bringen die Beträge : Fehler herrührend vom Ein- 



183 



sinken der Bodenplatten minus Fehler herrührend vom Einsinken 
des Instruments für jede Aufstellung des Instruments zum Ausdruck. 
Aber sie erfassen noch nicht den Fehler in der Konstanz der Höhe 
des vordem Wechselpunkts während der Zeit, die gebraucht 
wird für den Transport des Instruments auf den nächsten 
Stand und seine Wiederaufstellung und die Festlegung des 
folgenden, jetzt vordem Wechselpunkts (während der genau zu er- 
haltende . vorhin vordere jetzt zum hintern Wechselpunkt wird) : 
denkt man sich das Stativ des Instruments langsam einsinken, 




Fig. 14. 

ebenso aber auch die beiden benachbarten Fußplatten , die die 
Wechselpunkte darstellen, und zwar derart, daß jedem Sinken des 
Stativs ein Sinken der beiden Bodenplatten um genau denselben 
Betrag, wie er am Instrument eintritt, entspricht, so würde trotz 
dieser Bewegungen der Höhenunterschied zwischen den zwei Wechsel- 
punkten sich so ergeben . wie er ohne Bewegung vorhanden war. 
Bleibt aber dann die Fußplatte während der Zeit des Instrument- 
transports ebenfalls nicht in Ruhe, so bewirkt dieses Einsinken, 
daß man beim Bergaufnivellieren einen zu großen , beim Bergab- 
nivellieren einen zu kleinen Höhenunterschied für die ganze Strecke 
als Summe der Höhenunterschiede zwischen den einzelnen Wechsel- 
punkten erhält; vgl. die Fig. 14: es seien C und D zwei ganz 



— 184 — 

feste Punkte , D höher als C , deren Höhenunterschied mit Hilfe 
zweier Aufstellungen des Nivellierinstruments , also Eines Wechsel- 
punkts W ermittelt werden kann. Die Aufstellung des Instruments 
sei derart, daß eine Bewegung der Fernrohrziellinie während jeder 
der zwei Aufstellungen ausgeschlossen ist; die Bodenplatte in W 
dagegen soll sich während der Zeit, in der das Instrument in Jj 
weggenommen, nach J2 getragen und dort wieder aufgestellt wird, 
um den Betrag c senken. Beim Nivellement I. von C aufwärts 
gegen D, erhält man als Wert (absolut) h^ des zu ermittelnden 
Höhenunterschieds h 

hj = h,' + hj" = h + Cj (14) 

beim Nivellement II dagegen, von D abwärts gegen C. ergibt sich 
als (absoluter) Wert dieses Höhenunterschieds : 

h, = h^' + h," = h-C2. (15) 

Wäre anzunehmen , daß Cg = Cj ist , so wäre das Mittel der zwei 
Nivellierungen nach (14) und (15) von dem durch c entstehenden 
Fehler befreit. (Würden die zwei Punkte C und D genau gleich 
hoch liegen, so würde nach den zwei Nivellierungen sich der Punkt 
als um Cj oder c.3 höher liegend ergeben . nach dem hin nivelliert 
wurde). 

Es ist mir nun nicht fraglich . daß Fußplattenbewegungen 
dieser Art, Abwärtsbewegung eines Wechselpunkts während der 
Zeit zwischen den zwei Aufstellungen des Instruments . von denen 
für die erste jener Wechselpunkt der vorwärtsliegende, für die zweite 
der rückwärtsliegende war , nachgewiesen sind , ja die Hauptrolle 
spielen. Sie vor allem tragen die Schuld an dem Vorzeichenverhalten 
der Höhensumme in den Abschnitten I bis VI des Nivellements, an 
dem umstand, daß die Summe der Höhenunterschiede aller Strecken 
der ganzen Linie beim Bergaufnivellieren um 

19,3 mm 

größer ausgefallen ist. als die Summe der Höhenunterschiede auf 
allen Strecken beim Bergabnivellieren. Wollte man diese Zahl als 
zufälligen Fehler ansehen (wogegen aber die Vorzeichen auf das be- 
.stimmteste sprechen) , so erhielte man , wenn auf die verschiedene 
Größe der Zielweiten und auf die Höhenunterschiede keine Rück- 
sicht genommen, vielmehr nur die ganze Länge der nivellierten 
Linie mit 25.78 km ins Auge gefaßt wird , aus jenem Schlußfehler 
allein als 



— 185 — 

mittleni km-Feliler der einfach (A oder B) nivellierten Linie 

m, = — T- -— + 2, ^0 mm (Ib) 

V 2. 25,78 ~ 

und als mittlem km-Fehler der doppelt (A und B) nivellierten Linie 

M, = ^^ = + 1,91 mm ; (17) 

V2 - 

dagegen sind oben aus den Differenzen der A und B auf den 
einzelnen Hauptstrecken mittlere km-Fehler berechnet worden, 
die für 
m, (einfaches Nivellement) zwischen den Beträgen + 0,07 und + 2,19 mm, für 
M^ (A und B) zwischen den Beträgen + 0,05 und + 1,55 mm liegen; 
im Gesamtmittel ergab sich daselbst 

( m, = + 1,0B mm und somit 
I 31, = + 0,75 mm. 

Es ist sicher, daß durch die zwei Nivellierungen A und B in 
entgegengesetzter Richtung und Mittelbildung aus beiden regel- 
mäßige Fehler, infolge deren das Ergebnis (16), (17) das 2^''2fache 
von (5) würde , ehminieit worden sind. Vor allem der größte Teil 
der regelmäßigen Fehler, die durch die Veränderung der Höhe der 
Fußplatton zwischen zwei Aufstellungen des Instruments eintreten. 
Diese Erniedrigungen halte ich. wie schon bemerkt, für nachgewiesen ^'', 
sei es nun, daß sie durch kleine Verschiebungen (Gleiten) der 
Platten auf harter, glatter, ziemlich stark geneigter Straßenfahrbahn 
oder durch Einsinken an Ort und Stelle entstehen. Die zwei 
schlimmsten Abschnitte in Beziehung auf regelmäßige Fehler im 
vorliegenden Nivellement sind, wie bereits ebenfalls angeführt, die 
stark fallende Straße von der Stelle nach Bebenhausen und die 
Straße Bebenhausen — Lustnau. Auf der ersten ist gewalzte Porphyr- 
schotterfahrbahn, hart und ziemlich glatt; jedenfalls ist dort die bis 
zur vollständigen Politur („Spiegelglätte") gehende Glättung der ur- 
sprünghch rauhen Füße der Bodenplatten zustand gekommen, die 
ein, vom Lattenhalter nicht bemerktes. Abrutschen der Platten auf 
geneigter Bahn leicht erklärlich scheinen läßt; auf der Straßenneigung 
4% oder 4\'2°/o genügt eine Lagebewegung um 2 mm nach unten, 

'' Vogler sagt noch in seinem Lehrbuch der Praktischen Geometrie, 
IL Band 1. Halbband, Braunschweig 1894, S. 348: „Das Nachsinken fest ein- 
getretener Fußplatten ist noch nirgends mit Sicherheit erwiesen worden. Nach 
des Verfassers Erfahrungen bei Versuchseinwägungen kann es sich dabei nur 
um äußerst kleine Beträge handeln.-' 



— 1 HC) — 

um eine Senkung von nahezu '/lo mm herbeizuführen. Auf dem 
zweiten genannten Abschnitt sind Instrument und Fußplatten nicht 
auf der ebenfalls sehr festen und hier sehr wenig geneigten Straßen- 
fahrbahn, sondern auf dem etwas weniger festen Gehweg aufgestellt 
worden, der mit Basaltgrus beschottert ist. Trotz starken Festtretens 
der Fußplatten können hier kleine Einsenkungen an Ort und Stelle 
wohl vorgekommen sein. 

Die mehrfach genannten Verminderungen der Höhe der Boden- 
platten zwischen den zwei benachbarten Aufstellungen des Instru- 
ments ( — deren Fehlereinfluß durch Hin- und Hernivellieren, A und B, 
dann vollständig ehminiert werden könnte, wenn er bei den beiden 
Nivellierungen in demselben Betrag vorhanden wäre ; diesem Idealfall 
wird man je nach der Beschaffenheit von Grund und Boden , auf 
dem Instrument und Bodenplatten aufzustellen sind, und ihrer Be- 
einflussung durch die Witterung mehr oder weniger nahe kommen — ) 
halte ich nach den Ergebnissen des vorliegenden Nivellements für 
größer als die Veränderungen der Höhe der Fernrohrziellinie (die 
sich, vgl. z. B. a) in sehr engen Grenzen hielt) und die Verände- 
rungen der Fußplatten während Einer bestimmten Aufstellung des 
Instruments. Diese Erscheinung ist wohl auch plausibel : einmal ist 
die Zeit ziemlich lang von der letzten Ablesung 8) vorwärts in der 
einen Aufstellung des Instruments bis zur ersten Ablesung 1) rück- 
wärts nach (angeblich noch) demselben Wechselpunkt von der nächsten 
Aufstellung des Instruments aus, und sodann wird der Träger dieser 
Latte während der Zeit, in der nun nicht an ihr abgelesen wird, 
trotz aller Ermahnungen, sich doch auf die Latte stützen, falls sie auf 
der Fußplatte stehen bleibt . einen Teil seines Körpergewichts also 
lange Zeit auf die Platte wirken lassen, wodurch leicht Verschiebungen 
auf stark fallender glatter Straße oder Eindrücken in den Grund in 
merkbaren Beträgen sich ergeben kann ; oder es wird, falls die Latte 
in der Zwischenzeit von der Platte abgehoben wird , das Wieder- 
aufsetzen eine solche Plattenverschiebung abwärts, auch bei an sich 
guter Vorsicht, verursachen können. 

Jedenfalls scheint mir das vorUegende Nivellement deutlich 
dafür zu sprechen, daß es, zum mindesten beim Nivellieren auf 
macadamisierter Straße, zur möglichsten Befreiung von regelmäßigen 
Fehlern und zur Erlangung höherer Genauigkeit unumgänglich ist, 
den Vorgang von Cohen-Stuart in den Niederlanden und von Lallemand 
in Frankreich nachzuahmen, nämlich als Wechselpunkte starke und 
lange, tief geschlagene Pflöcke (die z. B. nach 20 oder 30 Schlägen 



— 187 — 

mit schwerem Hammer kein Nachziehen um ^'2 mm mehr zeigen) mit 
darauf angebrachten Rundkopfnägeln zu verwenden ; dabei wäre 
dafür zu sorgen, daß zwischen der Vorbereitung dieser Wechselpunkte, 
zu der ein kleines Nivellierinstrument und ganz flüchtiges vorläufiges 
Nivellement genügt, und der Ausführung des Nivellements wenigstens 
einige Tage liegen. Freilich ist damit immer noch nicht ausgeschlossen, 
daß auch solche Pfähle merkliches Sacken oder auch , in manchen 
Bodenarten , Hebungen durch „Treiben" des Bodens zeigen. Bei 
dem an sich vortrefflichen SEiBi'schen Nivellierverfahren ist die Zeit, 
während der man auf Unveränderlichkeit von Instrument und Wechsel- 
punkte rechnen muß, von besonders günstigen umständen abgesehen, 
zu lang, als daß die Wechselpunkte auf gewalzten Schotterstraßen 
durch einfach auf den Boden gelegte und festgetretene Platten von» 
einigen Kilogramm Gewicht sicher genug hergestellt werden könnten. 

V. Schluß. 

Um nochmals zusammenzufassen und einige Wünsche zu äußern, 
mögen folgende Sätze aufgestellt werden : 

1. Der mittlere km -Fehler, wie er aus der üblichen Vergleichung 
der zwei Nivellierungen A (Böblingen — Lustnau) und B (Lustnau — 
Böblingen) der einzelnen 35 Hauptstrecken der ganzen Linie folgt, 
beträgt für die einfache und für die doppelte Nivellierung im Ge- 
samtmittel 

+ 1,06 und + 0,75 mm; 

diese Genauigkeit ist für den vorliegenden Zweck als ausreichend 
anzusehen. 

2. Die m. F. der einzelnen Strecken zeigen Abhängigkeit von 
den Zielweiten , nicht von den Höhenunterschieden. Die Latten- 
vergleichung ist vollständig genügend. 

o. Neben 1. sind aber beträchtliche regelmäßige E'ehler vor- 
handen , die insbesondere bewirken , daß überall beim Bergauf- 
nivellieren größere Höhenunterschiede sich ergeben haben als beim 
Bergabnivellieren. Ein großer Teil dieser Fehler wird durch Höhen- 
veränderung (Rutschen oder Einsinken) der Fußplatten während der 
Zeit für Transport und Wiederaufstellen des Instruments zu er- 
klären sein. 

4. Für einen großen Teil dieser regelmäßigen Fehler ist an- 
zunehmen, daß er im Durchschnitt aus A und B eliminiert sei; der 
genauere Betrag ist jedoch nicht sicher abzuscheiden. 

5. Auch die übrigen systematischen Fehlerquellen machen es 



— 188 — 

wünschenswert, statt der Wechselpunkte aiif gut festgetretenen 
Bodenplatten, wie sie hier angewendet worden sind, für die sich 
aber Bewegungen sicher nachweisen lassen, in Zukunft beim Nivellieren 
auf macadaniisierter Straße vorbereitete Wechselpunkte auf tief ge- 
schlagenen starken Pflöcken zu verwenden. 

6. Ebenso machen es die in einzelnen Fällen sicher nachweis- 
baren Veränderungen der Höhe der Zielhnie des Fernrohrs während 
länger dauernder Aufstellung des Instruments erwünscht, das In- 
strument statt auf ein Dreibeinstativ auf eine sicherer fundierte Unter- 
lage zu stellen (Stativ mit mehr als drei Beinen u. dgl.). 

7. Trotz der in 5. und 6. ausgesprochenen Wünsche glaube 
ich empfehlen zu sollen , daß wenigstens das nächste Nivellement 

«der Linie Böblingen — Lustnau noch genau in derselben Art wie vor- 
stehend beschrieben ausgeführt werde. 

8. Die Zeitdauer zwischen den Nivellierungen einer solchen 
Linie sollte 5 Jahre nicht überschreiten; das nächste Nivellement 
der Linie Böblingen — Lustnau wäre also jedenfalls 1907 auszuführen. 

9. Einige weitere Linien dieser Art, an denen etwaige dauernde 
Höhenänderungen von Festpunkten zu verfolgen sind, sind sehr 
wünschenswert. Die Linien werden in Gegenden zu wählen sein, 
aus denen Nachrichten über angebliche Veränderungen der Aussicht 
in größerer Zahl vorliegen oder in denen häufig Erderschütterungen 
beobachtet werden. Vielleicht käme in erster Reihe Tübingen— Hechingen 
in Betracht, auch als Fortsetzung der hier behandelten Linie. 

10. Es scheint mir angezeigt, dabei für die Festpunkte statt 
der vernickelten Stahlbolzen. die sich nicht besonders bewährt haben, 
Bronzebolzen oder auch Bolzen aus Eisenhartguß zu verwenden. 
Die Festpunkte in den Boden zu versenken, scheint mir jedenfalls 
zweckmäßig zu sein. Auch glaube ich empfehlen zu sollen, an der 
hier getroffenen Anordnung von Festpunktepaaren (je zwei Festpunkte 
nahe beieinander) längs der Linie festzuhalten, wobei aber die Paare 
etwas weiter auseinander gesetzt werden könnten (1 oder 1^/2 km) 
als bei der vorliegenden ersten Nivellementslinie. 



Beiträge zur V i treuen f au na Württembergs III. 

(Zugleich eine Erwiderung.) 
Von D. Geyer in Stuttgart. 

Die nachfolgenden Zeilen beziehen sich in der Hauptsache auf 
zwei gleichnamige Arbeiten, welche von mir 1904 und 1905 in diesen 
Jahresheften erschienen sind ^ Die erste derselben hat in der 
Zwischenzeit eine Kritik erfahren, die mich zu einer Entgegnung 
veranlaßt und zugleich von der Notwendigkeit überzeugt hat, einige 
damals hervorgehobene Gesichtspunkte und Forschungsergebnisse 
näher zu beleuchten. 

Die Kritik geht aus von Prof. Dr. 0. Boettger ". Der hoch- 
verdiente Altmeister der deutschen Malakozoologie greift zwei Ge- 
sichtspunkte meiner Darstellung heraus und bestreitet deren Richtigkeit. 

I. Fürs erste stellt er den ersten Absatz die „Allgemeinen 
Gesichtspunkte" S. 303 heraus, worin ich mitteile, daß nach meinen 
Befunden in jeder Höhlung nur eine einzige Art lebe. Dann fährt 
er fort: „Also der Kernpunkt der theoretischen Erörterung ist : Jede 
Höhle birgt stets nur eine Art I — Ich wage das aus praktischen 
Gründen zu bestreiten. Geyer hat von den meisten Arten trotz der 
beschränkten Räume, an denen er. gesammelt hat, wie er selbst zu- 
geben muß, erstaunliche Massen von Individuen gefunden. Spricht 
das für Konkurrenz und Kampf? Er sagt selbst, daß das Vor- 
kommen in den verschiedenen Höhlen und Quellbächen oft lokalisiert 
sei. Warum sollen sich da nicht zwei oder drei Arten im Laufe 
der Zeit nebeneinander ausbilden können, wie es doch in ähnlicher 
Weise notorisch die zahlreichen ähnlich lebenden Zospewn-Aiten in 
den Krainer Höhlen getan haben?" Nach speziellen Angaben mit 
■Berufung auf Clessin schließt er den ersten Einwurf: „Mögen dabei 
auch Bestimmungsfehler unterlaufen sein, sicher ist doch ohne Frage 
das eine, daß in den Krainer Höhlen ganz scharf getrennte Schnecken- 



'■ Im folgenden zitiert als 1904 und 1905. 

^ Nachrichtsblatt der deutschen malakozoologischen Gesellschaft, 38. Jahrg. 
1906. S. 30—32. 



— 190 — 

formen nebeneinander in der gleichen Höhle leben. Auch meine 
reiche Sammlung — ich war selbst an Ort und Stelle — hat dafür 
Beweise. Wir sehen also , Geyer"s Fundamentalsatz steht auf 
schwachen Füßen." 

Darauf habe ich zu erwidern : 

Die drei ersten der von Boettger zitierten Sätze meiner Dar- 
stellung ^ schließen allerdings eine theoretische Erörterung ein; 
aber — und das ist die Hauptsache — ich stützte mich bei der 
Aufstellung meiner Gesichtspunkte und der systematischen Behandlung 
der Funde gar nicht auf diese, sondern fuhr fort mit Satz 4 und 5 : 
„Was mich aber mehr als alle die rein äußerlichen Erwägungen be- 
stimmt, alle Formen einer Höhle als Glieder eines durch Abstammung, 
Ernährung und Lebensweise zusammengehörenden Ganzen zu be- 
trachten, ist das Zeugnis, das sie für sich selbst ablegen durch das 
Ineinandergreifen und Übergehen der Formen von 
einem Größen- und Windungsextrem ins andere. Wo 
aber die Natur selbst keine Grenze gezogen hat, darf der Forscher 
auch keine aufzustellen versuchen." Das ist nicht eine theoretische 
Voraussetzung, sondern eine auf dem praktischen Wege des 
Sammeins, Beobachtens und Vergleichens gewonnene Erkenntnis. 
Wie ich zu dieser Erkenntnis kam und wie ich sie zur systematischen 
Bearbeitung der Funde verwertete, habe ich 1904, S. 310 und 
1905, S. 291 des näheren dargelegt. 

Nun bekämpft aber Boettger gerade die theoretischen Er- 
wägungen , mit welchen ich aus Gründen der Darstellungsweise 
begann, um sie dann beiseite zu schieben und zum Hauptpunkt 
fortzuschreiten, und sagt nichts über meine Mitteilung vom natür- 
lichen Zusammenhang der Formen, auf welchen ich mich 
stützte. Es schadet aber dem von mir aufgestellten systematischen 
Gerüstwerk nichts, wenn drei den Charakter von Ornamenten 
tragenden Pfähle umgestoßen werden und die Grundsäulen stehen 
bleiben. Also nicht Satz 1 — 3, sondern Satz 4 und 5 haben den 
Charakter des Fundaments (nach Boettger) oder (nach meiner 
Meinung) einer Richtschnur, durch welche auch dem 1904, S. 309 
gesperrt gedruckten Satz: „Gemeinsamkeit des Wohnorts ist der 
Ring, welcher die äußerlich unähnlichen Formen der Art zusammen- 
hält" seine Bedeutung gegeben wird, insofern unter den „äußerlich 
unähnlichen Formen" desselben Wohnorts nur solche gemeint sind, 



1904, S. 303. 



— 191 — 

die unter sich durch lückenlose Übergiinge verbunden sind, 
welche in der Anzahl nicht wesentlich hinter den extremen Formen 
zurückstehen. 

Ich habe mehrfach und nachdrücklich darauf hingewiesen, daß 
trotz der Veränderlichkeit der Vitrellen eines und desselben Fund- 
ortes, diese sich in zusammenhängenden Form en reihen (-leitern, 
-Skalen) ordnen lassen, und es wurden mehrere solche Formenreihen 
photographisch dargestellt. 

Zum Beweise aber, daß ich auch mit den Auslassungen 
theoretischer Natur doch nicht ganz unrecht habe, verweise 
ich auf Hamann^: „Eine Konkurrenz zwischen Arten derselben 
Gattung fehlt, da meist immer nur eine Art in ein und derselben 
Höhle lebt, so meist nur eine Trechus- Avt, eine Bathiscia- Art, 
eine Krebsart, eine Carychium-kxi (^= Zospeiim). Die Anzahl der 
Arten ist überhaupt in den einzelnen Höhlen beschränkt und schließt 
das Vorkommen der einen Art oft das der andern aus." An einer 
andern Stelle (S. 50) sagt er von den Zospeen {Carychüim bei Hamann) : 
„Meist kommt in einer Höhle nur eine Art vor: so fand man 
in 22 Höhlen nur eine Art, in 7 Höhlen 2 Arten, in 1 Höhle 
3 Arten." Ich glaube, daß wenn einmal die Erforschung der süd- 
deutschen Vitrellen so weit fortgeschritten ist, als es jetzt bezüglich 
der Höhlenfauna des Karstes geschehen ist, werden uns ähnliche 
Ergebnisse vorliegen. 

Selbstverständlich ergab sich mein Standpunkt aus dem damals 
erbeuteten Material. Daß ich mich aber von Anfang an durch das 
Beobachtungsresultat , welches sich mir zur Richtschnur für die 
systematische Gliederung anbot, nicht zu Verschiebungen der Wahr- 
heit verleiten ließ, beweisen meine Mitteilungen zu V. franconia'^ 
und zu var. scalaris ^, wo es von den Quellen dieser Form heißt : 
„An allen 3 Orten tritt aber scalaris nicht allein auf, sondern ist 
von der nächsten Varietät begleitet." Also habe ich — was 
BoETTGER übersehen zu haben scheint — ^3 Quellen angegeben, 
in welchen je 2 Formen nebeneinander sich entwickeln'*. 
Es zeigte sich ein deutlicher Einschnitt in den Formenreihen dieser 



^ Hamann, Prof, Dr. ()., Europäische Höhlenfauna 1896, S. 11. 

2 1904, S. 323. 

3 1904, S, 325. 

* In der für das nächste Jahr geplanten Fortsetzung der Beiträge hoffe 
ich auf eine weitere Quellgruppe eingehen zu können, wo ähnlich wie bei den 
Varietäten der franconia zwei Arten zusammengerückt sind. 



— 192 — 

Quellen, den ich bis dahin nicht beobachtet hatte. Ich stellte diese 
Formen als Varietäten auf. während 3 Zospeum-Avten aus einer 
und derselben Höhle angegeben werden. Wer die Unsicherheit in 
der Begrenzung der Arten und Varietäten kennt, wird die unter- 
schiedliche Wertung nicht wesentlich finden. 

Wenn Boettger aus praktischen Gründen meine theoretischen 
Erwägungen bekämpft, die zwar nicht gegenstandslos, aber auch 
kein „Fundamentalsatz" sind, so könnte ich damit diese erste Hälfte 
seiner Kritik verlassen. Allein sie gibt mir Gelegenheit zur Äußerung 
über einen weiteren Punkt in der Hoffnung, damit Mißverständnissen 
vorzubeugen. 

Boettger verweist auf die Zospeuiii-Aiten in den Krainer 
Höhlen. Ich frage aber: Sind die Zospeen in demselben Umfang 
gesammelt worden wie meine Vitrellen? Sind sie dem Hundert nach 
auf ihre Form angesehen und verglichen worden? Sind keine Über- 
gänge von einer Art zur andern vorhanden? Welche Gestalt ist 
die herrschende? In welchem Zahlenverhältnis stehen die typischen 
Formen zu den Übergängen und Nebenformen? Es sind koncho- 
logische Arten; niemand weiß, wie sie sich zueinander vorhalten; 
sie könnten schließlich doch enger verbunden sein als man glaubt. 
Vergl. die Gliederung der Zospeen bei Westerlund \ wo die von 
Boettger nach Clessin zitierten Arten Z. nydemn Bgt. und Z. aglenum 
Bgt. als Vaiietäten dem Z. schmidti Frauenf. angeschlossen sind, 
und die Beleuchtung der CLESsm'schen ZosppAmi-I)a,Ysie\\nng durch 
Hamann (S. 49). Da scheinen starke Rechenfehler mit unterlaufen 
zu sein. 

VJev von württembergischen Höhlenschnecken hört, verbindet 
damit vielleicht die Vorstellung von der Nebelhöhle oder einer andern 
bekannten Höhle der Alb. Aber gerade die bekannten Albhöhlen 
sind mit zwei Ausnahmen trocken (ohne einen Wasserlauf) und bieten 
dem Zoologen kaum etwas, dem Malakozoologen rein gar nichts. 
Der Aufenthaltsort der Vitrellen ist aber auch nicht in Höhlen, 
sondern in unterirdischen Wasseradern zu suchen, sei es daß diese 
sich durch enge Spalten, Gänge und Klüfte der geschichteten Kalk- 
gebirge zwängen oder sich durch das Trümmergestein (grobes 
Gerolle, abgestürzten Schutt) und die Vegetationsschicht der Wiesen 
gebohrt haben. Ich glaubte anfänglich auch, die Wohnstätte der 
Vitrellen ausschließlich in Höhlen suchen zu müssen, je mehr ich 



Fauna etc. V, S. 20 f. 



— 193 — 

aber ihre Verbreitung kennen lerne, desto mehr sehe ich, wie wenig 
wir berechtigt sind zu der Annahme , daß sie aus solchen Hohl- 
räumen stammen, die wir als Höhlen bezeichnen. In den Beiträgen 
des Vorjahres habe ich auf die Verhältnisse des näheren hingewiesen 
und füge hier hinzu, daß die Mehrzahl der Vitrellen aus kleinen 
Kanälen stammt, die entweder der erste Anfang eines Bächleins, die 
Quellader, bilden oder eine versickerte Strecke, auf welcher das 
schwache Rinnsal sich zum zweitenmal in die Erde, in den zer- 
spaltenen und leicht erodierbaren Kalk und ins Gerolle diluvialer 
Ablagerungen zurückzieht. 

Zuweilen jedoch handelt es sich auch um größere Gänge im 
Gebirge, die das Produkt einer Spaltung und der Auswaschung durch 
einen kräftigen Bach sind. Sie haben dann den Charakter eines 
von einem Bach durchströmten, verfallenen Stollens. Ein solcher 
Gang ist die Falkensteiner Höhle, welche die ersten und für längere 
Zeit auch die einzigen lebenden Vitrellen Schwabens lieferte. Dieser 
Zufall mag mit daran schuld gewesen sein, daß man bei der Kunde 
von Vitrellenfunden diese Hohlräume neben die Krainer Höhlen 
glaubte stellen zu dürfen. Von jenen „ungeheuren Räumen" ^ sind 
sie aber himmelweit verschieden und zwar nicht nur hinsichthch 
ihrer Ausdehnung, sondern auch in bezug auf ihre Fauna. Ich 
brauche nur an die zahlreichen Arthropoden der Karsthöhlen zu 
erinnern, nach welchen wir in Schwaben vergeblich suchen. Offen- 
bar sind die Höhlen des Karstes viel ältere Tierwohnstätten als die 
süddeutschen Jurahöhlen , die darum auch in keine Parallele mit 
jenen gestellt werden können. 

n. Der zweite Einwurf Boettger's lautet: „Auf noch mor- 
scherem Fundament steht aber schließlich der Satz, den er (Geyer) 
verficht, daß die verschiedenen geologischen Gebiete, das Albgebiet 
mit seinem Juraboden und das fränkische Muschelkalkgebiet, theo- 
retisch verschiedene Lartetia-Avten erzeugt haben müßten und daß 
eine Form, möge sie auch der Schale nach absolut identisch sein 
mit einer Form des andern Gebietes, deshalb trotzdem einer andern 
Art angehören müsse. Ich kann das theoretisch nicht zugeben, 
habe es in Praxis stets anders gehalten. Stimmen die Schalen 
beider Gebiete wirklich in jeder Hinsicht miteinander überein, so 
müssen wir sie — selbst wenn theoretische Bedenken dagegen 
sprächen — immer und unweigerlich mit dem gleichen Speziesnamen 



^ Hamann, S. 49. 

Jahreshefte d. Vereins f. vaterl. Naturkunde in Württ. 1906. 13 



— 194 — 

belegen, weil wir sonst jeden Boden unter den Füßen verlieren und 
mit unserer ganzen Systematik in der Luft schweben würden." 

Auch bei diesem Einwurf begegne ich zunächst wieder der 
Annahme, als habe ich mich bei der Ausführung des systematischen 
Teiles von theoretischen Voraussetzungen leiten lassen. Ich kann 
aber mit gutem Gewissen sagen, daß ich gänzlich frei von jeder 
Beeinflussung durch eine Theorie (vergl. 1905, S. 291) an meine 
Arbeit ging. Sie entstand aus der Praxis. Darin wird ihre Stärke 
wie ihre Schwäche beschlossen liegen. 

Ich bemühe mich sodann vergeblich, in meiner Arbeit den Satz 
zu finden, in dem ich behaupte, daß Alb- und Muschelkalk ver- 
schiedene Arten erzeugt haben „müßten". Wohl aber sagte ich 
(1904, S. 310), daß bei der Untersuchung es sich schließhch zu 
meiner Überraschung herausgestellt habe, daß dem systematischen 
Bild ein geographisches entspreche, weil sich für Alb- und Muschel- 
kalk getrennte Artgruppen ergeben haben, und diese Wahrnehmung 
spreche für die Richtigkeit der systematischen Anordnung (vergl. 
auch 1905, S. 291). 

Damit habe ich für die Vitrellen genau dasselbe festgestellt, 
was KoBELT als ein Resultat seiner Studien an Pomatia und Iberus 
bezeichnet \ und wenn das Zitat bei Westerlund ^, das ich an der 
dort bezeichneten Stelle nicht finden konnte, richtig lautet, hat 
BoETTGER die Formen von Helix Codringtoui Destr. „nach geo- 
graphischen Gesichtspunkten geordnet, die mit systematischen Hand 
in Hand zu gehen scheinen". 

Boettger's Widerspruch ist vielleicht auf die Ausführung 1904, 
S. 309 zurückzuführen: „Würde demnach der Fall eintreten, und 
er ist tatsächlich oft, insbesondere bei den kleinsten Formen, zu be- 
obachten, daß in der Formenleiter zweier räumlich und vielleicht 
auch anatomisch weit auseinander liegender, durch besondere Ele- 
mente charakterisierter Arten einander nahestehende und sogar kon- 
gruente Formen sich einstellen, so gehören nicht diese unter sich 
zu einer Art zusammen, sondern sie sind dem mit ihnen verbundenen 
Arttypus anzugliedern und erhalten von ihm ihre Stufe in der Skala 
zugewiesen." 

Der Widerspruch ist aber nur dann berechtigt, wenn das Vor- 
handensein von Formenreihen (-skalen), von welchen ich in 



' Nachrichtsblatt 1906, Heft I S. 55. 
2 Fauna I, Supplement S. 30 f. 



— 195 — 

meiner kritisierten Arbeit ausführlich rede, auf welche ich hier aber 
des Raumes wegen nicht noch einmal eingehe, übersehen, und wenn 
unter den „kleinsten Formen" Arten verstanden werden. Es be- 
zieht sich aber dieser Satz auf die Kümmerformen, die mit einer 
typischen Form aus einer und derselben Quelle stammen und in den 
verschiedenen Bezirken sich nahe kommen können. Nun gliedern 
sich aber Kümmerformen ihrer jeweiligen Art an, mit der sie durch 
Übergänge verbunden sind und bilden nicht für sich zusammen eine 
systematische Einheit. Es sei mir gestattet meine Auffassung von 
der systematischen Einreihung dieser Endgheder der Formenreihen 
an einem Beispiel zu erläutern : Gesetzt den Fall, es degeneriere in 
einer deutschen Stadt infolge all der möglichen äußeren Umstände 
ein Bruchteil der Bewohner so sehr, daß er eine äußere Ähnlich- 
keit mit ebenfalls durch ähnliche Einflüsse degenerierten Bewohnern 
einer Stadt Japans bekäme, so würde ich erstere doch zur kau- 
kasischen und letztere zur mongolischen Rasse zählen und würde 
es für einen Trugschluß halten, in ihnen gleichstehende Vertreter 
einer besonderen Rasse zu sehen. 

Die Systematik darf unter keinen Umständen den Lebens- 
zusammenhang der Formen zerreißen, sonst tut sie der Wahrheit 
Gewalt an ; ist sie nicht imstande ohne eine Zerreißen des natür- 
lichen Zusammenhanges alle hervorragenden Formen unterzubringen, 
so gesteht sie damit ihre Unfähigkeit ein, die tatsächlichen Ver- 
hältnisse darzustellen. Für die richtige Beurteilung der 
Kümmerformen unserer Vitrellen ist es nötig, den natür- 
lichen Zusammenhang, wie er sich aus der örtlichen Zusammen- 
gehörigkeit ergibt, in Betracht zu ziehen. 

Unter den Kümmerformen sind Vitrella pellucida Benz und 
V. Kraussi Weinl. mit einbegriffen ; bezüglich der V. Clessini Weinl. 
sind meine Untersuchungen noch nicht abgeschlossen. 

Die Originale der V. pellucida Benz wurden dem Geniste des 
Neckars bei Cannstatt entnommen. Das Einzugsgebiet des Flußes 
umfaßt bis zu diesem Punkt etwa 4000 qkm, innerhalb welchen 
wir die Heimat des Schneckchens zu suchen haben. Ich kenne 
nun bis heute aus diesem Gebiet 75 zum Teil recht produktive 
Vitrellenquellen an der Alb und im Muschelkalk des oberen Neckars. 
Davon entfallen auf V. Quenstedti Wied, mit var. Ära m., Weinlandi m. 
und solleriana m. 39 Quellen, auf V. Futei m. 1, var. Roesleri m. 1, 
auf V. exigua m. 2, auf V. yonostotna m. und lahiata m. 10, auf 
V. suevica m. 22 Quellen. Vergeblich aber suchte ich eine 

13* 



— 196 — 

Quelle, in w elchev V. pelhccida Benz sich als ausschließ- 
liche oder auch nur als führende Form gezeigt hätte. 
Nicht zu finden ist sie bei V. gonostoma (die kleinsten Stufen er- 
reichen nicht die Größe der pellucida Benz), nicht bei exigua (diese 
ist selbst immer kleiner als pellucida) und nicht bei V. Putei und 
Boesleri m. Aus V. lahiata kann sie konstruiert werden, wenn man 
allenfallsige ungelippte Exemplare dazu stempeln will, selten steigen 
die großen und kräftig angelegten s^<ev^ca-Formen des Muschelkalks 
am obern Neckar bis zu dieser Stufe herab (s. 1905, Taf. VII Fig. 15), 
regelmäßig aber ist sie in den Quellen der Quenstedti und in der 
einzigen Quelle der V. Putei typ. anzutreffen. Dabei ist sie aber 
stets in der Minderzahl und durch lückenlose Übergänge ver- 
bunden mit einer kräftiger entwickelten und an Individuen 
zahlreicheren Form, die ich darum als führende Gestalt aner- 
kennen mußte. Diese führende Gestalt ist freilich nicht immer 
Quenstedti tgp., sondern vielfach forma acuta, kleiner als Quenstedti 
typ., aber doch wesentlich größer als pellucida. Die Form acuta ist 
so wenig selbständig als pellucida., entweder nach oben verbunden 
mit Quenstedti typ. oder nach unten mit pellucida. Ihr gegenüber 
stützt sich pellucida auf ein bestimmtes Maß von Kleinheit und da 
sie ohnehin das Recht der Priorität für sich hat, habe ich nichts 
dagegen, sie als Varietät neben Quenstedti typ. bestehen zu lassen. 
Ich beabsichtige in einem abschließenden Wort noch einmal auf diesen 
Punkt zurückzukommen. 

Die Molluskenverzeichnisse aus Württemberg weisen nun aber 
F. pellucida Benz auch aus dem fränkischen Muschelkalk auf, und 
ich selbst habe zugegeben: „sie spukt tatsächlich überall" ^ Solche 
Kümmerformen kann es unter bestimmten Voraussetzungen auch 
überall geben. Beginnt die Formenreihe einer Quelle in der größten 
Stufe mit 5 mm, dann geht sie nach unten nicht so weit, daß es zur 
pellucida-Gxö&G: reicht (s. V. Putei m. v. Pioesleri m. 1904, S. 319) ; 
nur was unter diesem Maß sich zu gestalten beginnt 
(Quenstedti bei 4 mm), kann zu pellucida (2,5 mm nach Clessin) 
hinabsteigen. 

Welch geringe Bedeutung in der Formenreihe einer Quelle 
denjenigen Größenstufen zukommt, die wir bislang unter pellucida 
zu stellen pflegten, ergibt sich auch aus den Zahlen der V. fran- 
conia m. v. postera m ^. Auch wenn die 80 kleineren Schalen, die 

' 1904. S. 328. 
2 1904, S. 328. 



— 197 — 

ich unter 1583 Stücken zählte, sämthch auf peXlucida entfallen 
würden, was durchaus nicht der Fall ist, so würden sich aus einer 
und derselben Quelle ergeben 88 "/o typische Stücke und 5*^/o 
pelluciäa-'dihnWchQ. Hier überrascht jeden, der die Variabilität der 
Mollusken des bewegten Wassers, zumal der unsicheren Kalkflüßchen 
kennt, der hohe Prozentsatz der konstanten Formen und man über- 
zeugt sich gerne von der Bedeutungslosigkeit der Kümmerformen 
im System ^ In der Falkensteiner Höhle liegen die Verhältnisse 
iixx pellucida noch ungünstiger; zahlreicher ist sie in der Elsachquelle. 

Warum V. pellucida Benz trotzdem jahrzehntelang als die ver- 
breitetste — selbstverständlich bei sehr vereinzelten Funden in 
wenigen Exemplaren — Vitrella Württembergs gelten und sich das 
Ansehen einer selbständigen Art erwerben konnte, erklärt sich daraus, 
daß sie am ehesten in die Anspülungen gelangt (s. 1904, S. 317). 
Ich mache mir diesen Umstand heute noch zunutze. Will ich un- 
anfechtbare pellucida haben, so kann ich an den reichsten Quellen 
lange sieben, bis ich diese kleinen Schalen unbeschädigt in genügender 
Anzahl beisammen habe ; darum siebe ich lieber das Geniste des 
Bächleins durch, das aus einer solchen Quelle ausfließt, und dort 
finde ich pellucida im feinsten Geniste hübsch gewaschen und 
zusammengetragen, während die großen Formen immer seltener 
werden, je weiter man sich von der Quelle entfernt. 

Wie mit V. ptellucida Benz, verhält es sich mit V. Kraussi 
Weinl. Ich wiederhole es, es ist ein einziges Anspülungsexemplar, 
dem wir diese Art verdanken, natürlich das kleinste in der ganzen 
Reihe. Jahrelang sammelte ich Anspülungen in großer Menge und 
begreife es vollkommen, warum es die kleinsten zuerst' sein müssen, 
und ich mache niemand einen Vorwurf daraus, das Ding beschrieben 
und in die Fauna eingeführt zu haben. Aber es ergeht ihm wie so 
manchen andern vereinzelten, kleinen Anspülungsfunden: weiter- 
gehende Untersuchungen sprechen ihnen das Recht ab, eine besondere 



^ Ich verließ mich bei der Aufstellung der Typen für meine Arten immer 
auf den Prozentsatz derselben innerhalb der ganzen nach Hunderten zählenden 
Ausbeute einer Quelle. Zum mindesten beträgt der Typus überall 80 "/o; die 
übrigen 20"/o entfallen auf größere und kleinere Formen; unter den letzteren 
muß dann F. pellucida Benz, V. Kraussi Weinl. und wie ich mit ziemlicher 
Sicherheit annehmen darf, auch V. iurrita Cl. und V. Clessini Weinl. gesucht 
werden. 

- s. Fupa leontina Gredler bei Clessin, Deutsche Exk. Moll.-F. 2. Aufl. 
S. 261 und in der Moll.-F. f. Österreich-Ungarn S. 277 f. Westerlund führt in 



— 198 — 

6 Vitrellenexemplare, von welchen er 5 zur Clessini und 1 zur Krcmssi 
erhob, nur wenigstens einige Dutzende bekommen, so wäre seine 
Aufstellung eine andere geworden, weil ihm dann auch die Ver- 
bindungsglieder von Clessini zu Kranssi in die Hände gekommen 
wären und er sich überzeugt hätte, daß keine Grenze zwischen 
beiden besteht. 

V. Kraussi Weinl. ist immer die letzt mögliche Ver- 
kümmerungsstufe der mittelgroßen und größeren Vitrellen 
Württembergs und 'findet sich zumeist im fränkischen Muschel- 
kalk, kann sich aber auch gelegentlich und nur vereinzelt den 
Quenstedti-^&[hen anschließen. Es kommt in erster Linie darauf 
an, mit welcher Größe die Formenreihe beginnt; bei einer 
Maximalgröße von 4 mm kann jede fränkische Vitrella 
in den kleinsten Kümmerformen die V. Kratissi dar- 
stellen; aber in den 34 Vitrellenquellen Frankens, welche ich bis 
heute kenne (und in denen Schwabens), habe ich noch keine 
V. Kraussi in alleiniger Ausbildung oder anders als in Abhängigkeit 
von zahlreicheren und größeren Formen gefunden. 

1904, Taf. VIII Fig. 8 und 9, habe ich das Original der 
F. Kranssi Weinl. dargestellt und daneben, Fig. 10 und 11, die 
F. exigua m. abgebildet. Boettger sah sich ^ veranlaßt, beide gleich- 
zustellen und meine exigua als Kraussi zu behandeln. Man ver- 
gleiche aber einmal aufmerksam den Habitus und die Größe beider. 
F. Kraussi steht in schönster Harmonie mit F. turrita Gl. Fig. 8 
und F. Clessini Fig. 1 und stellt eine Verkleinerung der letzteren 
dar. Dagegen hat exigua stärker gewölbte Umgänge mit tieferer 
Naht und ist in Hunderten von Exemplaren nicht bloß kleiner als 
Kraussi, sondern bleibt sich in Größe und Gestalt auch gleich'-', 
wodurch sie sich in ihrem Verhalten von allen andern schwäbischen 



seiner FauHa (III S. 132 ff.) hintereinander 9 solcher, meist auf einem Exemplar 
beruhender, fragwürdiger Pupen an. Sie mit ihrer zur systematischen Verwertung 
so verlockenden und doch so unsicheren Bezahnung , wie Vitrella mit ihrer 
wechselnden Gestalt bei dem Mangel sonstiger Anhaltspunkte verleiten gerne, 
wenn sie in nur einem oder wenigen Exemplaren in Anspülungen gefunden 
werden, zu einer Diagnose, in welcher andere Funde nicht unterzubringen sind. 
Ich m()chte schier den Vorschlag machen, Findlinge nicht in die Listen einzu- 
tragen, bevor sie nicht durch ihre Angehörigen sich ausgewiesen haben. 

' Nachrichtsblatt 1905, S. 115. 

^ Die zwei daneben stehenden Figuren 11 und 12 betreffen ein vereinzeltes 
Vorkommnis, das ich der Vollständigkeit zuliebe nicht glaubte unterdrücken 
zu sollen. 



— 199 — 

Vitrellen absondert. Der enge und schwach bewässerte, unterirdische 
Abzugskanal eines Torfmoores, der im geologisch einzig dastehenden 
Randecker Maar wieder zutage tritt — äußere Bedingnisse, wie 
sie eigenartiger kein Vitrellengewässer in sich vereinigt — beherbergt 
die kleinste, zarteste und zierlichste aller schwäbischen Vitrellen. 
Es wäre ein Terrorismus, wenn eine so schön nach Gestalt und 
Vorkommen in sich abgeschlossene Charakterform dem von seinem 
Verbände losgelösten Findling vom Jagstufer sich unterordnen müßte. 
Allen Respekt vor dem Prioritätsgesetz, aber noch größeren vor der 
Wahrheit. V. exiguam. ist eine selbständige, konstante, ver- 
bindungslose Art; F. Kraussi Weinl. ist das verkümmerte 
Schlußglied der fränkischen Vitrellen. 

In der Einleitung zu seiner Kritik sagt Boettger : „Ich habe 
den größten Teil der alten und die neueren Arten Stück für Stück ge- 
prüft, und — ich sehe anders." Er hat Belegexemplare der von 
mir aufgestellten Arten und Varietäten in Händen gehabt. Mit 
Belegexemplaren ist es eine eigentümliche und bei den Vitrellen 
geradezu eine heikle und vielleicht irreführende Sache. Bekanntlich 
ist die Variabilität der Vitrellen groß. Gebe ich nun die Formen 
ohne Rücksicht auf ihre Gestalt so weiter, wie sie mir selbst in die 
Hände gekommen sind, so kommt's vor, daß der Empfänger in der 
erhaltenen Probe dann gerade die scharf geprägten und charak- 
teristischen Stufen vermißt und in der Hauptsache unsichere Gestalten 
erhält. Suche ich aber sogen. Typen für ihn heraus, dann können 
— abgesehen davon, daß er dadurch in seinem Urteil abhängig ge- 
macht wird von mir und meiner Auffassung und Wertung der 
Gestalten — die Zwischenstufen felilen; er sieht in der Formenreihe 
Lücken, wo tatsächlich keine sind und entscheidet sich für zwei 
Formen, wenn es nur eine ist'. Das Sehen vollends ist bei solch 
kleinen Dingen etwas Individuelles. Es hat in der Malakozoologie 
schon zu vielen Meinungsverschiedenheiten geführt. Ich habe darum 
die Vitrellen photographiert und vergrößert, und aus der Mehrzahl 
der Quellen mehrere Gestalten, teilweise in geschlossenen Formen- 
reihen abgebildet, um jede subjektive Beeinflussung von vornherein 
auszuschalten und um jedermann Gelegenheit zu geben, sich ein 



^ Wie es mit Proben gehen kann, davon von vielen Beispielen das neueste : 
Ich erlaubte mir, an Herrn Prof. Dr. 0. Boettger eine Anzahl Exemplare von 
Pupilla Sterri v. Voith zur Begutachtung zu senden. Nach seiner Durchsicht 
stellte es sich heraus, daß keine gezähnten Exemplare dabei waren, obwohl an 
Ort und Stelle auch solche mit 1 ixnd 2 Zähnen vorkommen. 



— 200 — 

Bild von den Dingen zu machen. Trotzdem, daß die Bilder auch 
alle individuellen ZufälHgkeiten der photographierten Exemplare 
aufweisen, kann man aus ihnen durch Vergleichung aller zusammen- 
gehörenden Abbildungen ein Typenbild gewinnen. Aber etwas 
anderes, sehr Wichtiges, stellen sie nicht mit derselben Schärfe und 
Deutlichkeit vor Augen : wer von ihnen die vorherrschende Gestalt 
repräsentiert und wer untergeordnet ist, wer die Mehrzahl, die 
normale Entwicklung vorstellt und wer Neben- und Kümmerformen 
und individuelle Abweichungen. 

Mit einem Wort über meine Stellung zur Systematik überhaupt 
mache ich den Schluß der Entgegnung und der daran geknüpften 
Erweiterungen. Wer die Tafeln meiner beiden Publikationen in die 
Hand nimmt, sieht sofort an der großen Zahl der Abbildungen und 
an der Berücksichtigung so vieler Quellen, worauf es mir in erster 
Linie ankam, nämlich auf die Berichterstattung über die tatsäch- 
lichen Verhältnisse. Die systematische Bearbeitung ist eine Sache 
für sich und stand mir in zweiter Linie. Freilich geht's von Anfang 
an nicht ohne ein System ab; aber es hat, ehe die Arbeiten ab- 
geschlossen sind, etwas Vorläufiges, Wenn es mir vergönnt sein 
wird, die Untersuchungen über ein größeres Gebiet auszudehnen 
und zu Ende zu führen, soll auch eine abgerundete systematische 
Zusammenfassung erfolgen. Bis dahin bin ich für jeden wohl- 
gemeinten Rat zugänglich und dankbar. Den Maßstab zur syste- 
matischen Verarbeitung entnehme ich den auf praktischem Wege 
gewonnenen Beobachtungen. 

Aus dem Nachweis Boettger's ', wonach das Genus Vitrella 
den von Clessin geschöpften Namen nicht behalten darf, ziehe ich 
selbstverständlich gerne die Folgerung; aber mit Rücksicht auf den 
Zusammenhang und die Übersichtlichkeit behielt ich für diesmal 
den ÜLESSiNschen Namen noch bei. 



Nachrichtsblatt 1905, S. 115 f. 



Synopsis der deutsehen Blindwanzen (Hemiptera 
heteroptera, Farn. Capsidae). 

Von Dr. Theodor Hüeber, Generaloberarzt a. D. in Ulm. 

IX. TeiP. 

Div. Laboparia Reut. ""^ 

Diagnose : Von länglicher oder eiförmiger oder eirunder Gestalt, 
oft nach rückwärts ziemlich stark verbreitert; Kopf mehr oder 
weniger breit, der Scheitel nicht längsgefurcht, oft mit scharfem 
Rande, die Wangen hoch, manchmal sehr hoch, zum mindesten 
gleich hoch mit den Augen, die Zügel meist abgegrenzt, die Augen 
gegen die Spitze zu auseinanderweichend, der innere Augenrand ge- 
rade ; der kräftige Schnabel steht weit von der Kehle ab ; das 
Pronotura zeigt keine vordere ringförmige Einschnürung, sondern ist 
vorne nur ganz fein gerandet, welcher vertiefte Rand bisweilen vom 

^ Der wiederholten Aufforderung verschiedener Interessenten , „das an- 
gefangene Werk zu vollenden und etwas Fertiges, Abgeschlossenes zu schaffen", 
Folge gebend, bringe ich hiermit, bezugnehmend auf das Schlußwort in Heft 8 
(1903), die Fortsetzung meiner zusammenstellenden Bearbeitung der deutschen 
Blindwanzen (Capsiden, Phytocorideu). Es bestimmte mich hierzu die Erwägung, 
daß der Liebhaber dieser interessanten Hemipteren-Familie, in Ermanglung einer 
zusammenfassenden, übersichtlichen deutschen Bearbeitung, bisher gezwungen 
war, die gewünschte Auskunft in zahlreichen älteren und jüngeren, in- und aus- 
ländischen Werken bezw. Zeitschriften mühsam und vielfach unvollständig zu- 
sammenzusuchen und bei den ganz erheblichen Schwierigkeiten der verwirrenden 
einschlägigen Nomenklatur nie so ganz sicher war, ob er überhaupt die gemeinte 
Art wirklich vor sich habe. Durch die ausführlichen Fundortsangaben zahlreicher 
in- und ausländischer Sammler und Forscher dürfte auch eine gute Grundlage 
zur Förderung der bisher noch sehr dunkeln, lückenhaften Entwicklungsgeschichte 
und Lebensweise dieser zarten Insekten geschaffen sein. H. 

* Die dieser Abteilung den Namen gebende dermalige Gattung iaöops 
BüRM. ist in Deutschland nicht vertreten und umfaßt nur mehr vier paläarktische 
(außereuropäische) Arten. 



— 202 — 

scharfen Scheitelrand überdeckt wird ; die Epipleuren der Halbdecken 
sind besonders beim Weibchen breit, der Keil ist an seinem Grunde 
meist durch eine deutliche Naht und auch durch einen tieferen Rand- 
einschnitt vom Corium geschieden ; die Flügelzelle zeigt keinen, 
selten nur einen ganz verschwommenen Haken; der Xyphus ist an 
seinen Seiten (selten nur an deren Grunde) gerandet ; die hinteren 
Hüften stehen von den Epipleuren der Halbdecken mehr oder weniger 
weit ab ; die Hinterschenkel sind gewöhnlich verdickt , ihre meist 
kräftigen Schienen zylindrisch , die vorderen bisweilen verbreitert 
und seitlich zusammengedrückt: die Klauen sind ziemlich groß, die 
Haftläppchen ebenfalls groß, frei, an ihrem Ende gegeneinander ge- 
neigt; der Geschlechtsabschnitt beim Männchen ist groß und vorne 
weit eiförmig oder eirund geöffnet. Diese Tiere leben auf Pflanzen. 
Reuter (H. G. E. IV, 1891, p. 17). 

Übersicht der Gattungen der Division Laboparia' (nach Eeuteb, Hem. Gymn. 
Em-op. IV, 1891, S. 157 ff.). 

1. (2.) Fühler äußerst fein, lang-, ihr erstes Glied nicht bis zur Mitte 

des Kopfschildes reichend, ihr viertes Glied länger als das dritte. 
Am Kopf überdeckt der gebogene Scheitelrand den Anfang des 
Pronotum, die Zügel sind kielartig zusammengedrückt. Die kurzen 
Augen liegen auf den Ecken des Pronotum. Das Corium der 
raakropteren Form ist an den Seiten ziemlich stark gerundet. Die 
Hinterschenkel sind stark verdickt. 1, Halticus Hahn. 

2. (1.) Fühler weniger zart, ihr erstes Glied reicht nur selten bis zur 

Mitte des Kopfschildes, in welchem Falle dann die Fühler selbst 
bedeutend kürzer sind. Die Zügel sind nicht kielförmig zusammen- 
gedrückt. Das Corium der makropteren Form ist nur selten an 
den Seiten stärker abgerundet, in welchem Falle die Hinterschenkel 
ziemlich kurz und nicht verdickt sind. 

3. (4.) Pronotum am Grunde breit gerundet, den Grund des Schildchens 

überdeckend. Der Leib , wenigstens beim Weibchen , breit und 
dick. Der Kopf in die Quere gezogen, kurz, mit seinem Scheitel- 
raud den Anfang des Pronotum überdeckend. Die Augen hinten 
zusammengedrückt und auf den Ecken des Pronotum liegend. 
Fühler und Beine ziemlich kurz. An den Tarsen der Hinterbeine 
ist das erste Glied kaum kürzer als das zweite. 

IL Strongylocofis Costa. 

4. (3.) Pronotum-Grund geschweift oder abgestutzt. An den Hinter- 

tarsen ist das zweite Glied um die Hälfte bis ums Doppelte 
länger als das erste, nur selten ist das erste so lang wie das 

' Die zwei vorangehenden Divisionen : Myrmecophyäria (mit der einzigen 
Gattung Myrmecophyeii Fikb. = DiplacKH Stal) und Hypseloecaria (mit der 
einzigen, cinartigen Gattung Hijj^seloeciis'REVT.) sind in Deut seh Land nicht 
vertreten. 



— 203 — 

zweite , in welchem Falle aber der Scheitelrand niemals das 
vordere Pronotum überdeckt. 

5. (26.) An den Tarsen der Hinterbeine ist das zweite Glied mindestens 

um die Hälfte, häufig jedoch ums Doppelte länger als das erste. 

6. (11.) Kopf deutlich in die Quere gezogen, von gleicher Farbe mit 

den inneren Augenrändern. Fühler beim Weibchen ziemlich kurz, 
ihr erstes Glied nicht länger als der quere Augendurchmesser, das 
zweite kürzer als der Kopf breit. Die Halbdecken des Weibchens 
gekürzt, vollständig lederartig, ohne Keilbildung. Hinterschenkel, 
auch beim Weibchen, nicht oder nur wenig verdickt. 

7. (10.) Der hintere Scheitelrand fein, scharf, nach hinten stark bogen- 

artig verlängert, mit ziemlich starkem Quereindruck vor dem 
Rande. Der Kopf schmaler als das Pronotum an seinem Grunde. 
Die Augen querliegend. 

8. (9.) [Kopfschild stark geschweift, ziemlich vorspringend, sein Grund 

nur wenig über der Mittellinie des unteren Teils der Augen ge- 
legen (c?). Der Leib öberseits mit ziemlich langem Flaumhaar 
bedeckt (d) . . . 

die südeuropäische Gattung III Plezocrammi Horv.] 

9. (8.) [Kopfschild mit der Stirne in einen Bogen zusammenfließend, 

sein Grund ziemlich weit unter dem Anfang der Augen , fast in 
der Verbindungslinie der Fühlerwurzeln gelegen ($). Leib voll- 
ständig glatt und haarlos (2) . . . 

die südeuropäische Gattung IV. Lamprdla Reut.] 

10. (7.) Scheitel nur ganz leicht und sehr breit nach rückwärts ge- 

bogen. Kopf so breit wie der Pronotum-Grund (d) oder noch 
breiter ($). Augen beim Weibchen nach rückwärts ausgezogen 
und den Pronotumecken aufliegend. V. Pach/tomeUa Reut.] 

11. (6.) Kopf von vorne gesehen mindestens so lang als an seinem 

Grunde (samt den Augen) breit, nur ganz ausnahmsweise — 
{Schoenocoris 6) — leicht in die Quere gezogen, in welchem Falle 
aber die inneren Augenränder hell sind. An den Fühlern des 
Weibchens ist das erste Glied bestimmt meist um viel länger als 
der quere Augendurchmesser, das zweite nur höchst selten — 
{ScJwenocoris $, Bmorphocoris margineUus $, sk/natits $, die beiden 
letzteren mediterran) — kürzer als der Kopf breit, meist aber 
viel länger. Die Hinterschenkel beim Weibchen sind meist ziemlich, 
oft sogar sehr stark verdickt. 

12. (13.) Das zweite Fühlerglied (besonders beim Weibchen) gegen 

sein Ende zu mehr oder weniger verdickt, nur ganz selten fast 
linear. Kopf schwarz , die inneren Augenränder von gleicher 
Farbe; die Augen selbst querliegend. Die Fühler nur selten von 
den Augen etwas weiter abgerückt, meist gleich unter deren Ende 
eingefügt, idas erste Glied mit 2 — 3 steifen Haaren. Pronotum 
immer bedeutend länger als das erste Fühlerglied. Nur das 
AVeibchen ist pterygo-dimorph (d. h. kurz- und langflügelig). Bei 
den Halbdecken der brachypteren Form ist der Keil außen meist 
durch einen Einschnitt abgegrenzt. VI. Orthocephahis Fieb. 



— 204 — 

13. (12.) Das zweite Fühlerglied bei Männchen wie Weibchen linear, 

nur ganz ausuahmsw^eise — ( Schoenocoris) — am Grunde etwas 
verschmächtigt ; am ersten Fühlerglied meist mehrere steife Borsten- 
haare. Der Kopf schwarz, mit hellen inneren Augenrändern oder 
hell. Bei den Halbdeckeu der brachypteren Form ist der Keil 
nie durch einen Bruch abgegrenzt. 

14. (17.) Scheitel mit nach rückwärts gebogenem Gruudrand und mit 

länglichen, auf die Stirne übergreifenden und daselbst auseinander 
laufenden Furchen. Grund der Stirne in seiner Mitte vertieft, 
sonst aufgebläht. Die Wangen sehr erhöht. Die Augen an ihrem 
Grunde nach rückwärts geneigt. Die Fühler ziemlicli weit unter 
der Augenspitze eingefügt. 

15. (16.) Leib hoch gewölbt. Scheitel von seinem Grunde an abfallend. 

Das Pronotum der brachypteren Form an seinem Grunde geschweift. 
Die Vorderschienen , ohnehin schon dicker als die übrigen , leicht 
gekrümmt und gegen ihr Ende zu ziemlich stark zusammengedrückt 
und verbreitert. Männchen und Weibchen brachypter. 

VII. Euri/opocoris Reut. 

16. (15.) [Leib flach. Scheitel fast eben. Pronotum bei der brachypteren 

Form an seinem Grunde fast abgestutzt. Die Vorderschienen gerade 
und nicht dicker als die übrigen. 

Die einartige kaukasische Gattung VIII. Platyporiis Reut.] 

17. (14.) Der Grundrand des Scheitels nur äußerst selten geschweift 

(in welchem Falle die. oben beschriebenen vertieften Scheitel- 
furchen ^ fehlen und die Augen quer liegen). Die Stirne nur ganz 
ausnahmsweise - in der Mitte ihres Grundes vertieft. 

18. (19.) [Fühler nahe dem vorderen Augenende, innseits, eingepflanzt; 

ihr erstes Glied zylindrisch , mit ziemlich feinen , steifen Borsten 
besetzt. Die Augen groß, reichen bis zur Mitte der Kopfseiten 
und ziehen an ihrem Grunde leicht nach hinten. Männchen wie 
Weibchen brachypter. 

Die einartige turkestanische Gattung X. Scirtetellm Reut.] 

19. (18.) Fühler deutlich (meist ziemlich weit) unterhalb des vorderen 

Augenendes eingefügt ; die Augen kurz , nur ausnahmsweise ^ fast 
bis zur Wangenmitte reichend ; die Wangen hoch bezw. sehr hoch. 

20. (21.) Das zweite Fühlerglied an seinem Grunde ziemlich schlank, 

beim Weibchen kürzer als der Kopf breit. Kopf selbst samt den 
Augen breiter als das Pronotum an seinem Grunde, beim Männchen 
ziemlich in die Quere gezogen. Pronotum, auch bei der makropteren 
Form, kurz, fast wagerecht. An den hinteren Tarsen ist das zweite 
Glied etwa um die Hälfte länger als das erste. Das Männchen 
ist geflügelt, das AVeibchen brachypter. IX. Schoenocoris Reut. 



* Die oben beschriebenen vertieften Furchen finden sieb auch bei dem im 
südlichen Rußland lebenden Anupus Freyi Fieb., aber der Scheitelrand ist hier 
gerade und die Augen sind hier nicht nach rückwärts verlängert. 

* Anapus Frtyi. 

^ Der südeuropäische Bhnorphotoriti dchilis ^. 



— 205 — 

21. (20.) Das zweite Fühlerglied linear. Der Kopf mindestens so lang- 

als samt den Augen breit. 

22. (23.) [Schienen der Vorderbeine leicht gekrümmt, gegen die Spitze 

zusammengedrückt und verbreitert. Das oft sehr verdickte erste 
Fühlergiied ist dicht mit starken, steifen Haaren besetzt. An den 
hinteren Tarsen ist das zweite Glied etwa ums Doppelte länger 
als das erste. Beide Geschlechter pterygo-dimorph. Pronotum 
der makropteren Form weniger kurz, gegen die Spitze leicht ab- 
fallend, vorne mit zwei kleinen, weit auseinanderstehenden Grübchen. 
Die Membran der makropteren Form besitzt nur eine Zelle. 

7 außerdeutsche Arten der Gattung XI. Anaims Stal.] 

23. (22.) Auch die vorderen Schienen ziemlich drehrund, nur an ihrer 

Spitze ganz leicht verdickt. Das erste Fühlerglied meist mit 
feineren und weniger dicht stehenden Borstenhaaren besetzt. Das 
Männchen geflügelt, das Weibchen brachypter. Die Membran der 
makropteren Form zeigt deutlich zwei Zellen. 

24. (25.) Der hintere Scheitelrand gerade oder fast gerade, beim 

Männchen häufig zwischen den Augen vertieft. Pronotum kurz, 
höchstens so lang wie das erste Fühlerglied, nur selten — (beim 
$ des algierischen Dhnorphocorls marg'melliis Pux.) — länger. Der 
Schnabel reicht fast bis zum Anfang der Hinterhüften, manchmal 
noch etw^as darüber hinaus. An den hinteren Tarsen ist das 
zweite Glied mindestens zweimal, beim Männchen sogar dreimal 
so lang als das erste. Männchen und Weibchen einander meist 
sehr unähnlich und verschieden gefärbt, das Männchen geflügelt, 
das Weibchen brachypter. XIII. DiniorpJiocoris Reut. 

25. (24.) [Der Scheitel mit scharfem, nach hinten leicht geschweiftem 

Rande , vor diesem Rande mit querem Eindruck. Das Pronotum 
länger als das erste Fühlerglied, beim maktopteren Männchen nach 
vorne zu leicht abfallend. Der Schnabel reicht beim Männchen 
nicht über die mittleren Hüften hinaus. An den hinteren Tarsen 
ist das zweite Glied mindestens ums Doppelte länger als das erste. 
Das Männchen hat ausgebildete Flügel, das W^eibchen verkümmerte 
(brachypter). 

3 Arten der mediterranen Gattung XIV. Plaghtijlus Scott.] 

26. (5.) An den hinteren Tarsen ist das erste Glied so lang wie das 

zweite. Die Schenkel der Hinterbeine sind verlängert. Das 
Pronotum ist am Grunde und an den Seiten geschweift. 

27. (28.) [Augen gestielt. Der Kopf, von vorne gesehen, ohne die 

Augen fast gleichseitig dreieckig, senkrecht gestellt, Kopfschild 
in die Stirne senkrecht übergehend. Das erste Fühlerglied mit 
steifen Borsten besetzt. 

4 Arten der sibirischen Gattung XII. Lalops Burm.] 

28. (27.) [Augen sitzend, schief an den Seiten des Kopfes liegend. Der 

Kopf in die Quere gezogen , sein hinterer Rand gekielt. Fühler 
ohne Borsten. Pronotum mit andersfarbenen Schwielen. Leib 
fast parallel. 

3 Arten der außerdeutschen Gattung XV. Hyoidca Reut.] 



— 206 — 

Dimorpliocoris Reut. 

Figur des Männchen länglich, parallelseitig und stets geflügelt, 
des Weibchens eiförmig und brachypter, dabei beide Geschlechter 
verschieden gebaut und gefärbt, glanzlos, mit leicht abgehenden, 
hellen Härchen bedeckt, oben außerdem noch mit brüchigen, schwarzen 
Borstenhaaren besetzt , die beim 6 meist länger als beim $ sind ; 
letzteres hat häufig einen hellen Kopf, während am Kopfe der S nur 
die Augenränder hell sind. Der Kopf selbst ist breit, samt den Augen 
etwa so breit wie der Grund des Pronotum, auch beim brachypteren 
Weibchen; von vorne gesehen erscheint er fünfeckig, von oben ge- 
sehen mindestens so lang wie das Pronotum (beim $ noch ziemlich 
länger) , von der Seite erscheint er um die Hälfte kürzer als hoch ; 
beim S steht er senkrecht, beim $ ist er häufig vorne aufgetrieben, 
verlängert und nur wenig kürzer als hoch; Stirne und Kopfschild 
bilden , rückwärts streichend , einen stumpfwinkligen Bogen. Die 
Kehle ist kurz. Die Augen sind vorspringend, manchmal gestielt. 
Der Schnabel reicht bis zu den hinteren Hüften , manchmal noch 
darüber hinaus. Die Fühler sind mehr oder weniger nahe dem 
unteren vorderen Augenende eingefügt, behaart, ihr erstes, mit einigen 
steifen Borsten besetztes Glied den Kopfschild beim $ kaum, beim 6 
ziemlich weit überragend ; das zweite Glied ist linear , das vierte 
kürzer als das dritte. Das auch beim 6 fast wagerechte, kurze 
Pronotum ist höchstens so lang wie das erste Fühlerglied, sein 
Grund geschweift oder abgestutzt, seine Schwielen gut ausgebildet 
(beim cJ stark quer, beim $ weniger markiert und weiter auseinander- 
stehend). Das Schildchen ist beim kurzflügeligen W^eibchen kurz drei- 
eckig und vollständig eben, beim c? abfallend, am Grunde frei. Die 
Halbdecken sind beim 6 sehr lang, den Hinterleib weit überragend, 
der länglich dreieckige Keil fast wagerecht, die große Membran mit 
zwei verlängerten Zellen ; beim $ sind die Halbdecken gekürzt und 
ganz lederartig. Die Mittelbrust ist kurz. Die Öffnungen der Hinter- 
brust bilden über den Grundrand der Hinterhüften eine lange, quere 
Randspalte. Die Hinterschenkel sind beim S lang, beim $ kürzer 
und mehr oder weniger verdickt; die Schienen (auch die vorderen) 
sind drehrund und mit kleinen, schwarzen Dornen besetzt; an den 
Hintertarsen ist das zweite Glied gut doppelt so laiig als das erste, 
auch etwas länger als das dritte. 

Diese Gattung unterscheidet sich von Sdioenocoris Reut, durch 
die verschiedene Färbung beider Geschlechter, durch die längeren 



— 207 — 

Fühler des Männchens, deren erstes GHed den Kopfschild weit über- 
ragt und deren zweites vollständig linear ist, durch die sehr langen 
Halbdecken des 6 , durch die anders gebauten Tarsen , besonders 
aber durch die weder kürzeren, noch in einem Winkel zwischen 
Mittel- und Hinterhüften gelegenen, sondern eine quere Randspalte 
über dem Grunde der Hinterhüften bildenden langen Offnungen der 
Hinterbrust. — Von der Gattung Orthocephalus Fieb. Reut, unter- 
scheidet sich die Gattung Dimorphocoris durch den matt dunkeln 
Leib, der bei cj und 5 sehr verschieden gestaltet und gefärbt ist, 
durch den beim $ vorne meist stark rückwärts gebogenen Kopf, 
durch die kürzere Kehle , den längeren Schnabel , durch die vom 
unteren vorderen Augenende weiter abgerückten Fühler, durch die 
zahlreichen steifen Borsten am ersten Fühlerglied , welches beim d 
das Kopfschildende weit überragt , durch das auch beim $ lineare 
zweite Fühlerglied, durch das weit kürzere Pronotum, das auch beim 
d vorne nicht oder nur wenig abfällt, sowie durch die eine lange 
Randspalte bildenden Öffnungen der Mittelbrust. Nach Reuter 
(H. G. E. IV, 83). 

Von den 10 paläarktischen, auf Pflanzen lebenden Arten der 
Gattung Dimorphocoris ist bis jetzt noch keine in Deutschland 
gefunden worden , wohl aber kommen 2 Arten in benachbarten 
Ländern (franz. Vogesen bezw. Steiermark) vor. — Die Bestimmungs- 
tabelle der Arten, getrennt nach Geschlechtern, gibt Reuter (lateinisch) 
im 4. Band (1891), S. 169/70 der Hern. Gymn. Europ. 

* Seh m i d t i i Fieb. 
Das (bis jetzt nur bekannte) Männchen ist länglich, parallel- 
seitig , dunkelbraun (in spärlichem , zartem , weißem Flaum) fein 
schwarz behaart, während lehmfarben sind: am Kopf die Wangen, 
die Zügel, ein ankerartiger Wisch auf der Stirne, die Augenränder, 
ein Punkt oder eine Längslinie auf dem Scheitel, eine Längslinie auf 
dem Pronotum, eine gleiche auf dem Schildchen, sowie ein ver- 
schwommener , beiderseitiger Fleck an seinem Grunde , der größte 
Teil der beiden ersten Schnabelglieder, die Epimeren am Vorder- 
brustkorb, die Ränder der Mittelbrust und die Öffnungen der Hinter- 
brust; die Halbdecken sind blaß- oder graugelblich, während der 
ganze Clavus und am Corium ein mehr oder weniger großer, gegen 
dessen vorderen inneren Winkel zu verbreiterter Fleck neben der 
Clavusnaht sowie die Naht der braunen Membran bis zum Keil hin 
dunkelbraun sind; nur die Spitze der Schenkel ist, gleich den ganzen 



— 208 — 

Schienen, gelbrötlich, letztere am Grunde bräunlich, am Ende schwarz; 
der Kopfschild sowie das vordere Ende der Zügel ist schwärzlich. 
Die großen, nach außen vorspringenden Augen stoßen an den inneren 
Rand und den vorderen Winkel des Pronotum. Die Fühler sind 
schwarz und schwarz behaart; ihr erstes Glied ist länger als das 
Pronotum, das zweite linear und etwa ums Doppelte länger als das 
erste ; das dritte fast so lang wie das zweite und deutlich länger 
als das Pronotum an seinem Grunde breit; letzteres über dem 
Schildchen deutlich ausgerandet. Länge öVs mm. — Von dem (für 
Deutschland noch in Betracht kommenden) 0. Futoni Reut, unter- 
scheidet sich diese Art leicht durch die Zeichnung von Kopf und 
Pronotum. (Nach Reuter.) 

Orthocephdlus Schmidti Fieber, Grit. 1859, sp. 15. — Eur. Hem. 
1861, 292, 3. 

Lapobs Schmidti (Walker, Cat. Hem. VI, p. 136). — Atkinson, 
Cat. of Caps. 1889, p. 125. 

Bimorphocoris Schmidti Reuter, Hem. Gymn. Europ. IV, 1891, 
p. 88, 3; tab. H, fig. 7 (d). — Püton, Cat. 1899, p. 66, 3. 

Aus dem südlichen Deutschland, Fieber (1861). 

Hab. in gramine (Schleicher) : Germania meridionalis, Fieber ; 
Styria! (Mus. Berol.); Austria (Gresten in alpibus, D. Schleicher): 
Illyria, sec. Bärensprung. Reuter (1891). 

[Nieder-Österreich : Bei Gresten im Grase auf Alpen, z. B. am 
Oetscher, Hochkar usw. Schleicher. 1861. — Steiermark: auf Dolden 
bei Mariahof 1 S\ auf der Koralpe am 21. Juli 1 cj, 1 5. Strobl. 
1899.] 

* Futoni Reut. 

Das (bis jetzt nur bekannte) Männchen ist länglich, parallel- 
seitig, schwarz, ziemlich glanzlos, auf der Oberseite (zwischen spär- 
lichem, feinem, weißem Flaum) mit ziemlich langen, steifen, schwarzen 
Haaren besetzt. Am Kopf sind die inneren Augenränder, die Zügel 
und die Wangen fast vollständig blaßgelb: von gleicher Farbe sind 
die Ränder der Seitenstücke des Pronotum, die Öffnungen der Hinter- 
brust, der Schnabelgrund und die Halbdecken, während der ganze 
Clavus, die Innenseite des Corium und die Membran bräunlich sind, 
letztere mit braunen Adern. Die Spitzen der Schenkel und die 
Schienen sind rostfarben , letztere mit ziemlich langen , aus kaum 
erkennbaren schwarzen Punkten entspringenden, feinen Dornen. Die 
Augen sind gestielt, dabei kurz nach vorn und ganz leicht nach 



— 209 — 

oben gerichtet. Das erste Glied der schwarzen, schwarz behaarten 
Fühler ist länger als das Pronotum. Länge 3 5-/3 mm. 

Diese Art unterscheidet sich von I). Schmidti Fieb. (sowie den 
für uns hier nicht in Betracht kommenden I). tauricus Horv. und 
signatiis Fieb.) durch ihre nach vorne gekehrten und von den vorderen 
Pronotumecken entfernten Augen, sowie durch den Bau ihrer Fühler. 
Nach Reuter, 

Lahops Futoni Reuter, Revue d'Entomologie I, 1882, p, 277. — 
Atkinson, Cat. of Caps. 1889, p. 124. 

Bimorphocoris Futoni Reuter, Hem. Gymn. Eur. IV, 1891, 
p. 93, 6. — PuTON, Cat. 1899, p. 66, 7. 

Hab. in Galha orientah (Hohneck !\ D. Pierrat), comm. 
D. Dr. PuTON. Reuter (1891). 

Schoenocoris Reut. 
Das Männchen länglich und parallelseitig , das brachyptere 
Weibchen kurz, eiförmig, mattdunkel, mit leicht abgehendem, weiß- 
lichem Flaum besetzt, dazu oberseits schwarz behaart. Der senk- 
recht gestellte Kopf ist (samt den Augen) breiter als das Pronotum 
an seinem Grunde, von vorne gesehen fünfseitig, fast so lang wie 
hinten (mit den Augen) breit und zeigt blasse innere Augenränder. 
Der ungerandete Scheitel hat zwischen den. Augen flachen Grund, 
der Kopfschild (S) ist von der Stirne kaum abgesetzt ; die Kehle ist 
beim 6 sehr kurz, beim $ fehlt sie ganz. Die Augen springen stark 
vor und streichen an ihrem Grunde (beim 3 leicht, beim $ stark) 
nach rückwärts, bei letzterem den vorderen Pronotumecken auf- 
liegend. Der Schnabel reicht bis zu den hinteren Hüften. Die 
(schwarz behaarten) Fühler sind im oberen Drittel, innseits zwischen 
Anfang von Auge und Kopfschild, eingefügt; ihr erstes Glied ist (3) 
eben so lang wie der Kopfschild, jedoch ($) viel länger als der quere 
Augendurchmesser, und mit vielen steifen Haaren besetzt ; das zweite 
Ghed ist etwas kürzer als der innere Augenabstand beim Weibchen ; 
das vierte ist kürzer als das dritte. Das Pronotum ist kurz, kürzer 
als der Scheitel zwischen den Augen breit, auch beim Männchen 
nach vorne leicht verschmälert, seine Fläche fast wagerecht. Das 
Schildchen des kurzflügeligen Weibchens ist vollständig eben. Die 
Halbdecken sind beim Männchen immer ausgebildet, mit zweizeiliger 

* Über den 1366 m hohen, in V/i Stunden von der bekannten Schlucht am 
Ende des Münstertales zu ersteigenden Hohneck läuft die deutsch-französische 
Grenze ! H. 

Jahreshefte d. Vereins f. vaterl. Xaturkuiidc in Württ. 1906. 14 



— 210 — 

Membran; beim Weibchen sind sie ganz lederartig. Die kurzen 
Öffnungen der Hinterbrust liegen in einem Winkel zwischen den 
mittleren und hinteren Hüften. Die Hinterschenkel sind (beim 
Weibchen) kurz und ziemlich verdickt; die Schienen (auch die 
vorderen) zylindrisch; an den hinteren Tarsen ist das zweite Glied 
etwa um die Hälfte länger als das erste, das dritte nur wenig länger 
als das zweite. — Die bis jetzt einzig bekannte Art dieser Gattung 
lebt im Gebirge auf binsenartigen Gewächsen. 

Diese Gattung unterscheidet sich von der Gattung Orthocephalus 
FiEB. Reüt. durch ihren mattdunkeln Leib, durch ihre hellen Augen- 
ränder, dadurch, daß ihr Kopf (samt Augen) breiter als das Pronotum 
ist, der ungerandete Scheitel flachen Grund zeigt, die Kehle fast 
oder ganz fehlt, die Augen (besonders beim $) vom Grunde ab nach 
rückwärts ziehen, der Schnabel länger, das erste FühlergUed fast in 
seiner ganzen Länge dicht und steif behaart, das zweite beim $ weit 
kürzer ist, dadurch, daß das wagerechte, viel kürzere Pronotum sich, 
auch beim Männchen, nach vorne etwas verengert, daß das Schildchen 
des brachypteren $ vollständig eben ist und die Tarsen anders ge- 
baut sind. — Von der Gattung Faclußornella Costa, Reüt. unter- 
scheidet sie sich durch den dunkeln , oben mit schwarzen Borsten, 
sowie leicht schwindendem, hellem Flaumhaar besetzten Leib, durch 
die hellen inneren Augenränder, durch die erheblich längeren, be- 
haarten Fühler, deren erstes Glied steife Borsten trägt und beim ^ 
weit länger ist als der quere Augendurchmesser, durch das auch 
beim d wagerechte Pronotum, sowie durch den Bau der Tarsen. — 
Von der Gattung Dimorphocoris Reut., mit der diese Gattung große 
Ähnlichkeit besitzt, unterscheidet sie sich leicht durch die kurzen, 
in einem Winkel zwischen mittleren und hinteren Hüften liegenden 
Öffnungen der Hinterbrust, durch den Bau der Tarsen und die 
kürzeren Fühler, deren zweites Glied an seinem Grunde verschmälert 
ist. Nach Reuter. 

* flavoniarginatus Costa. 
Das Männchen länglich, das Weibchen kurz eiförmig, schwarz, 
ziemlich matt (besonders das d), mit leicht abgehenden, hellen 
Härchen bedeckt und mit schwarzen Borsten auf Kopf, Pronotum 
und Halbdecken. Die inneren Augenränder (bisweilen an der Stirne 
unterbrochen), sowie die Seitenränder der Halbdecken und die Riech- 
öffnungen sind weißgelbhch. Die Schenkel sind meist schwarz, mit 
hellbrauner Spitze, beim $ öfters hell mit schwarzen Flecken, dabei 



— 211 — 

kürzer und ziemlich verdickt ; die Schienen sind lehrrifarben , mit 
schwarzen Haaren und Dornen besetzt , an ihrem Ende , gleich wie 
die Tarsen, schwarz. Das zweite Fühlerglied ist beim ^ an seinem 
Grunde bisweilen hellbraun. Die Halbdecken reichen beim 6 weit 
über den Hinterleib hinaus, während sie beim brachypteren $ mit 
ihren Seiten bis zur Mitte des fünften Rückenabschnitts reichen und 
an ihrem Ende, gegen die Kommissur zu, schief abgestutzt sind. 
Länge des makropteren c? 3, des brachypteren $ 2^2 mm. 

Das Weibchen dieser Art zeigt auf den ersten Blick große 
Ähnlichkeit mit dem Weibchen von PachytomelJa Fasser ini Costa, 
unterscheidet sich aber von diesem leicht durch den hellgelben Saum 
der Halbdecken, durch die schwarzen Borsten auf der Oberseite, 
den kaum quergezogenen Kopf, durch den hellen inneren Augenrand, 
durch das längere, schwarz beborstete erste Fühlerglied usw. Nach 
Reuter. 

Phytocoris ßavomarginatus Costa, Ann. Soc. Ent. France X, 
1841, p. 286, 4, tab. VI, fig. 3a. 

Pachytoma flavomarginatus Costa, Cim. Reg. Neap. Cent. III, 
1852, p. 278, 2, tab. III, fig. 3 et 4 (c?$). — (Reuter, Berlin. Ent. 
Zeitschr. XXV, 1881, p. 180 pt.). 

Labops flavomarginatus Atkinson, Cat. of Caps. 1889, p. 123. 

Schoenocoris flavomarginatus Reuter, Hem. Gymn. Eur. IV, 
1891, p. 66, 1. — PuTOX, Cat. 1899, p. 67. 

(Elsaß- Lothringen) : trouvee au Hohneck par M. Pierrat. Reiber- 

PUTON. 

Hab. Italy. Atkinson (1889). — Italie, Carpathes. Puton 
(1899). 

Hab. in specie parva Juncacearum (Montandon) : Italia (in 
Aprutiorum montibus, mons de Majella, inter herbas humiles, D. Prof. 
Costa); Abruzzes ad Gran Sassol, D. Pirazzoli; Valachia (Carpathes!, 
26000, D. Montandon. Reuter (1891). 

Euryopocoris Reut. 
Männchen und Weibchen brachypter, breit eirund, dick, ge- 
wölbt, stark glänzend, oberseits kahl. Der senkrecht gestellte Kopf 
ist von vorne gesehen fünfeckig, zwischen den kurzen Augen stark 
verlängert, so lang wie (samt den Augen) breit, von der Seite ge- 
sehen nur halb so lang wie hoch ; der breite Scheitel fällt von seinem 
Grunde aus ab , sein scharfer Rand ist leicht geschweift, auf seiner 

14* 



— 212 — 

Mitte finden sich vertiefte auseinandergehende Längsstriche , die 
noch auf den oberen Teil der Stirne übertreten ; rechts wie links 
findet sich ein glatter, gleichfarbener Punkt; die Augenränder sind 
lehmfarben ; die Stirne in der Mitte ihres Grundes breit vertieft, 
sonst gewölbt; der vertiefte, breit geschweifte Kopfschild ist an 
seinem Grunde von der Stirne durch einen Eindruck geschieden, 
während sein Grund selbst ziemlich weit unterhalb einer zwischen 
den Fühlergruben gezogenen Linie liegt ; die Wangen sind sehr hoch ; 
die Kehle ist sehr kurz; die glatten, seitlich gesehen runden Augen 
nehmen kaum das obere Drittel der Kopfseiten ein, sind von ihrem 
Grunde aus nach rückwärts gerichtet und liegen den vorderen 
Pronotumwinkeln auf. Die ziemlich langen Fühler sind leicht be- 
haart und ziemlich weit unter der Augenspitze eingefügt; ihr erstes 
Glied trägt mehrere steife Borstenhaare und überragt nicht das 
Ende des Kopfschilds; das lineare zweite Glied ist länger als der 
Kopf samt den Augen breit, die beiden letzten sind zusammen länger 
als das zweite, das vierte ist länger als das dritte. Das in die Quere 
gezogene, steil abschüssige Pronotum ist an seinem Grunde breit 
und ziemlich stark geschweift, seine Schwielen stehen weit aus- 
einander ; die Halbdecken sind bei beiden Geschlechtern abgekürzt, 
vollständig lederartig, ohne Clavusnaht und Keileinschnitt, dabei ver- 
tieft punktiert. Die Hinterschenkel sind in beiden Geschlechtern 
lang, stark verdickt, am vorderen Rande mit kleinen Dornen besetzt ; 
die dicken Schienen sind gleichfalls fein bedornt ; die Vorderschienen 
dicker als die anderen, leicht gekrümmt, gegen die Spitze zu ziemlich 
stark zusammengedrückt, verbreitert; an den hinteren Tarsen ist 
das zweite Glied zweimal so lang wie das erste , das dritte Glied 
etwas kürzer als das zweite. — Die Arten dieser Gattung leben 
hauptsächlich auf Alpenwiesen. 

Diese Gattung unterscheidet sich von der Gattung Ortlio- 
cephalns Fieb. Eeüt. durch ihren mit schiefen Längsstricheln versehenen 
Scheitel, durch die am Grunde vertiefte Stirne, durch den von der 
Stirne scharf abgesetzten Kopfschild, durch die von Grund aus nach 
rückwärts streichenden Augen, durch die anders gebildeten und 
weiter unterhalb der Augenspitze eingefügten Fühler, durch die auch 
beim Männchen dicken hinteren Schenkel, durch die gegen die Spitze 
zu stark verbreiterten vorderen Schienen, durch die bei beiden Ge- 
schlechtern verkürzten, vollständig lederartigen, stark vertieft punk- 
tierten Halbdecken, sowie durch ihre vollständig kahle, stark glänzende 
Oberfläche. Nach Reuter. 



213 



100 (494) • nitidus Mey. 

Dem C. saUnfor sehr nahe, aber gedrungener, besonders der 
Thorax kürzer . . . Meyer 1843. (v. 1. i. c.) 

Schwarz, mit stark metallischem Glänze (stahlgrün, erzfarben 
schillernd), eiförmig, gewölbt, oben kahl (ohne Schuppenhärchen), 
unterseits fein schwarz behaart, gedrungener als saUator, auch mit 
kürzerem Brustkorb. Der flache, große, stark abschüssige Kopf ist 
feinnadelrissig, zeigt zwischen den Augen eine Vertiefung und einen 
weißen, durch die Zügel nach den Augen zu verlaufenden Streif. 
Das Pronotum ist doppelt so breit wie lang, wenig gewölbt, mäßig 
geneigt, nach vorne zu nur wenig verschmälert, sein Hinterrand 
flach ausgeschnitten (geschweift) , in seiner vorderen Hälfte glatt 
(mit zwei größeren tiefen Punkten), in der hinteren, gleich dem 
Schildchen, querrunzelig grob punktiert, mit glänzendem Querwulst. 
Die Halbdecken kaum länger als der halbe Hinterleib, dabei wenig 
dicht aber stark vertieft punktiert, die Decken mehr gerade ab- 
geschnitten, bezw. ihr Hinterrand schräg von innen und vorn nach außen 
und hinten abgestutzt, nicht so rund abgestutzt wie bei saltator, ohne 
Clavus, Corium und Membran. Der vorragende Hinterleib tief glänzend 
schwarz, auf seinem letzten Ringe, vor der Spitze, zwei Grübchen. 
Die schwarzen behaarten Fühler sind beim 6 von Körperlänge, 
beim $ kürzer (-/s) ; ihr erstes Glied ist verdickt und kürzer als 
der Kopf, Glied 2 kürzer als 3 + 4, Glied 4 deutlich länger als 
Glied 3. Die schwarzen kräftigen Beine sind sehr fein und kurz 
behaart, die Hinterbeine verlängert mit verdickten Schenkeln (Sprung- 
beine), die Schienen fein schwarz gedornt, die vorderen dicker als 
die übrigen. Länge S 3^2 — 4, $ 4 — 4S'2 mm. 

Die Nymphe ist an Figur sowie im Bau von Kopf, Fühlern 
und Beinen dem Imago ähnlich; das Pronotum derselben ist breit 
trapezförmig mit fast geradem Grundrande, das Mesonotum um mehr 
als Va kürzer als das Pronotum, sein Hinterrand gerade, das Meta- 
notum länger als das Mesonotum; die Flügelstummel sind breit, 
kurz, die Spitze des Metanotum kaum überragend. Die Nymphe 
selbst ist rostfarben, mit kurzen, feinen, braunen Härchen besetzt; 
schwarzbraun sind an derselben : ein beiderseitiger Stirnfleck , ein 
vertiefter Punkt beiderseits am Scheitel, zwei Flecke auf der Mitte 



^ Sollte eigentlich „496" lauten, allein die Nummern meiner von 1894 ab 
erscheinenden „Synopsis" decken sich nicht ganz mit jenen meines 1902 heraus- 
gekommenen „Deutschen Wanzen-Katalogs". H. 



— 214 — 

des Pronotum, ein beiderseitiger Fleck am Grunde des Mesonotum 
sowie die Innenseite der Flügelstummel; Pronotum und Mesonotum 
sind mit braunen Punkten besprenkelt; Beine und Fühler sind 
schwärzlich. Reuter (Rev. Grit. Gaps. 1875, p. 99, 1). 

Capsiis nitidus Meyer, Schweiz. Rhynch. 1843, p. 113, No. 107 
und tab. VI, fig. 4. — Flor, Rhynch. Livlds. 1860, I, p. 561, 54. 

Eurycephala nitida Kolenati, Mel. ent. II, .1845, p. 130, 117. 

Orthocephalus nitidus Fieber, Eur. Hem. 1861, p. 293, 7. 

Lahops nitidus Reuter, Berlin. Entom. Zeitschr. 1881, XXV, 
p. 180, 37. — J. Sahlberg, Vet. Akad. Handl. 1878, XVI (4), p. 28. 

— Atkinson, Cat. of Gaps. 1889, p. 123. 

Hcdticus alhonotatus Costa, Cim. Reg. Neap. Cent. Addit. 1860, 
p. 32, tab. 3, fig. 9. 

Fjuryopocaris nitidus Reuter, Rev. Grit. Caps. 1875, p. 99, 1. 

— Hem. Gymn. Scand. et Fenn. 115, 1. — Hem. Gymn. Europ. 1891, 
IV, p. 61, 1 und pl. 11, fig. 4. — PüTON, Cat. 4. ed. 1899, p. 67, 1. 

Schlesien: Mir sind von dieser ausgezeichneten Art erst zwei 
von RoTERMüND in Schlesien gefangene, jetzt in der Breslauer üni- 
versitätssammlung befindliche Exemplare bekannt geworden. Scholz 
(1846). — Diese sehr seltene Art wurde bisher nur von den Herren 
Inspektor Rotermünd und Hauptlehrer K. Letzner in einigen Exem- 
plaren in Schlesien gefangen. Gucke, Charlottenbrunn. (Ltz.) 
Assmann (1854). 

An grasigen, sonnigen Waldrändern in Böhmen, in der Schweiz 
bis 7000'. Bisher ist nur das Weibchen bekannt. Fieber. 1861. 

Hab. France, Switzerland, Hungary, Germany, S. Russia. 
Scandinavia. Atkinson. 1889. 

Hab. in graminosis praecipue montium et alpium: Lapponia 
rossica (Imandra!, D. Prof. J. Sahlberg, Umba!, D. Levander), Fennia 
(Kuusamo!, Karelia ladogensis et rossica!); Livonia (Nietau), D. Prof. 
Flor; Rossia (Kasan!, Sarepta) : Gallia (Hautes Alpes, Jura, Pyrenees); 
Helvetia u.sque ad 7000' s. m. ; Italia borealis et media, Calabria ; 
Bohemia, Austria, Silesia; Hungaria; Herzego vina; Corfu, D. Erber; 
Graecia (Parnassos!, Peloponnesos); Caucasus; Lhesgia; Sibiria (vallis 
Jeniseijensis, D. J. Sahlberg, V. Sujetük!, D. Hammarström, Raddelki 
in Sib. Orientali, sec. D. Dr. Horvath). Reuter. 1891. 

[Schweiz : Professor Heer fand diese, mir neu scheinende Art 
auf der Alp Urschein , im ünterengadin etwa 7000 Fuß ü. M. und 
überließ mir ein Exemplar zur Benutzung. Meyer (1843). — An 



— 215 — 

grasigen, sonnigen Halden. Alp Urschein , . . S. Prex (F.). Frey- 
Gessner (1864). — Graubünden: Alpine Region, Alp ürschai in Val 
Tasna (Heer), mehrmals aus der Churer Alp erhalten. Killias (1879). 
— Böhmen: Diese seltene Art sammelte Fieber vor Jahren in Böhmen, 
wahrscheinlich bei Chrudim, an grasigen, sonnigen Waldrändern . . . 
DüDA (1885). — • Prag, Pelz in verschiedenen Jahren auf sonnigen 
Anhöhen von Gras gekötschert, ziemlich häufig, 19. Juni, 1. Juli . . . 
Nickerl^ (1905). — Livland: Ziemlich zahlreich an den begrasten 
Abhängen einer kleinen Schlucht, Anfang Juli (Nietau). Flor (1860).] 

Orthocephalus Fieb. 
Das Männchen von länglicher, parallelseitiger Gestalt, das 
makroptere Weibchen eiförmig, das brachyptere Weibchen eirund und 
häufig nach hinten stark verbreitert, von schwarzer Farbe und mehr 
oder weniger glänzend, dabei, mit Ausnahme von 0. hrevis Paxz. 
meist mit schillerndem, hellem, leicht abfallendem Flaum und langen, 
schwarzen , steifen Haaren bedeckt. Der Kopf zeigt gleichfarbene 
Augenränder, er steht senkrecht, ist schmäler als das Pronotum an 
seinem Grunde und nur ganz selten ($ brach.) etwas breiter als 
dieser, von vorne gesehen, erscheint er fünfeckig, unterhalb der 
Augen verlängert, so lang wie am Grunde breit, und von der Seite 
gesehen, viel kürzer als hoch; der Scheitel ist von seinem Grunde 
an abfallend und allmähUch in die Stirne übergehend, häufig ge- 
bogen gerandet oder wenigstens beim S mit scharfem Rande und 
zeigt beiderseits nahe dem Auge einen rostfarbenen, manchmal ver- 
schwommenen Punkt ; der Kopfschild ist an seinem Grunde von der 
Stirne nicht oder nur schwach, selten scharf abgesetzt, sein Grund 
selbst immer unterhalb der Kopfmitte gelegen. Die Augen liegen 
bei beiden Geschlechtern quer auf dem Scheitel, ihr Hinterrand ist 
nicht nach rückwärts verlängert. Der Schnabel reicht bis zum An- 
fang der Mittelbrust oder der Mittelhüften. Die Fühler sind meist 
gleich unterhalb des vorderen Augenendes, innseits, eingefügt, nur 
selten stehen sie weiter von den Augen ab, liegen jedoch nie unter- 
halb des oberen Drittels des zwischen Augen- und Kopfschildanfang 
gelegenen Raumes ; sie sind behaart, ihr erstes Glied überragt nicht 
den Anfang des Kopfschilds , beim Weibchen ist es immer länger 



^ Beiträge zur Insektenfauna Böhmens : II. Fundorte böhmischer Wanzen- 
arten, nach der von Dr. 0. Nickerl jun. hinterlassenen Hemipterensammlung 
zusammengestellt von Dr. 0. Nickerl sen. Prag 1905. (43 Seiten.) Heraus- 
gegeben von der Gesellschaft für Physiokratie in Böhmen. 



— 216 — 

als der quere Augendurcbmesser und höchstens vor seiner Spitze 
mit zwei oder drei steifen Haaren besetzt; das zweite Glied ist 
immer länger als der Kopf zwischen den Augen breit; das vierte 
Glied ist kürzer als das dritte. Das Pronotum ist immer weit 
länger als das erste FühlergHed, in der Mitte seines Grundes ge- 
schweift, beim Männchen nach vorne zu leicht abfallend und ziemlich 
verschmälert. Das Schildchen ist, auch beim brachypteren Weibchen, 
geneigt und am Grunde freiliegend (breit abgesetzt). Die Halbdecken 
(der makropteren Form) besitzen einen länglich dreieckigen , wenig 
oder nur ganz leicht geneigten Keil und sind beim Männchen immer 
vollständig ausgebildet, beim Weibchen aber häufig verkürzt. Die 
kurzen Öffnungen der Hinterbrust liegen in einem Winkel zwischen 
den mittleren und hinteren Hüften und sind oft kaum zu unter- 
scheiden. Die Hinterschenkel sind beim Weibchen meist verdickt, 
die Schienen (auch die vorderen) zylindrisch, oder (§) gegen die 
Spitze zu leicht verbreitert; an den hinteren Tarsen ist das erste 
Glied nur halb so lang wie das zweite, letzteres deutlich länger als 
das dritte. — Die Arten dieser Gattung leben zwischen Pflanzen 
auf Feldern, trockenen Wiesen, Heiden usw. und bevorzugen dabei, 
wie es scheint, die synantheren Pflanzen. (Korbblütler, Kompositen. H.) 
Reüter. H. G. E. IV, 43. 

Von den 13 paläarktischen Arten dieser Gattung — (Puton 
führt in seinem neuesten Katalog noch 2 weitere, aus Corsica bezw. 
Algier, also insgesamt 15 auf) — kommen nur 4 in Deutschland 
vor, weshalb ich davon absehe, Reuters (H. G. E. IV, p. 164—167) 
Conspectus specierum hier in deutscher Übersetzung wiederzugeben, 
zumal diese Tabelle durch die Verschiedenheit der Geschlechter 
ziemlich umfangreich ist. 

101 (495) brevis Panz. 

Lygaeus brevis, die kurzleibigte Wanze: ater abdomine apice 
dilatato, fronte verticeque niveis. Panzer. 

Vollständig schwarz, auch Fühler und Beine, kaum glänzend. 
(Männchen länglich, Weibchen breit eiförmig und gewölbt, wie schon 
oben bei der Gattungsbeschreibung angegeben ; ebendaselbst siehe 
auch die weiteren Strukturverhältnisse I) Auf der Oberseite finden 
sich nur am Kopf und an den Seiten des Pronotum kurze schwarze 
Haare , auch noch auf den Halbdecken des Männchens , sonst nur 
ein ganz feines, anliegendes, graues Flaumhaar, das selten mit kurzen 
weißlichen Schüppchen untermischt ist. An den Augen zuweilen je 



— 217 — 

ein kleiner gelbbrauner Fleck. Der vertiefte Scheitel hat einen 
bogigen , scharfen Rand und ist beim Männchen zweimal , beim 
Weibchen fast dreimal so breit als das Auge. Das zweite Fühler- 
glied ist nach oben zu stark verdickt, beim Weibchen leicht gekeult. 
Pronotum und Schildchen sind stark querrunzelig. Die Halbdecken 
sind schwach runzelig punktiert (chagriniert) und ragen beim Männchen 
weit über den Hinterleib hinaus (mit brauner Membran und dunklen 
Nerven); makroptere Weibchen sind äußerst selten. Schenkel beim 
Weibchen kaum verdickt, ohne steife Borstenhaare; die schwarz 
gedornten Schienen sind , gleich dem Grund der Tarsen , häufig 
dunkelbräunhch. Länge: S 6'^/4, $ brach. 4V-2 — 4^/3 mm. 

9 Ciniex cinereo-niyrkans Goeze, Ent. Beytr. 1778, II, p. 276, 
12 forte. 

Lygaeus hrevis Panzer, Faun. Germ. 1798, 59, 8. 

Capsus &revis Kirschbaum, Rhynch. Wiesbad. 1855, p. (17 und) 84, 
sp. 109. — Flor, Rhynch. Livlds. 1860, I, p. 563, 55. 

OrtJiocephalus Fanseri Fieber, Eur. Hem. 1861, p. 294, 9. 

Labops hrevis Reüter, Berl. Ent. Zeit. XXV (An. Hem.), 1881 
p. 179, 35. — Revis. synon. 1880, II, p. 288, No. 262. — Atkinson, 
Cat. of Caps. 1889, p. 122. 

OrtJiocephalus conßms Reuter, Öfv. Finska Vet. Soc. Förh. 
(Diag. Hem. Nov.) 1880, XXI, 6, 9 (c?). 

Orthocephcdis hrevis Fieber, Grit. 1859, 28. — Reuter, Rev. 
Grit. Caps. 1875, p. 94, 1. — Hem. Gymn. Sc. et Fenn. 110, 1. — 
Hem. Gymn. Europ. 1891, IV, p. 45, 1, tab. I, fig. 10 a und tab. HI, 
fig. 5 (d). — PuToN, Cat. 1899, p. 67, 1. 

Bayern : Bei Regensburg gemein , bei Freising nicht selten, 
Wiesenwald und Weihenstephan, Juli. Kittel (wohl Verwechslung?! H.). 

— Württemberg: Bei Ulm (Lautertal) gestreift, 6; selten. Hüeber. 

— Elsaß-Lothringen: Gerbamont (Pierrat). Reiber-Püton. — Nassau: 
Ein $ von Herrn Prof. Schenk bei Weilburg gefangen. Kirschbaum. 

— Thüringen: Ich sah Stücke aus der Umgebung von Gotha. 
Breddin. — Von Dr. Schmiedeknecht (Blankenburg) gesammelt. Fokker. 
— • Schlesien : An grasigen Orten , selten. Mir sind ebenfalls nur 
2 von Herrn Lehrer Letzner in Schlesien gefundene Exemplare zu 
Gesicht gekommen . . . Scholz. — Auch diese sehr seltene Art 
wurde in Schlesien bisher nur in 2 Exemplaren aufgefunden und 
zwar von Herrn Letzner. Assmann. 



— 218 — 

Auf Grasplätzen an Waldrändern, auf steinigen, grasigen Hügeln, 
in Deutschland und der Schweiz. Fieber. 

Hab. Scandinavia, Russia, Germany, France, Tunis. Atkinson. 

Hab. in pratis aridis et in ericetis (Flor), in Campanula 
rapuncoloide (Montandon) ; Fennia orientalis et meridionalis (Sorda- 
vala!, Jaakima!, Impilaks!, D. Prof. J. Sahlberg), Livonia, D. Prof. 
Flor; Curonia; Rossia (Moskva, Vilna, Charcov); Germania (Wies- 
baden, Bavaria, Saxonia, Silesia) ; Bohemia; Austria, Styria, Alpes 
Carinthiae, Tirolia; Dalmatia; Hungaria; Halicia; Carpathes, Moldavia, 
Romania; Corfu!; Anatolia; Italia; Sicilia; Helvetia; Gallia. — 
Tunisia (?). Reuter (1891). 

[Sehr selten und einzeln an trockenen heißen Stellen. Am 
Rigi (Seiler), Bündten (A.), im Juni bei Visp im Wallis und anfangs 
Mai bei Lugano (Mey.). Frey-Gessner. — Graubänden: Ebene bis 
Montanregion, bei Malans; mehrere Male in der Tarasper Gegend. 
KiLLiAS. — Tirol: In meiner Sammlung vorfindig (aus Südtirol '?), 
jedenfalls sehr selten; lebt an heiß gelegenen Grasplätzen. — Nach- 
lese: Lienz, in Auen an Strünken, Juli; Sigmundskron am Etsch- 
damm, 12. Juni, nicht selten. Gredler. — Steiermark: Waldwiesen 
bei Brück a. M. Eberstaller. — Bei Graz, 1 $. Gatterer; an Bach- 
rändern im Veitlgraben bei Admont 1 $ (forma macroptera). Strobl. 

— Niederösterreich : Bei Gresten, Wiesen, nicht häufig. Schleicher. 

— Böhmen : An denselben Orten wie die Arten der Gattung 
Haltkiis BuKM., aber sehr selten ; bei Prag (Kuchelbad) ; bei Karls- 
bad selten , 7. (D. T.) Duda. — Livland : Auf trockenen Wiesen 
und Heidekrautflächen, nicht besonders häufig, 6, 7, 8 . . . Flor. 

— Frankreich: Dep. du Nord; N'est pas tres-rare, ä la fin de Fete, 
sur les herbes dans les fortifications de Lille; dunes de Dunkerque, 
foret de Mormal. Lethierry.] 

102 (496) mutahllis Fall. 

S. elytris coriaceis nigrogriseis. Fabricius. 

C. mutabilis obscure niger, supra fulvo-pilosus: antennis imma- 
culatis. Fallen. 

Vollständig schwarz, auch Fühler und Beine, matt glänzend, am 
ganzen Leib mit goldigglänzenden, leicht abwischbaren Schuppen- 
härchen bedeckt, auf der Oberseite lang, schwarz und steif behaart 
(auf den Halbdecken sind die Haare halb liegend). Der Scheitel ist, je 
nach Geschlecht. 1 — 2mal breiter als das Auge, hinten fein gebogen 
und scharf gerandet und zeigt beiderseits einen kleinen, rostfarbenen. 



— 219 — 

oft sehr verschwommenen Fleck. Das Pronotum ist fast doppelt so 
breit wie lang, kaum gewölbt, beim Männchen ziemlich stark geneigt 
und nach vorne stark verschmälert, beim Weibchen fast wagerecht, 
nach vorne zu kaum verschmälert; sein Hinterrand bei den ge- 
flügelten breiter als bei den ungeflügelten , seine Oberfläche (gleich 
jener des Schildchens) fast glatt , seine Schwielen deutlich aus- 
gebildet. An den Halbdecken des Männchen ist ein breiter Fleck 
neben der Clavusnaht sowie die Grundhälfte der Membran schmutzig 
weißgelblich, die dunkle Membran selbst schwarzgeadert : die Halb- 
decken des brachypteren Weibchens sind vollständig schwarz, klaffend, 
breit abgerundet. (Nach Flor sind Halbdecken und Flügel bei den 
Männchen stets, bei den Weibchen meist vollständig entwickelt, 
länger als der Hinterleib und fehlt der schmutziggelbe Längsstreif 
auf den Decken der Männchen bei den Weibchen oder ist nur sehr 
schmal und undeutlich, die Membran ist dunkel und dunkel geädert; 
sind, was nach Flor „selten" sein soll [47 cj, G $, von letzteren 
eins ungeflügelt !] , die Decken beim Weibchen verkürzt , so bleibt 
die Spitze des Hinterleibs unbedeckt. Nach Saunders ist das makroptere 
Weibchen unbekannt!) Die schwarz behaarten Fühler haben ^/o Körper- 
länge ; ihr erstes Glied ist kürzer als der Kopf, das zweite (besonders 
beim $) gegen seine Spitze zu allmählich deutlich verdickt, das 
dritte Glied V4 — Vs kürzer als das zweite, das vierte fast ^/s kürzer 
als das dritte, die beiden letzten zusammen länger als das zweite. 
Die Beine sind vollständig schwarz und schwarz behaart, die Schienen 
fein schwarz gedornt, die Hinterbeine verlängert mit verdickten 
Schenkeln (Sprungbeine). Länge 6 6^/4, $ brach. 4^2 — 4^/3 mm 
nach Reuter (5 mm nach Saunders). 

Diese Art ist (nach Reuter, 1875) kräftiger als saltator, ihr 
Kopf breiter, ihr zweites Fühlerglied an seiner Spitze stärker ver- 
dickt; auch bieten Färbung von Beinen und Halbdecken gute Unter- 
scheidungsmerkmale. Nach Saunders (1892) unterscheidet sich S 
nintabilis vom 6 saltator durch seine kürzere Gestalt, durch das 
kürzere Pronotum, das nach hinten weniger erweitert ist und dessen 
Grund nicht mehr als IV2 so lang ist wie sein Vorderrand, durch 
die gelbbraune innere Hälfte des Corium und die hellere braun- 
gewölkte Membran, während das brachyptere $ vom § saltator 
schwierig zu unterscheiden sei; es ist gleichwohl größer und kräf- 
tiger, sein Pronotum ist breiter und mehr in die Quere gezogen, 
seine Seiten mehr gleichlaufend und die Beine sind vollständig 
schwarz. 



— 220 — 

Acanthia coriacea Fabricius, Gen. Ins. 1776, 299, 1^ — 2. — 
Ent. Syst. 1794, IV, 69, 7. 

Clniex grylloides Goeze, Ent. Beytr. 1778, II, 187, 13. 

Salda coriacea Fabricius, Syst. Rhyng. 1803, 115, 8. 

Lygaeus coriaceus Latreille, Hist. Nat. 1804, XII, 220, 29, forte! 

Capsus mutabilis Fallen, Mon. Cim. Suec. 1807, 98, 4. — 
Hem. Suec. 1829, 118, 5. — Kirschbaum, Rhynch. Wiesbad. 1855, 
p. 16, 83, 118, sp. 107. 

Capsus coriaceus Thomson, Opusc. entom. 1871, 432, 50. 

Capsus pilosus Hahn, Wanz. Ins. 11, 1831, p. 96, fig. 181, J. 
— Herrich - Schäffer , Nom. ent. 1835, p. 52. — Wanz. Ins. IX, 
1853, Ind. 38. — Meyer, Schweiz. Khynch. 1843, p. 59, 24. — 
Flor, Rhynch. Livlds. 1860, I, p. 564, 56. 

? HaUicus mutahilis Burmeister, Handb. d. Ent. 1835, II, 
p. 277, 1. 

Evalassus Amyot, Ent. fr. Rhynch. 1848, p. 221, No. 267. 

Capsus stygialis Mulsant et Rey, Op. ent. I, p. 151 ($). 

Lahops coriaceus Reuter, Revis. synon. 1888, II, p. 288, 
No. 263. — Atkinson, Cat. of Caps. 1889, p. 122. 

Orthocephalus coriaceus Stal, Hem. Fabr. 1868, I, 88, 1. — 
Reuter, Rev. crit. Caps. 1875, p. 94, 2. — Hem. Gymn. Sc. et 
Fenn. p. 110, 2. — Saunders, Synops. of brit. Hem. Het. 1875, 
p. 289, 1. 

OrtJiocephalus mutahilis Bärensprung, Cat. 1860, p. 16. — 
Fieber, Eur. Hem. 1861, p. 293, 8. — Douglas and Scott, Brit. 
Hem. 1865, p. 430, 1. — Reuter, Hem. Gymn. Eur. IV, 1891, 
p. 48, 3 und tab. IV, fig. 2 cf, fig. 3 ?. — Saunders, Hem. Het. of 
the brit. isl. 1892, p. 270. — Puton, Cat. 4. ed. 1899, p. 67, 3. 

Bayern : Bei Nürnberg auf Sarothaiimus scoparius ; bei Freising 
nicht selten. Kittel. — Bei Bamberg auf trockenen Grasplätzen. 
Funk. — Württemberg. Roser. — Bei Ulm, 6 und 7. Hüeber. — 
Elsaß-Lothringen: Vosges: Remiremont, Trois-Epis, Soultzbach ; 6; 
souvent pas rare dans les prairies; la $ plus commune que le 6. 
Reiber-Puton. — Nassau: 6 $ Wiesbaden, Mombach; auf Grasplätzen 
z. B. an der Tränk, häufig; () — 7. Alle $ fand ich ungeflügelt; ein 
geflügeltes, bei Weilburg gefangen, teilt mir Herr Prof. Schenk mit. 
Kirschbaum. — Westfalen : Auf Heiden und Triften selten. Rheine 
(18. 8. 1876 von mir gefangen); desgleichen von mir bei Münster 
gesammelt. Elberfeld (Cornelius). Form, brachyptera $ : noch häufiger; 



— 221 — 

von mir 8. 77 bei Münster und 27. 7. 79 unweit Münster bei Mecklen- 
beck gesammelt. Westhoff. — Thüringen: Von Dr. Schmiedeknecht 
(Blankenburg) gesammelt. Fokker. — Schleswig - Holstein : Noch 
häufiger als saltator Hahn bei gleichem Vorkommen ; Sonderburg, 
Husum und Niebüll, 7 und 8. Wüstnei. — Mecklenburg : mit saltator 
Hahn zusammen, ebenfalls häufig. Raddatz. — Schlesien : C. muta- 
hilis Fall, im Juni und Juli auf allerhand Schuttpflanzen häufig; 
um Breslau ... 0. püosus Hahn : in hohem Grase selten und stets 
nur vereinzelt. Scholz. — Merkwürdigerweise bisher nur von Scholz 
auf allerhand Schuttpflanzen um Breslau, im Juni und Juh, und 
zwar nach seiner Angabe häufig gefunden, während diese Art den 
übrigen Sammlern noch nicht vorkam. C. pilosus Hahn (= S H.) 
bei Breslau in hohem Grase, selten und stets nur vereinzelt . . . Assmann. 
— Provinz Preußen. Brischke. 

In Wäldern der Nürnberger Umgebung findet sich diese Wanze 
auf Ginster {Spartium scoparium Linn.) und auch unter demselben 
auf der Erde, jedoch selten vor. Hahn. 

Auf Grasplätzen, durch Europa verbreitet. Fieber. 

Hab. Nearly all Europe. Atkinson. 

Hab. in Centaurea scabiosa (ipse), Carduis (Lucas), Spartio 
scopario (Hahn) etc. : Suecia media ! et meridionalis ! ; Norvegia 
meridionalis ; Dania!; Britannia; Batavia: Belgium; Gallia: Alsacia; 
Germania (Guestphalia, Wiesbaden, Bavaria, Silesia, Saxonia, Borussia, 
Mecklenburg); Livonia; Rossia (Charcov, Nischni-Novgorod, Chvalynsk, 
Kasan , Orenburg) ; Hungaria ; Bohemia , Austria , Styria , Illyria ; 
Helvetia; Itaha; Algeria (?). Reuter. 1891. 

[Schweiz : Auf Hügeln und Bergabhängen der mittleren und 
nördlichen Schweiz; im hohen Grase sehr selten und einzeln im 
Monat Juli . . . Meyer. — Im hohen Grase auf trockenen Hügeln 
und Bergabhängen stellenweise nicht selten. Im Juni und Juli . . . 
im Jura bis zu 3000' s. M. Frey-Gessner. — Steiermark: Im Grase; 
Plabutsch, einzeln. Eberstaller. — Niederösterreich: Trockene Wiesen, 
nicht selten. Schleicher. — Böhmen: Wie hrevis Panz., aber mehr 
verbreitet, jedoch nicht gemein ; Prag, Teplitz, Wartenberg, Franzens- 
bad (D. T.), 6, 7. DuDA. — Neuhütten, mit saltator Hahn, aber 
seltener, August. Nickerl. — Mähren: Auf Grasplätzen selten . . . 
Spitzner. — Livland : Häufig auf Bergwiesen und an Feldrändern, 
6, 7, 8. Flor. — Frankreich: Dep. de la Moselle^: Woippy, sur le 

* Durch das seinerzeitige französische Departement de la Moselle läuft 
seit 1870 die dermalige deutsch-französische Grenze. H. 



- 222 — 

genet ä balais; commun. Bellevoge. — Dep. du Nord: Assez rare, 
en ete, sur les herbes, fortifications de Lille, foret de Raismes. 
Lethierry. — Midi de la France, Alpes . . . Amyot (1848). — Eng- 
land : Not uncoromon. By sweeping grass ... in Jnly. Douglas 
and Scott. 1865. — ... Saunders. 1892.] 

103 (497) saltator Hahn. 

C. nmtahilis . . . Variat tarnen Mas: stria media elytrorum 
longitudinali pallidiori. Variat quoque: tibiis testaceis. Fallen. 

Schwarz, behaart, kurz, verkehrt eiförmig, in der Mitte er- 
weitert, ohne Halbflügel und Unterflügel; die Hinterschenkel lang 
und verdickt; alle Schienen braunrot. Länge l~li"'. Breite 1'". Hahn. 

Das Männchen lang , gleichseitig . das makroptere Weibchen 
eiförmig, das brachyptere eirund, (triforml), schwarz, ziemlich glänzend, 
allseits mit weißlichen oder erzfarbenen, leicht abwischbaren Schuppen- 
härchen bedeckt, auf der Oberseite mit schwarzen Borstenhaaren 
besetzt (die auf den Halbdecken halbhegend sind). Das besondere 
Kennzeichen dieser Art sind die gelbroten Schienen, besonders 
der beiden vorderen Beinpaare. Der Scheitel ist verschwommen, 
aber ziemlich scharf gerandet, hat beim Männchen */5 — 2 Augen- 
breiten, beim Weibchen 2 — 2^3, und zeigt beiderseits meist einen 
kleinen rostfarbenen Fleck (der nach dem Tode häufig verschwindet). 
Das Pronotum ist nur wenig gewölbt, beim Männchen anderthalbmal 
so breit wie lang, ziemlich stark geneigt und nach vorne zu stark 
verschmälert; beim Weibchen ist es doppelt so breit wie lang, fast 
horizontal und nach vorne zu nur mäßig verschmälert. Das Schildchen 
zeigt breit abgesetzte Basis. Pronotum und Schildchen sind glatt 
oder hinten ganz fein gestrichelt. Die Halbdecken sind in beiden 
Geschlechtern schwarz (dunkelbraun) ; beim Männchen sind sie 
parallelseitig, ragen mit ihrer großen dunkelrauchbraunen, schwarz- 
geäderten Membran weit über den Hinterleib hinaus, die Zellen und 
der äußere Seitenrand der Membran sind dunkler, ein kleiner Fleck 
an der Keilspitze ist glashell ; beim makropteren Weibchen überragen 
die Halbdecken den Hinterleib um die halbe Membran und sind 
seitlich breit gerundet, die Membran selbst ist von gleicher 
Farbe wie beim Männchen; beim brachj-pteren Weibchen reichen 
die Halbdecken nur fast bis zum sechsten Rückenabschnitt und sind 
an ihrer Spitze, gegen die Naht zu, breit schief abgerundet. Die 
schwarzen, fein behaarten Fühler haben fast Körperlänge, das erste 
Glied ist kürzer als der Kopf; das zweite Glied -nur unbedeutend 



— 223 — 

kürzer als 3 und 4 zusammen und gegen seine Spitze zu allmählich 
leicht (beim Weibchen etwas stärker) verdickt; Glied 3 und 4 sind 
gleich dick, dünner als Glied 2; das dritte Glied ist etwa um ^U 
kürzer als das zweite, das vierte Ghed etwa halbsolang wie das 
dritte. An den meist schwarzen Beinen sind alle Schienen (Spitze 
und häufig auch Grund ausgenommen) hell rostfarben (gelbrot) mit 
kleinen schwarzen Dornen besetzt und bei den Weibchen auch 
schwarz punktiert; die Hinterbeine sind verlängert, die Hinterschenkel 
verdickt, die Fußglieder (Tarsen) und Klauen schwarz. Länge: 
6 5^2— 6, $ makr. 5, $ brach. 4 — 4^'3 mm nach Reuter; — 
5V2 makr., 5 brach, nach Saunders. — Diese Art ist kleiner und 
schmäler als miitahilis Fall. , besonders am Vorderrücken , die 
Schwielen sind weniger deutlich, die Fühler kürzer, die Oberfläche 
weniger glänzend. 

Die Nymphe (Larve) ist nach Reuter (Rev. crit. Caps. p. 96) 
dem Imago an Gestalt ähnlich, vollständig schwarz, glänzend, mit 
kleinen schwarzen Haaren besetzt. Auch die Schienen sind hier 
schwarz. Der Kopf ist breiter als das Pronotum an seinem Grunde. 

Capsus mutahiUs var. Fallen, Hem. Suec. 1829, 118, 5. 

Halücus mutahiUs Burmeister, Handb. d. Entom. 1835, H, 
277, 1. 

Capsus mutahiUs F. Sahlberg, Mon. Geoc. Fenn. 1848, p. 120, 
65. - Flor, Rhynch. Livlds. 1860, I, p. 567, 58. 

Capsus saltator Hahn, Wanz. Ins. HI, 1835, p. 11, fig. 236. — 
Meyer, Schweiz. Rhynch. 1843, p. 112, No. 106. — Kirschbaum, 
Rhynch. Wiesbad. 1855, p. 16, 83, 118, sp. 108. 

Capsus hirtus Curtis, Brit. Entom. 1838, XV, t. 693. 

Scaerophyla Amyot, Entom. fr. Rhynch. 1848, p. 223, No. 273. 

Pachytoma major Costa, Cim. Reg. Neap. Cent. HI, 1852, 
p. 278, 3, tab. HI, fig. 5 et 6. 

Globiceps infuscatus Garbiglietti, Cat. Hem. Ital. 1869 (Bull. 
Soc. Entom. Ital.), I, p. 190. 

Lahops saltator Atkinson, Cat. of Caps. 1889, p. 124. 

Orthocephalus saltator Fieber, Eur. Hem. 1861, p. 293, 6. — 
Douglas and Scott, Brit. Hem. 1865, p. 431 u. tab. 14, fig. 2 
($ brachypt.). — Reuter, Rev. crit. Caps. 1875, p. 95, 3. — Hem. 
Gymn. Sc. et Fenn. 111, 3. — Pet. Nouv. Entom. 1876, H, No. 147. 
p. 33. — Hem. Gymn. Europ. IV, 1891, p. 51, 6 und tab. IV, fig. 1, 
(c?) — [nimis pallidus !] — sowie tab. I , fig. 6 ($ antenna). — 



— 224 — 

Saunders, Synops. of. Brit. Hem. Het. 1875, p. 289, 2. — Hern. 
Het. of the brit. isl. 1892, p. 270 und pl. 25, fig. 2 (? developed). 
— PüTON, Cat. 4. ed. 1899, p. 67, 6. 

Bayern : Bei Nürnberg und Freising nicht selten ; bei Dinkels- 
bühl, nach Pfarrer Wolff. Kittel. — Bei Bamberg auf trockenen 
Grasplätzen. Funk. — Württemberg: Bei Ulm, 7, Hüeber. — Elsaß- 
Lothringen : Dans les pres ; Vosges , lUkirch , Metz ; assez commun. 
Reiber-Puton. — Nassau: 3 $, Wiesbaden, Mombach, auf Grasplätzen 
und Waldblößen, z. B. im Wellritzthal und im Mombacher Kiefern- 
wald, nicht selten; 7 — 8. Kirschbaum. — Westfalen: Von Cornelius 
bei Elberfeld gefangen. Westhoff. — Thüringen : Von Dr. Schmiede- 
knecht (Blankenburg) gesammelt. Fokker. — Schleswig -Holstein: 
Auf sandigem Boden nicht selten im Juli, bei Husum, Emmelsbüll, 
Niebüll und Sandacker beobachtet. Wüstnei. — N. S. Borkum : Nur 
in einem Jahre häufiger (Juist, Norderney). Schneider. — Mecklen- 
burg: Überall im Juli auf niederen Pflanzen an Grabenufern, nament- 
lich in den Barnstorfer Tannen (bei Rostock). Raddatz. — Schlesien : 
Im Juni , Juli und August gemein auf sonnigen Grasplätzen ; um 
Breslau . . . Scholz. — In der Ebene und im Gebirge , vom Juni 
bis in den August , auf Wiesen , häufig . . . ; um Warmbrunn , be- 
sonders an sonnigen Wiesenrändern auf Galkim- und TJrtica-kvi&n ; 
die var. major scheint bei uns häufiger zu sein, als die Stammart 
(Dr. Luchs). Assmann. — Provinz Preußen. Brischke. 

Ziemlich häufig auf Feldern, unter Ärtemisia campestris, Ononis 
spinosa u. dergl. Burmeister. 1835. 

Vaterland : Die Gegend um Nürnberg, wo ich diese bisher noch 
unbeschriebene Art an sandigen Anhöhen im Grase fand. Sie hüpft 
außerordentlich schnell und weit, daher sehr schwer zu haschen. Hahn. 

Auf Waldblößen und Grasplätzen in Kiefernwäldern, in Deutsch- 
land. Fieber. 

Hab. N. and Middle Europe. Atkinson. 

Hab. in Chrysanthemo, Vicia, Trifolio etc. (ipse) , in Ononide 
(Edwards), in Gallo et Urtica (Assmann), in Thymo serpyllo (Puton) : 
Suecia usque in Angermanland!; Fennia meridionalis ! ; Rossia (Moskva, 
Kurutsch, Koslov, Tauria); Britannia; Batavia; Belgium ! ; Gallia. 
Hispania; Germania tota; Helvetia; Austria, Bohemia, Silesia, Tirolia, 
Thüringia; Hungaria, Halicia, Moldavia; Valachia; Itaha, Sicilia ; 
Serbia; Graecia; Anatolia; Caucasus, Transcaucasia; Algeria; Biskra; 
Sithka. Reuter (1891). 



- 225 — 

[Schweiz : Im Juni, Juli und August in den meisten Gegenden 
der Schweiz auf Wiesen im Grase. Geflügelte Exemplare dieser Art 
sind mir niemals vorgekommen . . . Meyer. — Auf trockenen Wiesen 
und kurzbegrasten Berglehnen im Juni, Juli und August stellenweise 
zahlreich bis zu 4000' s. M. . , . Frey-Gessnee. — Graubünden : 
Häufig bei Pfäffers und Ragaz. Killias. — Tirol: Im Hochsommer 
auf kurzbegrasten Berglehnen. Am Kaisergebirge im Unterinntale. 
Auch südtiroler Exemplare enthält meine Sammlung. Credler. — 
Steiermark : Am Bache neben der Scheibleggerhochalpe am 27. Juli 
ein 6 . . . var. , Kopf auch neben den Augen ganz schwarz : auf 
Sumpfwiesen der Kaiserau am 7. August ein d. Strobl. — Böhmen: 
Im Sommer ,6,7, überall nicht selten. Düda. — Prag , Zlichow, 
an Bahndämmen im Grase, 9. und 18. Juni; Zawist, August; Neu- 
hütten, an trockenen Rainen, August. Nickerl. — Mähren: Auf 
Grasplätzen in Waldschlägen; auch in kälteren Gegenden, im Graupa- 
tal , am Altvater , unter dem Spieglitzer Schneeberge. Spitzner. — 
Livland: Häufig an Feldrändern und sonnigen Abhängen, vom Juni 
bis zum September. Flor. — Frankreich: Dep. de la Moselle: Het- 
tange, Plappeville , sur le genet tinctorial ; commun. Bellevoye. . — 
England: Not uncommon. By sweeping clover, grass ... in July 
and August. Douglas and Scott. 1865. — Not rare; on Trifolium, 
Ononis etc. ; generally distributed. Saunders. 1892.] 

104 (498) vittipennis H.-Sch. 
C. niger, albido-pilosus, elytrorum vitta media pallida, anten- 
narum articulo primo pedibusque luteis, his fusco-punctatis. Herrich- 

SCHÄFFER. 

Schwarz, das (durch die Färbung der Halbdecken auffallende) 
Männchen länglich und parallelseitig mit Decken, die viel länger 
als der Hinterleib sind; das makroptere Weibchen eiförmig, Decken 
und Flügel nur wenig länger als der Hinterleib ; das brachyptere 
Weibchen ganz schwarz mit verkürzten, nur bis zum sechsten Rücken- 
segment reichenden Decken , deren Gorium hinten schief abgestutzt 
ist, ohne Membran, dem $ saltator Hahn ziemlich ähnlich, nur größer, 
breiter, mit längeren Fühlern (besonders deren letzten Gliedern) und 
(mindestens in der Mitte) bräunlichen Schenkeln. Auf Kopf, Pronotum, 
Schildchen und Brust silbrigglänzende Schuppenhärchen, dazwischen 
längere, steife schwarze Haare (auf den Halbdecken ziemlich anhegend). 
Scheitel bogig gerandet, beim i nicht ganz 2mal, beim $ 2V2mal 
breiter als das Auge , häufig beiderseits mit kleinem rostfarbenen 

Jahreshefte d. Vereins f. vaterl. Naturkunde in Württ. 1900. 15 



— 226 — 

Fleck. Pronotum nicht ganz 2mal so breit wie lang, wenig gewölbt, 
mäßig geneigt, nach vorne verschmälert, glatt oder hinten zu (nebst 
Schildchen) ganz fein verschwommen gestrichelt. Fühler fast von 
Körperlänge; ihr erstes Glied beim Männchen (mit Ausnahme 
seines Grundes) schmutziggelb (oder auch rostfarben) ; das zweite 
Glied (besonders beim $) gegen seine Spitze zu allmählich ziemlich 
verdickt, etwas kürzer als 3 und 4 zusammen ; Glied 3 und 4 dünn 
und fadenförmig , zusammen länger als Ghed 2 , Ghed 4 nur halb 
so groß als 3. Beine beim Männchen fahlgelb (rostfarben), auf 
den Schenkeln Keihen dunkler Punkte, das Ende der fein schwarz- 
bedornten Schienen sowie die Tarsen schwarz ; bei den Weibchen 
sind die Beine meist schwarz. Gleichen Wechsel bieten die Decken, 
entsprechend den drei Formen : Beim Männchen durchzieht die 
dunkeln Decken ein bleichbrauner, etwa ein Drittel der Flügelbreite 
einnehmender Längsstreif, der auch die Seitenränder des Corium 
einnimmt, bei geschlossenen Decken konvergieren die beiden Streifen 
nach hinten, die dunkle Membran ist stellenweise heller, dunkel ge- 
sprenkelt und hat dunkle Nerven; beim makropteren Weibchen (dessen 
erstes Fühlerglied und Beine dunkel sind) findet sich nur eine schmale, 
helle, graugelbe Linie neben der Clavusnaht, die Membran ist grau- 
braun, öfters auch (an Grund und Zellen) schmutzig hell; das 
brachyptere Weibchen mit seinen Deckenstummeln ist ganz schwarz. 
Länge nach Reuter: c? 6V4 — 6*/5 , makr. $: 5^/4 — 6, brach. ? 
4 — 4^/4 mm. 

Reuter (H. G. E. IV, 57) unterscheidet noch eine Var. ß\ 
Weibchen, deren erstes Fühlerglied gleich der Grundhälfte des 
zweiten und den Beinen rostfarben, letztere noch mit schwarzen 
Flecken. 

? Cimex hirtus Müller, Zool. Dan. 1776, 108, 1234 verisimiliter ! 

Capsus vittipennis Herrich-Schäffer , Nom. ent. 1835, p. 52, 
88. — Wanz. Ins. III, 1835, p. 83, fig. 305 (?). — IX, 1853, Index, 
p. 42. — Meyer, Schweiz. Rhynch. 1843, p. 56, No. 20. — F. Sahl- 
berg, Mon. Geoc. Fenn. 1848, p. 120, 66. — Flor, Rhynch. Livlds. 
1860, I, p. 566, 57. — Thomson, Opusc. entom. IV, 1871, p. 432, 52. 

Lahops vittipennis Atkinson, Cat. of. Caps. 1889, p. 125. 

Orthoceplialus vittipennis Fieber, Criter. 1859, sp. 28. — Eur. 
Hem. 1861, p. 293, 5. — Reuter, Rev. crit. Caps. 1875, p. 96, 4. — 
Hem. Gym. Sc. et Fenn. 102, 4. — Revis. synon. 1888, II, p. 289, 
No. 264. - Hem. Gymnoc. Europ. IV, 1891, p. 56, "11 und Tab. III, 



— 227 — 

lig. 7 6, fig. 8 $. — HoRVATH, Termes. Füzet V, 224, 34 ($ macropt.). 

— PuTON, Cat. 4. ed. 1899, p. 67, 11. 

Kayern : Bei Neu-ulm, am warmen Wässerle, 6, ein Exemplar 
(determ. Horv.) gefangen von Hüeber. — Mecklenburg: Bei Fürsten- 
berg, nach KoNOW. — Schlesien: Im Juni und Juli an sonnigen 
Grasplätzen. Bei uns nicht gemein. Unter meinen Vorräten befinden 
sich nur 2 von mir in Schlesien gefangene Exemplare. LETZNER'sche 
Sammlung: 1 Exemplar (bei Wartha). Scholz. — Nur im Gebirge, 
sehr selten . . . Assmann. 

Aus Gysselen's Sammlung : drei Männer und ein Weib . . . 
Herrich-Schäffer. 

In Deutschland und Finnland. Fieber. 

Hab. Scandinavia, Russia, Switzerland, Austria. Atkinson. 

Hab. in Chrysanthemo leucanthemo (ipse) : Fennia meridionalis I, 
Suecia media! et meridionalis!; Norvegia meridionalis; Dania!; 
Livonia ; Rossia (Moskva , Vilna , Sarepta , Astrachan , Orenburg) ; 
Dobroudja; Halicia; Hungaria; Austria, Alpes Carinthiae, Tirolia, 
Silesia ! ; Germania ; Helvetia ; Hispania (? San Fernando, an hivittatus 
Fieb.?); Sibiria (Krasnojarsk, D. Streblov, Minusinsk!, V. Sujetuk!, 
D. Hammarström). Reuter. 1891. 

[Schweiz : Von Anfang Juni bis Mitte Juli einzeln an sonnigen, hoch 
begrasten Waldrändern, Feldbördern und an Bergabhängen . . . Meyer. 

— Desgleichen. Frey-Gessner. — Tirol : An Feldrändern bei Mitter- 
bad in Ulten ; Mitte Juli. Lienz , in Gärten auf Gras ; Mitte Juli. 
Credler. — Böhmen : Prag-Smichow , an einer Bahnböschung vom 
Grase gekütschert, in Mehrzahl, 9. Juni. Nickerl. — Livland : Ziem- 
lich häufig an Feldrändern und sonnigen Abhängen, 6, 7. Flor.] 

Pachytomella Reut. ^ 
Gestalt des Männchens längHch oder verlängert und parallel- 
seitig, des brachypteren Weibchens breit und kurz eiförmig, wenig 
gewölbt , schwarz , glänzend , meist mit feinem Flaumhaar bedeckt, 
nur am Kopf manchmal mit abstehenden Borsten (und zwei weiteren 
an den Seiten des Pronotum). Der Kopf senkrecht gestellt, deutlich 
in die Quere gezogen, beim Männchen so breit wie der Pronotum- 
grund, beim brach. Weibchen breiter als dieser, von vorne gesehen 
fünfeckig, von der Seite gesehen viel kürzer als hoch. Stirne ge- 



' Von Reuter 1891 aus Pachytomn Costa, weil ,noinen praeocnpatum' 
umgetauft. H. 

15* 



— 228 .- 

wölbt, mit dem Kopfschild bogenförmig zusammenfließend, letzteres 
an seinem (nicht deutlich abgesetzten) Grunde nur wenig unterhalb 
der Zwischenfühlerlinie gelegen. Die inneren Augenränder sind hier 
gleichfarben ; die vorspringenden Augen beim Weibchen von ihrem 
Grunde aus nach rückwärts über die vorderen Pronotumwinkel 
hinaus verlängert. Fühler mit feinen Haaren besetzt ; ihr erstes Glied 
nicht länger als der quere Augendurchmesser beim Weibchen; das 
zweite Glied etwas kürzer als der Zwischenaugenabstand ; das vierte 
kürzer als das dritte. Das stark in die Quere gezogene, an seinem 
Grunde geschweifte Pronotum ist beim Männchen gegen die Spitze 
zu stark verschmälert und ganz leicht geneigt, beim Weibchen zeigt 
es auf seiner vorderen Fläche meist vier in einem Bogen gelegene 
Grübchen. Die Halbdecken sind (nebst Flügeln) beim Männchen 
ausgebildet, mit länglich dreieckigem Keil und zweizeiliger Membran, 
beim Weibchen verkürzt, an ihrem Ende abgestutzt, vollständig 
lederartig; makroptere Weibchen sind bis jetzt noch nicht bekannt. 
Die Öffnungen der Hinterbrust sind nicht wahrnehmbar. Die Beine 
sind mit feinem Haarflaum besetzt ; die Hinterschenkel beim Weibchen 
stark verdickt, an ihrem Vorderrand ohne steife Haare ; die Schienen 
(auch die vorderen) sind ziemlich drehrund und mit kleinen Dörnchen 
besetzt; an den hinteren Tarsen ist das zweite Glied zweimal länger 
als das erste und etwas länger als das dritte. — Von der Gattung 
Ortliocephalns Fieb. Reut, unterscheidet sich diese Gattung durch 
das zarte Flaumhaar ihres Leibes — (auch 0. hrevis Panz. besitzt 
auf seiner Oberseite feinen Flaum, ohne abstehende Haare und 
Borsten) — , durch den deutlich in die Quere gezogenen Kopf, der 
beim Männchen so breit wie der Pronotumgrund, beim Weibchen 
noch breiter ist, durch den Bau der Augen und der Fühler beim 
Weibchen, sowie durch ihre geringere Größe. Nach Reuter. 

105 (499) parallela Mey. 

Gestalt und Habitus von C. vittipennis H.-Sch. , Kopf breiter, 
den kurzen, mattglänzenden Thorax seitlich weit überragend. Kopf, 
Fühler, Thorax, Schildchen, Körper und Beine schwarz ; letztere mit 
bräunlichen Schenkelspitzen. Flügeldecken, überall gleich breit, matt- 
glänzend, dunkel purpurbraun. Membran braun ; dunkel angeraucht. 
Länge Vi-i". Meyer. 1848. 

Schwarz, glänzend, die Männchen in die Länge gezogen, 
die Weibchen kurz eirund, wenig gewölbt, mit zartem, grauem Flaum 
bedeckt; der Kopf ohne schwarze Haare; der Scheitel beim 



— 229 — 

Weibchen nicht gerandet. Die Fühler sind beim Männchen 
gleich unterhalb der Augenspitze, innseits, eingefügt, ziemlich lang, 
schwarz , ihr erstes Glied kaum bis zur Mitte des Kopfschildes 
reichend, das zweite Glied fast linear und um fast ^k länger als 
der Kopf samt Augen breit, die beiden letzten Glieder sind zusammen 
kaum länger als das zweite, das dritte kaum mehr als V4 
kürzer als das zweite und mehr als ums Doppelte länger als 
das vierte ; beim Weibchen sind die Fühler kurz , von der Augen- 
spitze ziemlich weit entfernt, ihr erstes Glied kaum länger als 
der quere Augendurchmesser und entweder schwarz mit lehm- 
farbener Spitze oder fast ganz gelblichbraun, die übrigen 
Glieder schwarz oder dunkelbraun, das zweite Glied bisweilen am 
Grunde gelbbraun, kürzer als die Zwischenaugenbreite am 
Scheitel, die beiden letzten Glieder zusammen länger als das zweite. 
Das Pronotum ist beim Männchen am Grunde fast doppelt so breit 
als lang, vorne etwa V3 breiter als lang, seine Fläche nach vorne 
zu leicht abfallend , seine Schwielen (Buckel) gut ausgebildet , auf 
seiner hinteren Hälfte ziemlich kräftig quer gestrichelt ; beim Weibchen 
ist es vorne doppelt so breit als lang, gegen den Grund zu nur ganz 
wenig erweitert, seine Fläche (Scheibe) horizontal, in seiner Mitte, 
vor der Spitze, vier in einem Bogen gelegene Grübchen, die Schwielen 
nur wenig ausgebildet, seine hintere Hälfte ganz fein quer- 
gerunzelt. Die Halbdecken sind beim Männchen glatt, lang, 
wenigstens SVamal so lang als zusammen breit, den Hinterleib um 
die ganze Membran überragend, die Membran selbst groß und 
schwärzlich ; beim Weibchen sind die Decken abgekürzt, ganz leder- 
artig, nur bis zum 6. Rücken- oder 1. Geschlechtsabschnitt reichend, 
an ihrem Ende gegen die Naht zu schief abgestutzt und ziemlich 
fein leicht runzelig punktiert. Die schwarzen, zart beflaumten 
Beine sind beim Männchen lang und nur an der Schenkelspitze 
schmal rostfarben, die Hinterschenkel verlängert, die hinteren 
Schienen so lang wie der äußere Coriumrand ; beim Weibchen .sind 
sie viel kürzer, die Schenkelspitze und die Schienen lehm- 
farben, letztere mit feinen, schwarzen Dörnchen besetzt, die 
hinteren Schienen am Grunde manchmal dunkelbraun , die Hinter- 
schenkel mäßig verdickt, die hinteren Schienen so lang wie die ver- 
kürzten Halbdecken. Länge d 3^/4, $ brach. 2 mm. Nach Beuter 
(H. G. E. IV, 41/42). 

Capsus parallelus Meyer, Schweiz. Rhynch. 1843, p. 57, No. 21, 
Tab. VI, fig. 3. 



— 230 — 

Orthocephalns paralhlus Puton, Ann. Soc. Ent. Fr. 1875, 
282, 10. 

Omwcephalus minor Credler. Nachlese zu den Wanzen Tirols, 
1874, 98, 4 (nee Costa). 

Lahops parallelus Atkinson, Cat. of Caps. 1889, p. 124. 

Facliytoma parallela Reuter, Hern. Gymn. Eur. IV, 1891, 
p. 41, 4. — PüTON, Cat. 4. ed. 1899, p. 67, 4. 

Württemberg : Bei Freudenstadt, 6, ein Exemplar gefangen von 
Hüeber. — Baden : Bei Griesbach, 8. (F.) Meess. — Elsaß-Lothringen : 
Comme mutahüis Fall. , mais parfois abondant , surtout dans les 
prairies marecageuses. Reiber-Puton. — Schlesien : Im hohen Grase 
an sonnigen Lehnen. Einige Exemplare von mir bei Salzbrunn ge- 
funden. Scholz. — Bisher nur in einigen Exemplaren ... die bräun- 
lichen Halbdecken manchmal ins Schwarze übergehend. Assmann. 

Hab. France, Switzerland, Germany, Spain. Atkinson. 1889. 

Hab. praecipue in montibus et alpibus : Batavia ! ; Alsacia ; 
Gallia (Vosges ! , Auvergne , Haute Garonne , Hautes Pyrenees) ; 
Hispania (Sevilla); Helvetia (Rigi Kulm 5500', Staffel 5000'); Tiroha; 
Silesia; Bohemia (Erzgebirge); Hungaria (Carpathes orientales, D. Brno). 
Reuter. 1891. 

[Schweiz : Scheint sehr selten ; zuerst von Bremy erhalten, 
dann am 28. Juli 1842 von mir selbst auf dem Rigi Kulm 5550 Fuß 
ü. M. und an der Nordseite des Staffeis bei 5000 Fuß in mehreren 
Exemplaren erbeutet. Meyer. — Desgleichen: Frey-Gessner (welcher 
irrtümlich 0. iKinülehis Mey. als Synonym zu 0. minor Costa 
zieht). — Tirol : siehe unter 0. minor Costa ! — Böhmen : Bisher 
nur aus Chodau und Bleistadt im Erzgebirge, von Herrn Dr. R. v. Stein, 
6, 7, gesammelt. Duda. — Breitenbach im Schwarzwassertal im 
hohen Grase der Straßengräben und an Waldrändern, gleichzeitig 
mit Mecomma ambidans im August . . . Nickerl.j 

106 (*) Fasserini Costa. 
Schwarz, glänzend, das Männchen länglich und parallelseitig, 
das Weibchen kurz eirund und nur wenig gewölbt, mit ziemlich 
kurzem, feinem, gelblichem Flaum besetzt; Kopf des 
Männchens so breit wie das Pronotum an seinem Grunde und mit 
abstehenden schwarzen Haaren, beim Weibchen deutlich breiter, 
dabei der Scheitel ungerandet. Fühler bei beiden Geschlechtern 
vollständig schwarz, beim Männchen ziemlich lang, das erste Glied 
kaum bis zur Spitze des Kopfschilds reichend, das zweite gegen die 



— 231 — 

Spitze zu leicht verdickt, Vs — V'e länger als der Kopf samt Augen 
breit, das dritte Glied um ^3 kürzer als das zweite, das vierte 
um ^/s kürzer als das dritte : beim Weibchen sind die Fühler kurz, 
das erste Glied ist kaum länger als der quere Augendurchmesser, 
das zweite etwa ^'5 kürzer als der Zwischenaugenabstand 
am Scheitel, das dritte nur Ve kürzer als das zweite. Das 
Pronotum der Männchen ist etwa ums Doppelte breiter als der Grund 
lang und etwa -/ö breiter als die Spitze lang, seine Fläche nach 
vorne ganz leicht geneigt, seine Buckel gut ausgebildet, auf seiner 
hinteren Hälfte ist es ziemlich dicht, aber nicht besonders stark 
quer gerunzelt: beim Weibchen ist das Pronotum zweimal breiter 
als sein Grund lang, vorne kaum schmäler als hinten, seine Fläche 
horizontal, vorne in der Mitte 4 Grübchen, in einem Bogen gelegen, 
die Schwielen ziemlich gesondert, die hintere Fläche dicht ge- 
runzelt. Das Schildchen ist quer gerunzelt. Die Halbdecken sind 
beim Männchen mäßig lang, etwa um 2^/4 länger als zusammen 
breit, die Membran bräunlich und hübsch irisierend; beim Weibchen 
sind sie verkürzt, vollständig lederartig, an ihrem Ende breit und 
leicht schief abgestutzt, kaum über die Mitte des 5. Rückensegments 
hinausreichend, dabei fein und dicht punktiert. Die Beine 
sind in beiden Geschlechtern vollständig schwarz oder der 
äußerste Endrand der Schenkel ganz schmal rostrot, die Hinter- 
schenkel, bei Männchen wie Weibchen, mäßig verdickt, die Schienen 
beim Männchen so lang wie der Seitenrand des Corium, beim 
Weibchen so lang wie die verkürzte Halbdecke. Länge S 3, $ 2'/3 mm. 
Nach Reüter (H. G. E. IV, 40). 

Fachytoma minor Costa, Ann. Soc. Ent. Fr. X, 1841, p. 289, 
Tab. VI, flg. 4a. — Cim. Reg. Neap. Cent.. 1852, HI, p. 277. 1, 
tab. III, ff. 1 et 2. 

Orthocephalus minor Fieber, Eur. Hem. 1861, p. 294, 10. 

Chlamyäatiis minor Am. Serv., Hist. Nat. d. Hem. 1843, p. 285, 1. 

Fachytoma et CJdamydatus Amyot, Ent. fr. Rhynch. 1848, p. 222, 
sp. 271 et 272. 

Capsus mimdus Lucas, Expl. Scient. Alger. III. 1849, p. 85, 
tab. 3, flg. 8 ((?). 

Capsus rugicollis Lucas, 1. c. p. 85, tab. 3. fig. 7. 

Phytocoris Passerini Costa, Ann. Soc. Ent. Fr. X, 1841, 
p. 288, 5. c?. 

Labops minor Atkinson\ Cat. of Caps. 1889, p. 123. 



— 232 — 

Pachytomella Passerini Reuter, Hern. Gymn. Europ. IV, 1891, 
p. 40, 3, Tab. III, fig. 6 (J). — Puton, Cat. 1899, p. 67. 

Bayern: OrtJioccphalns minor Costa bei Bamberg einmal auf 
trockenem Grasplatz gefunden von Dr. Funk. — Vosges (franz. 
westl. Seite?!). Bellevoye. 1866. 

Aus Italien, Spanien, der Schweiz, in Schlesien (Scholz). Fieber. 

Hab. S. Europe, Tunis. Atkinson. 

Hab. in Thapsia garganica (Lucas), in herbidis apricis (Ferrari) etc. ; 
Gallia meridionalis!, Hispania ; Itaha (Liguria! etc.), Sicilia; Dalmatia 
(Ragusa, Lesina); Graecia (Attica !) ; Greta!, D. v. Oertzen; Anatolia 
(Brussa) ; Algeria (Oran, Teniet, Constantine) ; Tunisia (D. Sedillot). 
Reuter. 1891. 

[Tirol : 0. minor Costa : vom Tale bis an die Alpen. St. Jakob 
bei Bozen , 3. Juli ; Joch Grim , August ; Monzoni in Fassa. Das 
(?) Exemplar von hier weicht durch lichte Kniee und hellere Mittel- 
schienen an der zweiten Hälfte ab : Fieber sandte es ohne Bemerkung 
als 0. minor zurück. Die Kniee sind auch bei den 66 von vor- 
erwähnten Standorten rötlichgelb. (Ist laut Wien. Ent. Mon. 1885, 
p. 124, 0. paraUelus Mey. !) — Steiermark: Bei Graz 1 $ (Gatterer); 
auf der Scheibleggerhochalpe am 13. Juli 1 6 und 1 $ (forma 
macroptera). Strobl.] 

Strongylocoris Blanch. (Stiphrosonia Fieb.) 
Leib breit, dick, kräftig, kurz, eiförmig, nur selten länglich, 
oberseits meist ziemlich gewölbt. Kopf senkrecht, kurz, mehr oder 
weniger stark in die Quere gezogen, von vorne gesehen quer fünf- 
eckig, von der Seite gesehen kürzer als hoch. Der Scheitel von 
Grund aus stark abfallend, meist gebogen gerandet, mit seinem 
scharfen, nach rückwärts verlängerten Rande das vordere Pronotum- 
ende überdeckend. Der kaum vorspringende Kopfschild an seinem 
Grunde mit der Stirne zusammenfließend. Die Zügel nicht ab- 
geschieden ; die Wangen hoch und breit. Die kurzen , hinten zu- 
sammengedrückten Augen liegen hinten den vorderen Pronotum- 
winkeln auf, mit ihrem inneren Rande streben sie auseinander. Die 
Fühler sind kurz, leicht behaart, niemals länger als um halbe Körper- 
länge; ihr erstes Glied reicht nicht bis zur Spitze des Kopfschilds; 
ihr zweites Glied ist so lang wie der Scheitel zwischen den Augen 
breit und gegen die Spitze zu allmählich leicht verdickt ; die beiden 
letzten Glieder sind zusammen nur wenig länger als das zweite; 
das vierte Glied ist kürzer als das dritte. Das Pronotum ist mehr 



— 233 - 

oder weniger stark in die Quere gezogen, trapezförmig, meist ziem- 
lich stark quer gewölbt , seine Seiten gerade oder gerundet , sein 
Grund breit abgerundet und den Schildchengrund überdeckend. Die 
punktierten Halbdecken überragen den Hinterleib nur wenig; sie 
sind seitlich gerundet und nur selten (wie bei nigcr d) lang und 
parallel ; der meist kurze und (S niger ausgenommen) stark abfallende 
Keil hat einen tiefen Nahteinschnitt; die Flügelzelle zeigt keinen 
Haken. Die Beine sind ziemlich kurz, Schenkel und Schienen ziem- 
lich kräftig, die Hinterschenkel etwas verdickt, die Schienen stark 
bedornt, die hinteren häufig leicht gekrümmt; an den Tarsen ist 
das erste Glied kaum kürzer als das zweite, das dritte deutlich 
kürzer als letzteres ; die Klauen sind erheblich klein und kurz. Nach 
Redter. — Nach Saunders ist diese Gattung mit ihren kurz ovalen, 
gewölbten, breitköpfigen Arten durch ihre kurzen (kaum länger als 
Kopf, Pronotum und Schildchen zusammen) Fühler, den hinten ab- 
geflachten Kopf (welcher dicht dem vorderen Pronotumrand an- 
gepaßt ist) und ihre kurzen Beine von allen verwandten Gattungen 
wohl unterschieden. 

Von den 8 paläarktischen Arten dieser Gattung kommen nur 3 
in Deutschland vor. PiEUTER gibt (H. G. E. IV, 162) folgende Art- 
Übersicht : 

1. (2.) Beine schwarz oder peclibraun. Vollständig- schwarz oder 

bläulichschwarz. 1. nUjer H.-Sch. 

2. (1.) Beine rot, rostfarben oder blaßgelb. Die Tarsen ganz oder 

nur zum Teil schwarz. 

3. (18.) Leib hoch. Kopf um viel (mindestens um ^/s) schmäler als der 

Pronotumgrnud. Pronotum vorne viel schmäler als an seinem Grunde. 

4. (13.) Leib schwarz. 

5. (10.) Pronotum ziemlich kräftig vertieft punktiert. 
<). (7.) [Leib samt dem Kopf vollständig schwarz. 

leucoceplialns var. slbiricus Reut.] 

7. (6.) Kopf heller gefärbt. 

8. (9.) Von kleinerer Gestalt. Kopf pechfarben oder pechrostbraun. 

Brust bisweilen in der Mitte pechfarben. 

[Leucoceplialns var. stegano'ides J. Sahlb. im nördlichen Europa.] 

9. (8.) Kopf und Brustmitte hellrot. 2. leucocephalus Lin. 

10. (5.) Pronotum weniger stark punktiert. Leib oberseits mit weichen, 

gelblichen Haaren. Schildchen, äußerer Coriuni-Saum und Keil rot. 

11. (12.) [Kopf rot, in seiner Mitte pechfarben. Pronotum weniger 

stark vertieft punktiert, schwarz, mit rotem, seitlichem Saum, 
Der südeuropäische 3. ergthroleptus Costa.] 

12. (11.) [Kopf und Pronotum vollständig roh, letzteres fein und dicht 

runzelig punktiert. Der syrische 4. amah'dis Dougl. Sc] 



— 234 — 

13. (4.) Leib ockergelb, blaßgelb, bläulichgelb oder rostgelb. Pronotmn 

meist beiderseits mit einer hinten abgekürzten Binde. 

14. (15.) [Scliildclien punktiert, nach Costa (Reutee selbst nicht bekannt). 

Der italienische 6. mgrltarsus Costa.] 

15. (14.) Schildchen quer gefurcht. 

16. (17.) Von kleinerer Figur und weniger stark gewölbt. Pronotum 

ziemlich dicht und ziemlich kräftig runzelig punktiert, vorne breiter 
als lang. . 5. htridtis Fall. 

17. (16.) [Von größerer Figur und stärker gewölbt. Pronotum weniger 

dicht und ziemlich fein, am Grunde sogar stark runzelig punktiert, 
vorne schmäler als lang oder höchstens gleich breit. 

Der südeuropäische 7. ohscurus Eamb.] 

18. (3.) [Leib weniger hoch. Kopf breit, kaum schmäler als das Pro- 

notum an seinem Grund, die Stirne quer rostfarben gestreift. 
Pronotum vorne nur wenig schmäler als am Grunde. 

Der mediterranee 8. cicadifrons Costa.] 

107 (500) niger H.-Sch. 

C. nigerriraus subcoeruleo-nitidus, dense et profunde punctatus. 
Herrich-Schäffer. 

Vollständig tiefschwarz mit blauem Glanz (auch 
Schnabel, Fühler und Beine), glänzend, auf der Oberseite mit langem, 
dichtem, graubraunem Flaum besetzt, von Gestalt des leucoceplialns, 
nur wesentlich kleiner und länger, das Männchen länglich und 
parallelseitig , das Weibchen kurz und kräftig. Kopf glatt, beim 6 
um ^/3, beim $ um \/4 schmäler als der Pronotumgrund, die Stirne 
beim 6 vertieft, beim $ gewölbt; der hinten geschweifte Scheitel 
ist vor seinem Rande (beim S tief) erhöht und zeigt queren Ein- 
druck. Die Augen sind beim 6 leicht gestielt. Der Schnabel reicht 
bis zur Spitze der Mittelbrust. Das Pronotum ist ziemlich dicht 
und stark vertieft punktiert, nach vorne zu leicht verschmälert 
und nur wenig geneigt, fast doppelt so breit wie am Grunde lang. 
Die ziemlich kräftig und dicht punktierten Halbdecken über- 
ragen beim S lang den Hinterleib und sind parallelseitig, beim 
Weibchen ragen sie nur wenig über die Hinterleibspitze hinaus und 
sind seitlich gerundet; die dunkelbraune Membran zeigt an der Keil- 
spitze einen hyalinen Fleck. Die Fühler sind gleich unter der Augen- 
spitze eingefügt und mit Flaum besetzt; ihr erstes Glied ist beim 6 
nur wenig länger als der Scheitelrand zwischen den Augen, beim $ 
deutlich kürzer als dieser; die beiden letzten Glieder sind zusammen 
nur wenig länger als das zweite; das vierte Ghed ist etwa um ^3 
kürzer als das dritte und beim Weibchen mit rostfarbener Spitze. 



— 235 — 

Die schwarzen Beine sind bisweilen nur an den Knieen, bisweilen 
ganz pechfarben. Länge: S öVs, $ 3 — 4^/5 mm. Nach Reuter. 

Capsus niyer Herrich-Schäffer, Nomencl. entom. 1835, I, p. 53. 

Capsus nigerrimus Herrich-Schäffer, Wanz. Ins. III, 1835, 
p. 87, flg. 311 (?). 

Sfiphrosoma nigerrima Fieber, Eur. Hern. 1861, p. 392 (Anhang), 
la($). _ 

Stiplirosoma atrocoendcd Fieber, Wien. Entom. Monatschr. YIII, 
186i p. 329 (J). 

? Eurgopicoris Benteri Jakovleff, Hern. Cauc. (in Bull. Soc. 
Nat. Mose. LVI), 1882, 134 forte ! 

Strongglocoris niger et Str. nigerrimus Atkinsox, Cat. of Caps. 
1889, p. 120 et 121 (als 2 verschiedene Arten! H.). 

Strongglocoris niger Reuter, Hem. Gymn. Eur. IV, 1891, p. 27, 1, 
und tab. IV, fig. 6, ?: Fig. 7, S. — Püton, Cat. 4. ed. 1899, p. 67, 1. 

Württemberg. Roser. — (Elsaß-Lothringen) : Remiremont (west- 
liche französische Seite ! H.) ; rare. Reiber-Puton. — Mecklenburg : 
Nur wenige Stücke fing ich bei Markgrafenheide und an den Dünen 
bei Warnemünde im August. Raddatz. 

Im Monat Mai auf Wiesen sehr häufig; bei Regensburg auf 
dem Benderwehr. Herrich-Schäffer. 

In Bayern auf Wiesen (H.-S.); aus Österreich (Schleicher). 
Fieber. 

Str. niger: Hab. S. Europe. — Str. nigerrimus: Hab. Germany, 
France, Italy. Atkinson. 

Hab. in Germania (Mecklenburg, D. Raddatz; Berlin!, ipse ; 
Regensburg, Herrich-Schäffer); Gallia (Remiremont!, Avignon, 
D. Dr. Püton); Hispania (Calalla!, D. Cuni); ItaHa borealis, D. Ferrari; 
Helvetia (Graubünden, D.Dr.KiLLiAs); Austria (Gresten, D. Schleicher); 
Hungaria, D. Dr. Horvath; Caucasus?; Tanger!, D. Dr. Sigxoret. 
Reuter. 1891. 

[Schweiz : Graubünden : Einmal bei Tarasp. (K.) Killias (1877). 
— Niederösterreich : Bei Gresten selten. Schleicher.] 

108 (501) leucocephalus L. 

Cimex leucocephalus ovatus niger, capite pedibusque flavis. 
Linnaeus. 

Kurz eiförmig (anderthalbmal so lang als breit), dick, gewölbt, 
schwarz, glänzend, mit feinem, mehr weniger anliegendem Haarflaum 



— 236 — 

bedeckt (welchen die einen Autoren als „lang graubraun", die anderen 
als „kurz weißlich niederliegend" beschreiben!); der Kopf, der Fühler- 
grund , der Schnabel , die Brustmitte und die Beine (samt Hüften) 
sind rötlich (gelbrot, rostrot) ; die Tarsen (beim S ganz, beim $ nur 
an der Spitze) sind schwarz. Der breite , dreieckige , fast flache 
Kopf ist fast doppelt so breit wie lang, senkrecht nach unten ge- 
richtet und von wechselnder Färbung (rot, pechfarben, schwarz); er 
ist bedeutend schmäler als das Pronotum, so lang als der Scheitel 
zwischen den Augen breit. Der hintere Rand des Scheitels ist 
scharf; die Augen sind klein, aber vortretend. Der rote, in seinem 
letzten Glied pechschwarze Schnabel reicht bis zu den Mittelhüften. 
Das Pronotum ist sehr breit, fast doppelt so breit wie lang, kurz, 
ohne quere Einschnürung, nach allen Seiten gewölbt, mäßig geneigt, 
nach vorne zu ziemlich verschmälert, kräftig vertieft (grob weitläufig) 
punktiert (das vordere Drittel ausgenommen), sein Vorderrand nicht 
abgesetzt, schwarz und mit dichtem, langem, graubraunem Flaum- 
haar besetzt; das ziemlich große, schwarze Schildchen ist noch 
dichter (querfurchig) punktiert als das Pronotum und ebenso mit 
langem, braunem Haarflaum bedeckt. Die Brust ist schwarz, die 
Vorder- und Mittelbrust, die Öffnungen und die Ränder der Pfannen 
sind rot, nur selten (var.) pechschwarz. Die Halbdecken, welche in 
beiden Geschlechtern den Hinterleib etwas überragen , sind etwas 
zarter, aber ziemlich dicht punktiert und tragen gleichfalls langes, 
dichtes, braunes Flaumhaar, das in gewisser Richtung graulich 
schimmert; die Membran ist dunkelbraun (schwärzlich) und zeigt 
am Ende des Keils einen kleinen, hyahnen Fleck. Die schwarzen 
Fühler sind kürzer als der Leib (fast '^/ö Körperlänge), von den 
Augen entfernt eingelenkt, dünn und fein abstehend behaart; ihr 
erstes Glied ist klein , kürzer als der Kopf und rostfarben ; das 
zylindrische zweite Glied ist das längste, so lang als der Zwischen- 
raum zwischen den kleinen Augen breit und gegen die Spitze zu 
kaum verdickt; das dritte Glied ist um V* kürzer als das zweite; 
das vierte kürzer (^/a) als das dritte, etwa ^,'4 so lang wie dieses; 
die beiden letzten Glieder zusammen so lang wie das zweite. Die 
Beine sind kurz, kräftig, gelbrötlich (samt Hüften), die meist hell- 
gelben Schienen mit kurzen, dunkeln Dörnchen besetzt, die Tarsen 
ganz (oder nur an ihrer Spitze) schwarz. Länge 6 $ 4^,5 — 5 mm. 

Die zwei, bei uns bis jetzt noch nicht gefundenen nordischen 
Varietäten beschreibt Reuter (H. G. E. IV, 28) wie folgt: 

Var. ß steganoides J. Sahlberg: Von kleinerer Gestalt, der 



- 237 — 

ganze Kopf sowie die hinteren Hüften pechfarben oder dunkel pech- 
rostrot; die Brust vollständig schwarz oder in der Mitte pechfarben. 
Länge 375—4^2 mm. 

Var. y Sibiriens Reüter: Kopf kohlschwarz, gleich wie der 
ganze Leib. Länge 4—5 mm. Vielleicht „species propria" ! 

Die Nymphe ist nach Reüter (Rev. crit. Caps. 88, 1) dick und 
rostrot. 

Cimex leucocephcdus Linne, Syst. Nat. Ed. X, 1758, 446, 46. — 
Faun. Suec. 1761, 251, 940. — Hoüttüin, Nat. Hist. 1765, I, X, 
357^ 46. _ DE Geer, Mem. 1773, III, 290, 28. — P. Müeller, Linn. 
Nat. 1774, V, 492, 60. — Divigubsky, Faun. Mosq. 1802, 125, 348. 

Cimex decrepitus Fabricius, Ent. Syst. 1794, IV, 125, 178. — 
TuRTON, Gen. Syst. Nat. 1806 (II), p. 651. 

Lygaens leucoeeplialus Fabricius, Ent. Syst. 1794, IV, 175, 140. 
— Syst. Rhyng. 1803, 237, 173. — ? Coquebert, Illustr. Icon. 1801, 
p. 83, tab. XIX, flg. 9 forte! — Wolff, Icon. Cimic. 1801, II, 76, 
73, tab. XIII, fig. 73. — Panzer, Faun. Germ. 1804, 92, 12. — 
Fallen, Mon. Cim. Suec. 1807, 94, 77. 

Miris decrepitus Fabricius, Syst. Rhyng. 1803, 254, 6. — 
Latreille, Hist. Nat. 1804, XII, 228, 33. 

Miris leucocephalus Latreille, Hist. Nat. 1804, XII, 225, 18. 

Phytocoris leucocephcdus Zetterstedt, Faun. Ins. Läpp. 1828, 
495, 23. - Ins. Läpp. 1840, 276, 32. — Fallen, Hern. Suec. 1829, 
111, 67, — Hahn, Wanz. Ins. II, 1834, p. 88, fig. 174. 

Ättiis leucocephalus Bürmeister, Handb. d. Entom. 1835, II, 
p. 276, 1. 

* Cap>sus leucocephalus Herrich- Schäffer, Nomencl. ent. 1835, 
p. 53. — Meyer, Schweiz. Rhynch. 1843, p. 109, No. 100. — 
F. Sahlberg, Mon. Geoc. Fenn. 1848, 117, 59. — Kirschbaum, 
Rhynch. Wiesbad. 1855, p. 17 und 86, sp. 114. — Flor, Rhynch. 
Livlds. 1860, I, p. 558, 51. — Thomson, Op. ent. 1871, 433, 53. 

Leucocephalus Amyot, Ent. fr. Rhynch. 1848, p. 212, No. 253. 

Halticus leucocephalus Snellen v. Vollenhoven, Hem. Neerl. 
1878, 171. 

Stiphrosoma leucocephalus Fieber, Criter. 1859, 24 (ut typus). — 
Eur. Hem. 1861, p. 281, 1. — Douglas and Scott, Brit. Hem. 1865, 
p. 482, 1 und plate 21, fig. 2. — Stal, Hem. Fabr. 1868, I, 88, 1. — 
Reuter, Rev. crit. Caps. 1875, p. 88, 1. — Saunders, Synops. of brit. 
Hem. Het. 1875, p. 288, 1. — Hem. Het.. of the brit. isl. 1892, p. 269. 



— 238 — 

Strongijlocoris leucocephalus Blanchard, Hist. d. Ins. 1840, 
140, 1 (ut typus). — Costa, Cim. Regn. Neap. Cent. 1852, III, 
48, 1. — Bärensprung, Cat. 1860, p. 15. — Reuter, Rev. syn. 1888, 
II, p. 284, No. 257. — Hern. Gymn. Eur. IV, 1891, p. 27, 2 und 
tab. I, fig. 6 (Costa). — Atkinson, Cat. of Caps. 1889, p. 120. — 
PüTON, Cat. 4. ed. 1899, p. 67, 2. 

Die 2 Varietäten sind beschrieben als 1. Stiphr. sfeganoides 
J. Sahlberg, Not. Skpts. p. F. et Fl. Fenn, in Förh. XIV, 1875, 
306. — Reuter, Rev. crit. Caps. 1875, p. 88, 2. — Hern. Gym. Sc. 
et Fenn. 104, 2. — Hem. Gymn. Eur. IV, 1891. p. 28. — 2. Var. / 
Sibiriens Reuter, Hem. Gymn. Eur. IV, 1891, p. 28; erstere lebt im 
(nördlichen) Europa, letztere in Sibirien. 

Bayern : Bei Regensburg gemein : bei Augsburg nicht selten. 
Nach Prof. Hoffmann bei Bamberg; bei Eichstätt. Kittel. — Bei 
Bamberg an grasigen, trockenen Orten. Funk. — Württemberg: 
Roser. — Bei Ulm, 6 und 7, häufig. Hüeber. — Baden: Bei Frei- 
burg, 8 (F.). Meess. — Elsaß-Lothringen: Commun dans toute la 
region ä partir de fin mai, dans les pres. Reiber-Puton. — Nassau: 
d $ Wiesbaden, Mombach; auf Waldblößen, z. B. hinter dem Turn- 
platz, häufig, 5—7, Kirschbaum. — Westfalen: Auf Rasenplätzen 
zerstreut; von mir 6. VII. 1876 bei Münster gesammelt; auch von 
KoLBE bei Münster aufgefunden. Westhoff. — Thüringen : Überall 
nicht selten. Kellner-Breddin. — Von Dr. Schmiedeknecht (Blanken- 
burg) gesammelt. Fokker. — Schleswig-Holstein : Nicht selten auf 
trockenem, sandigem Boden; Niebüll, Husum und Sonderburg. 
Wüstnei. — Mecklenburg : In allen Kiefernwäldern im Grase sehr 
häufig im Juni und Juli. Raddatz. — Schlesien : Im Juni gemein 
an dürren, sandigen Orten, auf trockenen, sonnigen Wiesen, besonders 
auf Galium-Avten; um Breslau . . . Scholz. — In der Ebene und im 
Gebirge auf sonnigen Grasplätzen, besonders auf Galium, im Mai 
und Juni, häufig . . . Die var. nigriceps mit der Stammart unter- 
mischt und manche Jahre häufiger als diese (Luchs). Assmann. — 
Provinz Preussen. Brischke. 

Deutschland, Frankreich und Schweden, auf verschiedenen 
Pflanzen, vorzüglich auf der großen Brennessel (Urtica dioica Lin.^ 
ziemlich gemein. Hahn. 

Auf Wiesen, im Grase, nicht selten. Burmeister. 

Auf Waldblößen im Grase, auch an sandigen Orten, an trockenen, 
sonnigen Wiesen, auf Galinm, durch ganz Europa. Fieber. 



— 239 — 

Hab. in Galio (Meyer-Düer, ipse), Campanula rotundifolia (Duda), 

C. rapunculoide (Montandon) etc. , in toto territorio : Lapponia ; 
Scandinavia ! ; Fennia ! ; Livonia ; Kossia (Moskva, Charcov, Mohilev, 
Kasan , Simbirsk , Chvalynsk , Orenburg , Sarepta , Ural !) ; Dania ! ; 
Germania tota ; Britannia ! ; Batavia ; Gallia ; Helvetia ; Italia ; Austria 
tota; Hungaria; Moldavia; Graecia!; Asia minor!; Caucasus; Algeria. 
Var. steganoides praecipne in alpibus et in parte boreali territorii 
inventa : Lapponia rossica (Kantalaks !, D. J. Sahlberg, Kasch- 
karantsa!, D. Levander); Suecia in Galio (Holmiae, ipse); Dania!, 

D. Schlick; Anglia!, D. Dr. Puton; Germania (Breslau!, D. Hahn); 
Tirolia!, D. Gredler; Austria inferior (Lenz in Galio, D. P. Low). 
Var. sibirkus in Sibiria (Sujetuk!, Osnatjennaja! , D. Hammarström, 
plura specimina). Reuter. 1891. 

[Schweiz: In Berggegenden, besonders an Steinhalden und 
dürren Abhängen der mittleren und nordöstlichen Schweiz, im Juni auf 
Gallum-kxiQxi^ doch nirgends gemein. Meyer. (1843.) — Desgleichen; 
6 — 8 stellenweise sehr häufig . . . Frey-Gessner (1866). — Grau- 
bünden : Gerne unter Steinen . . . ünterengadin häufig , öfters in 
den Blumenglocken der Campanula Irachelium. Killias. (1877.) — 
Tirol : Auf Waldblößen im Grase, während der Sommermonate. Vils 
(Lob), auch eine Varietät mit schwarzbraunem Kopfe (auch bei Telfs 
und im Innerfeldtale), ohne im übrigen mit S. mgerrima H.-S. über- 
einzustimmen ; Seefeld, auf Torfwiesen, Mitte Juli . . . Ulten, auf 
Erlen im Juli; Mariaberg, Ende Juli, mit pechbraunen Halbdecken. 
Gredler. — Steiermark: Trockene Wiesen, Waldschläge; Maria-Trost, 
Geyerkogel. Eberstaller. — Graz, zwei Exemplare, Gatterer; Hof- 
wiese bei Admont, Alpenwiesen . . ,. nicht selten; form, alpina m. 
Kopf braun, Wurzel der Schenkel verdunkelt; auf Alpenwiesen des 
Pyrgas am 19. August zwei Exemplare; eine ähnhche Varietät wird 
schon von Greller in zool.-bot. Ges. 1870, p. 96 aus Tirol erwähnt. 
Strobl. — Niederösterreich: Bei Gresten aufwiesen, selten. Schleicher. 
— Böhmen : Auf Feldrainen , Dämmen und anderen unbebauten 
Plätzen, besonders auf Galium überall gemein ; bei Neuhaus (6) auf 
Campamila rotundifolia zahlreich, mit Nymphen von verschiedenem 
Alter; einmal auch von Lärchenbäumen einige Exemplare abgeklopft. 
Duda. — Zlichow, an Bahndämmen zwischen Gras, 9. Juni; Neu- 
hätten, an Galium, im August ; Breitenbach, auf Wiesen gekötschert, 
nicht selten, 8. Juli, 3. August. Nickerl. — Mähren: Lebt auf 
Galmm-kxien ; bekannt im Gebiete aus der Umgebung von Brunn . . . 
Spitzner. — Livland : Auf trockenen Bergwiesen nicht selten, 6 und 7 . . . 



— 240 — 

Flor. — Frankreich : Dep. de la Moselle : Rozerieulles ; assez rare. 
Bellevoye. — Dep. du Nord : Rare, environs de Lille (de Norgnet). 
Lethierry. — Assez commun partout, sur les plantes, notamment 
sur Tortie. 6. Amyot. — England: An abundant species at Scar- 
borough, amongst the short grass on the tops of the cliffs; also on 
the flowers of Vicia cracca in July . . . Douglas and Scott. — ... 
Saunders.] 

Strongyhcoris erythroleptus Costa (Cim. Reg. Neap. Cent. 1852, 
III, p. 274, 2, tab. II, fig. 11. — Reuter, Hera. Gymn. Eur. IV, 
1891, p. 29, 3, tab. IV, fig. 9. — Püton, Cat. 1899, p. 68, 3), eine 
südeuropäische Art. kommt, nach Dr. Hensch, auch in lllyrien vor. 
Der Kopf ist rot, in seiner Mitte schwarz ; das schwarze Pronotum 
hat roten Rand ; das Schildchen ist ganz rot, ebenso der Seitenrand 
des Corium nebst Keil usw. 

109 (502) luridus Fall. 

P. luridus testaceus subnitidus : punctis duobus thoracis brunneis, 
abdomine supra fusco ; pedibus immaculatis. Fallen. 

Ockergelb, fahlgelb, lehmgelb, bräunlichgelb, rötlichgelb oder 
rostfarben, nur schwach glänzend, mit dichtem, feinem, gelbhchem, 
abstehendem Haarflaum bedeckt, eiförmig, im allgemeinen dem 
leucocephalus an Figur usw. ähnlich, nur etwas gestreckter, matter, 
mehr behaarter und weniger stark, jedoch feiner und dichter punktiert. 
Der glatte Kopf ist sehr breit, flach, stark abschüssig (fast vertikal), 
etwa Vs kürzer als der Pronotumgrund (von oben gesehen) bezw. 
wenig länger als zwischen den Augen breit ; die Augen klein und 
schwarz; Scheitel mit scharfem Hinterrand und einem pechfarbenen 
Punkt in seiner Mitte ; der Kopfschild braun. Schnabel gelbbraun 
mit schwarzer Spitze, etwas über die mittleren Hüften hinaus reichend. 
Fühler kaum von V^ Körperlänge, fein behaart, schwarz, die Spitze 
des ersten Glieds und die Mitte des zweiten gelblich; erstes Glied 
viel kürzer als der Kopf, zweites Glied wenig kürzer als drittes und 
viertes, viertes Glied etwas kürzer als drittes. Pronotum gewölbt, 
ziemlich stark geneigt, nach vorne zu mäßig verschmälert, Vorder- 
rand nicht abgeschnürt, keine Vertiefung in der Mitte, mehr als 
doppelt so breit wie lang, dicht und runzelig punktiert, mit zwei 
kleinen braunen Flecken. Schiklchen quergestrichelt, hellgelblich 
mit rostfarbenem Fleck in der Mitte, seine abgesetzte Basis ganz 
unter dem Hinterrand des Pronotum verborgen. Hinterleib oben 



— 241 — 

dunkelbraun, unten lehmgelb. Halbdecken fein und dicht punktiert, 
den Hinterleib nur wenig überragend, mit einem verwischten dunklen 
Längsstreifen gegen die Spitze des Corium zu; Keil heller als das 
Corium ; Membran (und Flügel) dunkelgrau mit weißgelblichen Adern. 
Beine hellrostfarben, ungefleckt, Schienen mit kleinen schwarzen 
Dornen, letztes Tarsalglied schwarz. Länge: 3 — 4 mm. 

(Lygaeus luridus Fallen. Mon. Cim. Suec. 1807, 94, 78.) 

PJiytocoris luridus Fallen, Hem. Suec. 1829, 112, 69. 

Capsus luridus Herrich-Schäffer, Wanz. Ins. HI, 1835, p. 87, 
fig. 312. — Flor, Rhynch. Livlds. 1860, I, p. 559, 52. — Thomson, 
Opusc. entom. IV, 433, 54. 

Stiphrosoma lurida Fieber, Eur. Hem. 1861, p. 281, 2. — 
Douglas and Scott, Entom. Month. Mag. IV, p. 268. — Reuter, 
Rev. crit. Caps. 1875, p. 89, 3. — Hem. Gymn. Sc. et Fenn. 105, 3. 

— Saünders, Synops. of brit. Hem. Het. 1875, p. 288, 2. 

Stronyylocoris luridus Atkinson, Cat. of Caps. 1889, p. 120. 

— Reuter, Hem. Gymn. Eur. IV, 1891, p. 30, 5 und tab. V, fig. 1. 

— Saunders, Hem. Het. of the brit. isL 1892, p. 269 und pl. 25, 
fig. 1. — PüTON, Cat. 4. ed. 1899, p. 68, 5. 

Bayern : Bei Regensburg nicht selten. Kittel. — Bei Bamberg 
an grasigen trockenen Orten. Funk. — Elsaß-Lothringen : Vosges : 
Remiremont, Gerbamont, Soultzbach, Heiligenstein, 6 — 7; rare. Reiber- 
Püton. — Schleswig-Holstein : Seltener als S. leucocephalus , bei 
Husum und auf Sylt im Juli beobachtet. Wüstnei. — Nordseeinsel 
Borkum : Auch von dieser überhaupt sehr seltenen Art fand ich nur 
zwei Stück. Schneider. - — Mecklenburg: Am Ende Juni und im 
Juli in Kieferwäldern, namentlich am Heidekraut, aber nicht häufig 
(Barnstorfer Tannen, Rostocker Heide). Raddatz. — Schlesien: Wie 
leucocephalus L. und mit ihm, doch seltener; um Breslau . . . Scholz. 

— An denselben Orten wo leucocephalus^ und zu gleicher Zeit, doch 
auch noch im Juli, aber selten. Assmann. 

Auf Feldrainen, an grasigen Hügeln auf Galiuni, in Schweden, 
Deutschland, der Schweiz, Frankreich. Fieber. 

Hab. Nearly all Europe. Atkinson. 

Hab. in Gallo , Jasione montana (Dudaj , Calluna (Flor) etc. : 
Suecia meridionalis (Scania!); Dania!, Livonia; Anglia; Batavia; 
Belgium ; Gallia ! , Pyrenaei ; Lotharingia, Silesia, Bavaria, Saxonia ; 
Bohemia; Helvetia; Italia borealis et media; Corsica ! ; Sicilia!; 
Halicia; Caucasus. Reuter. 1891. 

Jahreshefto d. Vereins f. vaterl. Naturkunde in Württ. 190C. 16 



— 242 — 

[Schweiz: Sehr selten, SchafFhausen (Seiler), Pleerwald bei 
Burgdorf im Juli, bei Visp im Wallis (M.). Frey-Gessner (1866). — 
Böhmen : Wie leucocephalus, an sonnigen Waldrändern und Anhöhen, 
ziemlich selten; Sobieslau (7), auf Jasione montana; auch bei Eger: 
Königswart, 7. (D. T.) Duda. — Livland : Selten, auf Haidekraut- 
flächen, im Juni und Juli. Flor. — England: On Jasione, rare... 
Saünders. 1892.] 

Haiti CHS Hahn\ 
{Ästema Amyot. — Haltkocoris Douglas. — Eurycephala Brülle.) 
Klein, kurz, breit, gewölbt, die brachyptere Form kurz eirund. 
Der Kopf senkrecht gestellt (bei lideicollis nur stark geneigt), von 
vorne gesehen dreieckig, von der Seite gesehen ungefähr ums 
Doppelte kürzer als hoch, nur selten (bei pimdicollis) in die Quere 
gezogen. Der Scheitel mit seinem scharfen gebogenen Rand das 
vordere Pronotumende überdeckend ; vor diesem Rande eine quere 
Vertiefung. Der Kopfschild steht senkrecht, ist an seinem Grunde 
von der Stirne durch einen mehr oder weniger tiefen Eindruck ge- 
schieden , ragt meist nur wenig (selten stark , wie bei puncticollis) 
hervor und liegt mit seinem Grunde ziemlich weit unterhalb einer 
zwischen den Fühlerwurzeln gezogenen Linie. Die Zügel sind ge- 
kielt und seitlich zusammengepreßt. Die Wangen sind höher als 
die Augen. Die kurzen glatten Augen selbst liegen auf den Ecken 
des Pronotum, sind (von der Seite gesehen) länghch viereckig, gegen 
die Spitze zu verschmälert und überragen nicht das Grund-Drittel 
der Kopfseiten. Der Schnabel geht nicht über die Mittelhüften 
hinaus; er ist kurz, dick, am Grunde des dritten Ghedes gekniet, 
seine beiden letzten GHeder sind zusammen nur wenig länger als 
das zweite. Die Fühler sind erheblich lang, sehr fein und zart, am 
vorderen Augenende innseits eingefügt ; ihr erstes Glied reicht nicht 
bis zur Mitte des Kopfschildes, die beiden letzten Glieder sind zu- 
sammen länger als das zweite, das vierte Glied ist länger als das 
dritte. Das Pronotum ist in die Quere gezogen und mehr oder 
weniger quer gewölbt, seine Seiten sind gerade und stumpf, sein 
Grund ist abgestutzt oder in der Mitte gebuchtet, bei der makropteren 
Form seitlich breit gerundet, seine Fläche bei der makropteren Form 
nach vorne zu leicht abfallend (und bisweilen vor dem Grundrande 
quer vertieft), bei der brachypteren Form fast horizontal. Grund 



^ Les insectes de ce genre, ainsi que leur nom rindique. sont doues de la 
faculte de sauter. Lethierry. 1869. 



— 243 — 

des Schildchens verdeckt, der Xyphus der Vorderbrust ist dreieckig, 
gerandet; die Mittelbrust kurz und hinten gewölbt. An den Halb- 
decken sind die Coriumseiten ziemlich gerundet, der Keil (bei der 
makropteren Form) stark abfallend, kurz, nicht länger als am Grunde 
breit, der Nahteinschnitt tief; häufig sind die Decken verkürzt, naht- 
los, fast ganz lederartig , nur bis zur Hinterleibsmitte reichend und 
an ihrem Ende, gegen die Naht zu, schief gerundet; die Flügelzelle 
besitzt keinen Haken. An den Beinen stehen die Hinterhüften weit 
von den Epipleuren ab, die heiteren Schenkel sind stark verdickt 
und am oberen Rande stark gebogen, die Schienen mit kleinen 
Dörnchen besetzt; das erste Tarsalglied ist kurz, das zweite nur 
wenig länger als das dritte. Nach Reuter. 

Von den zehn paläarktischen Arten der Gattung Halticus 
kommen vier in Deutschland vor. Reuter gibt über sieben derselben 
[ausschließlich des syrischen , von ihm erst drei Jahre später be- 
schriebenen rugosus, des 1898 von Horvath beschriebenen asperulus 
(Caucasus , Syrien) und des ihm unbekannten, 1877 von Jakovleff 
(russisch) beschriebenen conslmilis (aus dem nördlichen Persien) 
folgenden Conspectus specierum (IV, 161): 

1. (12.) Kopfschikl seitlich gesehen vorne nicht oder kaum breiter als 

in der Mitte. Oberlippe von der Seite gesehen schmal. 

2. (11.) Kopf schwarz, nur äußerst seilen — (bei var. ß von H. 

macroceplialus) — schmutziggel blich. 

3. (10.) Pronotum ohne große tiefe Punkte, bisweilen zwischen den 

Furchen spärlich und fein punktiert. 
■4. (9.) Kopf von vorne gesehen gleichseitig oder ungefähr gleichseitig 
dreieckig. 

5. (6.) Pronotum in der Quere ziemlich lang und ziemlich weit fein- 

nadelrissig. Kopf beiderseits mit einem dunkelgelben kleinen Fleck 
am inneren Augenrande. Schenkel schwarz, an ihrer Spitze (die 
vorderen zu -/s) gelbrot. Pterygodimorph. 1. apterm Lin. 

6. (5.) Pronotum ziemlich dicht quergefurcht und nur ganz fein und 

kleinpunktiert. Kopf vollständig schwarz. Stets geflügelt. 

7. (8.) Von größerer Figur; Schenkel schwarz, nur an ihrer Spitze 

schmal gelblich ; das zweite Fählerglied ist etwa um Ws kürzer 
als der Grundrand des Pronotum. 2. pusillus H.-S. 

8. (7.) [Von kleinerer Figur; Schenkel gelbrot, ungefähr im Grund- 

Drittel ungleichmäßig pechfarben ; zweites Fühlerglied so lang als 
das Pronotum au seinem Grunde breit. 

Der illyrische 4. Henschii Reut.] 

9. (4.) [Kopf von vorne gesehen deutlich länger als samt den Augen 

breit, beiderseits mit kleinem rotgelben Fleck am Auge. Beine 
gelbrot, nur die Hinterschenkel (die äußerste Spitze ausgenommen) 

16* 



— 244 — 

schwarz. Pronotum zienilicli lang und ziemlich stark quer- 
nadelrissig. Pter3'godiraorph. 

Der südeuropäische 3. macrocepltalus Fieb.] 

10. (3.) [Pronotum rechtwinklig, mit großen, tiefen, ziemlich abstehenden 

Punkten besetzt. Kopf in die Quere gezogen. Schenkel gelbrot, 
die hinteren mit schwarzbraunem Fleck auf ihrer Unterseite. 
Der in Griechenland und lUyrien lebende 5. pnndicollis Fieb] 

11. (2.) Kopf rotbräunlich, ausgezogen, nur wenig länger als samt den 

Augen breit, während der Scheitelrand, der Kopfschild, die Wangen 
und manchmal auch die Stirnmitte pechfarben sind. Kopfschild 
ziemlich vorspringend, leicht gebogen. Pterygodimorph. 

6. saUator Geoffk., Rossi. 

12. (1.) Kopf stark in die Länge gezogen. Kopfschild von der Seite 

gesehen länglich-dreieckig. Oberlippe von der Seite gesehen halb- 
mondförmig. 

13. (14.) Kopf und Pronotum gelbrot, an ersterem der hintere Rand, 

an letzterem der Grundsaum schwarz. Nur die hinteren Schenkel 
an ihrem Grunde schwarz. 7. hiteicoUis Panz. 

14. (13.) Pronotum vollständig schwarz. Alle Schenkel am Grunde breit 

schwarz. hiteicoMs var. propinqims H.-S. 

110 (503) apterus Lin. 

Cicada aptera, aptera atra, elytris abbreviatis, tibiis antennisque 
pallidis. LiNNAEUS. 

Schwarz, glänzend (die Decken etwas weniger als die übrigen 
Körperteile, weil spärlich mit feinem hellen Haarflaum besetzt, den 
Flor als kurz, Reuter als lang bezeichnet !), oberseits grob punktiert, 
während hellgelbrötlich sind: die Fühler, das zweite und dritte 
Schnabelglied, die Schenkelspitzen (die vorderen zu ^/s), die Schienen 
und die beiden Grundglieder der Tarsen (das dritte Fühlerglied ist 
an seiner Spitze schwarzbraun, das vierte ganz). Die Unentwickelten 
sind kurz, gedrungen, eiförmig, hinter der Mitte breit, einer Haltica 
ähnlich, ihre Decken sind kürzer als der Hinterleib, der Clavus ist 
manchmal nicht deutlich. Cuneus und Membran fehlen. Kopf groß, 
wenig gewölbt, fast senkrecht, fast gleichseitig dreieckig, fast so 
breit als^ das vordere Ende des Rückenschildes , nur wenig länger 
als samt den Augen breit, zwischen den Augen (in beiden Ge- 
schlechtern) 2^'2mal so breit wie der Augenquerdurchmesser ; auf 
der Stirne, am inneren Augenrand , beiderseits ein kleiner gelbroter 
Fleck; Hinterrand des Scheitels scharfkantig; Kopfschild von der 
Seite gesehen nur wenig vorspringend, nach vorne gleichbreit; die 
schwarzen , großen , auswärts stehenden Augen nehmen , von vorne 
gesehen, etwa ^/s der Kopfseiten ein; die bleichgelbe, schwarz- 



— 245 — 

gespitzte Schnabelscheide reicht bis zu den Mittelhüften ; die Ober- 
lippe ist schmal. Die hellgelben (gelbroten) Fühler sind dünn, 
fadenförmig, etwas länger als der Körper; Glied 1 ist etwas verdickt, 
kürzer als der Kopf; Glied 2 etwa 5mal länger als 1, viel kürzer 
als 3+4, bei der makropteren Form so lang wie das Pronotum 
am Grunde breit, bei der brachypteren Form noch etwas länger; 
Glied 4 deutlich länger als 3 und etwas länger als 2. Das Pronotum 
(Vorderrücken) ist am Vorderrande nicht abgeschnürt, trapezförmig, 
breiter als lang, mit geraden Seiten, zugespitzten Ecken, schwarz, 
glänzend , fein quernadelrissig : bei der makropteren Form ist es 
nach vorne zu stark verschmälert, schwach gewölbt, mäßig geneigt, 
an seinem Grunde um die Hälfte breiter als lang; bei der brachypteren 
Form ist es vorne nur wenig schmäler als am Grunde, eben, wage- 
recht, mindestens um die Hälfte breiter als lang, an seinen Hinter- 
ecken kaum so breit wie der Kopf samt Augen und weitschichtig 
nadelrissig. Der abgesetzte Grund des Schildchens ist unter dem 
Pronotum-Hinterrand versteckt. Der Hinterleib ist oben wie unten 
schwarz, glänzend. Die Halbdecken sind (wenn entwickelt), den 
Hinterleib ganz bedeckend, ziemlich glatt, schwarz, mit weitschichtigem, 
langem, grauem Flaum besetzt, fast doppelt so breit wie das Prono- 
tum, die Membran dunkel schwarzbraun, die hellen Zellrippen braun 
gesäumt; oder sie sind (sehr häufig) verkürzt, nur bis zur Hinter- 
leibsmitte reichend, gewölbt, seitlich in der Mitte bauchig, schief 
gerundet, schwarz, glänzend, lederartig, mit seichten Narben besät, 
Clavus und Cuneus nicht vom Corium geschieden, Membran fehlend, 
Flügel rudimentär. An den schwarzen Beinen sind die Hüften gleich- 
falls schwarz, die Spitzen der Schenkel, die Schienen und die Tarsen 
(mit Ausnahme des letzten, ganz oder nur an seiner Spitze schwarzen 
Gliedes) hellgelb ; alle Schienen fein gelbhch gedornt ; die Hinterbeine 
sind verlängert; die Hinterschenkel verdickt, die Schienen hier länger 
als an den übrigen Beinen: Sprungbeine. Länge: form, brach. 2 — 2^2, 
form. macr. 2*/5 — 3^/5 mm. 

Dieser Art sehr ähnlich ist H. pusillus H.-Sch. , nur sind da 
Kopf, Schildchen und Halbdecken stärker, fast runzelig, punktiert, 
das Pronotum in der Quere zart nadelrissig, der ganze Leib etwas 
schmäler, die Fühler kürzer als der Leib und an ihren letzten 
Gliedern meist dunkel (Reuter). Von luteicollis Panz. unterscheidet 
sich apterus L. dadurch, daß er nach hinten zu weniger verbreitert, 
sein Pronotum mehr viereckig und dessen Vorderrand etwas kürzer 
als sein Grund ist (Saunders). 



— 246 — 

Die Nymphe ist — (nach Reuter, Rev. crit. Caps. p. 91) — 
schwarz glänzend, glatt, Pronotum und Kopf spärlich schwarz behaart, 
Fühler und Beine gelb , die Hinterschenkel (mit Ausnahme ihrer 
Spitze), die hinteren Schienen vom Grund bis über die Mitte hinaus 
und die Spitze aller Tarsen (Faßglieder) schwarz. 

Cicada aptera Linne, Faun. Suec. 1761. 242, 894. 

Acanthia pallicornis Fabricius, Entom. Syst. 1794, IV, 69, 5. 

— WoLFF, Icon. Cimic. 1804, 128, 122, tab. 13, fig. 122. 

Salda pcdlicornis Fabriciüs, Syst. Rhyng. 1803, 115, 6. 
Lygaens paUicornis Fallen, Mon. Cim. Suec. 1807, 95, 80. 
Fhytocoris pallicornis Fallen, Hem. Suec. 1829, 113, 70. 
Halticus pallicornis Hahn, Wanz. Ins. I, 1831, p. 114, fig. 61. 

— BüRMEiSTER, Handbuch d. Entom. 1835, II, p. 278, 2. — Fieber, 
Criter. 1859, 24. — Eur. Hem. 1861, p. 282, 3. — Puton, Cat. 1869, 
p. 25, 4. 

Capstts pallidicornis Herrich-Schäffer, Nom. ent. 1835, p. 53. 

— Flor, Rhynch. Livlds. 1860, I, p. 583, 67. 

Eurycephala aptera Brülle, Hist. d. Ins. 1835, p. 410, 
tab. 33, fig. 6. 

Eurycephala pallicornis Spinola, Ess. 1837, p. 191. — Blanchard, 
Hist. d. Ins. 1840, 140, 1. — Kolenati, Mel. ent. 1845, H, 130, 118, 

Capsus pallicornis Meyer, Schweiz. Rhynch. 1843, p. 110, 
No. 103. — F. Sahlberg, Mon. Geoc. Fenn. 1848, 118, 62. — 
Herrich-Schäffer, Wanz. Ins. IX, 1853, Ind. p. 38. — Kirschbaum, 
Rhynch. Wiesbd. 1855, p. 20, 102, 120, sp. 151. 

Astemma apterum Amyot et Serville, Hyst. d. Hem. 1843, 284, 1. 

Ästemma Amyot, Ent. fr. Rhynch. 1848, p. 221, No. 268. 

Capsus aptertis Thomson, Opusc. entom. IV, 1871, 441, 30. 

Halticus pallidicornis Fieber. Wien. Entom. Monatschr. VlII, 
1864, p. 221. 

,Halticornis paUicornis Douglas et Scott, Brit. Hem. 1865, 
p. 479, 1. 

Halticus apterus Costa, Cim. Reg. Neap. Cent. 1852, HI, 53, 2, 

— Reuter. Rev. crit. Caps. 1875, p. 90, 1. — Hem. Gymn. Sc. et 
Fenn. 106, 1. — Revis. synon. 1888, H. p. 286, No. 259. — Hem. 
Gymn. Eur. IV, 1891, p. 18, 1 und tab. I, fig. 5. — Saunders, Syn. 
of brit. Hem. Het. 1875, p. 287, 2. — Hem. Het..of the brit. isl. 
1892. p. 268. — Atkinson, Cat. of Caps. 1889, p. 118. — Puton, 
Cat. 4. ed. 1899, p. 68, 1. 



— 247 — 

Bayern: Überall gemein; nach Prof. Hoffmann bei Bamberg; 
bei Freising; daselbst auch var. hucocephalus Fieb. Kittel. — Bei 
Bamberg häufig an trockenen Rainen. Funk. — Württemberg: Roser. 

— Bei Ulm, 7 — 9, häufig. Hüeber. — Baden : Bei Freiburg, Istein, 
8. (F.) Meess. — Elsaß-Lothringen: Bois et jardins; commun partout. 
Reiber-Puton. — Nassau : 6 $, auf trockenen Grasplätzen und Wald- 
blößen bei Mombach häufig. Ich fand unter einer sehr großen 
Menge von Exemplaren kein einziges mit Membran und Flügeln. 
C. areiiarms Hahn , der mit im vorkommt , scheint für das 6 mit 
entwickelten Flugorganen angesehen worden zu sein ; 7—8. Kirschbäum. 

— Westfalen: Auf Grasplätzen, an Wegen, auf Heiden und an Wald- 
rändern überall im Sommer von JuH bis September, besonders an 
dürren sandigen Orten häufig; bei Münster vielerorts gekätschert ; 
Elberfeld (Cornelius). Westhoff. — Thüringen : Überall häufig. 
Kellner-Breddin. — Von Dr. Schmiedeknecht (Blankenburg) gesammelt. 
FoKKER. — Schleswig-Holstein : Auf Sandboden nicht selten. Wüstnei. 

— Mecklenburg : Hier und da auf lichten Waldstellen im August, 
namentlich bei Klösterbeck; ich fing auch ein Weibchen mit voll- 
ständigen Flugorganen. Raddatz. — Schlesien : Wie Sthenarus 
modestus Mey., doch weniger häufig; um Breslau ... 6, 7. Scholz. 

— Bisher nur um Breslau an grasigen Orten . im Juni und Juli, 
einzeln gefunden . . . Assmänn. — Provinz Preußen : Brischke. 

Hab. in Europae graminosis. Mens. Jul. Wolff. 

Allenthalben in Europa auf der Erde im Grase. Die geflügelten 
Arten sind ziemlich selten. Hahn. 

Überall gemein im Grase ; ändert ab mit rotbraunem Kopfe. 
Burmeister. 

Gemein an Feldrainen unter Pflanzen, an sonnigen Orten u. a. 
in ganz Europa verbreitet. Fieber. 

Hab. per fere totum territorium in Gallo , Vicia , Ononi, 
Spartio etc.: Fennia! usque in Ostrobotnia, Suecia media! et meri- 
dionalis!; Norvegia meridionalis; Britannia ; Dania; Livonia ; Germania 
tota: Batavia!; Belgium ; Gallia! ; Hispania; Helvetia; Tiroha ; Italia; 
Illyria; Austria ! , Bohemia, Styria, Hungaria!, Galicia; Moldavia, 
Serbia, Dobroudja; Graecia, Corfu!; Rossia (Moskva, Charkov, Kasan, 
Chvalynsk, Mohilev, Tauria, Sarepta, Orenburg); Caucasus; Turkestan 
(Schagimardan ! Kokansk , Kasumkent) : Sibiria (Krasnojarsk, Abak- 
savska!, Osnatjennaja! , Tobolsk! Iikutsk!): America borealis. 
Reuter. 1891. 

[Schweiz : Im Juni und Juli auf allen Wiesen und lichten 



— , 248 — 

Waldplätzen der Schweiz in überschwenglicher Menge ; der Mann ist 
seltener. Die von Bürmeister angeführte rotköpfige Varietät ist mit 
C. propinquus H.-Sch. nicht zu verwechseln. Meyer. — Desgleichen ; 
vom Juni bis im September, vom Thal bis über 5000' s. M. in den 
Alpengegenden. Frey-Gessner. — Graubünden : Nicht selten. Killias. 

— Tirol: Auf Gräsern aller (in Nordtirol) Wiesen und Waldblößen; 
um Vils, Silz und Telfs bis an die obere Holzgrenze . . . Sigmunds- 
kron , im September noch ; Ulten. Credler. — Steiermark : Unter 
Pflanzen an trockenen , sandigen Plätzen ; Fischerau. Eberstaller. 

— Von Krummholzwiesen bei Admont und Hohentauern bis Stein- 
brück hinab; $ häufig, S selten. Strobl. — Niederösterreich: Bei 
Gresten häufig auf Wiesen. Schleicher. — ■ Böhmen : Überall gemein, 
an denselben Orten wie luteicollis Panz. , besonders auf Galmm, 
Spartkim, Ononls u. a. (7, 8). Düda. — Prag, Kaiserinsel bei Troja, 
auf Achillea mülefolium und verschiedenen ümbelliferen, häufig, Sep- 
tember . . . NiCKERL. — Mähren : An grasigen Lehnen, an trockenen 
Waldrändern auf verschiedenen Papilionaceen häufig. Spitzner. — 
Livland: Häufig auf schattigen trockenen Waldwiesen und gras- 
reichen Anhöhen , 7 , 8 . . . Die geflügelte Form ist etwas weniger 
häufig als die ungeflügelte und kommt unter den S häufig^* vor als 
bei den $. Flor. — Frankreich : Dep. de la Moselle : Plappeville, 
Bellevoye. — Dep. du Nord : Commun, sur les herbes, en juillet et 
aoüt, dans les marais d'Emmerin. Lethierry. — Commun dans 
toute la France , sur les graminees et les ombelliferes. Amyot. — 
II a cause beaucoup de degats aux pois et surtout aux haricots en 
perforant les feuilles. Lucas (Ann. Soc. ent. Fr. 1854 , p. 31). — 
England: Not a common species. It has occurred at Headly Lane, 
by sweeping, and at Darenth, amongst Centaurea, in August. — 
We have not met with the developed form of the insect, which, 
aecording to Fieber, has the membrane smoke-brown, with clear 
cellnerves margined with brown. Douglas and Scott. 1865. — Das 
gleiche, mit Anführung einer großen Zahl englischer Fundorte. 
Saunders. 1892.] 

111 (504) pusillus H.-ScH. 
Schwarz, (leicht metallisch) glänzend, auf den Halbdecken ziem- 
lich langer, zarter, spärlicher, heller Haarflaum ; gelblichrot sind : die 
Fühler, die mittleren Schnab^lglieder, alle Schenkel .(schmal) an der 
Spitze, die Schienen und das zweite Tarsenglied. Der vollständig 
schwarze Kopf ist gleichseitig dreieckig, fast V* schmaler als der 



— 249 — 

Pronotura-Grund , so lang wie breit; die Stirne ziemlich gewölbt; 
der Kopfschild (von der Seite gesehen) etwas vorspringend, vorne 
nicht breiter als in der Mitte ; die Lippe schmal ; der gelbe , an 
Grund und Spitze schwarze Schnabel die mittleren Hüften nicht 
überragend. Die in der unteren Hälfte gelblichen, nach oben schwarz- 
braunen Fühler haben Körperlänge ; das zweite Ghed ist etwa Vs 
kürzer als der Grundrand des Pronotum oder 3V2mal länger als das 
erste oder um Vs kürzer als der seitliche Coriumrand; die beiden 
letzten Glieder (und häufig auch das zweite an seiner Spitze) sind 
bräunlichgrau; das dritte Glied ist kürzer als das vierte. Das 
schwarze, trapezförmige Pronotum hat gerade Seiten, ist vorne nicht 
breiter als lang, am Grunde etwa um V4 schmäler, nach hinten 
gewölbt, gegen den Grundrand zu abfallend, hat vorne (in der Mitte) 
vier im Bogen gelegene Punkte und ist ziemlich dicht querrunzelig 
und dabei fein punktiert. Die schwarzen, verschwommen punktierten 
und mit ziemlich langem grauen Flaum besetzten Halbdecken sind 
fast doppelt so breit wie das Pronotum vorne; die Membran ist 
dunkelbraun. An den gelbrötlichen Beinen sind die Schenkel schwarz 
mit schmaler gelber Spitze (die bei den hinteren breiter als bei den 
vorderen ist), die hinteren Schienen sind mit ziemlich kurzen dunkel- 
braunen Dörnchen besetzt, das erste Tarsenglied ist dunkelbraun, 
das dritte, samt den Klauen, schwarz. Länge 2^/5 — S^ls mm. 

Diese Art ist dem //. aptenis L. ähnlich, nur kleiner, immer 
makropter, ihr Kopf vollständig schwarz (also Fehlen der rotbraunen 
Flecke am inneren Augenrand!), die Fühler kürzer und ihre letzten 
Glieder vollständig schwarz , die hinteren Schienen mit ziemlich 
kurzen, kleinen, schwarzbraunen Dörnchen besetzt, das erste Tarsen- 
glied schwarzbraun, die Schenkel an der Spitze weit schmaler gelbhch, 
das Pronotum weniger in die Quere gezogen, viel dichter, stärker, 
unregelmäßiger quer gerunzelt und überdies noch fein punktiert. 
Nach Reuter. 

Capsus pusülus Herrich-Schäffer, Nomencl. entom. 1835, p. 53. 

Attus arenarius Hahn, Wanz. Lis. HI, 1835 (p. 34), fig. 255. 

Capsus arenarius Kirschbaum, Rhynch. Wiesbad. 1855, p. 19» 
101 und 120, sp. 148. 

Haltkus intricotus Fieber, Wien. Ent. Mon. 1864, VHI, p. 220. 

Halücus pusülus Reuter, Medd. Soc. F. Fl. Fenn. V, 170, 72. 
— Hem Gymn. Eur. IV, 1891, p. 19, 2 und tab. V, fig. 4. — 
Atkinson, Cat. of Caps. 1889, p. 119. — Püton, Cat. 4. ed. 1899, 
p. 68, 2. 



— 250 — 

Baden: Bei Durlach, 7 (H.); bei Neureuth, 9 (F.) Meess. — 
Elsaß-Lothringen: Alsace ; Metz; rare. Reiber-Puton. — Nassau: 
d^ $ ; Wiesbaden; Mombach; auf trockenen Grasplätzen z. B. an der 
Hasenhecke rechts vom Dotzheimer Weg und auf Blößen des Mom- 
bacher Kiefernwaldes mit und ohne C. paUicornis (== apterus L.) ; 
häufig; 7. Ich habe beide Arten und zwar in beiden Geschlechtern 
sehr häufig teils getrennt, teils an denselben Orten gefangen, aber 
nie G. paUicornis F. S mit ausgebildeten und nie C. arenarius Hahn 
$ mit abgekürzten Halbdecken gefunden. Kirschbaum. 

Hab. in Galio (ipse) : Fennia meridionalis (Nylandia, D. Prof. 
Palmen, Pargas, ipse) ; Germania (Wiesbaden, D. Prof. Kirschbaum) ; 
Alsacia ; Gallia (Charente ! , D. Dr. Fokker , Lyon , D. Dr. Puton) ; 
Austria inferior!, D. P. Low; Hungaria, Serbia, lUyria, D. Dr. Horvath; 
Italia borealis!; Sibirial Reuter. 1891. 

? 112 (*) macroceplialus Fieb. 

Schwarz, glänzend, die Halbdecken mit langem hellen Flaum 
besetzt, während von gelblicher Färbung sind: die Fühler, der 
Schnabel (seine Spitze ausgenommen) , die vorderen Hüften , die 
ganzen vorderen Beine, die Hinterschenkel nur ganz schmal an ihrer 
Spitze , sowie die hinteren Schienen und die hinteren Tarsen ; an 
sämtlichen Tarsen ist die Endhälfte des letzten Gliedes schwarz ; 
an den Fühlern ist das dritte Glied an der Spitze sowie das ganze 
vierte schwarzbraun. Der Kopf ist länglich dreieckig, hat am Innern 
Augenrand beiderseits einen kleinen dunkelgelben Fleck und einen 
ganz leicht gebogenen scharfen Scheitelrand ; der wenig vorspringende 
Kopfschild ist vorne nicht breiter als in seiner Mitte; von den 
Fühlern ist das zweite Glied (bei der brach. Form) so lang wie das 
Pronotum an seinem Grunde breit, letzteres selbst ziemlich lang 
und ziemlich kräftig quer-nadelris.sig. Länge: form macr. 2^2, form, 
brach. 2— 2\'3 mm. • — Diese Art unterscheidet sich von H. aptems L. 
durch ihren mehr in die Länge gezogenen Kopf, durch die ab- 
weichende Färbung ihrer vorderen Beine und vorderen Hüften, durch 
ihr tiefes quer-nadelrissiges Pronotum, welches bei der brachypteren 
Form fast rechtwinklig ist. (Die makroptere Form war Reuter, 
1891, unbekannt.) Nach Reuter. 

Reuter führt, nach Fieber, noch eine Yar. ß an: Der Kopf 
schmutziggelb mit schwärzlichem Hinterrand. 

HaUictiS macrocephalus Fieber, Grit. 1859, sp. 12. — Eur. Hem. 
1861, p. 282, 4. — Neu. Entdeck, in Wien. Ent. Monatschr. 1864, 



— 251 — 

VIII, p. 221. — Reuter, Hem. Gymn. Eur. IV, 1891, p. 20, 3, tab. V, 
fig. 2 u. 3. — Atkinson, Cat. of Caps. 1889. p. 119. — Putox, Cat. 4. 
ed. 1899, p. 68, 3. 

Hab. in Borussia (Crefeld, D. Mink); Gallia meridionali (Charente!, 
Marseille!); Hispania (Escorial, D.Perez Arcas, Lagrona, D. Dr. Bolivar); 
Corsica!; Sardinia!: Dalraatia (Gravosa), D. Dr. Horvath; Algeria 
(Geryville, Tlemcen, D. Dr. Puton) ; Tunisia (EI-Djem, D. Sedillot). 
Reuter. 1891. 

Nach Atkinsox (Cat. of Caps. 1889, p. 119} lebt diese Art auf 
Corsica (wo sie nach Meyer-Duer sehr gemein ist), nach Puton (Cat. 
1899, p. 68, 3) in Spanien, Portugal, Frankreich, Italien und — 
„Allemagne et Autriche", wohl auf Grund ihres von H. Mink für 
Crefeld (Rheinpreußen) bezeugten Vorkommens? Ob bei dieser aus- 
gesprochen südeuropäischen (mediterraneen) Art nicht doch wohl ein 
Irrtum mit unterlief (falsche Determination , mangelhafte Fundorts- 
Etikettierungusw.), muß wohl bis auf weiteres dahingestellt bleiben! H. 



Haltkus Henschei Reuter, Rev. d'Ent. 1888, VIII, p. 58. — 
Hem. Gymn. Eur. IV, 1891, p. 21 . 4. — Atkinson, Cat. of Caps. 
1889, p. 119. — Püton, Cat. 1899, p. 68, 4, lebt in Illyrien (Görz). 
— Ebendaselbst (außerdem noch in Montenegro, Coifu etc.) lebt 
HalticKS ptmcticollis Fieber, Verhandl. d. Wien, zool.-bot. Ges. 1870, 
XX, 261. - Reuter, Hem. Gymn. Eur. IV, 1891, p. 22, 5 und 
tab. V. fig. 5. — Atkinson, Cat. of Caps. 1889, p. 119. — Puton, 
Cat. 1899, p. 68, 7. 

113 (505) saltator Fourc. 
Schw^arz, (metallisch) glänzend, mit ziemlich langem, goldigem, 
leicht abfallendem Haarflaum auf den Halbdecken, der Kopf 
rotbräunlich (nach Fieber: ziegelrot), während Scheitelrand, 
Kopfschild und Wangen pechschwarz sind. — Der Kopf ist unter- 
halb der Augen stark verlängert und nur wenig länger als an seinem 
Grunde samt den Augen breit, bei der brachypteren Form etwas 
schmäler als das Pronotum am Grunde breit ; der Scheitel ist hinten 
scharf gerandet , etwas länger als breit , dreieckig, mit einer feinen 
Furche in der Mitte ; die Stirne ist ziemlich gewölbt und vom vor- 
springenden Kopfschild abgesetzt: die Wange ist lang, etwa um die 
Hälfte länger als das Auge; die Oberlippe ist schmächtig, 
schwarz ; der gelbe , an der Spitze schwarze Schnabel reicht bis zu 



— 252 — 

den hinteren Hüften. Die Fühler sind gelb , die beiden letzten 
Glieder dunkelbraun ; das zweite Fühlerglied ist länger als das 
Pronotum am Grunde breit und mehr als ums Vierfache länger als 
das erste Ghed. Das trapezförmige Pronotum ist am Grunde etwas 
breiter als der Kopf und metallisch schwarz, bei der makropteren 
Form an seinem Grunde etwas breiter als vorne und etwa "3 breiter 
als lang, bei der brachypteren Form doppelt breiter als lang, hori- 
zontal und auf seiner hinteren Fläche ziemlich kräftig quer gerunzelt ; 
das Schildchen ist metallisch schwarz , fast glatt. Die Halbdecken 
sind fast um die Hälfte breiter als das Pronotum, (auch noch hinten) 
gewölbt, den Hinterleib bedeckend und mit viel stärkeren, goldig 
glänzenden Härchen besetzt ; bei der f. macr. besitzen sie eine braune 
Membran, bei der f. brach, fehlt diese, der Keil ist nur angedeutet, 
das Corium ist hinten schief nach vorne abgestutzt (Fieber), bezw. 
die gekürzten Decken laufen am Ende gegen die Commissur stark 
schräg zu (Reüter). An den gelblichen Beinen sind die Vorderfüße 
gleichfalls gelblich, die hinteren glänzend pechschwarz, die mittleren 
am Ende gelblich ; die Hinterschenkel sind schwarz, mit gelbrötlicher 
Spitze, die Schienen mit feinen, gelben Dornen besetzt, die Tarsen 
sind dunkelbraun. Länge 2-/3 mm. Nach Reuter. — Diese Art ist 
der Var. propinquus H.-Sch. von H. luteicoUis Panz. ähnlich, aber 
durch die Form des Kopfschilds und der Oberlippe leicht hiervon zu 
unterscheiden. (Rt.) — In Färbung und Zeichnung gleicht sie dem 
H. apteriis L. , nur daß hier der ganze Kopf (mit Ausnahme des 
Hinterrandes) rötlichgelb ist. (Kb.) 

Reuter unterscheidet (H. G. E. IV, 23) noch eine Var. ß : Auch 
die Stirnmitte pechfarben ; die Schenkel (ihre Spitze ausgenommen) 
schwarz, die hinteren Schienen am Grunde breit pechschwarz. 

Cimex leucocephalus Göze, Ent. Beytr. 1778, II, 205, 60, 
nee LiNNE I 

Cimex saltator Geoffroy in Fourcroy, Ent. Paris. 1785, 218, 
76. — Rossi, Mant. Ins. 1794, 11, 56, 513. 

Ästemma mercurkdis GußRiN, Icon. regn. anim. 1834, Ic. II, 
t. 56, fig. 7 ; Text in HI, p. 348. 

Gapsus erythrocephalus Herrich- Schäffer, Nom. ent. 1835, 
p. 53. — Kirschbaum, Rhynch. Wiesbad. 1855, p. 20 und 102, sp. 152. 

Halticus erythrocephalus Bärensprung, Cat. 160, p. 16. 

Halticiis saltator Fieber, Eur. Hem. 1861, p. 281, 2 und 392. - - 
Reüter, Berl. Entom. Zeitschr. 1881, XXV (An. Hem.), p. 179, 34. — 



— 253 - 

Revis. synon. 1888, II, p. 287, No. 261. — Hern. Gymn. Eur. IV, 
1891, p. 23, 6 et tab. V, fig. 7. — Atkinson, Cat. of Caps. 1889, 
p. 119. — PuTON, Cat. 4. ed. 1899, p. 68, 8. 

Bayern : Bei Eegensburg sehr selten. Kittel. — Bei Bamberg 
häufig an trockenen Rainen. Funk. — Elsaß-Lothringen : Metz. 
Reiber-Puton. — Nassau : $ (von Herr.-Schäff. selbst als solches 
bestimmt) von H. Prof. Schenk bei Weilburg auf den Blättern von 
Althaea rosea Cav. gefangen, die er durch seine Stiche verunstaltet. 
Kirschbaum. — Thüringen: Bei Gotha in einer Gärtnerei im Früh- 
beet — (nicht im Freiland!) — als Gurken-Schädling nach Prof. 
Dr. Thomas. (Weiteres siehe unten ! H. ) 

Auf Aethaea rosea bei Weilburg in Baden. Fieber. 

Hab. in Aethaea rosea, folias deformans (Kirschbaum), in Echio 
vulgari (Puton): Batavia (Brabant!), D. Dr. Fokker; Germania 
(Weilburg, Bavaria) ; Gallia; Hispania (Coimbra, Calella) ; Austria 
inferior; Liguria, Italia centralis; Hungaria; Halicia'?; Romania 
(Bukarest!); Rossia (Charcov?, Chvalyn^sk?, Mohilev?). Saepe in 
coUectionibus cum var. propinquo speciei sequentis — [if. luteicollis 
Paxz.J — confusus. Specimina ex Halicia et Rossia forsitan ad 
hanc speciem referenda. Reuter. 1891. 

[Schweiz: Im ganzen selten, nur an wenigen Orten der Schweiz 
vorkommend, im JuH auf Gesträuchen : Burgdorf am Turnplatz (M.), 
Basel (J.), Genf (B.), im Kanton üri häufig. Frey-Gessner. — Frank- 
reich: Dep. du Nord (Lille): Rare; foret de Clairmarais, en juillet. 
Lethierry.] 

114 (506) luteicollis Panz. 

Lygaens luteicollis , die gelbhalsichte Schmahlwanze : niger 
capite thoraceque flavis, antennis pedibusque luteis. Panzer. 

Capsus iiropinqims mihi: C. niger, capite fulvo, antennis pedi- 
busque flavis, illarum art. 2. apice, femoribus usque fere ad apicem, 
tibiarum posticarum annulo subbasali et tarsarum apice nigris, antennis 
apice fuscis. Herrich-Schäffer. 

Schwarz, stark bronzefarbig glänzend, oben (besonders auf den 
Halbdecken) mit goldigem, niederliegendem, schuppenartigem, leicht 
abfallendem Haarflaum bedeckt (auf der Unterseite ist derselbe spär- 
licher und mehr weißgrau), während gelbrötlich sind : der Kopf, das 
Pronotum, der Schnabel, die Fühler, die Vorderhüften und die Beine. 
Der spitz dreieckige, senkrecht nach unten gekehrte Kopf ist doppelt 
so lang als zwischen den Augen breit, mit den Augen viel breiter 



— 254 — 

als der Vorderrand des Pronotum oder "/s so breit als dessen Grund, 
dabei ist der Kopf zwischen den Augen lang hinausgezogen ; der 
„nasenförmig vortretende" (Kb.) Kopfschild ist von der Seite ge- 
sehen länglich dreieckig , vorne breiter als in der Mitte , mit der 
Stirne bogenförmig fortgesetzt; der Scheitelrand ist schwarz; die 
braunen Augen sind von vorne gesehen fast \'3 kürzer als der Kopf 
(Rt.) oder von oben nach unten doppelt so lang als breit (Kb.)- 
Der kurze , seitlich zusammengedrückte , gelbe , schwarz gespitzte 
Schnabel reicht nicht über die mittleren Hüften hinaus ; die gelb- 
braune Oberlippe ist seitlich zusammengedrückt und halbmondförmig. 
Die gelbrötlichen Fühler sind länger als der Leib, ihr zweites Glied 
ist an seiner äußersten Spitze, ebenso das dritte am Ende sowie das 
vierte bräunlich ; ihr erstes Glied reicht nicht bis zur Mitte des Kopf- 
schildes und ist (Kb.) so lang als der Außenrand der Halbdecken 
bis zum Anhang ; das zweite Glied ist fast um die Hälfte länger als 
das Pronotum am Grunde breit (Rt.) , oder fünfmal länger als das 
erste und nur wenig länger als der äußere Coriumrand, oder lV2mal 
so lang als das dritte und an seiner äußersten Spitze schwärzlich ; 
das dritte Glied ist etwa um Vs kürzer als das zweite; das vierte 
ist etwas länger als das dritte ; 3 + 4 sind länger als 2. Das 
kurze, trapezförmige, fast glatte Pronotum ist nur wenig breiter als 
am Grunde lang, vorne etwa ^U schmäler als lang, sein Vorderrand 
nur -/s so lang wie sein Grund, es hat gerade Seiten und fällt nach 
vorne etwas ab, dabei ist es von gelbroter Farbe, am Grundsaum 
mehr oder weniger breit schwarz, selten ganz sc-hwarz (= Var. 
propinqims H.-Sch.) und mit feinem , hellem Flaum besetzt. Das 
schwarze Schildchen ist am Grunde frei. Die fast glatten, glänzend 
schwarzen Halbdecken sind ausgebildet, etwas schimmernd, mit 
dichtem, goldig glänzendem, leicht abfallendem Flaum und kleinen, 
schwarzen Härchen dazwischen bedeckt, sie sind viel breiter als das 
Pronotum (in ihrer Mitte fast zw^eimal so breit wie der Pronotum- 
grund), an den Seiten gerundet (am Außenrand nach außen ge- 
bogen, Kb.), vor und hinter dem Anhang stark eingeschnitten; die 
Membran ist irisierend, gleichmäßig braun, mit braunen Nerven. Die 
Vorderhüften sind gelbhchrot, die Hinterhüften schwarz; an den 
gelblichroten Beinen sind die Hinterschenkel (seltener alle) am 
Grunde breit schwärzlich ; die Schienen sind mit zarten , gleich- 
farbenen, kleinen Dörnchen besetzt, die hinteren bisweilen am Grunde 
braun : das dritte Tarsenglied ist schwarzbraun , die Klauen sind 
schwarz. Länge 2"-/3 — 3-/3 mm. 



— 255 — 

Nach Meyer ist diese Ait^ dem //. apterus L. sehr ähnhch, 
doch gestreckter, der Thorax vorne schmäler, die Membran länger 
und die Decken ins Bronzefarbige oder Rötliche schillernd. — Die 
Var. 2)fopinqt(HS H.-Sch. beschreibt Reuter: „Pronotum ganz und 
Schenkel am Grunde breit schwarz." 

Lyyaeus lutekollis Panzer, Faun. Germ. 1805, 93, 18. 

Miris hicolor Germar, Faun. Ins. Eur. 1819, V, 22. 

Miris lutekollis Lepeletier et Serville, Encycl. method. 1825, 
X, 324, 1. — Laporte, Ess. class. syst. 1832, p. 40. 

Capsiis lutekollis Herrich-Schäffer, Nom. ent. 1835, p. 53. — 
Wanz. Ins. IX, 1853, Index, p. 37. — Thomson, Opusc. entom. 1871, 
441, 81. 

CapsKS proprinqHus Herrich-Schäffer, Wanz. Ins. VI, 1842 
p. 47, fig. 606 = Var. — Wanz. Ins. IX, 1853, Index, p. 38. - 
Meyer, Schweiz. Rhynch. 1843, p. 111, No. 104 = Var. — Kirsch- 
bäum, Rhynch. Wiesbad. 1855, p. 19, 100 und 120, sp. 147 = Var, 

Halticus ochroceplialus Fieber, Weitenweber, Beitr. z. Nat.- u 
Heilkd. 1836, I, p. 105, 6, tab. 2, fig. 4. — Criter. 1859, 24. 

Halticus propinquus Costa, Cim. Reg. Neap. Cent. 1852 
III, 53, 1. 

Crocoderus Amyot. Ent. fr. Rhynch. 1848, p. 212, No. 251. 

Halticocoris luteicollis Douglas and Scott, Brit. Hem. 1865, 
p. 480, 2 and plate XXI, fig. 1. 

Halticus luteicollis Fieber, Eur. Hem. 1861, p. 281, 1. — 
Reuter, Rev. crit. Caps. 1875, p. 91, 2. — Hem. Gym. Sc. et Fenn. 
107, 2. — Revis. synon. 1888, II, p. 287, No. 260. — Hem. Gymn. 
Europ. IV, 1891, p. 24, 7, taf. I, fig. 5c; taf. V, fig. 6. — Sanders, 
Synops. of brit. Hem. Het. 1875, p. 287, 1. — Hem. Het. of the 
brit. isl. 1892. p. 267 and pl. 24, fig.aO. — Atkinson, Cat. of Caps. 
1889, p. 119. - PuTON, Cat. 4. ed. 1899, p. 68, 9. 

Bayern : Bei Regensburg gemein ; bei Nürnberg und Augsburg ; 
nach Professor May bei Dillingen ; bei Freising. Kittel. — Württem- 
berg: RosER. — Bei Ulm selten. Hüeber. — Elsaß-Lothringen: 
Alsace: Illkirch, Heiligenstein; Metz, c. Reiber-Püton. — Nassau: 
C. propinquus H.-S. d, Wiesbaden; scheint selten; ich fing nur 3 6. 
Kirschbaum. — Thüringen: Von Dr. Schmiedeknecht (Blankenburg) 
gesammelt. Fokker. — Schlesien: C propincpius H.-Sch., an grasigen 
Orten , doch besonders gern auf Nesseln ; nicht überall ; bisher nur 
von mir um Zimpel bei Breslau gefunden. Scholz. — C. propinquus 



— 256 — 

H.-ScH., in der Ebene und im Gebirge, im Juli, an grasigen Orten, 
besonders gern auf Nesseln, nach Meyer auf Sträuchern, sehr selten . . . 
Assmann. 

Aus Deutschland, Frankreich und Italien. Fieber. 

Hab. in speciebus generis Galii (Saünders), ex. gr. in G. ochro- 
leuco (ipse !) per totam fere Europam usque in Suecia media (Stock- 
holm !, ipse) ; Anglia; Germania; Belgia ; Gallia!; Hispania; Helvetia; 
Sicilia; Italia ; Illyria; Austria inferior ; Bohemia; Styria; Hungaria; 
Halicia; Romania; Dobroudja; Graecial; Asia minor (Smyrna!); 
Rossia (Charkov, Kasan). Var. propinquus rarior, in Galeopsi versi- 
colore (P. Low): Batavia (Limburg I; D. Dr. Fokker); Helvetia!, 
D. Meyer-Düer; Austria inferior, D. P. Loew; Tunisia, D. Sedillot. — 
Reuter. 1891. 

[Schweiz: C. propinquiis H.-S. im ganzen viel seltener als 
C. pallicornis L. und nur an wenigen Orten der Schweiz vorkommend, 
obschon gesellschaftlich mit demselben, im Juli auf Gesträuchen. 
Im Leben schillert das Tierchen ins Bronzefarbige. Bei den Basler 
Exemplaren zieht sich die rotgelbe Farbe des Kopfes auch über den 
Thorax. Im Kanton Uri weit häufiger als j^ci^^icomis Meyer (1843). 

— Auf Gras und Blumen an trockenen Stellen und Berglehnen, auch 
auf niedrigem Gebüsch, Haseln und Ulmen, im Juni, Juli und August, 
sehr selten und einzeln. S. Prex nicht sehr selten (F.) ; Ragaz, Jura 
bis 2500' s. M., Suhrdelta (Fr.). Frey-Gessner (1866). — Grau- 
bünden : Ragaz , Mayenfeld , Chur. Killias (1877). — Steiermark : 
Auf sonnigen Rainen bei Steinbrück am 21. Juli, 5 $, 3 d. Strobl. 

— Lebt nach den Beobachtungen des Herrn P. Low in Nieder- 
österreich auf Galeopsis versicolor. Reuter (An. Hem. 192). — 
Böhmen : An trockenen Waldrändern und Feldrainen , im Grase, 
ziemlich selten ; Teplitz (8) , auch von Fieber gesammelt. Duda. — 
Prag, Zawist, im Brezaner Tale an Brombeeren, nicht selten, 30. Juli. 
NiCKERL. — Frankreich : Dep. de la Moselle : Ars , sur la briome 
dioique. Bellevoye. — Dep. du Nord (Lille) : Rare, foret de Mormal, 
en juillet. Lethierry. — Paris : Mont-de-Marsan (Perris). Aäiyot. — 
England: An abundant species by searching amongst Galium, near 
Strood, in July . . . Douglas and Scott. — On Galium . . . Sanders.] 



Nun folgen im System (Puton, Cat. 1899) zunächst 3 kleine, 
in Deutschland nicht vertretene paläarktische Divisionen : 

Div. 10: Cremnorhinaria , mit den 2 (je einartigen) Gattungen 



— 257 — 

Cremuorhinus Reut. (Südeuropa) nnd PlatypsalUis J. Sahlberg 
(Lappland). 

Div. 11 : Camptotylaria, mit der einzigen paläarktischen Gattung 
Camptotyhis Fieb. (mit 5 außerdeutschen Arten). 

Div. 12: Boopidocoraria, mit der (einartigen) Gattung Boo- 
pidocoris Reut, (in Turkestan). 



Hier bietet sich auch die erwünschte Gelegenheit zur Ein- 
schaltung einiger biologischen Notizen: 

Prof. Dr. Fr. Thomas in Ohrdruf (Thüringen) hat in den (seiner- 
zeit von Dr. Fr. Karsch in Berlin bei R. Friedländer herausgegebenen) 
Entomologischen Nachrichten, XXII, 1896, S. 257—259 den Haltkus 
saltator Geoffr. als bedeutenden Schädling in einer Gothaer Gärtnerei 
auf Mistbeet-Gurkenpflanzen {Cucumis sativa) beschrieben; der größte 
Teil der Pflanzen gab infolgedessen gar keinen Ertrag; es fanden 
sich gleichzeitig geflügelte und kurzflügelige Formen genannter 
Wanze. Da dieses Insekt schon einmal vor 5 Jahren ebendaselbst 
in größerer Anzahl auftrat, der Winter 1895/96 selten milde war 
und das Tierchen außerhalb der Warmbeete seine Schädigungen 
nicht fortsetzte , glaubt Prof. Dr. Thomas den Schluß ziehen zu 
müssen, daß diese Art bei uns im Freien nicht ausdauere , sondern 
ursprünglich in einem wärmeren Klima heimisch sei, und sucht dies 
unter Anführung der einschlägigen Literaturangaben näher zu be- 
gründen. Immerhin ist zuzugeben, daß diese kleine Springwanze 
mehr in Südeuropa zu Hause ist, wenn sie auch in Mitteleuropa 
keineswegs fehlt (davon ganz abgesehen , daß die richtige Determi- 
nation dieser schwierigen Arten nur Wenigen geläufig ist und des- 
halb bei den ohnehin wenigen Liebhabern und Sammlern manche 
Verwechslung mitunterläuft). 

In der Zeitschrift für Pflanzenkrankheiten, VI. Bd. 5. Heft 
führt dann Prof. Dr. Thomas die äußeren Erscheinungen dieser ihm 
zweifellosen Insekten-Schädigung (i/. saltator Geoffr.) auf Grund 
eigener Besichtigung an Ort und Stelle sowohl wie auf Grund ge- 
nommener Rücksprache mit dem betreffenden Gärtnereibesitzer 
(Herrn Karl Reichenbach, Gotha) des näheren aus : „ Die zu Anfang 
März in die Mistbeete gebrachten Gurkenkeimpflanzen gediehen gut 
bis zum Beginn der Blüte (Anfang Mai), wo, mit dem Auftreten 
dieser Springwanzen , die Blüten allmählich gelb wurden , die neu 
gebildeten Blätter in ihrer Entwicklung zurückblieben und der 

Jahreshefte d. Vereins f. vaterl. Naturkunde in Württ. 1900. 17 



— 258 — 

Fruchtansatz kümmerlich wurde oder ganz ausbheb, so daß der 
Gesamtertrag unter ^/s des früheren blieb (aber auch dies nur da- 
durch, daß eine Reihe von Beeten ganz verschont geblieben war). 
Die befallenen Pflanzen starben weiterhin ganz ab, zeigten bleiche, 
verkrumpfte, aber pilzfreie Blätter, hatten aber noch gesunde 
Wurzeln und ließen keine Fraßerscheinungen wahrnehmen, 
wie solche auch bei den übrigen, gesunden Gurkenpflanzen nicht 
festzustellen waren. An allen gelben (kranken) Blättern fanden sich 
„die leeren Häute und die Exkremente der Springwanzen als charakte- 
ristische und dauernde Kennzeichen für ihre Schädigung durch die 
Springwanzen." Weiterhin fand Thomas „als zweites Dauermerkmal 
der heimgesuchten Blätter" zahlreiche kleine „schwarze Flecken" 
von gut V2 mm Durchmesser und „kleine, schwarze, kugelige, 
harte, den Haaren ansitzende Massen", die erhärteten 
Exkremente der Wanzen (von denen schon oben bei den „leeren 
Häuten" die Rede war). Diese kugeligen Massen sind nach Thomas 
nichts anderes als die an den Blatthaaren eingetrockneten, ursprüng- 
lich flüssigen Ausscheidungen der Springwanzen, während die 
„schwarzen Flecke" da auftreten, wo das ausgeschiedene Sekret 
kein Haar zum Anhaften findet und deshalb krustenartig auf der 
Blattoberhaut eintrocknet. Unsere Tierchen liebten sichtlich, wie 
ja auch von anderen Hemipteren etc. bekannt, den warmen Sonnen- 
schein und konnten durch verschiedene Mittel (Kalk, Naphthahn, 
Zacherlin) uur betäubt, aber nicht getötet werden ; am besten wirkte 
gegen diesen Schädling noch die „Dauerlüftung". — Wenn die be- 
fallenen Beete abgeräumt oder die kranken Gurkenpflanzen ganz 
abgestorben waren, gingen die Springwanzen auch auf andere 
Pflanzen (Majoran, Sellerie, Levkojen) über, ohne daß sich jeweils 
an den Blättern eine eigentliche Fraßbeschädigung (wie bei den 
Erdflöhen , Käfern der Gattung Haltica Geoffr.) nachweisen ließ ; 
auf die (der Gurke) verwandten Kürbispflanzen ging unsere Spring- 
wanze nicht über, ebensowenig wie auf Freilandpflanzen. — 
Eine Einführung dieser Springwanze von außen konnte für die be- 
treffende Gärtnerei nicht nachgewiesen werden, nur ein periodisches 
Auftreten (nach 5 Jahren). — Thomas berichtet am Schluß seines 
Artikels noch, daß Prof. A. Giard in Paris den H. erijthrocephalus 
H.-ScH. in Gärten zu Chälons-sur-Marne als Schädiger der Melone 
((7. Melo) feststelte und führt dann noch andere Halticus-Avten als 
notorische Pflanzenschädiger an, so den H. pailicornis F. — (siehe 
vorne unter H. apterus L.) — auf Erbsen bei Paris, nach Lucas; 



— 259 — 

den //. minidus Uhl. (H. ühleri) auf Bohnen in den Vereinigten 
Staaten, nach Popenoe; den H. minutus Reut, als Schädiger der 
Erdnuß (Arachis hypogaea) in Cochinchina, nach Giard, also alle 3 
auf Papilionaceen. — Thomas berichtet dann noch kurz über andere 
Pflanzenschädlinge an Kulturen aus der Familie der Capsiden 
(Phytocoriden, Blindwanzen) und zitiert als Gewährsmänner: Frank 
(Krankheiten der Pflanzen, 1896, III, 187) und Lintner (Zoolog. 
Jahresbericht), betreffend den in den Vereinigten Staaten der Garten- 
kultur schädlichen Poecüocapsus lineatus F. 

Dies führt mich, in weiterem Verfolgen des angeschlagenen 
Themas, auf die neuerdings in den Vordergrund der Fachpresse 
tretenden ., Hopfen wanzen", gleichfalls Capsiden, aber aus der Division 
Capsaria. 

Prof. Dr. 0. Kirchner an der Landwirtschaftlichen Hochschule 
zu Hohenheim (bei Stuttgart) hat im Württembergischen Wochen- 
blatt für Landwirtschaft 1903 des näheren (7V-.' Seiten) über „Die 
Hopfenwanze und die durch sie verursachte Unfruchtbarkeit des 
Hopfens" berichtet. Die in Frage kommende Pflanzenkrankheit 
(die sich seit mehreren Jahren in einzelnen Hopfenbaubezirken 
Württembergs zeigte) äußert sich nach Kirchner in einem früh- 
zeitigen Verkümmern der weiblichen Blütenstände, welche zu einem 
spärlichen Doldenansatz oder selbst zu völliger Unfruchtbarkeit des 
Hopfen führt, wodurch dann wieder ein ganz empfindlicher Ausfall 
in der Hopfenernte hervorgerufen wird. Bei näherer Besichtigung 
zeigten die betreffenden Hopfengärten einen guten, oft sehr schönen 
Stand und reichlichen Anflug, der aber auf den verseuchten Parzellen 
kränklich aussah und (nach Erfahrung früherer Jahre) keinen Ansatz 
versprach ; die Belaubung war meistens gesund , Blattläuse und 
Kupferbrand waren nur mäßig vorhanden; die Blätter waren mehr- 
fach zerfressen von den lebhaften grünen Raupen des Hopfenzünslers 
(HypeAia rostralis) , ältere Blätter auch durchlöchert vom Hopfen- 
Erdfloh (Chaetocnema concinna)^ manche kranke Hopfenpflanze zeigte 
sich auch am Wurzelstöck durch Drahtwürmer beschädigt und in 
ihrer Ernährung gestört, aber die (nach Kirchner) hauptsächlichste 
Schädigung rührte von einer kleinen, grünen Wiesenwanze her, 
„die leicht abzuklopfen war und die beim Umherlaufen auf den 
Hopfentrieben die jungen Blüten aufsucht und mit ihrem stachel- 
artig aussehenden Schnabel in die Stiele der jungen Dolden oder in 
diese selbst hineinsticht , um ihren Saft auszusaugen , wodurch die 
angesaugten Stellen braun werden und weiterhin die betroffenen 

17* 



— 260 — 

Blüten in ihrer Entwicklung stehen bleiben, welken, sich bräunen 
und schließlich abfallen. Die Wanzen wissen alle Blütenstände einer 
Pflanze ausfindig zu machen und pflegen alle auf dem einmal ergriffenen 
Stock befindlichen zum Absterben zu bringen. Vor und nach der 
Blütezeit saugen sie jedenfalls an jungen Zweigen und Blättern, 
bringen dort aber, da diese Organe bedeutend größer und kräftiger 
sind als die zarten Blütenstiele, keine merkliche Schädigung hervor". 
— Als diesen neuen Schädling stellte Kirchner nun den Calocoris 
hipundaUis Fab. {norvegicus Gmel.) — (siehe Jahrg. 1899, S. 335 ff. 
dieser Jahreshefte!) — fest, „deren Weibchen ihre Eier an alten 
Hopfenzweigen, noch lieber aber an den Hopfenstangen absetzen", 
weshalb Kirchner auch die Vernichtung der Winterzustände (d. h. 
der Eier) dieses Insekts durch Unschädlichmachen der alten Rück- 
stände der Hopfenpflanzen und besonders der Hopfenstangen empfiehlt, 
der ersteren durch Verbrennen, der letzteren durch langsames Hin- 
durchziehen durch ein Feuer (oberflächliche Verkohlung), oder durch 
dicken Anstrich mit warmer Kalkmilch oder einer Mischung von 
Eisenvitriol mit Kalkmilch, oder durch wochenlanges Untertauchen 
in Wasser. Am meisten soll sich aber das Einführen der Draht- 
anlagen empfehlen, auf welche in Württemberg „die Hopfenwanzen 
nicht einmal von benachbarten verseuchten Stangenanlagen über- 
gehen, vielleicht wegen des Schwankens der Zweige in den Draht- 
anlagen oder des den Tierchen unangenehmen Luftzugs." 

In analoger Weise hat Prof. Dr. J. Behrens im Jahresbericht 
1904 der Großherzogl. badischen landwirtschaftlichen Versuchsanstalt 
Augustenberg, S. 53 ff. die „ Hopfen wanze" als Ursache des „Blind- 
werdens des Hopfens" beschuldigt, doch war es hier ein anderer 
Capside, und zwar der mir persönlich zur Determination übersandte 
Lyyiis pratensis L. in seiner grauen Herbstform (var. campestris Fall.), 
eine unserer gemeinsten, überall auf Wiesen, Feldern, Heiden, Wald- 
wegen , überhaupt wo nur Gras und niedere Pflanzen stehen , zahl- 
reich anzutreffenden Blindwanze (vergl. Jahrg. 1901, S. 117 ff. dieser 
Jahreshefte!). Dieser Halbflügler trat im Berichtsjahr gerade nur 
in Walldorf, Amt Wiesloch, auf und sollte, nach Angabe des dortigen 
Einsenders, „auch häufig auf Kartoffeln vorkommen, wo er die 
Blüten ansticht, so daß sie welken und abfallen". Behrens zitiert 
in seinem Bericht aus der einschlägigen Fachliteratur dann noch 
8 weitere Wanzen-Hopfenschädlinge (darunter 1 Anthrocoriden und 
1 Lygaeiden), wobei mir doch der blinde Eifer der hier nicht näher 
anzuführenden Autoren das Bild ruhiger Sachlichkeit etwas zu trüben 



— 261 — 

scheint, denn es bleibt doch wohl zu bedenken, daß nicht gerade 
jedes Insekt, das einmal zufällig auch auf Hopfenpflanzen gefunden 
wird , notwendigerweise auch ein Hopfenschädling sein muß ; wo 
sollten sich denn die armen Tierchen sonst aufhalten, um sich ihres 
kurzen Daseins zu erfreuen? 

Dies alles wäre nun ganz schön und könnte unsere noch in 
den Windeln liegende Hemipteren-Biologie (Entwicklungsgeschichte 
und Lebensweise) ganz erheblich fördern, wenn — Kirchner (und 
die anderen) mit ihrer Annahme, dass „die Wiesenwanzen von 
Pflanzensäften lebende Landwanzen" seien, recht hätten und sich 
möglicherweise nicht in einem gar nicht so ferne liegenden Trug- 
schluß bewegten ^ Die einschlägigen Fachmänner, die Entomologen, 
besonders jene, welche sich viele Jahre hindurch mit dem genauen 
Beobachten und näheren Studium der Halbflügler befassen, die 
Hemipterologen , neigen nämlich größtenteils der Anschauung zu, 
daß die Capsiden (die ein Drittel der Landwanzen umfassende größte 
Familie der Hemijjtera heteroptera) überhaupt keine Pflanzenfresser 
(Phytophagen) sind, sondern durchgehends Fleischfresser (Carnivoren), 
die hauptsächlich von den auf den betreffenden Pflanzen vorkommen- 
den und dort saugenden Blattläusen usw. leben und deshalb, im Sinne 
unserer Gärtner und Landwirte gesprochen, nicht bloß nicht schäd- 
lich, sondern sogar sehr nützlich sind. — Wer die zahlreichen Fundorts- 
angaben meiner Capsiden-Synopsis mit Aufmerksamkeit durchgeht, 
wird in den wortgetreu wiedergegebenen Vermerken der einschlägigen 
Sammler und Fachmänner manchen Beleg für diese Annahme finden ; 
allerdings würde einer großen Zahl dieser Angaben noch eine wesent- 
lichere Bedeutung für die Halbflügler-Biologie zukommen, wenn so 
mancher Verfasser einer Lokalfauna reifere, langjährige Beobachtungen 
anstellen und nicht schon nach einer Sammeltätigkeit von 2 bis 
3 Jahren seine Funde veröffentlichen würde. 

Einen überzeugenden, exakten, wissenschafthchen, über Ver- 
mutungen hinausgehenden Beweis darüber, wieV, wodurch? und warum? 



' Ich möchte z. B. nur daran erinnern, daß es meines Wissens immer 
noch einen Gegenstand der Kontroverse bildet, ob z. B. ein kranker Baum zu- 
erst von fPilzen und Flechten'' befallen und dann erst der Tummelplatz der 
mannigfachen Insektenschädlinge wird, die sich mit Vorliebe auf dem ge- 
schwächten, weniger widerstandsfähigen Baum einnisten, oder ob der Baum zu- 
erst von den Insekten und deren Larven geschädigt und dann erst von den 
pflanzlichen Schmarotzern vollends getötet wird ? Vielleicht daß beides , ab- 
wechselnd, zutrifft!? 



— 262 - 

die genannten Wanzen die betreffenden Pflanzen schädigen, sind uns 
die genannten Autoren schuldig gebheben ; einerseits wird sogar das 
Fehlen von Fraßstellen betont (womit ja an und für sich noch nichts 
bewiesen ist, da die Halbflügler bekanntlich keine beißenden Mund- 
werkzeuge besitzen , sondern einen saugenden Stechrüssel) , ander- 
seits allerdings ein Anstechen der Blütenteile „angenommen'' ; wenn 
sich aber der Capside von Blattläusen (und nicht von Pflanzensäften) 
nährt, und wenn er seine Eier in die Ritzen der Hopfenstange legt 
(worauf sich ja dessen vorgeschlagene Bekämpfung gründet), wie?, 
wodurch?, mit was? soll er dann die Hopfenpflanze selbst schädigen? 
Dem einfachen „post hoc ergo propter hoc" wird ja bekanntermaßen 
nicht die Bedeutung eines mathematischen Beweises zuerkannt. 

Jedenfalls scheint mir die ganze Frage noch nicht spruchreif 
zu sein ; es müssen zweifellos noch mühsame, genaue Beobachtungen, 
mikroskopische Untersuchungen , Züchtungen usw. seitens kundiger 
Fachmänner angestellt werden, bevor hierin das letzte Wort ge- 
sprochen werden darf. Meine eigenen, nunmehr auf anderthalb Jahr- 
zehnte zurückgreifenden zusammenstellenden Veröffentlichungen auf 
dem Gebiete der Halbflügler bezwecken lediglich eine sichere Grund- 
lage für diese biologischen Arbeiten zu schaffen, den Boden hiefür 
zu ebnen, und sollte mir dies nur einigermaßen gelungen sein, so 
darf ich immerhin mit Befriedigung auf diese vorbereitende Tätigkeit 
zurückblicken. 

Ulm, im März 1906. Dr. Th. Hüeber. 

(Fortsetzung folgt.) 



Ausgewählte Kapitel aus 0. M. Reuter's „Revisio 

eritiea Capsinarum" als Beitrag zur Biologie und 

Morphologie der Capsiden 

ins Deutsche übertragen von Dr. EJmbr. Strand (Kristiania), überarbeitet von 
Dr. Th. Hüeber (Ulm a. D.) und Dr. J, Guide (Frankfurt a, M.). 

Nachdem bereits die erste Hälfte der „Synopsis der deutschen 
Blindwanzen" (Hemiptera heteroptera, Farn. Capsidae) in diesen 
Jahresheften erschienen, wird es wohl nur noch eine Frage der Zeit 
sein, diese Arbeit ihrer Beendigung entgegen zu führen. Wie nun 
bereits in der Vorrede dazu bemerkt wurde, sollte sich dem syste- 
matischen Teil ein Abschnitt anschließen, der eine Zusammenstellung 
der in den verschiedensten Veröffentlichungen zerstreuten Ergebnisse 
über Anatomie, Physiologie und Biologie der Capsiden bringen würde. 

Allein eine kurze Umschau in der vorhandenen einschlägigen 
Fachliteratur zeigt, daß gerade die Erörterung und Untersuchung 
der allgemeinen biologischen Verhältnisse dieser Heteropteren-Gruppe 
überall sehr kurz wegkommt. Zwar verspricht Prof. 0. M. Reuter 
in Helsingfors in der Vorrede (1. Bd. 1878, S. 6) seines in den Ver- 
öffentlichungen der Finnländischen Literatur-Gesellschaft erscheinen- 
den hervorragenden Werkes „Hemiptera Gymnocerata Europae", am 
Schlüsse dieser groß angelegten Arbeit, an Stelle der fehlenden Ein- 
leitung, nachträgUch noch eingehendere Abhandlungen über die Ana- 
tomie, Entwicklung, Lebensgeschichte, Instinkte usw. der von ihm 
zuvor zu beschreibenden Halbflügler zu bringen, da er hofft, daß 
bis dahin neues Licht sich über manche zurzeit noch recht dunkle 
Fragen verbreite und hierdurch auch manches bis jetzt noch un- 
gelöste Rätsel aufgeklärt werde, besonders auf dem Gebiete der Ent- 
wicklung und Lebensweise dieser zarten Tierchen, von der man 
bisher noch so wenig weiß. Von Reuters Hern. Gymn. Eur. sind 
bis jetzt 5 Bände erschienen, der letzte 1896; seitdem nichts mehr! 
Mit diesen 5 Bänden sind aber noch nicht einmal die Capsiden (mit 



— 264 — 

welcher schwierigen FamiHe, als der im System niedrigst stehenden, 
Eeuter in dankenswerter Weise begann) vollständig bearbeitet, und 
zwar auch diese nur in ihrem speziellen, systematischen und be- 
schreibenden Teil, so daß die Veröffenthchung des biologischen Ab- 
schnitts, wenn überhaupt, jedenfalls noch in sehr weiter Ferne steht. 
Dagegen besitzen wir bereits vom gleichen Verf. eine sehr wertvolle 
Arbeit über die morphologischen und besonders die biologischen Ver- 
hältnisse der Capsiden aus der Zeit des Beginnes seiner literarischen 
Tätigkeit, eine hochinteressante Jugendarbeit, die „Revisio critica 
Capsinarum praecipue Scandinaviae et Fenniae" , 1875 in Helsing- 
fors bei J. C. Frenckell & Son erschienen. Die erste Hälfte dieser 
Arbeit enthält in 101 Seiten (S. 1 — 75 in schwedischer Sprache) 
den „allgemeinen Teil" ; die zweite, 190 Seiten starke Hälfte bringt 
in lateinischem Text die speziellen Artbeschreibungen, darunter auch 
solche vieler Larven. Letzterer Teil ist durch das oben erwähnte 
große Werk Reuter's überholt, ersterer aber hat, unseres Wissens, 
bis jetzt noch nirgends seinesgleichen in der einschlägigen Literatur 
gefunden , war aber leider bisher durch seine Abfassung in der nur 
wenigen bekannten schwedischen Sprache der wissenschaftlichen All- 
gemeinheit entzogen. Um so mehr erschien es deshalb erwünscht, 
dieselbe durch Übersetzung ins Deutsche zum wissenschaftlichen Ge- 
meingut zu machen. Herr Dr. Embr. Strand (Kristiania) hat nun in 
dankenswerter Weise diese Übertragung ins Deutsche besorgt, Dr. 
Th. Hüeber (Ulm) und Dr. J. Gülde (Frankfurt a. M.) übernahmen 
die Abrundung und weitere Bearbeitung der Übersetzung und die 
Stuttgarter Redaktionskommission genehmigte, wie wir dankbar an- 
erkennen , die Aufnahme in die Spalten dieser Jahreshefte. Dabei 
lag ja der Gedanke nahe, die Übersetzung der nun 30 Jahre alten 
Publikation Reuter's in Verbindung mit den verschiedenen , in- und 
ausländischen Veröffentlichungen der letzten 30 Jahre zu einem ein- 
heitlichen Ganzen umzuarbeiten; allein, ganz abgesehen von der 
Schwierigkeit der Sache als solcher (sowohl in betreff der Voraus- 
setzung einer seltenen Kenntnis der einschlägigen in- und aus- 
ländischen Fachliteratur, als auch der schwierigen Beschaffung des 
großen, oft schwer erhältlichen fremdsprachigen Materials) würde die 
Originalität der REüTER"schen Arbeit hierdurch zerstört, wozu wir uns 
nicht für berechtigt hielten; auch bleibt es stets eine mißliche Sache, 
Teile eines alten Gebäudes zu entfernen und durch neue zu ersetzen. 
Um ferner jegliche Verzerrung des Textes und andere Weitläufig- 
keiten zu vermeiden, hielten wir es auch nicht für ratsam, eine 



— 265 — 

Änderung, d. h. Modernisierung der zurzeit veralteten REüTER'schen 
Nomenklatur im Text selbst vorzunehmen ; wir verweisen deshalb auf 
die entsprechenden neuesten Bezeichnungen in den Fußnoten. Gerade 
durch die gewissenhafte Wiedergabe dieser originellen, nur, so weit 
es das Verständnis unbedingt erheischte , modernisierten Arbeit, 
glauben wir dem Verdienste des hervorragenden finnländischen Fach- 
manns am ehesten gerecht zu werden und den Dank jener zu linden, 
die sich für diese späte Zugänglichmachung älterer Forschungs- 
ergebnisse interessieren. 

Zum Schlüsse noch einige Bemerkungen : Da es sich bei der 
Übertragung des REUTEpJschen Originals nur um die biologischen 
Verhältnisse handelte, so haben wir von den 10 Kapiteln nur die 
6 ersten berücksichtigt. Der 7. Abschnitt handelt von der uns 
Mittel-Europäern etwas fernliegenden Zusammensetzung der skan- 
dinavisch-finnischen Capsiden-Fauna ; Abschnitt VIII behandelt „Ver- 
wandtschaft und Platz im System" ; Kapitel IX betrifft die „Syste- 
matik der Capsiden ; eine kurze historische Übersicht , sowie die 
Untersuchung der verschiedenen Systeme" ; Abschnitt X (lateinischen 
Textes) bringt schließlich die von Reuter selbst inzwischen ab- 
geänderte „systematische Einteilung der europäischen Capsiden". . — 
Weiterhin ist noch zu berücksichtigen, daß es sich bei Reüter's 
Arbeit um eine n o r d europäische Fauna handelt, die manche unserm 
mitteleuropäischen Deutschland fehlende Art aufweist (sowie auch 
umgekehrt) , und daß die durch die höhere Breite bedingten ab- 
weichenden klimatischen Verhältnisse Finnlands sich auch in ge- 
wissen zeitlichen Verschiebungen im Auftreten der betr. Arten geltend 
machen. — Schließlich ist 0. M. Reüter's damalige (1875) systema- 
tische Übersicht der Capsiden eine wesentlich andere, als seine 
spätere, in den „Hemipt. Gymnoeerat. Europae" gegebene, welch 
letztere sich wieder in voller Übereinstimmung mit jener des neuesten 
(1899) PüTON'schen Hemipteren-Katalogs der paläarktischen Fauna 
befindet. Zur Erleichterung des Verständnisses der REüTER'schen 
Ausführungen, sowie zum bequemen Vergleich beider Systeme haben 
wir am Schlüsse in einer Übersichtstabelle Reüter's ältere (1875) 
und neuere (1883) systematische Einteilung der Capsiden neben- 
einander gestellt. 

I. Körperbau. 

Der Körper der Tiere, welche im folgenden behandelt werden, 
ist selten groß, gewöhnlich mittelgroß oder klein; in der Form 



— 266 — 

wechselt er zwischen schmal und gleichbieit oder zwischen breit 
und eirund und ist immer mehr oder weniger gewölbt, sowie meist 
behaart, wenn auch diese Behaarung nicht selten äußerst fein und 
nur bisweilen fast borstig ist. In einigen Fällen sind, außer der 
normalen Behaarung, leicht abzureibende, silber-, gold- oder messing- 
glänzende, schuppenähnhche , niedergedrückte Härchen vorhanden. 
Der Kopf (caput) ist gewöhnlich mittelgroß, selten vorgestreckt 
und dabei länger als breit, meist mehr oder weniger schräg nach 
unten gerichtet, bisweilen senkrecht und kurz. Der Scheitel (vertex) 
und die Stirn (frons) sind gewöhnlich, bisweilen sogar stark ge- 
wölbt; ersterer ist nicht selten hinten gegen den zusammen- 
geschnürten Hals (Nacken) durch eine feine erhöhte Querleiste, 
welche sich vom Hinterrande des einen Auges zum andern erstreckt, 
begrenzt. Der Clypeus (Tylus Fieb.) ist selten durch einen Quer- 
eindruck von der Stirn deutlich abgesetzt; er wird jedoch an den 
Seiten durch eine scharf eingedrückte Linie von den Seitenstücken 
des Kopfes getrennt. Jederseits des Clypeus liegen nämlich zwei 
durch einen Quereinschnitt getrennte Stücke, von welchen das obere, 
vor den Augen gelegene und meist die Antennen-Grube (scrobs) 
tragende Stück als jugum (zygum, Jochstück Fieber's) bezeichnet 
wird. Dieses Stück ist flach, gewölbt, bisweilen sogar aufgeschwollen, 
und wird vorn vom Clypeus, unten von dem ebenfalls vorn an den 
Clypeus anstoßenden, zweiten Seitenstücke, der eigentlichen Wange 
(gena, Wangenstück Fieb.), begrenzt. Unter diesen findet sich oft 
noch ein kurzes, vorn spitz dreieckiges Stück, die sogenannte gena 
postica (Hinterwange Fieb.) und ferner nicht selten, die Basis des 
Rostrums berührend, ein kleines leistenförmiges Stück, buccula 
(Wangenplatte Fieb.) ; so nach Fieber's Terminologie (Eur. Hem. p. 3). 
Thomson (Op. ent. IV, p. 410) weicht in der Bezeichnung etwas ab, 
und ich habe mich in den Beschreibungen seiner Auffassung an- 
geschlossen, da sie in deskriptiver Beziehung wohl zweckmäßiger und 
jedenfalls genügend ist. Unter Wangen (genae) versteht man die 
Seitenteile des Kopfes, die oben von dem unteren Rande der Augen, 
unten von der Kehle und vorn von der eingedrückten Längslinie, 
welche dieselben vom Clypeus trennt, begrenzt werden. An diesen 
Wangen unterscheidet man dann ein Stück, den Zügel (lora), welcher 
der gena Fieber's entspricht und vorn vom Clypeus, oben von der 
eingedrückten Linie, welche im Winkel von der Seite des Clypeus 
in der Richtung nach der Antennen-Grube zu geht, d. h. von Fieber's 
unterer Grenze des Jochstücks (jugum) begrenzt wird. Ferner findet 



— 267 — 

sich bisweilen noch unten ein anderes Stück, welches oben von der 
Linie, die Fiebers genae posticae abteilte, begrenzt wird, in welchem 
Falle lorae discretae gebildet werden. Im anderen Falle wird die 
Grenze unten von der eigenen Grenze des Kopfes gebildet. Die 
Kehle (gula) rechnet man von dem unteren und vorderen aus- 
gerandeten Teil des Kopfes ab, peristomium; sie liegt selten in 
derselben Ebene wie letzterer, sondern bildet mit ihm einen stumpfen 
Winkel (gula obliqua). Als Gesichtswinkel (angulus facialis) 
bezeichnet Thomson das Verhältnis zwischen dem Peristomium und 
der eingedrückten Seitenlinie des Clypeus; dieser Winkel ist am 
häufigsten ein rechter, bisweilen auch ein mehr oder weniger spitzer. 
Die Augen (o c u 1 i) sind von verschiedener Form, Größe und Stellung, 
selten gestielt; sie befinden sich gewöhnlich am Hinterrande des 
Scheitels und berühren meist mehr oder weniger den Vorderrand des 
Pronotum ; bisweilen sind sie jedoch von letzterem entfernt und 
können sogar in der Mitte der Seiten des Kopfes stehen. Was ihre 
Form betrifft, so ist die hintere Orbita fast immer ausgerandet, die 
innere Orbita weicht nach vorn mehr oder weniger auseinander und 
hat gewöhnlich einen Ausschnitt, in welchem die Fühler befestigt 
sind. Seltener sind die Augen kugelförmig gewölbt oder nieren- 
förmig; häufig sind sie deutlich gekörnt. Punktaugen (ocelli) sind 
nicht zu erkennen \ Die Fühler (antennae) sind viergliedrig und 
meist unten am Innenrande der Augen befestigt, bisweilen fast in 
der Mitte desselben, in anderen Fällen unter der Spitze der Augen 
oder auch ziemlich weit davon entfernt. Ihr erstes Glied ist häufig 
das dickste , das zweite das längste , die zwei letzten sind in den 
meisten Fällen dünn und fein, das vierte Glied nur äußerst selten 
länger als das dritte. Der Schnabel (rostrum) ist frei, nicht in 
einer Rinne unter der Brust gelegen , von verschiedener Länge bei 
den einzelnen Arten. 

Die Vorderbrust (thorax) zeigt oben einen Vorderrücken 
(pronotum), der meistens breiter als lang und gegen das Ende fast 
immer schmäler ist als am Grunde, der nicht selten ausgerandet ist. 
Die Seitenränder sind oft abgerundet, selten scharf; der Vorderrand, 



' Kolenati will Ocellen entdeckt haben und äußert sich darüber fol- 
genderweise (Mel. cntoni. , fasc. II, p. 95): „Ucelli minimi" und ferner „Sub 
microscopio pro corporibus opacis constructo ocelli pone et retro oculos conspici 
possunt. Ocellis in Capsinis nuncquam nigri a nie visi; semper enim pellucidi, 
hinc in capite pallido diticillime visu. Facilius conspiciendi in lamella epicrani 
a reliquis capitis partibus separata". 



— 268 - 

der sich häufig durch eine ringförmige Einschnürung (strictura 
annuliformis apicalis) auszeichnet, ist meistens gerade, aber bis- 
weilen breit ausgebuchtet. Die Fläche (discus) ist nach vorn meistens 
abfallend (declivis) und hat vorn nicht selten zwei glatte, oft 
glänzende Erhöhungen (colli), jederseits eine, welche hinten meistens 
von einem gebogenen Quereindruck begrenzt sind. Bisweilen wird 
dieser Quereindruck so tief und breit, daß er eine Quervertiefung 
(sulcus transversalis) bildet, die in einigen Fällen sich sogar 
noch über die Seitenränder des Vorderrückens bis zur Vorderbrust 
erstreckt. In diesen Fällen sind die Colli sehr groß und glänzend 
und ähneln bisweilen hörnerartigen Auswüchsen (Glohiceps sphegi- 
formis). Vom Mittelrücken (mesonotum) sieht man oben zwischen 
den Flügeldecken nur ein kleines dreieckiges Stück, das Schildchen 
(scutellum), das in zwei Teile geteilt ist, einen vorderen, den 
Schildgrund (basis scutelli), der häufig unter dem Hinterrande des 
Pronotum versteckt ist, und einen hinteren, der bisweilen eine längs- 
gehende Leiste zeigt {JBothynotus) oder zu einem hohen Kamm 
zusammengedrückt ist (Stethoconus). Die untere Seite des Mittel- 
körpers oder die Brust (stethium, pectus) ist zusammengesetzt; 
die Vorderbrust (prostethium Fieb. , antepectus Kirby^, pectus 
prothoracis Burm.) ist jedoch immer einfach, kurz, in der Mitte 
hinten in eine dreieckige Spitze (mucro, Vorderbrust-Xyphus Fieb.) 
verlängert, an deren beiden Seiten die Gelenkpfannen (acetabula) 
für die Hüften der Vorderbeine eingefügt sind. Die Mittelbrust 
(mösostethium Fieb., medipectus Kirby, pectus mesothoracis 
BuRM.) wird durch eingedrückte Linien geteilt; ihren mittleren Teil 
nennt man mesosternum, zu dessen Seiten die Scapula liegt. Die 
Hinterbrust (metastethium Fieb., postpectus Kirby, pectus 
metathoracis Burm.) besteht in analoger Weise aus einem Mittel- 
stück (metasternum) und hat jederseits ein Seitenstück (pleura 
Burm., parapleura Fieb.); zwischen dem Metasternum und den 
Pleuren zeigt sich noch ein besonderes größeres Feld (parapleura 
Burm., pleura Fieb.), auf dem sich die Öffnungen (orificia) der 
Stinkdrüsen mit ihren Rinnen (rima) befinden. Man hat zwar auch 
mit pro-, meso- und metasternum die ganze Vorder-, Mittel- und 
Hinterbrust bezeichnet, aber wie Flor (Rh. Livl. I, p. 30) bemerkt, 



^ Obwohl Kirby's und Burm eiste r"s Benennungen älter sind, habe 
ich doch Fieber' s Bezeichnungsweise vorgezogen, weil dadurch mehr Gleich- 
förmigkeit in die Bezeichnungen für die obere Seite kommt, welche Bezeichnungen 
aus dem Griechischen stammen. 



— 269 — 

ist dies unrichtig schon wegen des direkten Sinnes der Wörter, 
wozu noch kommt, daß Bürmeister schon früher dieselben Bezeich- 
nungen in einem anderen Sinne gebraucht hat. Ich habe daher in 
meinen Beschreibungen die oben (Fußnote) angegebene Terminologie 
benutzt. 

Die Deckflügel (hemielytra oder hemelytra) bestehen, wenn 
sie völlig ausgebildet sind, aus vier Teilen, dem clavus, corium, 
cuneus und der membrana. Nur bei Diplacus gibt es keinen 
deutlich abgesetzten cuneus. Der Clavus ist der Teil, der dem 
Scutellum am nächsten gelegen ist; man kann oft darauf eine nie- 
drige längsstreichende Rippe, aber selten eine Ader bemerken. Das 
Corium, der größte Teil des Flügels, zeigt zwei mehr oder weniger 
deutliche Adern oder Nerven, eine äußere, cubitus oder vena 
cubitalis, und eine innere, brachium oder vena brachialis 
(Cubitalader — Brachialader.) Erstere teilt sich am Ende in zwei Äste 
und bildet so die furca cubiti (Cubital-Gabel), von deren Ästen der 
eine, äußere, bis zum Hinterrand verläuft, während der innere in die 
Membran eindringt, um die kleine Zelle (areola vel cellula minor 
vel cubitalis) zu bilden. Bisweilen ist die Cubitalader auch bis 
über ihre Mitte tief eingedrückt, endet aber dann vollständig und 
bildet in diesem Fall auch nur eine Zelle in der Membran. Die 
Brachialader (vena brachialis oder brachium) ist meist weniger 
deutlich, bisweilen im Corium kaum wahrnehmbar, aber immer stark 
ausgebildet, sobald sie in die Membran eindringt, um daselbst die 
größere Zelle (areola [vel cellula] major vel brachialis) zu 
bilden. Ferner bemerkt man auf dem Corium die an seinem Außen- 
rande verlaufende Costalader (Costa oder Vena costalis) und die 
parallel dazu, aber mehr oder w-eniger entfernt verlaufende Sub- 
costalader (postcosta oder vena postcostalis); der lange schmale 
Raum dazwischen bildet das Einsatzstück, Außenrandfeld (embo- 
lium). Häufig sind alle Adern undeutlich, ja unmerklich. Der Keil 
(cuneus Fieb., appendix Schill., Burm.) ist von derselben Beschaffen- 
heit wie der Clavus und das Corium, und bildet ein kleines, drei- 
eckiges, mit dem Corium durch eine breite Naht (fractura) ver- 
einigtes Stück, das für diese Gruppe besonders charakteristisch ist. 
Die Naht ist vollständig, so daß sie sich vom Außenrande der Hem- 
elytren bis zum Innenrande erstreckt. Auch ist der Cuneus meist 
in einer zum Corium mehr oder weniger schiefen Ebene gelegen. 
Die Membran, welche dünn und durchscheinend ist, bildet die Spitze 
der Deckflügel und zeichnet sich am Grunde durch ein oder zwei 



— 270 — 

geschlossene Felder (areolae vel cellulae) aus, welche von den 
venae cubitalis und brachialis gebildet werden. Beide Zellen 
senden an ihrer Spitze einen gegen den Hinterrand der Membran 
verlaufenden und allmählich verschwindenden Ast aus. Nur bei 
Biplacus fehlen beide Zellen und die Membran zeigt nur einige freie, 
undeutliche Adern. 

Nicht selten sind die Halbdecken verkürzt, ohne Membran, 
oft auch ohne Cuneus und Clavus und in diesem Fall nur aus einem 
einzigen Stück bestehend. 

Die Flugfiügel (alae) haben ein abgegrenztes, längUchrundes 
Feld (areola), das von einer längs dem Außenrande verlaufenden 
Ader, der Hauptader (vena [vel costa] cubitalis vel prim aria), 
sowie von einer unter dieser gelegenen Ader, der Unter- oder Radial- 
ader (vena [vel costa] radialis vel subtensa) und einer dritten, 
dieselben verbindenden Ader, der Verbindungsader (vena vel costa 
connectens) gebildet wird; letztere scheint mir jedoch am besten 
als eine Fortsetzung der Radialader (vena radialis) angesehen zu 
werden. Von dieser entspringt außerdem oft eine nach dem Innen- 
felde der Zelle verlaufende kleine Ader, der Zellhaken (uncus 
vel hamus). Außerdem entspringen noch von der Zelle zwei 
freiendigende Adern. Bei iJiplacus findet sich kein geschlossenes 
Flügelfeld. 

Die Beine (pedes) sind gewöhnlich lang; die Hinterbeine am 
längsten und ihre Schenkel (femora) oft länger und dicker als die 
der beiden vorderen Beinpaare. Die Hüften (coxae) sind meist 
lang und stehen kegelförmig aus ihren Gelenkpfannen (acetabulae) 
hervor; die demselben Paare angehörenden stehen ganz nahe bei- 
sammen ; dagegen stehen die Vorderhüften weit entfernt von den 
Mittelhüften , die wiederum den Hinterhüften ganz nahe sind. Die 
Schienen (tibiae) sind fein und meistens mit feinen Stacheln oder 
Dornen (spinulae vel denticuli) versehen. Die Fußglieder (tarsi) 
sind dreigliedrig, das dritte Glied ist an der Spitze mit zwei Krallen 
(unguiculi) versehen, welche oft eine zahnförmige Erweiterung 
haben und bisweilen fast zweigeteilt sind. Zwischen den Krallen 
finden sich zwei kleine Haftläppchen (arolia vel pul villi), welche 
doch bisweilen so fein, schmal und hell gefärbt sind, daß sie fast 
nicht zu unterscheiden sind und für flache Borsten gehalten werden 
können. 

Der Hinterleib (abdomen) ist oben flach, meistens mit nach 
oben gebogenem Seitenrande (connexivum); unten gewölbt, bis- 



- 271 - 

weilen hinten kugelförmig erweitert, am Grunde zusammengeschnürt 
(petiolatum). Er ist aus 8 freien, an den Seiten gleich langen 
Segmenten zusammengesetzt ; die 7 ersten tragen unten , an den 
Seiten, Öffnungen (stigmata) für die Luftröhren (tracheae). Von 
diesen Segmenten sind die 6 ersten als eigentliche Abdominal- 
segmente (segmenta abdominalia) zu betrachten, und zwar werden 
sie, von oben gesehen, als Eückensegmente (segmenta dorsalia), 
von unten gesehen, als Bauchsegmente (segmenta ventralia) 
bezeichnet. Beim Weibchen sind diese 6 Ventralsegmente am Hinter- 
rande entweder alle gerade und demnach in der Mitte so lang als 
an den Seiten , oder es sind die zwei bis drei letzten in der Mitte 
vorwärts geschoben, das letzte oft so viel, daß es nur an den Seiten 
sichtbar ist; der Hinterrand des letzten Segments zeigt beim Weib- 
chen einen, bisweilen fehlenden, fast dreieckigen, hervorstehenden 
Zipfel, die Schuppe (squama), welche den Grund des Legestachels 
bedeckt. Die Genitalsegmente oder Geschlechtsabschnitte (seg- 
menta genitalia) sitzen am Ende des Abdomen. Beim Männchen 
gibt es deren zwei, von denen das erste ganz wie ein Abdominal- 
segment aussieht. Das zweite ist groß, sowohl von oben als unten 
sichtbar und bildet die Spitze des Abdomen; unten ist es etwas 
gewölbt, häufig mit einer längs verlaufenden, feinen, erhöhten Leiste 
(carina) versehen, gegen die Spitze zu allmähhch verschmälert, 
oben gegen die Spitze mit einer Öffnung (apertura) versehen, in 
welcher die beiden ungleich gestalteten Genitalzangen , Haftzangen 
(forcipites vel stylij liegen, sowie das männliche Kopulationsorgan 
(penis) mit seinen Anhängseln (appendices), alle etwas höher als 
die Afterröhre (tuba analis). Beim Weibchen ist das zweite 
Genitalsegment (das 7. des Abdomen) ähnlich wie das dritte in der 
Mitte geschient. Zwischen den beiden Seitenstücken erstrecken sich 
von der Spitze des 6. Abdominalsegments bis zum Ende des Körpers 
zwei gegeneinander gerichtete Platten, welche nach Flor (Rh. Livl. I, 
p. 45) das erste Genitalsegment repräsentieren und die sogenannte 
äußere Scheide (vagina externa terebrae, vagina aculei seu 
valvulae) bilden. An der oberen Seite des Körpers sind nur die 
zwei letzten Segmente sichtbar. Die äußere Scheide bildet eine 
Hülle um den säbelförmigen Legestachel (terebra vel aculeus), 
der aus vier hornigen Lamellen, zwei äußeren und zwei feineren 
inneren , besteht ; diese sind an ihrem Rande häufig gezähnt. Bei 
der Eiablage tritt der Stachel aus seiner Scheide heraus, ohne von 
derselben begleitet zu werden. 



272 



II. Sekundäre Geschlechtscharaktere. 

Hauptsächlich durch die neue Richtung, welche Darwin der 
Naturforschung gegeben hat, haben die sogenannten sekundären Ge- 
schlechtscharaktere eine gewisse Bedeutung erhalten und die nähere 
Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Bekanntermaßen spielen dieselben 
in Darwin"s Theorie eine bedeutende Rolle und es dürfte daher nicht 
überflüssig sein, hier den sekundären Geschlechtscharakteren der Cap- 
siden einen besonderen Abschnitt zu widmen und darin einen Über- 
blick über die verschiedenen Geschlechtsunterschiede dieser Tiere 
zu geben. 

Was zuerst die Struktur der einzelnen Körperteile betrifft , so 
sind die Augen der Männchen in den meisten Fällen größer und 
stärker hervorstehend, sowie mehr einander genähert, weshalb die 
Stirn oft ganz erheblich schmäler und die Wangen niedriger er- 
scheinen. Ich habe bei den Beschreibungen auf diesem Verhältnis 
beruhende Geschlechtscharaktere gesucht, indem ich mit dem 
Querdurchmesser des Auges die Breite der Stirn vergleiche , des- 
gleichen wie sie am Übergange zum Scheitel sind, oder bei Arten 
mit ausgerandeten Augen unmittelbar oberhalb der Ausrandung. In 
einigen Fällen , besonders bei Arten mit breitem Scheitel (vertex), 
sind jedoch die Augen bei beiden Geschlechtern gleich groß. Die 
Fühler sind in vielen Fällen beim Männchen etwas stärker; bei 
einigen Arten sind sie sogar sehr stark verdickt, während sie beim 
Weibchen ganz schlank bleiben. So z. B. bei Calocoris variegatus 
Costa \ bei welcher das zweite Glied beim 3 dicker ist, als beim $, 
AUoeotomus gothicus Fall., Psallus intermedms F. Sahlb. ", Ps. oh- 
scurellus Fall. , PlayiognatJms quaärimacnlatus Fall. ^. Eine ganz 
besondere Struktur haben die Fühler von Harpocera thoracica Fall. 
Es gibt aber auch Fälle, wo umgekehrt die Fühler des Weibchens 
dicker sind als die des Männchens, z. B. Leptopterna ferrugata Fall., 
Cremnocephalus nmhratilis F. , Glohiceps flavomaculaüis F. , Gl. 
fulvipes Scop."^, Gl. dispar Boh. , Clüamydatus amhulans Fall.'', 
Ätractotomns. Über den Zweck dieser Unterschiede läßt sich wohl 
noch nichts Bestimmtes sagen, bemerkenswert ist es aber, daß sich 
dieselben auf ziemlich wichtige Sinnesorgane beziehen und daher 

^ Calocoris biclavatus H.-Sch. — ^ Psallus aethiops Zett. , auf Skan- 
dinavien und Finnland beschränkt. — ' Criocoris quadrimaciilattis Fall. , in 
Rußland. Finnland und Skandinavien. — * Glohiceps snlicicola Reut., in Skan- 
dinavien und Finnland. — ^ Mecomma amhulans Fall. 



— 273 — 

wohl eben durch die verschiedene EntwickUingsstufe der letzteren 
bei den beiden Geschlechtern bedingt sind. 

Ein durchgehender Geschlechtsunterschied zeigt sich in der 
Entwicklung der Flugorgane. Die Halbdecken und Flügel sind 
nämlich, mit äußerst wenigen Ausnahmen, beim Weibchen kürzer 
als beim Männchen, wenn sie auch bei den meisten Arten die Spitze 
des Hinterleibs überragen oder dieselbe wenigstens erreichen ; auch 
ist ihr Außenrand bei ersterem Geschlecht mehr abgerundet; bis- 
weilen auch, wie bei Poeciloscytus nigrita Fall. ^, ganz erheblich 
erweitert. Ist die Art dimorph (siehe weiter unten) , so ist dies 
häufig nur beim Weibchen der Fall, z. B. bei den Leptopterna- Avten, 
Fhfjtocoris varipes Boh. ^, Bothynotus pilosus Boh. , Filopliorus con- 
fusus Kirsche., Orthocephcdns- kxian, Labops Sahlbergi Fall., Bwyphus 
errans Wolff, D. pallidns H.-S., Glohiceps flavomaculatus Fall,, 
Gl. ftdvipes Scop., Cldamydatus amhidans Fall., und in diesen Fällen 
ist die kurzflügelige Form immer bei weitem die zahlreichste. Bei 
einigen wenigen Arten ist das Weibchen, wie es scheint, konstant 
kurzgeflügelt, wenigstens ist es noch nicht in einer andern Form 
bekannt, während das Männchen immer langgeflügelt ist. Diese 
Arten sind: Systellonotiis trigidtcdus L. , Glohiceps dispar Boh. und 
Byrsoptera rt(ß/rons Fall. — Dieser Geschlechtsunterschied beruht 
offenbar darauf, daß das Männchen das aktive Element ist, welches 
das Weibchen aufsuchen soll und deswegen höher entwickelte Be- 
wegungsorgane (und auch Augen?) nötig hat. 

Ein weiterer sekundärer Geschlechtsunterschied, welchen ich 
geneigt bin in Beziehung zu dem vorhergehenden zu stellen^, ist, 
daß die Hinterschenkel bei mehreren Weibchen, insbesondere solchen, 
die verkürzte Flügel haben, stärker entwickelt sind. Die Verdickung 
der Schenkel des Weibchens läßt sich z. B. bei Gremnocephalus, 
Macrocoleus tanaceti Fall, und 31. mollwuhis Fall, beobachten und 
ist besonders deutlich bei einigen dimorphen Weibchen , nämlich 
Leptopterna ferrugata Fall., Ortliocephali , Lahops Saldbergi Fall., 
Glohiceps flavomacidatus F., Gl. dispar Boh., Chlamydcäus amhidans 
Fall, und Byrsoptera ntfifrons Fall. 

Was die gesamte Körperform betrifft , so sind die Männchen 
immer schmäler und schlanker. Bisweilen sind die beiden Ge- 
schlechter in dieser Beziehung sehr verschieden ; der Dimorphismus 
des Weibchens spielt dabei meistens eine wichtige Rolle. Dies ist 

^ Polymeras nigrita TAhL. — ^ Unter fremden Arten: AIlaeouDfus Fieb, 
— ^ Siehe weiter unten im Kapitel über den Dimorphismus. 

Jahreshefte d. Vereins f. \aterl. Naturkunde in Württ. 1900. 18 



— 274 — 

der Fall bei den Leptopterna-kiien , Botliynotus , Orthocephali, be- 
sonders bei Systellonotus^, Bicyphus errans und palUdus, Glohiceps 
flavomaculatus , Gl. fulvipes und in noch höherem Masse bei Gl. 
dispar, Chlamydatus ambulans und Byrsoptera riißfrons. Harpocera 
thoracica zeigt jedoch die größten Geschlechtsunterschiede, denn bei 
dieser Art finden sich Abweichungen in der Struktur des Kopfes, 
der Fühler und Beine, sowie der Halbdecken, wozu noch kommt, 
daß beide Geschlechter sehr verschieden gefärbt sind. 

Was nun Färbung und Zeichnung betrifft, so sind bei den 
meisten Capsiden die beiden Geschlechter einander sehr ähnlich. 
Die größten Unterschiede finden sich, wie gesagt, bei Harpocera, 
deren Männchen viel dunkler gefärbt ist. Und wo Farbenunterschiede 
überhaupt vorhanden sind, ist letzteres meistens der Fall. So sind 
die Männchen der folgenden Arten dunkler und mit schmäleren, 
schärfer begrenzten und lebhafteren Zeichnungen versehen als die 
Weibchen: Megaloceraea erratica L. , Teratocoris antennatus Boh., 
T. hyperhoreus J. Sahlb. ^ , T. viridis Dodgl. et Sc. , T. Saundersi 
DoüGL. et Sc, Phytocoris distinctus Dougl. et Sc. ^, Ph. dimidiaUis 
KmscHB., Calocoris variegatus Costa*, C. fulvomaculatus D. G. , C. 
striatellus F. ^, C. roseomaculatus D. G. , Oncognathus hinotatus F. ", 
Bryocoris pteridis Fall. , Eroticoris rufescens Burm. ^ , Gyllocoris 
histrionicush., Orthotylushoreelhis7jm:T., O.virens Ykll., Conostethus 
salinus J. Sahlb., C. roseiis Fall., Phylus limitatus Fieb. ®, Plesio- 
dema pinetellum Zett. , Psallus betuleti Fall. , Ps. ambiguus Fall., 
Ps. graminicola Zett., Ps. variabilis Fall., Plagiognathus^ quadri- 
maculatus Fall. , PI. Roseri H.-S. ^" , PJ. albipennis Fall. , PI. 
Bohemani Fall. ^\ und auch wenn die Arten variieren, sind die 
dunkleren Varietäten Männchen (Calocoris bipunctatiis F., Cyphodema 
rubicimda Fall. ^^, Poeciloscytus vulueratus Wolff, Beraeocoris 
laniarius L.^^), die helleren Weibchen {Lygus viridis Fall., L.lim- 
hatus Fall., Hadrodema pinastri Fall. ^*, Psallus aethiops Zett.). 



1 Bei dieser Art ist der Kopf des Weibchens mehr oder weniger kugel- 
förmig, ein Umstand, welcher von der „Maskienuig" dieses Geschlechts herrührt 
(siehe weiter unten). — ^ Nach Put. Cat. 1899 (p. 57) ist Teratocoris hyper- 
horeus Sahlb. synonym zu T. viridis Dgl. et Sc. — ^ Phytocoris distinctus 
Dgl. et Sc. ist (nach Put. Cat. 1899) Varietät von Ph. Populi Lin. — * Calo- 
coris hiclavatus H.-S. — * Calocoris ochromelas Gmel. — ^ Sfenotus hinotatus F. 
— ' Allodapus rufescens Burm. — ^ Brachyarthrum limitatnm Fieb. — ^ Crio- 
coris quadrimacidatus Fall. — '" Sthenarus Roseri H.-S. — '' Neocoris 
Bohemani Fall. — " J^yyus ruhicundus Fall. — ** Capsus ruher Lin. — 
" Camptozygum Pinastri Fall. 



— 275 — 

Nur bei CUamijdatus ambidans Fall. ^ und Byrsoptera rußfrons 
Fall, ist das Weibchen dunkler als das Männchen. Da das Männchen, 
wie gesagt, am meisten auf dunklerem Grund lebhaftere und schärfer 
hervortretende Zeichnungen hat, während das Weibchen im all- 
gemeinen blasser und mit mehr zusammenfließenden Zeichnungen 
versehen ist, scheint es, daß nach Darwin's Hypothesen das männliche 
Geschlecht, das durch die Geschlechtsselektion besonders bevorzugte 
ist und als ob diese Auswahl von den Weibchen getroffen würde. 

III. Metamorphose und Entwicklungsgeschichte. 

Über die Metamorphose und Entwicklungsgeschichte der Cap- 
siden ist noch fast nichts veröffentlicht worden. Da das Weibchen 
mit einem fein gebildeten Stachel (terebra) versehen ist, scheint es, 
daß es die Eier in die Blattmasse der Pflanzen eingesenkt ablegt. 
Direkte Beobachtungen hierüber liegen jedoch nicht vor. — Die Eier 
sind bei allen von mir untersuchten Arten länglichrund, oft schwach 
gekrümmt, glatt glänzend. Solange die Larven noch ganz klein sind, 
zeichnen sie sich häufig durch ihre verhältnismäßig längeren Fühler 
aus. Etwas älter, sind ihre Fühler und Beine meist kürzer und 
dicker als bei der Imago und die Längenverhältnisse der einzelnen 
Glieder weichen unter sich ab. Der Schnabel ist dagegen so wie 
bei dem entwickelten Insekt. Der Kopf hat in den meisten Fällen 
dieselbe oder doch eine ganz ähnliche Form, wie bei dem ent- 
wickelten Tier. Das Pronotum ist dagegen meistens rechtwinkhg, 
oben wagerecht, immer ohne vordere Einschnürung. Der Mittelrücken, 
der an seiner Spitze mehr oder weniger abgerundet ist, ist gewöhn- 
lich so lang als das Pronotum und trägt an seinen Seiten bei der 
(nach der zweiten Häutung entstehenden) Nymphe Halbdecken- 
stummel. Das Metanotum besteht aus zwei Ringen, von denen der 
vordere die Andeutungen der Flügel trägt. Die Flügelstummel sind 
bei verschiedenen Gruppen und Arten ungleich lang. Oft ist der 
Hinterrand von Pro- und Metanotum ungleich gefärbt. Das Abdomen 
ist gewöhnlich so lang als der ganze übrige Körper und besteht aus 
8 Segmenten. Die Genitalsegmente und Geschlechtsteile sind noch 
unentwickelt. Die Körperhülle ist weich und schrumpft nach dem 
Tode zusammen ^ Die Tarsen sind nur zweigliedrig; ihr zweites 
Glied, das an der Spitze die Krallen trägt, ist lang. 

' Mecomma ambulans Fall. 

- Larven und Nymphen lassen sich daher am besten in 12gradigem Spiritus 
autbewahren. 

18* 



— 276 — 

In der Färbung und bisweilen auch im allgemeinen Habitus 
(z. B. Cyllocoris histrionicus) sind die Larven und Nymphen oft den 
ausgebildeten Insekten ganz unähnlich, und wenn nahestehende Arten 
als Imagines in Färbung sehr ungleich sind, ähneln doch dagegen 
oft ihre Larven und Nymphen einander. Bis jetzt sind fast noch 
keine früheren Stadien beschrieben worden. Ich habe während einer 
Reihe von Jahren Beobachtungen über die Entwicklung der Cap- 
siden angestellt und kann daher die Larven oder Nymphen von 
vielen Arten beschreiben. 

Was die Erscheinungszeit der Imago betrifft, so ist diese bei 
den einzelnen Arten sehr verschieden. Ich habe auch darüber im 
Laufe mehrerer Sommer Aufzeichnungen gemacht, teils auf Aland, 
teils in der Umgebung von Abo (Pargas Kirchspiel) und gefunden, 
daß man, nach den Verhältnissen im südwestlichen Finnland, die 
folgenden Gruppen unterscheiden kann \ 

1. Arten, welche um den 25. Juni oder schon früher erscheinen 
und dann (wenigstens die 33) schon gegen Mitte Juli wieder ver- 
schwinden (Vorsommer-Arten): Calocoris striatelliis, Glohkeps 
flavonotatus , Lahojys Sahlbergi ^ , Plagiognathtis qimdrimaadatns, 
Fsallus iutermedius^ und variabilis. 

2. Arten , welche vom Ende Juni ab bis zum 5. bis 10. Juli 
erscheinen und welche (wenigstens die de?) spätestens Mitte August 
wieder verschwinden (Mittelsommer- Arten) : Monalocoris filicis, 
Pithanus Märkell, Megaloceraea nißcornis, Leptopternd äölabrata 
und ferntgata^ Teratocoris Saundersi und pallidum^ Capsus ater^, 
Lygns linibatus, Poeciloscytus unifasciatus, Stiphrosoma leucocephalum °, 
Cyllocoris histrionicus , Globiceps fulvipes , Ghlamydatus ambulans ^\ 
caricis'^, Hoplomaclms Thunhergi, Flesiodema innetelhim, Psallus 
amhiguus , dimimdns, Plagiognathus nigritulus^. Die Grenzen zwi- 
schen dieser und der folgenden Gruppe sind oft schwer zu finden 
und in verschiedenen Jahren können einige Arten vielleicht entweder 



' Diese Bemerkungen bezw. Beobachtungen beziehen sich auf das nord- 
europäische Finnland und dürfen deshalb nicht vollständig auf das mittel- 
europäische Deutschland übertragen werden ; hierbei muß mit einer zeitlichen 
Verschiebung von etwa 1 — 3 Wochen früher gerechnet werden. 

^ Lahops Sahlbergi Fall, lebt nur in Skandinavien, Finnland und Rußland. 

^ Fsaihts intermedius Sählb. = Ps. oethiojjs Zeit, kommt nur in Skan- 
dinavien und Finnland vor. 

* lihopaloiomH^ citcr Lin. — ° Siran gylovor in leucocephalus Lix. — 
* Mecomma ambulans Fall. — ' Cyrtorrhinus Caricis Fall. ~ ^ Neocoris 
nigrituhis Zett., kommt nur in Groß-Britannien, Skandinavien iiud Finnland vor. 



— 277 — 

zur einen oder anderen Gruppe gerechnet werden. Die hierher ge- 
hörigen Arten verschwinden jedoch immer früher. 

3. Arten, welche vom 10. bis 15. Juli bis um den 25. Juli bis 
1. August erscheinen, und welche noch Ende August und bisweilen 
bis in den September vorkommen, aber nur äußerst selten über- 
wintern (Hochsommer- Arten): Cahcoris varirgatus^, fulvomaculatus, 
roseomaculatus, striaUis'^, Oncognatlius hwotatus^ , Dicrooscytus rufi- 
pennis, Plesiocoris rugicoUis, Lygus ruhricahis , contaminatus, pra^ 
tensis, Kalmi^ (hjphodema rubiawda'^, Hadrodema pinastri^, 
Liocoris tripustulcdiis var. a., Ilcdticiis pallicornis^, Pllophorus cla^ 
vatus, Orthocephalns scdtcäor, Glohiceps ftavomacidatus, Chlamydatus 
■insignis'^, Orthotylns nasscdus, virens, ßavosparsus, Oncotylus decolor^, 
Byrsoptera rußfrons , Plesiodema pinetellum, Atradotomus magni- 
rornis . Psallus varians, Plagiogncdhus arhiistoruni und viridtdus^. 

4. Arten, welche im August (bisweilen schon Ende Juli) oder 
oft erst am Ende August oder anfangs September ausgebildet sind, 
und von denen mehrere mit Sicherheit überwintern (Spätsommer- 
Arten): Miris ccdcaratus und virens, 3Iegaloceraea erratica, Phyto^ 
coris piiii, Lygus pratensis, Kalmi, Piloplioriis hifascicdus, Cremno^ 
cepliahis umbratilis , Liocoris tripustidatus var. c. , örthotylus ßavo- 
sparsus, ericetorum, PsaJhis roseus^^, alnicola, sanguineus^^. 

Aus obigem geht hervor, daß einige Arten im Laufe einer 
längeren Zeit sich entwickeln (z. B. Lygus pratensis im Juli, August 
und bis in den September, Lygus Kalmi von Mitte Juli bis Mitte 
August, örthotylus ßavosparsus von Mitte Juli bis Anfang September, 
Plagiognathus viridulus von Mitte Juli bis weit in den August). Es 
sind dies eben die an Individuen am zahlreichsten Arten. Die 
meisten Arten erscheinen als Imagines doch nur während einer enger 
begrenzten Zeit. Nur wenige Capsiden überwintern , so daß die 
Frtthlingsfauna nur aus 3Liris mlcaraius , virens und Jiolsatus, 
Lygus pratensis und Kalmi, Cyphodema ruhicunda ^'- , Poeciloscytus 
Gyllcnhali^^ und Liocoris tripustidatus besteht. 

Mehr als eine Generation im Laufe des Jahres habe ich nicht 
beobachten können, jedoch möchte ich in betreff des Liocoris tri- 



* Cdlocoris biclavatus H.-S. — ^ Pi/cnopterna striata Lix. — '' Sicnotus 
h'niotalns F. — * Lygus rnhicundus Fall. — '' Cainpto.ii/ffum Finastri Fall. 
— ^ Halticus apteruft Lix. — ' Cyrtovrhinus Jlareolus Reut. , nur in Skan- 
dinavien und Finnland. — ^ OnycliHmeiiua decolor Fall. — ^ Plngioynathas 
Chrysanthemi Wolff. — '" rmllus Fallenii Reut. — »^ Psallus roseus Fab. — 
'- Lyyus rubicundus Fall. — '' C/i,ir>uinr/n'his (hillpiihali Falt,. 



— 278 — 

pustulatiis bemerken, daß die Exemplare, welche ich Ende August 
und Anfang September entwickelt gefunden habe, sich von den- 
jenigen, welche sich Ende Juli entwickeln, dadurch unterscheiden, 
daß die Zeichnungen hellgelb (nicht rostgelb) sind (= var. c. autum- 
nalis m.)- Ebenso sind die im September sich entwickelnden In- 
dividuen von Lygus Kalmi L. viel dunkler als die, welche früher 
im Sommer erscheinen. Vielleicht kommen hier zwei Generationen 
vor, eine Sommer- und eine Herbst-Generation , welche sich in der 
Färbung unterscheiden, ähnlich wie die verschiedenen Generationen 
von gewissen Psi/Ua- Arten. 

IV. Polymorphismus. 

Der Polymorphismus oder das Verhältnis, daß eine und die- 
selbe Art als Imago in mehreren ungleichen Formen auftritt, ist 
eine im Tierreich schon längst bekannte Erscheinung. Unter den 
Hemipteren beschränkt sich der Polymorphismus meistens auf die 
höhere oder geringere Entwicklung der Flügel und die dadurch be- 
dingte Struktur des Mittelkörpers und kommt in diesem Falle bei 
den meisten Arten als Dimorphismus vor, indem die Art in zwei 
verschiedenen Formen auftritt, nur bei wenigen (z. B. einigen Cica- 
darien) als Trimorphismus. Bei einigen Reduviiden äußert sich 
jedoch der Polymorphismus auch in anderer Weise, z. B. in einer 
verschiedenen Erweiterung des Abdomen bei demselben Geschlecht 
der gleichen Art. Bei den Capsiden haben wir nur ersteren Typus 
von Polymorphismus (den ich als Pterygo- Polymorphismus be- 
zeichnet habe. Siehe weiter unten!), und zwar fast immer als Dimor- 
phismus. Nur ein einziger Fall von Trimorphismus, welchen 
ich vorigen Sommer bei Orthocephalus saltator Hahn beobachtete, 
ist bis jetzt bekannt. 

Diese Erscheinung oder der Zustand, daß eine Art, als, wie man 
es nennt, eine langflügelige Form (forma macroptera) und eine 
kurzflügelige Form (forma brachyptera^) auftritt, wobei beide 
Formen mit bis zu einem gewissen Grade entwickelten Flügeln ver- 
sehen sind, ohne« daß sich Zwischenformen nachweisen lassen, ist erst 
in neuerer Zeit in der Entomologie und besonders der Hemipterologie 
untersucht und richtig aufgefaßt worden. Lange glaubte man näm- 
lich irrtümlicherweise , die kurzgeflügelte Form wäre ein unent- 
wickeltes Individuum , das sich noch weiter entwickeln würde. So 



* Diese Benennungen wurden zuerst von SxäL eingeführt. 



— 279 — 

sagt z. B. Fallen in einer Anmerkung zu Capsiis mutahilis (Hern. 
Suec. p. 118) : „Feminae perfecte explicatae rariores sunt; atlarvae 
s. pupae, corpore crasso obtuso, elytris abbreviatis, frequenter etiam 
copulatae occurrunt" ^ Ebenso bei C. flavomaculatus (p. 120) : 
„Femina perfecte explicata rarius occurrit, larva autem vel pupa 
saepius visa" - usw. ^. Daß Scopoli (Ent. Carn. , 1763) auch das 
Weibchen dieser Art als Larve beschrieb, ist daher kein Wunder. 
Mehr kann man sich schon wundern, daß noch Fieber (Europ. Hem. 
1860) von mehreren Arten die kurzgeflügelte Form als Nymphe be- 
schreibt. Der Dimorphismus scheint ihm überhaupt eine terra in- 
cognita zu sein, weshalb er auch dazu gekommen ist, die ungleichen 
Formen von einigen Arten als verschiedene Arten zu beschreiben, 
z. B. Neides tipularius xinöi parallelus, Berytus vittatus und minor nsw. 
Unter den Capsiden beschreibt er wiederum eine „Männchen- 
Puppe" (p. 238) von Bryocoris pteridis , bei Leptopterna dolahrata 
(p. 245) spricht er von „erst entwickelten Puppen" , bei Mecomma 
amhtdans (p. 284) von „Weibchen-Puppe" , ebenso bei Agalliastes 
saltitans^ (p. 311), während die Weibchen von Orthocephalus sal- 
tator und mutahilis (p. 293) als normal ohne Membran beschrieben 
werden. 

Andere Hemipterologen hatten doch schon früher eingesehen, 
daß die kurzgeflügelten Formen auch Imagines sind. Dies wird z. B. 
von Kirschbaum in „Rhynch. Wiesb." (1855) besonders hervorgehoben, 
der, nachdem er auf der vorhergehenden Seite das Verhältnis betont 
hat, daß Arten oft mit verkürzten Flügeln und, infolge der geringeren 
Entwicklung der Flugmuskeln , mit schmälerem Meso- und Meta- 
notum , sowie hinten schmälerem Pronotum auftreten , schließlich 
ausdrücklich sagt: „Mit Nymphen sind diese Formen mit ver- 
kümmerten Flugorganen nicht zu verwechseln, da bei diesen sowohl 
die beiden Halbdecken als die beiden Flügel in gemeinsame, über 
den Mittel- und Hinterrücken gehende Hüllen eingeschlossen sind ; 
auch ist bei dem ^ die Legescheide von den sie begleitenden 



* Vollständig ausgebildete Weibchen sind ziemlich selten, während man 
hingegen Larven oder Puppen mit dickem stumpfen Leib und abgekürzten 
Flügeldecken häufig, sogar in Begattung antrifft. 

^ Das vollständig ausgebildete Weibchen bekommt man selten zu Gesicht, 
während die Larve oder Puppe häufig anzutreffen ist. 

^ So vermutet er, daß Phyioeovis sali it ans (p. 114) die Pupa von Ph. 
pulicarius sein könnte. 

* Chlamijdatus saltitans Fall. 



— 280 — 

Längswülsten eingehüllt." Flor ist ganz derselben Meinung (Rhynch. 
Livlancls, 1860, p. 37 f.). 

Die neueren Hemipterologen legen daher auch allgemein Ge- 
wicht auf den Dimorphismus und beschreiben gewöhnlich die beiden 
Formen einer dimorphen Art besonders als forma macroptera und 
forma brachyptera. 

Bei uns ist der Dimorphismus erst von J. Sahlberg genauer 
untersucht worden; er hat 1867 in einem Aufsatz „Bidrag tili 
kännedoraen om Finlands dimorpha insektarter" ' (Notis. Skpts. pro 
F. et Fl. Fenn. Förh. IX [1867]) sich darüber ausgesprochen und 
kommt nochmals darauf zurück in seiner „Üfversigt af Finlands ocb 
den Skandinaviska halföns Cicadariae" (ibid. XII [1871]). In diesen 
Aufsätzen versucht der Verfasser die Natur des Dimorphismus zu er- 
klären und gibt dabei (Öfversigt, p. 20) eine ziemlich gute Ein- 
teilung der dimorphen i\.rten. 

Sahlberg kommt, ähnlich dem was Flor anzunehmen scheint 
(Rhynch. Livl. I, p. 39), zu dem Resultat, daß der Dimorphismus 
durch den Einfluß des Klimas bedingt wird , indem er , was die 
Cicadinenfauna betrifft, nachweist, wie die Prozentzahl der dimorphen 
Arten gegen den Norden zunimmt. „Wenn eine Art sich bis zu 
einem Gebiet verbreitet hat," sagt er (1. c. p. 22), „woselbst die 
Temperatur niedriger als in ihrer ursprünglichen Heimat ist, geschieht 
es bisweilen, daß einige Individuen im Kampf ums Dasein ihre Flug- 
organe nicht mehr zu entwickeln vermögen, vorausgesetzt, daß das 
Tier diese nicht absolut nötig hat, um sich selbst zu erhalten und 
die Art fortzupflanzend" Der Verfasser scheint anzunehmen, daß 
das Fehlen der Fähigkeit, die Flügel zu ihrer vollen Länge zu ent- 
wickeln, nicht in nuce im Ei liege, sondern auf Zufälligkeiten, 
z. B. in der Ernährung der Larven und insbesondere in den klima- 
tologischen Verhältnissen, unter welchen sie sich entwickelt haben, 
beruhe (siehe Bidr. dim. Ins. p. 204 ff.). „Daß die Flügel bei Insekten, 
deren übrige Lokomotionsorgane, z. B. die Beine wohl entwickelt 
und, wie es bei den Cicadarien der Fall ist, zum Hüpfen brauchbar, 
weniger notwendig und daher leichter entbehrlich sind, ist leicht 
einzusehen," sagt Sahlberg weiter \ Ich habe mir diese Auszüge 
erlaubt, weil meine Hypothese über den Dimorphismus wesentlich 
verschieden ist. 

Die Richtigkeit der Prozentzahl der dimorphen Cicadinen, die 



' Die Erklärung ist also, wenn auch indirekt, nur teleologisch. 



— 281 — 

von Saiilberg angeführt werden, läßt sich nicht in Abrede stellen, 
aber deren Zunahme gegen Norden dürfte durch mehr als nur durch 
den direkten Einfluß des Klimas bedingt sein. So kommen z. B. 
nur 8 lappländische Cieadinen auf Bäumen und Sträuchern vor, 
während, je weiter man gegen Süden kommt, diese Anzahl immer 
größer und größer wird, und eben solche Arten sind bekannter- 
maßen nie dimorph. Auch gibt die Prozentzahl der übrigen Hemipteren 
nicht dasselbe Resultat, wie die der Cieadinen. Hiermit möchten 
wir doch nicht in Abrede stellen, daß das Klima zur Entstehung des 
Dimorphismus etwas beitragen kann, wenn wir uns auch bis auf wei- 
teres nicht erklären können, in welcher Weise dies vor sich geht ^ 
Indessen liegen einige Tatsachen vor, die man bei dem Studium 
des Dimorphismus nicht vergessen darf: 

1. Dimorphe Arten fehlen nicht in den Tropen, z. B. Nahis, 
Coriscus, Belphax u. m. 

2. Individuen mit verkürzten Flug- und Deckflügeln kommen 
meistens bei Insekten mit Hüpf- oder stark entwickelten Lautbeinen 
vor. So ist der Dimorphismus unter den Orthopteren und Cieadinen 
zahlreich vertreten und bei den Capsiden haben die meisten dimor- 
phen Arten stark entwickelte Hinterbeine. 

3. Es kommen mehrere Fälle vor, wo nur das Weibchen dimorph 
ist, keine aber, wo das nur mit dem Männehen der Fall ist. Die 
Hinterbeine dieser Weibchen sind oft deutlich dicker als die der 
Männchen, unter den Capsinen z. B. bei den $$ von Leptopterna 
ferruyata^ ÄUaronotus, Orthocephali , Labops , Glohiceps (Subgen. 
Kelidocoris), Ghlamyäatus amhulans, Byrsoptera u. m. ^ 

4. Eine große Zahl der am deutlichsten dimorphen Arten lebt 
im Gras und an den Wurzeln der Gräser. 

5. Dagegen kommen keine dimorphen Arten auf Bäumen und 
Sträuchern vor. 

6. Der Dimorphismus steht bei einigen Arten in so deutlichem 
Zusammenhang mit ihrer Leben.sweise, daß man ihn nicht als durch 
das Klima bedingt ansehen kann, z. B. bei Systellonotus. 

7. Unter den nicht wenigen bekannten fossilen Arten gibt es 
keine dimorphe. 



' Hier sind auch die Arten, deren Weibchen als forma macroptera noch 
nicht bekannt sind, berücksichtigt, wie es auch von Sahleerg geschieht. 

- Auch bei nicht dimorphen Arten , deren Weibchen doch kürzere Flügel 
als die Männchen haben, sind die Schenkel in ähnlicher Weise verdickt, z. B. 
Mncrocoleus moUicnhifi. 



— 282 — 

Hieraus ergeben sich nun folgende Schlußfolgerungen: 

1. Die langgeflügelte Form ist die ursprüngliche und die kurz- 
geflügelten Formen sind erst in späteren Perioden durch die „natür- 
liche Auswahl" entstanden. Das im allgemeinen seltenere Auftreten 
der langgeflügelten Form bei einer dimorphen Art kann demnach 
durch das Gesetz vom Rückgang oder Rückschlag erklärt werden. 

2. Die Verkrüppelung der Flügel ist wahrscheinlich durch ver- 
schiedene Umstände verursacht. Bei dem ameisenähnlichen, unter 
den Ameisen lebenden Systellonotus^ steht sie off'enbar in Zusammen- 
hang mit der Lebensweise des Tieres und trägt zu der Erscheinung 
bei, welche von der neueren Naturforschung als ^.Mimicry* be- 
zeichnet wird. 

3. Viele Arten haben, da sie sich an solchen Orten aufhalten, 
wo ihre Flugfähigkeit wenig gebraucht wird, d. h. nicht auf Bäumen 
und Sträuchern, sondern im Grase und auf dem Boden, wo ihnen 
die Beine nützlicher sind , in betreff der letzteren im Laufe der 
Generationen eine hohe Entwicklungsstufe erlangt, während dagegen 
die Flügelmuskeln, die nicht gebraucht werden, verkrüppeln und zu- 
folge dem „Gesetze von der Wechselwirkung" auch die Flügel ver- 
kürzt werden, je mehr sich die Beine entwickeln. Das „Erblichkeits- 
gesetz" erklärt dann weiter das Aussehen der jetzigen brachypteren 
Formen. 

4. Das Männchen, welches die aktive Rolle spielt, war im all- 
gemeinen mehr genötigt, seine Flügel zu gebrauchen und deren 
Muskeln zu üben , weshalb auch das männliche Geschlecht bei 
mehreren Arten durch Vererbung die entwickelte Deck- und Flug- 
flügel erhalten hat, während das Weibchen dimorph ist und nur 
selten in der macropteren Form auftritt. 

In dieser Weise gestaltet sich, an der Hand der vorliegenden 
Tatsachen , die Hypothese von dem Dimorphismus , wenn man das 
Gesetz von der natürlichen Auswahl anerkennt. Mir scheint es 
jedenfalls , daß dies die natürlichste und einzig mögliche Weise ist, 
in welcher man diese interessante Erscheinung erklären kann, 
während ich mich nicht zu einer Ansicht bekennen möchte, die an- 
nimmt, daß die kurzgeflügelte Form, ohne erbliche Anlagen, allein 
durch die Einwirkung des Klimas entstände. Warum wären in diesem 
Falle die kurzgeflügelten Formen einer Art im hohen Norden nicht 
noch mehr kurzgeflügelt als z. B. in Südeuropa? Und warum sollte 
das Klima nicht auch auf die auf Bäumen und Sträuchern lebenden 
Insekten ebenso wie auf die am Boden sich aufhaltenden Arten ein- 



— 283 — 

wirken können ? Ferner, warum wären die Männchen der Einwirkung 
des Klimas weniger ausgesetzt als die Weibchen? So lange diese 
Fragen nicht beantwortet sind, kann ich keine andere als die oben 
von mir dargelegten Ansichten über die Natur des Polymorphismus 
bei den Hemipteren (und Orthopteren) annehmen. 

Kehren wir dann, nach dieser Abschweifung, wieder zu den 
Capsiden zurück und werfen wir einen Blick auf die bei uns vor- 
kommenden dimorphen Arten dieser FamiUe. Sahlberg führt von 
den hierher gehörigen Arten in den „Bidr. tili Finl. dim. In.", 15 Arten 
aus Finnland an, eine doch keineswegs vollständige Anzahl. Von 
Skandinavien und Finnland kennen wir zusammen 38 dimorphe Cap- 
siden, von welchen 27 in Schweden, 34 in Finnland, 16 in Lapp- 
land, 26 im südlichen Finnland, 16 in Schonen vorkommen. 

Bei mehreren Arten , welche jedoch nicht zu den dimorphen 
gerechnet werden können, läßt sich jedoch die Tatsache, daß die 
Flügel des Männchens länger sind, erkennen, ja dies ist fast ein 
durchgehender sexueller Charakter und erklärt sich eben dadurch, 
daß das Männchen der aktivere Teil der Art ist. Bei einigen Weibchen 
haben aber diese gekürzten Flügel eine noch stärkere Verkürzung 
erfahren, wodurch die Flugflügel äußerst rudimentär geworden sind 
oder auch ganz fehlen. Zu den Weibchen, welche man doch nicht 
ohne weiteres als dimorph aufführen kann, weil ihre forraae macro- 
pterae noch unbekannt sind, zählen folgende Arten: Systellonotus 
triguttatus L., Glohicejjs dispar Boh. und Byrsoptera rufifrons Fall. 

Die dimorphen Hemipteren sind von J. Sahlberg (Öfv. af Finl. 
och Skand. Cicadariae p. 20) in gewissen Gruppen eingeteilt worden. 
Ich gebe hier eine andere, nach meiner Meinung geeignetere Ein- 
teilung dieser Insekten. 

Zuerst ist jedoch zu bemerken , daß die Benennung dimorph 
nicht bezeichnend genug ist, weil dieser Ausdruck schon vorher in 
mehrfach verschiedenem Sinne in der Naturgeschichte gebraucht 
worden ist, weshalb ich für den in Frage kommenden Fall die Be- 
zeichnung Pterygo-Polymorphismus vorschlage und die dadurch 
ausgezeichneten Arten als pterygo-polymorph benenne. 

Die pterygo-polymorphen Arten lassen sich folgendermaßen ein- 
teilen : 

Species pterygo-polyraorphae. 

1. Species pterygo-trimorphae, die in drei verschiedenen 
Formen, forma macroptera, intermedia und brachyptera vor- 
kommen ; unter den Capsiden nur Orthocephalus saltator Hahn. 



— 284 — 

2. Species pterygo-dimorphae, die nur als forma macro^ 
ptera und forma brachyptera vorkommen. 

Species pterygo-dimorphae. 

1. Species pterygo - gynaeco - dimorphae (= Specie.s 
hetero-dimorphae J. Sahlb.), von welchen nur das Weibchen 
dimorph ist ; unter den Capsiden : Leptopterna dolabrata L. und ferru- 
gata Fall., Fhytocoris varipes Bon., Bothynotus pilosus Boh., Ortho- 
cephalus brevis Panz. , coriaceus F. , saÜutor Hahn und vittipennis 
H.-S., Labops Sahlhergi Fall., Dkyphus errans Wolff und paUichis 
H.-S., Globiceps ßdvomaculatus F., GL fulvipes Sc, Chlamydatus 
ambidans Fall. 

2. Species pterygo-holo-dimorphae (= homo-dimorphae 
J. Sahlb.), von welchen die beiden Geschlechter (d. h. die ganze 
Art) dimorph sind. 

Species pterygo-holo-tlimorphae. 

1. Species pterygo-hetero-dimorphae, bei welchen das 
Männchen in einer von dem Weibchen abweichenden Weise dimorph 
ist; unter den Capsiden: Teratocoris viridis DcxL. et Sc, Saimdersi 
Dgl. et Sc und pcdudum J. Sahlb. 

2. Species pterygo-homo- dimorphae, bei welchen die 
beiden Geschlechter in derselben Weise dimorph sind, unter den Cap- 
siden: Miris holsatusF., Teratocoris antewiatus Boh., Bryocoris pteridis 
Fall., Hcdticus apteriis L., Platypscdlus (icantliioides Reut., Diplacus 
alboornatus SiaL \ Myrmecoris gracilis F. Sahlb., Pithamis Märldi 
H.-S., Eroticoris rufescens Burm. ^, Chlamydatus insignis Dgl. et Sc. '^ 
und geminus Flor, Flagiognaihus signatus J. Sahlb.*, saltitans Fall., 
Williinsoni Dgl. et Sc ^ und evanescens Boh. 

Teilt man die Arten nach dem Maß der Verkürzung der FlügeJ 
ein, so bekommt man nach J. Sahlberg die folgenden beiden Gruppen: 

1. Species pterygo-crypto-dimorphae, bei welchen die 
forma brachyptera Hemelytren hat, die sehr wenig oder nicht kürzer 
als der Hinterleib, bisweilen sogar etwas länger sind, und die mit ziem- 
lich wohr entwickelten, wenn auch deutlich verkürzten Flügeln sowie 
Membran versehen sind, wobei letztere häufig nur eine Zelle aufweist : 
Miris holsatus F., Teratocoris Fieb., Fhytocoris varipes Boh. $. 



' Myrmecopliyes alboornatus StSl. — - Alloäapus ruSescenx Burw. — 
■' Cijrtorrhinus flaveolns Eeut. — •* Chlami/clatiis signatus .J. Sahlb. in Lapp- 
läiid. — * Cli. Willcinsoni Dgl. et Sc. ist bis jetzt nur in (Ti-nß-Britannion. 
Frankreich, Skandinavien nnd Finnland festgestellt. 



— 285 — 

2. Species pterygo-phanero-dimorphae, bei welchen die 
forma brachyptera mit Hemelytren, die wenigstens Va kürzer als das 
Abdomen und viel kürzer als bei der forma macroptera sind, sowie 
mit rudimentären oder gar keinen Flügeln versehen ist; unter den 
Capsiden: LeptopternaYiEB., Bothijnotus pilosiis Boh. $('?); JBryocoris 
jderidisFAiÄ.., HaUiciis aiiterus L., Flutifpsallus Reut. \ OrtJwcephali $, 
Eurijcephcda nitida Mey. ", Diplacus Stul^, Myrmecoris Gorski, 
Fithanus Fieb., Eroticoris Dgl. et Sc.*, Licyphus errans Wolff $ 
und palUdits H.-S. $ , Glohiccps flavomaculatiis F. $ und falvipes 
Sc. $^, Chlamydatus amhulans Fall. $'\ Cid. insiynis Dgl. et Sc. ^ 
und yemimis Flor, Flayiognathus signatus J. Sahlb.'?^, sultdans 
Fall., WUkinsoni Dgl. et Sc. und evanescens Boh. 

Letztere Gruppe würde wohl, da noch große Verschiedenheiten 
darin vorkommen (man vergleiche z. B. einerseits Diplacus und 
Myrmecoris und anderseits OrtJwcephali $ und Lahops) , sich noch 
weiter einteilen lassen, aber die oben angegebenen Unterscheidungs- 
merkmale werden genügen. 

Wie aus obigem hervorgeht, habe ich die Bezeichnungen homo- 
und hetero-dimorphae in einem anderen und, wie ich glaube, 
zweckmäßigeren Sinne als J. Sahlberg gebraucht, denn es ist wohl 
nicht ganz zulässig, von Arten, dessen 66 gar nicht dimorph sind, 
zu sagen, daß die Geschlechter ungleich (hetero) dimorph sind, 
dagegen paßt diese Benennung gut in dem Sinn , in welchem ich 
sie gebraucht habe. 

Die in diesem Sinn hetero-dimorphen Arten sind unter den 
Capsiden nur durch die Gattung Teratocoris vertreten. J. Sahlberg 
charakterisiert seine Spec. homo-dimorphae als solche, bei 
welchen „beide Geschlechter in derselben Weise dimorph sind" und 
seine Spee. hetero-dimorphae als Arten, bei welchen „nur die 
W^eibchen dimorph und die Männchen immer normal entwickelt" 
sind. Zu keiner von diesen Kategorien können nun diese Teratocoris- 
Arten gerechnet werden. Ihre Männchen sind nämlich dimorph, aber 
keineswegs in derselben Weise wie die Weibchen. Diese Männchen 
gehören nämlich unter jene Arten, für welche J. Sahlberg (1. c. S. 21) 



^ Flatypsallus acanthioides Sahlb. , lebt nur in Lappland. — ^ Euryv- 
pocoris nitidus Mey. , über ganz Europa (aussclil. England und Spanien) ver- 
breitet. — * Diplacus StIl = Ilyrmecophycs Fieb. — * Eroticoris Dgl. et Sc. 
= ÄUodapiis Fieb. — ^ Glohiceps salicicola Reut., nur in Skandinavien und 
Finnland. — ^ Mecomma amindcms Fall. — ' Cyrtorrhinus flaceolus Reut., in 
Skandinavien und Finnland. — * Chlamydatus signatus 3. Sahlb., in Lappland. 



— 286 — 

die Bezeichnung „psendo-dimorphae" vorgeschlagen hat. Diese 
Bezeichnung erscheint mir aber ganz unpassend, wie auch die Auf- 
fassung Sahlberg's über diesen Dimorphismus mir ganz unnatürhch 
vorkommt. Er sagt nämlich in seiner Anmerkung über Delphax 
3Iinki^: „Ein merkwürdiger Fall kommt beim Männchen von Delphax 
MinM, dessen Weibchen deutlich dimorph ist, vor, welcher darin 
besteht, daß es bisweilen mit unförmlich stark entwickelten Flug- 
organen auftritt, wenn sie auch gewöhnhch (und wahrscheinlich 
ursprünglich) für die Flugfähigkeit normal entwickelt sind." Diese 
Ansicht von den „unförmlich stark entwickelten Flügeln" ist mir 
ganz unerklärlich. Bei der eigentümlichen forma macroptera von 
Issus dissimüis^ sind sie wohl gleich stark entwickelt. Von der 
mit Delphax Minhl nahe verwandten Art Eiäcles speciosa Boh. ^, 
die in betreff des Dimorphismus des Männchens einen ganz ähnlichen 
Fall wie Delphax aufweist, hat J. Sahlbekg, der die forma brachy- 
ptera 6 von speciosa nicht kennt, doch die forma macroptera des 
Männchens als das normale Männchen beschrieben. Nun findet 
man dasselbe Verhältnis unter den oben erwähnten Teratocoris- 
Arten wieder. Das Männchen hat wohl als kurzgeflügelte Form 
entwickelte und flugfähige Halbdecken und Flügel, die ein wenig 
länger als der Hinterleib sind , aber bei der langgeflügelten (der 
ursprünglichen) Form sind sie noch viel länger. Die ganze Er- 
klärung scheint mir darin zu liegen, daß die Verkürzung der Flügel 
bei diesen Arten ganz gering gewesen ist, und daß sie so gewisser- 
maßen das erste Glied der langen Reihe der dimorphen Arten bilden. 
Der Begriff und die Benennung Pseudo-Dimorphismus darf daher 
nach meinem Dafürhalten nicht beibehalten werden. 

V. Geruch. Färbung. Schutzähnlichkeit. Mimicry. 
Gemeinsame Abstammung. 
Bekanntermaßen zeichnen sich die meisten Hemipteren durch 
einen sehr unangenehmen Geruch aus, der von zwei am Grunde des 
Hinterleibs gelegenen Stinkdrüsen herrührt, deren Öffnungen, die so- 
genannten orificia, jederseits zwischen dem Grunde des mittleren 
und hinteren Hüftenpaares ausmünden. Der von den Capsiden her- 
vorgebrachte Geruch ist jedoch gewöhnlich ziemlich schwach. Bei 
mehreren Arten, insbesondere den größeren und bunteren, z. B. Lepto- 



* Aracopus pulchellus Curt. — " Ommatidiotus dissimilis Fall. 
' Euidella speciosa Boh. (alle drei in Deutschland vorkommende Zikadinen). 



— 287 — 

pterna, Calocoris u. m. , ist er ebenso unangenehm wie bei den 
meisten Hemipteren und dient vermutlich diesen leicht in die Augen 
fallenden Arten als Schutz gegen ihre Feinde. Bei anderen unserer 
Arten, z. B. den Arten der Gattung Apocremnus \ habe ich ihn da- 
gegen ganz angenehm gefunden. Den Geruch bemerkt man besonders, 
wenn man eine Zeitlang einige Exemplare in einem geschlossenen 
Glas gehalten hat. Nach Gorski (Analecta ad entom. prov. o.-m. imp. 
Boss. 1852, p. 13) sollen auch Calocoris sex-pundatus Fab. (Carcelü 
Lep.) und Deraeocoris laniarius (tricolor) ^ einen nicht unangenehmen 
Geruch haben ; bei ersterer Art erinnert er an den Duft der Blüte 
von Muscari hotryoidis^. Lygus transversalis^ riecht auch ganz an- 
genehm (F. Sahlberg, Mon, Geoc.) und nach Meyer (Bhynch. d. 
Schweiz, p. 95, 83) riecht Calocoris lateralis'^ nach Birnen. Einer 
großen Anzahl unter den Capsiden fehlt dagegen jeder Geruch, und 
ihre orificia sind in diesem Falle auch oft sehr zurückgebildet. 

Die meisten dieser Capsiden scheinen durch ein anderes Mittel 
als den üblen Geruch gegen ihre Feinde geschützt zu sein. Dieser 
Schutz besteht in der Färbung, die in sehr vielen Fällen mit der 
Umgebung, in der das Tier lebt, übereinstimmt. Eine solche Schutz- 
ähnlichkeit findet sich jedoch auch bei vielen Arten mit deutlichen 
Orificien, die in dem Falle jedoch selten einen erkennbaren Geruch 
besitzen. 

Ein großer Teil der Capsiden ist grün und die grüne Farbe 
wird, je nach den verschiedenen Aufenthaltsorten, in folgender Weise 
abgestuft. Grüne Arten, welche auf den Blättern der Bäume leben, 
sind meistens rein grün, z. B. mehrere Lygi und Orthoii/li, während 
diejenigen , welche an niederen Pflanzen vorkommen , oft eine Bei- 
mischung von Braun oder Grau haben. So sind die meisten auf 
trockenen Wiesen lebenden Arten gelblich- oder graulichgrün oder 
graulich (Oncotylaria) , diejenigen, welche auf dem Boden zwischen 
Graswurzeln sich aufhalten , sind schwärzlich , z. B. die Arten der 
Gattungen Flagiognathtis und Ägalliastes. Bisweilen scheint die 



^ Psallus FiEB. — 2 Capsus ruber Lin. 

^ Die bei uns im ersten Frühjahr blühende zierliche blauglockige , steif - 
blättrige Muskathj^acinthe" aus der Familie der Liliengewächse (vom Laien 
mehrfach mit der gleichfalls blauen , etwas früher blühenden Scilla bifolia L. 
zusammengeworfen). Amyot et Serville geben in Hist. Nat. p. 279 an, daß diese 
Art , nach Ltoa Dufour , einen Geruch habe , der demjenigen der Blumen von 
Hyacinthus racemosus ähnlich sei. Hyacinthiis racemosus Lin. = Muscari 
racemosum Mill. 

" Lygus Pastinacae Fall. — ^ Adelphocoris seticornis Fab. 



— 288 — 

Färbung besonders gewissen Pflanzen oder Pflanzenteilen zu ähneln. 
So sind die auf Nadelbolz lebenden Arten zum großen Teil rotgelb 
oder rötlich, z. B. Alloeotomus gothiciis, Lyc/iis nibricatus , Calocoris in- 
fustts\ Dkhrooscylus rufipennis, Thijlus limitatus^ und auch schwarze 
auf Nadelholz vorkommende Arten , z. B. Hadrodema pinastri •^, 
variieren in eine solche rotgelbe Färbung, die ihnen an den Knospen 
und jungen Ästen als Schutz dient. Eine besondere, den Nadeln 
angepaßte grüne Färbung besitzen die Hemelytren von Hadrodema 
nigriceps^. Eine entsprechende, hoch entwickelte Ähnlichkeit mit 
den Blättern der Nahrungspflanzen findet sich auch bei einigen an- 
deren, z. B. bei Orthotylus {LHocoris) ericetorum, der auf Heidekraut 
vorkommt und insbesondere bei der auf Chenopodiaceen lebenden 
Art Orthotylus flavosparsus^. Eine auf Heidekraut lebende Unterart 
(punctatus Zeit.) von Lygus pratensis scheint eben in der Über- 
einstimmung mit der Pflanze auch eine von der Hauptform ab- 
w^eichende Zeichnung und Färbung zu besitzen. Die x\rten der 
Gattung Fhytocoris ahmen meisterlich die Flechtenbekleidung der- 
jenigen Bäume, auf denen sie zumeist umherkriechen, nach und falls 
Kaltenbach's Angabe (Die Pflanzenfeinde, 1874, S. 562), daß Ph. 
tiliae, wenn sie in den Furchen der Rinde der Bäume versteckt 
sitzt, auf sich nähernde kleine Insektenlarven und Blattläuse lauert, 
um sie erbeuten zu können, auf einer richtigen Beobachtung beruht, 
so dürfte in diesem Falle die Farbenähnlichkeit der Art mit den 
Flechten nicht nur denselben als Schutz gegen B^einde dienen, sondern 
auch, indem sie dadurch für die kleinen Insekten unsichtbar ge- 
macht wird, den Fang der Beute erleichtern. — In vielen Fällen 
scheint diese Schutzähnlichkeit sich nur auf die Nymphen oder Larven 
zu beschränken oder doch bei denselben höher entwickelt zu sein. 
Viele bunte Arten haben nämlich grüne oder grünliche Nymphen ; 
so sind die Nymphen des schwärzlichen Liocoris tripustidatus und 
PlagiognatJms arbiistorum grün , mit kleinen schwarzen Körnchen 
bestreut. Die Larven und Nymphen des bunten Glohiceps flavo- 
tiotatits sind auch grünlich, und die Nymphen des im Grase lebenden 



^ Meyacoelum infusum H.-Sch. — - Bruchyarthrum limitatum Fall. — 
^ Camptozyyum Pinastri Fall. 

* Zygimns nigriceps Fall., kommt nur in Skandinavien nnd Finnland vor. 

* Von ausländischen Arten zeigt der mediterrane Flaßiognathus (Aio- 
moscelis) oniistm eine ähnliche Nachahmung der Nahrungspflanze, Chcnopodiim, 
und noch größer ist diese Nachahmung bei Sah iioxyplms lepidm Put., ebenfalls 
nach Chenopodiaceen. 



bunten Lygus pratensis und Kahm, ferner die mehrerer Jf Iris- Arten, 
sowie der auf Filices vorkommenden Monalocoris ßlicis zeichnen 
sich durch eine ebensolche, von den betreffenden Imagines ab- 
weichenden Färbung aus, und noch mehrere solcher Fälle würde 
man aufzählen können. Natürlich ist die Schutzfärbung den Larven 
ebenso nützlich wie den erwachsenen Tieren. 

Diese Schutzähnlichkeit tritt in einigen Fällen noch merkwür- 
diger auf. Diese Fälle gehören zu der als „Mimicry" oder „Mas- 
kierung" bezeichneten Schutzähnlichkeit. Die erste Tendenz einer 
solchen finden wir, wie es scheint, bei den Arten der Gattung Pilo- 
phorns, deren Körper in der Mitte etwas eingeschnürt, heller gefärbt 
und daher ameisenähnlich ist. Es ist auch mehr als einmal vor- 
gekommen, daß P. hifasciatits der Aufmerksamkeit des Verfassers 
beinahe entging, wenn er im Netze unter Formica riifa umher- 
lief und dabei in Geschwindigkeit und Bewegung die größte Ähn- 
lichkeit mit Ameisen zeigte ^ Auch P. clavatiis ähnelt sehr einer 
Ameise, und diese Ähnlichkeit ist fast noch größer bei der betreffen- 
den Nymphe, die sehr leicht mit Lasius niger verwechselt werden 
kann. Am heutigen Tage, wo ich diese Zeilen schreibe, habe ich 
gerade eine Menge Nymphen dieser Art auf einer Erle gesammelt, 
wo sie in Gesellschaft der kleinen schwarzen Ameise umherliefen. 
Ich habe diese Art auch zusammen mit Lasius fuliginosus gefunden 
und ihre teils seidenschimmernden, teils glatten Flügel machen die 
Ähnhchkeit mit dieser Art noch größer. Besonders meisterhaft ist 
die Ameisen nachahmende Maskierung, welche sich bei einigen 
brachypteren Formen findet und meist bei dem Weibchen am 
stärksten ausgeprägt ist. Dies ist z. B. bei Biplacus und Myr- 
7necoris- der Fall; bei Systellonotus triguttatus findet sie sich nur 
beim Weibchen. Wozu die Ähnlichkeit nützt, ist noch nicht fest- 
gestellt. Die Pdo2)honis- Arten leben auf Bäumen und Büschen, und 
es ist auffallend, daß ich dann auf diesen meist auch Ameisen fand. 
Ich kann nicht unterlassen, die Vermutung auszusprechen, daß diese 
Tiere von Aphiden leben, wie es bei Phytocoris tiliae (nach Kalten- 



^ Daß der Verf. hierin nicht der einzige gewesen ist, ergibt sich aus dem, 
was Douglas und Scott (Brit. Hern. p. 360) von dieser Art sagen : „In the net 
it niight easily be mistaken for a small specimen of the large wood ant For- 
mica riifa". Cremnocephalus ist fast ebenso ameisenähnlich wie Pilophorus. 

^ M. gracilis F. Sahlb. ahmt meisterlich Formica rttfa nach, Puton hat 
(Pet. nouv. ent. 1874) eine M. Saundersi beschrieben, die nach seiner brieflich 
mitgeteilten Angabe in staunenswerter Weise an eine Camponotus-kxt erinnert. 

Jahreshefte d. Vereins f. vaterl. Naturkunde in Württ. 1906. 19 



— 290 — 

back) der Fall ist, und daß sie durch ihre Ameisenähnlichkeit vor 
den Ameisen geschützt sind, welche bekanntermaßen ebenfalls eifrig 
ÄpJiis-Kolomen aufsuchen. Wahrscheinlich lebt der auf Piniis vor- 
kommende P. hifasciatiis F. insbesondere von Lachnus-kviQn. — 
Mtjrmecoris wurde einmal von mir in der Nähe eines Ameisenhaufens 
der Forniica riifa gefunden, und von SysteUonotus habe ich durch 
mehrere Beobachtungen festgestellt, daß er mit Lasiiis niger zu- 
sammenlebt und eine myrmecophile Art ist, die . einzige Capsidenart, 
von welcher man dies mit Gewißheit weiß ^ Daß das Weibchen 
gewöhnlich am deutlichsten maskiert ist, steht damit in Verbindung, 
daß dessen Erhaltung für die Fortpflanzung der Art von größter 
Wichtigkeit ist. Douglas, der ebenfalls dies Tier zusammen mit 
Formica fiisca fand (Entom. Month. Mag. Vol. II, p. 30) glaubt, daß 
es von den Larven oder Puppen oder von der heimgetragenen 
Nahrung der Ameisen lebt. Daß bei den myrmecophilen Formen 
diese Maskierung in einer gewissen Verbindung mit den besonderen 
Lebensverhältnissen der Art in den Kolonien der Ameisen steht, ist 
zweifelsohne. Übrigens ist es bemerkenswert, daß fast alle Fälle 
von Maskierung bei den Capsiden in einer Nachahmung der Ameisen 
bestehen. (Auch in anderen Familien kommt eine solche Nach- 
ahmung von Ameisen vor. So ähnelt die von mir im vorigen S6mmer 
entdeckte Nymphe von Alydus calcaratus ganz außerordentlich einer 
großen, roten Ameise.) Die dicken behaarten Larven und Nymphen 
von Bothynotus pilosus gleichen ganz auffallend Blattläusen, besonders 
den auf Firnis lebenden Lachmis- Arten. Diese Maskierung scheint 
mir noch mehr dafür zu sprechen , daß einige Capsiden von Blatt- 
läusen leben (wie z. B. die Anthocoriden). Denn wahrscheinhch 
bietet die Maskierung diesen Insekten die Möghchkeit, sich ihrer 
Beute unbemerkt nähern zu können. Die Erklärung, welche hierin 
einen möglichen Schutz gegen die Aphis-h eandMehen Ameisen sieht, 
dürfte auch nicht ganz unbegründet sein. 



Ich kehre nochmals zu einigen Betrachtungen über Färbung 
und Zeichnung zurück. Sowohl die Färbung und Zeichnung, als 
auch die Beschaffenheit der Behaarung spielt nämlich in der Syste- 

' Vergl. Reuter, Aineisen-Ähnlichkeitninter den Hemipteren in den „Mit- 
teilungen der Schweiz, entom. Ges.-' IV, p. 159, referiert von Douglas in „Entom. 
Month. Mag." 1874, p. 128. 



— 291 - 

matik dieser Tiere eine nicht unwichtige Rolle und helfen oft dem 
Systematiker beim Aufsuchen der nächsten Verwandten einer Form. 
Insbesondere bei der Abgrenzung der Gattungen kann es ganz nütz- 
lich sein, die Zeichnung näher zu berücksichtigen. Nachdem ich 
erst einmal auf die Ähnlichkeit in Färbung und Zeichnung aufmerk- 
sam geworden , habe ich nachher nicht selten eine Menge gemein- 
samer Charaktere auch in der Struktur gefunden, welche oft wesent- 
licher waren als jene, welche früher zur Gruppierung der Gattungen 
angewandt wurden und mich zu einer Änderung hierin veranlaßten. 
Ich führe als Beispiel nur die Ähnlichkeit in der Zeichnung von 
Fieber's Homodemus ferrugatiis^ und einer Varietät von Calocoris 
hipundatus an^; durch genauere Untersuchung hat es sich heraus- 
gestellt, daß dieselben in gar nichts generisch verschieden sind, 
sondern was ihre Struktur betrifft , in allen Einzelheiten überein- 
stimmen ; ferner zählt hierher die Ähnlichkeit in der Färbung und 
den gelben Flecken des Kopfes von Luhops Snhlhergi Fall, und 
OrthocephahiS Freyi Fieb. ^, sowie fJavomarginaüts Costa*. Als ich 
die beiden letzteren genauer untersuchte, erwies es sich, daß sie in 
der Struktur des Kopfes, der Ansatzstelle der Fühler, der Be- 
haarung usw. so viele wichtige Ähnlichkeiten mit Labops und wesent- 
liche Unähnlichkeiten mit den typischen Orthocephali aufweisen, daß 
ich mich nicht bedachte, sie von der letzteren Gattung zu trennen 
und mit der ersteren zu vereinigen. Weiter gehört hierher das Vor- 
handensein eines kleinen gelben Fleckes auf dem Scheitel neben jedem 
Auge bei Fieber's PlagiognatJins Bohemani Fall. ^ und Ägalliastes 
nigritulus Zett. *^, welche bei näherer Untersuchung in allen struk- 
turellen Beziehungen übereinstimmen , aber sowohl von Ägalliastes 
als auch von Flagiognatlms sich unterscheiden. Bei der Begrenzung 
und Vereinigung früher beschriebener Gattungen ist die Färbung 
auch ein guter Anhaltspunkt gewesen, und wenn auch die eigent- 
liche Hauptfärbung vielfach verschieden gewesen, so hat doch irgend- 
welche kleine, aber charakteristische Zeichnung gute Aufklärung ge- 

' Calocoris roseomaculatas Deg. 

^ Var. atacHs Reut.: Männchen mit einer rostbraunen Binde auf der 
Mitte des Clavus und 2 solchen auf dem Ooriuni; die Adern der ]\[embran ocker- 
farben, seltener rot. c?. 

^ Anapuft Freyi Fieb. in Süd-Rußland. 

•* Schoenocoris flavomarginatus Costa in Italien und den Karpathen. 

^ Neocoris Bohemani Fall. 

^ Neocoris^ niffritulns Zett., nur in England, Skandinavien %nd Finnland 
vorkommend (beide Arten nunmehr einer Gattung angehörend). 

19* 



— 292 — 

geben. Ein kleiner, konstanter, gelber Fleck neben jedem Auge hat 
in solchen Fällen die nahe Verwandtschaft zwischen Fieber's Genera 
Mecomma, Cyrtorrhinns und Tytthus bestätigt und ebenfalls zwischen 
Poeciloscytus, Polymerus und Charagochilus, welche Gruppen ich zu 
je einer Gattung vereinigt habe. Ein solcher kleiner gelber Fleck 
zeichnet auch die Orthocephali aus, kommt aber bei den verschie- 
denen Arten bald konstant, bald nur bei ihren Varietäten vor; jeden- 
falls ist er etwas Charakteristisches. 

Gehen wir nun zu der Betrachtung größerer Gruppen über, 
so werden wir auch hier einen gemeinsamen Typus vorherrschend 
finden. So in der Division Miraria 2 — 4 dunkle, oft breite, durch- 
laufende Längsstreifen auf Pronotum ^ und ein ähnlicher Fleck neben 
dem Auge ; bei den Phytocoraria eine meist hellere oder lebhaftere 
Färbung am Cuneus, w^as ebenfalls die Mehrzahl der Plagiognatharia 
auszeichnet. Bei den Capsaria ist es ein schwarzer Fleck oder ein 
Querband nahe der Spitze des Corium (bei mehreren Arten der 
FiEBER'schen Gattungen Lyyus, Orthops. Cyphodema, Poeciloscytus, 
Camptobrochis, Capsus ; bisweilen nur bei den Varietäten , wie bei 
CypJwdema [Ägtiocoris] rubicunda Fall.). Eine große Gruppe der 
Division Cyllocoraria, die sich im allgemeinen durch ihre schwarz- 
gefärbten Arten auszeichnet, hat die Halbdecken mit vier helleren 
Flecken gezeichnet: auch die Zeichnung bei der Division Loparia^ 
ist äußerst charakteristisch, ebenso ist der dunkle, grüne Farbton der 
Division Oncotylaria, die außerdem sich durch die typische schwarze 
Beborstung auszeichnet, dieser Abteilung eigen. Diese gemeinsamen 
Umstände ließen mich sofort die Verwandtschaft der Gattungen 
Hadrophyes, Xenocoris^, Oncotylus, Anoterops^ einerseits und Macro- 
coleus ^, Awblytylus etc. andererseits ahnen und es hat sich auch her- 
ausgestellt, daß diese in allem W^esentlichen übereinstimmen, trotz- 
dem sie von Fieber weit getrennt wurden ; ja , daß sie bisweilen 
derartig dieselben Merkmale besitzen, daß ich mich veranlaßt ge- 
funden habe , sie zu einer Gattung zu vereinigen , ebenso die von 



' Dies ist auch für die am nächsten stehende Division Miridiaria be- 
zeichnend. 

'■* Neuerdings ist die Division Loparia (mit der einzigen europäischen 
Gattung Lo/jH^ Hahn) der grotien Division Capsaria einverleibt. 

^ Zurzeit nur Covostethus venustus Fieb., im Mittelmeergebiet. 

* Zurzeit (der in England, Frankreich, Deutschland, Osterreich imd Ruß- 
land vorkomtiende) Oncotylus viridiflavus Goeze. 

" Seit 1890: Mef/alocolens Ukvt. 



— 298 - 

J. Sahlberg weit getrennten Gattungen Mermimerus^ und Macro- 
colens. Auch war es zuerst die Ähnlichkeit im allgemeinen Habitus, 
wodurch ich auf die auf Tamarix lebenden Fscdlus tamarisci Perr. 
{nofatus FiEB.y-^ , Oncotylus hippophats Perr. {tamarisci Fieb.) ^ und 
Megalodadylus macula- rubra Muls. et Rey* aufmerksam wurde, 
welche sich schließlich alle als nicht generisch verschieden erwiesen, 
wohl aber sich von Psnllus als auch Oncotylus unterscheiden. — 
Daß auch die Behaarung eine nicht minder wichtige Rolle spielt, 
zeigen die Arten der Gattung Phytocoris mit ihrer filzartigen, äußerst 
charakteristischen Bekleidung, ferner jene Arten, deren Körper mit 
leicht abzureibenden silber- oder goldigglänzenden Schuppenhaaren 
bekleidet ist, z. B. Heterocoräylus, Orthocephalus und Labops in der 
Division der Cyllocoraria^ und Fieber's Ätractotomus, Apocremmis 
und Psalhis unter den Plagiognatharia. Diese Behaarung hat 
auch Ägalliastes obscurellus Fall. {Meyer l Fieb.)^ seinen noch durch 
andere Charaktere bedingten Platz unter den Psalli angewiesen. — 
Aber nun genug von diesen Beispielen! 

Ich habe diese Sache eingehender behandelt, als es vielleicht 
nach der Meinung anderer nötig gewesen wäre, aber es handelt sich 
hier um eine wichtige Frage, auf welche meine Aufmerksamkeit eben 
scharf gerichtet war. Wie soll man wohl diese Ähnlichkeit in der 
Zeichnung, wie überhaupt in Färbung und Struktur erklären, ein 
Verhältnis, wovon sich auch in anderen Insektenordnungen zahlreiche 
Beispiele finden? Wir geraten hier auf die DARWiN'sche Hypothese 
und es scheint mir, daß gerade diese kleinen konstanten Zeichnungen, 
welche, so unwesentUch sie auch auf den ersten Blick erscheinen 
mögen, dennoch eine wichtige Rolle spielen, indem sie, wie z. B. 
der kleine gelbe Fleck neben den Augen einiger Arten, den Verfasser 
die Verwandtschaft eben dieser Arten erkennen ließen, doch ganz 
entschieden für die Richtigkeit der- Lehre Darwin's sprechen. Oder 
soll man sie als reine Zufälligkeiten oder Willkürlichkeiten der Natur 

' Merinimerus (jetzt Genus Macrotyhis Fieb.) J. Sahlberl;, Notis. Skpts. 
pio Faun, et Flor. Fenn. XI, 1871, p. 293; Reuter, Bih. Vet. Aka. Handl. III 
(1), 1875. p. 4.3. 

~ Tiqjonia TcDiutrici.s Perris in Süd-Europa. 

^ Tupunia Hippophaes Fieb. gleichfalls in Süd-Europa (Elsaß?). 

* Mef/aloJattyhis imunla-raJira Mils. et Eey in Süd-Europa. 

'" Hierbei ist zu beachten, daß Reuters Division Cyllocoraria 1875 
ganz andere Gattungen in sich begreift, als seine Division Cyllocoraria 1883 
(Put. Cat. 1899). 

•^ Psallns obficurelliis Fall, (über ganz Europa verbreitet). 



— 294 - 

ansehen, die man weder zu erklären braucht noch vermag? Am 
meisten überzeugend erscheinen mir jedoch die Fälle, wo eine und 
dieselbe Zeichnung bei der einen Art konstant vorkommt, bei der 
anderen höchstens nur ausnahmsweise, wie z. B. der gelbe Scheitel- 
fleck der Orthocephali oder die rotgestreifte Zeichnung der Halb- 
decken bei Calocoris roseomaculahis Dg. {Homoäemus ferrugatus 
FiEB.) und C. hipimäatus F. var. b. Das ausnahmsweise Auftreten 
einer Zeichnung bei einer Art, wobei eben diese Zeichnung für eine 
andere Art charakteristisch ist, scheint mir mehr als irgend etwas 
anderes für einen gemeinsamen genealogischen Ursprung zu sprechen 
und auf einen Rückschlag bei der einen Art nach der Stammform 
hinzuweisen, deren Zeichnung die andere Art beibehalten hat \ 

Auch die Färbung der Larven spricht für eine gemeinsame Ab- 
stammung , denn in vielen Fällen ähneln diese sich noch mehr als 
die Imagines. Einige der eigentümlichsten und besten Beispiele 
mögen hier angeführt werden: Orthocephalus saltator Hahn unter- 
scheidet sich von 0. coriaceus F. {nmtahilis Fall.), dem. er in Fär- 
bung sonst ähnelt , durch rostrote Schienen , während diese bei 
letzterer Art schwarz sind, aber bei den Larven und Nymphen der 
ersteren Art habe ich immer gefunden, daß die Schienen, wie bei 
coriaceus, konstant schwarz sind. Es ist ja auch ein allgemeines 
Gesetz, daß der gemeinsame Ursprung in einem früheren Entwicklungs- 
stadium am deutlichsten auftritt". ■ — Flagiognathus arhistoruni F. 
ist